Die größte Gummizelle der Welt

Ihr Lieben,

diese Woche habe drei Nächte in Holzheim übernachtet. Mein Bruder Oliver musste zu einem Meeting in Frankfurt, da habe ich quasi seine Schicht übernommen. Ich fuhr beladen wie ein Packesel am Dienstag nach der Arbeit hin, den Rest Schweinebraten und einen riesigen Topf voll „türkischem Hammelgericht“ im Gepäck. Beides kam sehr gut an. Damit aber hier kein falscher Eindruck entsteht: Wir hatten Mittwochmittag auch mal einen Salat 🙂

Am Mittwoch nach Homeoffice-Schluss fuhr ich zum Obi, ich wollte Grabschalen erstehen. Der Gärtner will ja erst nächstes Jahr das Grab meines Vaters bepflanzen, weil er die Erdabsackung abwarten will. Damit es aber nicht zu trist aussieht, wollte ich wenigstens ein bisschen Grün draufstellen. Ich wurde bei Obi nicht fündig und ließ mich deswegen vom Navi zum nächstgelegenen Gartencenter leiten. Leutz, ich stand auf einem Acker und hatte angeblich „das Ziel erreicht“! So eine Vera…lberung. Zum Gartencenter in Weckhoven schaffte ich es dann kurz vor Toresschluss und bestellte einfach dort zwei Schalen und gab der Floristin freie Hand; die haben ja doch mehr Ahnung von der Materie. Oliver holte die am Freitag ab und sie sind auch ganz hübsch geworden.

Donnerstag nach Arbeitsschluss dann fuhr ich in den Haribo-Werksverkauf, wo man Sondereditionen und Megapackungen mit B-Ware erwerben kann. Es gibt auch eine riesige Selbstbedienungswand. Ich habe dann mal für die ganze Familie einen Großeinkauf getätigt, so dass für jeden etwas dabei ist. Ob es jetzt viel preiswerter ist als „draußen“ sei dahingestellt. Interessant ist vielleicht für einige das vegane Regal oder Sondereditionen zu Oktoberfest, Halloween, Harry Potter etc.

Donnerstagabend gab es Croque Camembert. Das ist einfach und ganz lecker: Dunkle Brotscheiben (bei mir Dinkel) toasten, mit einer Knoblauchzehe einreiben, Camembert oder Brie drauf, mit Rosenpaprika und Pfeffer würzen sowie dünne Zwiebelringe drauf, zweite Brotscheibe drüber und im Ofen backen, bis der Käse zerlaufen ist. Freitagfrüh fuhr ich dann von Holzheim aus ins Büro.

Am Samstag kam meine Gattin samt Hund vorbei und wir begaben uns ins Bergische Land, um um Schloss Gimborn herum zu wandern. 10 Kilometer mit 250 Höhenmetern Auf- und Abstieg. Man bekommt einiges geboten: Teiche, Bäche, ein Schloss, zwei Ruinen, Höfe, Wälder, Felder, haufenweise Tiere. Wirklich eine tolle und abwechslungsreiche Wanderung. Ich hatte sie übrigens in irgendeiner Zeitung unter der Rubrik „die 10 schönsten Wanderungen“ entdeckt, dafür war dann aber mal so überhaupt nichts los! Das fanden wir aber ganz gut.

Abends haben wir uns dann erstmal Wanderbiere gezischt und uns etwas vom arabischen Restaurant kommen lassen. Es ist so schön, wenn man einen Grund hat, zu sündigen! Da fühlt man sich direkt viel weniger schuldig, wenn einem Pommesreste mit Mayo auf dem T-Shirt kleben :-). Am Sonntag hatte ich dann etwas Ziehen in den Beinen, ab der Zwergenhöhle (ja auch die gab es zu sehen!) war der Aufstieg nicht ganz ohne für so einen alten Sack wie mich. Dafür habe dann aber am Sonntag einfach nur herumgelümmelt.

Ihr Lieben, in einer Woche geht’s in den Urlaub. Von Warnemünde nach Marseille und dann weiter nach Nizza. Ich freue mich schon sehr, ich hoffe, einige begleiten mich wieder virtuell. Liebe Grüße, Euer

Laue Nächte auf dem Balkon

Was der Massenerhaltungssatz mit Pflaumenmus zu tun hat

Ihr Lieben,

neinneinnein, keine Angst, das wird keine naturwissenschaftliche Abhandlung. Ich bin da ja selbst nicht allzu bewandert, auch wenn ich gerne Bücher über überraschende Phänomene auf diesem Gebiet lese.

Die Zeit seit dem letzten Eintrag war erstaunlich ruhig, es ist unter der Woche wenig passiert. Ich bin ja jetzt in einem Diabetes-Programm (wo mich mein früherer Hausarzt schon vor Jahren hätte reinpacken müssen) und war bei der routinemäßigen Blutabnahme. Die Ergebnisse erfahre ich erst kurz vor meinem Urlaub, da der Doc auch mal ein paar Tage frei hat. Sie seien ihm gegönnt.

Am Samstag hatte ich keine Termine und so tobte ich mich in Haushalt und Küche aus. Ich nähte(!!!) ein Loch in der Hosentasche, das darf sich allerdings kein Profi angucken, sortierte Papiere, wusch Wäsche und Geschirr und schaute nach einem Hotel für die Zwischenfeiertage im Dezember (bisher ergebnislos). Und verwüstete die Küche.

Zum einen gab es Pflaumenmus. Zwar hatte ich kürzlich erst Powidl im Auguste zubereitet, aber da war nicht mehr viel von übrig. Diesmal machte ich Mus im Backofen; aus den anderthalb Kilogramm schon entkernten Pflaumen (plus 150 Gramm Zucker plus 3 EL Rum plus ein paar Gewürze) bekam ich gerade mal anderthalb Gläser Mus raus. Wo ist der Rest hin? Und schon sind wir bei der Überschrift. Der Massenerhaltungssatz besagt ja – verkürzt ausgedrückt -, dass Materie nicht verloren geht. Hm. Das bedeutet, dass sich jetzt ganz viele Pflaumensaftatome mit meiner Küchentapete verbunden haben. Naja. Aber lecker ist das Mus geworden.

Dann hatte ich plötzlich unbändigen Appetit auf Schweinebraten, Rotkohl und Knödel. Den Kohl (war sogar sehr gut) und die Knödel (naja) kaufte ich fertig, und den Braten machte ich dann mit einer Starkbiersauce. Den besten Bier-Schweinbraten meines Leben hatte ich ja mal in einem kleinen Kaff in Bayern, Garching, das ist Jahrzehnte her: eine Sauce zum Reinknien, der Kohl perfekt und der eine Semmelknödel fluffig und von der Größe eines Jupitermondes. Für 7 Mark 80. Mein Braten kam diesmal nahe dran.

Sonntag dann ging es in die Abteil Brauweiler zu den KunstTagen Rhein-Erft. Da bin ich seit Anbeginn der Zeiten fast jedes Jahr. Ich glaube, ich habe nur zwei oder drei Termine verpasst. Ich traf mich mit Ruth in strömendem Regen, so schlenderten wir erst einmal durch die Säle des Hauptgebäudes. Wie immer wurde ich sofort fündig bei der Ausstellung der Schüler*innen der LVR-Donatus-Schule. Die anderen Künstler waren auch sehr sehenswert. Was auffällt ist der Trend, hochpreisigerer Kunst den Zuschlag zu geben. Tolle Sachen! Aber 12.000€ für ein Triptychon habe ich jetzt nicht mal eben so, abgesehen vom Platz (es war es wert, keine Frage!). Ich habe mir zwei kleine Metallskulpturen von Karl-Heinz Pesch geleistet, einem sehr sympathischen Künstler.

Als wir mit Sälen, Nebengebäuden und Kreuzgang durch waren, schüttete es immer noch. Wir huschten daher nur schnell durch die Außenanlagen, wo es – zumindest aus dem Augenwinkel heraus – auch wieder schöne Skulpturen gab. Wer den Platz hat… Danach ging es ins Café zu Kirschstreusel (es gibt vielleicht doch einen Gott) und Milchkaffee.

Ihr Lieben, schon wieder eine Woche rum, schon wieder eine Woche näher an der Rente. Habt noch einen schönen Sonntagabend und morgen einen famosen Start in die Woche. Euer

P.S.: Ich habe Montag mal gedacht, warum nicht mal einen Auflauf mit Kartoffeln, Hackfleisch, Gemüse und Cheddar ohne Anbraten und Schichten etc. probieren? Alles mischen, würzen und ab dafür. Naja, aus dem Ergebnis kann man Häuser bauen. Findet mal keinen Eingang in meine Kochbücher.

P.P.S.: Unter unseren Büros eröffnete diesen Freitag der Ableger einer auf Instagram gehypten Hähnchenbraterei. Schon Stunden vor der Eröffnung versammelten sich dort vor allem Kinder (Schulpflicht?), später wuchs die Menge an und es kam zu Tumulten. Na, wem’s Spaß bereitet.

Ja, mach nur einen Plan…

Ihr Lieben,

diese Phrase (sowie die folgenden Zeilen) aus dem „Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ aus der Dreigroschenoper von Brecht gehört zu meinen Lieblingszitaten. Denn erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Aber dazu später.

Seit dem letzten Tag Barcelona habe ich hier nichts mehr geschrieben. Viel Aufregendes ist auch nicht passiert. Aus Barcelona bin ich gut weggekommen, nur mit einem kleinen bisschen Verspätung. 6 Uhr aufstehen ist halt nicht so wirklich meins. Aber wenigstens kann man sich in Spanien sicher sein, dass man ohne allzu viele Sperenzchen zum Flughafen kommt.

Das Steinmetzunternehmen hat uns einen Grabsteinentwurf zugesandt, wir waren alle damit einverstanden, und in etwa zwei Wochen kann ich endlich Pflanzschalen für das Grab kaufen. Und wenn wir schon bei Familie sind: der letzte Kaffeeklatsch hat, in sehr kleiner Besetzung, bei mir in Köln stattgefunden und war sehr nett. Ich hatte Kürbiskuchen gebacken, diesmal aber wieder mit Hokkaido sowie mit Kirschen und Schokoladenstückchen drin. Man muss halt immer ein bisschen variieren 😋.

An unserem Standort Braunschweig haben wir ja wegen Abmietung der Flächen umgebaut, das fast fertige Ergebnis haben wir dann mal angesehen, mit dem Verteter des Vermieters Verhandlungen geführt. Zudem hatte ich eine Ausschusssitzung und der Betriebsrat hat mich um Gespräche gebeten. So war ich Mittwoch und Donnerstag theoretisch zwei komplette Tage vor Ort. Allein die Deutsche Bahn hat es mal wieder geschafft, dass mir einige Stunden wertvolle Lebens- und Arbeitszeit verloren gingen. Dennoch alles geschafft. Ich erinnere mich an Zeiten, wo ich gerne Bahn fuhr und die Vorzüge in höchsten Tönen pries. VorZÜGE. HAH!

Bleiben wir kurz bei der Arbeit: Ich muss bei zwei Audits mitwirken und habe entsprechend auch an Vor- bzw. innerbetrieblichen Audits teilnehmen. Dazu Arbeitsschutzausschusssitzungen (8 im Jahr), dazu elektronische Unterweisung auf 5 Gebieten. Diese Woche war voll damit. Früher (wo ja bekanntlich alles besser war 😉) habe ich mich ja zu 20% um Regularien gekümmert und bin 80% der Zeit meiner Tätigkeit nachgegangen. Das hat sich fast umgekehrt. Puh.

Ja, und jetzt die Pläne… Ihr erinnert Euch vielleicht, ich habe großkotzig angekündigt, ich würde im Oktober mit Benjiro durch Italien und Frankreich düsen. Ich hatte 11 Hotels in 18 Tagen gebucht, eine Eintrittskarte für einen künstlerischen Garten von Niki de St. Phalle erworben und fast schon Vignetten für die Maut-Straßen gekauft. Aber als ich aus Braunschweig wiederkam und abends zuhause saß, dachte ich, ich müsse ja bekloppt sein. Urlaub soll doch Erholung sein! Nichts an meinen Plänen deutete auch nur den Hauch einer Erholung an. Ich stornierte alle Hotels (eines machte es kulanterweise) und buchte zwei Tage später eine Kreuzfahrt von Warnemünde nach Marseille. Die war im Supersonderangebot.

Klar, da renne ich auch durch die Häfen, aber ich muss nicht ein- und auschecken, nicht planen, nicht 3.600 km fahren. Zudem ist fast jeder zweite Tag ein Seetag. Die Vision ist, dass lauter nette Stewards um mich herumwuseln und mir farbenfrohe Cocktails servieren, während die Landschaft an mir vorbei gleitet und das Schiff mich an interessante Orte wie das Guggenheim-Museum in Bilbao oder die alte Königsstadt Guimarães bringt. Na, mal sehen.

So, das soll es für jetzt auch mal gewesen sein. Habt alle eine schöne Restwoche und bis bald, Euer

P.S.: Ach, Orangenmarmelade hatte ich auch mal wieder gekocht, aber sie ist ein bisschen dünnflüssig geworden. Ich nehme sie für Joghurt, Pfannkuchen und auf Brot schmeckt sie auch immer noch.

Aus dem Leben eines fleissigen Faulenzers

Ihr Lieben,

es ist ein kleines bisschen Zeit vergangen seit meinem letzten Schnipsel. Das liegt aber nicht nur an meiner Faulheit, sondern an vielen Terminen, dem drückenden Wetter und ein bisschen auch an immer noch etwas gedrückter Stimmung. Damit ich überhaupt hinterherkomme, fasse ich mich zu jedem Ereignis mal recht kurz. Dazu zäume ich das Pferd auch noch von hinten auf und beginne beim letzten Sonntag.

Letzten Sonntag hatten wir Familien-Kaffeekränzchen, in abgespeckter Runde. Immerhin hatten wir aber 3 Kuchen für 6 Personen. Vitus hatte eine Guinness-Torte gezaubert, Jacobs Freundin Pelin einen Pfirsich-Kastenkuchen, ich einen Pfirsich-Streusel in der Auflaufform. Ja, wir sprechen uns immer so gut ab. Geschmeckt haben alle drei ganz wunderbar.

Am Samstag davor hatte ich Besuch von Monika, Ruth und Markus. Ich hatte ein kleines Menü vorbereitet, Sommerrollen vorweg, Thunfisch-Tataki mit Salaten sowie zum Dessert einen Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster. Das kam insgesamt gut an und wir hatten, da es endlich mal bewölkt war, auch einen nicht ganz so brütend-warmen, dafür aber schönen Abend. Denn ich habe unterm Dach bei der Hitze der letzten Wochen doch etwas gelitten. Übrigens habe ich ein mobiles Klimagerät geordert, das kommenden Samstag eintreffen soll. Da trifft es sich gut, dass die Hitze im Moment Pause macht…

Am 13. August war der Kulturkreis verabredet. Der war diesmal dünn besetzt, der Kreis war eher eine Gerade. Monika und ich schauten uns die Ausstellung im MAKK über die Architekturfotografie von Hans Georg Esch an. Die hat uns ausnehmend gut gefallen, obwohl sie mir ein bisschen zu merkwürdig strukturiert war. Das sollte aber dem „Dialogischen“ (oder so ähnlich) geschuldet sein. Auf jeden Fall hervorragende Bilder. Wir ließen den Nachmittag dann im Funkhaus auf der Außenterrasse ausklingen. Wie immer lecker und nett, aber mit einer immer edler wirkenden Preisgestaltung. Ich meine, 9 Euro 50 für 0,15l Wein ist schon, äh… posh.

Am Tag zuvor war ja DAS Großereignis des Jahres angekündigt: Eine partielle Sonnenfinsternis mit mehr als 80% Abdeckung. Die Kölner kauften alle Kamerafilter und Sonnenschutzbrillen auf (meine Mutter hatte vorgesorgt und konnte die Familie schon vorher eindecken) und versammelten sich zu Hunderten an den Hotspots. Gottseidank war ich zu müde, um ins Bergische zu fahren, und beschloss, das Spektakel vom Balkon aus zu beobachten. Gottseidank? Ja, denn ich habe mich ziemlich gelangweilt. Deimal durch die Brille geschaut. Drei Fotos ohne Filter (vorsichtshalber mit einer alten Kamera) gemacht. Naja.

Immerhin sieht man eine Spiegelung der Sonnensichel auf dem Dach.

Am 10. August war Rolf aus Barcelona für einen Tag hier, daher verabredeten wir uns nach Büroschluss auf ein Kaltgetränk. Ich glaube, es wurden zwei daraus. War ein sehr netter Abend. Ich freue mich auch sehr auf meinen Besuch bei Rolf Anfang September.

Das Wochenende davor war ich Freitag bei Elke und Sonntag wieder in Holzheim. Freitag gab es einen Auflauf, Sonntag Brownies, Waffeln und Eissplittertortenersatzgebäck. Ja, da war etwas schief gelaufen, aber lest selbst.

Wir hatten uns außerdem seit dem letzten Schnipsel um das Grab meines Vaters kümmern müssen. Hagen, Christian und ich suchten einen Steinmetzbetrieb auf, wo wir einen sehr schönen Findling aussuchten. Aufgrund personeller Engpässe werden sich die Aufstellung und die Grabeinfassung noch etwas hinziehen. Auch einen Friedhofsgärtner wollten wir beauftragen. Wir fanden gottseidank einen, der das Grab anlegen wird, aber die Pflege übernimmt keiner der angefragten Betriebe. Alle leiden unter Personalmangel. Aber es wird eine leicht zu pflegende Bepflanzung werden, so dass wir uns selbst kümmern können.

Natürlich habe ich in den beiden Wochen viel gekocht, aber nichts, was nicht schon in der Rezeptsammlung zu finden ist. Filets in Schimmelkäse-Sauce, Pflaumenpfannkuchen, Steak mit Ofenkartoffeln etc., alles ein bisschen abgewandelt.

Ja, Ihr Lieben, das waren die letzten beiden Wochen in Kürze. Über das asiatisch-österreichische Gipfeltreffen werde ich in Bälde einen Rezepteintrag schreiben, da bitte ich um Geduld.

Übrigens freue ich mich sehr, dass es seit zwei Tagen regnet! Ihr Euch auch? Liebe Grüße, Euer

P.S.: Dass ich einen Laden für Stressliebhaber betreibe, war mir völlig neu. Aber den gibt es wohl schon seit Jahrzehnten. Vielleicht sollte ich eine Kooperation anstreben. 🙂

P.P.S.: Ich finde den Stein sehr schön.

Die Barriereleiter

Ihr Lieben,

heute einmal eine besinnliche Geschichte über Missverständnisse und Tage, an denen alles schief läuft:

Juni 1532: Es war an einem heißen Frühsommerabend, als ich all meinen Mut zusammennahm und bei seiner Majestät vorsprach. Ich wollte endlich Karriere machen!

03.06.1532: Der König hat mich nach meiner Vorsprache offenbar zum Lord Ziegelbewahrer ernannt.
Ich wünschte, er würde weniger nuscheln.
27.06.1532: Ich bat seine Majestät darum, die Ernennung zum Lord Ziegelbewahrer in die angedachte Position zu verändern.
Nun bin ich Lord Beaglebewahrer und ich wünschte, seine Lordschaft wäre nicht so schwerhörig.
13.07.1532: Wieder Audienz bei seiner Majestät gehabt. Bin jetzt vom Lord Beaglebewahrer zum Lord Spiegelbewahrer befördert worden.
Ich wünschte, Seine Gnaden wäre etwas konzentrierter bei der Sache.
07.08.1532:Ich habe nun eine schriftliche Eingabe an seine Majestät verfasst.
09.08.1532: Leider ist mir Tinte auf das entscheidende Wort getropft und hat die Schrift verwischt. Ich bin jetzt Lord Igelbewahrer. So ein Mist!
12.09.1532: Mein allerbester Freund, Lord Worcestershire, hat sich für mich bei ihrer Majestät eingesetzt. Leider spricht er sehr undeutlich. Ich bin nun Lord Tiegelbewahrer.
01.01.1533: Ich nutzte den Neujahrsempfang, um seine Majestät anzuflehen, mich endlich meinen Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Wegen des Feuerwerklärms scheint Gnädigster Herr mich missverstanden zu haben. Er war auch etwas beschwipst, wie mir dünkte. So bin ich nun Lord Riegelbewahrer.
02.01.1533: Mein allerärgster Feind, Lord Worcestershire, ließ mir eine Depesche zukommen, in der er Glückwünsche zu seiner Ernennung zum Lord Siegelbewahrer einforderte. Ich werde Sauce aus ihm machen!
03.01.1533: Wegen heimtückischen Mordes wurde ein Haftbefehl gegen mich erlassen. Ich fliehe nun an den Hof des Kalifen Harun al Pussah, wo ich unter dem falschen Namen Isnogud den mir angebotenen Posten als Wesir antreten werde.

Und die Moral von der Geschicht‘? Fragt wen anders, weiß ich doch nicht!

Das Herrenrad mit tiefem Einstieg

Ihr Lieben,

letzten Mittwoch habe ich mich mal an Meal-Prep versucht, das ist neudeutsch für Vorräte anlegen. Mein Bruder Oliver kümmert sich ja um so viel, da wollte ich ihm mal ein bisschen Einkauf und Kocherei abnehmen. Und so packte ich alles für Herings– und Krabbensalat zusammen, besorgte Pastetchen und Reis und stand den Abend über am Herd: in einem Topf brodelte ein unscharfes Chili, in dem anderen ein Suppenhuhn, in einem dritten rührte ich die Mehlschwitze als Grundlage für ein Hühnerfrikassee. Am Donnerstag karrte ich das dann alles nach Neuss, wo ich dann Toast Hawai’i für alle machte. Das ist einfach und schmeckt eigentlich immer. Inzwischen wurde mir berichtet, dass man alles essen kann.

Vor einiger Zeit hatte ich ja mein Fahrrad in Poll abgeholt, wo es seit seinem Erwerb vor sich hingammelte. Ich habe es nun etwas aufgepimpt und versuche, es häufiger zu nutzen. Vorteil ist der Stellplatz in der Tiefgarage, da muss ich mit ihm nicht erst durch 10 Brandschutztüren und dann die Treppen hoch. Ich habe dem Fahrrad nach dem Erwerb übrigens den Namen Jan gegeben, weiß nicht, was mich da geritten hatte. Aber ich habe es jetzt umgetauft auf Fiete. Ein schöner norddeutscher Name, und ich kann mir ihn gut merken, da Fahrrad auf niederländisch ja fiets heißt. Mit den zwei neu erworbenen Fahrradkörben sieht Fiete jetzt wie ein richtiges Opa-Fahrrad aus, aber, naja, ich bin ja im Opa-Alter, da passt das schon. Und ja, es ist kein Damenrad, sondern ein Herrenrad mit tiefem Einstieg!

Mein erster Ausflug ging am Samstag dann nach Refrath, zu einem Hofverkauf. Ich schnaufte und stöhnte mich durch Wälder hindurch, an Gutshöfen und Denkmälern und alten Häusern vorbei und dachte schon, dass ich so gar keine Kondition mehr habe, aber zurück raste ich dann wie der Wind. Ich scheine auf dem Hinweg die ganze Zeit einen leichten Anstieg gehabt zu haben. Das war ein netter Kurztrip, bei dem ich eine Handvoll Obst für ein Heidengeld erstand. Aber es war jeden Cent wert, denn die Kirschen, Plattpfirsiche und Pflaumen sind extrem lecker.

Bei Haus Steinbreche in Refrath steht diese interessante Skulptur des Bildhauers Helmut Moos von Anfang der 90er Jahre. Sie zeigt die drei unverheirateten Goudhair-Töchter („die Steinbrechejuffern“), die erfolgreiche und wohltätige Unternehmerinnen waren. Sie liefen täglich zusammen zur Kirche, aneinandergedrückt unter einem großen, roten Regenschirm. Dies wohl, weil eine der Schwestern während der französischen Rheinland-Besetzung verschleppt und misshandelt wurde.

Am Sonntag fuhr ich erneut gen Norden, die Familie wollte in eine Insektenschau, die für einen Tag in der Mehrzweckhalle Holzheim gastierte. Man warb damit, dass es nur Präparate zu sehen gab, da man lebendige Tiere nicht leiden lassen wolle. Je nun, ob sich die aufgespießten Artgenossen mehr an ihrem Schicksal erfreuten? Naja, es waren auch weit über 100 Jahre alte Exemplare ausgestellt, da war man nicht zimperlich. Und natürlich war es interessant. Wo sonst bekommt man Insekten zu sehen, die keinen Zentimeter groß sind, aber einen Haarschweif von 20 cm hinter sich her ziehen. Oder Fluginsekten, die wie kleine Drachen aussehen. Zu Insekten, Spinnen und anderen Krabblern gesellten sich dann auch noch Reptilien-, Fisch- und Kleinsäugetierskelette.

Am Abend gesellten sich Elke und Nora zu uns, und Oliver und Jacob brutzelten für alle einen Haufen Quesedillas (sehr lecker, werde ich demnächst nachmachen) und tischten dann auch noch eine Baileys-Creme auf. Zum Reinknieen! Vollgestopft kugelte ich mit Benjiro nach Hause.

Am Rest des Wochenendes und meinem Urlaubstag-Montag1 versuchte ich dann, liegengebliebene Aufgaben in der Wohnung abzuarbeiten. Immerhin schaffte ich es, drei Bilder aufzuhängen, einen Kabelkanal zu verlegen, eine defekte Steckdose auszutauschen, den Esstisch zu ölen sowie schiefhängende Schranktüren zu justieren. Highlight war aber das Auspacken der letzten drei Umzugskartons. Dreieinhalb Monate nach Einzug. Finde, das ist völlig akzeptabel.

Liebe Grüße, Euer

Frühstück!
Die Angst des Torwarts vor Insekten (deshalb stehen ihm auch die Haare zu Berge).
  1. Den Montag hatte ich ja Urlaub genommen, weil ich eine Kurzreise nach Palma unternehmen wollte. Da habe ich mich aber dann doch gegen entschieden. Die Verluste halten sich aber in Grenzen, nur knapp 30 Euro waren nicht erstattungsfähig. ↩︎

Was ist Normalität?

Ihr Lieben,

kann man in Zeiten der Trauer zur Normalität zurückkehren? Ja, man kann, denn die Normalität verändert sich durch Verluste, sie ist nicht statisch. Als meine Großmütter, die ich sehr liebte, als Tanten und Onkel, Freunde und Freundinnen starben, da veränderte sich jedes Mal meine Normalität. Sie waren nicht mehr Teil meines Lebens. Bei meinem Vater fällt mir die Akzeptanz zwar besonders schwer. Er bleibt aber immer Teil meiner veränderten Normalität. Ich werde ihn, wie alle oben genannten, nicht vergessen.

Ich weiß gar nicht mehr, was seit der Beerdigung alles passiert ist. Es war so viel! Mein Bruder Oliver hat im Elternhaus ein großes Grillen veranstaltet, mit fast allen Nichten und Neffen und einem sehr guten Freund der Familie. Normalität. Es war gut so. Ich habe mehrmals mit einem Freund meines Vaters telefoniert, der wegen einer Reise von seinem Tod nichts mitbekommen hat. Er wolle mit mir das Grab besuchen. Elke war bei mir zu Besuch, wir haben ebenfalls gegrillt. Diesmal ohne Nora, der wäre das zu heiß unter meinem Dach gewesen. Ich war mit Ruth in einer Ausstellung, die keine Ausstellung war. Ich habe mit Rolf einen Besuch in Barcelona verabredet. Ich habe mit Freunden eine Schiffsreise für August 2027 gebucht. Ich habe gekocht, ich habe gearbeitet, ich habe meine Alltagsroutinen durchgespielt. Normalität. An einem Abend mittendrin in all diesen Aktivitäten hatte ich eine Art Nervenzusammenbruch. Vielleicht war es auch keiner, ich kenne mich mit so etwas nicht aus. Ich möchte das auch nicht weiter ausführen. Ich habe dumme Dinge gedacht und gemacht. Nix schlimmes. Nur ein bisschen die Kontrolle verloren. Normal.

Anfang September bin ich eine knappe Woche bei Rolf (hatte ich erwähnt, dass ich eigentlich ab Freitag auf Malle gewesen wäre?, das habe ich storniert), meine Autoreise nach Italien mit Benjiro im Oktober steht noch, im August 2027 gondele ich den Douro runter. Oder rauf. Und wieder runter oder rauf. Ich freue mich darauf, es ist quasi die Ägypten-Truppe.

Die Ausstellung, in der ich mit Ruth war… ja, wie soll man das beschreiben, ohne sarkastischen Unterton? Ich formuliere es mal à la Gertrude Stein: Eine Ausstellung ist eine Ausstellung ist eine Ausstellung. Was war passiert? In meinem Bluesky-Eintrag dazu formulierte ich es so:

„Heute war ich im Kölnischen Stadtmuseum, um die Ausstellung über Olga Oppenheimer zu sehen. Ich wartete auf Ruth und las schon einmal die 5 Informationsposter. Sie kam, wir zahlten den Eintritt (5€) und fragten, wo denn die Ausstellung sei. Man verwies uns auf die 5 Poster.“

Naja, wir waren dann noch im „Sattgrün“, einem veganen Selbstbedienungs-Restaurant, das uns ausnehmend gut gefallen hat. Nur die Tische könnte man mal von Zeit zu Zeit abwischen. Ach, der Gerry. Immer was zu kritteln.

Was habe ich sonst so verbrochen? Ich habe mir einen Grill für den Balkon gekauft, den ich selbst zusammenbauen musste. Der Grill wiegt 3 Tonnen, davon sind 2,9t Schrauben, alles klar? Ich wollte in 30 Minuten fertig sein, ich brauchte eine Stunde.

Dann habe ich mir einen Kaffee-Vollautomaten bestellt. Ich war ja mal mit einem Melitta-Modell so unzufrieden (ich habe es mit drastischem Verlust weiterverscherbelt), dass ich mich nie wieder getraut hatte. Was soll ich sagen, ich habe mir einen Preis-/Leistungssieger der Stiftung Warentest bestellt, der fast 100 Euro herabgesetzt war und bin total zufrieden mit der Kiste. Sie ist ein bisschen herrisch (Neues Wasser! Kaffeesatz entsorgen! Bohnen nachfüllen! Auslauf spülen! Milchkanne säubern! – fehlt noch Entkalken!), aber da gewöhnt man sich dran. Ich habe ernsthaft die KI nach der besten Bohne für die Maschine befragt. Und lasse mir jeden Tag per Ponyexpress frische irische Weidemilch bringen. Nein, das ist natürlich Quatsch. Aber Bio-Heu-Milch oder vergleichbares nehme ich dann halt schon.

Gekocht habe ich viel, aber nix neues. Was ich lecker fand, waren meine gefüllten gelben Zucchini, die haben aber jetzt nicht extra den Weg ins Rezeptbuch, das voll mit gefüllten Gemüsen ist, gefunden. Hackfleisch mit Zwiebel, Knoblauch, roter Paprika, Salz, Pfeffer und italienischen Kräutern, mit Gouda überbacken. War einfach und sehr gut. Für Samstagabend habe ich ein Pseudo-Vitello-Tonnato gemacht, ich habe zwar die Thunfischsauce selbst gerührt, aber den Braten fertig gekauft. Und der war auch noch vom Schwein.

Ja, und dann der o.g. Besuch. Der besagte Freund Eckbert war mit meinem Vater seit weit mehr als 55 Jahren beruflich verbunden und Teil eines Freundeskreises, der sich regelmäßig getroffen hat. Bärbel und Ernst, meine Eltern und er bildeten die Kerntruppe einer sich oft in Badenweiler treffenden Truppe, wo auch ich alle (wieder) kennengelernt hatte. Hagen, mein kleiner Bruder, Christian, mein jüngster Neffe, und ich holten ihn am Bahnhof ab, fuhren zum Grab und dann zu Kaffee und Kuchen zu meiner Mutter. Ich halte es kurz, es war ein sehr ergreifendes, aber schönes Zusammentreffen. Ich übernachtete seit langer Zeit mal wieder in meinem Elternhaus, weil wir drei Brüder mit meiner Mutter und Christian noch eine Zeit lang zusammensaßen.

Als alle im Bett waren, schaute ich mir ein sehr umfangreiches Fotobuch an, das meine Mutter zu meines Vaters 80. Geburtstag erstellt hatte. Sie hat ein ganzes Regal voller Fotobücher und ist die Chronistin unserer Familie, was Bilder angeht. 89 Jahre Papi, davon 55 von mir erlebte, er ist nicht mehr. Normalität? Ja, aber die Akzeptanz braucht Zeit.

Ihr Lieben, es wird weiter Reisen geben, es gibt mehr oder weniger essbare Gerichte, es gibt Schnipsel. Es gibt auch weiter unseren familiären Kaffeeklatsch, ich hoffe, mit meiner Mutter. Und ich hoffe, dass mein Vater mitbekommt (wo immer er auch ist), dass sich einer seiner großen Wünsche, dass Mami und ich wieder zusammenkommen, erfüllt hat.

Euer

P.S.: Ich habe so viele Nachrichten, Anrufe und Briefe bekommen. Danke dafür! Anteilnahme ist eine große Stütze in schwierigen Zeiten.

Ich glaube, es gibt wenige Brüder, die unterschiedlicher sind als wir. Aber ich glaube auch, dass es wenige Brüder gibt, die so zusammen halten.

Nachruf

Am 26.06.2026 verstarb mein Vater im Alter von 89 Jahren. Er, der in seinem Leben bis vor Kurzem keinen Tag im Krankenhaus verbracht hatte, entschlief dort 3 Tage nach seiner Einlieferung wegen einer Lungenentzündung. Wir überredeten ihn noch, sich eine Drainage legen zu lassen, damit die viele Flüssigkeit aus einem der Lungenflügel abgesaugt werden konnte.

Er war ohnehin inzwischen altersbedingt kraftlos und geschwächt, der Eingriff und die Hitze setzten ihm zusätzlich zu. Aber er gab an, keine Schmerzen zu haben. Die Familie wechselte sich ab, bei ihm zu sein und ihm die Hand zu halten, mit ihm zu sprechen und ihn zu begleiten. Wir waren dankbar für die Chance, ihm auf Wiedersehen sagen zu können. Er ging recht friedlich.

Das Personal im Krankenhaus hat sich toll um Papi gekümmert, sowohl die Pflegerinnen und Pfleger auf Station, als auch seitens der behandelnden Ärzte. Dafür sind wir dankbar. Die Beerdigung wurde vom Bestattungsinstitut und der freien Rednerin schön gestaltet, es war ein würdiger Abschied. Viele Familienangehörige und viele Freunde, Nachbarn und Menschen aus dem beruflichen Umfeld begleiteten ihn auf seiner letzten Reise.

Ich könnte viel schreiben, über sein Leben, über unsere Beziehung, über sein Wesen. Aber es fällt mir zu schwer. Nur so viel: Ich, wir alle werden ihn sehr vermissen und werden immer voll Liebe und Dankbarkeit an ihn denken.

Danke für alles, Papi.

Summertime… and the living is anstrengend

Ihr Lieben,

beginnen wir mit dem gesellschaftlichen Ereignis der Saison: Benjiro und ich haben uns heute früh auf der Kfz-Zulassungsstelle in Köln das Ja-Wort gegeben. Es war eine feierliche und anrührende Zeremonie und hat 26,80 Euro gekostet. Das Auto habe ich ja von meinem Vater, daher habe ich das Nummernschild mit seinen Initialen und seinem Geburtstag behalten. Benjiro leistet mir ja wirklich gute Dienste und ich bin mehr als dankbar.

Kurz nach meinem letzten Schnipseleintrag, nämlich Dienstag, war ich in der Yayoi Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig. Jetzt fragen sich einige bestimmt, wie ich es geschafft habe, noch an eine Karte zu kommen; ist doch die erfolgreichste Kölner Ausstellung ever komplett ausverkauft gewesen. Des Rätsels Lösung: ich hatte das Ticket schon im April gekauft. Planung ist alles.

Machen wir uns nichts vor, Social Media ist nicht unschuldig an dem enormen Erfolg, postete doch jeder Besucher (so auch ich) Bilder im „gelben Schlangenraum“ oder aus dem „Infinity-Kasten“. Yayoi Kusama ist eine wirklich interessante Künstlerin, inzwischen hoch betagt, die Ausstellung geht zurück bis in ihre Kindheit. Man sollte 2 Stunden einplanen, um einen guten Eindruck zu erhalten. Allerdings, trotz Ticketbegrenzung, war es dermaßen voll, dass ich mich meistens unwohl fühlte. Ihr wisst ja, Menschenmassen und so. Aber es war ein tolles Erlebnis. Die Ausstellung endet Anfang August und wird im September im Amsterdamer Stedelijk-Museum wieder aufgebaut. Ich empfehle allen, einen Städtetrip alleine deswegen!

Am Donnerstag dann, es war schon sehr heiß, traf ich mich mit Artur und Hubertus und Bekannten von ihnen an der Rheinpromenade zu einem Picknick. Gottseidank fanden wir im Schatten eines riesigen Baumes noch ein Plätzchen zum Ausbreiten. Außer mir (Entschuldigungsgrund: ich kam direkt aus dem Büro) hatten alle Wein und Snacks und EISWÜRFEL dabei, daher war das eine sehr angenehme „Landpartie“, ein Wort das viel zu selten gebraucht wird, wie ich finde. Schön anzusehen war, wie sich die Poserszene vor dem Hyatt traf und alle 15 Minuten durch Ordnungsamt und Polizei wieder vertrieben wurde. An dem Abend holte ich übrigens noch mein Fahrrad aus dem Poller Keller ab. Vor dem Gelage.

Für Freitag hatte ich dann die Doppelkopfrunde zur Wohnungeinspielung mit Contra und Re geladen. Allein, es war in meiner Butze nicht auszuhalten. Wir vertagten uns zu Anja, stolze Besitzerin einer Klimaanlage. Ich versprach, dennoch für den Großteil des Essens zu sorgen und odyssierte mittagspäuslich durch die Innenstadt auf der Suche nach Börek und dergleichen. Vergeblich. Schwer angeschlagen kaufte ich letztendlich den Backladen einer bekannten Kette leer. Und man konnte es sogar essen.

Man ließ mich gewinnen (verspätetes Geburtstagsgeschenk), das fand ich prima, und dann gab es auch noch einen Gutschein für Nelson Müller in der Diepeschrather Mühle. Das fand ich noch primaer! Doch, doch, das Wort gibt es!

Samstag sollte ich dann zum Grillen nach Poll (Freitag übrigens auch zu anderen Nachbarn, aber da war ich schon verplant), wieder mit H. & A. Ich machte morgens auch meinen Wassermelonensalat dafür, kaufte ein, holte Post, fuhr zum Baumarkt… und dann war zuhause aus. Kreislauf, Übelkeit, Kopping (habe ich fast nie!). Mein Schädel war zu einer Bessemerbirne mutiert und ich musste schweren Herzens absagen.

Ich meine, ich hätte auch eine Reise nach Berlin angedeutet, zum Abschlusskonzert der Philharmoniker. Flüge, Hotel, Tickets, Bootsfahrt… alles bereits seit September gebucht. Ich wollte zusammen mit Erika und Udo hin. Dann die Hiobsbotschaften: Hotel ohne Klimaanlage, S-Bahn-Betrieb in Berlin massiv eingeschränkt, Züge von E.&U. ersatzlos gecancelt, Ersatzfahrten mit der DB ohne Sitzplatz. Dazu die Vision, in den Oberrängen der Waldbühne 3 Stunden in der prallen Sonne bei 38°C zu brutzeln. Wir berieten uns und sagten das Event ab. Gottseidank fast kostenneutral, die Karten waren sofort weiterverkauft, alles andere war noch stornierbar. Dennoch sehr schade, aber wir grillen dafür kommenden Samstag zusammen. Und gucken das Konzert bei der Live-Übertragung. Wird wohl wieder vom MDR gesendet. Thema: italienische Nächte unter der Leitung von Kirill Petrenko, mit Respighi-Werken und Jonas Kaufmann, der aus Leoncavallos „Pagliacci“ vorträgt. Bin gespannt, ob Erika auch im Garten bei Paul Lincke so stimmgewaltig mitpfeift!

Was gibt es noch zu berichten? Zur Zeit gehe ich gerne arbeiten. Ihr wundert Euch? Hah, ich habe KLIMA im Büro! Ich versuchte, im Spitzboden aka Gästezimmer Kabelkanäle zu verlegen. Nach drei Sekunden gab ich auf! Tja, wenn es nicht so stromfressend wäre, würde ich jetzt schon längst ein Klimagerät mit Außeneinheit beschafft haben. Zur Zeit begnüge ich mich mit einem Ventilator, der eher eine Windmaschine ist. Theoretisch kann ich hier sehr viele ESC-Auftritte nachspielen. Nur die Kleider-vom-Leib-reiß-Kleider brauche ich noch. Ach, und der Foodblog ruht, die Küche ist auch Südwest-Seite.

So, Ihr Lieben, das war’s schon wieder, hoffe, Ihr kommt mit der Hitze besser klar. Ausnahmsweise sende ich mal extrem kühle Grüße! Euer

So ist’s auszuhalten…

Und das soll Urlaub sein?

Ihr Lieben,

die restlichen Urlaubstage waren gut mit Terminen und Pflichten gefüllt. Noch am Ankunftstag holte jemand einen Schrank ab, den ich nicht mehr unterbringen konnte. Gut, das war jetzt keine abendfüllende Veranstaltung. Mittwoch dann ging es aber los: Morgens Besprechung der Blutwerte. Naja, nicht perfekt, aber immerhin haben sich alle Zahlen verbessert. Vom Arzt aus in das Gartencenter, da kaufte ich ein Dutzend Blühpflanzen, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. In weiß, dunkelrot und violett. Damit und mit den Balkonkästen, die ich von Erika und Udo geschenkt bekommen hatte, begrünte ich dann meinen Balkon. Ist richtig nett geworden.

Jetzt war ich so richtig in Schwung gekommen und ging DAS anstehende Großprojekt an: vor meinem Urlaub ist die Schlafcouch für mein Gäste-/Wohnzimmer geliefert worden, vier riesige Pakete (eins mit einem Sessel), die die freundlichen Speditionsfahrer für mich schon die Wendeltreppe hochgewuchtet hatten. Das montierte ich dann in zweieinhalb Stunden zusammen. Wobei ich eine dreiviertel Stunde darauf verwendete, mir zu überlegen, wie ich es schlussendlich stehen haben wollte. Davon hing nämlich ab, an welcher Seite ich die Ottomane montiere. Der Sessel war dann in Null,nix gemacht. Ich finde, es sieht ganz ordentlich aus. Am Abend kochte ich mir dann auch noch Rhabarberkompott und Vanillecreme, damit war der Tag perfekt.

Donnerstag verbrachte ich dann, ich musste nach Lövenich, Kartons abholen, und zum Abfallhof, das Verpackungsmaterial vom Sofa sowie einen angeschlagenen Fernseher wegbringen, etwa 4 Stunden im Berufsverkehr, u.a. weil plötzlich Auffahrten von Rheinbrücken gesperrt waren. Mein Navi führte mich über kilometerlange Umwege durch Köln. So war vom Tag nicht mehr viel übrig, aber ich schaffte es wenigstens, bei der KfZ-Versicherung meines Vaters vorzusprechen, bei der ich dessen Vertrag übernehmen wollte. Das ging dann sehr unkompliziert. Kompliziert wurde es dann bei der angeblich kinderleichten Online-Ummeldung. Ich erinnere mich nicht an den Wortlaut, aber mitten im Prozess wurde mir mitgeteilt, das die Querzwirbelprüfnummer fehle und der Vorgang nicht fortgesetzt werden könne. Ich rief bei der Stadt an. „Was ist die Querzwirbelprüfnummer?“ – „Woher sollen wir das wissen?“. Nach einer halben Stunde Recherche durch die – sehr freundliche! – Mitarbeiterin fanden wir heraus, dass Online-Zulassungen erst ab einem bestimmten Erstzulassungsdatum möglich sind. Ich müsse persönlich bei der Meldestelle vorsprechen. Wem kommt das noch bekannt vor? Wenigstens war für Kölner Verhältnisse ein zeitnaher Termin frei, nur zwei Wochen Wartezeit.

Donnerstagabend beschloss ich dann, da ich für einen Kabelfernsehanschluss bezahle, mir einen neuen Fernseher – der alte aus dem Schlafzimmer hat zwar den Umzug überstanden, aber mein Verräumen von A nach B nicht, daher steht da jetzt der aus dem alten Wohnzimmer – für das neue Wohnzimmer auszusuchen*. Ich wurde fündig bei dem einen großen Elektrohandel und das Elend nahm seinen Lauf. Freitagfrüh wurde mir mitgeteilt, ich möge nach Marsdorf kommen, das TV-Gerät stünde zur Abholung bereit. So sah es dann wirklich aus:

Man habe sich halt vertan. Passiert. Ja, ok, passiert. „Wir stellen es kostenfrei zu.“ – „Wann?“ – „Weiß ich nicht!“ – „Nee, so geht das nicht!“ – „Dann kommen Sie nächste Woche noch einmal vorbei!“. 60 Kilometer für Hin- und Rückweg? Ich stornierte den Kauf und wurde abends online bei einem Hamburger Versandhaus fündig und sparte (allerdings bei einem anderen, aber gleichwertigen Modell) noch dabei.

Freitagabend fuhr ich dann mit der Bahn nach Neuss. Müßig, zu erwähnen, dass sowohl hin als auch zurück alles nicht wie geplant lief. Unter anderem wurde ab 22 Uhr wieder Schienenersatzverkehr eingesetzt, so dass mein Besuch nur ein kurzer blieb. War dennoch schön. Und es gab es einen reichhaltigen, aber gesunden Salat! N.B., wenn alles liefe, wie es laufen sollte, wäre meine neue Wohnung verkehrstechnisch deutlich besser angebunden, als die alte.

Samstag und Sonntag pröddelte ich dann in der neuen Wohnung herum, hing weitere Bilder auf, verbaute einen Dimmer (die Esszimmerlampe erspart einem das Solarium!), richtete meinen alten Wandfernseher für Kabel ein (woran ich fast verzweifelte, weil ich den Sendersuchlauf für DVB-C nicht fand) und programmierte die restlichen Smart-Steckdosen.

Ja, und heute, große Freude, durfte ich wieder ins Büro. Naturgemäß wurde ich direkt mit drei mittleren Katastrophen konfrontiert; die aufzuräumen, wird sich etwas ziehen.

Abends dann fand ich noch den neuen Fernseher vor, um den kümmere ich mich gleich. Und eine Puzzle-Lampe wurde geliefert. Als Grobmotoriker werde ich wieder 2 Jahre brauchen, um die zusammenzufrickeln.

So, genug geschwafelt, habt einen schönen Abend und eine tolle Restwoche. Euer

* ich blicke manchmal auch nicht mehr durch mein Geschreibsel durch 🙂

Manchmal hätte ich gerne Fähigkeiten… so besondere… (Grafitto an der U-Bahn Geldernstraße)