Dublin, Tag 4: Götter, Gräber und Gelehrte

Ihr Lieben,

um halb zehn gestern bin ich weggedämmert, was dazu führte, dass ich um 3 Uhr glockenwach war. Bis etwa 6 dämmerte ich vor mich hin, um dann noch drei Stunden fest zu knacken. Mist, voll verpennt. Egal. Heute hatte ich ein halbwegs irisches Frühstück, mit Würstchen, Rösti und Grilltomate. Das ist schmackhafter und bekömmlicher als gedacht. Die baked beans habe ich aber vorsichtshalber weggelassen. Da gibt es eine Geschichte im Schottlandurlaub zu…

Dann ging es auch schon los. Erster Halt: Marsh’s Library, die seit über 300 Jahren unverändert ehrfurchterregende Gelehrsamkeit ausstrahlt. Mehrere tausend, meist ledergebundene Folianten werden in ursprünglicher Umgebung präsentiert, ausschließlich aus dem 14. bis zum 18. Jahrhundert. Genaugenommen handelt es sich um 4 Sammlungen mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen. Zur Zeit gibt es in diesem kleinen Museum eine Sonderpräsentation anlässlich des 300. Geburtstags von Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“. Swift laufen wir später noch einmal über den Weg.

Ein sehr beruhigender und ruhiger Ort, mit Ausnahme des Empfangsmenschen, ein sympathischer Kerl zwar, der aber seine Stimme derart durch die heiligen Hallen dröhnen lässt, dass sich der Staub selbst von den Büchern putzt. Kuriosum: das Kombiticket mit der St.-Patrick’s Cathedral ist für Senioren teurer, als die zwei Senioren-Einzelzickets. Ja, ich bin mit 60 in Irland privilegiert. Muss ja für was gut sein, diese blöde 6 vorne.

Swift war von 1713 bis zu seinem Tode 1745 Dekan der St. Patrick’s Cathedral, die ich als nächstes stürmte. Die ist unglaublich sehenswert. Die ältesten Teile stammen aus dem späten 12. Jhdt. und es handelt sich um die größte Kirche Irlands, die in einem schönen, kleinen Park gelegen ist. Sehenswert natürlich die Grablege Swifts und seiner Frau Stella, sowie seine Totenmaske und seine bewegliche Kanzel, mit der er sich, der lange Predigten liebte, zu schlafenden Gläubigen rollen ließ, um sie dann mit dröhnender Ansprache wieder zu wecken. Vielleicht ein Vorfahre des Herrn aus der Marsh-Bibliothek!?

Ich empfehle dringend, einen Audioguide (im Eintritt inbegriffen) mitzunehmen, denn sonst verpasst man die Geschichten um die Hand in der Türe, die über den letzten Barden Irlands, über die Familie Boyle, Jeanne d’Arc und ihrem Ritter, den Chor (der zusammen mit dem der Christ Church Händels „Messias“ uraufführte) etc. pp. Das Chorgestühl ist übrigens der Hammer! Wusstet Ihr übrigens, dass der Kölner Dom ab 1. Juli auch 12 Euro Eintritt nehmen wird? Das ist in Köln gerade heiß diskutiertes Thema. Naja, hier sind die 10 Euro auf jeden Fall gut investiert.

An Jonathan Swift habe ich übrigens herumgerubbelt. Wie? WAS? Natürlich ist das jugendfrei, Du zwischenrufender Perversling! Plate rubbing ist ein Inselhobby, dem ich schon bei meinen Schüleraustausch- und Sprachreisen 1979 und 1981 frönen durfte. Man legt(e) gerne ein Blatt Papier auf eine Grabplatte oder ein Relief und reibt dann mit Kohle oder dunkler Kreide darüber, um die Gravuren auf das Papier zu übertragen.

Da ich noch nicht genug Gotteshäuser gesehen hatte, beehrte ich sodann die Christ Church. Hier ebenfalls Eintritt, das „Kombiticket Senior“ zusammen mit Dubliana ist zu empfehlen, da spart man fast 10 Euro. Einem mürrischen Deutschen (mit schriller Deutschland-Mütze) war das alles zu teuer, und als eine Museumsmitarbeiterin ihn bat, sich nicht auf die Stufen zu setzen (ich musste übersetzen), das sei ein Fluchtweg, pampte er sie auf Deutsch an, dass „Sie dann eben nicht so gierig“ sein solle oder mehr Bänke draußen aufstellen müsse. Ich bat ihn, sich zusammenzureissen, da ging er. Gott, wie PEINLICH!!!

Ich hätte übrigens Pate einer Fußbodenkachel, eines Fensters oder eines Gestühls werden können, je nach Spende. Dann wäre mein Name in einer in 100 Jahren wieder zu öffnenden Zeitkapsel mit eingeschlossen worden. Da es aber noch keine Karten im Vorverkauf für dieses Ereignis gab, die ich hätte vererben können, nahm ich Abstand. Und außerdem: die Spendenhöhe! Einfach nur gierig, diese Gierschlunde!!

Zurück zur Kirche: auch diese sehr besuchenswert. Hier ist der Hauptraum weniger interessant als der von St. Patrick (insbesondere die moderne Orgel irritiert), dafür gibt es aber eine Krypta mit Teilen des Kirchenschatzes und der ein oder anderen, überraschenden Sehenswürdigkeit (Herzreliquie des heiligen Laurence O’Toole – eine Räuberpistole inklusive), gepudert mit interessanten Hintergrundinformationen. Bekannt ist von der Christ Church auch die mittelalterliche Version von Tom und Jerry. Die mumifizierten Kadaver hat man in den Orgelpfeifen der alten Orgel gefunden, wo Hello Kittie Speedy Gonzales jagte und beide steckenblieben.

Im Anschluss besuchte ich die Dublinia-Ausstellung. Fraglich ist, ob man die wirklich sehen muss. Es ist eine leicht altbackene Ausstellung über Dublin von der Wikingerzeit über das Mittelalter bis zur Neuzeit (da aber nur der Aspekt Archäologie). Für Kinder bestimmt toll, aber dann ein teures Vergnügen! Im Eintrittspreis enthalten ist der Aufstieg auf die Aussichtsplattform des Turmes St. Martin, so heißt wohl das Gebäude. Aber auch die ist nicht wirklich spektakulär.

In meiner Jugend habe ich Freilichtmuseen besucht, die waren spannender zusammengestellt. Immerhin gab es zwei oder drei Ecken, die etwas informativ Interessantes boten (Umgang mit Krankheiten z.B.). Aber sprechende Pappmachéefiguren, die auf dem Donnerbalken sitzen und nach „mehr Moos“ rufen, sind vielleicht nicht das non plus ultra der Expositionswissenschaften. Ein Einzelticket Erwachsener ab 16 Euro, Familien 2+2 knapp 50 Euro. PUH! Nota bene: Ich bestand das Museumsquiz mit Bravour!

Ihr Lieben, solche Ausflüge sind ja keine Wanderungen, aber mann latscht sich doch den Wolf. So war es mir recht, dass gerade der Sighseeingbus nahte, auf dem ich mich mal sammeln und orientieren wollte. Ich fuhr quasi noch einmal die halbe Tour und merkte dabei, ja, es gibt Station No. 1 und Station No. 31. Aber man hat einfach ein par Nummern in den 20ern übersprungen. Meine Aussage von Vorgestern ist hiermit revidiert! Zuerst erwägte ich, in den Docklands auszusteigen und herumzulaufen, aber – und jetzt muss ich erst einmal etwas Positives loswerden: es war zwar kalt, hat aber bis zum Nachmittag nicht geregnet! – es fing an zu tröpfeln. Die Docklands sind m.E. insbesondere für Liebhaber moderner Architektur interessant, da sind auch spannende Gebäude bei. Mir reichte es im Moment, sie vom Doppeldecker aus sehen zu können. Auch Auswanderermuseen (obwohl dieses preisgekrönt!) habe ich zur Genüge besucht. Und die Bootsfahrten auf dem Liffey waren nicht buchbar und das Auswandererschiff „Jeanie Johnston“ weckte nicht mein Interesse. Warum ich dennoch darüber schreibe: alls das gilt als Pflichtprogramm für Dublin-Besucher und vielleicht setzt Ihr ja andere Prioritäten.

Stattdessen verließ ich am Merrion Square Park den Bus. Dieser ist bekannt für seine vielen Skulpturen, darunter bekannten Persönlichkeiten. *Tröpfel*. Mich interessierte aber besonders die von Oscar Wilde, auf der er sich hinfläzt wie ein Dandy, der er ja war. In Dublin geboren, in England wegen Unzucht zu Zuchthaus mit Zwangsarbeit in Reading bei London verurteilt. Für Dublin-Besucher vielleicht interessant ist, dass es 200 Meter weiter vor dem Kennedy-Pub eine weitere Skulptur von ihm gibt. Ich hätte auch das Oscar-Wilde-Haus besuchen können, aber es war schon spät *niesel*, und ich wollte ja noch in den berühmten „The George“-Pub. Ja, ganz anders als gedacht. Klein, nettere, ältere Herren (wie ich halt) hauptsächlich, Pint 6,80 (also quasi billig), ABBA und Dionne Warwick aus dem Lautsprecher. Ich nehme an, das berühmte George ist die Showbühne nebenan, die aber noch nicht auf hatte.

Ich stiefelte in meinen (inzwischen) Lieblingssupermarkt und fuhr mit dem nur stündlich verkehrenden Bus (manchmal muss man auch Glück haben) direkt auf den Campus, wo ich jetzt belegte Brötchen müffele und französischen Rosé dazu pichele. Die Reise nach Galway werde ich antreten, da ich ja die Stornofrist im wahrsten Sinne des Wortes verpennt habe. Aber die Wetterbesserung macht mir Hoffnung, dass es auch morgen nicht dauernieselt. Hofft bitte mal mit.

Ich könnte übrigens noch viel mehr plappern. Insbesondere über zwischenmenschliche Begegnungen. Wisst Ihr was? Dreiviertel der Buspassagiere sagen beim Aussteigen „Thank you!“ in Richtung Fahrer. Der Audioguide-Verleiher wollte mir unbedingt seine vier Wörter Deutsch präsentieren. Man wird immer, immer gefragt, wie es einem geht. Ich habe letzteres aus Amerika gehört und als Floskel abgetan (bekommen). Aber es gehört zum guten Ton. Es fühlt sich für mich alles viel freundlicher an. Vielleicht kein Wunder, wenn wir an den Kirchenstufen-Rebellen denken.

Also, jetzt schon duschen, wir müssen früh raus, Brötchen schmieren, Wasserflasche einstecken. Morgen geht es in den Westen der Insel. Seid Ihr dabei? Liebe Grüße von Eurem

Dublin, Tag 3: Ein nasser Museumstag

Ihr Lieben,

heute bin ich, gelinde gesagt, verstimmt. Ungehalten. Angepisst! Den ganzen Tag – wie eine eingeübte Choreographie – zwei Minuten Sonne, 15 Minuten Regen, zwei Minuten Sonne, 15 Minuten Regen. Das macht keinen Spaß! Aber von Anfang an (und vielleicht ohne weiteres Wetterbashing).

Gestern bin ich tatsächlich schon um 22 Uhr in die Federn gefallen. Was ganz gut war, musste ich doch heute früh um 8 Uhr schon zur Bushaltestelle, denn die Fahrt zur Guinness-Brauerei wurde mit anderthalb Stunden berechnet und man sollte 15 Minuten vor Beginn seines gebuchten Slots (bei mir 10 Uhr) vor Ort sein. Ich war tatsächlich dann um Punkt halb zehn da, eine halbe Stunde zu früh. Ich durfte dennoch schon mit der ersten Gruppe rein. Leider war das wieder ein sehr großer Pulk Menschen, der sich wie ein Slimey (die Blob-Masse aus der Dose, erinnert Ihr Euch?) an den Infotafeln und Schaustücken vorbeischob. Ich übersprang eine Etage (Thema: „Woraus wird eigentlich Bier gebraut?“) und hatte dann Platz um mich herum. Also, das ist schon ein nettes Museum, bis vor ein paar Jahren war es auch noch der tatsächliche Brauereibetrieb, das Gebäude ist herrlich industriell und sehr schön restauriert und dem Museumszweck entsprechend umgebaut. Alles ist ansprechend aufbereitet und es gibt schöne Aktivitäten, die man teilweise aber zubuchen muss.

Inkludiert ist ein kleines Guiness-Tasting, wo man ein Miniglas erhält und von einer geschulten Person erläutert bekommt, wie man das zu trinken und was man zu schmecken hat. Ich hatte das letzte Mal vor wahrscheinlich 40 Jahren Guiness getrunken und mochte es nicht. Heute schmeckte mir der kleine Schluck sehr gut. Weiter ging es durch die Ausstellung, bis ich zum Stoutie-Punkt kam. Da bekommt man ein großes Pint Stout (so die Typbezeichnung von Guinness) gezapft und dann wird ein vor Ort geschossenes Foto auf den Schaum aufgetragen. Man trinkt sich dann quasi selbst und kann auf diese Art Innenschau betreiben. Nach dem halben Pint war es aber aus mit der wiederentdeckten Zuneigung. Es ist mir dann doch zu süß und cremig und unbierig. Wahlweise hätte man auch einen Zapfkurs mit Zertifikat buchen können. Man sitzt dann ja so eine Weile rum, da füllt sich alles immer mehr und mehr. Also, Tipp am Rande: Ersten Slot buchen. Da nicht alle Zusatzprogramm gebucht hatten, kommt hinzu, dass die Gravity-Bar im 7. Stockwerk des Storehouses auch schon recht voll ist. Hier erhält man noch einen Drink aufs Haus, ich wechselte dann zu Lager, was aber auch sehr süß war. Ich kam mit Kanadiern und Australiern ins Gespräch, die mich fragten, ob ich Ire wäre. HAH! Deswegen verstehe ich die so gut. Nebenbei, die Kanadier verstand ich auch gut, bei den Aussies musste ich mir die Hälfte zusammenreimen. Die Aussicht von der Gravity-Bar ist, nebenbei bemerkt, fantastisch.

Bei den „Stouties“ wurden Paare übrigens gefragt, ob sie einzeln oder zusammen auf den Schaum wollten. Ich sach ma so: Wenn man sich dann trennt, ist das Bild für die Tonne. 🙂

Vor dem Storehouse wartete ich – ach, ich kanns nicht lassen – im strömenden Regen auf den Sightseeingbus, der gottseidank recht schnell kam. Mit dem fuhr ich bis zum IMMA, dem Irish Museum for Modern Art, das in dem alten Kilmainham-Hospital, das über 250 Jahre als Veteranenheim diente, untergebracht ist. Ein tolles Gebäude, eine hochgradige ständige Ausstellung (viele irische Künstler, aber auch z.B. de Saint Phalle, Freud, de Chirico) sowie Artists in Residence. Zur Zeit sind das die chilenische Künstlerin Cecilia Vicuña sowie Tarek Atoui, ein libanesischer Klangkünstler. Eine Sonderausstellung im Galeriehaus war Camille Souter und Alberta Whittle gewidmet. Insgesamt besuchenswert, auch wenn mir naturgemäß nicht jede*r Künstler*in zugesagt hatte. Nicht verschwiegen werden sollte, dass viele staatliche Museen in Irland keinen Eintritt kosten. Bildung für Alle halt. Wahrscheinlich musste die Regierung zur Querfinanzierung ein paar Armutsbetroffene und Renter killen. So, wie man es halt bei uns macht.

Es hatte sich eingenieselt. Jaja, ich weiß, ich wollte nicht mehr mosern… da erklomm ich wieder den roten Bus und ließ mich zu den Collins-Barracks kutschieren, dem Nationalmuseum; sie sind nach dem irischen Unabhängigkeitskämpfer benannt. Davor befindet sich ein kleiner Gedenkpark für die Gefallenen der Befreiungskriege samt einiger Denkmäler. Von da aus erklimmt man einen kleinen Hügel zu dem imposanten Museum. Mehr als 100 Paces im Quadrat (die Abmessungen des Exerzierhofes), vier Etagen! Ich begab mich erst einmal ins Museumscafé, trank eine Cola und aß zwei Stücke Kuchen, die ganz fantastisch aussahen (Apfel-Mandel und Blaubeer-Rhabarber), deren Teig aber ganz furchtbar schmeckte. Inselküche, sorry to say so.

Nationalmuseen sind ja eine ganz eigene Spezies. Ich erinnerte mich an eines auf der Balkanreise, über das ich sinngemäß schrieb, dass man völlig irritiert da raustorkelt und schwört, nie wieder ohne eine Strategie reinzugehen. So verhält sich das auch mit dem in Dublin. Eine krude Mischung PLUS eine nicht wirklich nachvollziehbare Teilnutzung und somit Zersiedelung der Ausstellung in den riesigen, beeindruckenden Kasernenbauten. Klar, es dreht sich viel um Irland, vor allem Revolutionen und Befreiungskämpfe. Daher sieht man viel Militärisches, was ja zum Gebäude passt. Aber es gibt auch eine semigruselige Sammlung ausgestopfter Tiere (genannt „The Dead Zoo“), Alltagsgegenstände, Ostasiatika, Glasmalereien, Mode, Designerstücke. Ja eben. Großes Durcheinander. Allein die Tinneff-Sammlung von Porzellan und Vasen und Fläschchen und Figurinen umfasst mehrere Säle mit je Dutzenden von Vitrinen. Hömma, da möchte ich aber auch nicht wirklich putzen! Zusammenfassend würde ich sagen, dass man durchaus mehrere Wochen in dem Museum verbringen könnte, um alles zu studieren. Aber möchte man das auch?

Man sieht auf einem der Bilder übrigens den berühmten Tisch E.1027 der irischen Designerin und Architektin Eileen Gray. Aus keinem Einrichtungshaus mehr wegzudenken!

Vor dem Museum fährt eine Straßenbahn, mit der wollte ich zum Umstieg der Busse nach Hause gondeln, als plötzlich die Durchsage „soundso-Straße, Einkaufszentrum“ kam. Ach, das gucke ich mir mal an. Was soll ich sagen. Auch das hat nicht gelohnt. Fast nur auch bei uns bekannte Ketten, allerdings wesentlich teurer. Ralf Sotschek, Inselkorrespondent der taz, hat 2022 einen interessanten Artikel über Irlands Preise geschrieben, der meine Vermutung bestätigt hat. Quintessenz: Mit Dänemark zusammen zweitteuerstes Fleckchen der EU.

Ich kaufte dann im gleichen Supermarkt wie gestern noch Wein und Salate (hört hört! heißt auf englisch übrigens hear hear!) ein, da der Rosé von da mir schmeckte und nur 10 Euro kostete. Dann ging es in einem total überfüllten Bus (mit Reisegruppe von 10 Personen, alle mit Gepäck) im Schneckentempo gen Uni, wo ich ganz knapp einen Anschluss verpasste, so dass ich die restlichen anderthalb Kilometer nach Hause schwamm. Den Thunfisch-Mais-Nudelsalat schlabbere ich übrigens beim Schreiben nebenher und der schmeckt ausgezeichet. Er ist nach italienischem Rezept. Dem Italien, wo es wahrscheinlich gerade nicht regnet.

Tatsächlich sieht die Wettervorhersage für die kommenden Tage gar nicht gut aus. Ich habe jetzt noch ein paar Stunden Zeit, mir zu überlegen, ob ich den Ausflug nach Galway am Samstag storniere. 13 Stunden im Regen durch die Pampa zu fahren, um dreimal für je 10 Minuten und einmal für 90 Minuten auszusteigen, um durchnässt zu werden? Na, ich berichte morgen, wie ich mich entschieden habe. Freitag geht es erstmal wieder in die Innenstadt, Kirchen und Museen besuchen. Aber vorher ausschlafen, denn abends plane ich einen Besuch im legendären „The George“ ein. Würde mich freuen, wenn Ihr das morgen auch alles wieder mitmacht. Viele liebe Grüße, Euer

Den ganzen Tag lang immer und immer wieder…
Der Mönch mit dem Flunsch

Dublin, Tag 2: Gerry geht wieder zur Uni

Ihr Lieben,

völlig grundlos hatte ich vor der Abreise die Befürchtung, ich könne mich in Irland nicht verständigen. Irgendwie habe ich mir eingebildet, dass die Iren einen unverständlichen Dialekt brabbeln. So wie Menschen im Allgäu z.B., die verstehe ich ja auch nicht. Nein, ich komme bestens klar, außer jemand spricht mich auf Gälisch an. Dann muss ich abwinken. Ist aber erst einmal vorgekommen, gestern auf der Grattan Bridge. Ich habe mir daraufhin mal angeguckt, ob ich nicht spaßeshalber ein oder zwei Wörter… nein, kann ich nicht. Schrift und Aussprache und Betonung leben auf drei verschiedenen Planeten.

Frühstück auf dem Campus. Laut meiner Gutscheine kostet mein Frühstück 10 Euro und 35 Cent. Es wird im Main Restaurant der DCU eingenommen, und es ist natürlich kein richtiges Restaurant, sondern eine große Kantine. Ich war früh dort, daher sah ich nur alte Menschen, die sich kein normales Hotelzimmer leisten können. Man kann sich tatsächlich nehmen, was man möchte, auch mehrmals Kaffee holen, aber die Auswahl ist sehr frugal. Das Rührei (immerhin) ist das laffeste, das ich je aß, dafür ist aber der Bacon kaum zu beißen. Herrlich, Erinnerungen an die Mensa kamen hoch.

Die Uni aber, auf die ich im Titel anspiele, war natürlich mein gebuchter Ausflug ins Trinity College. Der bestand aus mehreren Teilen: einem studentisch geführten Spaziergang, einer kleinen Ausstellung über das Book of Kells, dem Besuch der Long Hall (aka The Library) sowie einer immersiven Show über die alte Bibliothek mit Schwerpunkt auf dem „Book of Kells“, einer kostbaren und farbenfrohen Handschrift aus dem 8. Jahrhundert. Ich wusste im Vorfeld, dass die Bibliothek in der Long Hall so ziemlich ausgeräumt war, da die Bücher und die Einrichtung zur Zeit aufwändig restauriert werden. Dennoch war die Enttäuschung groß, als sich herausstellte, dass faktisch keine Einlasskontrolle bzgl. der Anzahl der Besucher vorgenommen wurde und wir uns in der Book of Kells-Ausstellung und in der langen Halle quasi tottrampelten. Die immersive Ausstellung war dann deutlich weniger besucht, aber auch nicht soo spannend wie erhofft. Und das für 40 Euro Eintritt. Bei der gut bewachten Handschrift war nicht ganz so viel los und ich konnte einen Blick auf das teure Stück werfen. Fotografieren der Handschrift war verboten, daher habe ich die Vitrine geknipst. Grauzone? Ich meine, nein. In der Longhall gibt es eine weitere Kostbarkeit. Früher nahm man an, es handele sich um die Harfe von Brian Boru, Irlands König um das Jahr 1010 herum. Die Harfe datiert aber deutlich später (15. Jhdt.), daher war das ein Fake. Immerhin hat die Harfe es als einziges Musikinstrument weltweit auf ein nationales Wappen geschafft.

Die vorausgegangene Campusführung war ganz nett. Ein paar Anekdoten gefällig? Lisbeth, die Erste, gilt als Gründerin. Die Uni ließ bis weit in das 19. Jahrhundert keine Katholiken als gleichberechtigte Studenten, geschweige denn als Lehrkräfte zu. 1873 wurden die Restriktionen aufgehoben. Nun war es an den Katholen, den Besuch der Uni zu verbieten. Man brauchte einen bischöflichen Dispens und musste zuweilen beim Papst selbst vorstellig werden, wenn dieser nicht erteilt wurde. Das galt bis 1970 (sic!). Dann gibt es natürlich ein Geist! In Haus XXV der sogenannten Rubrics, einem heute noch erhaltenen Gebäude um etwa 1700, lebte 1734 Edward Ford, der eine höhere Stellung innehatte (ich meine Dean, also Dekan, verstanden zu haben, finde aber gerade dazu so schnell keine Infos), die ihn ermächtigte, Studenten zu malträtieren und zu mobben. Als einmal ein betrunkener Pulk sich dem Gebäude näherte, schoss Ford und verletzte einen der Säufer. Die Gruppe bewaffnete sich selbst und erschoss das jähzornige Ding. Sie wurden alle der Uni verwiesen und sonst nix. NIX. Karma is a bitch. Das fand Edward wohl auch und so spukt er nun auf der Suche nach Gerechtigkeit über den Campus.

Es gibt auch noch Geschichten über den Campanile, über berühmte Alumni, über „Heaven & Hell“, einem georgianischen Gebäudezwilling, die eine Kapelle und den Prüfungsraum beherbergen (was wohl was ist?), und natürlich Zahlen, Zahlen, Zahlen. 900 Campusbetten und 22.000 Eingeschriebene. Aber das sprengte jetzt den Rahmen.

Die Book of Kells-Gruppenkuschel-Erfahrung hat mich so angepieselt, dass ich da durchgehetzt bin und nicht viel in Erfahrung bringen konnte. Was ich weiß, es ist über 1200 Jahre alt und wird auf einen Wert zwischen 150 Millionen bis zu 500 Millionen Euro geschätzt. Was wohl meine handgeschriebenen, allerdings nicht illustrierten Gedichtkladden heute wohl so einbringen würden? Mehr als 10 Mark?

Im Souvenirshop kaufte ich mir die unerlässlichen Kühlschrankmagneten, ich gab also nicht viel dort aus. Dennoch schenkte mir die Kassiererin noch ein Poster mit der Darstellung einer Seite aus dem „BoK“. Und nein, das tat sie nicht bei jedem, das habe ich gesehen! Dä!

Nach der Trinity-Führung erklomm ich den Sightseeing-Bus. Der hat 31 Stationen, das ist schon eine Menge. Da es wieder dauernd regnete, beschloss ich, die ganze Strecke einmal abzufahren. Das wurde mir von zwei Portugiesen (ältere Herren) verleidet, die sich benahmen, als gehöre der Bus ihnen. Laut quasseln, Handyvideos abspielen, fuchtelnd herumlaufen… warum lassen manche Menschen ihre Kinderstube im Urlaub zuhause? Ich beschloss, auszusteigen und auf den nächstenn Bus zu warten. Ich verabschiedete mich mit „Na verdade, vocês são pessoas muito maleducadas!“ – „Ehrlich, Ihr seid unerzogenes Menschen!“. Die haben nicht schlecht geglotzt. Das Gute war, dass der Bus danach quasi leer war und ich einen der Logenplätze ergattern konnte, oben vorne halt. Die Stationen waren interessant, man sah einiges und die Texte über Kopfhörer waren informativ und stellenweise auch ganz lustig.

Ich stieg an Station 1 wieder aus und lief herum. Ein sehr pompös eingerichteter Restaurant-Pub erhaschte meine Aufmerksamkeit. Üppig und schön eingerichtet. Ich ließ mich an der Theke nieder (man muss in Irland auf Platzzuweisung warten und man fragte mich, ob das für mich okay sei) und aß ein Seafood Chowder und trank ein hausgebrautes Bier dazu. Gaaaanz wunderbar! Einer der Kellner war sehr flirty, das allerdings mit jeder und jedem, hat dennoch Spaß gemacht.

Dermaßen gestärkt begab ich mich in das Museum of Illusions. Der Eintritt ist frei, wenn man ein Sightseeingbus-Mehrtagesticket erworben hatte. Diese Art Museen schießen ja überall wie Pilze aus dem Boden, ich habe es mir nur bisher verkniffen, sie zu besuchen, weil ich sie eigentlich uninteressant fand und den Eintritt dafür dann zu teuer. Was soll ich sagen? Es war genau so läppsch, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Großteil der Exponate bestand aus sehr bekannten optischen Täuschungenen auf Bildern („Welcher Strich ist größer? Bewegen sich die Kreise? Ist hier wirklich ein Ball zu sehen?“ usw.usf.). Interessant waren drei Ecken, in denen man durch Drehen von Fotografien bzw. durch perspektivisch verzogene Raum-Einrichtungen lustige Eindrücke erwecken konnte. Allerdings taugte das nur, wenn jemand das auch aufnahm, und ich wollte keins der Instagram-Kids damit behelligen. Zwar gab es für alleinreisende alte Säcke auch Maschinen, die einen fotografierten, aber das sollte dann kosten, und zwar nicht wenig.

Ich ließ mich den Rest des Nachmittages treiben, während das Wetter vor sich hinkapriolte (jaja, das Wort gibt es!). Ich endeckte weitere schöne Pubs, Cafés, Shops, alle in den typischen Dubliner Straßen. Durch Zufall stieß ich auf die sehr sehenswerte South City Market Passage, die einen kruden Mix aus Buchhandel, Chinashops, Juwelieren, Malern und Fresständen beherbergt. Hier musste ich dann auch noch einmal Magnete kaufen. Herrjeh. Dabei möchte eigentlich niemand mehr welche mitgebracht bekommen. Schlussendlich kaufte ich noch in einem Supermarkt das Abendessen ein und zwar Scones, auch so etwas typisch inseliges.

Dublin ist verkehrtechnisch eine kleine Katastrophe. Ich schätze, dass es hier neben den Fahrzeugen der drei konkurrierenden Sightseeingbusunternehmen etwa 3 Millionen grün-gelbe Busse der Verkehrsgesellschaft gibt. Zwischen denen lavieren sich in lebensgefährlicher Manier Hunderte von Fahrradfahrern hindurch. Rote Ampeln für Fußgänger werden durch die Bank weg von diesen ignoriert, was öfter zu Vollbremsungen der Busse führt. Für Busse gibt es i.d.R. eigene Fahrstreifen, die sie sich nur mit Taxen und Radfahrern teilen müssen. Radfahrern, die lebensmüde genug sind, sie zu benutzen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete im Januar 2026, dass Dublin Europas Staustatistik anführt.

Heute war ich sehr früh aufgebrochen, weil ich ja einen Termin hatte. Morgen werde ich das Gleiche tun, da besuche ich um 10 Uhr die Guinness-Ausstellung. Wann aber soll ich Samstag und Sonntag losfahren, wenn die Ausflüge um 6 bzw. 7 Uhr starten? Komm, sagte ich zu mir, nimm Dir einfach für diese Termine ein Zimmer in einer Unterkunft im Zentrum. Ja, Ihr Lieben, wenn Ihr mal wirklich ungläubig staunen wollt, dann googelt mal danach. Und nein, ich möchte auch nicht vergleichsweise preiswert in einem Schlafsaal übernachten. Ich werde in den sauren Apfel beißen und um vier Uhr aufstehen.

So, habe ich was vergessen? Hm. Ich habe noch die Statue zu Ehren der vielbesungenen Molly Malone gefunden, ohne sie gesucht zu haben, sie steht vor der St. Andrews-Kirche. In der Kirche St. Teresa der unbeschuhten Karmeliten habe ich noch ein Kerzchen für uns alle angezündet. Die Kirche ist eine große Überraschung, da von außen trotz der schönen Fassade fast zu übersehen und innen unglaublich groß und hübsch eingerichet. Fotos siehe oben.

Das war mal ein schön produktiver zweiter Tag, gelle? Nur dieses Wechselbad (im wahrsten Sinne) mit dem Wetter geht mir auf die Nerven. Lauft Ihr denn morgen wieder mit mir rum? Ich verspreche, ich mache auch etwas instagrammäßig völlig Beklopptes! Bis denne, liebe Grüße, oder Dea-mhéin, wie man hier sagt, Euer

P.S.: Der Herr auf dem Beitragstitelbild ist übrigens George Salmon, der um die vorletzte Jahrtausendwende Provost des Trinity Colleges war. Er schwor, nur über seine Leiche würden Frauen zum Studium zugelassen werden. 1904 starb er und schwupps, war die erste Frau immatrikuliert. Isn’t that nice?

Der Autor freut sich über einen fast leeren Bus.

Dublin, Tag 1: Von Kirchen und Tempeln

Ihr Lieben,

wenn einer eine Reise tut… dann sollte er sich auch informieren, ob man einen Adapter für Strom braucht. Sonst hat man später zuhause Dutzende davon liegen. Woher ich das weiß? Ach, habe ich mal irgendwo aufgeschnappt.

Das Frühstücksbuffet im Hotel war erstaunlich anständig. 67 Euro für Doppelzimmer inkl. Spa-Benutzung und Frühstück, da kann man nicht motzen. Aber Ohrstöpsel gegen Verkehrslärm braucht man! Um 8 Uhr ging es dann zum Flughafen, wo ich erst meinen Koffer aufgab und sodann einen Adapter erstand. *räusper*.

Der Flug war pünktlich, der Mittelsitz war frei, es gab keine Turbulenzen. Am Flughafen selbst irrte ich ein wenig rum, um die Bushaltestelle zu finden, die mir als erste Verbindung zur Fahrt auf das Unicampus von Dublin angezeigt wurde. Dann musste ich noch einmal umsteigen und irrte dann auf dem Campus herum, um die Rezeption des DCU Guest Rooms zu finden. Dort konnte ich meinen Koffer lassen und fuhr mit einem weiteren Bus zur ersten Stadtbesichtigung. Das Dublin City University Campus (DCU) ist nur etwa 5 Kilometer vom Zentrum entfernt, aber die Busfahrt zieht sich; es herrscht auch viel Verḱehr. In Dublin fahren Doppeldeckerbusse, da hat man denn wenigstens eine schöne Aussicht. Ach ja, die Touri-Karte von TfI fuktioniert wunderprächtig.

Ich stieg bei „The Spire“ aus, das ist im Zentrum nördlich des Liffey. Die Stahlkonstruktion sieht aus wir eine überdimensionierte Stecknadel, die auf dem Kopf steht. Sie ragt 120 Meter in den Himmel und steht an der Stelle einer von der IRA gesprengten Nelson-Säule. Das Monument erregte den Unmut vieler Dubliner. Und die haben mein vollstes Verständnis. Das Ding verschandelt tagsüber die Stadtsilhouette, aber wenigstens leuchten die obersten Meter nachts. Zu Fuß begab ich mich dann zur Connell-Brücke, als es anfing, zu regnen. Und zwar nicht zu knapp.

Es kommt ein heißer Tipp für Reisende: Wenn Du eine Regenjacke und einen Regenschirm eingepackt hast, weil Du weißt, dass es am Nachmittag in Dublin regnen soll, dann gib beides nicht bei der Hotelrezeption mit Deinem Koffer zusammen ab! Denn sonst musst Du Dir in einem Sportartikelgeschäft eine Regenjacke kaufen. Woher ich das weiß? Ach ja…

Es war ein wirklich wetterwechsliger Stadtrundgang. Mal schien die Sonne, plötzlich schüttete es, dann war wieder eitel Sonnenschein, dann nieselte es sich ein. Jacke aus, Jacke an, Jacke aus, Jacke an. Denn die berühmte Atmungsaktivität dieser Jacken ist nur eine Verschwörungstheorie! Ich lief grob zielstrebig an den beiden Kathedralen und dem Stadtschloss (das wegen Sanierung und EU-Ratspräsidentschaft bis Januar 2027 nicht zugänglich ist) vorbei, dann durch den Temple Bar-Bezirk, um am Trinity-College zu enden, von wo aus ich mit dem Bus wieder auf den Campus fuhr. Ach ja, am (alten?) Rathaus gab es eine Hochzeit. Den Bentley würde ich auch gerne mal steuern.

Die Kathedralen beherbergen beide einen Rattenschwanz von zubuchbaren Attraktionen, so dass der KI-Reiseführer empfohlen hat, einen ganzen Kathedralen-Tag einzulegen. Beide Gotteshäuser sind aber auch nur von Außen schon sehr sehenswert. Drumherum war dann auch so einiges los. Touristisch geht es gerade noch so, viele Reisegruppen, viele Führungen, viele Kegelclubs. Was ich sonst so von der Stadt gesehen habe, stimmt optimistisch. Viele superschöne, kleine Läden, Multikulti-Gastronomie (ein befreundeter Brite sagte mal zu mir, die britische Küche sei die weltweit Beste, solange kein Brite vor dem Herd stünde (und ja, ich bin in Irland und weiß es!)), entzückende Wohnhäuser, selbst einige moderne Bauten. Klar, es gibt natürlich auch Schandflecke. Ganz wichtig: die Iren sind ein freundliches Volk. Jaja, ich weiß, ich kenne nicht alle (wäre ja auch absurd!), aber die, die ich kennengelernt habe, waren sehr zuvorkommend und höflich. Und die zuvorkommenden Busfahrer fahren wie gesengte Säue.

Temple Bar heißt ein ganzer Stadtteil und nicht etwa nur die eine berühmte Bar, die auf jedem Reiseführer über Dublin prangt. Das war mir neu. Die Bar ist dennoch Touristenmagnet, daneben ein Merchandise-Shop, wo man durch den Erwerb von Kühlschrankmagneten über lustige Hüte bis zu Hoodies seine Hingebung zu dieser Institution sichtbar machen kann. Aber es gibt auch viele andere schöne Pubs in diesem Viertel. Ich ließ mich auf ein Pint Lager namens Harp im Storehouse nieder, wo es auch gute Livemusik gab. Als der Kellner mir die Rechnung reichte, fiel ich vom Barhocker, wurde zügig reanimiert und zahlte. 9 Euro und 5 Cent. Aber ich habe gestern noch die ein oder andere Attraktion gebucht und muss leider konstatieren, dass Dublin alles andere als billig ist. Auf dem Weg in die Unterkunft kaufte ich noch in einem Supermarkt ein, da habe ich auch nicht schlecht gestaunt, was so eine Packung Käse kostet. Und auch das Zeuch, das aus Trauben gemacht wird. Eine Flasche Bier war da mit 3 Euro nachgeradezu geschenkt.

Bei den DCU Rooms angekommen holte ich meinen Koffer ab, ließ mir den Weg beschreiben und bezog im Hampstead House No. 2 eins der Erdgeschosszimmer. Puh, seeeeehr spartanisch. Fühlte mich sofort an meine erste eigene Studentenbude in Bielefeld erinnert. Vielleicht schreibe ich über diese Zeit noch ein paar Sonette oder Lieder. Mögliche Titel: „Kein Damenbesuch erlaubt“, „Raindrops keep falling on my Hausarbeit“ oder auch „Dosenravioli zum Frühstück“. Jedenfalls schaue ich auf den Campusparkplatz und das Fußballfeld, wo es gerade auch heiß hergeht. Die Mathematiker unterliegen den Sozialwissenschaftlern zur Halbzeit mit 1:2, können aber im Gegensatz zu diesen errechnen, dass sie ein Drittel der Tore geschossen haben.

Der Campus ist ja nicht nur ein Tempel der Bildung (wobei er eher modern als templig daherkommt), sondern gleicht auch einer kleinen Stadt in der Stadt. Es gibt Campus-Restaurants, Campus-Supermärkte, schöne Parks, Sportstätten, ein Theater und ein Museum. Eine wirklich schöne Uni. Da fällt mir ein, ich habe ja gar nicht wirklich über das Trinity-College im Zentrum gesprochen. Ja, Ihr Lieben, das mache ich morgen, denn am Vormittag habe ich eine Trinity Trails Campus Tour gebucht, das ist eine Führung durchs College von Studierenden, wenn ich das richtig verstanden habe. Danach schaue ich mir das wohl kostbarste Buch Irlands an. Und nein, dies ist nicht von Wilde, Joyce oder Shaw. Neugierig? Na, dann schaut doch gerne morgen wieder rein.

Bis denne, Euer

P.S.: In ganz Dublin wurde zum Start des Pride Month entsprechend geflaggt. Am Ufer des Liffey, am neuen Rathaus riesig auf der Fassade, vor Pubs, in Läden, in öffenlichen Einrichtungen. Was für ein starkes Zeichen! Wenn es hier nicht so teuer wäre, würde ich sagen: Rente im Sommer in Irland, im Winter in Spanien. Dass zwei erzkatholische Länder erfolgreich (und das auch wirtschaftlich) vormachen, wie Integration und Fortschritt gehen.

Dublin: Der Prolog

Ihr Lieben,

Mittwoch und Donnerstag war ich mit der Deutschen Bahn in Braunschweig. Leider mit sehr schlechten Erfahrungen. Daher kommt der Prolog zu meiner eigentlich erst morgen startenden Reise heute aus Düsseldorf, von wo aus ich abfliege. Es ist schon schräg, dass man sich nicht trauen kann, morgens um 7 Uhr abzufahren, wenn der Flieger um 10 Uhr geht.

Dublin. Irland ist mein Reiseland Nummer 75 (je nach Zählweise) und meine fünftletzte „terra incognita“ in Europa. Entschlossen hatte ich mich für den Reisezeitraum, weil ich dachte, ich wäre nach meinem Umzug dann fertig eingerichtet und urlaubsreif. Urlaubsreif stimmt, aber ich hätte doch noch einiges zu tun (unterm Dach stehen z.B. 4 Pakete mit Couchteilen). Bei der Planung der Reise buchte ich erst den Flug und schaute dann nach Hotels. Ich weiß nicht, ob Dublin immer so teuer ist, aber ich habe bei den Preisen ein bisschen mit den Ohren geschlackert. Daher habe ich mich entschieden, ein Zimmer auf dem Uni-Campus anzumieten. Bin gespannt, was das für eine Unterkunft ist. Dann kaufte ich natürlich einen Reiseführer, den ich gleich das erste Mal durchblättern werde, aber ich habe schon den Sightseeing-Bus und zwei Tagesausflüge, einen nach Galway, einen nach Kilkenny, gebucht. Zudem habe ich mir von den Dubliner Verkehrsbetrieben schon eine Wochenkarte für den Nahverkehr schicken lassen. 22 Euro, da kann man nicht meckern. Portofrei. Muss jetzt nur noch funktionieren.

Die Fahrt nach Düsseldorf war natürlich problemlos, aber mein Vertrauen in die DB bleibt grunderschüttert, daher alles gut. Das Hotel am Spichernplatz ist ganz okay, nur der Kühlschrank funktioniert nicht und eine Klimaanlage suchte ich auch vergebens. Man war aber so nett, einen Ventilator bereitzustellen. Abends noch etwas in Düsseldorf zu unternehmen, dafür war es mir zu schwül. Essengehen sparte ich mir auch, ich hatte so viele Reste vom Essen am Samstag, das packte ich mir in Frischhaltebeutel ein (kaltes Huhn, bisschen Salat, bisschen Erdbeertiramisu). Übrigens war das sehr schön am Samstag mit Elke, Erika, Frank, Tita und Udo. Und es gab immer noch reichlich Geschenke! Schampus, Blumenkübel, Kekse und Büchergutscheine… ja, so macht das Spaß! Nur Fotos habe ich wieder vergessen. Schade.

Um 7 Uhr gibt’s hier Frühstück, um kurz vor 8 fahre ich dann mit dem Bus zum Terminal. Ich werde viel zu früh in Dublin am Gästehaus sein, aber ich kann mein Gepäck wohl dort unterstellen. Ja, und dann tümmele ich mich. Über virtuelle Begleitung würde ich mich wie immer sehr freuen! Und wenn ich mal nichts poste, dann liegt das eher an technischen Problemen, als daran, dass ich in einem halbvollen Fass Guinness den Liffey in die Nordsee hinunter gepaddelt bin, wo ich auf offener See zotige Shanty-Lieder singe.

Liebe Grüße, Euer

P.S.: Die KI stellt sich Dublin als Kühlschrankmagnet übrigens wie oben vor.

Der Autor am Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Die Schöpfung

Ihr Lieben!

Das Schöne an 60. Geburtstagen ist, dass es auch Wochen danach noch Geschenke regnet. So war ich Donnerstagabend mit meinem Stämmchentisch beim Italiener verabredet und bekam einen Präsentkorb voller Leckereien. Öle, Pasten, Nudeln, Aperitivi undundund. Das fand ich sehr rührend. Leider war Melli krank und konnte nicht dabei sein. Ich hatte mich übrigens sehr auf eine gebratene Salsiccia mit Fenchel versteift und war etwas enttäuscht, dass die nicht mehr auf der Speisekarte des Il Valentino stand. Aber die Pizza Tonno war auch okay. Zudem hatten wir einen wirklich netten Abend und Matthias hat dann auch die Bewohner des „Ostblocks“ nach Hause kutschiert. Habe btw festgestellt, dass so einige Kollegen hier in der Ecke wohnen.

Ich hatte auch wieder einen HNO- und einen Zahnarzttermin. Der HNO hatte mir ja Antibiose und Cortison gegen Beschwerden verschrieben, es fühlte sich aber nach 10 Tagen nicht besser an. Er attestierte mir mangelnde Geduld. Naja, wer schon fünfmal wegen einer Zyste unterm Messer lag, ist vielleicht auch nicht völlig grundlos überspannt. Wird aber gerade tatsächlich besser. Dafür sind meine Zähne angeblich in einem bemerkenswert guten Zustand. Wie schön, so motivierende Zahnärzte zu haben. Naja, haben ja auch gut an mir verdient 🙂

An Pfingsten wurde es ja mal so richtig warm. Meine neue Wohnung heizt sich deutlich mehr auf als die alte. Was natürlich an den vielen West- bzw. Südwestfenstern liegt. Es bedarf hier einer ausgefeilten Rollladennutzungs- und Fensteröffnungs- bzw. Lüftungsstrategie. Aber ich mag die neue Butze doch sehr. Durch die dichte Bebauung und die Nachbarschaftsstruktur ist hier allerdings den ganzen Tag Kirmes. Heute haben zwei Kinder drei (!) Stunden lang Sirene gespielt. Muss mal gucken, wie ich mir das schön rede. Im Bedarfsfall habe ich die besten Ohrstöpsel aller Zeiten.

Samstag war ich auf Sofasuche. Der Aufstellort im quasi Spitzboden ist kompliziert. Dachschrägen, Nischen, Türen, Heizung, Fenster: Alles irgendwie im Weg. Ich habe ein Sofa und einen Sessel bestellt und werde überlegen, wie ich sie aufstelle, wenn sie da sind. Hach, ich bin so abenteuerlustig (und vielleicht auch ein bisschen naiv?)!

Das Programm konnte keine Schrägen… 🙂

Sonntag habe ich die Umgebung weiter erkundet. Wenn man – wie ich – Mitglied der NRW-Stiftung ist, kommt man umsonst in so einige Museen. In Bergisch-Gladbach z.B., 10 Minuten Autofahrt von mir entfernt, kann man das „LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach“ besichtigen. Das fand ich interessant. Und war über alle Maßen überrascht, wie schön das ist. Die Landschaft drumherum, mit Bächen und Wäldern, das Gebäudeensemble, die Ausstellung. Sehr nette Mitarbeiter*innen erklären Maschinen und lassen einen selbst Papier schöpfen (mit Wasserzeichen!). Absolut besuchenswert, auch weil selbst an einem Pfingstsonntag nur wenige Besucher dorthin finden.

Auch sonst hat die Ecke Bergisch Gladbach einiges zu bieten. Einen Wasserturm von 1906, der aussieht, wie ein Teil einer aufgelassenen Festung, einen schönen Friedhof (direkt daneben die Pathologie des ev. Krankenhauses GL, wie praktisch), eine Miniburg und anderes mehr; ein Haus des Gralskreises z.B.

Was gibt es von kulinarischer Seite aus zu berichten? Nun, ich machte mal eine experimentelle Lasagne, die sah super aus, war aber nix. Dafür versuchte ich mich an einem Pêche Melba (Nellie Melba hatte diese Woche 165. Geburtstag), der sah scheibe aus, war aber superlecker. Wieso hatte mir niemand verraten, dass man den in Zuckerwasser gekochten Pfirsich nicht so einfach vom Kern lösen kann? Und natürlich wieder Spargel. Jetzt ist aber auch gut mit der Kombi Kartoffel und Schinken. Heute Abend gibt es Lachsnudeln.

In 8 Tagen bin ich ja in Dublin. Da freue ich mich schon drauf und ich werde ausführlich berichten. Für den Herbst habe ich mir eine Reise mit Benjirō ausgedacht, auf der ich drei Bucketlist-Ziele abgrase: San Marino, Monaco und den Tarot-Garten von Nikki de Saint Phalle bei Grosseto; bin gespannt, wie sich der kleine, rote Blitz dann macht.

So, Schluss für heute, habt noch einen schönen Feiertagsabend und bis bald. Liebe Grüße, Euer

Spagat de luxe mache ich auch ständig.

Ist das Kunst oder…?

Ihr Lieben!

Das Max Ernst-Museum in Brühl hat ja immer wieder Mal interessante Sonderausstellungen, daher regte ich einen Besuch desselben durch unsere kleine Kulturgruppe an, als eine surrealistische Künstlerin, Marianna Simnett, angekündigt wurde. Am Mittwoch vor dem Feiertag haben Ruth und ich uns dann getroffen, Monika stieß später dazu.

Ja, einige der Exponate waren wirklich interessant, sogar schön, auch wenn sie sich bei genauem Hinsehen als teilweise morbide und/oder gruselig und/oder verstörend erwiesen. Es gab Skulpturen, KI-Videos, Bilder. Hier mal ein paar Eindrücke:

Leider hat uns aber insbesondere eins der Videos (ein weiteres traf auch nicht unseren Nerv) so sehr verstört, dass wir den Besuch nicht genießen konnten. Vor dem Separée hing schon ein Warnhinweis auf „Andeutungen sexueller Handlungen mit Kinderdarsteller:innen“. Von den 25 Minuten Dauer reichten uns zwei aus. Wir sahen ein Kind, das in einer Badewanne unter Wasser gedrückt wurde. Kunst? Die Presse und der Rundfunk, so fand ich im Nachhinein heraus, konnte dem etwas abgewinnen. Wir beide nicht. So war Monika vorgewarnt und sparte sich den Eintritt.

Wir wollten dann im Museumscafé einen Happen sowie einen Schluck zu uns nehmen, das Tortenbuffett war auch aufgebaut, alle Ein- und Ausgänge nutzbar. Allein eine Servicekraft war nirgends zu sehen. Ich fragte an der Kasse nach, wo man mir lapidar beschied, das Café sei doch geschlossen. Erlebtes Paradox nenne ich das jetzt mal. Unglücklicherweise fing es auch noch an zu plästern wie nix, so entscheiden wir uns, ein Restaurant in Brühl Zentrum aufzusuchen, das maximal 1 Minute von einem Parkplatz entfernt war. Das war nicht das schlechteste Auswahlkriterium, fanden wir uns doch in der Pizzeria Casanova wieder, die uns sehr gefallen hat (und die auch extrem gut besucht war). Blöd nur, dass ich mit dem Pizzakarton, in dem sich die Reste befanden, auch in Holweide in einen Platzregen kam und in Sekundenschnelle alles durchgeweicht war.

Am Samstag hatten wir mal wieder Familienkaffeeklatsch, diesmal ohne die Kleinen und den Mittelgroßen, dafür aber mit Jacobs Freundin. Eigentlich wollte ich am Freitag backen und Tiramisu machen, aber ich kam so spät aus dem Büro, dass mir das zu viel wurde. Aber die Tiefkühlkuchen, die ich stattdessen besorgte, gingen auch weg wie geschnitten Torte. Äh. Ja. Das war quasi Housewarming, Teil 5 (oder so), und ein netter Nachmittag.

Sonntag fuhr ich mit dem ÖPNV am frühen Nachmittag zu Elke nach Neuss, wo wir nach einem Gläschen Sekt (speaking about traditions…) einen weitläufigen Spaziergang unternahmen. Hier sah ich dann auch live zum ersten Mal das Problem mit Nora. Die Gute springt gerne unvermittelt in Gebüsche und jagt Kleintieren nach. Tja, da hätte ich auch Bedenken, sie leinenlos zu lassen. Zumal Nora möglicherweise auch Trethupen für Kleintiere hält. Es gab danach einen Spargelkuchen mit Huhn, sehr lecker. Gut fand ich, dass die Verkehrsverbindung von Holweide nach Neuss deutlich unanstrengender ist, als von Poll aus.

Was tat sich in der Wohnung? Ich habe ja eine Schräge, die so ungünstig ist, dass darunter praktisch toter Raum ist. Prima Platz für einen Sitzsack, befand ich, und bestellte einen. Der sollte UVP 200,- Euro kosten und war herabgesetzt auf 75 inkl. Versand. Als das Ding ankam, stellte sich heraus, dass man davon ausging, ich würde den Sack selbst mit den in einem riesigen Plastikbeutel beigefügten Styroporkügelchen befüllen. WHAT? NEE! Ich schrieb an die Firma, ich wünsche ein Rücksende-Etikett. Daraufhin bot man mir einen weitere Nachlass von 30% an, wenn ich ihn behielte. Ansonsten wären 7,- Euro Porto fällig und ich hätte dann auch noch die Kügelchen zu entsorgen. Auf der Basis behielt ich alles und schaute mir den Karton eine Woche lang missmutig an, bis es Christi Himmelfahrt so weit war. Ich sage mal so viel: Ich habe nun keine Angst vor der Hölle mehr.

„Hast Du auch alle Kügelchen eingefüllt?“ – „Ach, halt die Klappe, Teddy!“

Die statisch aufgeladenen Kügelchen klebten nach Sekunden an meinem Körper, an der Tapete, an den Möbeln, und ich brauchte anderthalb Stunden, um den Sack zu etwa 90 % zu befüllen. Der Rest der Kugeln hatte sich selbständig gemacht. Die Beschreibung schlug vor, herumirrende Kugeln zusammenzufegen und das Kehrblech dann ebenfalls in den Sitzsack zu entleeren. Leute, ich wette, das hat noch nie jemand von denen ausprobiert. Ich saugte dann den Kollateralschaden einfach auf und brachte den Umkarton in die Tiefgarage, wo ich ihn, damit ich ihn ins Auto bekam, mit einem gezielten Fußtritt zusammenstauchen wollte. Ja, manchmal bin ich einfach zu blöd. Ende vom Lied: Mit sieben Verlängerungskabeln und Staubsauger ausgerüstet runter und die Tiefgarage (die hat keine Steckdosen) geputzt. Mannomann, war ich angep***t. Als ich dann noch eine halbe Stunde später ein völlig zerstörtes DHL-Paket aus der Packstation abholte, beschloss ich, den Rest des Feiertages nichts mehr zu unternehmen.

Ein weiteres bestimmendes Ereignis diese Woche war der ESC. Ich schaute mir wieder beide Semifinals und natürlich auch die Samstagsshow an. Wirklich gefallen haben mir nur drei oder vier Beiträge und mir war klar, dass sich wieder alle echauffieren, dass Deutschland mit einem Tralala-Boom-Bang-Song mit Kleidervomleibreiss-Choreografie nicht den ersten Platz gemacht hat. Na, das hätte ich Euch vorhersagen können. Aber so hatte ich einen Grund, mal wieder Erdbeerbowle zu machen, denn die gehört für mich traditionell zum ESC dazu.

Viel gekocht habe ich auch wieder selbst, aber nichts Neues oder Spektakuläres. Nur die Blumenkohl-Suppe im Brotlaib fand Eingang in meine Rezeptsammlung. Gleich gehe ich noch zum Libanesen und hole mir ein Schawarma-Sandwich, da bin ich gerade seeeehr von angetan. Sooo lecker.

Ihr Lieben, das war’s schon wieder mit meinem Bericht aus dem Kölner Osten. Bis bald, liebe Grüße, Euer

P.S.: Ich weiß nicht, warum mich das Herz des Graffitos vom Deutzer Bahnhof (Vorschaubild) an einen ganz anderen Körperteil erinnert.

P.P.S.: Apropos Liebe, seit Tagen denke ich darüber nach, wer das wohl sein könnte. Wenn Du das liest, melde und offenbare Dich!

Blumenkohl-Kartoffelsuppe im Brotlaib

Ihr Lieben,

der Herbst ist über uns hereingebrochen. Anfang Mai. Temperatursturz mit Regengüssen. Heißa. Und da es bei einem Discounter heute Minibrote zum Brötchenpreis gab, gönnte ich mir ein Herbstessen. Blumenkohlsuppe im Brotlaib. Ein bisschen inspiriert durch die Blumenkohl-Apfel-Suppe, die meine vegan kochende Freundin Jasmina Anfang des Jahres zum Geburtstag ihrer Frau kredenzte.*

Vom Blumenkohl nahm ich nur die Hälfte, die übrigen Röschen fror ich ein. Von Ingwer- und Knoblauchpüree jeweils einen halben Esslöffel. Mitgekocht habe ich vorsichtshalber erst einmal nur eine Chilischote. Aus der anderen dann hauchdünne Ringe schnibbeln, da können sich die ganz Heißen von uns welche auf die Suppe streuen.

In einem Topf brate ich zwei kleingewürfelte Zwiebeln, etwas Knoblauch sowie etwas Ingwer und Chili in Sonnenblumenöl an. Dann fülle ich mit 1 Liter Gemüsebrühe auf, darin koche ich geputzte und kleingeschnittene Kartoffeln, nach etwa 10 Minuten gebe ich gewaschene Blumenkohlröschen sowie weitere 10 Minuten später einen geschälten und entkernten Apfel dazu.

Wenn alles einigermaßen weichgekocht ist, püriere ich den ganzen Sums einmal durch. Das geht im Topf genau so gut wie mit meinem Auguste. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und ggf. mehr Chili (ich habe noch Piri-Piri reingemixt), in den ausgehöhlten Brotlaib geben und geröstete Cashews (oder andere Nüsse oder Saaten) sowie fertige Krabben in Chili-Öl dazu, ggf. etwas Grünzeug zur Zierde.

Fertig ist der Seelentröster.

P.S.: Das Innere des Brotes (aka die Krume) kann man trocknen und als Brösel verwenden oder Croutons daraus machen.

P.P.S.: Die Crème fraîche sollte auch noch als Deko-Klacks fungieren. Aber dann hätte das Ganze doch ein wenig überladen gewirkt.

*) Krabben und Creme fraîche weglassen (letztere hatte ich heute auch nicht genutzt), dann ist es auch vegan.

Märchenhaftes

Ihr Lieben,

den Namen Schwabstraße führe ich ja zurück auf Gustav Schwab, dem Sammler von Sagen des klassischen Altertums. Denn ich wohne am Rande der Märchensiedlung. Hier finden sich Titel Grimm’scher Märchen in den Straßenbezeichnungen, wie Rapunzelgässchen oder Drosselbartstraße. Auch die Erzähler Andersen und Bechstein sind hier verewigt. Fast die ganze Siedlung steht unter Denkmalschutz. Die meisten Häuser wurde in den 20er Jahren nach dem Vorbild der Gartenstadtbewegung Englands konzipiert und errichtet. Der bekannte Architekt Riphahn, u.a. Kölner Oper, entwarf hier zwei Häuser. Den Großteil aber plante Manfred Faber, der 1944 von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Ein friedlicher Flecken Erde mit einer dunklen Geschichte.

Wenn wir schon bei der Nachbarschaft sind: die beiden schönen Tage am Wochenende habe ich für lange Spaziergänge genutzt. An Naherholungsgebieten, Wiesen und Wäldern mangelt es hier nämlich ganz und gar nicht. Zwar vermisse ich die Nähe zum Rhein, aber hier habe ich den Höhenfelder See und viele Mühlbäche. Am Sonntag besuchte ich dann zudem den Wildpark in Dünnwald und die Gedenkstätte für die hingerichteten Militärjustizopfer am ehemaligen Schießplatz. Hier erinnert eine Stele mit der Inschrift „Was kann man Besseres tun als den zu Krieg verraten?“; die Aussage stammt vom Deserteur und Aktivisten Ludwig Baumann.

Wie man sieht, habe ich im Wildpark nicht allzu viele Tiere gesehen. Ich glaube, es waren einfach zu viele Menschen da. An der Diepeschrather Mühle restauriert ja ein berühmter Sternekoch. Das Menü mit Weinbegleitung zwischen 280,- und 325,- Euro. Pro Person. *räusper* Da bekomme ich zwischen 62 und 72 Schawarma-Sandwiches für. Dazu später mehr.

Ansonsten wird es Zeit, dass ich in den Ruhestand wechsele, ich komme sonst mit meinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht mehr nach. 🙂

Am Montag war mein früherer Spanisch-Kurs fast vollzählig zu Gast, ich habe türkische Snacks und Dips dazu besorgt. Es gab aber auch selbstgemachte Muffins und einen riesigen Laib Manchego (beides Mitbringsel, danke dafür!) sowie Prickelkram. Und es gab natürlich auch Unterricht; da merkte ich, wie sehr ich doch hinterherhinke. Auch, weil ich den Schwerpunkt gerade auf Portugiesisch verlagert habe. Es war ein netter Abend, ein Selfie haben wir aber leider vergessen.

Donnerstag kam Matthias nach Holweide. Wir waren erst indisch essen, dann haben wir uns bei mir noch diverse Schlummertränke genehmigt. Da ich noch keine Schlafcouch im Gästezimmer habe, erstand ich als Provisorium eine selbstaufpumpende Gästematratze. Die lag ich dann übrigens auch mal eine Nacht Probe, aber ich wechselte dann doch mittendrin wieder ins Bett. Für die Luftmatratze muss man nämlich ziemlich seefest sein.

Hatte ich schon von den vielen kulinarischen Möglichkeiten erzählt? Der Inder z.B. ist wahnsinnig gut, alles war extrem lecker (nur der Mangolikör aufs Haus war nicht unser Fall). Nach den Spaziergängen belohnte ich mich mit einem Döner von um die Ecke. Sehr essbar. Ich war auch Mittwoch beim libanesischen Imbiss, probierte dort ein Schawarma-Sandwich und bestellte spontan für Freitag eine Partyplatte, mit Falafel, Hummus, Bohnenpaste, Auberginenpüree und Drehspießfleisch, garniert mit allerlei Salatgemüse und Saucen. Das kam bei meinen vier Gästen ziemlich gut an.

Also, ich fühle mich recht wohl in der neuen Heimstadt und deren Umgebung. Man ist sich gruppenübergreifend einig, dass meine neue Wohnung noch viel schöner sei als die alte. Nur die Anreise wird ein bisschen bekrittelt. Naja, 75% der Besucher diese Woche kamen aus Poll, da konnte man halt zu Fuß andackeln.

Vorhin habe ich etwas Obst geschnibbelt, ich gönne mir jetzt auf dem Balkon eine Sangria. Denn mein heißersehnter Sonnenschirm wurde geliefert und dann kann man es da aushalten. Prösterken, Euer

P.S.: Auch geliefert wurde ein Sitzsack. Ich war etwas verwundert, dass ich den selbst befüllen sollte (die Kügelchen waren separat verpackt), so dass ich ihn zurückgehen lassen wollte. Daraufhin bot man mir 30% Nachlass an. Dafür mache ich es dann gerne selbst. 🙂

P.P.S:: Die Braut, die schon ergraut:

Langsam ankommen

Ihr Lieben,

natürlich habe ich mich die letzte Woche wieder intensiv mit der neuen Bleibe beschäftigt. Mein Allround-Nachbar war da und brachte Spiegel und weitere Lampen an, ich schraubte – mal wieder – Möbel zusammen, Luis und ich packten gefühlte 3.981 weitere Kartons aus. Warum hat man so viel Zeuchs? Und wo ist Marie Kondō, wenn man sie mal braucht? Beim Zusammenfügen des IKEA PS muss man übrigens höllisch beim Deckel der Kommode aufpassen. Ich habe ihn falsch aufgesetzt, dabei etwas zerbeult, und mir beim Reparaturversuch diverse Finger gequetscht. Yeah!

Aber es wird immer wohnlicher und schöner (naja, meinem Geschmack nach). Ich habe mal ein paar Bilder vom aktuellen Stand gemacht. Von oben gibt es keine, da stehen bisher nur Bücherregale und ich muss dringend mal überlegen, wie ich da jetzt ein Gästezimmer draus machen kann. So langsam trudeln die ersten Besucher ein und ein Übernachtungsgast hat sich auch schon angekündigt. Naja, der muss auf das aufblasbare Gästebett, dass hoffentlich kein Loch hat.

Am Dienstag lutschte ich meine letzte Pille Lercanidipin (gegen hohen Blutdruck), daher wurde es für mich dringend Zeit, einen neuen Hausarzt zu suchen. Ihr wisst ja, mein alter hat sich nun auf Privatpatienten spezialisiert. Über eine bekannte Internetseite wurde ich fündig und bekam einen Termin am frühen Morgen in einer ziemlich großen Gemeinschaftspraxis. Sehr schlecht bewertet, mit üblen Kommentaren einer Menge sehr wütender Patienten. Egal, ich brauchte ja nun mal meine Pillen. Was soll ich sagen? Ein Trubel wie am Hauptbahnhof, wenn die Frittenbude Freibier ausschenkt. Aber ich kam pünktlich dran, der mir zugewiesene Arzt nahm sich Zeit, beriet mich ein bisschen und hat die ersten Untersuchungen terminiert. Die MTAs waren gestresst, aber dennoch zu Scherzen aufgelegt. Also, ich kann die meisten Bewertungen nicht nachvollziehen.

Zum HNO musste ich auch wieder mal, ich hatte alle Symptome, die auf eine Wiederkehr (zum 6. Mal) meiner Kehlkopfzyste hindeutete. Der Herr Doktor hat aber nur entzündliche Vorgänge erkennen können, für die ich jetzt Antibiose und Cortison nehme. Ich hoffe, das hilft, auf eine erneute OP habe ich momentan nicht wirklich Lust.

Am Donnerstagabend war ich in einem netten Bistro, wo meine Freundin Ruth Forschbach mit ihrem Bühnenkollegen Peter Worms ein lustig-besinnliches Potpourri zum Thema Altern („Zwischen Kinderwagen und Rock’n’Rollator“) mit Lyrik, Erzählungen und Gesang aufführte. Da ja Tanz in den Mai angesagt war, war es ein kleines Publikum, das die beiden Künstler aber umso frenetischer feierte. Gespeist habe ich da zur Abwechslung gesund. Möhren und Rübchen in Kerbelsauce. Kann man gut essen…

Ich erwähnte es bereits, in letzter Zeit habe ich mich vom Lieferdienst bekochen lassen. Die Pizzerien im Umkreis sind soweit okay (wobei die „Frutti di mare“ hier nicht im entferntesten an die aus Poll rankommt), auch der türkische Imbiss liefert solide ab. Aber es wurde mal wieder Zeit, selbst den Kochlöffel in die Hand zu nehmen. Es gab einen orientalisch gewürzten Kartoffel-/Hack-/Tomatenauflauf. Mit viel Kreuzkümmel, Kurkuma, Koriandersaat etc., als Fertigmischung aus dem türkischen Supermarkt. Sehr lecker. Apropos Umkreis: Ich habe ein paar nette Läden in der Nähe, Bäckereien, türkische Konditorwaren, exotische Restaurants, mehrere Imbisse, fünf Supermärkte in Fußweite, einer davon Bio. Die Infrastruktur ist hier schon deutlich besser als in Poll.

Hatte ich erwähnt, dass ich schon ein paar Nachbarn kennenlernen durfte? Heute traf ich weitere auf der Straße, die mir sofort einen Heiermann aus dem Portemonnaie klaubten, da die Mieter unter mir kommende Woche heiraten. Die Häuser 6a und 6b legen bei solchen Anlässen offenbar zusammen. Auch werde es ein Sommerfest geben. Bin gespannt. Im Haus ist es sehr ruhig, dafür geht es aber auf der verkehrsberuhigten Straße ziemlich trubelig zu.

So, Ihr Lieben, das war der Bericht aus Holweide für diese Woche. Bis bald mal, im Juni wird ja auch wieder gereist. Alles Gute, Euer

P.S.: Habt Ihr schon einmal von Lookmaxxing gehört? Übungen zum Erzielen eines kantigeren und attraktiveren Gesichts? Habe das auch mal versucht.