Köln-Nizza (15): Monaco

Ihr Lieben,

ich verliere mal keine weiteren Worte über meine Unterkunft. Hach, und verliere sie doch. Die Appartements sind ganz offensichtlich beliebt bei jungen Party-People. Was nicht verwundert, ist doch auch auf der Straße viel Party. Ich fürchte, Nizza ist ein Hot-Spot für laute Menschen. Das Frühstück hingegen war ganz nach meinem Geschmack. Naja, ich habe es ja selbst in meiner Kitchenette zubereitet, was soll ich anderes sagen? Ansonsten, Oropax ist ja immer im Gepäck mit dabei.

Ich war schon einmal mit meinen Eltern und meinem älteren Bruder (und mit unserem Dackel Lümmel) in Nizza. Das war zu der Zeit, als ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alles Volk sich zählen lasse. Wir wollten nach Korsika übersetzen und irgendwas war mit der Fähre. Wir landeten in einem grauslichen Hotel in einer finsteren Gegend, das Auto wurde aus dem Fenster heraus die ganze Nacht von uns überwacht, ich hatte mein erstes Croissant in meinem Leben (und fand es eklig), und die Überfahrt, die dann bei Sturm am nächsten Morgen stattfand, tat ein übriges, eine nicht so tolle Erinnerung zu haben. Und nun? Ich hatte es bereits verraten, ich mag Nizza! Und was war ich jetzt gespannt auf Monaco. Für beide Städte hatte ich übrigens, seitdem feststand, dass ich dort hinfahre, mehr als 350 Tipps bekommen, was ich alles sehen müsse. Da kann man schon erahnen, dass auch eine Woche hier rumgebracht werden kann. Ich werde jedenfalls nur einen Bruchteil schaffen.

Die Fahrt von Nizza nach Monaco dauert nur etwas mehr als eine halbe Stunde. Vorher aber muss man eine Stunde am Fahrkartenautomaten anstehen. Ich empfehle, die TER-App am Abend vorher zu bemühen. Der Zug ist, man könnte meinen, die Herbstferien hätten begonnen, brechend voll. Die Bewölkung von gestern störte auch bei Abfahrt noch, aber, ich nehme es vorweg, es klarte oft auf und insgesamt war es ein schöner Tag. Wettertechnisch jedenfalls. Zu den unschönen Seiten kommen wir im Verlaufe des Berichts.

Die Zugstrecke ist wieder ein Traum. Schöne Bergdörfer, viel mehr Meer, Wälder, Zypressen, und – wieder habe ich Tränen in den Augen – pünktlich. Wenn man in Monaco Ville einfährt, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder erwandert man die Stadt von oben nach unten oder von unten nach oben. Ich nahm im Bahnhof die Aufzüge nach Monte-Carlo hoch. Früher standen dort Oliven- und Zitronenbäume. Fürst Charles dachte 1866, dass das da so nett ist, dass er die Erhebung nach sich selbst benannt hat, Karlsberg. Tja, Bescheidenheit kann man nicht kaufen. Zum Casino muss man noch ein ganzes Stück laufen, dabei geht es aber in der Regel moderat abwärts.

Das Casino selbst ist architektonisch nicht uninteressant, aber ansonsten eine Enttäuschung. Die Vorhalle darf man für umme sehen, wenn man aber in das Reich der MI6-Agenten und der Superschurken vordringen möchte, muss man 20 Euro blechen. Und dann läuft man in prunkvolle Säle, die voller elektronischer Spielautomaten stehen. Nur ganz hinten gibt es einen reinen „Tisch-Saal“ für Roulette und Black Jack, wie ich vermute. Whatever happened to class?? Einen James-Bond-Martini hätte man auch trinken können, für 23 Euro. Aber da kein Largo, keine Domino noch Xenia Onatopp zugegen waren, schenkte ich mir diese Erfahrung. Mich hat die ganze Erfahrung geschüttelt, nicht gerührt.

Hinter dem Casino geht es zu einem der Häfen hinunter, da liegen die Ruderboote der Schönen und Reichen. Man geht dann eine Serpentine hoch und steht an der Bushaltestelle, von der Busse nach Monaco Ville, der Altstadt fahren. War ich vom Hochhaus-Monaco und der Casino-Umgebung eher enttäuscht, hat mich die Altstadt vor dem Fürstenpalast begeistert. Es war überraschend wenig los, es gibt viele nette Restaurants, Souvenirshops, Gassen und Plätzchen. Und dann noch den exotischen Garten (Grace-Kelly-Statue!) sowie die prachtvolle Kathedrale. An einem Punkt neben dem Altarraum knubbelte es sich etwas. Wer errät es? Hier findet sich die letzte Ruhestätte der Princessa Gracia Patricia Grimaldi de Monaco. Mein übliches Kerzchen für alle Reisenden zündete ich allerdings in der kleinen Gnadenkapelle am Altstadteingang an, Chapelle de Misericordia. Die Madonna, die dort den Innenraum beherrscht, könnte auch in einem dystopischen Vampirfilm mitspielen, sie wird unheimlich von unten angestrahlt. Schöne Ausblicke hat man übrigens auch von da oben und der Palast wird von einem schmucken Gardisten bewacht, der in einem Pas de Un zwischen den Wachhäuschen hin- und hertänzelt.

Am ozeanografischen, gigantomanischen Museumsbau vorbei hangelte ich mich wieder in die Unterstadt, wo ich in eine Kirmes geriet. Ich hatte das Gefühl, ich hätte das Wesen von Monaco jetzt einigermaßen erfasst und nahm mein Handy heraus, um nach dem Weg zum Bahnhof zu suchen. Schock! „Sie haben das von Ihnen festgelegte Kostenlimit für Datentransfer im Ausland erreicht“, leuchtete es mir entgegen. Ich hatte in nicht einmal 4 Stunden Monaco 60 Euro mehr auf meiner Telefonrechnung! WHAT??? He, raus aus dem Euroraum, Ihr schmierigen Gierhälse! Ausreise nur noch gegen Visa. Also so was!
Ihr Lieben, stellt Euer Handy auf Flugmodus, sonst wird’s teuer.

Am Bahnhof hatte ich Glück, der Zug nach Grasse fuhr gerade ein, als ich ankam. Am Bahnhof Nizza dann die nächste Überraschung: Der Bahnhof war gesperrt, die Reisenden mussten um das Bahnhofsgebäude herum die Gleise verlassen. An einem winzigen Durchgang standen schon hunderte an, um in die Gleisbereiche zu gelangen. Was war passiert? Bombendrohung? Brandräumung? Ein paar Schritte in Richtung Hotel wurde klar, dass das wahrscheinlich einer Demonstration geschuldet war. Am Place Gare Thiers wurde für Palästina demonstriert, am Place Masséna gegen Sozialabbau. Auf der Avenue Jean Médecin vermischte sich das ein bisschen. Ich hatte Bierdurst und setzte mich ins Grand Café de Lyon auf die Terrasse, keine 100 Meter von meinem Zimmer entfernt. Und dann wurde es schnell ungemütlich. Böller wurden geworfen. Das Café räumte Aufsteller rein und schloss die Fensterfronten zur Terrasse. Ob ich bitte zahlen könne. Ich konnte. Demonstranten begannen, Schaufensterscheiben einzuschlagen und Läden zu plündern. Es wurde mir zu tumultig und ich lief über Umwege ins Hotel, wo ich jetzt, während ich dies schreibe, immer noch Gekreische, Sirenen und Böller höre. Demonstrationen für Frieden und Soziale Gerechtigkeit, unter solchen Fahnen darf so etwas nicht passieren.

Ein unschöner Abschluss eines eigentlich ganz netten Tages. Morgen geht mein Flieger erst um 15 Uhr 30, aber ich werde schon um 11 Uhr zum Flughafen aufbrechen, denn spontane Demos könnten wieder den ganzen Verkehr zum Erliegen bringen, und dann käme ich notfalls auch zu Fuß bzw. über Umwege zum Airport.

Ihr Lieben, morgen werde ich mal auf den üblichen Epilog verzichten, ich werde mich nach Ankunft zuhause ins Erkältungsbad und dann ins Bett begeben.

Ich hoffe, unsere kleine Reise hat Euch ein bisschen Freude bereitet und Euch zu neuen Zielen inspiriert. Ich fand es toll, wieder von Euch virtuell begleitet worden zu sein. Wir sehen uns Ende Dezember in Bologna und Umgebung, wenn Ihr mögt. In der Zwischenzeit schnipsele und koche ich aber auch. Bis bald, Euer

P.S.: Eigentlich wollte ich ja unbedingt einen originalen Salade niçoise hier essen, aber draußen werden immer noch Gegenstände geworfen, da nehme ich mit ein bisschen Meeresfrüchtesalat und Kaninchenpastete vorlieb, die ich im Supermarkt ergattert habe.

Köln-Nizza (14): Marseille / Nizza

Ihr Lieben,

gestern kam es, wie auf allen Schiffsreisen üblich, noch zu rührenden Szenen. Kellner und Gäste veranstalten eine Polonaise (ohjeh) und lagen sich dann später in den Armen (das ist ja wiederum nett). Ich hatte viel Glück mit meinem 3/8-Tisch und Lira und Mark als unseren kulinarischen Betreuern. Glück hatte ich zudem, weil ich in der ersten Ausschiffungsgruppe war. Um 9 Uhr mussten alle die Kabine räumen, aber schon 20 Minuten später war ich an Land. In der 11-Uhr-Ausschiffungsgruppe wurde auch schwer gemotzt.

Dass ich so gedankenlos war, mir in Marseille keinen Stopover zu gönnen, erwähnte ich ja bereits. Nunja. Vielleicht unternehme ich im Ruhestand noch einmal eine ausführliche Tour durch die Provence/Cote d’Azur. Jetzt hieß es erst einmal, den Bahnhof zu finden. Im Hafen lagen etwa 10 Kreuzfahrtschiffe, unglaublich. Meins natürlich am Hafenende, so dass ich, ohnehin mit 50°C Fieber und 75 Kilogramm Gepäck, schon völlig derangiert an der Bushaltestelle am Hafeneingang ankam. Mit einem Umstieg an der Metro Joliette war ich dann viel zu früh am Bahnhof. Am Fahrkartenschalter informierte ich mich, ich dürfe mit meinem schon zuhause erworbenen Ticket auch einen früheren Zug nehmen. Und der war auch noch pünktlich.

Immerhin ein Foto aus Marseille.

Es gibt Schlimmeres, als mit dem Zug durch die Provence schaukeln zu müssen. Schöne Landschaften, nette Dörfer, ab und zu ein Blick aufs Meer, alles in goldenes Licht der Sonne getaucht. Schmucke Villen, noble Yachten und hochglanzlackierte Karossen gab es dann insbesondere in Cannes und Antibes zu sehen. Wir fuhren übrigens mitten durch einen Golfplatz, glaubt man’s?

Im Hotel in Nizza wurde ich von netten Gentlemen begrüßt, das Zimmer sei schon fertig, ich könne direkt einziehen. Tja, es nennt sich Studio, ist aber winzig. Und ziemlich abgeranzt. Ich hatte es wegen der idealen Nähe zum Bahnhof gewählt und weil es mit 165 Euro noch preiswert war. Nizza ist ziemlich voll, unsere Gammelbude ausgebucht. Wenigstens ist der Kühlschrank sauber und funktionstüchtig und es gibt eine Art Schreibtisch (man muss aber auf der Bettkante sitzen) und die Kaffeemaschine sieht neu aus. Für zwei Nächte wird es gehen.

Nun also Nizza. Vor meiner Haustür steht quasi die kleine Notre-Dame, ich habe es also nicht weit ins Zentrum. Eine Tageskarte ÖPNV kostet 7 Euro, die habe ich mir dann auch gegönnt, da ich mich körperlich etwas eingeschränkt fühlte. Meine erste Fahrt ging zur Haltestelle Opera/Vielle Ville. Von da aus lief ich am pompösen Opernhaus vorbei zur ellenlangen Promenade des Anglais am nizzaischen Stadtstrand. Oben links erblickte ich einen Wasserfall. Ja, ich war nicht wirklich gut vorbereitet. Kurz das Internet bemüht. Aha, da oben ist der Schlosspark. Und da fährt sogar ein klappriger Aufzug hoch. Habe ich dann mal genutzt, das Ding. Oben hat man fantastische Ausblicke und der Park und der Wasserfall sind auch ganz nett. Allein ein Schloss gibt es nicht mehr, das hat irgendein Louis der Genervte schleifen lassen, weil von dort aus gegen ihn intrigiert wurde. Oben gibt es mehrere Erfrischungsbuden, eine verkaufte „Monaco“ als alkoholisches Getränk. Das ist ein Bier-Limonaden-Mix mit Granatapfelsirup. „Ja, den nehme ich!“ – „Das ist doch nichts für Männer, das ist ein Baby-Getränk. Nimm ein ordentliches Bier!“ – … – „Na, Du musst es wissen!“. War übrigens sehr lecker.

Wieder unten lief ich über den schon abgeräumten, berühmten Blumenmarkt am Cours Saleya. Aber auch ohne Markt ganz zauberhaft. Schöne Häuser, wohin man blickt. Ich lustwandelte durch die viele verwinkelten Gassen, stieß auf den Place Rosetti mit der tollen Kathedrale Sainte-Réparate und aß dort bei Fenocchio ein Eis. Diese Eisdiele soll mehr als 70 Sorten führen. Mein Französisch ist ja ein bisschen eingerostet, aber ich meine, Mottenflügel und Krähenfüße entdeckt zu haben. Ich war so gar nicht experimentierfreudig und traute mich nur an Fleur d’Orange ran. Das war speziell genug. Vielleicht eskaliere ich ja total und genehmige mir morgen ein Lavendeleis, mal sehen.

Weiter ging es durch die Gassen. Klar, es gibt viel Touristenquatsch, jeder 3. Laden verkauft selbstgemachte Seife. Komisch, dass die dennoch alle gleich aussehen. Aber es gibt auch ganz entzückende Geschäfte für meine Hobbys, wie z.B. Wein und Schokolade. Am Place Masséna ließ ich mich dann auf ein Männerbier nieder. Ein teures Männerbier. Aber wenigstens gab es Knabberkram dazu. Und es gab was zu glotzen. Zwischen den markanten, zumeist roten Häusern am Platz stehen die von Jaume Plensa gestalteten Figurenstelen mit dem Titel „Conversation à Nice“, die die 7 Kontinente darstellen sollen. Und darunter Menschen aus aller Herren Länder. So mag ich Kunst.

Ich beschloss, noch zu einer Sehenswürdigkeit zu tingeln, bevor ich mich in meinen Palazzo Putzig zurückbegab. Im Jahr 1865 starb Zarewitsch Nikolai Alexandrowitsch in Nizza an den Folgen einer tuberkulösen Meningitis. Ihm zum Gedenken ließ sein Neffe Nikolaus II später die größte russisch-orthodoxe Kirche außerhalb Russlands bauen. Was auch der Tatsache geschuldet war, dass die russische Gemeinde in Nizza inzwischen unglaublich angewachsen war. Ich war zu spät für eine kostenpflichtige Innenbesichtigung, so warf ich nur einen kurzen Blick ins Innere. Ein paar fromme Sestras schlossen schon alles ab. Als ich das Gelände verlassen wollte, kam eine verhüllte junge Frau durch das Tor, die sich dann erst einmal theatralisch zu Boden warf. Manche Menschen sind schon sehr pathetisch. Der Unterhalt der Kirche wird übrigens vom Kreml finanziert. Ist sie also eine Brutstätte staatlichen Terrorismus‘?

Mit dem Bus ging es zurück zur Notre-Dame, wo ich in einen Monoprix abtauchte. Ach, ich wünsche mir solche Supermärkte in Köln. Mit Fischtheke, 10 Metern Käse, eine Boulangerie, einer Kochtheke undundund. Ich fand den Wein vom Schiff für 8 Euro 50 die Flasche (wir erinnern uns: 13 Euro pro Glas auf der MSC) und erwarb Brot und Fischpastete sowie Kaffee, Milch, Obst und Käse fürs Frühstück.

Ihr Lieben, Nizza ist eine tolle Stadt, das habe ich so nicht erwartet. Hier könnte ich auch mal eine ganze Woche verbringen. Morgen geht es aber erst mal nach Monaco, Vielleicht bekomme ich ja bei Fürstens ein Tässchen Tee. Oder ein Glas Monaco.

Die Bahnfahrt ist kurz, die Tickets nicht teuer, ich würde vorschlagen, Ihr kommt einfach mit. Bis denne, Euer

P.S.: Der Himmel hat sich vorhin bedrohlich zugezogen, aber ich hoffe, das verzieht sich wieder.

Köln-Nizza (13): fünfter Seetag

Ihr Lieben,

heute wird es ein Minibericht. Beginnen wir mit zwei Haikus:

Schiff ohne Ausgang
Endlos die weiten Wasser
Entfernt das Ufer

Trägheit, sie erwacht
Allein sein unter vielen
Gähnende Leere

Ihr merkt an meiner frenetischen Euphorie, wie sehr ich den letzten Seetag feiere. 😜

Aber ich kränkele immer noch ein bisschen, daher ist es jetzt nicht ganz so schlimm, dass nichts passiert. Ich schlafe bzw. döse einfach nur viel. Mittags war ich nur kurz am Buffet, denn so krank, dass ich keinen Appetit habe, kann ich nicht sein.

Heute ist auch Packen angesagt. Man wird recht häufig daran erinnert. „Kommen Sie zur Ausschiffungsinformationsveranstaltung auf Deck 6!“ schallt es aus dem Lautsprecher, unter der Tür geschobene Flyer informieren über das Prozedere, Gepäckanhänger zieren die Türklinke, Push-Nachrichten der Schiffs-App alarmieren einen. Man möchte ausrufen, es sei ja gut, man habe es verstanden! Man drohte sogar, die Minibar um 14 Uhr abzuschließen! Hey, da steht Wein von mir drin! Ist aber nicht passiert.

Um 9:30 Uhr muss ich morgen früh am Sammelpunkt sein, kurz vor 12 fährt mein Zug nach Nizza. Ich war ja so blöd, keine Zeit für Marseille einzuplanen. Aber die Urlaubstage sind ja auch endlich.

Ihr Lieben, morgen dann französisches Savoir-vivre? Ich würde mich über Eure weitere Begleitung freuen! Euer

Gestern Abend gab es Zitronenrisotto. Dass ich da noch nicht selbst mal drauf gekommen bin, es schmeckte fantastisch!

Köln-Nizza (12): Malaga

Ihr Lieben,

was ist ein Urlaub ohne Krankheit? Ihr wisst ja, ohne geht bei mir nicht. Ich wachte in der Nacht mit Hals- und Kopfschmerzen auf und hatte auch Schnupfen und leichte Temperatur. Heißa! Ich spielte Pillenparade und legte mich wieder hin. Drei Stunden später waren zumindest die Schmerzen weg. Soweit wieder hergestellt lief ich, nach einem kleinen Frühstück, vom Anleger aus, am Leuchtturm und dem Centre Pompidou vorbei, bis zur unteren Burg Málagas, der Alcazaba. Neinneinnein, kein Fieberwahn, das Pompidou gibt es hier in winzig auch. Genau wie ein Museum Thyssen-Bornemisza, die Colección del Museu Ruso und andere bekannte Ableger.

Die Alcazaba hinauf fährt ein Aufzug, der Eingang dazu befindet sich hinter dem pompösen Rathaus. Später sah ich, dass man andernorts auch hätte hochkraxeln können, aber glaubt mir, man läuft sich auch mit Aufzug in Málaga die Füße platt. Ich war noch nie auf bzw. in der Alhambra, man vergleicht das hier ein bisschen. Möglicherweise ist das aber ein wenig übertrieben. Es ist nett. Vergebens suchte ich dann nach einem Weg von dort auf die obere Burg. Die Kolonnen von Fußgängern, die sich hinaufächzten, konnte man aber von unten aus sehen. Ich befragte das Internet, das schlug vor, ich solle doch mit dem Bus Nr. 35 hoch fahren. Das tat ich dann. Dumme Idee, ganz dumme Idee! Der fährt nämlich nur einmal die Stunde, also wartet man ewig, und ist dann auch noch brechend voll. Mit Touristen. Sehr zur Freude übrigens der Einheimischen!

Oben ist es toll. Die Burganlage ist riesig und die Mauern gut erhalten bzw. restauriert. Es gibt eine kleine Rüstkammer, ein Kapellchen und eine Bar. Oh, eine Bar, wie nett, ein Tischchen mit Blick über die Burg und die Stadt aufs Meer war frei. So gönnte ich mir einen Tinto de Verano, das ist ein Rotwein mit Eis, Zitrone und Limonade. Quasi das Radler der spanischen Winzer. Ich mag das sehr gerne. Gibt es spanienweit und auch auf Kuba. Nach einem Rundgang über die Stadtmauer ging es dann den Fußweg zurück ins historische Zentrum. Der ist einigermaßen steil, vielleicht war die Busfahrt doch eine gute Idee. Aber man hat per pedes natürlich die besseren Ausblicke, über die Stierkampfarena, die Stadt und natürlich immer das Meer. Wunderbar!

Unten kommt man an besagtem Alternativzugang zur Alcazaba heraus, wo sich direkt um die Ecke das Forum Romanum befindet. Wenn man dieses rechts liegen lässt, stößt man auf den Merced-Platz, wo ich die Markthallen stürmte, die natürlich leer und ausgestorben waren. Außerdem merkte ich erst auf dem Schiff, dass ich wieder in den falschen Markthallen war, ich wollte eigentlich in die von Ataranzas. Naja, immerhin war direkt um die Ecke das Geburtshaus von Picasso. Der übrigens mit vollem Namen Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz y Picasso hieß. Ein Visitenkartendesaster ist da doch vorprogrammiert! Ich habe das kleine Museum darin jetzt aber nicht besucht. Ich nehme es vorweg: Ich war in gar keinem Museum, in keiner Kirche, in keiner Sehenswürdigkeit innen drin, dafür ist ein halber Tag Málaga einfach zu kurz.

Ich lief durch die Altstadtstraßen am Picassomuseum vorbei zur Kathedrale. Die wird hier „La Manquita“ genannt, weil ihr seit einem Baustopp im 18. Jahrhundert der zweite geplante Turm fehlt, der ist nur rudimentär hochgezogen worden. Warum seitdem nichts passiert ist? Na, wahrscheinlich hat man Kölner mit der Fertigstellung beauftragt. Auf jeden Fall ist dieses Ding riesig; der Ehre Gottes ist auch ohne zweiten Turm Genüge getan.

Es ging weiter ins Künstlerviertel Soho, wo ich mir Galerien, Kunst im öffentlichen Raum, Murals und dergleichen versprach. Nun, die Ausbeute war dünn. Ich befragte die KI, die mich aber noch mehr in die Irre führte. Mit viel Mühe und Not fand ich drei bekannte Wandmalereien berühmter Künstler und lief mir dabei eine Blase.

Gottseidank gab es auch viele Cervecerías hier. Ich ließ mich auf zwei Tanques nieder. Kleiner Sprachkurs zu den verschiedenen Bierglasgrößen in Spanien gefällig? Oh nein, dazu fehlt uns die Zeit. Ein Tanque ist aber in etwa eine Jarra, die ja quasi etwas mehr als das Doppelte einer Caña ist. Dazwischen liegt dann die Copa, das kleine Flaschenbier ist dann ein Tercio. Und so weiter und so fort. Am Nachbartisch ein halbnackter, alter Alpenländler, der in breitestem Dialekt telefonierte und dauernd fette Geldsummen herausposaunte und sich dabei beifallheischend umsah. Es gibt schon merkwürdige Hobbys.

Ihr merkt schon, es gibt viele leckere Rosinen in Málaga (nein, nicht der Nackedei natürlich). Wie im gleichnamigen Eis, das hier in der Stadt vom Turrónier Prudente Dimas Mira zu Beginn der 70er Jahre erfunden wurde. Das Lokal Mira gibt es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Natürlich musste ich da auch mal hin. Ich war gezwungen, gleich zwei Kugeln Eis zu bestellen, denn auf jeden Fall musste ja Málaga dabei sein und natürlich auch Nougat, denn das ist der Ursprung des Turróns. Was soll ich sagen? War ganz lecker, der Laden aber unspektakulär und das Eis teuer. Zwei Kugeln in einem Hörnchen 7 Euro 10.

Die Calle Marqués de Larios, wo sich die Eisdiele befindet, ist Málagas Prachteinkaufsstraße, von der aus ich eisschleckend in die ein oder andere Nebenstraße schaute. Dabei hinterließ ich eine Kleckerspur sondergleichen, denn es waren 25°C und das Eis schmolz wie Eis… äh… nun… in der Sonne. Ich war seit sechs Stunden unterwegs und die Blase protestierte unangemessen laut. Also, die am Fuß. Ich musste zum Schiff zurück. Das dauerte dann auch noch einmal eine halbe Stunde.

Alles in allem ist Málaga natürlich ein Traum-Kreuzfahrer-Ziel: Der Hafen direkt an der malerischen Stadt mit dieser Kulisse! Mit den ganzen Yachten, den mondänen Läden und den Promenaden und Palmen. Aber es ist auch für Kulturbeflissene ein Träumchen. Denkt an die ganzen Museen und Kirchen. Ich habe beschlossen, dass ich auf jeden Fall noch einmal nach Andalusien kommen werde, auch um andere Orte zu besuchen, aber vor allem, um hier drei oder vier Tage zu verbringen. Nebenbei schmeckt’s hier nämlich auch sehr gut. Andalusien hat viel zum Ruhm der spanischen Küche beigetragen.

Morgen ist wieder Seetag. Diesmal bin ich aber nicht unfroh, möchte ich doch den Krankheitsanflug komplett niederringen und zudem meinen geschundenen Ballettfüßchen – wer hat da Weinstampfer gerufen? So eine Frechheit! – eine Auszeit gönnen. Ja, und dann sind wir schon in Marseille, wo ich früh morgens über die Reling geworfen werde und zusehen muss, wie ich nach Nizza komme.

Ihr Lieben, ich hoffe, der Ausflug hat Euch Spaß gemacht und wir treffen uns morgen zu einem nur kleinen Bericht und dann in Frankreich zu weiteren Schandtaten. Bis dahin alles Liebe, Euer

P.S.: Ich habe ja ganz vergessen, über die Straße von Gibraltar zu schreiben! Also, es war dunkel, man konnte die Ufer erahnen, es war windig und es hätte mich beinahe von Bord geweht. Aber es war ein tolles Erlebnis! Erstaunlicherweise ist nur eine Handvoll Passagiere auf den Oberdecks gewesen.

Ich habe ein schönes Video dazu gedreht. Leider lädt das Bordinternet es nicht in meinen Blog hoch. Ich liefere es in Köln vielleicht nach.

Köln-Nizza (11): vierter Seetag

Ihr Lieben,

ich deutete es gestern schon an, die Seetage fangen an, furchtbar langweilig zu werden. Da würde ein schönes Bordprogramm ja helfen. Hier ist da leider tote Hose. Klar, es wird immer und überall gesungen, aber auch das erschöpft sich irgendwann. Drei ältere Herrschaften luden mich ein, an einem Brettspielmarathon teilzunehmen, aber ich hatte plötzlich die Vision eines Scrabble-Spiels mit „Schwanzhund“-Diskussionen.

So verging mein Tag dann auch völlig unspektakulär. Morgens einen Kaffee auf die Kabine geholt, danach bisserl gedöst. Mittags gegessen, danach etwas gedöst. Kaffee und Kuchen zu mir genommen, danach… ich sehe schon, Ihr erkennt das Muster wahrscheinlich. Hier ist eine Nichtraucher-Balkonkabine wahrlich ein Geschenk des Himmels. Mit einem Getränk in der Hand auf dem Balkon, das hat wenigstens etwas meditatives. Zumal die angekündigte raue See ausblieb, wir haben nur ein wenig geschaukelt.

Hugo Spritz für mich wiederentdeckt. 🙂

Heute Nacht passieren wir die Straße von Gibraltar. Das müsste ich eigentlich schaffen, so lange wach zu bleiben. Denn bekanntlich habe ich ja sehr viel gedöst. Und das wird dann neben der erneuten Zeitumstellung das Highlight des Tages sein.

Sonnenuntergänge hat man hier auch wie gemalt.

Es gab keine Prügeleien, keine kulinarischen Highlights, noch nicht einmal ein Sachma!!. Die heutige Abendshow wird von einem Cocktailmixer bestritten, der mit Gläsern und Shakern um sich werfen wird. Vielleicht kann man dabei ja ein wenig dösen.

Morgen Málaga auf eigene Faust, da freue ich mich schon, das soll ja ganz hübsch sein. Einen groben Plan habe ich mir auch schon erarbeitet. Mal sehen, in welchem Zustand ich oben auf dem Gibralfaro ankomme, ist recht steil.

Ihr Lieben, morgen gibt es dann wieder einen Bericht mit etwas mehr Elan. Bis dahin döse ich noch ein bisschen. Liebe Grüße, Euer

P.S.: In der Nacht wurde ich von Gekreische wach. Ich sofort auf den Balkon. Ein riesiger Schwarm Möwen begleitete das Schiff. Hitchcock-Vibes! Leider ist das Video nicht wirklich gelungen.

Köln-Nizza (10): Leixões/Porto

Ihr Lieben,

gestern hatte ich einen weiteren Sachma!-Moment. Man hatte schon wieder die Drinks anderer Passagiere auf mein Konto gebucht. Einhergehend die peinliche Situation, dass alle in Hörweite mitbekamen, ich hätte genug getrunken, ich alter Säufer. Ich schreibe da jetzt über die Stunde vertane Lebenszeit mit Gesprächen an der Rezeption nichts weiter. Von den Entschuldigungen der Rezeptionistin und des Barchefs kann ich mir auch diesmal nichts kaufen. Rätselhaft bleibt die Entscheidung, dass der Gast nicht sehen kann, was seinem Konto im einzelnen belastet wird, aber 7 verschiedene Getränke in einer Stunde schaffe selbst ich nicht. Das Resümee ist, dass man mit MSC einfach nicht verreisen sollte.

Heute also Portugal. Der größte künstliche Hafen des Landes, Leixões, liegt ein kleines Stück von Porto entfernt. Heute konnte mir das egal sein, da ich einen Ausflug ins Landesinnere gebucht hatte, da wird man ja quasi vom Schiff in den Bus getragen. Zudem war ich schon einmal in Porto und bin im August 2027 wieder dort, um eine Flussfahrt über den Douro anzutreten.

Der Ausflug ging nach Guimarães, der ersten Hauptstadt des neuen Königreichs Portugal. Graf Afonso Henriques von Portugal erklärte dort die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Leon. Quasi vom Großvater, was auch zu mächtig Zoff mit seiner Mutter, Teresa de Leão, führte. 1179 legitimierte Alexander III die Souveränität in einer päpstlichen Bulle. Und vor 25 Jahren legitimierte die UNESCO den Status als Weltkulturerbe. Ja, hörens! Da muss man doch mal gewesen sein!

Wir fuhren um 8.30 Uhr los und gerieten erst einmal in einen mächtigen Stau. Zudem fuhren wir vom sonnigen Hafen in dichten Nebel. Nach anderthalb Stunden kamen wir in der Waschküche Guimarães an. Teile des Palastes der Herzöge von Bragança können besichtigt werden, was wir taten. Beschützt wird die Burg von einer Statue König Afonsos, deren Schwert schon mehrmals entwendet wurde.

Nach der Palastbesichtigung kam dann Gottseidank die Sonne durch. Wir dackelten unserem Guide bis zum Largo da Oliveira hinterher. Auf dem Weg bekamen wir die ein oder andere Info über Gebäude, Monumente und die Geschichte der Stadt. U.a. die, dass Guimarães von Mumadona Díaz gegründet wurde, was portugiesische Kinder wohl zum Kichern bringt, da der Name anzüglich gedeutet werden kann. Schulhof-Humor halt. Interessant auch mehrere Kreuzwegkapellen, Passos da Paixão genannt, in mehr oder weniger gutem Erhaltungszustand. Das nicht mehr ganz so Neue Rathaus war einmal ein Nonnenkloster, wir durften ausnahmsweise hinein und den schönen Kreuzgang besichtigen. Auf dem Platz des Olivenbaumes (der erste soll aus Jerusalem gestammt haben) bekamen wir dann sage und schreibe 17 Minuten Freizeit. Die Stauzeit wurde nicht berücksichtigt, was mehr als schade war, da 7 Minuten schon mit Anstehen an den öffentlichen Sanitäranlagen draufgingen. So hastete ich in 10 Minuten einmal um den Block.

Also, die Stadt ist nett, ich hätte gerne mehr gesehen. Mich u.a. in einem Laden mit merkwürdigen Abendmahlszenen aus Keramik umgeschaut oder ein Käffchen auf einem der hübschen Plätze genippt. Auch sind wir an einer Tasca, einem der wenigen noch existierenden Weinschänken aus vorigen Zeiten, vorbeigekommen, da hätte ich mich vielleicht auch hingesetzt. Aber auf jeden Fall ist die Vorfreude auf die Douro-Fahrt nächstes Jahr sehr groß, da werden wir ähnliche, geschichtsträchtige Orte sehen.

Nach dem Mittagessen habe ich dann eigentlich nur noch rumgegammelt. Im Restaurant war kaum etwas los, so habe ich viel mit dem ein oder anderen Kellner geplaudert. Und wieder in drei neuen Sprachen „Danke“ gelernt. Spannend wurde es um 18 Uhr. Abfahrt. Eigentlich. Aber es fehlten Passagiere. Die kamen Viertel nach im Laufschritt unter Applaus der Mitreisenden auf den Balkonen angepest. Manche Kapitäne hätten da schon abgelegt… Abends besuchte ich die kurze Show eines Illusionisten. Ich saß ganz an der Seite und so offenbarten sich ein paar Tricks.

Morgen wieder Seetag. Ich gebe zu, die nerven ab einer bestimmten Anzahl. Ob ich doch in den Tanzclub der einsamen Herzen gehen soll?

Also, Ihr Lieben, spätestens in Málaga wird es dann wieder interessant.

Liebe Grüße, Euer

Diese verwirrende Ansage ergibt tatsächlich Sinn. Aber hat mich auch einen Moment des Nachdenken gekostet.
Das Kreuzfahrtterminal in Leixões sieht auch ein bisschen wie ein Mini-Guggenheim aus, gelle?

Köln-Nizza (9): dritter Seetag

Ihr Lieben,

da wird einem ein Besuch in Wäscherei und Küche geschenkt und was macht der Gerry? Er verpennt. Ich finde aber auch Verabredungen um 8 Uhr früh ziemlich gedankenlos. Ich wachte halb 10 das erste Mal auf, draußen regnete es Bindfäden. Ich glotzte auf dem Bett liegend ungelogen fast eine Stunde auf das graublaue Szenario vor meinem Balkon. Das war sehr entspannend, „des reflets changeant sous la pluie“ singt Charles Trenet zutreffend in seinem Chanson „La Mer“.

Heute passierte tagsüber naturgemäß nicht rasend viel. Ich aß heute ausnahmsweise mal Pizza im Sahara-Restaurant, die wurde von Mitreisenden in höchsten Tönen gelobt. War ganz okay. Dann erlief ich die Decks 5 bis 7, wo die Unterhaltungsindustrie angesiedelt ist. Es gibt ein Casino, eine Shopping Mall, das Theater wird zum Kino umfunktioniert. Neben den Bars und Restaurants komplettieren Fotostudio, Reisebüro und Rezeption das Angebot.

Im Casino darf geraucht werden, entsprechend stickig ist es dort. Die Decks 12 bis 16 haben auch öffentliche Bereiche, hier residieren Buffet, Sport und Spa sowie die Poollandschaften samt Bars. Auch die Schönen und Reichen residieren dort. Es gibt nämlich Bereiche, da kümmert sich ein Butler-Service um die Gäste. Fotos erspare ich Euch, zu viele Nackedeis. Also am Pool, nicht im Yacht Club. Obwohl, wer weiß.

Wir hatten vor Jahren zu mehreren schon einmal eine sehr schöne Villa in Südafrika gebucht, da war auch ein Butler dabei (was wir nicht wussten). Das war irgendwie unangenehm, er wollte sogar unsere Wäsche waschen, was wir aber unpassend fanden. Er hingegen fand es unpassend, dass wir ihn baten, sich zum Frühstück zu uns zu gesellen. Man muss in solche Situationen wohl hineingewachsen sein. Lustigerweise hieß er auch Gerald.

Für den Abend hatte ich einen Tisch im Spezialitätenrestaurant „Butcher’s Cut“ reserviert, dem schiffseigenen Steakhouse. Dafür muss man dann blechen, aber der Menüpreis ist einigermaßen zivil. Und es war wirklich hervorragend. Nur den Käsekuchen bekomme ich selbst deutlich besser hin.

Am Nachbartisch saß ein deutschsprachiges Paar, die eine nicht zu überhörende politische Diskussion führten. Leutz, ich bin für ein Verbot von Politik beim Essen. Das verdirbt doch das Ambiente. Sie schwiegen sich auch ab einem Punkt böse funkelnd gegenseitig an. Ich war froh, dass deren Tischzeit dann vorbei war und das Nachfolgerpaar eine Sprache sprach, die ich nicht verstand. Klang wie finnisch.

Ihr Lieben, das soll es für heute gewesen sein, habt einen schönen Abend und schlaft lecker. Morgen fahren wir nach Guimarães; Ihr kommt doch mit, oder?

Liebe Grüße, Euer

Köln-Nizza (8): Bilbao

Bills Ballhaus in Bilbao
war das schönste auf dem ganzen Kontinent.
Dort gab’s für einen Dollar Krach und Wonne,
und was die Welt ihr Eigen nennt.

Ihr Lieben,

Bills Ballhaus ist ein Fantasieprodukt Bertolt Brechts für das Singspiel Happy End, das er gemeinsam mit Elisabeth Hauptmann und Kurt Weill schuf. Ich fand aber an der Plaza Berria, das ist quasi die Plaza Mayor von Bilbao, eine Cafe Bar Bilbao. Kommt dem ja immerhin schon nahe.

Bilbao heißt auf baskisch übrigens Bilbo. Möglicherweise hatte Tolkien die Inspiration für den Namen des weltbekannten Hobbits hierher. Jener hatte ja beschwerliche Reisen auf sich nehmen müssen, was mich mehr als elegant zur Biskaya-Durchfahrt überleiten lässt. Die Nacht war wunderbar, niemand ist aus dem Bett gefallen, alle Flügel standen noch an ihrem Platz, kein Passagier ging über Bord. Entweder ist der Golf besser als sein Ruf oder aber er war sehr gnädig zu uns.

Das Kreuzfahrtterminal Bilbaos liegt ziemlich weit außerhalb der Stadt. Ich musste erst einmal 30 Minuten bis zu einer Metro-Station laufen und dann noch 16 Stationen in die Stadt fahren. Dort stieg ich an der Haltestelle Zazpikaleak aus, was wahrscheinlich Altstadt bedeutet. Die baskische Sprache mutet noch bayrischer an als die katalanische. Ich lief zu einem Platz, den ich fälschlicherweise für die Plaza Nueva hielt, daher verirrte ich mich kurz auf der Suche nach der Kathedrale, bzw. ich hielt eine völlig andere Kirche dafür. Ich startete von vorne und begab mich leise, über Google Maps schimpfend, zum Mercado de la Ribeira.

Ihr Lieben, das wird heute ein Tag der Superlative, schnallt Euch an. Der Erriberako Merkatua ist die mit 10.000 Quadratmetern größte überdachte Markthalle Europas. Behauptet das Internet und das irrt ja nie. Also, es gibt vielleicht kaum größere, aber es gibt definitiv schönere. Zwar ist die Halle im Art Deco-Stil erbaut, aber innendrin leider charmelos. Aber es gibt viiiiele leckere Sachen; wahrscheinlich habe ich noch auf keiner Reise erwähnt, wie sehr ich auf Markthallen stehe.

Ich drehte erneut eine Runde durch die Siete Calles, die sieben Straßen, die den Ursprung des Altstadtviertels bilden und fand die Kathedrale. Die Altstadt ist wirklich sehr hübsch und im Gegensatz zum fast ausgestorbenen Brest auch proppevoll. Allerdings hatten wir auch superschönes Wetter. Die Läden ähneln denen in anderen spanischen Städten, ich verkniff mir, in einem süßen Torrón-Laden wieder 10 Kilo Liebesersatzstoff zu kaufen und erstand auch nur einen (sic!) Kühlschrankmagneten. Auch bunten Socken und lustigen T-Shirts widerstand ich.

Ich hatte zuhause schon ein Ticket für das Guggenheim-Museum gebucht, Einlasszeit 14 Uhr. Ich schicke es vorweg, das hätte ich nicht gemusst, die Kassenschlange war nicht existent, aber ich bin ja, was Einlass-Stopp bei Sehenswürdigkeiten angeht, ein gebranntes Kind. Draußen tummelten sich tausende Menschen, aber denen waren 18 Euro Eintritt vielleicht zu teuer. Abrupter Themenwechsel: Nutzt Ihr KI? Ich mache das zuweilen und fragte sie, was ich denn unbedingt IM Museum sehen müsse. Da gebe es nichts besonderes, das Museum selbst sei der Hit, wurde mir erklärt. Und die Figuren DRAUSSEN. Die Riesenspinne von Louise Bourgeois und der Blumenhund von Jeff Koons. Was soll ich sagen: Die KI ist dumm!

Als Sonderausstellung gab es innen eine – nunja – interessante Klanginstallation von Steve McQueen (Wild is the Wind) und eine große Werkschau von Jasper Johns. Den muss man ja auch mögen. Wirklich spannend finde ich den selten. Aber dann die Sammlung… Basquiat, Baselitz, Kiefer, Twombly, Rothko, Koons… Nichts besonderes? Naja, schenkt mir halt eins von denen.

Natürlich ist die Architektur überwältigend. Außen mehr als innen. Aber definitiv ein Meisterwerk von Frank Gehry. Die Lage am Fluss und die malerische Umgebung tun ein übriges dazu. Ich fotografierte von der Pedro-Arrupe-Brücke, von der Puente de la Salve, von der Zubizuri Zubia aus. Meine Begeisterung ließ mich dann leider über einen herausragenden Kopfstein stolpern und ich legte mich mit 300 km/h hin. Sofort war ich umzingelt von einem Dutzend Leuten von einer Kaffeeterrasse, die mich wieder auf die Beine zerren wollten. Das war zwar sehr nett, in meinem Zustand der Verwirrung und des Schreckens aber nur bedingt hilfreich. Ich glaube der Schrecken war das schlimmste, obwohl meine Schulter gerade entsetzlich schmerzt. Lustig fand ich dann, dass alle Umstehenden den herausragenden Stein beschimpften. Sah zumindest so aus.

Zubizuri Zubia? Nein, das ist nicht den Folgen des Sturzes geschuldet. Das ist baskisch für die vom Stararchitekten Santiago Calatrava entworfene Fußgängerbrücke. Etwas östlich davon befindet sich die Standseilbahn, die auf den Monte Artxanda hinauffährt. Leutz, das war ein Drama. Es gibt, außer der Sperre, an der man sein Ticket scannen soll, keine wie immer geartete Zutrittskontrolle. Ein Gedränge und Geschubse, wie wenn weiland beim C&A im Winterschlussverkauf die Palomino-Parkas für die Hälfte über den Ladentisch gingen. Oben kann man sich dann aber mit dem bekannten Bilbao-Schriftzug selfizifieren. Jaja, das Wort gibt es, steht ja da. Und ich habe es versäumt. Ich bin vielleicht blöd.

Wieder unten, machte ich mich auf den Weg zum Schiff. Allerdings mit einem Zwischenstopp an der ältesten Schwebefähre der Welt. Sachma, hat der Gerry schon wieder sein Getränkepaket ausgereizt? Was soll das denn sein? Haha, Ihr Lieben, das ist eine Fähre, die an Seilen hängend über eine Tragekonstruktion den Fluss quert. Und die ist von 1893. In Köln diskutiert man ja über Tunnel oder Brücken. Da es weltweit keine 10 in Betrieb befindlichen Schwebefähren gibt, wäre das ja auch eine Option! Eine Touristenattroption.

Man kann die Konstruktion mit einem Aufzug hochfahren und dann zu Fuß auf die andere Seite laufen, das kostet schlappe 11 Euro, oder als Fußgänger mit der Fähre knapp über der Wasseroberfläche hinüberschweben, das kostet pro Strecke zur Zeit 60 Eurocent. Wenn das mal nicht ein auch für Familien erschwingliches Urlaubsabenteuer ist! Ich mag so was ja sehr. Also, verkehrstechnische Spielereien. Es gibt übrigens in der Stadt einen grässlichen Betonklotz, der mittels Aufzug die Unter- mit der Oberstadt verband (wie der Elevador de Santa Justa in Lissabon), aber der ist wegen irgendwelcher Rechtsstreits außer Betrieb. Sonst wäre ich natürlich auch mit dem gefahren.

Meine geschundenen Füße hatten inzwischen jeweils die Größe Lapplands angenommen, so war ich froh, dass es nur ein paar Hundert Meter von der Puente de Vizcaya, so heißt das Meisterwerk der Ingenieurskunst, einen Shuttlebus zum Hafen gab. Am Schiff angekommen, stürmte ich die erste Bar und trank die Biervorräte leer. Aber was für ein schöner Tag wieder!

Ich hoffe, unser kleiner Spaziergang durch Bilbao hat Euch genau so viel Spaß bereitet wie mir. Morgen können wir dann wieder bei einem Seetag ausruhen.

Bis denne, alles Liebe, Euer

Die Salbeko Zubia hat einen Aufzug, da hat sich eine Nachwuchs-Louise verewigt. 😁

Köln-Nizza (7): Brest

Ihr Lieben,

meine Familie und ich waren oft in der Bretagne. In Orten mit so verheißungsvollen Namen wie Questembert oder an der Presqu’île de Gavre haben wir Ferienhäuser gemietet und die Gegend erkundet, waren auf Musikfestivals, haben für zwei Francs Baguettes gekauft, Creperien leergefressen und fast mit Maden durchzogenen Käse gekaut. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir haben Rennes, Vannes, Concarneau, Quimper und und und besucht. Meines Wissens waren wir aber nie in Brest.

Lange wollte ich mal wieder in diese gastfreundliche und wunderschöne Ecke Frankreichs, wo ich nach einer 5 in Französisch von meinen Eltern gezwungen wurde, mit den Bauern in die Obstbäume zu klettern, um Kirschen zu ernten. Die Nachprüfung bestand ich sehr zum Ärger meiner verhassten Französischlehrerin mit einer 2. C’était très drôle.

Ich schrieb es, ich musste früh aufstehen, da ich um 8 Uhr im Zentrum sein wollte, um ausreichend Zeit für meine Pläne zu haben. 14.30 Uhr ist „Alle-an-Bord“-Zeit. Ein großer Nachteil bei Kreuzfahrten sind die oft schrägen Liegezeiten. Ein Nachtleben zu erkunden, z.B., ist selten möglich. Also, nicht, dass ich scharf darauf wäre. Aber man muss eben manchmal früh raus oder hat nur wenig Land-Zeit.

Der Hafen von Brest darf nicht selbst durchschritten werden, es ist ein immer noch aktiver Industriehafen mit ausreichend Verletzungspotenzial. Das Gute dabei ist, dass die Reederei bzw. die Hafenbehörde kostenlose Shuttle-Busse stellen muss, sonst käme man ja gar nicht vom Schiff weg. Und es waren auch ausreichend Busse vorhanden, so dass uns unschöne Prügelszenen erspart blieben.

Ntürlich war der Himmel grau und es regnete. Bei Elke und mir hat sich seit einiger Zeit eingeschlichen, dass wir bei Reisezielen mit schlechtem Wetter herumalbern, dass wir dann ja auch in die Bretagne hätten fahren können.

Brest ist im Krieg weitgehend zerstört worden. An altertümlichen Resten stehen noch die Zitadelle, ein Wehrturm und es existiert eine winzige Kopfsteinpflasterstraße aus vorigen Zeiten. Wir wurden am Jardin Kennedy aus dem Bus geworfen, von wo aus ich als erstes zur Téléphérique schlenderte, eine kurze Seilbahn, mit der man über den Fluss Penfeld gondelt. Es gab ein großes Getümmel am Ticketautomaten, der gemeine Kreuzfahrer (Crucero officinalis) war mit der Technik überfordert. Dabei gab es einen Kreditkartenleser. An den wollte ich, musste mich dafür aber durchdrängeln. Gott, was gab das einen Aufstand! Bis die Meute begriff, was da geschah, ab dann rannten sie alle hinterher. Die Fahrt war unspektakulär, da alle Scheiben beschlagen und die Gondel rappelsvoll war. Interessant ist, dass die beiden Gondeln nicht an Seilen nebeneinander fahren, sondern übereinander.

Am anderen Ende der Seilbahn warten die Ateliers des Capucins auf Besucher. Dringend! Es war nämlich absolut nichts los, die Geschäfte und Ateliers größtenteils geschlossen. Es handelt sich um eine ehemalige Maschinenhalle, vorher Militärarsenal, vorher Kapuzinerkloster. Riesig und modern, aufwändig saniert. Aber tot wie sonst was.

Wenn man hinter den Hallen ein paar Treppen hinunterläuft, wird man mehrere Jahrhunderte zurück katapultiert. Die Rue de St.-Malo hat das Bombardement einigermaßen überstanden. Sie ist kurz, aber man bekommt eine Ahnung, wie die Stadt einmal gewesen ist. Sehr schön auch der etwas versteckte Garten des Raymond Novion, benannt nach dem Tapissier, Maler und späteren Direktor der École des Beaux-Arts in Brest, der sich sehr für den Erhalt der St.-Malo-Straße eingesetzt hat, die öfters von Abriss oder Umgestaltung bedroht war. Das war mein persönliches Highlight in Brest.

Weiter ging es zum Jardin des Explorateurs, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die Festung gehabt hätte, wenn es nicht so diesig gewesen wäre. Der Park ist französischen Entdeckungsreisenden gewidmet, zeigt exotische Pflanzen und hält einige Informationstafeln bereit. Nicht uninteressant. Einen Katzensprung davon entfernt stößt man auf den Tour Tanguy, einem Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert, der heute ein stadtgeschichtliches Museum mit Dioramen beherbergt. Leider vormittags geschlossen.

Die monströse Brücke über die Penfeld ist eine sogenannte Hubbrücke. Sie hat schon eine schwindelerregende Höhe, kann aber für Schiffe mit hohen Aufbauten noch weiter angehoben werden. Wenn man sie überquert, gelangt man an die Festung. Diese wird u.a. als Maritim-Museum genutzt. Es nieselte immer noch und ich war durchfeuchtet, ich sparte mir einen Besuch. Stattdessen lief ich die Rue de Siam hinauf, enterte den traditionsreichen Laden „La Trinitaine“ und kaufte ihn leer. Ich liebe bretonische Kekse und ich liebe Blechdosen. Da erwies sich der Laden als fatal!

Bepackt wie ein Esel lief ich zur Shuttlebusstation und fuhr zurück zum Schiff. Ich kam sogar noch rechtzeitig für ein Mittagessen. Leider. Denn an meinem Tisch saßen nörgelnde Deutsche, die den Spagat schafften, sich gegenseitig ihre Segelboote zu zeigen und darüber zu jammern, dass ihnen alles weggenommen werde. Und zwar von – Achtung! – „Obdachlosen, Schwulen, Linken“. Auch sonst wurde viel Unsinn geplappert („es gibt Schlimmeres, als dass der Russe kommt“). Ich outete mich und verließ mit der Anmerkung den Tisch, ich wolle nicht, dass jemand Angst haben müsse, ich klaue ihm oder ihr heimlich die Juwelen oder Brieftaschen.

Ich nahm Kaffee in der Hauptbar und schrieb gerade ein bisschen, als meine abendliche Tischgesellschaft zum Plausch vorbeikam. Über kurz oder lang läuft man sich halt immer über den Weg. Sie fanden Brest nicht so umwerfend. Und ich muss ihnen leider beipflichten. Nette Ecken, aber insgesamt sehr trostlos. Ein trauriges Denkmal der Künstler Véronique Millour und Philippe Meffroy erinnert an die Zerstörung und den hastigen Wiederaufbau. Es trägt den Namen „Ceux d’avant“, die von Früher.

Rue La Pérouse… Ceux d’avant le chaos. Ceux du rendez-vous d’amour, de travail ou de jeu. Passant, souviens-toi d’eux.

Ich nahm mir noch eine Limo mit auf die Kabine und wollte mich dort ein Stündchen hinlegen. Inzwischen war das Schiff in der Biskaya. Und ja, da ist ganz schön was los, wir wurden derart durchgeschüttelt, dass ich davon schnell wieder wach wurde.

Für heute lasse ich Euch mal in Ruhe, es stehen ja nur noch eine Varieté-Show und ein Abendessen an. Sollte es dort zu unerwarteten Ereignissen kommen, werde ich morgen davon berichten. Ich glaube, jetzt es ist Zeit für eine Gewerkschaftsbrause.

Liebe Grüße vom wackeligen Schiff, Euer

P.S.: Chlepfmoscht ist auch ein schöner schweizerischer Begriff. Wenn man das zu Schampus sagt, kann es sein, dass der Gastgeber sich erregt.

Köln-Nizza (6): zweiter Seetag

Ihr Lieben,

diese an Sachma!s nicht gerade arme Reise wird heute um ein weiteres ergänzt. Nach Veröffentlichung meines Tagebuchs trank ich gestern noch einen Rosé in einer Bar. Als ich danach einen doppelten Rosé für die Kabine mitnehmen wollte, erhielt ich vom Kellner die Auskunft, ich hätte mein Limit erreicht, ich könne nur einen einfachen Rosé bekommen. Verdattert nahm ich das erst einmal hin. Auf dem Zimmer googelte ich, Premium Getränkepaket heiße maximal 15 alkoholische Getränke, ansonsten ohne Limit. Tja, ich hatte aber keine 15 Alkoholika.

Ich zur Rezeption. „Nee, Sie haben noch fünf Drinks frei.“ Man ging mit mir zu einer Bar. „Nein, der Gentleman hat noch alle 15 Getränke frei.“ Was ist das für eine Reederei? Wo ich denn einsehen könne, was man mir alles belaste. Ich könne das nicht, aber ich könne jederzeit jeden Kellner fragen. Ich resümiere: An drei verschiedenen Punkten wurden mir drei verschiedene Auskünfte über meinen Kontostand erteilt. Und ich müsse „doch nur einfach fragen“? SACHMA!!

Zur Auflockerung ein Lotsenboot aus Rotterdam

Heute ist wieder Seetag, das Programm ist erneut ohne Highlights. Vor allem: es wiederholt sich. Puzzeln mit Inge, Tanzen mit Pablo, Spanisch mit Jesús. Und möchte ich heute wieder Jonglage und Handschattenspiele sehen? Ich gebe Euch einen Tipp: Nein. Nein, das möchte ich nicht.

Ich schlief lange und nahm das erste Mal Frühstück im Buffet-Restaurant ein. Mache ich dann auch nicht noch einmal. Was für ein Gewusel. Zwei Kaffeekannen für geschätzt 500 Gäste. Und man muss sich ja quasi alles an verschiedenen Ecken zusammensuchen – Eier, Brot, Obst, Kaffee, jedes Mal mit einer Schlange – und dann in einem unchoreografierten Pas de Mille zum Tisch spedieren.

Die Rezeption ließ mich per kleinem Brief unter der Tür wissen, man möchte mit mir sprechen. Die Schreiberin war aber nicht mehr im Dienst und so wurde von einem anderen Rezeptionisten gemutmaßt, was man mit mir besprechen wolle. Ich erwähnte die diversen Vorkommnisse. Ja, bei der Überschwemmung wäre viel los gewesen, in Ausflugsfragen sei man ja nicht involviert und „Ich kann sehen, Sie hatten heute erst einen Drink!“. What? Ja klar, zum Frühstück nehme ich immer gerne einen Cocktail. Ich hatte genau ein Wasser bis dahin.

Ich organisierte mir eine Limo und begab mich auf den Balkon. Dort glotzte ich die englische Küste an, las mich in die Sehenswürdigkeiten Brests ein und machte mich über das Guggenheim-Museum schlau.

Wenn Ihr genau hinseht, erkennt Ihr winkende Briten.

Hunger hatte ich zwar keinen, aber es galt, Zeit totzuschlagen, daher ging ich trotzdem zum Mittagessen, wo ich ein paar frittierte Meeresfrüchte knabberte. Diesmal mit einem betagten Schweizer Ehepaar und einem jungen, polnischen Pärchen. Beide Paare ausnehmend sympathisch. Wir hatten eine sehr angeregte Unterhaltung.

Wieder auf dem Zimmer fand ich einen Brief des Ausflugsteams vor. Man bedaure, dass man meine Ausflugsplanung durcheinander gebracht habe. Ich möge doch bitte auf Einladung an einer anderen, wenn auch kleineren Schiffstour teilnehmen. Das fand ich dann irgendwie ganz nett.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Handydaddelei auf der Kabine, mein Brest-Rundgang ist auch fertig geplant. Und ich weiß, dass ich im Museum anderes zu erwarten habe, als gedacht.

Zur Auflockerung ein Lotsenboot aus Warnemünde

Als Vorabendprogramm hörte ich mir in einer der kleineren Bars Easy Listening-Musik an. Songs zum Mitsummen. Mag ich. Das Abendessen war wegen zweier Missverständnisse unglaublich reichhaltig, da ich zwei Vorspeisen und zwei Desserts bekam. Wie bitte? Unverschämtheit! Ich sagte doch, es war ein Missverständnis!

So, jetzt langweile ich Euch nur noch mit ein paar Food-Fotos. Ja, alles von heute. 🫣

Morgen landen wir um 7 Uhr an und fahren um 15 Uhr schon weiter, da muss ich früh raus. Habt einen schönen Abend, bis morgen! Euer

P.S.: Die Bullaugen in den Restaurants auf den unteren Decks sind konvex gewölbt. So entsteht der Eindruck, das Meer sei gebirgig.