Aus dem Leben eines fleissigen Faulenzers

Ihr Lieben,

es ist ein kleines bisschen Zeit vergangen seit meinem letzten Schnipsel. Das liegt aber nicht nur an meiner Faulheit, sondern an vielen Terminen, dem drückenden Wetter und ein bisschen auch an immer noch etwas gedrückter Stimmung. Damit ich überhaupt hinterherkomme, fasse ich mich zu jedem Ereignis mal recht kurz. Dazu zäume ich das Pferd auch noch von hinten auf und beginne beim letzten Sonntag.

Letzten Sonntag hatten wir Familien-Kaffeekränzchen, in abgespeckter Runde. Immerhin hatten wir aber 3 Kuchen für 6 Personen. Vitus hatte eine Guinness-Torte gezaubert, Jacobs Freundin Pelin einen Pfirsich-Kastenkuchen, ich einen Pfirsich-Streusel in der Auflaufform. Ja, wir sprechen uns immer so gut ab. Geschmeckt haben alle drei ganz wunderbar.

Am Samstag davor hatte ich Besuch von Monika, Ruth und Markus. Ich hatte ein kleines Menü vorbereitet, Sommerrollen vorweg, Thunfisch-Tataki mit Salaten sowie zum Dessert einen Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster. Das kam insgesamt gut an und wir hatten, da es endlich mal bewölkt war, auch einen nicht ganz so brütend-warmen, dafür aber schönen Abend. Denn ich habe unterm Dach bei der Hitze der letzten Wochen doch etwas gelitten. Übrigens habe ich ein mobiles Klimagerät geordert, das kommenden Samstag eintreffen soll. Da trifft es sich gut, dass die Hitze im Moment Pause macht…

Am 13. August war der Kulturkreis verabredet. Der war diesmal dünn besetzt, der Kreis war eher eine Gerade. Monika und ich schauten uns die Ausstellung im MAKK über die Architekturfotografie von Hans Georg Esch an. Die hat uns ausnehmend gut gefallen, obwohl sie mir ein bisschen zu merkwürdig strukturiert war. Das sollte aber dem „Dialogischen“ (oder so ähnlich) geschuldet sein. Auf jeden Fall hervorragende Bilder. Wir ließen den Nachmittag dann im Funkhaus auf der Außenterrasse ausklingen. Wie immer lecker und nett, aber mit einer immer edler wirkenden Preisgestaltung. Ich meine, 9 Euro 50 für 0,15l Wein ist schon, äh… posh.

Am Tag zuvor war ja DAS Großereignis des Jahres angekündigt: Eine partielle Sonnenfinsternis mit mehr als 80% Abdeckung. Die Kölner kauften alle Kamerafilter und Sonnenschutzbrillen auf (meine Mutter hatte vorgesorgt und konnte die Familie schon vorher eindecken) und versammelten sich zu Hunderten an den Hotspots. Gottseidank war ich zu müde, um ins Bergische zu fahren, und beschloss, das Spektakel vom Balkon aus zu beobachten. Gottseidank? Ja, denn ich habe mich ziemlich gelangweilt. Deimal durch die Brille geschaut. Drei Fotos ohne Filter (vorsichtshalber mit einer alten Kamera) gemacht. Naja.

Immerhin sieht man eine Spiegelung der Sonnensichel auf dem Dach.

Am 10. August war Rolf aus Barcelona für einen Tag hier, daher verabredeten wir uns nach Büroschluss auf ein Kaltgetränk. Ich glaube, es wurden zwei daraus. War ein sehr netter Abend. Ich freue mich auch sehr auf meinen Besuch bei Rolf Anfang September.

Das Wochenende davor war ich Freitag bei Elke und Sonntag wieder in Holzheim. Freitag gab es einen Auflauf, Sonntag Brownies, Waffeln und Eissplittertortenersatzgebäck. Ja, da war etwas schief gelaufen, aber lest selbst.

Wir hatten uns außerdem seit dem letzten Schnipsel um das Grab meines Vaters kümmern müssen. Hagen, Christian und ich suchten einen Steinmetzbetrieb auf, wo wir einen sehr schönen Findling aussuchten. Aufgrund personeller Engpässe werden sich die Aufstellung und die Grabeinfassung noch etwas hinziehen. Auch einen Friedhofsgärtner wollten wir beauftragen. Wir fanden gottseidank einen, der das Grab anlegen wird, aber die Pflege übernimmt keiner der angefragten Betriebe. Alle leiden unter Personalmangel. Aber es wird eine leicht zu pflegende Bepflanzung werden, so dass wir uns selbst kümmern können.

Natürlich habe ich in den beiden Wochen viel gekocht, aber nichts, was nicht schon in der Rezeptsammlung zu finden ist. Filets in Schimmelkäse-Sauce, Pflaumenpfannkuchen, Steak mit Ofenkartoffeln etc., alles ein bisschen abgewandelt.

Ja, Ihr Lieben, das waren die letzten beiden Wochen in Kürze. Über das asiatisch-österreichische Gipfeltreffen werde ich in Bälde einen Rezepteintrag schreiben, da bitte ich um Geduld.

Übrigens freue ich mich sehr, dass es seit zwei Tagen regnet! Ihr Euch auch? Liebe Grüße, Euer

P.S.: Dass ich einen Laden für Stressliebhaber betreibe, war mir völlig neu. Aber den gibt es wohl schon seit Jahrzehnten. Vielleicht sollte ich eine Kooperation anstreben. 🙂

P.P.S.: Ich finde den Stein sehr schön.

Die Barriereleiter

Ihr Lieben,

heute einmal eine besinnliche Geschichte über Missverständnisse und Tage, an denen alles schief läuft:

Juni 1532: Es war an einem heißen Frühsommerabend, als ich all meinen Mut zusammennahm und bei seiner Majestät vorsprach. Ich wollte endlich Karriere machen!

03.06.1532: Der König hat mich nach meiner Vorsprache offenbar zum Lord Ziegelbewahrer ernannt.
Ich wünschte, er würde weniger nuscheln.
27.06.1532: Ich bat seine Majestät darum, die Ernennung zum Lord Ziegelbewahrer in die angedachte Position zu verändern.
Nun bin ich Lord Beaglebewahrer und ich wünschte, seine Lordschaft wäre nicht so schwerhörig.
13.07.1532: Wieder Audienz bei seiner Majestät gehabt. Bin jetzt vom Lord Beaglebewahrer zum Lord Spiegelbewahrer befördert worden.
Ich wünschte, Seine Gnaden wäre etwas konzentrierter bei der Sache.
07.08.1532:Ich habe nun eine schriftliche Eingabe an seine Majestät verfasst.
09.08.1532: Leider ist mir Tinte auf das entscheidende Wort getropft und hat die Schrift verwischt. Ich bin jetzt Lord Igelbewahrer. So ein Mist!
12.09.1532: Mein allerbester Freund, Lord Worcestershire, hat sich für mich bei ihrer Majestät eingesetzt. Leider spricht er sehr undeutlich. Ich bin nun Lord Tiegelbewahrer.
01.01.1533: Ich nutzte den Neujahrsempfang, um seine Majestät anzuflehen, mich endlich meinen Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Wegen des Feuerwerklärms scheint Gnädigster Herr mich missverstanden zu haben. Er war auch etwas beschwipst, wie mir dünkte. So bin ich nun Lord Riegelbewahrer.
02.01.1533: Mein allerärgster Feind, Lord Worcestershire, ließ mir eine Depesche zukommen, in der er Glückwünsche zu seiner Ernennung zum Lord Siegelbewahrer einforderte. Ich werde Sauce aus ihm machen!
03.01.1533: Wegen heimtückischen Mordes wurde ein Haftbefehl gegen mich erlassen. Ich fliehe nun an den Hof des Kalifen Harun al Pussah, wo ich unter dem falschen Namen Isnogud den mir angebotenen Posten als Wesir antreten werde.

Und die Moral von der Geschicht‘? Fragt wen anders, weiß ich doch nicht!

Das Herrenrad mit tiefem Einstieg

Ihr Lieben,

letzten Mittwoch habe ich mich mal an Meal-Prep versucht, das ist neudeutsch für Vorräte anlegen. Mein Bruder Oliver kümmert sich ja um so viel, da wollte ich ihm mal ein bisschen Einkauf und Kocherei abnehmen. Und so packte ich alles für Herings– und Krabbensalat zusammen, besorgte Pastetchen und Reis und stand den Abend über am Herd: in einem Topf brodelte ein unscharfes Chili, in dem anderen ein Suppenhuhn, in einem dritten rührte ich die Mehlschwitze als Grundlage für ein Hühnerfrikassee. Am Donnerstag karrte ich das dann alles nach Neuss, wo ich dann Toast Hawai’i für alle machte. Das ist einfach und schmeckt eigentlich immer. Inzwischen wurde mir berichtet, dass man alles essen kann.

Vor einiger Zeit hatte ich ja mein Fahrrad in Poll abgeholt, wo es seit seinem Erwerb vor sich hingammelte. Ich habe es nun etwas aufgepimpt und versuche, es häufiger zu nutzen. Vorteil ist der Stellplatz in der Tiefgarage, da muss ich mit ihm nicht erst durch 10 Brandschutztüren und dann die Treppen hoch. Ich habe dem Fahrrad nach dem Erwerb übrigens den Namen Jan gegeben, weiß nicht, was mich da geritten hatte. Aber ich habe es jetzt umgetauft auf Fiete. Ein schöner norddeutscher Name, und ich kann mir ihn gut merken, da Fahrrad auf niederländisch ja fiets heißt. Mit den zwei neu erworbenen Fahrradkörben sieht Fiete jetzt wie ein richtiges Opa-Fahrrad aus, aber, naja, ich bin ja im Opa-Alter, da passt das schon. Und ja, es ist kein Damenrad, sondern ein Herrenrad mit tiefem Einstieg!

Mein erster Ausflug ging am Samstag dann nach Refrath, zu einem Hofverkauf. Ich schnaufte und stöhnte mich durch Wälder hindurch, an Gutshöfen und Denkmälern und alten Häusern vorbei und dachte schon, dass ich so gar keine Kondition mehr habe, aber zurück raste ich dann wie der Wind. Ich scheine auf dem Hinweg die ganze Zeit einen leichten Anstieg gehabt zu haben. Das war ein netter Kurztrip, bei dem ich eine Handvoll Obst für ein Heidengeld erstand. Aber es war jeden Cent wert, denn die Kirschen, Plattpfirsiche und Pflaumen sind extrem lecker.

Bei Haus Steinbreche in Refrath steht diese interessante Skulptur des Bildhauers Helmut Moos von Anfang der 90er Jahre. Sie zeigt die drei unverheirateten Goudhair-Töchter („die Steinbrechejuffern“), die erfolgreiche und wohltätige Unternehmerinnen waren. Sie liefen täglich zusammen zur Kirche, aneinandergedrückt unter einem großen, roten Regenschirm. Dies wohl, weil eine der Schwestern während der französischen Rheinland-Besetzung verschleppt und misshandelt wurde.

Am Sonntag fuhr ich erneut gen Norden, die Familie wollte in eine Insektenschau, die für einen Tag in der Mehrzweckhalle Holzheim gastierte. Man warb damit, dass es nur Präparate zu sehen gab, da man lebendige Tiere nicht leiden lassen wolle. Je nun, ob sich die aufgespießten Artgenossen mehr an ihrem Schicksal erfreuten? Naja, es waren auch weit über 100 Jahre alte Exemplare ausgestellt, da war man nicht zimperlich. Und natürlich war es interessant. Wo sonst bekommt man Insekten zu sehen, die keinen Zentimeter groß sind, aber einen Haarschweif von 20 cm hinter sich her ziehen. Oder Fluginsekten, die wie kleine Drachen aussehen. Zu Insekten, Spinnen und anderen Krabblern gesellten sich dann auch noch Reptilien-, Fisch- und Kleinsäugetierskelette.

Am Abend gesellten sich Elke und Nora zu uns, und Oliver und Jacob brutzelten für alle einen Haufen Quesedillas (sehr lecker, werde ich demnächst nachmachen) und tischten dann auch noch eine Baileys-Creme auf. Zum Reinknieen! Vollgestopft kugelte ich mit Benjiro nach Hause.

Am Rest des Wochenendes und meinem Urlaubstag-Montag1 versuchte ich dann, liegengebliebene Aufgaben in der Wohnung abzuarbeiten. Immerhin schaffte ich es, drei Bilder aufzuhängen, einen Kabelkanal zu verlegen, eine defekte Steckdose auszutauschen, den Esstisch zu ölen sowie schiefhängende Schranktüren zu justieren. Highlight war aber das Auspacken der letzten drei Umzugskartons. Dreieinhalb Monate nach Einzug. Finde, das ist völlig akzeptabel.

Liebe Grüße, Euer

Frühstück!
Die Angst des Torwarts vor Insekten (deshalb stehen ihm auch die Haare zu Berge).
  1. Den Montag hatte ich ja Urlaub genommen, weil ich eine Kurzreise nach Palma unternehmen wollte. Da habe ich mich aber dann doch gegen entschieden. Die Verluste halten sich aber in Grenzen, nur knapp 30 Euro waren nicht erstattungsfähig. ↩︎

Was ist Normalität?

Ihr Lieben,

kann man in Zeiten der Trauer zur Normalität zurückkehren? Ja, man kann, denn die Normalität verändert sich durch Verluste, sie ist nicht statisch. Als meine Großmütter, die ich sehr liebte, als Tanten und Onkel, Freunde und Freundinnen starben, da veränderte sich jedes Mal meine Normalität. Sie waren nicht mehr Teil meines Lebens. Bei meinem Vater fällt mir die Akzeptanz zwar besonders schwer. Er bleibt aber immer Teil meiner veränderten Normalität. Ich werde ihn, wie alle oben genannten, nicht vergessen.

Ich weiß gar nicht mehr, was seit der Beerdigung alles passiert ist. Es war so viel! Mein Bruder Oliver hat im Elternhaus ein großes Grillen veranstaltet, mit fast allen Nichten und Neffen und einem sehr guten Freund der Familie. Normalität. Es war gut so. Ich habe mehrmals mit einem Freund meines Vaters telefoniert, der wegen einer Reise von seinem Tod nichts mitbekommen hat. Er wolle mit mir das Grab besuchen. Elke war bei mir zu Besuch, wir haben ebenfalls gegrillt. Diesmal ohne Nora, der wäre das zu heiß unter meinem Dach gewesen. Ich war mit Ruth in einer Ausstellung, die keine Ausstellung war. Ich habe mit Rolf einen Besuch in Barcelona verabredet. Ich habe mit Freunden eine Schiffsreise für August 2027 gebucht. Ich habe gekocht, ich habe gearbeitet, ich habe meine Alltagsroutinen durchgespielt. Normalität. An einem Abend mittendrin in all diesen Aktivitäten hatte ich eine Art Nervenzusammenbruch. Vielleicht war es auch keiner, ich kenne mich mit so etwas nicht aus. Ich möchte das auch nicht weiter ausführen. Ich habe dumme Dinge gedacht und gemacht. Nix schlimmes. Nur ein bisschen die Kontrolle verloren. Normal.

Anfang September bin ich eine knappe Woche bei Rolf (hatte ich erwähnt, dass ich eigentlich ab Freitag auf Malle gewesen wäre?, das habe ich storniert), meine Autoreise nach Italien mit Benjiro im Oktober steht noch, im August 2027 gondele ich den Douro runter. Oder rauf. Und wieder runter oder rauf. Ich freue mich darauf, es ist quasi die Ägypten-Truppe.

Die Ausstellung, in der ich mit Ruth war… ja, wie soll man das beschreiben, ohne sarkastischen Unterton? Ich formuliere es mal à la Gertrude Stein: Eine Ausstellung ist eine Ausstellung ist eine Ausstellung. Was war passiert? In meinem Bluesky-Eintrag dazu formulierte ich es so:

„Heute war ich im Kölnischen Stadtmuseum, um die Ausstellung über Olga Oppenheimer zu sehen. Ich wartete auf Ruth und las schon einmal die 5 Informationsposter. Sie kam, wir zahlten den Eintritt (5€) und fragten, wo denn die Ausstellung sei. Man verwies uns auf die 5 Poster.“

Naja, wir waren dann noch im „Sattgrün“, einem veganen Selbstbedienungs-Restaurant, das uns ausnehmend gut gefallen hat. Nur die Tische könnte man mal von Zeit zu Zeit abwischen. Ach, der Gerry. Immer was zu kritteln.

Was habe ich sonst so verbrochen? Ich habe mir einen Grill für den Balkon gekauft, den ich selbst zusammenbauen musste. Der Grill wiegt 3 Tonnen, davon sind 2,9t Schrauben, alles klar? Ich wollte in 30 Minuten fertig sein, ich brauchte eine Stunde.

Dann habe ich mir einen Kaffee-Vollautomaten bestellt. Ich war ja mal mit einem Melitta-Modell so unzufrieden (ich habe es mit drastischem Verlust weiterverscherbelt), dass ich mich nie wieder getraut hatte. Was soll ich sagen, ich habe mir einen Preis-/Leistungssieger der Stiftung Warentest bestellt, der fast 100 Euro herabgesetzt war und bin total zufrieden mit der Kiste. Sie ist ein bisschen herrisch (Neues Wasser! Kaffeesatz entsorgen! Bohnen nachfüllen! Auslauf spülen! Milchkanne säubern! – fehlt noch Entkalken!), aber da gewöhnt man sich dran. Ich habe ernsthaft die KI nach der besten Bohne für die Maschine befragt. Und lasse mir jeden Tag per Ponyexpress frische irische Weidemilch bringen. Nein, das ist natürlich Quatsch. Aber Bio-Heu-Milch oder vergleichbares nehme ich dann halt schon.

Gekocht habe ich viel, aber nix neues. Was ich lecker fand, waren meine gefüllten gelben Zucchini, die haben aber jetzt nicht extra den Weg ins Rezeptbuch, das voll mit gefüllten Gemüsen ist, gefunden. Hackfleisch mit Zwiebel, Knoblauch, roter Paprika, Salz, Pfeffer und italienischen Kräutern, mit Gouda überbacken. War einfach und sehr gut. Für Samstagabend habe ich ein Pseudo-Vitello-Tonnato gemacht, ich habe zwar die Thunfischsauce selbst gerührt, aber den Braten fertig gekauft. Und der war auch noch vom Schwein.

Ja, und dann der o.g. Besuch. Der besagte Freund Eckbert war mit meinem Vater seit weit mehr als 55 Jahren beruflich verbunden und Teil eines Freundeskreises, der sich regelmäßig getroffen hat. Bärbel und Ernst, meine Eltern und er bildeten die Kerntruppe einer sich oft in Badenweiler treffenden Truppe, wo auch ich alle (wieder) kennengelernt hatte. Hagen, mein kleiner Bruder, Christian, mein jüngster Neffe, und ich holten ihn am Bahnhof ab, fuhren zum Grab und dann zu Kaffee und Kuchen zu meiner Mutter. Ich halte es kurz, es war ein sehr ergreifendes, aber schönes Zusammentreffen. Ich übernachtete seit langer Zeit mal wieder in meinem Elternhaus, weil wir drei Brüder mit meiner Mutter und Christian noch eine Zeit lang zusammensaßen.

Als alle im Bett waren, schaute ich mir ein sehr umfangreiches Fotobuch an, das meine Mutter zu meines Vaters 80. Geburtstag erstellt hatte. Sie hat ein ganzes Regal voller Fotobücher und ist die Chronistin unserer Familie, was Bilder angeht. 89 Jahre Papi, davon 55 von mir erlebte, er ist nicht mehr. Normalität? Ja, aber die Akzeptanz braucht Zeit.

Ihr Lieben, es wird weiter Reisen geben, es gibt mehr oder weniger essbare Gerichte, es gibt Schnipsel. Es gibt auch weiter unseren familiären Kaffeeklatsch, ich hoffe, mit meiner Mutter. Und ich hoffe, dass mein Vater mitbekommt (wo immer er auch ist), dass sich einer seiner großen Wünsche, dass Mami und ich wieder zusammenkommen, erfüllt hat.

Euer

P.S.: Ich habe so viele Nachrichten, Anrufe und Briefe bekommen. Danke dafür! Anteilnahme ist eine große Stütze in schwierigen Zeiten.

Ich glaube, es gibt wenige Brüder, die unterschiedlicher sind als wir. Aber ich glaube auch, dass es wenige Brüder gibt, die so zusammen halten.

Nachruf

Am 26.06.2026 verstarb mein Vater im Alter von 89 Jahren. Er, der in seinem Leben bis vor Kurzem keinen Tag im Krankenhaus verbracht hatte, entschlief dort 3 Tage nach seiner Einlieferung wegen einer Lungenentzündung. Wir überredeten ihn noch, sich eine Drainage legen zu lassen, damit die viele Flüssigkeit aus einem der Lungenflügel abgesaugt werden konnte.

Er war ohnehin inzwischen altersbedingt kraftlos und geschwächt, der Eingriff und die Hitze setzten ihm zusätzlich zu. Aber er gab an, keine Schmerzen zu haben. Die Familie wechselte sich ab, bei ihm zu sein und ihm die Hand zu halten, mit ihm zu sprechen und ihn zu begleiten. Wir waren dankbar für die Chance, ihm auf Wiedersehen sagen zu können. Er ging recht friedlich.

Das Personal im Krankenhaus hat sich toll um Papi gekümmert, sowohl die Pflegerinnen und Pfleger auf Station, als auch seitens der behandelnden Ärzte. Dafür sind wir dankbar. Die Beerdigung wurde vom Bestattungsinstitut und der freien Rednerin schön gestaltet, es war ein würdiger Abschied. Viele Familienangehörige und viele Freunde, Nachbarn und Menschen aus dem beruflichen Umfeld begleiteten ihn auf seiner letzten Reise.

Ich könnte viel schreiben, über sein Leben, über unsere Beziehung, über sein Wesen. Aber es fällt mir zu schwer. Nur so viel: Ich, wir alle werden ihn sehr vermissen und werden immer voll Liebe und Dankbarkeit an ihn denken.

Danke für alles, Papi.

Summertime… and the living is anstrengend

Ihr Lieben,

beginnen wir mit dem gesellschaftlichen Ereignis der Saison: Benjiro und ich haben uns heute früh auf der Kfz-Zulassungsstelle in Köln das Ja-Wort gegeben. Es war eine feierliche und anrührende Zeremonie und hat 26,80 Euro gekostet. Das Auto habe ich ja von meinem Vater, daher habe ich das Nummernschild mit seinen Initialen und seinem Geburtstag behalten. Benjiro leistet mir ja wirklich gute Dienste und ich bin mehr als dankbar.

Kurz nach meinem letzten Schnipseleintrag, nämlich Dienstag, war ich in der Yayoi Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig. Jetzt fragen sich einige bestimmt, wie ich es geschafft habe, noch an eine Karte zu kommen; ist doch die erfolgreichste Kölner Ausstellung ever komplett ausverkauft gewesen. Des Rätsels Lösung: ich hatte das Ticket schon im April gekauft. Planung ist alles.

Machen wir uns nichts vor, Social Media ist nicht unschuldig an dem enormen Erfolg, postete doch jeder Besucher (so auch ich) Bilder im „gelben Schlangenraum“ oder aus dem „Infinity-Kasten“. Yayoi Kusama ist eine wirklich interessante Künstlerin, inzwischen hoch betagt, die Ausstellung geht zurück bis in ihre Kindheit. Man sollte 2 Stunden einplanen, um einen guten Eindruck zu erhalten. Allerdings, trotz Ticketbegrenzung, war es dermaßen voll, dass ich mich meistens unwohl fühlte. Ihr wisst ja, Menschenmassen und so. Aber es war ein tolles Erlebnis. Die Ausstellung endet Anfang August und wird im September im Amsterdamer Stedelijk-Museum wieder aufgebaut. Ich empfehle allen, einen Städtetrip alleine deswegen!

Am Donnerstag dann, es war schon sehr heiß, traf ich mich mit Artur und Hubertus und Bekannten von ihnen an der Rheinpromenade zu einem Picknick. Gottseidank fanden wir im Schatten eines riesigen Baumes noch ein Plätzchen zum Ausbreiten. Außer mir (Entschuldigungsgrund: ich kam direkt aus dem Büro) hatten alle Wein und Snacks und EISWÜRFEL dabei, daher war das eine sehr angenehme „Landpartie“, ein Wort das viel zu selten gebraucht wird, wie ich finde. Schön anzusehen war, wie sich die Poserszene vor dem Hyatt traf und alle 15 Minuten durch Ordnungsamt und Polizei wieder vertrieben wurde. An dem Abend holte ich übrigens noch mein Fahrrad aus dem Poller Keller ab. Vor dem Gelage.

Für Freitag hatte ich dann die Doppelkopfrunde zur Wohnungeinspielung mit Contra und Re geladen. Allein, es war in meiner Butze nicht auszuhalten. Wir vertagten uns zu Anja, stolze Besitzerin einer Klimaanlage. Ich versprach, dennoch für den Großteil des Essens zu sorgen und odyssierte mittagspäuslich durch die Innenstadt auf der Suche nach Börek und dergleichen. Vergeblich. Schwer angeschlagen kaufte ich letztendlich den Backladen einer bekannten Kette leer. Und man konnte es sogar essen.

Man ließ mich gewinnen (verspätetes Geburtstagsgeschenk), das fand ich prima, und dann gab es auch noch einen Gutschein für Nelson Müller in der Diepeschrather Mühle. Das fand ich noch primaer! Doch, doch, das Wort gibt es!

Samstag sollte ich dann zum Grillen nach Poll (Freitag übrigens auch zu anderen Nachbarn, aber da war ich schon verplant), wieder mit H. & A. Ich machte morgens auch meinen Wassermelonensalat dafür, kaufte ein, holte Post, fuhr zum Baumarkt… und dann war zuhause aus. Kreislauf, Übelkeit, Kopping (habe ich fast nie!). Mein Schädel war zu einer Bessemerbirne mutiert und ich musste schweren Herzens absagen.

Ich meine, ich hätte auch eine Reise nach Berlin angedeutet, zum Abschlusskonzert der Philharmoniker. Flüge, Hotel, Tickets, Bootsfahrt… alles bereits seit September gebucht. Ich wollte zusammen mit Erika und Udo hin. Dann die Hiobsbotschaften: Hotel ohne Klimaanlage, S-Bahn-Betrieb in Berlin massiv eingeschränkt, Züge von E.&U. ersatzlos gecancelt, Ersatzfahrten mit der DB ohne Sitzplatz. Dazu die Vision, in den Oberrängen der Waldbühne 3 Stunden in der prallen Sonne bei 38°C zu brutzeln. Wir berieten uns und sagten das Event ab. Gottseidank fast kostenneutral, die Karten waren sofort weiterverkauft, alles andere war noch stornierbar. Dennoch sehr schade, aber wir grillen dafür kommenden Samstag zusammen. Und gucken das Konzert bei der Live-Übertragung. Wird wohl wieder vom MDR gesendet. Thema: italienische Nächte unter der Leitung von Kirill Petrenko, mit Respighi-Werken und Jonas Kaufmann, der aus Leoncavallos „Pagliacci“ vorträgt. Bin gespannt, ob Erika auch im Garten bei Paul Lincke so stimmgewaltig mitpfeift!

Was gibt es noch zu berichten? Zur Zeit gehe ich gerne arbeiten. Ihr wundert Euch? Hah, ich habe KLIMA im Büro! Ich versuchte, im Spitzboden aka Gästezimmer Kabelkanäle zu verlegen. Nach drei Sekunden gab ich auf! Tja, wenn es nicht so stromfressend wäre, würde ich jetzt schon längst ein Klimagerät mit Außeneinheit beschafft haben. Zur Zeit begnüge ich mich mit einem Ventilator, der eher eine Windmaschine ist. Theoretisch kann ich hier sehr viele ESC-Auftritte nachspielen. Nur die Kleider-vom-Leib-reiß-Kleider brauche ich noch. Ach, und der Foodblog ruht, die Küche ist auch Südwest-Seite.

So, Ihr Lieben, das war’s schon wieder, hoffe, Ihr kommt mit der Hitze besser klar. Ausnahmsweise sende ich mal extrem kühle Grüße! Euer

So ist’s auszuhalten…

Und das soll Urlaub sein?

Ihr Lieben,

die restlichen Urlaubstage waren gut mit Terminen und Pflichten gefüllt. Noch am Ankunftstag holte jemand einen Schrank ab, den ich nicht mehr unterbringen konnte. Gut, das war jetzt keine abendfüllende Veranstaltung. Mittwoch dann ging es aber los: Morgens Besprechung der Blutwerte. Naja, nicht perfekt, aber immerhin haben sich alle Zahlen verbessert. Vom Arzt aus in das Gartencenter, da kaufte ich ein Dutzend Blühpflanzen, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. In weiß, dunkelrot und violett. Damit und mit den Balkonkästen, die ich von Erika und Udo geschenkt bekommen hatte, begrünte ich dann meinen Balkon. Ist richtig nett geworden.

Jetzt war ich so richtig in Schwung gekommen und ging DAS anstehende Großprojekt an: vor meinem Urlaub ist die Schlafcouch für mein Gäste-/Wohnzimmer geliefert worden, vier riesige Pakete (eins mit einem Sessel), die die freundlichen Speditionsfahrer für mich schon die Wendeltreppe hochgewuchtet hatten. Das montierte ich dann in zweieinhalb Stunden zusammen. Wobei ich eine dreiviertel Stunde darauf verwendete, mir zu überlegen, wie ich es schlussendlich stehen haben wollte. Davon hing nämlich ab, an welcher Seite ich die Ottomane montiere. Der Sessel war dann in Null,nix gemacht. Ich finde, es sieht ganz ordentlich aus. Am Abend kochte ich mir dann auch noch Rhabarberkompott und Vanillecreme, damit war der Tag perfekt.

Donnerstag verbrachte ich dann, ich musste nach Lövenich, Kartons abholen, und zum Abfallhof, das Verpackungsmaterial vom Sofa sowie einen angeschlagenen Fernseher wegbringen, etwa 4 Stunden im Berufsverkehr, u.a. weil plötzlich Auffahrten von Rheinbrücken gesperrt waren. Mein Navi führte mich über kilometerlange Umwege durch Köln. So war vom Tag nicht mehr viel übrig, aber ich schaffte es wenigstens, bei der KfZ-Versicherung meines Vaters vorzusprechen, bei der ich dessen Vertrag übernehmen wollte. Das ging dann sehr unkompliziert. Kompliziert wurde es dann bei der angeblich kinderleichten Online-Ummeldung. Ich erinnere mich nicht an den Wortlaut, aber mitten im Prozess wurde mir mitgeteilt, das die Querzwirbelprüfnummer fehle und der Vorgang nicht fortgesetzt werden könne. Ich rief bei der Stadt an. „Was ist die Querzwirbelprüfnummer?“ – „Woher sollen wir das wissen?“. Nach einer halben Stunde Recherche durch die – sehr freundliche! – Mitarbeiterin fanden wir heraus, dass Online-Zulassungen erst ab einem bestimmten Erstzulassungsdatum möglich sind. Ich müsse persönlich bei der Meldestelle vorsprechen. Wem kommt das noch bekannt vor? Wenigstens war für Kölner Verhältnisse ein zeitnaher Termin frei, nur zwei Wochen Wartezeit.

Donnerstagabend beschloss ich dann, da ich für einen Kabelfernsehanschluss bezahle, mir einen neuen Fernseher – der alte aus dem Schlafzimmer hat zwar den Umzug überstanden, aber mein Verräumen von A nach B nicht, daher steht da jetzt der aus dem alten Wohnzimmer – für das neue Wohnzimmer auszusuchen*. Ich wurde fündig bei dem einen großen Elektrohandel und das Elend nahm seinen Lauf. Freitagfrüh wurde mir mitgeteilt, ich möge nach Marsdorf kommen, das TV-Gerät stünde zur Abholung bereit. So sah es dann wirklich aus:

Man habe sich halt vertan. Passiert. Ja, ok, passiert. „Wir stellen es kostenfrei zu.“ – „Wann?“ – „Weiß ich nicht!“ – „Nee, so geht das nicht!“ – „Dann kommen Sie nächste Woche noch einmal vorbei!“. 60 Kilometer für Hin- und Rückweg? Ich stornierte den Kauf und wurde abends online bei einem Hamburger Versandhaus fündig und sparte (allerdings bei einem anderen, aber gleichwertigen Modell) noch dabei.

Freitagabend fuhr ich dann mit der Bahn nach Neuss. Müßig, zu erwähnen, dass sowohl hin als auch zurück alles nicht wie geplant lief. Unter anderem wurde ab 22 Uhr wieder Schienenersatzverkehr eingesetzt, so dass mein Besuch nur ein kurzer blieb. War dennoch schön. Und es gab es einen reichhaltigen, aber gesunden Salat! N.B., wenn alles liefe, wie es laufen sollte, wäre meine neue Wohnung verkehrstechnisch deutlich besser angebunden, als die alte.

Samstag und Sonntag pröddelte ich dann in der neuen Wohnung herum, hing weitere Bilder auf, verbaute einen Dimmer (die Esszimmerlampe erspart einem das Solarium!), richtete meinen alten Wandfernseher für Kabel ein (woran ich fast verzweifelte, weil ich den Sendersuchlauf für DVB-C nicht fand) und programmierte die restlichen Smart-Steckdosen.

Ja, und heute, große Freude, durfte ich wieder ins Büro. Naturgemäß wurde ich direkt mit drei mittleren Katastrophen konfrontiert; die aufzuräumen, wird sich etwas ziehen.

Abends dann fand ich noch den neuen Fernseher vor, um den kümmere ich mich gleich. Und eine Puzzle-Lampe wurde geliefert. Als Grobmotoriker werde ich wieder 2 Jahre brauchen, um die zusammenzufrickeln.

So, genug geschwafelt, habt einen schönen Abend und eine tolle Restwoche. Euer

* ich blicke manchmal auch nicht mehr durch mein Geschreibsel durch 🙂

Manchmal hätte ich gerne Fähigkeiten… so besondere… (Grafitto an der U-Bahn Geldernstraße)

Die Schöpfung

Ihr Lieben!

Das Schöne an 60. Geburtstagen ist, dass es auch Wochen danach noch Geschenke regnet. So war ich Donnerstagabend mit meinem Stämmchentisch beim Italiener verabredet und bekam einen Präsentkorb voller Leckereien. Öle, Pasten, Nudeln, Aperitivi undundund. Das fand ich sehr rührend. Leider war Melli krank und konnte nicht dabei sein. Ich hatte mich übrigens sehr auf eine gebratene Salsiccia mit Fenchel versteift und war etwas enttäuscht, dass die nicht mehr auf der Speisekarte des Il Valentino stand. Aber die Pizza Tonno war auch okay. Zudem hatten wir einen wirklich netten Abend und Matthias hat dann auch die Bewohner des „Ostblocks“ nach Hause kutschiert. Habe btw festgestellt, dass so einige Kollegen hier in der Ecke wohnen.

Ich hatte auch wieder einen HNO- und einen Zahnarzttermin. Der HNO hatte mir ja Antibiose und Cortison gegen Beschwerden verschrieben, es fühlte sich aber nach 10 Tagen nicht besser an. Er attestierte mir mangelnde Geduld. Naja, wer schon fünfmal wegen einer Zyste unterm Messer lag, ist vielleicht auch nicht völlig grundlos überspannt. Wird aber gerade tatsächlich besser. Dafür sind meine Zähne angeblich in einem bemerkenswert guten Zustand. Wie schön, so motivierende Zahnärzte zu haben. Naja, haben ja auch gut an mir verdient 🙂

An Pfingsten wurde es ja mal so richtig warm. Meine neue Wohnung heizt sich deutlich mehr auf als die alte. Was natürlich an den vielen West- bzw. Südwestfenstern liegt. Es bedarf hier einer ausgefeilten Rollladennutzungs- und Fensteröffnungs- bzw. Lüftungsstrategie. Aber ich mag die neue Butze doch sehr. Durch die dichte Bebauung und die Nachbarschaftsstruktur ist hier allerdings den ganzen Tag Kirmes. Heute haben zwei Kinder drei (!) Stunden lang Sirene gespielt. Muss mal gucken, wie ich mir das schön rede. Im Bedarfsfall habe ich die besten Ohrstöpsel aller Zeiten.

Samstag war ich auf Sofasuche. Der Aufstellort im quasi Spitzboden ist kompliziert. Dachschrägen, Nischen, Türen, Heizung, Fenster: Alles irgendwie im Weg. Ich habe ein Sofa und einen Sessel bestellt und werde überlegen, wie ich sie aufstelle, wenn sie da sind. Hach, ich bin so abenteuerlustig (und vielleicht auch ein bisschen naiv?)!

Das Programm konnte keine Schrägen… 🙂

Sonntag habe ich die Umgebung weiter erkundet. Wenn man – wie ich – Mitglied der NRW-Stiftung ist, kommt man umsonst in so einige Museen. In Bergisch-Gladbach z.B., 10 Minuten Autofahrt von mir entfernt, kann man das „LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach“ besichtigen. Das fand ich interessant. Und war über alle Maßen überrascht, wie schön das ist. Die Landschaft drumherum, mit Bächen und Wäldern, das Gebäudeensemble, die Ausstellung. Sehr nette Mitarbeiter*innen erklären Maschinen und lassen einen selbst Papier schöpfen (mit Wasserzeichen!). Absolut besuchenswert, auch weil selbst an einem Pfingstsonntag nur wenige Besucher dorthin finden.

Auch sonst hat die Ecke Bergisch Gladbach einiges zu bieten. Einen Wasserturm von 1906, der aussieht, wie ein Teil einer aufgelassenen Festung, einen schönen Friedhof (direkt daneben die Pathologie des ev. Krankenhauses GL, wie praktisch), eine Miniburg und anderes mehr; ein Haus des Gralskreises z.B.

Was gibt es von kulinarischer Seite aus zu berichten? Nun, ich machte mal eine experimentelle Lasagne, die sah super aus, war aber nix. Dafür versuchte ich mich an einem Pêche Melba (Nellie Melba hatte diese Woche 165. Geburtstag), der sah scheibe aus, war aber superlecker. Wieso hatte mir niemand verraten, dass man den in Zuckerwasser gekochten Pfirsich nicht so einfach vom Kern lösen kann? Und natürlich wieder Spargel. Jetzt ist aber auch gut mit der Kombi Kartoffel und Schinken. Heute Abend gibt es Lachsnudeln.

In 8 Tagen bin ich ja in Dublin. Da freue ich mich schon drauf und ich werde ausführlich berichten. Für den Herbst habe ich mir eine Reise mit Benjirō ausgedacht, auf der ich drei Bucketlist-Ziele abgrase: San Marino, Monaco und den Tarot-Garten von Nikki de Saint Phalle bei Grosseto; bin gespannt, wie sich der kleine, rote Blitz dann macht.

So, Schluss für heute, habt noch einen schönen Feiertagsabend und bis bald. Liebe Grüße, Euer

Spagat de luxe mache ich auch ständig.

Märchenhaftes

Ihr Lieben,

den Namen Schwabstraße führe ich ja zurück auf Gustav Schwab, dem Sammler von Sagen des klassischen Altertums. Denn ich wohne am Rande der Märchensiedlung. Hier finden sich Titel Grimm’scher Märchen in den Straßenbezeichnungen, wie Rapunzelgässchen oder Drosselbartstraße. Auch die Erzähler Andersen und Bechstein sind hier verewigt. Fast die ganze Siedlung steht unter Denkmalschutz. Die meisten Häuser wurde in den 20er Jahren nach dem Vorbild der Gartenstadtbewegung Englands konzipiert und errichtet. Der bekannte Architekt Riphahn, u.a. Kölner Oper, entwarf hier zwei Häuser. Den Großteil aber plante Manfred Faber, der 1944 von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Ein friedlicher Flecken Erde mit einer dunklen Geschichte.

Wenn wir schon bei der Nachbarschaft sind: die beiden schönen Tage am Wochenende habe ich für lange Spaziergänge genutzt. An Naherholungsgebieten, Wiesen und Wäldern mangelt es hier nämlich ganz und gar nicht. Zwar vermisse ich die Nähe zum Rhein, aber hier habe ich den Höhenfelder See und viele Mühlbäche. Am Sonntag besuchte ich dann zudem den Wildpark in Dünnwald und die Gedenkstätte für die hingerichteten Militärjustizopfer am ehemaligen Schießplatz. Hier erinnert eine Stele mit der Inschrift „Was kann man Besseres tun als den zu Krieg verraten?“; die Aussage stammt vom Deserteur und Aktivisten Ludwig Baumann.

Wie man sieht, habe ich im Wildpark nicht allzu viele Tiere gesehen. Ich glaube, es waren einfach zu viele Menschen da. An der Diepeschrather Mühle restauriert ja ein berühmter Sternekoch. Das Menü mit Weinbegleitung zwischen 280,- und 325,- Euro. Pro Person. *räusper* Da bekomme ich zwischen 62 und 72 Schawarma-Sandwiches für. Dazu später mehr.

Ansonsten wird es Zeit, dass ich in den Ruhestand wechsele, ich komme sonst mit meinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht mehr nach. 🙂

Am Montag war mein früherer Spanisch-Kurs fast vollzählig zu Gast, ich habe türkische Snacks und Dips dazu besorgt. Es gab aber auch selbstgemachte Muffins und einen riesigen Laib Manchego (beides Mitbringsel, danke dafür!) sowie Prickelkram. Und es gab natürlich auch Unterricht; da merkte ich, wie sehr ich doch hinterherhinke. Auch, weil ich den Schwerpunkt gerade auf Portugiesisch verlagert habe. Es war ein netter Abend, ein Selfie haben wir aber leider vergessen.

Donnerstag kam Matthias nach Holweide. Wir waren erst indisch essen, dann haben wir uns bei mir noch diverse Schlummertränke genehmigt. Da ich noch keine Schlafcouch im Gästezimmer habe, erstand ich als Provisorium eine selbstaufpumpende Gästematratze. Die lag ich dann übrigens auch mal eine Nacht Probe, aber ich wechselte dann doch mittendrin wieder ins Bett. Für die Luftmatratze muss man nämlich ziemlich seefest sein.

Hatte ich schon von den vielen kulinarischen Möglichkeiten erzählt? Der Inder z.B. ist wahnsinnig gut, alles war extrem lecker (nur der Mangolikör aufs Haus war nicht unser Fall). Nach den Spaziergängen belohnte ich mich mit einem Döner von um die Ecke. Sehr essbar. Ich war auch Mittwoch beim libanesischen Imbiss, probierte dort ein Schawarma-Sandwich und bestellte spontan für Freitag eine Partyplatte, mit Falafel, Hummus, Bohnenpaste, Auberginenpüree und Drehspießfleisch, garniert mit allerlei Salatgemüse und Saucen. Das kam bei meinen vier Gästen ziemlich gut an.

Also, ich fühle mich recht wohl in der neuen Heimstadt und deren Umgebung. Man ist sich gruppenübergreifend einig, dass meine neue Wohnung noch viel schöner sei als die alte. Nur die Anreise wird ein bisschen bekrittelt. Naja, 75% der Besucher diese Woche kamen aus Poll, da konnte man halt zu Fuß andackeln.

Vorhin habe ich etwas Obst geschnibbelt, ich gönne mir jetzt auf dem Balkon eine Sangria. Denn mein heißersehnter Sonnenschirm wurde geliefert und dann kann man es da aushalten. Prösterken, Euer

P.S.: Auch geliefert wurde ein Sitzsack. Ich war etwas verwundert, dass ich den selbst befüllen sollte (die Kügelchen waren separat verpackt), so dass ich ihn zurückgehen lassen wollte. Daraufhin bot man mir 30% Nachlass an. Dafür mache ich es dann gerne selbst. 🙂

P.P.S:: Die Braut, die schon ergraut:

Langsam ankommen

Ihr Lieben,

natürlich habe ich mich die letzte Woche wieder intensiv mit der neuen Bleibe beschäftigt. Mein Allround-Nachbar war da und brachte Spiegel und weitere Lampen an, ich schraubte – mal wieder – Möbel zusammen, Luis und ich packten gefühlte 3.981 weitere Kartons aus. Warum hat man so viel Zeuchs? Und wo ist Marie Kondō, wenn man sie mal braucht? Beim Zusammenfügen des IKEA PS muss man übrigens höllisch beim Deckel der Kommode aufpassen. Ich habe ihn falsch aufgesetzt, dabei etwas zerbeult, und mir beim Reparaturversuch diverse Finger gequetscht. Yeah!

Aber es wird immer wohnlicher und schöner (naja, meinem Geschmack nach). Ich habe mal ein paar Bilder vom aktuellen Stand gemacht. Von oben gibt es keine, da stehen bisher nur Bücherregale und ich muss dringend mal überlegen, wie ich da jetzt ein Gästezimmer draus machen kann. So langsam trudeln die ersten Besucher ein und ein Übernachtungsgast hat sich auch schon angekündigt. Naja, der muss auf das aufblasbare Gästebett, dass hoffentlich kein Loch hat.

Am Dienstag lutschte ich meine letzte Pille Lercanidipin (gegen hohen Blutdruck), daher wurde es für mich dringend Zeit, einen neuen Hausarzt zu suchen. Ihr wisst ja, mein alter hat sich nun auf Privatpatienten spezialisiert. Über eine bekannte Internetseite wurde ich fündig und bekam einen Termin am frühen Morgen in einer ziemlich großen Gemeinschaftspraxis. Sehr schlecht bewertet, mit üblen Kommentaren einer Menge sehr wütender Patienten. Egal, ich brauchte ja nun mal meine Pillen. Was soll ich sagen? Ein Trubel wie am Hauptbahnhof, wenn die Frittenbude Freibier ausschenkt. Aber ich kam pünktlich dran, der mir zugewiesene Arzt nahm sich Zeit, beriet mich ein bisschen und hat die ersten Untersuchungen terminiert. Die MTAs waren gestresst, aber dennoch zu Scherzen aufgelegt. Also, ich kann die meisten Bewertungen nicht nachvollziehen.

Zum HNO musste ich auch wieder mal, ich hatte alle Symptome, die auf eine Wiederkehr (zum 6. Mal) meiner Kehlkopfzyste hindeutete. Der Herr Doktor hat aber nur entzündliche Vorgänge erkennen können, für die ich jetzt Antibiose und Cortison nehme. Ich hoffe, das hilft, auf eine erneute OP habe ich momentan nicht wirklich Lust.

Am Donnerstagabend war ich in einem netten Bistro, wo meine Freundin Ruth Forschbach mit ihrem Bühnenkollegen Peter Worms ein lustig-besinnliches Potpourri zum Thema Altern („Zwischen Kinderwagen und Rock’n’Rollator“) mit Lyrik, Erzählungen und Gesang aufführte. Da ja Tanz in den Mai angesagt war, war es ein kleines Publikum, das die beiden Künstler aber umso frenetischer feierte. Gespeist habe ich da zur Abwechslung gesund. Möhren und Rübchen in Kerbelsauce. Kann man gut essen…

Ich erwähnte es bereits, in letzter Zeit habe ich mich vom Lieferdienst bekochen lassen. Die Pizzerien im Umkreis sind soweit okay (wobei die „Frutti di mare“ hier nicht im entferntesten an die aus Poll rankommt), auch der türkische Imbiss liefert solide ab. Aber es wurde mal wieder Zeit, selbst den Kochlöffel in die Hand zu nehmen. Es gab einen orientalisch gewürzten Kartoffel-/Hack-/Tomatenauflauf. Mit viel Kreuzkümmel, Kurkuma, Koriandersaat etc., als Fertigmischung aus dem türkischen Supermarkt. Sehr lecker. Apropos Umkreis: Ich habe ein paar nette Läden in der Nähe, Bäckereien, türkische Konditorwaren, exotische Restaurants, mehrere Imbisse, fünf Supermärkte in Fußweite, einer davon Bio. Die Infrastruktur ist hier schon deutlich besser als in Poll.

Hatte ich erwähnt, dass ich schon ein paar Nachbarn kennenlernen durfte? Heute traf ich weitere auf der Straße, die mir sofort einen Heiermann aus dem Portemonnaie klaubten, da die Mieter unter mir kommende Woche heiraten. Die Häuser 6a und 6b legen bei solchen Anlässen offenbar zusammen. Auch werde es ein Sommerfest geben. Bin gespannt. Im Haus ist es sehr ruhig, dafür geht es aber auf der verkehrsberuhigten Straße ziemlich trubelig zu.

So, Ihr Lieben, das war der Bericht aus Holweide für diese Woche. Bis bald mal, im Juni wird ja auch wieder gereist. Alles Gute, Euer

P.S.: Habt Ihr schon einmal von Lookmaxxing gehört? Übungen zum Erzielen eines kantigeren und attraktiveren Gesichts? Habe das auch mal versucht.