Tag 5: Reiseschlussverkauf

Ihr Lieben. ♥

Fünf Tage sind rumgegangen wie nix. Aber es waren fünf sehr spannende und schöne Tage.

Heute früh habe ich mich lange mit einem Mutter-Sohn-Gespann unterhalten, das gestern ankam. Die bleiben etwas länger und wollen auch mal nach Essaouira und ins Atlasgebirge fahren. Könnte ich mir auch gut vorstellen.

Bevor ich mein Zimmer um 12 Uhr räumen musste, führte mich mein erster Spaziergang wieder in die Souks, da ich eventuelle Souvenirs noch verstauen wollte. Ich kaufe aber nur etwas grünen Tee mit Minze.

Der Einmachglas-Souk

Nach dem Packen schlug ich mich Richtung Süden zum Badi-Palast durch. Dabei kam ich an einer Art Fotoschrein des Königshauses vorbei. Man verehrt die Familie sehr.

Der Badi-Palast hat sich gelohnt. Eine sehr schöne Ruine, auf deren Mauern Dutzende Störche hausen, ein paar Gelasse mit kleinen Exponaten aus Kalligraphie und Kartographie sowie eine Minbar aus dem 12. Jahrhundert. Minbar, nicht Minibar, wie die Autokorrektur gerade meinte. Das ist ein Art Predigerthron.


Am Place des Ferblentiers kam ich dann doch noch zu meinem Thé royale, diesmal aber zum Preis von 30 Euro pro Kilogramm statt der 200 von vorgestern. Ich erstand 300 Gramm. Auch Sandelholz erwarb ich noch günstig.

Auf meinem Weg zurück wurde ich in einem Vierpersonentheaterstück Ensemblemitglied. Schauspieler 1 erzählte mir von der einmaligen Gelegenheit, echten Berbern bei ihrer Handarbeit auf dem nur heute stattfindenden Berbermarkt zuzuschauen. Er hielt den ihm scheinbar unbekannten Schauspieler 2 auf. „Bring meinen Freund mal Richtung Berbermarkt, aber ohne Geld, verstanden?“. Der brachte mich dann tief in mir unbekannte Souks fast ohne Touristen und lieferte mich beim Berberchef xy (Acteur No. 3) ab, der in einer Gerberei residierte. Dort hätte ich gegen Gebühr Fotos machen dürfen. Habe ich dann nicht und dann ging es auch schon nur noch um Geld. Ob ich denn jetzt gar nichts zahlen würde? Was das denn solle? Ich sagte, absolut nicht, da ich mich geneppt fühle und drehte um.

Immerhin habe ich so mal eine Gerberei gesehen. Stinkt ganz schön. Und wenn von Anfang an einer gesagt hätte, komm, gib mir 5 Euro, dann führe ich Dich rum… okay. Aber so ist das doof. Liebe ehrliche Marrakeschis, wenn Ihr angepflaumt werdet, obwohl Ihr nur freundlich sein wollt, dann liegt das an diesen… Schelmen.

Jetzt sitze ich im Riad im Innenhof, warte auf den Transfer und dann war es das auch schon wieder.

Es war eine tolle Reise, das Riad war sehr gut, das Essen echt lecker und die Marokkaner sind in der Regel sehr hilfsbereite und sympathische Menschen. Schade, dass das keinem auf der Stirn geschrieben steht.

Aber es ist definitiv ein Wiederherkommort. Was macht ihr denn z. B. alle so an meinem 55. Geburtstag 2021? 😉

Im September würde ich mich über Eure virtuelle Begleitung während meiner Autofahrt durchs Baltikum freuen. Bis dahin allen alles Liebe und Gute.

Euer Gerald

Tag 4: Rechtsmaurisch und linksmaurisch

Bon soir, mes amis!

Also, das ist hier ein bisschen wie in Köln. Es gibt einen quasi linksrheinischen und einen quasi rechtsrheinischen Teil von Marrakesch. Im rechtsmaurischen Teil wohne ich und war hauptsächlich auch bisher dort unterwegs. Links von der Mauer befindet sich Gueliz, die Neustadt. Da wollte ich jetzt mal genauer hinschauen. Um es vorweg zu nehmen: Wie in Köln ist der rechtsseitige Teil natürlich viel interessanter und schöner!

Aber von Beginn an. Der Temperatursturz ist eingetreten. 22 Grad beim Frühstück!!! Da habe ich mir vor lauter Frost erst einmal ein Spiegelei bestellt. Und Obst gegessen wegen der Vitamine. Hoffentlich hilft das gegen die drohenden Begleiterscheinungen des nahenden Winters.

Mal so gaaaanz andere Souks!

Nach dem Frühstück machte ich mich auf in die südwestlich des Djemma el Fna gelegenen Souks. Die sehen wieder einen Tacken anders aus als die anderen. Wobei die Auswahl an Waren sich wiederum kaum unterscheidet. Ein paar sehr herausgeputzte Riads gibt es da. Ich umrundete die Koutoubia-Moschee und lief dann die Avenue Mohammed V entlang. Ganz zu Anfang liegt der sogenannte Cyber-Park. Ohne Eintritt und unspektakulär, aber sehr schön! Sponsored by Maroc Telecom. Viele der Gewächse sind beschrieben und alles ist gärtnerisch sehr nett gestaltet.

Der Cyber-Park könnte wegen des Namens den ein oder anderen Science-Fiction-Fan enttäuschen.

Weiter ging es die Avenue entlang, über den Platz der Freiheit und den Platz des 16. November, bis ich in den links gelegenen Nebenstraßen auf das Museum MACMA, Musée d’art et de culture de Marrakech, stieß. Der Name des Museums ist ein ganz kleines bisschen irreführend, da es hauptsächlich um Fotografien von ca. 1850 bis in die 1970er Jahre geht. Alles ist thematisch gut aufbereitet, die Ausstellung sehr ansprechend gestaltet. Vor allem die Porträts sind allein einen Besuch wert. Obwohl ein Kommentator bei Google hierzu von „Geiselnahme der Portraitierten in ekelhaftester Weise“ fabuliert. Gibt schon interessante Auffassungen.

Lohnt! Das 70-Dirham-MACMA.

Mein nächster Abstecher ging in das Carré Eden Einkaufszentrum. Alles da, was wir hier sonst schwer vermissen würden: H&M, Zara, Carrefour-Supermarkt uswusf. Die Preise scheinen mir hier seeeehr zivil zu sein. Wenn man drinnen ist, erinnert aber nix mehr an 1001 Nacht. Könnte so auch in Ennepetal stehen, nur dass ein Carrefour dort natürlich exotisch wirken würde. Im Carrefour kaufte ich mir eine Orangina und wurde aufgeklärt, ich könne mir umsonst noch eine zweite holen. Da haste aber mal jemand durch die Gänge flitzen sehen. Ich hatte nämlich Megadurst!!! Nicht dass mir da noch einer Sparfüchsigkeit unterstellt. Die Kassiererin hatte auf jeden Fall Spaß.

Auf dem Rückweg zur Medina besuchte ich das Ensemble Artisanal Marrakech, ein Gebäudekomplex, in dem ein paar Dutzend Kunsthandwerker und Kooperativen ihre Läden haben. Keiner bedrängt einen und an allem klebt ein Preisschild! Ich hatte Tränen der Freude in den Augen!! Aber es ging auf das Freitagsgebet zu, so schloss ein Laden nach dem anderen und die Besitzer und Angestellten strömten zur Moschee. Ich strömte einfach mal mit und setzte mich vor der Koutoubia-Moschee auf eine Bank, lauschte dem Muezzin und sah der Bevölkerung beim Strömen zu.

Kunsthandwerk zum Festpreis.

Als der Muezzin geendet hatte, lief ich weiter zum Djemma el Fna. Dort wurde die Freitagspredigt per Lautsprecher übertragen und die Budenbesitzer versammelten sich semiprovisorisch auf dem Platz und verrichten ihre Riten. Daher waren viele Stände verwaist. Ich nahm bei einem scheinbar gottlosen oder mit einer Ausnahmegenehmigung versehenen Saftverkäufer einen überteuerten Drink zu mir (die Mehrkosten wurden durch meinen Wunsch nach Ingwer im Drink gerechtfertigt) und schaute dem Spektakel zu.

Dann tauchte ich wieder in die Souks ein und besuchte erneut die Dachterrasse des Café Árabe. Diesmal gab’s zum Bier ca. 2 kg Oliven und scheinbar selbstgestrickte Grissinistangen. Sehr lecker.

Souk des teinturiers

Apropos selbstgestrickt: Nach der Erfrischung stolperte ich ohne Absicht in den Färber- und Wollsouk. Der hatte also quasi nun mich gefunden! Dort erstand ich dann einen Schal in einem Laden, der noch einen steinernen Färberbottich hatte. Dort habe ich für meinen nächsten Besuch noch eine Haartönung frei, sollte ich in den Bottich steigen wollen. Ein paar Läden weiter kaufte ich eine paar Holzschnitzereien und bekam dann in meiner Gegenwart einen Glücksbringer hergestellt. Alles mit der „Fuß-Black&Decker“.

Mein Glücksbringer wird hergestellt.

Ich guckte noch bei einem Concept-Store namens Max & Jan vorbei, aber die wirklich netten Sachen, die die hatten, waren mir ein Jota zu teuer. Daher zog es mich erst einmal wieder in mein Riad, das jetzt komplett ausgebucht zu sein scheint. Hier boxt der Papst. Aber ist ja auch nett hier. Gegen die Hellhörigkeit mussten allerdings gestern Nacht die Bilsom 3000 in die Lauscher. So heißen meine favorisierten Oropax. 😁

Eigentlich wollte ich im Riad zu Abend essen, aber das hätte ich spätestens beim Frühstück ankündigen müssen. Leider vergessen. Daher begab ich mich vor Sonnenuntergang zum Café de France, das viele für eine Touristenfalle halten. Man hat halt einen guten Blick über den Djemma el Fna und kann prima Sonnenuntergangsfotos schießen. Dass man sich hier mit Service etc. keine große Mühe macht, liegt aber auch vielleicht daran, dass um jeden Tisch vier Personen sitzen, die mit 4 Strohhalmen aus einer Piccoloflasche Wasser nippen.

Als die Rufe der Muezzins den Sonnenuntergang verkündeten, steckte sich einer der Kellner sofort eine Fluppe in den Mund, an der er, begleitet von hektischen Blicken auf seine Armbanduhr, schon geraume Zeit herumnestelte.

Die Tajine mit Rind und Feige, die ich hatte, war übrigens mehr als genießbar.

Den Unterschied zwischen Tanjia und Tajine erläutere ich in meinem demnächst erscheinenden Buch zu diesem Thema.

Der Rest des Abends gehört nun der Dachterrasse des Riad Karmela.

A demain. 😘

Euer Gerald

P.S.: Im Salon Jiad wird schlechten Frisuren der Krieg erklärt.

P.P.S.: Und das hätte ich in Marokko auch irgendwie nicht vermutet…

Tag 3: Irrungen und Wirrungen

Marhaba, Ihr Lieben!

Heute bin ich wieder durch die Stadt geirrt, Leuteleuteleute. Das war nicht mehr feierlich. Diesmal haben alle Apps versagt.

Aber gehen wir chronologisch vor: Der Temperatursturz setzte heute früh schon ein, es waren um acht Uhr nurmehr 28 Grad. Ich beschloss, im Laufe des Tages den Wollmarkt zu besuchen, um mich auf die Eiszeit vorzubereiten. Ich kürze hier aber einmal ab: Ich habe ihn nicht gefunden. 🙁
Zumindest erspart mir das jetzt den Online-Strickkurs.

Nach dem Frühstück brach ich erstmal ziellos in eine andere Richtung als gestern auf. Ich lief am Gemüsemarkt vorbei zur Medersa Ben Yousseff, der ehemaligen und auch wegen ihrer Architektur berühmten Koranschule. Zwar stand schon im Reiseführer, dass diese wegen Renovierung geschlossen ist, aber ich dachte, man sieht von außen etwas. Pustekuchen. Da beschloss ich, mal ohne Plan und Navi rumzulaufen.

Die zuene Medersa

Ich kam in immer untouristischere Gebiete, schlich durch Gassen an vielen geschlossenen Läden vorbei, an Schulen, Werkstätten und kleinen Moscheen und landete schließlich auf einer Art Wochenmarkt. Das sieht ein bisschen anderes aus als bei uns. Und es wird alles betatscht und es wird gefeilscht. Ich habe mir vorgestellt, wie meine Poller Marktfrau reagieren würde, wenn ich zuerst jede einzelne ihrer Kartoffeln quetschen würde, um ihr dann zu erklären, die seien zu teuer. 🙂 Auch Ziegenköpfe oder -füße werden wohlfeil gehalten. Auch wurde an einem Stand ein lebendiges Huhn gewogen und dann vor den Augen der Käuferin geschlachtet. Aber das hat ja was ehrliches. Da weiß man, was man isst und wo es herkommt.

Zwei Gemüsehändler spielten zwischen ihren Ständen auf einer behelfsmäßig bemalten Pappe Dame. Spieler 1 mit Karottenscheibchen, Spieler 2 mit Lauchstückchen.

Mit dieser kleinen Tour waren schon wieder zwei Stunden rum. Ich bemühte mich zurück zum Riad und trank dort – denn das muss man angeblich in Marrakesch einmal gemacht haben – einen thé à la menthe. Der hat nun so gar nichts mit unserem Pfefferminztee zu tun. Und ist gezuckert ohne Ende und schmeckt köstlich. Man muss nur aufpassen, dass man sich an der Metallkanne nicht die Pfoten verbrüht, die kommt nämlich direkt von der Herdplatte. Dazu gab es ein bisschen schmackhaftes Gebäck.

Vom Riad aus wollte ich zum Jardin Majorelle, einem Garten, den ein französischer Künstler um 1920 anlegen ließ, der aber im Laufe der Jahre verfiel (der Garten, nicht der Künstler… wobei… ) und von Yves Saint-Laurent und seinem Partner Pierre Bergé ab den 80er-Jahren wieder in Schuss gesetzt wurde. Der Weg dorthin war – gelinde gesagt – eine Katastrophe. Ich verließ mich nämlich auf die Vielzahl meiner Apps. Anstatt mit Umweg drei gerade Straßen entlang zu gehen, empfahlen mir alle eine Art Zick-Zack-Kurs, was dazu führte, dass ich mich hoffnungslos verirrte. Geh mal nach links, wenn Du in einer Sackgasse aus lauter Wänden stehst…. Statt der veranschlagten 30 Minuten brauchte ich anderthalb Stunden bis zum Garten.

Nun. Der Garten ist bestimmt sehr schön. Man bekam zumindest eine Ahnung, was für eine Oase er sein könnte. Leider war er hoffnungslos überlaufen. Und das bei den üblichen 70 Dirham Eintritt. Üblich, weil bisher alles 70 Dirham gekostet hatte. Nur fand ich es hier nicht angebracht. Ich war nach 15 Minuten wieder draußen, weil selbst im Café kein Platz war, man ständig aufgefordert wurde, mal aus dem Bild zu gehen, weil Schatzi vor dem Baum fotografiert werden sollte, wahlweise auch vor dem Teich oder dem Kaktus. Enervierend. Und es ist touristisch nicht besonders voll zur Zeit hier. Da mag man sich gar nicht vorstellen, was los ist, wenn die Stadt gut besucht ist.

Dieses Kobaltblau wird auch Majorelleblau genannt.
Lassen Sie mich durch, ich bin Tourist!

Ich ließ mich dann in der Nähe auf einer Terrasse nieder, um eine Citron pressé zu trinken. Hui. Das war sauer. Machte aber lustig. Hihi. Ich begab mich auf den Weg zu den sieben Heiligen, einer Turmkonstellation am Busbahnhof. Leider traf ich vorher auf den zahnlosen Youssuf. Der sprach sehr gut deutsch und wollte mich unbedingt den Rest des Tages begleiten. Er könne mich in eine Moschee bringen, dann dorthin oder wahlweise auch dahin. Er klebte an mir wie eine Klette. Aber ich war leider schon sehr erschöpft und wollte in meinem Tempo meine Wege gehen. Nix zu machen, alle dezenten Hinweise und später auch die weniger dezenten Hinweise versandeten ungehört. Auf einmal bekam ich einen Rippenkrampf. Das passiert mir ab und zu mal. Da quieke ich und verrenke mich dann ein bisschen, da die wirklich unangenehm sind. Das half dann. „Ohjeh, Du bist krank, dann will ich mal nicht stören…“. Das mache ich jetzt immer.

Die sieben Heiligen.

Mein Weg führte mich zurück Richtung Souks, wo ich die Dachterrasse des Café Árabe aufsuchte. Hier bekommt man nämlich kaltes Bier, wie ich heute früh beim Frühstück herausfand. Und das auch noch mit einer wirklich tollen Aussicht.

Der Kellner baute sich, nachdem ich mein Bier hatte, breitbeinig vor mir auf und fragte mich mit angriffslustigem Ton, wie ich im Ramadan direkt vor ihm Bier trinken könne, das sei eine Unverschämtheit. Ich erwiderte, er könne sich ja umdrehen, dann täte ich es hinter seinem Rücken. Wir haben beide sehr gelacht und sind jetzt ziemlich beste Freunde. Ein wundervoller Ort.

Die Dachterrasse des Café Àrabe. Das Restaurant ist riesig.

Bevor ich zum Riad zurückkehrte, besuchte ich noch das auf dem Weg liegende Musée de Marrakech. In den Google-Bewertungen wird die Qualität dieses Ausstellungsortes sehr kontrovers diskutiert, von Hasspostings bis Nobelpreisforderungen ist alles vertreten. Nunja. Ein bisschen Fotografie, ein bisschen Keramik, ein bisschen Gebrauchskunst, ein bisschen Weberei, ein bisschen moderne Kunst und das Atelier eines Künstlers, der vor Ort seine Bilder verkauft. Alles irgendwie ein bisschen lieblos und unstrukturiert. Und der eigentlich ganz sehenswerte Palast, in dem alles untergekommen ist, ist seit seiner Renovierung vor 20 Jahren schon wieder ein bisschen verfallen. Die Lobeshymnen kommen offensichtlich von Verwandten der Kuratorin.

Und nun sitze ich wieder im Patio des Riads und beobachtete gerade das Eintreffen einer enorm großen Reisegruppe aus zehn jungen Frauen und einem jungen Mann, der der Reiseleiter zu sein scheint. Eine Dame hat das Zimmer direkt am Patio im Erdgeschoss und scheint nicht glücklich damit zu sein. Ich werde das weiter beobachten.

— W E R B U N G — (gleich geht’s weiter)

Djemaa el Fna, die Trockenfruchtabteilung

Nach einer kurzen Unterbrechung jetzt der Rest des Tages in Kurzform. Ich lief kurz vor Sonnenuntergang zur Koutoubiya-Moschee, weil ich dachte, dass sich da zum Fastenbrechen etwas spektakuläres tut. Naja. Da war aber irgendwie nix. Der Muezzin war auch kurz angebunden und dann ging schon der Lärm auf dem großen Platz los. Ich streunte ein bisschen rum, versprach den Ständen 1, 5, 97 und 114 auf jeden Fall bei ihnen zu essen, stritt mich mit einem Straßenhändler, der für ein Plastikteil 10 Euro haben wollte und entschloss mich dann, im L’Adresse zu essen, auf der Terrasse mit Blick auf den Platz. Es gab die Fastenbrechersuppe Harira mit einem Berg von Datteln sowie eine Tanjia Marrakchia, 24 Stunden im Ofen gegartes, butterzartes, aber recht fettiges Lamm mit Zitrone.

Tanjia Marrakchia

Von den Datteln muss man übrigens eine ungerade Zahl essen, denn dann ist das Energie. Eine gerade Zahl bedeutet einfach nur Zucker. Auf meine Frage, wie sich das mit Brotscheiben verhielte, wurde erwidert, da gelte so ein Unsinn natürlich nicht.

Und ich habe Berberaffendresseure gesehen und Schlangenbeschwörer und Geschichtenerzähler und Musikanten. Aber weniger als am Dienstagabend, aber da war ich ja noch viel später da. Die Tierdresseure haben es nicht mehr so leicht wie früher, es hat sich herumgesprochen, dass es den Tieren nicht allzu gut geht und viele Touristen gehen diesen Attraktionen aus dem Weg.

Und gestern noch? Nein, kein Gang mehr zum Djemaa el Fna. Die Beine waren Pudding. Dafür aber mit meinem Roman auf der Dachterrasse gesessen, hinter mir Beschallung durch arabische Schnulzen mit arabischem Rap im Wechsel. CD-Dauer 20 Minuten und auf Endlosschleife gestellt. Plötzlich unmenschliches Gekreische. Unmenschlich? Ja, unmenschlich! Weil es von Katzen kam. Drei waren beteiligt. Ich weiß nicht, ob es um Liebe oder Geld ging, aber solche Laute hatte ich bis gestern noch nicht vernommen. Und das Katzen sooo laut schreien können, ahnte ich bis dato auch noch nicht.

Wenn Ihr mögt, ich wäre dann morgen Abend wieder hier. 😉

Euer Gerald

P.S.: Die unglückliche Dame zieht gerade (Nachtrag: erster Teil des Berichtes) ins andere Riad gegenüber.

P.P.S.: Wenn Ihr mal zu viel Mumpitz übrig haben solltet, dann macht doch einfach einen Humbuger draus!

P.P.P.S: Breaking News!

Immer mehr Marrakechis – auch verschleierte – solidarisieren sich mit den Marrakech Ultras

Tag 2: 1001 mal 1001 Schritte

Salam aleikum, meine Lieben!

Mein Tag startete bei 29 Grad Celsius um 8 Uhr mit einem Frühstück auf der Dachterrasse. Es war alles da, was ich mir wünschte, es gab Kaffee, Milch, frische Früchte, Käse und ein vielleicht marrokanisch zubereitetes Rührei, dessen zweite Hauptzutat ein aromatisches Tomatenpüree war. Ganz lecker. Vor allem der Orangensaft war die Wucht.

Nach dem Frühstück zog ich dann bewaffnet mit diversen Stadtplänen und unter Einsatz mehrerer Apps auf dem Handy los zu meinem Stadtspaziergang. Komoot hatte einen empfohlen, war aber nicht besonders routensicher, so dass ich mich ab und zu dann doch lieber auf die Papierversionen verließ. Mein erster Weg führte vom Riad aus westwärts in die Souks. Dort ließ ich mich treiben. Es war früh, es ist Ramadan, es war fast ausgestorben, jedenfalls im Vergleich zum Trubel gestern Abend.

Auch einige Geschäfte waren noch geschlossen, aber ich sah Ledermacher, Metallbearbeiter, Schuster, Kräuter- und Gewürzhändler und dergleichen mehr. Man wird hier von Geschäftsleuten in der Regel (!) noch einigermaßen dezent bedrängt, da habe ich in den Souks von Hammamet oder Sousse andere Erfahrungen gemacht. Wer hier übertrieben lästig fällt, sind junge Männer, die immer zu wissen glauben, wo man hinmöchte und einen dann führen wollen. Am Anfang redet man ja noch mit denen, aber dann hat man sie für eine gefühlte Stunde an der Backe. Irgendwann ignoriert man sie (das war übrigens der allererste Tipp des Personals aus dem Riad), aber dann reagieren sie unwirsch und verfolgen einen trotzdem. Dazu gleich beim Besuch der Mellah ein anderes Beispiel.

Irgendwann hatte ich mich durchgesoukt und stieß mehr oder weniger zufällig auf den Jardin Secret, den geheimen Garten. Eintritt incl. Turmführung bezahlt und rein. Seeeehr schön! Ich war fast alleine im Garten und ganz alleine mit einem Führer, der alles erläuterte, auf dem Turm, von dem aus man wunderbare Blicke über ganz Marrakesch hat.

Jardin Secret
Blick vom Turm des Jardin Secret auf die Ben Youssef Moschee. Unter einem der Dächer wohnt eine Berühmtheit, aber mehr darf ich nicht verraten….

Inzwischen waren es 33 Grad und ich setzte meinen Weg fort Richtung Koutoubia Moschee. Moscheen sind für Nichtgläubige in Marokko nicht zugänglich, also beschränkt sich die Besichtigung auf die äußeren Anlagen. Die Koutoubya-Moschee gilt als wegweisend für die Architektur in Marokko und den maurisch besetzten Teilen Spaniens. Als prominentestes Beispiel wird immer die Alhambra angeführt.

Ich lief weiter bis zum Tor Bab Agnaou hinter dem sich eine Kasbah und die Gräber der Saadier-Dynastie befinden. Auch hier schien der Besucherandrang eher verhalten, so dass ich eine Eintrittskarte erwarb. Es sind schon prächtige Gräber, aber man hat wirklich nur ein paar Augenblicke Zeit, sie sich anzusehen und zu fotografieren, weil die Schlange hinter einem murrt. Die Gräber sind nämlich nur durch einen Türsturz, unter den maximal zwei Personen passen, zu sehen.

Das Tor Bab Agnaou
Hier ruht die A-Prominenz der Saadier.

Zu der Grabstätte gehört eine kleine Anlage, auf der dann noch weitere Mitglieder des Geschlechts verstreut liegen, aber es handelt sich wohl um unbedeutenderes Fußvolk. Prinz Dritten Grades oder so. Aber sehenswert.

Übrigens scheint der König in der Stadt zu verweilen. Ein Marokkaner erklärte mir, das merke man an der starken Bewachung der königlichen Anlagen, von denen eine um die Ecke liegt, aber nicht zu besichtigen ist.

Inzwischen spürte ich Teile meiner Füße nicht mehr, also umrundete ich noch schnell die Moulay el Yazid-Moschee, um dann in einem Dachrestaurant gegenüber vegetarisch, antialkoholisch und glutenfrei zu speisen. Ja, wenn ich will…. äh…. muss…. dann kann ich auch das. Ich hatte die Variation von sechs typisch marrokanischen Salaten. Einer leider mit zu viel Seifenkraut, aber die anderen fünf sehr lecker. Der Hit: Kürbissalat mit Zimt und Sesam. Zum Reinknien!

Linsen mit Kreuzkümmel, Tomate-Gurke mit hocharomatischer Petersilie, Möhre mit Igitt, Kürbis, Aubergine und Kartoffeln.

Die Gäste wurden übrigens hier wie auch heute Morgen beim Frühstück mit Wasser besprüht, das aus Düsen unter den Pavillons großzügig verteilt wird. Es wird aber sofort und unaufgefordert darauf hingewiesen, dass es gefiltertes Wasser ist. Das hat mich irgendwie an meinen Beruf erinnert. Wahrscheinlich haben sich schon diverse GRSler über diese, wie ich finde, sehr erfrischende Praxis mit Hinweis auf Gesundheitsgefährdung beschwert.

Der nächste Stop gehörte dem Bahia-Palast. Stellenweise musste ich an Istanbuls Topkapi denken, wobei der – soweit ich mich erinnere – noch eine Hausnummer größer ist. Aber Zimmer reiht sich an Zimmer reiht sich an Zimmer reiht sich an Hof reiht sich an…. Is klar, ne? Alles unmöbliert, aber von eleganter Schlichtheit. Ich war am Ausgang versucht, der muffeligen Kassiererin, die ununterbrochen telefonierte, zu sagen: „Ja, okay, ich nehm’s.“

Einer der gefühlten 29172 Höfe des Bahia-Palastes. Aber immerhin der größte.

Die Mellah. Das ehemalige Judenviertel, wo noch immer die Straßennamen an die Vergangenheit erinnern. Hierüber hat Canetti die längste Geschichte in seinen „Stimmen von Marrakesch“ hinterlassen. Sehr ergreifend und von morbidem Zauber und bedrohlich faszinierend sind seine Schilderungen. Es lebten einmal zehntausende Juden in diesem Ghetto. Auch, als Canetti in den 1950er Jahren dort war waren es noch tausende. Nach den arabisch-jüdischen Kriegen (Jom Kippur, 6 Tage) verließen aber fast alle Juden Marrakesch. Es existiert nur noch eine winzige Gemeinde und die Mellah ist heute von muslimischen Marrokanern bewohnt. Ich wollte trotzdem unbedingt in dieses Viertel.

Kurz hinter dem Palast bot sich sofort ein junger Mann namens Mansour an, mir die Mellah zu zeigen. Nein, er wolle kein Geld, er wolle nur sein französisch trainieren. Okay, wir parlierten. Er als Victor Hugo und ich als … naja, wie Oettinger auf englisch halt. Er erläuterte auch ein paar belanglose Dinge, erzählte etwas von Türen und Straßen und Mohammed dem Sechsten und dass er einen ganz tollen Markt kenne, der nur einmal die Woche, da würde er jetzt gerne, ich hätte doch nichts dagegen, ja? Schwups landeten wir in einem Kräuterladen, wo er mich fast zwang, alles einmal anzufassen. Huch, dann musste er auf einmal gehen, ich musste einen Tee trinken und da ich den lecker fand wurde direkt ein Tütchen für mich fertig gemacht, „nur zwei Dirham pro Gramm, ein Witz!“ und in die Hand gedrückt. „Das macht dann 28 Euro!“. Ich tat, was man unter solchen Umständen machen muss: Ich verließ fluchtartig unter arabischen und französischen Verwünschungen den Laden – kann man im Internet lernen – und ignorierte die Gegenflüche. Aber ehrlich: Für ein paar Blätter 200 Euro! pro Kilogramm? Den Rest des Tages reagierte ich auf Escort-Service-Angebote etwas ungehalten, was mir leider nicht viele Sympathien einbrachte. Aber die netten Begegnungen überwiegen deutlich!

Die schicke Mellah
Die nicht ganz so schicke Mellah

Die Synagoge war dann unprächtig und dient heute wohl eher als Museum. Ich machte mich auf zum jüdischen Friedhof. Eine triste Stätte. Leider weiß ich so gar nichts über die jüdische Begräbniskultur, aber Schmuck und Blümchen gehören wohl nicht dazu.

Der jüdische Friedhof

Inzwischen waren mein Hirn hirntot und die Füße fußtot. Zu viele Eindrücke, zu viele Schritte. Ich wankte zurück ins Riad – nicht ohne mindestens 3 weitere Begleiter abzuwimmeln, legte mich eine Stunde hin (und ich schwöre, dass es Plopp machte, als ich die Schuhe auszog!) und sitze jetzt im lauschigen Innenhof bei einem halbkalten Bier. Um 16 Uhr waren es 41 Grad Celsius.

Ob ich es heute Abend noch einmal zum Djemaa el Fna schaffe? Ich weiß es nicht.

Schaltet also morgen wieder ein, wenn dieses Rätsel gelöst wird.

Euer Gerald

P.S.: Für Elke…

Schau mal Mutti, ein Esel, ein Esel. (V.v.Bülow)

P.P.S.: In einem Fundouk war ich ja auch noch! Das ist so eine Karawanserei, die inzwischen fast alle zweckentfremdet sind. Hier hat mich zum Beispiel ein sehr netter Zeitgenosse hingelotst. Er sagte einfach, es sei sehenswert und er ließe mich in Ruhe. Und das war es auch. Und das tat er auch.

Eine zum Haus der Künstler umfunktionierte Karawanserei.

Tag 1: Und was für ein erster Tag

Bon soir, mes chéres!

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Vielleicht bei der der Anreise? Ich brach seeeehr früh auf, weil ich ja immer ein kleines Nervöschen bin, wenn es um Anschlüsse geht, die mir wichtig sind. Aber so konnte ich schon einen IC früher nehmen als geplant, war quasi erster in der Schlange der Condor-Reisenden, konnte den Frankfurter Flughafen mal wieder erkunden und sogar noch ein kleines Schläfchen halten.

Einen netten Schrecken hatte ich zuvor aber noch, als mein Handy nach der Sicherheitskontrolle weg war. Es hatte jemand irrtümlich an sich genommen und es war auch stante pede wieder da. Aber ich hatte einen kleinen Schweißausbruch!

Irgendwann füllte sich der Warteraum und es deutete sich schon da an, dass der Flieger brechend voll würde. Highlights waren der Zaubertrick mit den verschwundenen Zeitungen (kaum, dass ein Mitarbeiter das Regal im Wartebereich aufgefüllt hatte, war es auch schon wieder leer, weil es ja umsonst war; man nahm dann auch gerne von jedem Exemplar eins mit) und die Stimme, die nicht gehört werden wollte („Zuerst die Familien mit Kindern und Personen, die Unterstützung benötigen…“: Trampel, quetsch, kreisch!).

Der Flug war okay, die Passkontrolle und die Gepäckausgabe waren es auch. Mit der Santander-Kreditkarte versuchte ich dann an drei Automaten, Geld zu ziehen, leider vergeblich. Die Schweißperlen tanzten wieder Samba. Dann stand uns der Transfer bevor, von dem ich ja schon vorher wusste, dass er ewig dauern würde. Es war dann übrigens noch eine Stunde mehr als ewig, denn quasi der halbe Flieger hatte diesen Transfer, fünf oder sechs Busse! Aber dafür hat man viel von der marokkanischen Landschaft zwischen Agadir und Marrakesch gesehen. Alles sehr rot und mal mehr und dann mal weniger bewachsen. Kaum bewohnt, tausende von Ziegen, ein paar Bienenstöcke und ein halbes Dutzend Esel.

Einen Stausee gab es, ganz zu Anfang wohl eine Art Palast (man sah aber nur die kilometerlange Umfriedung), ein Gefängnis mitten in der Wüste, dass sehr an den Kölner Klingelpütz erinnerte und ein paar verfallene Häuser. Zwischendurch hatten wir eine kurze Rast, an der sich die Horde mit Eis eindeckte. Ich hatte mangels Geld dann leider Ramadan, wie der Rest von Marokko ja übrigens auch, zumindest der gläubige Rest. Hab mich dann kurz mit ein paar streunenden Hunden angefreundet, die dann aber leider nicht mehr von meiner Seite wichen. Ich überlegte schon, wie ich dem Busfahrer vier weitere Passagiere erkläre, da retteten mich zwei kichernde Teenies, die im Gegensatz zu mir etwas zu essen hatten. Umgehend war ich uninteressant.

Irgendwann hielt der Bus in Marrakesch in einer unentwickelten Gegend an und bugsierte einen Großteil der Passagiere in ein eigentlich ganz luxeriös anmutendes Großhotel. Aber jwd und nicht schön gelegen. Alle anderen Passagiere mussten die Busse wechseln, außer vier Damen und ich. Die großen Gruppen hatten alle irgendeine Rundreise gebucht und somit wohl keinen Einfluss auf das Hotel. In Citynähe hielten wir dann an einem Hotel der gleichen Kette, allerdings an einem Prachtboulevard. Dort wurde ich zum Essen eingeladen, da der persönliche Fahrer für mein Riad noch beim Fastenbrechen war (der Busfahrer hielt übrigens auch kurz nach Sonnenuntergang an und bekam von Straßenhändlern einen Ayran oder etwas ähnliches ausgegeben).

Auch über dieses Hotel hätte ich mich nicht gefreut. Die Lage war zwar wesentlich besser, aber das Buffet war seeeehr, seeeehr traurig. Das Bier – immerhin! – kostete mich dann 5 Euro.

Irgendwann tauchte mein Fahrer auf, der mich in die Nähe der Souks brachte. Er wurde von einem Fahrradfahrer abgelöst, der seinen Drahtesel schiebend tiefer mit mir in die Altstadt eindrang. Dort wurde ich einem Mann im Kaftan übergeben, der mich dann ins Riad brachte. Abenteuerlich!

Das Riad ist so, wie ich es mir gewünscht habe. Sehr ursprünglich, sehr orientalisch und ganz toll dekoriert. Die Mitarbeiter hier sind herzzerreißend herzlich, wie übrigens alle vom Flughafen über Bus und Taxi bis hierher. Mir wurden beim Willkommensbier das Riad und die Umgebung erklärt und dann bekam ich mein Zimmer. „Aicha“ heißt es und ist schlicht, aber ganz bezaubernd. Verwinkelt und ein bisschen märchenhaft. Also. Ich kann jedem nur empfehlen, auf die großen Ketten zu verzichten und sich so eine Altstadtunterkunft zu suchen.

Blick vom Riad Karmela auf die Altstadt

Nach einer kurzen Katzenwäsche lief ich dann zum Djemaa el Fna, es war inzwischen 21 Uhr 30. Leute. Diesen Trubel könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Schon auf dem Weg dahin Menschenmassen. Alle Läden auf, Mofas pesen durch die Gassen, Handkarren werden geschoben, dann dieses Polster aus arabischen Lauten und Gerüchen, Garküchen, Barbiere, Klamotten, Bäckereien, Korbflechter. Nur wenige Touristen und auch wenig Kitsch in diesen Gassen.

Die Souks

Dann kommt man auf einen Platz und denkt „WOW, wat groß!“ Dann biegt man um eine Ecke und denkt „Ach Du Hacke!“ Dann erst ist man wirklich auf dem Platz der Gehenkten. Da ist was los. Und auch mehr Touristen und auch mehr Kitsch, aber dafür Geschichtenerzähler, Sänger, Akrobaten, Künstler….

Oha…

Aber das war mir dann zu viel und nach einem kurzen Erkundungsrundgang und erfolgreicher – YIPPIEH! – Bargeldabhebung irrte ich zurück ins Riad, wo ich jetzt im Innenhof bei einem Glas Rosé sitze und dies schreibe. Ja, liebe Lästerdokos, Euer „griechisches Orakel“, ich würde hier auf dem trockenen sitzen…. (Insider!) 🙂

Ohaaaaaa!

Der Djemaa el Fna wird definitiv noch genauer beleuchtet. Und auch ein paar andere Sehenswürdigkeiten sind schon gesetzt, wie der Jardin Secret oder die Mellah. Ich fürchte, die Zeit wird nicht reichen.

Auf jeden Fall ist Marrakesch auf den ersten Eindruck völlig anders, als ich nach Besuchen von Tunesien und Ägypten vermutet habe. Allerdings war ich da auch nur begleitet in Tunis und Kairo, vielleicht finde ich das deswegen gerade abenteuerlich hier. Mir gefällt es bisher auf jeden Fall sehr gut. Und ich musste schon oft an Canetti denken, der mich ja irgendwie hierher getrieben hat.

Morgen gibt es dann, wenn Ihr wollt, mehr aus 1001 Nacht. 😉

Euer Gerald, der zwar immer noch kränkelt, dem es hier aber viel mehr Spaß macht, zu kränkeln.

Nur für Elke:

P.S.: Wie ich bloß den Temperatursturz am Freitag überstehen soll….?

Prolog

Herzlich Willkommen, liebe Leser. Oder wie man hier sagen würde:
ترحيب

Seit ich vor fast 40 Jahren Elias Canettis „Die Stimmen von Marrakesch“ gelesen habe, stand ein Besuch dieser Stadt auf meiner Reisewunschliste sehr weit oben. Auch jetzt in Norddeich habe ich dieses kleine Büchlein erneut gelesen.

Nach dem Nordseeurlaub mit Elke hatte ich noch ein paar freie Tage und überlegte schon Ostern, was ich dann mal alles in der Wohnung machen könnte: ausmisten oder komische Stellen putzen (auf den Küchenschränken z.B.), Papiere sortieren oder Keller aufräumen und dergleichen. Ich bekam umgehend Ausschlag und Herzrasen. Urlaub sollte nicht für derlei profane Dinge vergeudet werden. Wenn der Keller überquillt, werden halt der Keller abgeschlossen und der Schlüssel weggeworfen. Und ganz ehrlich: Welcher Besucher nimmt sich eine Leiter und guckt auf die Küchenschränke?

Also, schnell mal einen Reiseveranstalter aufgerufen und nach Zielen gesucht. Einer der ersten Treffer war Marrakesch und dort das Riad „Karmela“, in das ich mich umgehend verliebte. Die Anreisezeiten auch prima, die Kosten überschaubar. Zwar stand mir ein ellenlanger Transfer von Agadir aus bevor, aber dies verbuche ich unter Land-und-Leute-kennenlernen.

Ab Dienstag werde ich mich also 5 Tage in orientalischen Trubel stürzen. Gewiss hat sich seit Canettis Beschreibung so einiges geändert, aber ich hoffe dennoch, etwas von dem ursprünglichen Zauber mitzubekommen.

Sollte mal nichts von mir gepostet werden, dann liegt das voraussichtlich an der Technik und nicht daran, dass ich von einer seltenen Mückenart gestochen wurde, als Folge eine Amnesie erlitt und jetzt bei Beduinen in einer abgelegenen Oase mein Dasein friste.

Wie immer würde ich mich über Eure virtuelle Begleitung freuen.

Euer