Tag 11: Wat Nokor, Kampong Cham, Wat Hanchey, Kroch Chhmar

Was sich liest, liebe Tagebuchleser, wie ein geheimnisvoller Zauberspruch, ist eigentlich nur unsere heutige Route. Wo bei „eigentlich nur“ die Untertreibung des Jahres ist, denn wir hatten volles Programm.

Nachdem wir gestern schon in Kampong Cham angelandet waren, konnten wir heute etwas länger schlafen. Nach dem Frühstück hieß um 9 Uhr früh: Ab zum Wat Nokor. Und dies mit einem Bus. Diese Klosteranlage hat einen Teil, der älter ist als Angkor Wat und aus dem 11. Jahrhundert stammt. Präangkorianisch nennt man das dann. Drumherum gibt es allerdings viele andere Stilrichtungen. Der Altar ist ganz besonders. Er ist ein Mischmasch. Der Buddhismus ist ja quasi auf den Hinduismus aufgepflanzt worden. Teile des Tempels wurden umgemeißelt. Aber man erkennt nicht nur hier, dass der Hinduismus eine wichtig Rolle spielt(e). Shiva, Brahma und Vishnu sind trotz buddhistischer Prägung allgegenwärtig.

Auf dem Klostergelände leben ein paar alte Dorfbewohner, es ist quasi ein Altenheimersatz. Man kümmert sich ein bisschen um den Tempel, dafür bringen junge Dörfler Essen vorbei. Zwei Damen haben sich der Aufgabe verschrieben, Touristen Armbänder umzubinden, um dafür entlohnt zu werden. Dies machen sie sehr aufdringlich. Nun kommen wir zu einem schwierigen Thema: Betteln.

Unsere Reiseleiter haben dazu unterschiedliche Ansätze. Einiges ist in die Waagschale zu werfen: Falls Du etwas nimmst, musst Du womöglich dafür geben. Wenn Du helfen möchtest, gib dem Abt oder Lehrer. Wenn man bettelnden Kindern Geld gibt, gehen sie nicht zur Schule. Süßigkeiten sind ganz verboten. Schokolade verursacht hier Durchfall. Es tut weh, bettelnde Kinder abzuweisen, aber es ist auch seitens der Gemeinden erwünscht. Wenn das Herz zu sehr blutet angesichts großer Kinderaugen, sollte man für Projekte spenden.

Wir fuhren wieder flusswärts zum Markt von Kompong Cham (unterschiedliche Schreibweisen sind gestattet, da das Khmer kein lateinisches Alphabet kennt), um den großen Markt zu besichtigen. Es gab einiges zu bestaunen. Und besonders wird es Mami freuen, dass es hier auch lecker Zunge gibt. Sieht allerdings ein bisschen anders aus als zuhause. Auch würde ein freundlich lächelnder Schweinekopf wohl kaum auf unserem Tisch landen. Aber warten wir mal das Weihnachtsessen der Familie ab ;-). Lidy stellte uns einer Gemüsehändlerin vor, die wohl das Schiff regelmäßig beliefert. Als ich eine große Ingwerwurzel für Ingwertee kaufen wollte, hat sie mir die geschenkt. Das fand ich sehr nett.

Wir verließen Kampong Cham und legten in Wat Hanchey an. WOW! Aber von vorne.

Der Tempel liegt auf einem Hügel und ist am besten per Moped zu erreichen. Daher stehen am Anleger schon einige Zweiradbesitzer bereit, die sehnlichst darauf hoffen, dass die Gäste an Bord sich nichts anderes wünschen, als einmal als helmloser Sozius eine halsbrecherische Fahrt den Hügel hinauf zu unternehmen. Nun. Äh. Es gibt eine Treppe. Es gibt eine Rampe. Die meisten wählten Mofa. Ich wählte Buddha: Geburt. Leiden. Tod.

Naja, ich übertreibe jetzt auch ein bisschen. Ich war etwas verschwitzt, als ich die Rampe überstanden hatte. Aber es war machbar. Wat Hanchey ist riesig. Wat Hanchey ist ziemlich … bunt. Es gab interessante Beschallung. Ich glaube, dass da auch irgendetwas Feierliches vor sich ging, denn es war sehr quirlig. Aber eine der Reiseleitungen schoben das auf den Sonntag, der nach internationalen Gepflogenheiten selbst hier auch für viele Menschen „arbeitsfrei“ bedeutet. Zurück dann die lange reiseführerfotogeeignete Treppe.

Wieder an Bord hatte ich meine Massage. Die Lan Diep beschäftigt eine Masseurin, die auch gut gebucht wird. Da ich aktuell Probleme (ich sag nur Elefantenritt und Ochsenkarrenfahrt) habe, wählte ich für 16 Dollar die Kopf-/Hals-/Rückenmassage. Nun, was soll ich sagen. Ich bin nicht geheilt, sondern fühle mich ziemlich durchgewalkt. Aber ich glaube, ein paar Knoten wurden gelöst und das Fleisch neu geschichtet. Auf jeden Fall hatte diese sehr zierliche Person ein hammerharten Griff! Ich werde vielleicht über die Spätfolgen noch berichten.

Beim Abendessen konnte ich unserem Tisch einen Sekt spendieren, denn da ich online gebucht hatte (so zumindest die Vermutung der Reiseleitung), fand ich eine Flasche Cava auf meinem Zimmer vor. Der war dann auch trinkbar.

Wir verließen Wat Hanchey und landeten in Kroch Chhmar an. Statt, wie ursprünglich beabsichtigt, den Film „Killing Fields“ zu sehen, habe ich mich mit den Kanadiern unterhalten und später auch mit der Reiseleiterin. Während wir draußen saßen, verließen einige der Zuschauer die Vorführung. Sie waren zu entsetzt.

Dawinn wird morgen über die Khmer rouge referieren. Er war ja Opfer. Und wir haben in unserer Gruppe einen Mitreisenden, der 1972 vor den roten Khmer floh und bis jetzt nicht wieder in seinem Heimatland war.

Ich hoffe, Euch daheim geht es allen gut und sende Euch viele liebe Grüße!

Euer Gerry

P.S.: Hochwasser… Ich hörte von 13 Metern Unterschied. Wenn das Hochwasser vorbei ist, kommt das Niedrigwasser. ZU-Niedrigwasser. Letztlich ist die neu erbaute Uferpromenade von Kompong Cham teilweise weggespült worden.

Ein Gedanke zu „Tag 11: Wat Nokor, Kampong Cham, Wat Hanchey, Kroch Chhmar“

  1. Lieber Gerald,
    Deine Reise ist ja richtig abenteuerlich und Dein Reisebericht sehr unterhaltsam! Hoffentlich hat sich Dein Rücken von den Strapazen erholt, damit Du unbeschwert die vielen Reiseeindrücke genießen kannst.
    Weiterhin gute Reise wünschen
    Bärbel und Ernst

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