Was ist Normalität?

Ihr Lieben,

kann man in Zeiten der Trauer zur Normalität zurückkehren? Ja, man kann, denn die Normalität verändert sich durch Verluste, sie ist nicht statisch. Als meine Großmütter, die ich sehr liebte, als Tanten und Onkel, Freunde und Freundinnen starben, da veränderte sich jedes Mal meine Normalität. Sie waren nicht mehr Teil meines Lebens. Bei meinem Vater fällt mir die Akzeptanz zwar besonders schwer. Er bleibt aber immer Teil meiner veränderten Normalität. Ich werde ihn, wie alle oben genannten, nicht vergessen.

Ich weiß gar nicht mehr, was seit der Beerdigung alles passiert ist. Es war so viel! Mein Bruder Oliver hat im Elternhaus ein großes Grillen veranstaltet, mit fast allen Nichten und Neffen und einem sehr guten Freund der Familie. Normalität. Es war gut so. Ich habe mehrmals mit einem Freund meines Vaters telefoniert, der wegen einer Reise von seinem Tod nichts mitbekommen hat. Er wolle mit mir das Grab besuchen. Elke war bei mir zu Besuch, wir haben ebenfalls gegrillt. Diesmal ohne Nora, der wäre das zu heiß unter meinem Dach gewesen. Ich war mit Ruth in einer Ausstellung, die keine Ausstellung war. Ich habe mit Rolf einen Besuch in Barcelona verabredet. Ich habe mit Freunden eine Schiffsreise für August 2027 gebucht. Ich habe gekocht, ich habe gearbeitet, ich habe meine Alltagsroutinen durchgespielt. Normalität. An einem Abend mittendrin in all diesen Aktivitäten hatte ich eine Art Nervenzusammenbruch. Vielleicht war es auch keiner, ich kenne mich mit so etwas nicht aus. Ich möchte das auch nicht weiter ausführen. Ich habe dumme Dinge gedacht und gemacht. Nix schlimmes. Nur ein bisschen die Kontrolle verloren. Normal.

Anfang September bin ich eine knappe Woche bei Rolf (hatte ich erwähnt, dass ich eigentlich ab Freitag auf Malle gewesen wäre?, das habe ich storniert), meine Autoreise nach Italien mit Benjiro im Oktober steht noch, im August 2027 gondele ich den Douro runter. Oder rauf. Und wieder runter oder rauf. Ich freue mich darauf, es ist quasi die Ägypten-Truppe.

Die Ausstellung, in der ich mit Ruth war… ja, wie soll man das beschreiben, ohne sarkastischen Unterton? Ich formuliere es mal à la Gertrude Stein: Eine Ausstellung ist eine Ausstellung ist eine Ausstellung. Was war passiert? In meinem Bluesky-Eintrag dazu formulierte ich es so:

„Heute war ich im Kölnischen Stadtmuseum, um die Ausstellung über Olga Oppenheimer zu sehen. Ich wartete auf Ruth und las schon einmal die 5 Informationsposter. Sie kam, wir zahlten den Eintritt (5€) und fragten, wo denn die Ausstellung sei. Man verwies uns auf die 5 Poster.“

Naja, wir waren dann noch im „Sattgrün“, einem veganen Selbstbedienungs-Restaurant, das uns ausnehmend gut gefallen hat. Nur die Tische könnte man mal von Zeit zu Zeit abwischen. Ach, der Gerry. Immer was zu kritteln.

Was habe ich sonst so verbrochen? Ich habe mir einen Grill für den Balkon gekauft, den ich selbst zusammenbauen musste. Der Grill wiegt 3 Tonnen, davon sind 2,9t Schrauben, alles klar? Ich wollte in 30 Minuten fertig sein, ich brauchte eine Stunde.

Dann habe ich mir einen Kaffee-Vollautomaten bestellt. Ich war ja mal mit einem Melitta-Modell so unzufrieden (ich habe es mit drastischem Verlust weiterverscherbelt), dass ich mich nie wieder getraut hatte. Was soll ich sagen, ich habe mir einen Preis-/Leistungssieger der Stiftung Warentest bestellt, der fast 100 Euro herabgesetzt war und bin total zufrieden mit der Kiste. Sie ist ein bisschen herrisch (Neues Wasser! Kaffeesatz entsorgen! Bohnen nachfüllen! Auslauf spülen! Milchkanne säubern! – fehlt noch Entkalken!), aber da gewöhnt man sich dran. Ich habe ernsthaft die KI nach der besten Bohne für die Maschine befragt. Und lasse mir jeden Tag per Ponyexpress frische irische Weidemilch bringen. Nein, das ist natürlich Quatsch. Aber Bio-Heu-Milch oder vergleichbares nehme ich dann halt schon.

Gekocht habe ich viel, aber nix neues. Was ich lecker fand, waren meine gefüllten gelben Zucchini, die haben aber jetzt nicht extra den Weg ins Rezeptbuch, das voll mit gefüllten Gemüsen ist, gefunden. Hackfleisch mit Zwiebel, Knoblauch, roter Paprika, Salz, Pfeffer und italienischen Kräutern, mit Gouda überbacken. War einfach und sehr gut. Für Samstagabend habe ich ein Pseudo-Vitello-Tonnato gemacht, ich habe zwar die Thunfischsauce selbst gerührt, aber den Braten fertig gekauft. Und der war auch noch vom Schwein.

Ja, und dann der o.g. Besuch. Der besagte Freund Eckbert war mit meinem Vater seit weit mehr als 55 Jahren beruflich verbunden und Teil eines Freundeskreises, der sich regelmäßig getroffen hat. Bärbel und Ernst, meine Eltern und er bildeten die Kerntruppe einer sich oft in Badenweiler treffenden Truppe, wo auch ich alle (wieder) kennengelernt hatte. Hagen, mein kleiner Bruder, Christian, mein jüngster Neffe, und ich holten ihn am Bahnhof ab, fuhren zum Grab und dann zu Kaffee und Kuchen zu meiner Mutter. Ich halte es kurz, es war ein sehr ergreifendes, aber schönes Zusammentreffen. Ich übernachtete seit langer Zeit mal wieder in meinem Elternhaus, weil wir drei Brüder mit meiner Mutter und Christian noch eine Zeit lang zusammensaßen.

Als alle im Bett waren, schaute ich mir ein sehr umfangreiches Fotobuch an, das meine Mutter zu meines Vaters 80. Geburtstag erstellt hatte. Sie hat ein ganzes Regal voller Fotobücher und ist die Chronistin unserer Familie, was Bilder angeht. 89 Jahre Papi, davon 55 von mir erlebte, er ist nicht mehr. Normalität? Ja, aber die Akzeptanz braucht Zeit.

Ihr Lieben, es wird weiter Reisen geben, es gibt mehr oder weniger essbare Gerichte, es gibt Schnipsel. Es gibt auch weiter unseren familiären Kaffeeklatsch, ich hoffe, mit meiner Mutter. Und ich hoffe, dass mein Vater mitbekommt (wo immer er auch ist), dass sich einer seiner großen Wünsche, dass Mami und ich wieder zusammenkommen, erfüllt hat.

Euer

P.S.: Ich habe so viele Nachrichten, Anrufe und Briefe bekommen. Danke dafür! Anteilnahme ist eine große Stütze in schwierigen Zeiten.

Ich glaube, es gibt wenige Brüder, die unterschiedlicher sind als wir. Aber ich glaube auch, dass es wenige Brüder gibt, die so zusammen halten.

Nachruf

Am 26.06.2026 verstarb mein Vater im Alter von 89 Jahren. Er, der in seinem Leben bis vor Kurzem keinen Tag im Krankenhaus verbracht hatte, entschlief dort 3 Tage nach seiner Einlieferung wegen einer Lungenentzündung. Wir überredeten ihn noch, sich eine Drainage legen zu lassen, damit die viele Flüssigkeit aus einem der Lungenflügel abgesaugt werden konnte.

Er war ohnehin inzwischen altersbedingt kraftlos und geschwächt, der Eingriff und die Hitze setzten ihm zusätzlich zu. Aber er gab an, keine Schmerzen zu haben. Die Familie wechselte sich ab, bei ihm zu sein und ihm die Hand zu halten, mit ihm zu sprechen und ihn zu begleiten. Wir waren dankbar für die Chance, ihm auf Wiedersehen sagen zu können. Er ging recht friedlich.

Das Personal im Krankenhaus hat sich toll um Papi gekümmert, sowohl die Pflegerinnen und Pfleger auf Station, als auch seitens der behandelnden Ärzte. Dafür sind wir dankbar. Die Beerdigung wurde vom Bestattungsinstitut und der freien Rednerin schön gestaltet, es war ein würdiger Abschied. Viele Familienangehörige und viele Freunde, Nachbarn und Menschen aus dem beruflichen Umfeld begleiteten ihn auf seiner letzten Reise.

Ich könnte viel schreiben, über sein Leben, über unsere Beziehung, über sein Wesen. Aber es fällt mir zu schwer. Nur so viel: Ich, wir alle werden ihn sehr vermissen und werden immer voll Liebe und Dankbarkeit an ihn denken.

Danke für alles, Papi.

Summertime… and the living is anstrengend

Ihr Lieben,

beginnen wir mit dem gesellschaftlichen Ereignis der Saison: Benjiro und ich haben uns heute früh auf der Kfz-Zulassungsstelle in Köln das Ja-Wort gegeben. Es war eine feierliche und anrührende Zeremonie und hat 26,80 Euro gekostet. Das Auto habe ich ja von meinem Vater, daher habe ich das Nummernschild mit seinen Initialen und seinem Geburtstag behalten. Benjiro leistet mir ja wirklich gute Dienste und ich bin mehr als dankbar.

Kurz nach meinem letzten Schnipseleintrag, nämlich Dienstag, war ich in der Yayoi Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig. Jetzt fragen sich einige bestimmt, wie ich es geschafft habe, noch an eine Karte zu kommen; ist doch die erfolgreichste Kölner Ausstellung ever komplett ausverkauft gewesen. Des Rätsels Lösung: ich hatte das Ticket schon im April gekauft. Planung ist alles.

Machen wir uns nichts vor, Social Media ist nicht unschuldig an dem enormen Erfolg, postete doch jeder Besucher (so auch ich) Bilder im „gelben Schlangenraum“ oder aus dem „Infinity-Kasten“. Yayoi Kusama ist eine wirklich interessante Künstlerin, inzwischen hoch betagt, die Ausstellung geht zurück bis in ihre Kindheit. Man sollte 2 Stunden einplanen, um einen guten Eindruck zu erhalten. Allerdings, trotz Ticketbegrenzung, war es dermaßen voll, dass ich mich meistens unwohl fühlte. Ihr wisst ja, Menschenmassen und so. Aber es war ein tolles Erlebnis. Die Ausstellung endet Anfang August und wird im September im Amsterdamer Stedelijk-Museum wieder aufgebaut. Ich empfehle allen, einen Städtetrip alleine deswegen!

Am Donnerstag dann, es war schon sehr heiß, traf ich mich mit Artur und Hubertus und Bekannten von ihnen an der Rheinpromenade zu einem Picknick. Gottseidank fanden wir im Schatten eines riesigen Baumes noch ein Plätzchen zum Ausbreiten. Außer mir (Entschuldigungsgrund: ich kam direkt aus dem Büro) hatten alle Wein und Snacks und EISWÜRFEL dabei, daher war das eine sehr angenehme „Landpartie“, ein Wort das viel zu selten gebraucht wird, wie ich finde. Schön anzusehen war, wie sich die Poserszene vor dem Hyatt traf und alle 15 Minuten durch Ordnungsamt und Polizei wieder vertrieben wurde. An dem Abend holte ich übrigens noch mein Fahrrad aus dem Poller Keller ab. Vor dem Gelage.

Für Freitag hatte ich dann die Doppelkopfrunde zur Wohnungeinspielung mit Contra und Re geladen. Allein, es war in meiner Butze nicht auszuhalten. Wir vertagten uns zu Anja, stolze Besitzerin einer Klimaanlage. Ich versprach, dennoch für den Großteil des Essens zu sorgen und odyssierte mittagspäuslich durch die Innenstadt auf der Suche nach Börek und dergleichen. Vergeblich. Schwer angeschlagen kaufte ich letztendlich den Backladen einer bekannten Kette leer. Und man konnte es sogar essen.

Man ließ mich gewinnen (verspätetes Geburtstagsgeschenk), das fand ich prima, und dann gab es auch noch einen Gutschein für Nelson Müller in der Diepeschrather Mühle. Das fand ich noch primaer! Doch, doch, das Wort gibt es!

Samstag sollte ich dann zum Grillen nach Poll (Freitag übrigens auch zu anderen Nachbarn, aber da war ich schon verplant), wieder mit H. & A. Ich machte morgens auch meinen Wassermelonensalat dafür, kaufte ein, holte Post, fuhr zum Baumarkt… und dann war zuhause aus. Kreislauf, Übelkeit, Kopping (habe ich fast nie!). Mein Schädel war zu einer Bessemerbirne mutiert und ich musste schweren Herzens absagen.

Ich meine, ich hätte auch eine Reise nach Berlin angedeutet, zum Abschlusskonzert der Philharmoniker. Flüge, Hotel, Tickets, Bootsfahrt… alles bereits seit September gebucht. Ich wollte zusammen mit Erika und Udo hin. Dann die Hiobsbotschaften: Hotel ohne Klimaanlage, S-Bahn-Betrieb in Berlin massiv eingeschränkt, Züge von E.&U. ersatzlos gecancelt, Ersatzfahrten mit der DB ohne Sitzplatz. Dazu die Vision, in den Oberrängen der Waldbühne 3 Stunden in der prallen Sonne bei 38°C zu brutzeln. Wir berieten uns und sagten das Event ab. Gottseidank fast kostenneutral, die Karten waren sofort weiterverkauft, alles andere war noch stornierbar. Dennoch sehr schade, aber wir grillen dafür kommenden Samstag zusammen. Und gucken das Konzert bei der Live-Übertragung. Wird wohl wieder vom MDR gesendet. Thema: italienische Nächte unter der Leitung von Kirill Petrenko, mit Respighi-Werken und Jonas Kaufmann, der aus Leoncavallos „Pagliacci“ vorträgt. Bin gespannt, ob Erika auch im Garten bei Paul Lincke so stimmgewaltig mitpfeift!

Was gibt es noch zu berichten? Zur Zeit gehe ich gerne arbeiten. Ihr wundert Euch? Hah, ich habe KLIMA im Büro! Ich versuchte, im Spitzboden aka Gästezimmer Kabelkanäle zu verlegen. Nach drei Sekunden gab ich auf! Tja, wenn es nicht so stromfressend wäre, würde ich jetzt schon längst ein Klimagerät mit Außeneinheit beschafft haben. Zur Zeit begnüge ich mich mit einem Ventilator, der eher eine Windmaschine ist. Theoretisch kann ich hier sehr viele ESC-Auftritte nachspielen. Nur die Kleider-vom-Leib-reiß-Kleider brauche ich noch. Ach, und der Foodblog ruht, die Küche ist auch Südwest-Seite.

So, Ihr Lieben, das war’s schon wieder, hoffe, Ihr kommt mit der Hitze besser klar. Ausnahmsweise sende ich mal extrem kühle Grüße! Euer

So ist’s auszuhalten…

Und das soll Urlaub sein?

Ihr Lieben,

die restlichen Urlaubstage waren gut mit Terminen und Pflichten gefüllt. Noch am Ankunftstag holte jemand einen Schrank ab, den ich nicht mehr unterbringen konnte. Gut, das war jetzt keine abendfüllende Veranstaltung. Mittwoch dann ging es aber los: Morgens Besprechung der Blutwerte. Naja, nicht perfekt, aber immerhin haben sich alle Zahlen verbessert. Vom Arzt aus in das Gartencenter, da kaufte ich ein Dutzend Blühpflanzen, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. In weiß, dunkelrot und violett. Damit und mit den Balkonkästen, die ich von Erika und Udo geschenkt bekommen hatte, begrünte ich dann meinen Balkon. Ist richtig nett geworden.

Jetzt war ich so richtig in Schwung gekommen und ging DAS anstehende Großprojekt an: vor meinem Urlaub ist die Schlafcouch für mein Gäste-/Wohnzimmer geliefert worden, vier riesige Pakete (eins mit einem Sessel), die die freundlichen Speditionsfahrer für mich schon die Wendeltreppe hochgewuchtet hatten. Das montierte ich dann in zweieinhalb Stunden zusammen. Wobei ich eine dreiviertel Stunde darauf verwendete, mir zu überlegen, wie ich es schlussendlich stehen haben wollte. Davon hing nämlich ab, an welcher Seite ich die Ottomane montiere. Der Sessel war dann in Null,nix gemacht. Ich finde, es sieht ganz ordentlich aus. Am Abend kochte ich mir dann auch noch Rhabarberkompott und Vanillecreme, damit war der Tag perfekt.

Donnerstag verbrachte ich dann, ich musste nach Lövenich, Kartons abholen, und zum Abfallhof, das Verpackungsmaterial vom Sofa sowie einen angeschlagenen Fernseher wegbringen, etwa 4 Stunden im Berufsverkehr, u.a. weil plötzlich Auffahrten von Rheinbrücken gesperrt waren. Mein Navi führte mich über kilometerlange Umwege durch Köln. So war vom Tag nicht mehr viel übrig, aber ich schaffte es wenigstens, bei der KfZ-Versicherung meines Vaters vorzusprechen, bei der ich dessen Vertrag übernehmen wollte. Das ging dann sehr unkompliziert. Kompliziert wurde es dann bei der angeblich kinderleichten Online-Ummeldung. Ich erinnere mich nicht an den Wortlaut, aber mitten im Prozess wurde mir mitgeteilt, das die Querzwirbelprüfnummer fehle und der Vorgang nicht fortgesetzt werden könne. Ich rief bei der Stadt an. „Was ist die Querzwirbelprüfnummer?“ – „Woher sollen wir das wissen?“. Nach einer halben Stunde Recherche durch die – sehr freundliche! – Mitarbeiterin fanden wir heraus, dass Online-Zulassungen erst ab einem bestimmten Erstzulassungsdatum möglich sind. Ich müsse persönlich bei der Meldestelle vorsprechen. Wem kommt das noch bekannt vor? Wenigstens war für Kölner Verhältnisse ein zeitnaher Termin frei, nur zwei Wochen Wartezeit.

Donnerstagabend beschloss ich dann, da ich für einen Kabelfernsehanschluss bezahle, mir einen neuen Fernseher – der alte aus dem Schlafzimmer hat zwar den Umzug überstanden, aber mein Verräumen von A nach B nicht, daher steht da jetzt der aus dem alten Wohnzimmer – für das neue Wohnzimmer auszusuchen*. Ich wurde fündig bei dem einen großen Elektrohandel und das Elend nahm seinen Lauf. Freitagfrüh wurde mir mitgeteilt, ich möge nach Marsdorf kommen, das TV-Gerät stünde zur Abholung bereit. So sah es dann wirklich aus:

Man habe sich halt vertan. Passiert. Ja, ok, passiert. „Wir stellen es kostenfrei zu.“ – „Wann?“ – „Weiß ich nicht!“ – „Nee, so geht das nicht!“ – „Dann kommen Sie nächste Woche noch einmal vorbei!“. 60 Kilometer für Hin- und Rückweg? Ich stornierte den Kauf und wurde abends online bei einem Hamburger Versandhaus fündig und sparte (allerdings bei einem anderen, aber gleichwertigen Modell) noch dabei.

Freitagabend fuhr ich dann mit der Bahn nach Neuss. Müßig, zu erwähnen, dass sowohl hin als auch zurück alles nicht wie geplant lief. Unter anderem wurde ab 22 Uhr wieder Schienenersatzverkehr eingesetzt, so dass mein Besuch nur ein kurzer blieb. War dennoch schön. Und es gab es einen reichhaltigen, aber gesunden Salat! N.B., wenn alles liefe, wie es laufen sollte, wäre meine neue Wohnung verkehrstechnisch deutlich besser angebunden, als die alte.

Samstag und Sonntag pröddelte ich dann in der neuen Wohnung herum, hing weitere Bilder auf, verbaute einen Dimmer (die Esszimmerlampe erspart einem das Solarium!), richtete meinen alten Wandfernseher für Kabel ein (woran ich fast verzweifelte, weil ich den Sendersuchlauf für DVB-C nicht fand) und programmierte die restlichen Smart-Steckdosen.

Ja, und heute, große Freude, durfte ich wieder ins Büro. Naturgemäß wurde ich direkt mit drei mittleren Katastrophen konfrontiert; die aufzuräumen, wird sich etwas ziehen.

Abends dann fand ich noch den neuen Fernseher vor, um den kümmere ich mich gleich. Und eine Puzzle-Lampe wurde geliefert. Als Grobmotoriker werde ich wieder 2 Jahre brauchen, um die zusammenzufrickeln.

So, genug geschwafelt, habt einen schönen Abend und eine tolle Restwoche. Euer

* ich blicke manchmal auch nicht mehr durch mein Geschreibsel durch 🙂

Manchmal hätte ich gerne Fähigkeiten… so besondere… (Grafitto an der U-Bahn Geldernstraße)

Rhabarberkompott mit Vanille-Creme

Ihr Lieben,

in Dublin hatte ich ja letzten Sonntag ein „industriell“ hergestelltes Rhabarbermus mit Custard. Das fand ich schon sehr lecker, dachte aber, das kann ich noch besser. Als Kind hatten wir oft Rhabarberkompott, heute ist es ja ein viel zu unterschätztes Gemüse. Yep, Gemüse, gehört zu den Knöterichgewächsen, wie auch Buchweizen oder Sauerampfer.

Leider erwischte ich nur mäßige Qualität (die Saison ist ja auch fast um) und musste viel schnibbeln. Die Schale kommt bei mir ohnehin immer ab, da sitzt die meiste Oxalsäure drin. Ich schneide kleine Würfel, ich mag das Kompott eher zerkocht als stückig. Los geht’s:

750 Gramm Rhabarber in kleinen Würfeln in einen Topf geben und 50 Gramm Rohrzucker, zwei Päckchen Vanillezucker, eine Prise Salz und eine halbe Tasse Wasser dazu. So lange zum Kochen bringen und dabei öfter umrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Auch Freunde der stückigen Variante sollten nicht zu früh aufhören, roher Rhabarber ist schwer verdaulich. Abkühlen lassen und kalt stellen.

450 ml Milch mit einer ausgekratzten Vanilleschote aufkochen. Uffpasse, das nichts überkocht! 50 ml Milch mit 50 Gramm Zucker, 25 Gramm Speisestärke, einem ganzen Ei und einer Prise Salz klümpchenfrei verrühren und in die kochende Milch geben (ggf. vorher die Vanilleschote herausnehmen). Rühren, rühren, rühren, sonst brennts an. Sobald die Masse angedickt ist, in eine Schüssel umfüllen, mit Frischhaltefolie abdecken (es sei denn, man ist ein Puddinghaut-Fan!) und ebenfalls kalt stellen. Am nächsten Tag (oder abends) Kompott auf Glasschälchen aufteilen und die noch einmal stark durchgerührte Vanillecreme darüber geben.

Reicht für 4 bis 6 Portionen. Es ist sooooo lecker! Kann auch noch garniert werden, ich hatte mal wieder nix Gscheit’s zur Hand außer Rosmarin 🙂

Noch ein Hinweis: Es ist schon ein sehr süßes Dessert. Im Zweifel etwas weniger Zucker nehmen.

Dublin 2026: der Epilog

Ihr Lieben,

Eurowings wird offenbar immer geiziger. Man wird in einem finsteren Keller abgefertigt und muss zum hinterletzten Gate. Die Abfertigung erfolgt für 19 parallel stattfindende Flüge durch 2 Personen. Naja, ich bin ja immer viel zu früh vor Ort. Im Flieger, wir hatten das Gate gerade verlassen, dann die Ansage technischer Probleme, die Maschine müsse wieder zum Gate zurück. Wir blieben aber einfach eine halbe Stunde unbeweglich stehen. Dann die Durchsage, das Problem hätte telefonisch behoben werden können, wir warteten jetzt auf eine neue Slot-Zuteilung. Mysteriöse Fernheilung? Egal. 75 Minuten zu spät flogen wir dann ab. In Düsseldorf dann zum Hauptbahnhof, da in die S6. Die blieb dann in Garath mal eben eine halbe Stunde stehen, man wartete auf einen Befehl wegen einer Signalstörung. So war ich nach fast 9 Stunden Reise wieder daheim.

Dublin bewerte ich jetzt mal ungerechterweise mit 7/10. Bei Sonne wären es 8 gewesen. Aber die hat ja gezickt. Und die Unterkunft? Ach je. Hatte ja einen Schreibtisch und eigenes Bad, den Kühlschrank im Gemeinschaftsraum habe ich auch für mich alleine gehabt. Das Frühstück war okay. Und es war sehr billig! Soweit okay. Aber jeden Tag anderthalb bis zwei Stunden Bus ins Zentrum und zurück, das ist schon nervig. Ist das die Ersparnis wert? Die sehr große Ersparnis?

Am schönsten fand ich den Spaziergang an den Howth Cliffs, am schlimmsten die Getränkepreise. Am zweitschlimmsten den Dauerregen. Am zweitschönsten die Brauereiführung. Gerne wäre ich noch in das Gefängnis (keine Karten erhältlich), in die Nationalgalerie und in das Koboldmuseum gegangen. Aber, ich erwähnte es an anderer Stelle, die Eintrittspreise sind horrend!

Die Iren sind ein sagenhaft freundliches Volk. Als ich heute mit meinem Koffer an der Bushaltestelle stand, wünschte mir eine betagtere Lady mit Terrier eine gute Reise. Überhaupt grüßen auch Wildfremde. Jeder erkundigt sich nach Deinem Befinden. Das ist schon sehr gesittet und ansprechend. Dublin ist auch sehr sauber. Man legt sehr viel Wert auf Optik, am deutlichsten zu merken an der an Obsession grenzenden Gartenpflege.

Was braucht man im Gepäck? Eine dichte Regenjacke! Am Flughafen-Check-in vor mir vier Herren, die mit Zelt wandern waren. Einer wortwörtlich: Nie wieder so einen Urlaub, die Zelte bekommen wir nie wieder trocken. Die Armen. Wenn man in einer Studentenbude übernachtet, gehören Ohrstöpsel ins Gepäck! Da knallen und quietschen Türen und natürlich wird auch viel und laut gesprochen.

Auf jeden Fall empfehle ich Euch die Leap-Karte für den Nahverkehr, am besten wie ich schon im Voraus bestellen. Mein Reiseführer war auch völlig ausreichend, ich bin ja Fan von Know How, Lonely Planet und Michael Müller. Und Baedeker, wenn’s viel um Kultur geht.

Ja, das war schon alles schön. Nächste Kurzreise ist Berlin, Ende Juni, wieder zum Abschlusskonzert der Berliner Philharmoniker. Im Oktober werde ich voraussichtlich mit dem Auto bis San Marino und Monaco fahren. Ländersammelei hört ja noch lange nicht auf. 🙂

In der Zwischenzeit gibt es dann wieder Anekdötchen oder Rezepte.

Danke fürs Mitreisen und allen eine gute Zeit! Euer

Dublin, Tag 7: Es grünt so grün, wenn Dublins Blüten blüh’n

Ihr Lieben,

heute wird es wieder eher kurz und knackig, habe ich doch a) bis in die Puppen geschlafen und b) auch einen Verlust an Wanderlust zu beklagen. Ich beschränkte meine Aktivitäten daher auf Ziele in der Umgebung der DCU. Ca. fünf Busstationen von hier entfernt befindet sich der Botanische Garten, den steuerte ich als erstes an. Auf dem großen Gelände, zu dem der Zutritt frei ist, befinden sich viele schöne Gewächshäuser im viktorianischen Stil, die jeweils ein bestimmtes Thema abdecken: Nutzpflanzen, Kakteen, Kräuter etc. Das größte ist dem Ur- bzw. Regenwald gewidmet, mit Palmen und Stauden von beachtlicher Größe. Da herrscht auch ein Urwaldklima drin vor, bisschen wie eine heruntergeregelte Sauna. In einem Gewächshaus fand ich eine Pachira Aquatica, die mehrere Meter maß. Ich musste ja leider eine von meinen beiden entsorgen, da sie einen Schädlingsbefall hatte, den ich nicht in den Griff bekam.

Außerhalb der Gewächshäuser gibt es themenbezogene Gebiete, so einen sehr schönen Rosengarten oder auch einen See für Wassergewächse. Reiher stolzierten an dessen Ufer herum. Auch sonst viel Fauna vertreten. Hummeln summten, Rotkehlchen zwitscherten, Spinnen sponnen ihr Gespinst. Neben dem See gibt es Bachläufe, die malerisch plätschern. Viele bringen sich eine Decke mit und picknicken oder erholen sich einfach nur. Kann ich verstehen, es ist eine Oase.

Direkt neben dem botanischen Garten liegt die Stadt der Toten. Ein riesiger Friedhof, auf dem auch Prominenz zu finden ist. So jedenfalls eine Info-Tafel am Eingang. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich kaum jemanden davon kenne. Man hat mir erzählt, dass die Zahl der Toten dort die Zahl der lebenden Einwohner Dublins bei weitem übersteigt. Kann hinhauen. Es gibt eine nicht zu übersehende Zahl von Grabsteinen, Mausoleen und Stelen. Von klein-klein hält man hier auch wenig. Wenn der Steinmetz sich von Deinem Auftrag kein Wochenendhäuschen kaufen kann, hast Du gegeizt. So ist das nämlich!

Es gibt natürlich auch Gedenkstätten, z.B. für Revolutionäre. Überragt wird der Friedhof vom O’Connell-Turm. Als ich dort ankam tobte sich da gerade eine Schulklasse aus. Leider wurde dann der Zugang vor meiner Nase abgesperrt. Ich möge mich in das Besucherzentrum begeben. Dort erfuhr ich, dass man den Turm erst kaufen muss, bevor man ihn besteigen kann. Zumindest ließ der Eintrittspreis keinen anderen Schluss zu. Man soll von oben aus einen schönen Blick über Dublin haben. Naja, es war sowieso wieder bedeckt und ich war durch einen heftigen Schauer ohnehin bisserl durchgeweicht (ich hatte den Fehler gemacht, mich auf die Vorhersage zu verlassen und die dünne Jacke angezogen).

Ich setzte mich in einen Bus Richtung Innenstadt, als mich wirklich urplötzlich Unlust überfiel. Ich hatte offenbar den Punkt der Reizüberflutung erreicht. Ich stieg aus und fuhr für ein Schläfchen in meine Bleibe zurück, mit dem Vorsatz, dann später noch einmal in die Stadt zu fahren. Allein, daraus wurde dann nix.

Auf dem Campus guckte ich mir nur noch den Souvenirshop an, aß einen Obstsalat (sic!) aus dem Campus-Supermarkt (übrigens ist der hier deutlich billiger als bei uns) und kaufte mir Paninis mit Huhn für den Abend.

Morgen früh um 11 Uhr irgendwas geht der Flieger, da werde ich nichts großartiges vorher mehr unternehmen. Aber der traditionelle Epilog wird morgen natürlich trotzdem noch geschrieben werden.

Liebe Grüße, Euer gerade etwas erschöpfter

Wenigstens war die Sonne zur Stippvisite da.

P.S.: Wittgenstein hat während seiner Dubliner Zeit oft im Botanischen Garten gesessen. Wollte ich noch erwähnt haben.

Dublin, Tag 6: Howth Cliffs

Ihr Lieben,

heute wird es kurz, aber schön. Nein, nicht dieses „schön“! Natürlich regnete es heute auch wieder viel, aber nicht so oft und nicht so heftig. Einigermaßen ausgeschlafen hatte ich erst einmal ein mehr als ausgedehntes Frühstück. Es gab Rhabarber-Custard, allerdings aus der Milchfabrik. Vielleicht sollte ich mir vor Ende der Saison noch schnell zuhause eins nachkochen.

Was tun? Caolán empfahl gestern einen Spaziergang über die Klippen von Howth, tatsächlich hatte ich mir das in meinem Reiseführer auch markiert. Also brach ich um 10 Uhr gestiefelt und gespornt zu der Dublin vorgelagerten Halbinsel auf. Bis zum Bahnhof Clontarf Road lief alles glatt, als ich dort in den Zug, hier Dart genannt, umstieg, war mir klar, dass es nicht die genialste Idee war, an einem Sonntag in die Sommerfrische fahren zu wollen. Der Zug war brechend voll! Dennoch gelang es mir, Sitzplätze für mich und eine alte Dame zu organisieren. Dazu musste ich nur zwei italienische Teenager anblaffen, Sie müssten sich jetzt nicht auf die Sitzbänke legen. Ich glaube, die Dame war kutz davor, mir einen Antrag zu machen, so strahlte sie mich bis zur Endstation an. Italienische Jugendgangs fallen in Dublin gerade sehr auf. In riesigen Pulks pöbeln sie durch Dublin, immer die Mucke auf Anschlag. Ein Austauschprogramm von Besserungsanstalten? Man weiß es nicht. Und ja, ich war früher ein Engel! 😉

Die 3 Mrd. Menschen im Zug ergossen sich in Howth Terminus auf den Bahnsteig. Fast war ich dran, umzukehren. Aber im Ort verteilten sich die Mengen dann ganz gut. Ich besuchte zuerst ein paar Kitsch-Märkte und erstand beinahe eine sauteure Bienen-Creme für runzlige Hände, da fielen mir die drei Packungen asiatisches Tigerbalm ein, die ich beim Umzug ungeöffnet entsorgt hatte. Dann erlief ich mir ein bisschen den Fischerort, der wirklich ganz schöne Ecken hat. Man muss sich ein paar Sachen halt wegdenken. Am Hafenbecken gab es ein großes Geschrei, als eine Möwe im Sturzflug auf die von einem Kind gehaltene Pizzaschachtel stürzte und mit dem Schnabel ein ganzes Viertel davontrug. Aber nicht nur das Kind und die Eltern schrien, denn sofort stürzten sich Dutzende andere kreischender Möwen auf die Diebin und versuchten, dieser ihren Anteil zu entreißen. Was für ein Spektakel! Vielleicht sehen ja alle Möwen aus, als ob sie Emma hießen, aber es sind ganz schön fiese Tiere. Mir hat in Südafrika an der Waterfront eine kannibalistische Emma einmal ihren entfernten Cousin, ein halbes Hähnchen namens Ernst, vom Teller weggeschnappt.

Wenn man vom Hafen Richtung Osten läuft, kommt man am Balscadden House vorbei, da hat William Butler Yeats 1880 – 1883 gelebt. Mal was für Recherchierwütige: Ich habe mein ganzes Leben immer Jiehts gesagt, unser Tourguide gestern sprach dauernd von Jäits. Hm. Was mag da richtig sein. Im Zweifel ist da ja der Ire der Experte. Allerdings hat er auch erzählt, dass Katharina von Aragon geköpft worden sei, was ja nun nachweislich nicht stimmt (in Köln hat mal jemand hinter mir in der Linie 7 „Isch geh jetzt Uni“ in sein Telefon getrötet; vielleicht ist Bildung auch einfach überbewertet).

Nach ein paar hundert Metern kommt man auf den Howth Cliff Trail. Hier nahm die Bevölkerungsdichte wieder dramatisch zu. Aber Leute: Ist das schön da! Selbst bei diesem Schietwetter! Düster die See, dramatisch die Felsen, schauerlich das Möwengekreisch, geheimnisvoll die Ruinen und gespenstisch die Leuchttürme. Huch, da ist jetzt gerade etwas mit mir durchgegangen. Sorry.

Es lohnt sich, auch mal genauer in die Vegetation zu schauen, so viele Ericaceae und Blümchen. Der Wind war nicht ohne, wenn auch nicht so stark wie gestern an den Cliffs of Maher. Die Wege sind schmal, die Aussichten sind grandios.Hier ein Tipp für Fußkranke oder alte Menschen wie mich: Wenn man im Ort mit einem Bus der Linien 6 oder H3 bis Howth Summit fährt, erspart man sich steile Aufstiege und kann den halben Trail bis in den Hafen abwärts zurücklaufen. Ich wünschte, ich hätte das früher geschrieben, dann hätte ich das beherzigen können. Ganz Verwegene können sich übrigens im Klippenspringen versuchen, wie es die Herren auf Foto 1 unter viel Applaus taten.

Auf halber Höhe unter dem Howth Summit steht die Himmelfahrtskirche – Church of Assumption. Ich platzte da leider gerade in eine Taufe, daher keine Bilder von innen. Drumherum ist es auch ganz nett und nicht so überlaufen, wie im Ort oder auf dem Klippenpfad. Von da aus nahm ich dann den Bus H3 bis in die Stadt hinein. Kurz vor Endstation sah es nett aus und ich verließ den Bus in der Talbot Street. Die erinnert ein bisschen an den Eigelstein, allerdings in etwas bunter. An deren Ende, Ecke Connell, stößt man auf das Dublin Portal, direkt an der Spire-Nadel. Hier wird man per Video auf irgendeines der anderen weltweiten Portale gestreamt und kann der anderen Seite zuwinken. Die winken dann zurück. Finde ich total genial. Und es winken wirklich alle iwie mit. Ein geschichtsträchtiger Ort der irischen Geschichte ist das Hauptpostamt, wo beim Osteraufstand 1916 die irische Republik ausgerufen wurde. Nach 5 Tagen war der Aufstand niedergeschlagen, die Anführer wurden später hingerichtet (für das Gefängnis sind Monate keine Führungen zu bekommen). Dennoch markierten diese Tage einen Wendepunkt, insbesondere, was die Unterstützung der Bevölkerung anging.

Ich war ein bisschen durchgefroren und fußlahm, daher fuhr ich von The Spire aus wieder zur DCU, wo ich mich kurz hinlegte (das Zimmer lädt nicht wirklich zum Verweilen ein), dann Tagebuch schrieb. Jetzt werde ich in der DCU Students Bar einen preiswerten Burger vertilgen.

Morgen soll tatsächlich die Sonne scheinen. Naja, wer’s glaubt. Mal draußen sitzen und ein Pint in der Sonne trinken können, das wäre schon nett. Hofft Ihr mit mir? Liebe Grüße, Euer

„Mr. Joyce, können wir bitte auf Augenhöhe sprechen?“ – „Nein, Sie alberner Wilde-Verehrer, niemals!“

Dublin, Tag 5: Cliffs of Moher und Galway

A fellow from Cologne sought the sun,
Said, "Dublin's wet weather's no fun!"
He reached Galway Bay,
And discovered that day
The rain there was second to none.

Ihr Lieben,

wenn man früh einschlafen soll, klappt es immer dann ausgerechnet nicht, das ist ja altbekannt! Der Wecker war auf 5 Uhr morgens programmiert, ich hatte am Vorabend schon geduscht und alles zurechtgelegt (Miederwaren, Strapse, Karohemd, Pollunder, Fliege, Knickerbockers) und dann ist man einfach nicht bettschwer! So ein Mist! Gegen 1 Uhr machte ich erst die Knöpfe zu. Vier Stunden. Entsprechend gerädert schleppte ich mich unbefrühstückt (!) durch strömenden Regen zur Bushaltestelle. So mitten in der Nacht braucht der Bus tatsächlich nur etwas über eine Viertelstunde bis in die Stadt.

Am vereinbarten Treffpunkt standen dann zwei riesige Busse, in denen die Sitze nach einem komplizierten mathematischen Verfahren vergeben wurden, damit alle Gruppen irgendwie zusammen sitzen konnten. Zwei weitere identische Busse fuhren nach Belfast, was zu zusätzlicher Verwirrung beitrug.

Nach anderthalb Stunden gab es die erste Pinkelpause bei Portlaoise (Aussprache Port-liesch). Im strömenden Regen. Ich war vom morgendlichen Spaziergang noch nicht getrocknet. Da beschloss ich, 5 Minuten vor Ende der Frist, die Fahrt nach Kilkenny für Morgen zu stornieren. I am tired of the rain! Dann lieber in Dublin dumm rumsitzen oder Museum No. 10 besuchen. Und wenn es wider Erwarten doch schön ist, auch gut.

Die Cliffs of Moher, unser erstes Ausflugsziel, sind beeindruckend. Das fanden dann auch 300.000 andere Touristen, die sich wie ein sehr dicker Lindwurm die Klippen hochwanden. Das bei Nieselregen und orkanartigen Böen. Die Regentropfen treffen einen dann wie Nadelstiche. Hier half nur Komplettvermummung und laufen im 45°-Winkel, um sich gegen den Wind zu stemmen. Aber schön ist es da! Als wir ankamen, waren schon Teile des Südtrails gesperrt. Als ich vom Nordtrail zurückkam, wurde auch die Turmplattform aus Sicherheitsgründen gesperrt. Da war ich dann gottseidank schon gewesen. Jedes Jahr sterben an den Cliffs Menschen, die sich überschätzen und die die Absperrungen ignorieren. Wildes Irland, ich flüstere es Euch. Hübsch, wenn auch kurz, ist ein 4D-Filmchen im Visitor’s Centre. Mit Wind- und Regen-Simulation. Hahaha. Ansonsten gibt es noch komplett überlaufene Cafés und einen völlig überteuerten Souvenirshop.

Weiter ging es die Küstenstraße am Atlantik entlang nach Galway. Leider saß ich auf der Landseite des Busses. Aber dennoch war die Fahrt traumhaft schön. Das Meer, Burgen, Cottages, Menhire, Felsformationen, Seen… und Grün, Grün, Grün! Gottes gut gewässerter, grüner Garten, gelle? Aufnahmen aus fahrenden Bussen sind ja nie wirklich ansprechend, aber ich habe mal ein paar „Unterwegs-Aufnahmen“ für Euch (der blaue Himmel dann auf der Heimfahrt):

Teilweise sind die ohnehin sehr engen Straßen durch handaufgeschichtete Steinmauern begrenzt, eine kleine Herausforderung für unseren Busfahrer, eine große Herausforderung für die von Touristen gesteuerten PKWs. Manchmal ging es auch sehr kurvig zu. Empfindliche Leser*innen bitte zum nächsten Absatz springen… so kurvig, dass die Dame vor mir sich übergeben musste. Ohne Beutel oder ähnlichem Hilfsmittel zur Hand. Das war ihr den ganzen Rest der Reise unglaublich peinlich, aber wir beruhigten sie, sie solle sich deswegen keine Sorgen machen. Naja, um ehrlich zu sein, schön war es selbstverständlich auch nicht!

Unser Reiseleiter hieß Caolán, was man Käilahn ausspricht. Sehr netter und attraktiver Mann, Historiker und angehender Archäologe; allerdings redete er sehr schnell, sehr viel und ohne Punkt und Komma. Aber da er Gedichte vortrug, Lieder sang, Witze erzählte (über die er selbst am lautesten lachte), war es abwechslungsreich. Und Wissenswertes erfuhren wir allenthalben. Auf der Rückreise gönnte er allen eine Hörpause, lief aber durch den Bus und unterhielt sich hier und da, von mir wollte er einiges über Deutschland wissen, er war bisher nur in Berlin. Ich habe ihn nach Hamburg geschickt, da macht man ja nie etwas mit falsch.

Waschechter Ire in der hundertsten Generation ist unser Caolàn, sein Urgroßvater war bei den 1916-Aufständen dabei und ist zum Tode verurteilt worden. Wenn Ihr jetzt glaubt, er sei rothaarig und hätte ganz viele Sommersprossen, irrt Ihr Euch aber. Den Klischee-Iren habe ich in 5 Tagen vielleicht dreimal erblickt. Ich denke, man kann sagen, jeder rotbärtige Leprechaun ist Ire, aber nicht jeder Ire ist rotbärtig.

Aber ich habe ja Galway übersprungen: Hier hatten wir, wie auch an den Klippen, 2 Stunden Freizeit. Caolán bot eine kleine Stadtführung an, die ich gerne mitgemacht hätte, aber ich war so vertieft darin, mir den Busstandort auf Google Maps zu markieren, dass ich den Abmarsch verpasst hatte. Blöd. So erkundete ich Galway auf eigene Faust. Ich fand die Kathedrale, die Nikolauskirche, die Shop Street, ich lief am Corib entlang, bestaunte die Galwaygirl-Statue sowie das Doppelmonument von Oscar Wilde und Eduard Vilde, Ruth, jetzt bitte zum nächsten Abschnitt springen…, und kaufte einem Straßenmaler ein paar kleine Bilder ab. Sehr kleine! Ein Kanadier mit deutsch-italienischen Wurzeln in Irland. „Was kostet denn dieses hier?“ – „Ach, gib, was Du willst!“. Ihr wisst, darauf stehe ich ja nun gar nicht. „Äh… soundsoviel für die drei?“ – „Ja prima, dann gebe ich Dir die anderen aus der Serie noch obendrauf.“.

Die oben erwähnte Statuen-Bank von Wilde und Vilde steht exakt so auch in Tartu; auf der saß ich 2019 einmal. Die Replik war ein Geschenk von Lettland an Irland. Ihr müsst jetzt raten, von wann bzw. wo welches Foto ist.

Galway ist insgesamt ein hübsches Städtchen, die Mitreisenden berichteten von exzellentem Essen (dabei haben alle vom Einstieg an ununterbrochen im Bus gefressen, ein internationales Phänomen), ich fand viele nette Lädchen. Außerdem kam ENDLICH mal die Sonne raus.

Die Fahrt zurück nach Dublin verlief ereignislos, es gab einen kurzen Stopp in Kinnegad, wo ich ein Bier kaufen wollte. Das interessante Konzept des Tankstellensupermarktes  war leider, zwar Wein zu verkaufen, aber kein Bier. Hm. Trinkgeldgeber bekamen noch zum Dank eine alte irische Münze (als Glücksbringer) und dann trollten sich alle. Ich war so blöd, mir noch ein kaltes Bier für die Unterkunft zu organisieren, so sah ich drei (!) Bussen zum DCU hinterher und der nächste kam erst 12 Minuten später. Als es soweit war, drängelten sich 1.592 Menschen zu den bereits dort befindlichen hinein und wir fuhren 25 Minuten länger als heute Morgen. Ich hatte KVB-Vives. Lieber Magistrat, liebes Bürgermeisteramt von Dublin! Wie auch immer Ihr Euch nennt: IHRBRAUCHTEINEMETRO!

Caolán fand es schade, dass ich die Kilkenny-Tour beim gleichen Unternehmen abgesagt hatte. Ob ich denn die Natur auch so möge wie er? Ja, natürlich, schmachtete ich zurück. Ja, und jetzt muss ich an einem der nächsten Tag nach Howth oder so ähnlich fahren. Oder einen ganzen Tag im Phönix-Park verbringen. Seine beiden Lieblingsspots bei Dublin.

Ihr Lieben, ich schlafe morgen erstmal lange aus und werde mir keine Pläne zurechtlegen. Wettervorhersagen für hier sind unberechenbar. Ich schlage vor, wir treffen uns nach dem Frühstück und erleben spontan etwas. Okay? Liebe Grüße, Euer inzwischen trockener*

*) regentechnisch

Wie sieht es auf dem Olymp 2026 eigentlich aus? Patrick Loewen hat sich Gedanken gemacht:

P.S.: Ich bin bisserl erschlagen. Rechtschreibkorrekturen bitte per PN. 🙂

P.P.S.: Wir sind heute an Limerick vorbei gefahren. Daher als Einleitung ein kleiner Limerick 🙂

Dublin, Tag 4: Götter, Gräber und Gelehrte

Ihr Lieben,

um halb zehn gestern bin ich weggedämmert, was dazu führte, dass ich um 3 Uhr glockenwach war. Bis etwa 6 dämmerte ich vor mich hin, um dann noch drei Stunden fest zu knacken. Mist, voll verpennt. Egal. Heute hatte ich ein halbwegs irisches Frühstück, mit Würstchen, Rösti und Grilltomate. Das ist schmackhafter und bekömmlicher als gedacht. Die baked beans habe ich aber vorsichtshalber weggelassen. Da gibt es eine Geschichte im Schottlandurlaub zu…

Dann ging es auch schon los. Erster Halt: Marsh’s Library, die seit über 300 Jahren unverändert ehrfurchterregende Gelehrsamkeit ausstrahlt. Mehrere tausend, meist ledergebundene Folianten werden in ursprünglicher Umgebung präsentiert, ausschließlich aus dem 14. bis zum 18. Jahrhundert. Genaugenommen handelt es sich um 4 Sammlungen mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen. Zur Zeit gibt es in diesem kleinen Museum eine Sonderpräsentation anlässlich des 300. Geburtstags von Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“. Swift laufen wir später noch einmal über den Weg.

Ein sehr beruhigender und ruhiger Ort, mit Ausnahme des Empfangsmenschen, ein sympathischer Kerl zwar, der aber seine Stimme derart durch die heiligen Hallen dröhnen lässt, dass sich der Staub selbst von den Büchern putzt. Kuriosum: das Kombiticket mit der St.-Patrick’s Cathedral ist für Senioren teurer, als die zwei Senioren-Einzelzickets. Ja, ich bin mit 60 in Irland privilegiert. Muss ja für was gut sein, diese blöde 6 vorne.

Swift war von 1713 bis zu seinem Tode 1745 Dekan der St. Patrick’s Cathedral, die ich als nächstes stürmte. Die ist unglaublich sehenswert. Die ältesten Teile stammen aus dem späten 12. Jhdt. und es handelt sich um die größte Kirche Irlands, die in einem schönen, kleinen Park gelegen ist. Sehenswert natürlich die Grablege Swifts und seiner Frau Stella, sowie seine Totenmaske und seine bewegliche Kanzel, mit der er sich, der lange Predigten liebte, zu schlafenden Gläubigen rollen ließ, um sie dann mit dröhnender Ansprache wieder zu wecken. Vielleicht ein Vorfahre des Herrn aus der Marsh-Bibliothek!?

Ich empfehle dringend, einen Audioguide (im Eintritt inbegriffen) mitzunehmen, denn sonst verpasst man die Geschichten um die Hand in der Türe, die über den letzten Barden Irlands, über die Familie Boyle, Jeanne d’Arc und ihrem Ritter, den Chor (der zusammen mit dem der Christ Church Händels „Messias“ uraufführte) etc. pp. Das Chorgestühl ist übrigens der Hammer! Wusstet Ihr übrigens, dass der Kölner Dom ab 1. Juli auch 12 Euro Eintritt nehmen wird? Das ist in Köln gerade heiß diskutiertes Thema. Naja, hier sind die 10 Euro auf jeden Fall gut investiert.

An Jonathan Swift habe ich übrigens herumgerubbelt. Wie? WAS? Natürlich ist das jugendfrei, Du zwischenrufender Perversling! Plate rubbing ist ein Inselhobby, dem ich schon bei meinen Schüleraustausch- und Sprachreisen 1979 und 1981 frönen durfte. Man legt(e) gerne ein Blatt Papier auf eine Grabplatte oder ein Relief und reibt dann mit Kohle oder dunkler Kreide darüber, um die Gravuren auf das Papier zu übertragen.

Da ich noch nicht genug Gotteshäuser gesehen hatte, beehrte ich sodann die Christ Church. Hier ebenfalls Eintritt, das „Kombiticket Senior“ zusammen mit Dubliana ist zu empfehlen, da spart man fast 10 Euro. Einem mürrischen Deutschen (mit schriller Deutschland-Mütze) war das alles zu teuer, und als eine Museumsmitarbeiterin ihn bat, sich nicht auf die Stufen zu setzen (ich musste übersetzen), das sei ein Fluchtweg, pampte er sie auf Deutsch an, dass „Sie dann eben nicht so gierig“ sein solle oder mehr Bänke draußen aufstellen müsse. Ich bat ihn, sich zusammenzureissen, da ging er. Gott, wie PEINLICH!!!

Ich hätte übrigens Pate einer Fußbodenkachel, eines Fensters oder eines Gestühls werden können, je nach Spende. Dann wäre mein Name in einer in 100 Jahren wieder zu öffnenden Zeitkapsel mit eingeschlossen worden. Da es aber noch keine Karten im Vorverkauf für dieses Ereignis gab, die ich hätte vererben können, nahm ich Abstand. Und außerdem: die Spendenhöhe! Einfach nur gierig, diese Gierschlunde!!

Zurück zur Kirche: auch diese sehr besuchenswert. Hier ist der Hauptraum weniger interessant als der von St. Patrick (insbesondere die moderne Orgel irritiert), dafür gibt es aber eine Krypta mit Teilen des Kirchenschatzes und der ein oder anderen, überraschenden Sehenswürdigkeit (Herzreliquie des heiligen Laurence O’Toole – eine Räuberpistole inklusive), gepudert mit interessanten Hintergrundinformationen. Bekannt ist von der Christ Church auch die mittelalterliche Version von Tom und Jerry. Die mumifizierten Kadaver hat man in den Orgelpfeifen der alten Orgel gefunden, wo Hello Kittie Speedy Gonzales jagte und beide steckenblieben.

Im Anschluss besuchte ich die Dublinia-Ausstellung. Fraglich ist, ob man die wirklich sehen muss. Es ist eine leicht altbackene Ausstellung über Dublin von der Wikingerzeit über das Mittelalter bis zur Neuzeit (da aber nur der Aspekt Archäologie). Für Kinder bestimmt toll, aber dann ein teures Vergnügen! Im Eintrittspreis enthalten ist der Aufstieg auf die Aussichtsplattform des Turmes St. Martin, so heißt wohl das Gebäude. Aber auch die ist nicht wirklich spektakulär.

In meiner Jugend habe ich Freilichtmuseen besucht, die waren spannender zusammengestellt. Immerhin gab es zwei oder drei Ecken, die etwas informativ Interessantes boten (Umgang mit Krankheiten z.B.). Aber sprechende Pappmachéefiguren, die auf dem Donnerbalken sitzen und nach „mehr Moos“ rufen, sind vielleicht nicht das non plus ultra der Expositionswissenschaften. Ein Einzelticket Erwachsener ab 16 Euro, Familien 2+2 knapp 50 Euro. PUH! Nota bene: Ich bestand das Museumsquiz mit Bravour!

Ihr Lieben, solche Ausflüge sind ja keine Wanderungen, aber mann latscht sich doch den Wolf. So war es mir recht, dass gerade der Sighseeingbus nahte, auf dem ich mich mal sammeln und orientieren wollte. Ich fuhr quasi noch einmal die halbe Tour und merkte dabei, ja, es gibt Station No. 1 und Station No. 31. Aber man hat einfach ein par Nummern in den 20ern übersprungen. Meine Aussage von Vorgestern ist hiermit revidiert! Zuerst erwägte ich, in den Docklands auszusteigen und herumzulaufen, aber – und jetzt muss ich erst einmal etwas Positives loswerden: es war zwar kalt, hat aber bis zum Nachmittag nicht geregnet! – es fing an zu tröpfeln. Die Docklands sind m.E. insbesondere für Liebhaber moderner Architektur interessant, da sind auch spannende Gebäude bei. Mir reichte es im Moment, sie vom Doppeldecker aus sehen zu können. Auch Auswanderermuseen (obwohl dieses preisgekrönt!) habe ich zur Genüge besucht. Und die Bootsfahrten auf dem Liffey waren nicht buchbar und das Auswandererschiff „Jeanie Johnston“ weckte nicht mein Interesse. Warum ich dennoch darüber schreibe: alls das gilt als Pflichtprogramm für Dublin-Besucher und vielleicht setzt Ihr ja andere Prioritäten.

Stattdessen verließ ich am Merrion Square Park den Bus. Dieser ist bekannt für seine vielen Skulpturen, darunter bekannten Persönlichkeiten. *Tröpfel*. Mich interessierte aber besonders die von Oscar Wilde, auf der er sich hinfläzt wie ein Dandy, der er ja war. In Dublin geboren, in England wegen Unzucht zu Zuchthaus mit Zwangsarbeit in Reading bei London verurteilt. Für Dublin-Besucher vielleicht interessant ist, dass es 200 Meter weiter vor dem Kennedy-Pub eine weitere Skulptur von ihm gibt. Ich hätte auch das Oscar-Wilde-Haus besuchen können, aber es war schon spät *niesel*, und ich wollte ja noch in den berühmten „The George“-Pub. Ja, ganz anders als gedacht. Klein, nettere, ältere Herren (wie ich halt) hauptsächlich, Pint 6,80 (also quasi billig), ABBA und Dionne Warwick aus dem Lautsprecher. Ich nehme an, das berühmte George ist die Showbühne nebenan, die aber noch nicht auf hatte.

Ich stiefelte in meinen (inzwischen) Lieblingssupermarkt und fuhr mit dem nur stündlich verkehrenden Bus (manchmal muss man auch Glück haben) direkt auf den Campus, wo ich jetzt belegte Brötchen müffele und französischen Rosé dazu pichele. Die Reise nach Galway werde ich antreten, da ich ja die Stornofrist im wahrsten Sinne des Wortes verpennt habe. Aber die Wetterbesserung macht mir Hoffnung, dass es auch morgen nicht dauernieselt. Hofft bitte mal mit.

Ich könnte übrigens noch viel mehr plappern. Insbesondere über zwischenmenschliche Begegnungen. Wisst Ihr was? Dreiviertel der Buspassagiere sagen beim Aussteigen „Thank you!“ in Richtung Fahrer. Der Audioguide-Verleiher wollte mir unbedingt seine vier Wörter Deutsch präsentieren. Man wird immer, immer gefragt, wie es einem geht. Ich habe letzteres aus Amerika gehört und als Floskel abgetan (bekommen). Aber es gehört zum guten Ton. Es fühlt sich für mich alles viel freundlicher an. Vielleicht kein Wunder, wenn wir an den Kirchenstufen-Rebellen denken.

Also, jetzt schon duschen, wir müssen früh raus, Brötchen schmieren, Wasserflasche einstecken. Morgen geht es in den Westen der Insel. Seid Ihr dabei? Liebe Grüße von Eurem