Tag 19: Heimreise und Intermezzo 2

Tag der Rückreise, Ihr lieben virtuell Mitreisenden. Um 7:15 Uhr wurden wir am Schiff abgeholt, um in der Saigoner Rush-hour zum Flughafen zu fahren. Viel Winke-Winke, ein bisschen Geherze und Umschlagaustausch, aber tränenarm. Am Abend vorher hatte ich im Speisesaal jeden Tisch gefragt, ob Interesse an dem Besuch der Skybar im Bitexco Financial Tower bestand. Die Hälfte der Mitreisenden sowie Lidy kamen mit. Der Besuch der Bar ist straff durchorganisiert, mit Angabe der Besucherzahl an der Rezeption und dann passiert man mehrere headsettragende Personen, die einen durch das Labyrinth des Centers bis an einen passenden  Tisch bringt.  Das hat sich gelohnt! Wir hatten bei einem (recht hochpreisigen!) Cocktail einen spektakulären Ausblick aus der 52. Etage auf das beleuchtete Saigon. Später zurück an Bord wurde mir gesagt, dass das ein toller Abschluss der Reise gewesen wäre.

Aber zurück zur Heimreise: Wir kamen auch absolut rechtzeitig am Flughafen an, so dass wir noch ausreichend Zeit hatten, unsere restlichen Dong in Tinnef oder Getränke zu investieren. Die Maschine war nicht besonders voll, so dass ich mir einen Sitz mit Beinfreiheit aussuchen konnte. Leider flog sie doch recht verspätet ab, und wir hatten in Bangkok nur ein kleines Zeitfenster zum Umsteigen von 90 Minuten. Zur Boardingzeit der zweiten Maschine landeten wir gerade erst. Aber mit Wegweisern und Priority-Lane-Nutzung gelangten wir auch an diese Maschine. Die Sorge war nur, dass das Gepäck es nicht mehr schafft…

Diese zweite Maschine war unglaublich leer, so dass sich wirklich jeder eine ganze Reihe für sich hätte aussuchen können. Ich blieb an meinem Platz (wieder mit Beinfreiheit und Sitzplatz daneben frei) und unterhielt mich ein bisschen mit dem Herrn am Gang. Dies und mehrere Essen, drei Kreuzworträtsel  und drei Filme vertrieben die Zeit. Übrigens, ich schrieb im Prolog von vier Flügen, der geneigte Leser hat natürlich erkannt, dass es sechs waren :-).

Nun ja, in Frankfurt angekommen, eilte unsere Truppe mit sorgenumwölkter Stirn zum Gepäckband. Unsere Gepäckstücke kamen! Sie waren mit riesigen knallgelben Bändern versehen, auf denen HOT TRANSFER stand. Nach kurzen Abschiedsszenen (wieder ohne Tränen!) begab ich mich zum Zug, in dem ich dies gerade schreibe. Neben mir sitzt ein Mann, der seine Mitarbeiter lautstark anpampt, und den es nicht die Bohne interessiert, dass der ganze Großraumwagen über ihn lästert und ihn anstarrt. In Asien hätte er übrigens einen herben Gesichtsverlust erlitten.

Nun, das ist eine wunderbare Überleitung zu dem versprochenen Intermezzo zum Thema Mitreisende. Also:

Intermezzo 2: Die lieben Mitreisenden!

Wie schon angekündigt, hier ein paar Betrachtungen über das Phänomen Reisegruppe, deren Mitglied sein zu dürfen ich ja schon öfter die teilweise schöne, aber auch manchmal recht zweifelhafte Ehre hatte. Ich muss vorwegschicken, dass dies jetzt eher wie eine einseitige Schimpftirade aussehen wird, ohne, dass die betroffenen Personen (die ja ohnehin alle fiktiv sind!) sich wehren und verteidigen könnten. Nun, das ist auch gar nicht vorgesehen.

Ich werde jetzt nicht über einzelne Personen sprechen. Aber mal ein paar kleine Wesensmerkmale herausstellen. Übrigens alles frei erfunden und ohne jedweden Bezug zur Realität (s.o.).

  • Der Stinkstiefel
    Der Stinkstiefel verreist. Keiner weiß warum. Wahrscheinlich selbst er nicht. Zuhause ist alles besser, im Urlaub alles scheiße. Das Essen ist scheiße, warum gibt es nicht mal eine Wurst oder Kraut? Man muss denen da in der Küche mal kochen beibringen. Und wieso kosten die Getränke extra? Der Stinkstiefel ist physisch nicht gut dabei. Aber was hat die Reiseleitung dazu bewogen, vor die Tempel Treppen hinzustellen und auf Dorfspaziergängen keine Elektrocarts parat zu haben?
  • Die Sparsamen
    Die Sparsamen haben viel Geld für die Reise bezahlt. Sehr viel Geld. Da muss man dann auch mal gucken, wie man das wieder in eine Balance bekommt. Wasser, Tee und Kaffee sind ja umsonst. Prima. Das wird jetzt den ganzen Tag getrunken.
    Busfahrer: „Noch eine Flasche Wasser?“
    Sie: „Zweie bidde, für misch un meine Mann!“
    Er: „Mir habet doch noch.“
    Sie: „Ischt doch umsonst.“
    Die Sparsamen gehen auch gerne mehrmals zum Büffet. „Zu Hause esse mir ja nischt so viel. Da träniere mir immer ab, was mir im Urlaub zugenomme habe.“
    Die Sparsamen haben übrigens eine Verschwörung aufgedeckt: die internationale Trinkgeldmafia. Deswegen wird nix gegeben. Das kommt ja gar nicht bei dene Leute an.
  • Der Lustige
    Der Lustige hat sich auf diese Reise intensiv durch das Studium der Bestseller „1000 Witze zum Toooootlachen“ und „Schlüpfrigkeit in der deutschen Witzkultur der Nachkriegszeit“ auf Smalltalk vorbereitet. Leider merkt er nicht, wie die ganze Gruppe zusammenzuckt, wenn er zu seinem berüchtigten „Kennen Sie eigentlich den…“ ansetzt und die Gruppe sich wie durch Zauberhand in alle Winde zerstreut. Gehbehinderte haben dann leider das Nachsehen.
  • Die Gesprächige
    1. Tag: „Och, Sie sind ja erkältet! Na dann mal gute Besserung!“ – „Danke sehr, das ist nett von Ihnen.“
    2. Tag: „Was macht denn Ihre Erkältung?“ – „Oh, schon viel besser. Danke der Nachfrage.“
    3. Tag: „Geht’s voran mit der Erkältung?“ – „Ja, ist weg. Danke.“
    4. Tag: „Ist denn das mit Ihrer Erkältung immer noch in Ordnung?“ – „Danke, ja.“
    5. Tag: „Was macht denn die Erkältung?“ – „…..“
  • Die Wetterfühligen
    Die Wetterfühligen teilen sich in zwei äußerst gegensätzliche Gruppen auf. Es zieht. Es ist zu stickig. Es werden erbitterte Diskussionen geführt.
  • Der Exhibitionist
    Der Exhibitionist trägt eine schlabbrige Badehose, die die stolze Wampe des Oberkörpers von den speichenartigen Beinchen trennt. Er gefällt sich dabei, seine geballte… äh… seine… ohjeh….da ist ja gar nichts zum Gefallen.
  • Die Onliner
    Die Onliner fragen immer überall nach dem W-Lan-Passwort. In Restaurants, Hotels, ja sogar in Tempeln. Wenn das dann nicht geht, stellen sich die Onliner in Gruppen zusammen und versuchen, die Ursache zu ergründen. Hinweise auf spottbillige Datenkarten in südostasiatischen Ländern werden abgewimmelt mit dem Hinweis, man sei ja im Urlaub und brauche das nicht. Ober wehe, das W-LAN an Bord fällt aus.

Ach, Ihr Lieben. die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Vielleicht fällt Euch ja noch von Euren Reisen ein Prototyp auf, der unbedingt auf diese Liste gehörte. Aber ich muss jetzt auch mal sagen, dass wir eine sehr schöne Truppe waren. Bis auf den Typ Stinkstiefel, der wirklich allen an Bord schwer auf das Gemüt ging, sind ja alle Eigenheiten erträglich. Selbst das Mundorgelgesinge, da es sich auf zwei Lieder in drei Wochen beschränkte.  Viele sehr weitgereiste Menschen, die interessant erzählten, sehr liebevolle Menschen, die sich um andere kümmerten (übersetzen oder mal Stufen hochhelfen), sehr höfliche Menschen, die sich Land und Leuten mit Respekt näherten (ich habe oben den Kolonialherren vergessen!)…

Alles in allem eine schöne Reise, mit tollen Erlebnissen und schönen Bekanntschaften.

Die Tage werde ich dann mal ein bisschen Fotoaufarbeitung betreiben und einen Link zu einem Album hier einstellen. Da könnt Ihr dann bei Gefallen ja mal drüberscrollen.

Danke für die Begleitung und bis zur nächsten Reise.

Euer Gerald

Tag 18: Ho Ho Ho Chi Minh City

Liebe Lesende! Heute also quasi letzter Tag. Um 9 Uhr früh brachen wir mit einem Bus zu einer Stadtrundfahrt auf. Wir saßen dabei recht viel im Bus,  denn Saigon ist ja doch recht groß und der Verkehr ist auch nicht ohne.

Erster Stop war – nach einer kleinen Rundfahrt durch das Chinesenviertel – der Ba Thien Hau-Tempel. Er ist zentrale Anlaufstelle für die chinesischen Buddhisten hier. Er zeichnet sich besonders durch exquisite Porzellanfiguren auf den Dächern aus und durch tannenbaumförmige Räucherstäbchenspiralen, die in das Tempeldach gehängt werden.

Wir liefen dann durch eine schmale Gasse des Chinesenviertels, und Tuan erläuterte Besonderheiten, wie Zettel an der Tür gegen böse Geister oder Minialtäre für Himmels-und Erdgötter.

Danach besuchten wir eine Manufaktur für Lackarbeiten. Selbst kleine Teile benötigen mehrere Wochen Fertigungszeit. In Vietnam nimmt man für Einlegearbeiten statt des üblichen Perlmutts Enteneierschalen. Die Produkte sind nicht gerade preiswert.

Unser Mittagessen nahmen wir im Bitexco-Tower in einem Buffetrestaurant ein. Das ist der Turm mit der sehr hoch gelegenen Aussichtsplattform. Das Restaurant war allerdings in der dritten Etage und sehr durch große Touristengruppen frequentiert. Essen okay, Atmosphäre leider nicht.

Am Wiedervereinigungspalast erfuhren wir noch ein bisschen über den Vietnamkrieg. Aber insgesamt wurde dieses Thema sehr zurückhaltend behandelt.

Wir hielten noch an der Kirche Notre-Dame mit dem schönen Postamt gegenüber, sowie am Opernhaus. Dort verließ ich die Gruppe dann, allerdings eher unfreiwillig. Denn sie war einfach verschwunden. Ich lief dann noch zum Rathaus und von dort zu Fuß zum Schiff zurück.

Jetzt sitze ich beim Happy-Hour-Cocktail. Nach dem Abendessen werde ich noch in eine Skybar gehen, um mir Saigon von oben anzusehen.

Alles über den abenteuerlichen Rückflug erfahrt Ihr dann morgen. Liebe Grüße, Euer Gerald

Tag 17: Vietnam gegen Malaysia

Heute war, Ihr Lieben, volles Programm. In My Tho – wo wir auf Reede, sprich ohne Anlegestelle, lagen – fuhren wir nach dem Frühstück mit einem Ausflugsboot zur Einhorn-Insel. Da der Mann der Kanadierin unpässlich war, habe ich mich ihr und dem englischsprachigen Tourguide Bao angeschlossen. Der ist übrigens hauptberuflich Botaniker, rettet Orchideenarten und ist ein ganz entzückender Mensch. Tuan (der deutsche Tourguide) ist aber auch sehr sympathisch! Auf der Insel haben wir einen Imker besucht, wo wir einen Tee, versetzt mit Blütenpollen, Honig und Gelee Royale tranken. Muss man mögen.

Wir liefen ein bisschen weiter und hielten an einem Cafe an, wo uns Obst mit Chilisalz sowie Tee von Blättern aus einer bestimmten Baumart serviert wurden; ich habe den Namen vergessen. Ehrlich: Das mit dem Chilisalz und dem süßen Obst ist der Hit! Hätte ich im Leben nicht geglaubt.

Dazu spielten dann ein Gitarrist und ein Monochordspieler (ich glaube, das Instrument nennt sich Dan Bau) eine Art Mekongdeltablues, zu dem zwei Damen herzzereissende Gesänge anstimmten.

Wir fuhren dann mit sogenannten Sampas-Booten (vorne und hinten zwei Paddler/innen, dazwischen je vier Gäste) durch einen hübschen Kanal mit Nippa-Palmen an beiden Seiten, an dessen Ende uns unser größeres Ausflugsboot erwartete, um uns wieder nach My Tho zu bringen.

Dort enterten wir einen Bus und wurden zur Vinh Trang Pagode gebracht. Diese Pagode ist bekannt für ihre überdimensionalen Buddhastatuen. Auch unterscheidet sich der Tempel innen sehr von anderen bisher besuchten. Ein sehr deutlicher chinesischer Einfluss ist erkennbar.

Da es an Tempelbesuchen bisher ein wenig mangelte (findet ihr nicht auch?), fuhren wir im Anschluss auch noch zum Coa Dai-Tempel von My Tho. Der Caodaoismus ist eine in den zwanziger Jahren in Vietnam gegründete Religion, die wohl den Zweck hatte, die Vietnamesen zu einen und die Franzosen zu ärgern. Eine wilde Mixtur aus verschiedenen Religionen und die Verehrung sehr unterschiedlicher Personen sind besondere Kennzeichen des Caodaoismus. Victor Hugo nimmt z.B. eine zentrale Rolle ein. Unbedingt mal nachlesen, ist sehr interessant.

Wir verließ My Tho gegen Mittag, um Kurs auf Ho-Chi-Minh-City zu nehmen. Die Vietnamesen verehren Onkel Ho immer noch sehr, sagen aber trotzdem selbst lieber Saigon. Auf vietnamesisch wird es übrigens ungefähr „Schai Gonn“ ausgesprochen.

Die Fahrt dauerte ein wenig, da es unter anderem durch den stark befahrenen Kanal Cho Gao ging. Stau auf Wasser gibt es eben auch. Und nicht nur am Suez- und am Panamakanal.

Der Kanal ist wunderbar. Es gibt so viel zu sehen! Ich habe dann trotzdem mal einen Mittagsschlaf eingelegt, bevor ich um 15 Uhr den Maschinenraum besichtigen durfte. Leute. Was für ein Geräuschpegel. Und was für eine Hitze! Zwei riesige Volvomotoren treiben uns an. Die Maschinisten hier haben einen echt anstrengenden Job!

Zur Kaffeezeit haben wir einen Dokumentarfilm über Vietnam gesehen. Peter Kunz ist Auslandskorrespondent und hat wohl einige Filme über die Region gedreht. Man kann sie wahrscheinlich auch in den Mediatheken der ÖR-Sender abrufen.
Ab 17.30 Uhr kamen wir schon in Saigon an. Tuan erläuterte die Stadtsilhouette und erzählte ein bisschen über die Stadt, aus der er und seine Vorfahren kommen. Danach schloss sich ein Abschiedscocktail an, bei dem sich die ganze Crew noch einmal verabschiedete und sich die Passagiere mit Applaus bedankten. Wir sind zwar noch zwei Nächte an Bord, aber die Tage sind voller Programm, so dass dieser Abschied vorgezogen wurde.

Nach dem Abendessen sollte der Stadtspaziergang stattfinden, den Lidy am Vorabend angekündigt hatte. Aber heute spielte Vietnam in einem wichtigen Fußballspiel gegen Malaysia und man erwartete, dass mindestens eine Million Menschen der Achtmillionenmenschenmetropole die Boulevards und Straßen bevölkern würde. Sie kündigte daher einen reduzierten Spaziergang an. Ich ging den ersten Teil mit den anderen Passagieren mit, habe aber dann beschlossen, noch zum Nachtmarkt zu gehen, durch das ganze fußballverrückte Volk hindurch. Der Nachtmarkt war dann eher unspektakulär.

Aber der Rückweg! Denn inzwischen stand fest, dass Vietnam 1:0 gegen Malaysia gewonnen hatte. Die Saigoner waren nicht mehr zu halten. Selbst ein Weltmeisterschaftsgewinncorso in jedwedem Land Europas ist mit den dann hier erlebten Szenen nicht zu vergleichen! Der pure Wahnsinn. Als so ziemlich einzige Langnase im ganzen Pulk wurde mir zugewunken, ich wurde angesprochen, ich schüttelte mehrere Dutzend Hände. Man nahm wohl an, ich sei ein Fan.

Zurück an Bord gab es noch ein bisschen Smalltalk mit anderen Passagieren. Morgen gibt es zwei Ausflüge, Freizeit und Finanzen. Denn wir müssen die Bordrechnung zahlen. Noch werden Wetten angenommen, was ich hier alles verzehrt habe. Übermorgen geht es dann zurück nach Hause.
Wow. Die Zeit ist wirklich rum wie nix. Naja, fast halt. Wer etwas über das Chinesenviertel und das Kolonialviertel wissen möchte, muss morgen wieder dieses Programm einschalten.

Bis denne, Euer Gerald

Tag 16: Mekong-Manufakturen

Heute, liebe Leser, war ein eher entspannter Tag. Nach dem Frühstück hielt Tuan einen Vortrag über Land und Leute. Das war ganz informativ.

Anschließend wurden Kokosnüsse zum Austrinken verteilt. Bis zum Mittagessen konnten wir dann faulenzen. Dann ging es auf ein Langboot, das uns durch die schwimmenden Märkte von Cai Be schipperte. Leider sind sie seit geraumer Zeit nicht mehr so voll und interessant wie auf vielen Postkarten dargestellt. Es gibt nun Brücken und Straßen, so dass es nicht mehr erforderlich ist, auf dem Mekong zu handeln. Sehr schade.

Unser nächster Stop war das Mehrgenerationenhaus einer Familie, die Süßigkeiten herstellt, u.a. Puffreis, Erdnusskrokant und kandierten Ingwer. Nachdem uns gezeigt wurde, wie die Herstellung vor sich ging, durften wir bei Tee alles probieren.

Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir das Haus einer anderen Großfamilie, die Kokosnuss-Bonbons und Reispapier herstellt. Außerdem verwerten sie die Reste der Kokosnüsse für alles mögliche.

Auch eine Fischsoßenmanufaktur besichtigten wir. Es war ein olfaktorisch beeindruckendes Erlebnis. Dass das Ergebnis auf dem Teller schmeckt, ist erstaunlich. 😁

Unser vorletztes Ziel  war die sehr interessante katholische Kirche des Ortes, die gerade für Weihnachten geschmückt wird. Der ganze Ort feiert dort wohl mit, unabhängig davon, welchem Glauben man angehört.

Arbeitssicherheit wird hier übrigens… äh… ja…

Zu guter letzt besuchten wir noch den lokalen Markt. Da wir gefühlte hundert Märkte besucht haben, hielten wir uns nur kurz dort auf.

Nach dem Abendessen, bei dem ein Geburtstag gefeiert wurde, versammelten wir uns auf dem Sonnendeck, da eine vietnamesische Band traditionelle und moderne Stücke aufführen sollte.

Also, ich fand die sehr gut. Ihr könnt Proben ihrer Kunst bei mir anhören, da ich eine CD kaufte.

Wir nähern uns dem Ende der Reise. Morgen gibt es wegen des umfangreichen Programms in Saigon am Tag danach schon das Abschiedsdinner. Ich hoffe, Ihr esst mit. 😉

Guads Nächtle, Euer Gerald

P.S.: Wer macht mit mir kommenden Dezember die Myanmar-Flussfahrt mit?

Tag 15: Die Mutter des Landes

Sin chau, Ihr Lieben!

Wir sind in Vietnam. Es war nicht klar, wie lange die Formalitäten im Niemandsland dauern würden, es wurde angekündigt, dass es bis zu sieben Stunden sein könnten. Aber wir legten frühzeitig und ohne Gesichtskontrolle ab, fuhren ein bisschen den Mekong hinunter und bogen dann ab in den Tan Chau-Kanal, um Chau Doc zu erreichen. Nach dem Anlanden um kurz nach 10 Uhr in der Früh startete ich einen ersten Erkundungskurs im Ort. Über eine Promenade mit Skulpturen und Freizeitgeräten lief ich zu einem Markt, der mit Planen und Stoffen bedeckt war, die aber so tief hingen, dass ich in ständiger Demutsposition durch ihn laufen musste. Die Gänge auf diesem Markt sind sehr eng, aber das hindert keinen daran, auch mit Mopeds durch ihn zu brausen. Es gibt hier alles. Wie in der ganzen Region seit Laos herrscht eine unglaubliche Fülle an Früchten und Gemüsen und Fleisch. Die Frage ist nur, ob sich das jeder leisten kann. Es sieht aber so aus, als müsste niemand hungern.

Chau Doc ist laut. Es ist von Mopeds dominiert, die Motoren knattern und es wird gehupt, als gäbe es nicht Schöneres auf der Welt. Ein unglaubliches Chaos, zumindest für meine westlichen Augen und Ohren. Ich versuchte, Ingwer und Taschentücher zu finden, fand stattdessen aber nach genauerem Hinsehen Erdbeeren und Kirschen. Abgesehen von Jackfrucht, Mango, Pitahaya und dergleichen.

Das erste, was mir hier auffiel ist, dass es hier sehr viele Raucher gibt. In den anderen Ländern wurde fast gar nicht geraucht. Dann ist es hier gleichzeitig hektischer, aber trotzdem strukturierter. Es gibt Ampeln. Hey! (hält sich aber auch keiner dran.)
Und das Volk sieht anders aus. Was natürlich auch an der Tracht liegt, trägt man hier doch viel den kegelförmigen typischen Hut.

Ich sah übrigens eine Beerdigungszeremonie, wahrscheinlich eine caodaistische.

Was es hier erstaunlicherweise gibt, sind Supermärkte. Mit Preisschildern! Yippieh! Ingwer und Taschentücher gekauft. Bin nämlich immer noch erkältet. Kurz an Bord pausiert. Eine Kaffee-Coke (auch aus dem Supermarkt) getrunken. Nicht wirklich lecker.

Was ich völlig vergaß… nach einer SIM-Card zu schauen. Das W-LAN an Bord ist ein bisschen instabil. Also wieder in die Stadt. Telefonfirma gesucht. Die wollten einen Pass. Hatte ich nicht. Zurück zum Schiff. Mittagessen. Dabei wurden uns unsere vietnamesischen Guides vorgestellt. Ein deutsch- und ein englischsprachiger.
Nach dem Essen bestiegen wir ein Boot und fuhren zu einer Fischzucht. Ein schwimmendes Haus mit einem Becken für Zuchtfische darunter. In unserer Anwesenheit wurden die Fische gefüttert, es sah aus, als würde ein Schwarm Piranhas sich wie wild auf das Essen stürzen.

Wir legten dann in einem Dorf der Cham an, der muslimischen Minderheit in Vietnam. Wir liefen durch das Dorf, besuchten eine Weberei, sahen die Moschee, und haben die abenteuerlichen Pfahlbauten angesehen, in denen die Cham leben.

Wir bestiegen wieder das Boot und bogen ab in einen Kanal, der interessante Einblicke in das Leben der dort wohnenden Menschen bescherte. So wusch sich zum Beispiel einer Frau die Haare in diesem Kanal. Und keine 50 Meter weiter wurde gefischt. Wirklich alles spannend.

Nach der Landung besuchten wir den Tempel der Mutter des Landes. Es ist das wohl wichtigste Heiligtum von Vietnam und es ist ununterbrochen geöffnet, mit hunderttausenden Besuchern pro Monat, die der Mutter Opfergaben bringen, um um Erfüllung ihrer Wünsche zu bitten. Auf dem Weg dorthin zeigte uns unser Führer Besonderheiten beim Straßenverkauf. Wie z.B. den eingelegten Fisch, genannt Mam oder die Opfergabenverkäufer. Ganze Schweine werden geopfert. Die Mutter im Tempel darf übrigens nicht fotografiert werden.

Während wir auf die Busse zur Rückfahrt warteten, entbrannte ein Streit zwischen zwei Straßenverkäuferinnen, bei dem Messer gezückt wurden! Unsere Reiseleitung rief sofort, wir sollten uns nicht einmischen.

Es ging um einen Stellplatz für einen Verkaufswagen!

Am Abend bin ich noch einmal mit Jeff und dem englischsprachigen Guide zur Telefongesellschaft gegangen, um eine Datenkarte für Vietnam zu kaufen. Das hat prima geklappt und war auch gut so, weil wir nach Rückkehr aufs Boot feststellen mussten, dass das W-LAN wieder einmal off war. Ich habe 4 Euro für 3 GB für einen Monat bezahlt.

Nach dem Abendessen habe ich mich lange mit Sue und mit Bao, dem englischsprachigen Guide, unterhalten. Irgendwie zählt der interkulturelle Austausch mit anderen Personen immer zu den Highlights einer Reise. Man lernt sehr viel.

Morgen gibt es dann weitere Eindrücke von Vietnam.
Liebe Grüße von eurem Gerald

P.S.: Es gibt so vieles, was man nicht aufschreibt. Man erlebt so viel. Ich hoffe, ich behalte die Erinnerung auch so.

Tag 14: Good morning Vietnam!

Ihr Lieben! Heute gibt es – wie schon angekündigt – nicht wirklich etwas Spannendes zu berichten. Nach dem Frühstück habe ich mich wieder für zwei Stunden hingelegt. Dann habe ich mich auf dem Sonnendeck über die Geschichte Vietnams informiert und literweise Ingwertee geschlürft. Die Erkältung hat inzwischen auch andere Passagiere ereilt und mein Ingwer ist heiß begehrt.

Zum Mittagessen gab es eine typisch kambodschanische Suppe, bei der man sich die Zutaten beim Koch zum Teil selber zusammenstellen musste. Das war sehr lecker.

Nach dem Essen besuchte ich noch den alten Markt sowie den Zentralmarkt, war aber ein bisschen durch mit Handeln, so dass ich nichts mehr erstand. Aber ich sah und roch Durianfrüchte! Puh! Und der Zentralmarkt ist sehr sehenswert, schon alleine wegen der mächtigen Kuppel und seiner doch sehr aufgeräumten Art.

Meine übrig-gebliebenen Riel tauschte ich dann noch bei einer Wechselstube  in vietnamesische Dong um. Es ist tatsächlich so, dass der Dollar in Kambodscha lieber gesehen wird, als die eigene Landeswährung. In Vietnam muss man aber meistens wohl mit Dong zahlen. Mit 50 Euro ist man dort schon Millionär. Die entsprechen nämlich 1,323 Millionen Dong.

Es hieß, wir müssten um 16 Uhr wieder an Bord sein, da dann Beamte unsere Einreiseerlaubnis nach Vietnam sowie unsere Ausreiseerlaubnis aus Kambodscha prüfen würden. Es könne zu Gesichtskontrollen kommen. Nun… wir haben von dem ganzen Spektakel nichts mitbekommen.

Jetzt liegen wir im Niemandsland zwischen den beiden Ländern, ankern mitten auf dem Fluss und werden uns morgen der Einreiseprozedur stellen. Das kann angeblich von 30 Minuten bis zu sieben Stunden dauern. Wieder kommen Beamte an Bord und untersuchen das Schiff auf Schmuggelware und verdächtige Ladung etc. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern gilt als unentspannt. Wer mal einen Blick auf die wechselhafte Geschichte in der Region wirft, wird darüber nicht überrascht sein.

Morgen früh dann mehr aus Vietnam.

Liebe Grüße, Euer Gerald

P. S.: Es werden jeden Abend passende Filme gezeigt. Heute war es „Good morning, Vietnam“mit Robin Williams.

Tag 13: Der Hügel der Frau Penh

Phnom Penh. Der Hügel der Frau Penh. Erster Tag volles Tourprogramm, zweiter Tag frei. Und das Tourprogramm heute hatte es in sich, liebe Leute.

Phnom Penh wurde zur Hauptstadt der Khmer, nachdem Angkor Wat an Bedeutung verlor, die Siamesen einfielen, es interne Streitigkeiten gab und die Vasallenstaaten nicht mehr so mitspielten. Man verließ den Norden und siedelte sich an einem Ort an, an dem die alte Frau Penh Buddhastatuen unter einem Baum entdeckte. Dies war natürlich ein gutes Omen.

Eine kurze Anmerkung übrigens zu dem Begriff Khmer: Die Khmer sind ein uraltes Volk, lange Zeit vorherrschend in der Region (Blütezeit Angkor Wat), weit über das heutige Kambodscha hinaus. Auch das heutige Kambodscha besteht zu 95 % aus Khmer. Die Sprache heißt Khmer. Ich habe bei diesem Begriff immer automatisch an die roten Khmer gedacht, aber hier gilt es, zu differenzieren.

Unser erster Besuch galt dem Königspalast. Unsere Reiseführerin vor Ort hieß Ros Phal, sprach perfekt deutsch und hatte ein unglaublich breit gefächertes Wissen, dass sie auch noch hervorragend vermittelte. Wir schauten in die Krönungs- bzw. Thronhalle (fotografieren und betreten verboten), die gerade für einen Staatsbesuch aus Chile vorbereitet wurde.

Wir wurden über botanische Besonderheiten aufgeklärt, wie z.B. den Kanonenkugelbaum oder die Palme der Reisenden (das hatten wir übrigens bei allen Reiseleitern, dass sie uns besondere Pflanzen zeigten). Wir sahen verschiedene Ausstellungen (eine Halle über die Krönungsfeierlichkeiten von Sihamoni oder über zeremonielle Kleider und eine Fotogalerie über Sihanouk), und besuchten die Silberpagode, deren Boden mit 5 Tonnen Silber ausgelegt ist und die vor Buddhastatuen überquillt. Eine prachtvolle Anlage direkt am Zusammenfluss des Mekong und des Tonle Sap.
Die Bevölkerung hofft übrigens sehr, dass der 65-jährige Monarch bald mal heiratet und für einen Nachkommen sorgt. Man muss wissen, dass er sein Leben zu großen Teilen dem Tanz und dem Film widmete. Hmm. Wir drücken an dieser Stelle mal alle Daumen!

Unser nächster Halt war das Nationalmuseum. Ein wunderschönes Gebäude, obwohl viel schlichter als der Königspalast. Erbaut in Khmer-Stil und schön rot. Wir waren übrigens zeitgleich dort mit einer Delegation, die ein verschollenes Stück kambodschanischer Kunst an das Museum zurückgab. Wobei ich – ehrlich gesagt – um dieses belanglose Gemälde nicht so ein Brimborium gemacht hätte, aber ich leide ja leider auch nicht an all zuviel Diplomatie.

Das Museum hat mehrere Abteilungen, von präangkorianisch bis quasi Neuzeit. Unsere Reiseleiterin hat in einem kurzen Rundgang bestimmte Stücke ausgewählt, über die sie dann sehr kompetent berichtete. Besonders interessant waren z.B. die Ausführungen über die enorme Ausdehnung des Khmer-Reiches, aber auch die über die durch die Mode bedingten Unterschiede in der Gestaltung von Skulpturen. (gerade frage ich mich, ob ich diesen Satz auf Anhieb verstehen würde, wenn ihn jemand anderes geschrieben hätte…..)

Danach besuchten wir den Hügel, nach dem die Stadt benannt ist. Siehe oben. Die Anlage ist sehr schön, es gibt viele Buddhastatuen, die dem Tempel gestiftet wurden. Auch eine Figur der Frau Penh hat einen eigenen Altar. Eine große weiße Stupa überragt das Gelände, es gibt eine riesige Uhr am Fuße des Hügels.

Zum Mittagessen kehrten wir in das Restaurant Titanic ein. Der Besitzer hat nicht nur dieses Restaurant und einen Restaurantschiff auf dem Fluß, sondern wohl auch eins in Berlin. War nett dort.

Nach dem Mittagessen war äußerst schwere Kost angesagt: S 21. Tuol Sleng. Auch genannt „Foltermuseum“. Hier verhörten und folterten die Roten Khmer die Opfer, die allesamt später auf den sogenannten Killing Fields ihr Leben verloren. Hm. Das klingt zu nett. Wo sie brutal ermordet wurden. Von dokumentierten 17.000 Inhaftierten überlebten sieben Personen. Durch Zufall. Tuol Sleng war wohl das grausamste Gefängnis. Es gab aber landesweit über 160 ähnliche davon. Die Schätzungen der Todesopfer schwanken, aber es sind wohl definitiv mehr als 1,5 Millionen gewesen.

Wir haben auf der Reise durch Kambodscha viel über das Pol-Pot-Regime gehört. Es laufen immer noch Prozesse. Täter und Opfer sind wieder Nachbarn. Mir fällt nichts dazu ein. Es war ein schlimmer Moment, ein Besuch einer Stätte des Grauens. Inklusive der beiden Überlebenden, die am Ausgang Ihre Memoiren verkaufen und sich mit Besuchern gegen Geld fotografieren lassen. Die Erlaubnis dazu soll übrigens eine Art Entschädigung des Staates sein für erlittene Qualen. Sehr schwieriges Thema.

Der nächste Programmpunkt war ein Markt. Ich beschloss, den auszulassen und mich statt dessen auf einen Fußmarsch einzulassen, der mich durch Phnom Penh zum Boot zurückführte. Das hat zwar fast 2 Stunden gedauert (weil ich mich ständig verlief), aber hat diese entsetzliche Bedrückung…. irgendwie ein bisschen kompensiert.

Ich kam schweißgebadet am Boot an, duschte kurz und setzte mich aufs Deck. Dort erwartete uns vor dem Abendessen eine traditionelle Tanzaufführung, die von Waisen bzw. benachteiligten Kindern dargeboten wurde, die von privater Seite aus Tanz- und Musikförderung erfahren. Wir hatten es hier an Bord schon mit fortgeschrittenen Jugendlichen zu tun. Was soll ich sagen? Ich fand es toll. Die Bedeutung der Tänze wurde vorher kurz angerissen und man hat sie dann auch verstanden. Ich glaube sehr, dass es beiden Seiten sehr viel Spaß gemacht hat.

Es gab dann noch einen Programmpunkt „nächtliche Tuk-Tuk-Fahrt“, aber den habe ich wegen Reizüberflutung ausgelassen. Stattdessen hatte ich wieder einmal interessante Gespräche mit anderen Daheimgebliebenen. Unter anderem über Nazizeitaufbereitung in Ost und West oder aber auch über die Situation der Ureinwohner Kanadas. Ja, auch dieses Land war nicht unbewohnt, als Siedler ankamen.

Morgen ist ja freie Zeit eingeplant. Ich bin versucht, einfach mal nichts zu tun. Dann müsst Ihr auch nicht so viel lesen.

Für heute dann mal liebe Grüße und beste Wünsche aus Phnom Penh!
Euer Gerald

Tag 12: Unsichtbare Delphine

Heute mussten wir ganz früh raus aus den Federn, da war es bei Euch gerade Mitternacht, Ihr Lieben!
Nach dem Frühstück ging es mit drei Minibussen zum Kampi Pool, wo sich ein paar Dutzend der noch wenigen Irrawaddy-Delphine im Mekong aufhalten. Die Busse waren sehr eng, daher platzierte mich der Fahrer neben sich auf den Beifahrersitz, da ich die längsten Beine hatte. Das war ganz spannend. Zum einen, da wir mal eine Inlandssicht auf Kambodscha bekamen, zum anderen, weil man den Verkehr mal hautnah mitbekam.

Die Fahrt dauerte über zwei Stunden und wir haben vor allem völlig überladene Mopeds gesehen. Ohne Anhänger passen übrigens problemlos 5 oder 6 Leute hier auf so ein Ding. Aber auch eine komplette Wohnungseinrichtung oder 10.000 Wasserflaschen auf Paletten lassen sich so transportieren. Abenteuerlich. Es wird viel gehupt. Im Falle des Minibusses bedeutete dies für die Mopeds „Achtung, ich bin stärker“. Bei LKWs hatten wir dann das Nachsehen. Verkehrsregeln, ich erwähnte es wohl schon an anderer Stelle… nunja… bestenfalls eine Empfehlung.

Wohlgemerkt: EIN Mofa!

Wir kamen an vielen Hochzeiten vorbei. Diese werden auch hier groß gefeiert, aber man mietet dann halt kein Schloss oder ein Edelrestaurant, sondern man stellt einen Pavillon hin, gerne auch mal einfach mitten auf die Straße. Zur Standardausrüstung gehören pro Pavillon Dutzende von riesigen Lautsprechern. Dazu Gartenmöbel, die aber nett eingedeckt. Auch an einer Beerdigungsfeier kamen wir wieder vorbei, auch sehr öffentlich und quasi auf der Straße.

Die Straßen selber sind in einem interessanten Zustand. Eher einspurig, aber mit befahrbaren Banketten. Die Brücken sind auch einspurig, hier mahlt zuerst, wer zuerst kommt. Sie machen stellenweise einen recht klapprigen Eindruck.

Leider gibt es auch viele Tiere, die die Straße kreuzen. Hühner, Katzen, Hunde aber auch Ziegen und Kühe. Unser Fahrer nahm einem Hund das Leben. Er hupte und versuchte auch, zu bremsen. Aber zu spät.

Am Delphinbecken angekommen bestiegen wir zu jeweils 4 bis 6 Personen ein Langboot, das uns an verschiedene Stellen des dort stark verbreiterten Mekongs brachte. Die Irrawaddy-Delphine unterscheiden sich sehr von der uns allgemein bekannten Spezies. Sie haben z.B. eine ganz andere Schnauze, und sie springen auch nicht so. Man bekommt sie zu sehen, wenn sie zum Atmen auftauchen, aber dann sieht man ein bisschen Rücken und die Flosse. Fotos zu machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil sie immer nur für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen sind. Und sie tauchen natürlich dann an ganz anderer Stelle wieder auf. Lidy hat einen Preis (eine Flasche Angkor-Bier) für ein Foto ausgelobt, wo nicht nur ein verschwommener Punkt die Anwesenheit eines Delphin erahnen ließe. Ist keinem der Mitreisenden gelungen. 🙂

Aber es war ein schöner Ausflug. So auf dem Mekong in Langbooten zu treiben und die anmutigen Schwimmübungen der Delphine zu beobachten, hatte etwas sehr meditatives. Es gibt halt keine vernünftigen Fotos von diesen Tieren, aber sie waren schon da. Isch schwör, ey!

Auf dem Rückweg kehrten wir in Kratie in einem Restaurant ein, wo es ein vorbestelltes Menü gab; sprich: alles zu gleicher Zeit auf den Tisch. Das war ganz okay, aber auf der Lan Diep wird besser gekocht. Nach weiteren zweieinhalb Stunden Fahrt mit spannenden Beobachtungen waren wir wieder an Bord.

Am Nachmittag hielt Dawinn einen Vortrag über die roten Khmer. Es ist definitiv ein für ihn sehr emotionales Thema. Und das Thema ist sehr komplex. Wie bei anderen Gräueltaten ist unverständlich, wie es dazu kommen konnte. Auch ist die Aufarbeitung noch lange nicht am Ende. Wir werden morgen das berüchtigte Lager S21 besichtigen, ein Foltergefängnis der roten Khmer. Dawinn verlässt heute das Boot in Phnom Penh und wir werden für die Hauptstadt andere Guides zugeteilt bekommen.

Zum Abendessen gab es heute mal ein bisschen europäisch angehauchtes Essen, aber auch sehr gut, und jetzt sitze ich auf dem Oberdeck, ringsum ist dunkel und wir werden in zwei Stunden Phnom Penh erreichen. Der Hafen wird dann schon geschlossen sein, so dass wir an Bord bleiben müssen. Aber wir haben dann ja zwei Tage Zeit, die Hauptstadt zu erkunden. Und wie sie so ist, das erfährt Ihr dann, wenn Ihr mögt, morgen.

Bis bald, Euer Gerald

P.S.: Auf dem folgenden Bild gibt es einen Delphin. Wer findet den entsprechenden Pixel?

Tag 11: Wat Nokor, Kampong Cham, Wat Hanchey, Kroch Chhmar

Was sich liest, liebe Tagebuchleser, wie ein geheimnisvoller Zauberspruch, ist eigentlich nur unsere heutige Route. Wo bei „eigentlich nur“ die Untertreibung des Jahres ist, denn wir hatten volles Programm.

Nachdem wir gestern schon in Kampong Cham angelandet waren, konnten wir heute etwas länger schlafen. Nach dem Frühstück hieß um 9 Uhr früh: Ab zum Wat Nokor. Und dies mit einem Bus. Diese Klosteranlage hat einen Teil, der älter ist als Angkor Wat und aus dem 11. Jahrhundert stammt. Präangkorianisch nennt man das dann. Drumherum gibt es allerdings viele andere Stilrichtungen. Der Altar ist ganz besonders. Er ist ein Mischmasch. Der Buddhismus ist ja quasi auf den Hinduismus aufgepflanzt worden. Teile des Tempels wurden umgemeißelt. Aber man erkennt nicht nur hier, dass der Hinduismus eine wichtig Rolle spielt(e). Shiva, Brahma und Vishnu sind trotz buddhistischer Prägung allgegenwärtig.

Auf dem Klostergelände leben ein paar alte Dorfbewohner, es ist quasi ein Altenheimersatz. Man kümmert sich ein bisschen um den Tempel, dafür bringen junge Dörfler Essen vorbei. Zwei Damen haben sich der Aufgabe verschrieben, Touristen Armbänder umzubinden, um dafür entlohnt zu werden. Dies machen sie sehr aufdringlich. Nun kommen wir zu einem schwierigen Thema: Betteln.

Unsere Reiseleiter haben dazu unterschiedliche Ansätze. Einiges ist in die Waagschale zu werfen: Falls Du etwas nimmst, musst Du womöglich dafür geben. Wenn Du helfen möchtest, gib dem Abt oder Lehrer. Wenn man bettelnden Kindern Geld gibt, gehen sie nicht zur Schule. Süßigkeiten sind ganz verboten. Schokolade verursacht hier Durchfall. Es tut weh, bettelnde Kinder abzuweisen, aber es ist auch seitens der Gemeinden erwünscht. Wenn das Herz zu sehr blutet angesichts großer Kinderaugen, sollte man für Projekte spenden.

Wir fuhren wieder flusswärts zum Markt von Kompong Cham (unterschiedliche Schreibweisen sind gestattet, da das Khmer kein lateinisches Alphabet kennt), um den großen Markt zu besichtigen. Es gab einiges zu bestaunen. Und besonders wird es Mami freuen, dass es hier auch lecker Zunge gibt. Sieht allerdings ein bisschen anders aus als zuhause. Auch würde ein freundlich lächelnder Schweinekopf wohl kaum auf unserem Tisch landen. Aber warten wir mal das Weihnachtsessen der Familie ab ;-). Lidy stellte uns einer Gemüsehändlerin vor, die wohl das Schiff regelmäßig beliefert. Als ich eine große Ingwerwurzel für Ingwertee kaufen wollte, hat sie mir die geschenkt. Das fand ich sehr nett.

Wir verließen Kampong Cham und legten in Wat Hanchey an. WOW! Aber von vorne.

Der Tempel liegt auf einem Hügel und ist am besten per Moped zu erreichen. Daher stehen am Anleger schon einige Zweiradbesitzer bereit, die sehnlichst darauf hoffen, dass die Gäste an Bord sich nichts anderes wünschen, als einmal als helmloser Sozius eine halsbrecherische Fahrt den Hügel hinauf zu unternehmen. Nun. Äh. Es gibt eine Treppe. Es gibt eine Rampe. Die meisten wählten Mofa. Ich wählte Buddha: Geburt. Leiden. Tod.

Naja, ich übertreibe jetzt auch ein bisschen. Ich war etwas verschwitzt, als ich die Rampe überstanden hatte. Aber es war machbar. Wat Hanchey ist riesig. Wat Hanchey ist ziemlich … bunt. Es gab interessante Beschallung. Ich glaube, dass da auch irgendetwas Feierliches vor sich ging, denn es war sehr quirlig. Aber eine der Reiseleitungen schoben das auf den Sonntag, der nach internationalen Gepflogenheiten selbst hier auch für viele Menschen „arbeitsfrei“ bedeutet. Zurück dann die lange reiseführerfotogeeignete Treppe.

Wieder an Bord hatte ich meine Massage. Die Lan Diep beschäftigt eine Masseurin, die auch gut gebucht wird. Da ich aktuell Probleme (ich sag nur Elefantenritt und Ochsenkarrenfahrt) habe, wählte ich für 16 Dollar die Kopf-/Hals-/Rückenmassage. Nun, was soll ich sagen. Ich bin nicht geheilt, sondern fühle mich ziemlich durchgewalkt. Aber ich glaube, ein paar Knoten wurden gelöst und das Fleisch neu geschichtet. Auf jeden Fall hatte diese sehr zierliche Person ein hammerharten Griff! Ich werde vielleicht über die Spätfolgen noch berichten.

Beim Abendessen konnte ich unserem Tisch einen Sekt spendieren, denn da ich online gebucht hatte (so zumindest die Vermutung der Reiseleitung), fand ich eine Flasche Cava auf meinem Zimmer vor. Der war dann auch trinkbar.

Wir verließen Wat Hanchey und landeten in Kroch Chhmar an. Statt, wie ursprünglich beabsichtigt, den Film „Killing Fields“ zu sehen, habe ich mich mit den Kanadiern unterhalten und später auch mit der Reiseleiterin. Während wir draußen saßen, verließen einige der Zuschauer die Vorführung. Sie waren zu entsetzt.

Dawinn wird morgen über die Khmer rouge referieren. Er war ja Opfer. Und wir haben in unserer Gruppe einen Mitreisenden, der 1972 vor den roten Khmer floh und bis jetzt nicht wieder in seinem Heimatland war.

Ich hoffe, Euch daheim geht es allen gut und sende Euch viele liebe Grüße!

Euer Gerry

P.S.: Hochwasser… Ich hörte von 13 Metern Unterschied. Wenn das Hochwasser vorbei ist, kommt das Niedrigwasser. ZU-Niedrigwasser. Letztlich ist die neu erbaute Uferpromenade von Kompong Cham teilweise weggespült worden.