Levitation für Anfänger

Ihr Lieben,

ich bin heute geschwebt. Ja, Ihr lest richtig! Geschwebt. Aber alles der Reihe nach…

Zuerst einmal habe ich bis mittags geschlafen, das ist übrigens auch eine meiner Superkräfte, neben dem Vernichten von Wein beispielsweise. Dann musste ich ein bisschen Aktionsgruppendinge erledigen (wir wurden im Kölner Stadtanzeiger präsentiert, leider ohne diesen link: openpetition.de/!bdssq – bitte verbreiten!) und dabei frühstücken.

Das Wetter ist ja leider und gottseidank schlechter geworden, also ideal für einen Ausflug, und ich dachte, ich müsste das 9-Euro-Ticket noch einmal ausnutzen, bevor die Aktion um ist. Zuerst fuhr ich mit Cora nach Solingen-Gräfrath. Es gibt im Netz die Seite eines Zusammenschlusses von 60 historischen Stadtkernen in NRW und Gräfrath wurde dort ebenfalls gelistet. Es ist nicht allzu weit weg und ließ sich mit einer anderen Aktivität verbinden, die ich seit Ewigkeiten schon mal machen wollte.

Gräfrath ist, wer hätte es gedacht, sehr nett. Viel bergisches Fachwerk, das sich dadurch auszeichnet, dass die Häuser als Schutz vor Witterung mit schwarzem Schiefer verkleidet sind. Dazu weiße Rahmen und grüne Türen und Fensterläden, das sind die bergischen Farben, auch genannt „Der bergische Dreiklang“. Ein bisschen war was los, u.a. ein Brunnenfest auf der Dorfstraße, mit geschätzten 15 Teilnehmern. Auf dem Marktplatz füllten sich die gastronomischen Betriebe und aus den offenen Fenstern des Herz-Jesu-Klosters schallte ziemlich laut und ganz profan die Tonspur eines Dracula-Films über den Platz.

Ich fuhr nach ausgiebiger Besichtigung weiter Richtung Wuppertal, wo ich in der Nähe des alten Markts einen Parkplatz nahm, um dann mit der Schwebebahn einmal alle Stationen abzufahren. Immerhin hatte ich meine 9-Euro-Tickets online bei den Wuppertaler Stadtwerken erworben, da fand ich diesen Abschluss ganz passend.

Die kleine Rundfahrt hat Spaß gemacht und es war auch nicht so beängstigend, wie Sessellift oder Seilbahn. Immerhin hat die Bahn 1950 die Elefantendame Tuffi getragen, bevor sie sich vor Angst in die Wupper stürzte. Klar, 1999 gab es einen schrecklichen Unfall, als Waggons aus den Schienen sprangen und herabstürzten. Und auch die rostigen Schienen wirken nicht rasend vertrauenerweckend.

In der Bahn saßen sehr viele Touristen, es gab immer großes Gerangel um die beste Sicht für die schönste Aufnahme. Ein kleines Spektakel also. Die meiste Zeit fährt man über der Wupper, erst ab der Haltestelle Zoo/Stadion schwebt man über Asphalt und sogar über die Autobahn A 46.

Ja, Wuppertal. Hm. Ich könnte mir vorstellen, dass es die ein oder andere schö…. äh…. interessante Ecke gibt. Aber an sich gibt es wenig auffälligen Charme oder Ohhh-Momente. Dennoch – nach 56 Jahren endlich mal in dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst von 1901 geschafft. Interessanter Fakt: Die Bahn ist älter als Wuppertal, das es erst so seit 1929/1930 gibt.

Jetzt gerade herrscht hier zuhause, wo ich mich dann wieder hinbegab, Halli-Galli. Veedelszauber, eine Art Stadtteilfest, mit hingebungsvoller Band schräg gegenüber auf dem alten Schulgelände. In den zahlreichen Fliegern kann ich den Piloten zuzwinkern, so tief brettern die übers Haus weg. Und in der Ferne Raser und Sirenen. Vorstadtidylle.

Bis demnächst mal, gelle? Euer Gerry

In der Höhle der Atta

Ihr Lieben,

das Hotelzimmer ist zwar ein wenig altbacken eingerichtet, aber sehr sauber und gemütlich. Ich habe sehr gut geschlafen. Vom Frühstück war ich anfangs etwas enttäuscht, bis ich merkte, dass ich gar nicht gezwungen war, das Rührei in Bauschaumkonsistenz oder die hartgekochten Eier, bei denen das Eigelb schon grün, war zu essen. Man konnte prima gesondert Eierspeisen bestellen und Kaffeespezialitäten hätte es auch noch gegeben. Alles in allem ist alles für einen guten Start in den Tag vorhanden.

Nach dem Auschecken machte ich mich zu einer kleinen Wanderung auf. Dabei begegnete ich dem Burgesel, sowie einigen Pferden. Ich kann Eseln scheinbar gar nicht mehr entkommen. Die Wanderung führte an Ententeichen vorbei, durch einen schönen Wald, wo man zwischen den Bäumen ab und zu einen Blick auf die Burg erhaschen konnte, über die Bigge bis nach Attendorn, wo ich die Atta-Höhle besuchte, so benannt nach der Fürstin Atta, die auch Namensgeberin von Attendorn ist. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich war in der ersten Gruppe!

In der Atta-Höhle selbst sind Fotografieren und Filmen verboten. Aber es gibt genug Bildmaterial im Internet, so dass ihr euch dort einen Eindruck verschaffen könnt. Sie ist schon extrem sehenswert! Bei kühlen 9 Grad liefen wir die zehn Hauptkammern entlang und wurden durch einen ortskundigen Führer begleitet, der alles lehrreich und unterhaltsam erläutert hat. Beinahe hätte ich den Souvenirladen leergekauft, aber mir fiel rechtzeitig ein, dass ich keinen Hasen aus Onyx und auch keine Käsespezialitäten aus der Höhle benötigte.

Im Anschluss schaute ich mir das Zentrum von Attendorn an. Unspektakulär nett. Der Höhepunkt ist der Sauerländer Dom, der Mittelpunkt des recht geschäftigen Zentrums. Ohne jemanden auf den Schlips treten zu wollen: gäbe es nur dieses Zentrum, müsste man nicht nach Attendorn fahren. Aber: Neben Burg und Höhlen gibt es als dritte Attraktion die Biggetalsperre. Dort führte mein nächster Weg hin.

Ja, was soll ich sagen, ein Stausee. Finde ich immer sehr hübsch. Auf jeden Fall könnte man länger mal hier in der Gegend bleiben, auf dem Stausee Bötchen fahren, ein paar Wanderungen unternehmen, Museen gibt es auch noch.

Dann wurde es Zeit, Richtung Heimat zu fahren! Es folgt ein weiterer Traktat über die Deutsche Bahn. „Herrjeh!“, stöhnt da der sonst geneigte Leser, aber es muss sein. Liebe Bahn, GEHT DOCH! Ich durfte sogar einen Teil der Strecke mit einem IC fahren, bis die Zugleiterin durchsagte, die 9-€-Ticketler müssten in Letmathe jetzt den Zug verlassen. Es stieg eine bemerkenswerte Gruppe an Personen aus. Bemerkenswert nicht wegen der Zahl, sondern wegen des enorm hohen Partypegels. Ich sprach zwei – wie sich später herausstellte – Norweger an, die begeistert seit Wochen durch Deutschland pesen. 9 Euro für Transport und der Alkohol für ihre Verhältnisse extrem billig. Norwegische Zeitungen haben in vielen Artikeln anscheinend diese Art „Schnäppchenurlaub“ angepriesen. Ich googelte später mal, das hat man in vielen Ländern getan. Mich deucht, die Aktion bringt eine Menge ausländischer Touristen hierher, die sonst kein Interesse an unserem Land gehabt hätten. Finde ich gar nicht mal so schlecht.

Also, dieser kleine Ausflug war sehr schön. Und ich habe heute noch einen schönen Abend daheim vor mir, sowie einen völlig entspannten Sonntag. Natürlich macht eine Übernachtung es teurer, aber man muss ja nicht immer in einer Burg nächtigen und dort das ganze Menü einmal rauf und wieder runter fressen.

Bis zur nächsten Tour grüßt euch euer

Sogar einen Milchwanderweg gibt es
Das wäre eine Hotelalternative direkt an den Höhlen. Ach, ich hab alles richtig gemacht.

Attendorn: Das 97-Euro-Ticket

Ihr Lieben,

„Da hat der Gerry sich aber mal was vertippt, hehe!“ kichert jetzt der geneigte Leser. Ich schmettere ihm entgegen: „Keineswegs, denn ich habe auch noch die Übernachtungskosten eingerechnet.“, nicht wirklich erkennend, dass dies bar jeder Logik ist. Vielleicht habe ich ja doch das Potenzial zum Politiker.

Wer den kleinen Ausführungen auf dieser Seite folgt, wird sich vielleicht an meinen misslungenen Besuch der Attahöhlen erinnern. Der ja nicht stattgefunden hat. Weil der Nahverkehr beliebte, sich bestellen zu lassen, was ich versäumt hatte. Da ich so etwas ja nicht ahnen konnte. Also nun, zweiter Versuch.

Was, wenn ich einfach anders führe? Was, wenn ich freitags nach der Arbeit aufbräche? Und wenn ich dann übernachtete in Attendorn, um am frühen Morgen der erste Besucher der Höhlen sein zu können. WAS FÜR EINE DÄMLICHE IDEE. Du und früh aufstehen. Gerry, nimm mal wieder Deine Medikamente, Du bist so merkwürdig! Kurz mal Hotels checken. Ohhhh, Burg Schnellenberg hat noch ein Zimmer frei. NEIN! Mit Frühstück. Und Ausblick! NEIN! Ist ne Burg! Immer noch NEIN! Boah ey, ne Burg! Meine Güte, aber nur dieses eine Mal.

In der Mittelstufe hatte ich mal einen Mitschüler, der von allen ein bisschen gehänselt wurde, weil er aus dem Sauerland kam. „Sauerland“, das fanden rheinländische Präpubertierende komisch. Und er sprach seinen Heimatort so gar nicht wie wir aus. Attendoahrn. Atten-do-aan. Man kann es gar nicht schriftlich wiedergeben. Und er sagte Sachen wie Kiarsche oder Biarne! (wer weiß es?) Aber seitdem denke ich, wenn ich Attendorn höre oder lese, immer an diesen sehr lieben Klassenkameraden. Sagt man das heute eigentlich noch? Klingt so ein bisschen antik. C., wie geht es Dir?

Kurz nach der Buchung meines hochherrschaftlichen Gemachs auf der Burg bekam ich eine Nachricht des Hotels. Ob ich denn abends im Restaurant zu speisen wünsche? Ich schaute mir das online an. Hui. Edel. Und Puh. Ich wollte ja jetzt nicht meinen Konfirmationsanzug einpacken. In den ich zugegebenermaßen auch gar nicht mehr passen würde. Womöglich wäre der viel zu schlabbrig! Ich antwortete, ich käme gerne in Jeans und Pullover, ob das angemessen sei. Die Replik bekam einen mentalen Pluspunkt: Mein Outfit sei willkommen, man freue sich auf mich und man halte mir einen Tisch frei.

Gesagt, getan, geplant, gepackt. Am Freitag nach der Arbeit machte ich mich auf den Weg. Und da ich weiß, dass etwas schiefgehen wird, wenn etwas schiefgehen kann, brach ich eine Stunde vor meiner eigentlich ausgeguckten Zeit auf. Sorry für das Eigenlob, aber das war weise!

Man sieht es auf dem Foto vielleicht nicht genau: Aber der Waggon ist schon voll!

Es folgt ein kleiner Exkurs über die Deutsche Bahn. Ey, schon wieder???? Ja, es gibt einen kleinen unbeugsamen Gerry… äh… Also: Mit Coraflix, der tapferen Galli…. oops… Japanerin, wäre der kleine Wegwienix in knapp über einer Stunde am Ziel gewesen. Mit dem früher von mit hochgelobten Bahnbetrieb hätte ich – Attendorn ist für Köln scheinbar von nicht besonders anbindungswürdigem Interesse – zweieinhalb Stunden benötigt. Mit dem neuen Häuptling der Bahn, Daswirdnix, wurde das nix. Allein mit dem ersten RE brauchten wir von Köln bis nach Hagen 2 Stunden. Viermal blieben wir lange mitten im Nirgendwo stehen und wurden mit so sinnigen Bandansagen aufgeheitert wie „Es geht nicht weiter, weil es nicht weitergeht“ oder „Wir müssen gerade noch schnell mehrere Züge durchlassen, inklusive Weihnachtsexpress.“.

Beim Umstieg in Hagen Richtung Lennestadt-Grevenbrück ging dann auch erstmal nix. Man schickte für 382.038 Passagiere (ich hatte wegen der Verspätung ausreichend Zeit, sie zu zählen) einen (!) Waggon mit 4 Sitz- und 8 Stehplätzen. Die Lokführerin Gutemine machte ebensolche zum makabren Spiel, ließ sich die Beschimpfungen gefallen (Leute, als könne die was dafür!) und verwies auf Gleis 1, da gäbe es einen anderen Zug. Der war dann zwar auch voll, aber fast alle hatten einen Sitzplatz. Und dieser Zug fuhr dann pünktlich. Und ohne unbeabsichtigten Halt. Dafür hatten wir dann Posaunix an Bord, der allen seine Verschwörungstheorien näher bringen musste. Dass die Regierung mich töten will…. ja, ganz ehrlich? Da passieren schon so ein paar unglaubliche Dinge… Die Sache mit der geplatzten Semmelbröseltüte neulich z.B. Aber dennoch ging er (nicht nur) mir mächtig auf den Zeiger.

Ich war inzwischen so verspätet, dass ich keinen Regelbus mehr bekommen hätte. Wir erinnern uns an meinen ersten Attendornversuch? Bestellter Nahverkehr. Ich bestellte Nahverkehr, einen sogenannten Taxibus. Schon in Hagen. Man muss ahnen, wie eine Zugreise ausgeht. Der kam dann auch und nahm mich und einen seeeehr redseligen Einheimischen mit. Der Einheimische stieg schnell aus und ich musste mit meinem Navi den Taxibusler zur gewählten Haltestelle lotsen. Kannte er nicht, da wollte noch nie jemand hin. „Da soll ein Hotel sein?“ Als wir dann – bei guten Gesprächen – ankamen, brachte er mich, weil er noch Zeit hatte, bis zur Burg. Es wären sonst noch ca. 1 bis 2 km Fußweg gewesen. Ein Trinkgeld als Dank lehnte er ab. Also, das war ein total netter Zeitgenosse! Fast scheue ich mich, es zu sagen: Es war kein Biodeutscher. Es ist schon merkwürdig, dass man das Bedürfnis hat, es zu erwähnen.

Ich habe übrigens eine Theorie zur Entstehung des Namens Sauerland: Die ersten Siedler, die hier ankamen, waren schlecht gelaunt. Und so nahmen sie ihren Gemütszustand zum Anlass, das von ihnen gefundene Land entsprechend zu benennen. Jüngste Forschungen ergaben, dass alle diese Siedler mit der Deutschen Bahn angereist waren.

Burg Schnellenberg

Auf der Burg wurde ich wie Burggräfin Thusnelda persönlich empfangen. Es ist eine prächtige Unterkunft! TripAdvisor listet sie als Sehenswürdigkeit Nr. 3 in Attendorn. Nach dem „Biggeblick“ und den Atta-Tropfsteinhöhlen, die übrigens nichts mit Meister Proper zu tun haben. Das Zimmer ist groß und hat einen in die Jahre gekommenen Charme. Aber schön. Ich war überdies froh, dass ich den Platz im Restaurant gebucht hatte, denn nach der Tortur wegen Mitbahnnixalsverdrus hatte ich keine Lust mehr, noch nach einem Restaurant in Attendorn zu suchen.

So schlich ich einmal den Wanderwege A4 um die Burg herum, sage und schreibe 1,4 Kilometer, und kam früh auf der Restaurantterrasse an, um erst einmal ein Bierchen zu zwitschern. Und dann noch eins. Und dann konnte ich mich auf das nicht gerade niedrigpreisige Essen einlassen. Ich sach mal so, ich hab‘ es krachen lassen. Pannacotta von der Erbse mit allerlei Drumherum, Essenz von roter Bete mit Meerrettichschaum, Stör auf Kohlrabistampf und Vanilleeis mit Whiskeyschokoladensauce und Burgpflaumen. Die Erbse war okay, die Essenz eher nee, dafür waren aber der Fisch super und das Dessert prima. Alles begleitet von einer Burgedition eines interessanten Grauburgunders.

Lästig waren auf der Terrasse nur die Myriaden von Wespen und die unglaublich vielen Kettenraucher. Ja, ich mache mir gerade wieder Freunde, aber die Wespen waren mir lieber. 🙂 (nur, als mal kurz eine mein Hemdeninneres erkunden wollte, war ich ein wenig hektisch. Zur Reha muss aber sie. Wespe! Ich rede von einer Wespe!)

Alles in allem bin ich froh, jetzt hier zu sein, ich wohne nett, hatte ein gutes Essen und kann ein bisschen ausschlafen und trotzdem früh in den Tropfsteinhöhlen sein, wo morgen bestimmt 382.038 Besucher mit dem 9-Euro-Ticket eintreffen werden. Aber eben erst mittags, so der Bahngott Tut-ench-wandan es zulässt.

Morgen berichte ich dann über die Hotspots Nr. 1 und 2 in Attendorn und meine vergnügliche, störungsfreie Rückreise mit einem gechartertem Helikopter.

Tschökes, Euer

Einmal um die Welt!

Ihr Lieben,

heute aus der Rubrik „9-Euro-Ticket“: einmal nach Zons und zurück sowie einmal Frechen-Königsdorf und zurück. Klar, das ist jetzt nicht wirklich einmal um die Welt, aber es fühlte sich ein bisschen so an. Es war sehr tagesfüllend!

Letztlich dachte ich, ich müsse dringend mal wieder nach Zons, da ich a) schon lange nicht mehr da war und b) auch noch Sachen für den Eselpark bestellt hatte, die ich endlich mal loswerden wollte. Ich verabredete mich mit Micky und gab Darinka Bescheid, dass ich mal reinspinxen würde. Weil ich wegen der Covid-19-Erkrankung immer noch schnell aus der Puste bin, kündigte ich an, dass es mit meiner Arbeitskraft eher mau bestellt sei und ich nur so vorbei käme (übrigens werde ich diese Entschuldigung den Rest meines Lebens ausreizen 🙂 ).

Als Entschädigung machte ich am Abend vorher schon einen asiatisch angehauchten Wassermelonensalat, vielleicht mal ein nettes Alternativprogramm zu den ganzen (leckeren!) Kuchen und Gebäcken, die sonst immer herangekarrt werden. Zumal meine Blutzuckermessmaschine seit einiger Zeit etwas zickt. Jaja, man wird alt.

Micky gab mir den Tipp, dass ich auch für die Esel eine Wassermelone mitbringen könne, da führen einige von denen ziemlich drauf ab. Sie hat sich übrigens den Wassermelonensalat quasi gewünscht, aber ich habe da ein bisschen manipuliert, wie ich zugeben muss.

Ganz ehrlich? Solche Menschen muss man doch lieben!

Nach einer ausreichend langen Nacht machte ich mich gegen dreiviertel 11 Uhr auf den Weg. Wenn man bedenkt, dass ich mit dem Auto mindestens eine Dreiviertelstunde brauche, schienen mir die 70 veranschlagten Minuten mit Bus und Bahn eigentlich völlig okay.

Hah! Es war eine Odyssee, das 9-Euro-Ticket ließ wieder halb Deutschland die Züge entern. Insgesamt war ich dann doch fast zwei Stunden unterwegs. Quetschen lassen musste ich mich aber nur eine Station von Deutz aus, da in Köln Hauptbahnhof alle ausstiegen und ich ab da den ganzen Zug quasi für mich alleine hatte.

Während meiner Warterei in Deutz konnte ich natürlich andere Züge beobachten. Was genau bewegt Menschen dazu, einen Zug besteigen zu wollen, der schon beim Öffnen der Türen nur eine Mauer aus Menschenleibern offenbart?

Darinka informierte mich schon per WhatsApp, dass eine Gruppe Jugendlicher vor Ort sein würde. Naturschutzjugendscouts. Meinen leicht alkoholisierten Salat räumte ich daher bei Ankunft erst einmal aus Sichtweite.

Ich nutzte die Zeit und besuchte den Neuzugang, Milan. Was für ein wunderbarer Esel! Obwohl später klar wurde, dass der auch ganz schön rumzicken kann – bei unserer Wassermelonenschlacht haben Christel und er sich ziemlich in den Haaren gehabt, der ultimative Tritt traf dann aber Micky.

Diese Verkleidung dient übrigens nicht dazu, die Tiere bei dieser Hitze zu quälen. Sie leiden sehr unter beisswütigen Fliegen. Auch die Zebrabeine bei den Katalanen sind kein modisches Statement, die Beine sind einfach blutig gefressen.

Wusstet Ihr, dass das Haustier des Jahres 2022 der Esel ist? Das ist eigentlich eine befremdliche Nachricht, stellt sich doch heraus, dass viele Menschen sich Haustiere aneignen, mit denen sie später nicht umgehen können. Und jetzt wird das auch noch gehypt? Aber es ist kein Wunder. So ein junger, puscheliger Esel ist ja etwas ganz wunderbares. Eines der Jugendkinder wollte, das Milan mit in die elterliche Behausung zieht. Darinka, Chapeau, hat kindgerecht erklärt, warum das kein besonders kluger Wunsch ist.

Wir haben, als die Jugend wieder nach Hause spediert worden war, ein bisschen geplaudert, Salat gegessen und Apfelkuchen, deren Streusel angeblich von Peter nächtens stundenlang von Hand geknetet wurden (er glaubt, durch solche Geschichten bekommt er mehr vom Kuchen ab! Weit gefehlt!), um dann die Wassermelonenschlacht vorzubereiten.

Leute. Ich war noch NIEEEE in meinem ganzen Leben SOOOO beliebt. Und ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so mit Melonensaft vollgesabbert worden. Hier mal völlig zusammenhanglos ein hingehauchter Ratschlag: Eselpark und weißes T-Shirt? Nö! Wir haben eine (gefühlt 30 kg-schwere) Melone in der Stallküche zerkleinert, auf mehrere Schüsseln verteilt, sind raus zu den Tieren und waren ab da …. ja … Superstars. Das war toll.

Die Rückfahrt verlief einfacher, bis zu dem Zeitpunkt, als wir in Köln Hbf ankamen. „Bitte räumen Sie die Bahnsteige 2 und 3!“ Äh? Ich bin ja ein Mensch, der sich in Massen unglaublich wohl fühlt. NICHT!!!! Es war wirklich grenzwertig.

Am Abend war ich zu Ruths Sommerfest eingeladen. Prima, nach Königsdorf kann man wunderbar mit der …. äh…. was? Die Bahn streicht ALLE???? S-Bahnen der Linien 11, 12, 13 und 19 wegen coronabedingten Personalmangels? Ach Du jeh. (trauriger Smiley)
Wer denkt sich denn so einen Mist aus??????

Das verursachte mit jetzt ein wenig Stress, wollte ich ja nicht vollgesabbert durch ein Melonen-Eselspeichel-Cuvée bei Ihrem Fest erscheinen. Aber als gewiefter Reisender fand ich heraus, dass ich es schaffen könnte, zu duschen und dennoch pünktlich zur Party zu erscheinen. Mit Straßenbahnen und Bus. Und…. Rolf habe ich dann beim Buseinsteigepunkt getroffen. Isso. Du kannst Vielreisenden nix vormachen!

Die Party war super, Ruth kann das. Man muss das nicht erläutern, sie lebt und ist als Gastgeberin 5*****!

Ja, und das war auch die 9-Euro-Geschichte für heute. Denn der Rückweg war so gar nicht 9 Euro. Keine S-Bahn, kein Beam-me-over-Scotty, keine Alienentführung mit Abwurf über der Wohnstatt. Da musste dann doch ein Mietwagen her.

Erchgetz? Das war ein reisetechnisch anstrengender Tag. Aber vor Ort jeweils war alles perfekt. Ein wunderbarer Tag. Ich hab das jetzt sehr spät geschrieben. Ich verlose unter allen Rechtschreibfehlerfindern einen Tag mit mir bei den Eseln. 🙂
Guads Nächtle, der Gerry

P.S.: Dieser Beitrag erscheint in zwei Kategorien, da er natürlich auch im Zusammenhang mit meinen anderen Zons-Besuchen gefunden werden soll 🙂

Pils und Pommes

Ihr Lieben,

zwar in der Rubrik „9-Euro-Ticket“, aber völlig ohne Bezug dazu: unsere heutige Tagesfahrt nach Maastricht. Diesmal wurde ich sogar abgeholt, denn es gab einen Plan, Elkes Navi auf den neuesten Stand zu bringen, dazu empfahl Ford eine längere Autofahrt ohne Unterbrechung.

Wir hatten schon vor einiger Zeit abgesprochen, dieses Wochenende mehrere Tage an der Küste zu verbringen. Als wir aber nach Unterkünften suchten, stockte uns der Atem: Für die schäbigsten Bruchbuden wurden Preise aufgerufen… wir hätten eine Bank überfallen müssen. Aber ein Tagesausflug ist dann ja auch ganz nett. Maastricht, das ich wegen eines Doppelkopfausflugs 2010 in guter Erinnerung hatte, liegt auch schön nah, da fiel die Wahl leicht.

Wir hatten uns für einen Park-and-Walk-Platz etwas außerhalb entschieden, der aber, als wir ankamen, schon völlig überfüllt war. Wir folgten einer weiteren Parkplatzbeschilderung: Autoschlangen davor, die sich nicht rührten. Wir bissen in den sauren Apfel und fuhren ins Mosae-Forum-Parkhaus. Da darf man in höheren Wagen keinen Schluckauf bekommen, denn sonst kracht der Wagen gegen die Decke. Es ist unglaublich niedrig. Und groß und eng. Und preisintensiv, wie wir später merkten. Dafür waren wir aber sofort an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten.

Unser erster Besuch galt dem Maastricht Visitor’s Centre, wo ich für 1,75 Euro einen Stadtplan erwarb. Was ist eigentlich aus den schönen, kostenfreien Plänen von Abreißblöcken von früher geworden? Wir liefen etwas ziellos durch die Gassen und Straßen und stellten fest: a) Man kann sich nicht wirklich verlaufen, es liegt alles nah beieinander. b) Es ist alles sehr nett. Im positivsten Wortsinne. Und c) überall in der Gastro ist es rappelsvoll.

Das Willkommensbier wollten wir an der Maas in der Nähe der Sint-Servaas-Brug, der ältesten Brücke der Niederlande, zu uns nehmen. Kein Platz mehr frei. Wir liefen auf die andere Maas-Seite zur Stadtbrauerei, wo wir auf der überfüllten Terrasse ein winziges Tischchen erhaschten. Das Bier war dann … naja, wer mich kennt, ich mag keine großen Bierexperimente… Elkes hieß „De royale Martinus“ und meins „De dorstige Lambertus“. Aber man konnte es trinken. 250 ml für ’nen modernen Heiermann. Durch die Massen an Gästen war die Stimmung leider bei allen etwas gereizt, es wurde viel gepöbelt.

Die andere Seite ist nett, viel Gastronomie und natürlich der schöne Ausblick auf die Altstadtseite. Wir liefen zurück und ließen uns wieder durch die Gässchen treiben. Wir passierten die Basiliek van Onze Lieve Vrouwe, überquerten den Vrouweplan – wieder ein sehr schöner, aber völlig überfüllter Platz- und gelangten irgendwann an den Vrijthof, der ganz im Zeichen André Rieus stand. Dieser ist Maastrichter, gibt einmal im Jahr eine Konzertreihe und wird vergöttert wie nix! Die Bars und Restaurants buhlen mit Rieu-Speisen und -Getränken um Kundschaft, kein Zipfel der Stadt ohne ein Plakat mit dem Maestro. Nach Umrundung der ganzen Absperrzäune warteten dann wieder sehr schöne Gebäudeensembles auf uns.

Wir eilten zurück zum Markt, wo wir uns in eine Schlange an die berühmt-berüchtigte Imbissbude Reitz anstellten, der Pommesinstitution der Stadt. Da wir nur eine Portion Pommes schafften, haben wir keinen Vergleich, aber die waren schon lecker! Pommes sind salzig und Salz macht Durst: Wir wollten ein unexperimentelles Bier. Das bekamen wir in der Boschstraat im Café Cocotte. Lecker Pilsken halt. Der freundliche Wirt/Kellner war recht herzlich (er nannte mich Süßer) und war so gut, uns noch den Weg zur Buchhandlung Dominicanen zu erläutern. Ja, will der alte Mann jetzt auch noch niederländisch lernen? Nein. Oder vielleicht irgendwann mal. Aber die Buchhandlung ist in einem alten Sakralgebäude untergebracht und macht ganz schön was her. Daneben übrigens ein Restaurant, dass ich von meinem Besuch 2010 wiedererkannte.

Was haben die Niederlande, was wir hier nicht (mehr oder so gut) haben? Na, ne ganze Menge, aber auch die Supermarktkette Albert Heijn, zu deren glühendsten Verehrerinnen Elke gehört. Da der Heijn in der Altstadt ihr zu klein erschien, fuhren wir zu einem größeren auf der anderen Maasseite. Was soll ich sagen: Elke wollte hin und ich hatte die größere Einkaufstüte. Sirups für Cocktailexperimente, Unmengen von Waffeln, Erdnusscreme (Pindakaas), schwarze Kirschen und vier Sorten Käse.

Auf dem Weg nach Hause dann das Update-Experiment. Leider wohl erfolglos. Das ist aber auch kein leichtes Unterfangen, wenn man sich dazu die ganzen Foren (und dazu gibt es einige) ansieht. Dennoch war es ein wunderbarer Tagesausflug. Maastricht hat sehr viel Charme, man könnte, wenn man wollte, exzellent shoppen, den ganzen Tag fressen und dann auch noch Ausflugsdampfer fahren. Ich mach mal den Kölner Markenbotschafter: Hinfahren lohnt sich!

Und wieso jetzt nochmal 9-Euro-Ticket? Nun ja, ich hatte es dabei.

Bis zum nächsten Mal, Grüße auch von Elke, Euer

Finde Dein Fahrrad, Du hast drei Tage Zeit. Ab jetzt!
Zum Glück für seine Fans tritt der Meister der seichten Klassik heute wieder auf.
Zu unserem Glück erst abends, wenn wir wieder daheim sind.
Man stelle sich vor, man wohnt an dem Platz und muss sich 24 Tage (!!!!!) lang dieses Gedudel anhören…..

Wenn Sie mit dem 9-Euro-Ticket in die Niederlande reisen möchten, müssen Sie GENAU DAS tun!

Ihr Lieben,

die Überschrift ist natürlich ein Clickbait: wie erziele ich möglichst viele Klicks mit möglichst wenig Aufwand. Und die Auflösung solch reißerischer Nachrichtenzeilen ist in der Regel trostlos: Es gibt keinen Trick, wie man mit dem 9-Euro-Ticket nach Holland kommt, es sei denn, man fährt mit diesem mit der S-Bahn von Köln nach Neuss und lässt sich von dort aus im Auto einer Freundin – in diesem Fall war das Elke – an den Zielort kutschieren…

Aber erst einmal zum 9-Euro-Ticket-Teil. Der Bus in Poll kam pünktlich, soweit alles gut. In Kalk musste ich in die S6 einsteigen, die mich nach Deutz bringen sollte, wo die S11 nach Neuss abfährt. Dieser S6 fehlte ein Waggon und der verbliebene war pickepackevoll mit Menschen, von denen einige leider das Konzept des Waschens nicht wirklich verinnerlicht hatten. Mir schwante Übles. Aber dann, große Freude, die S11 von Köln-Deutz nach Neuss leer wie nix, natürlich mit den üblichen Schwachmaten ohne Maske oder mit Ghettoblaster – also die Freude eines eines jeden Bahnreisenden, aber sonst sehr angenehm leer. Bei Elke angekommen nahmen wir noch ein Käffchen zu uns und dann fuhren wir zügig Richtung Oss, der Wirkstätte unseres Künstlers. Unsere Fahrt war nämlich schon länger geplant und unser Ziel war das Atelier von Theo Broeren, von dem quasi schon ein Bild in meinem Esszimmer hängt. Quasi, da es wohl eine Fälschung ist. Aber immerhin von guter Qualität. Theo Broeren ist schon recht bekannt, vor allem in den Niederlanden und in Deutschland, aber seine Werke finden sich in aller Welt, quasi von Spanien bis nach Südkorea.

Wir kamen gut durch und zu unserer großen Überraschung erwartete uns als erstes gegenüber des Ateliers ein winzig kleiner Hof mit Hühnern und zwei Eseln, einer davon besonders zottelig. Da mussten wir natürlich erst einmal hin, Fotos schießen.

Im Atelier angekommen begrüßte uns der Sohn samt Nachwuchs sowie der Künstler selbst. Wir tranken erst einmal einen Kaffee und dann haben wir viel geplaudert. Wir konnten uns prima auf Deutsch unterhalten und wenn es gar nicht mehr weiter ging, haben wir uns mit Englisch beholfen. Wir haben das Atelier besichtigt, auch die ganze Wohnung hängt voller Bilder, und wer sich die Werke im Internet einmal anschaut: sie strahlen alle eine solche Positivität aus, man fühlt sich sofort wohl. Die Originale von Theo Broeren sind immer sehr schnell verkauft, wir wollten aber statt sofort erhältlicher Giclées-Drucke lieber etwas „Echtes“ erwerben und haben uns daher für Auftragsarbeiten entschieden. In ein paar Wochen können wir dann unsere bestellten Meisterwerke abholen, wir sind schon sehr gespannt. Es war ein sehr schönes Treffen!

Ich glaube übrigens, dass Herr Broeren gegen ein bisschen Werbung nix hat:
https://www.theobroeren.com/

Da wir jetzt nun schon in den Niederlanden waren, wollten wir auch noch ein bisschen Sightseeing in der Nähe machen; wir entschieden uns für Nijmegen. Ich kannte diesen Ort eigentlich nur von Abfahrtstafeln in Bahnhöfen und hatte überhaupt keine Vorstellung, was uns dort erwartet. Aber vorweg, ein Ausflug dahin lohnt sich absolut. Es ist ein wunderschönes Städtchen, am Fluss Waal gelegen, wo wir auch erst einmal ein Bierchen tranken. Wir besuchten dann den großen Markt, schlenderten durch die vielen Gassen, passierten viele schöne Plätze und auf dem Rückweg zum Parkhaus führte unser Weg auch noch durch einen wunderschönen Park. Wenn man möchte kann man dort wahrscheinlich einiges mehr sehen. Allein der Marktplatz ein Traum mit seinen vielen historischen Häusern. Auch kulinarisch scheint einiges möglich zu sein. In einer Bäckerei kauften wir noch Honigkuchen, der hier allerdings Peperkoek bzw. Ontbijtkoek heißt. Die Bäckerei hatte eigentlich schon geschlossen, aber die Damen haben sich sichtlich über unsere Kuchenhamsterkäufe gefreut. 🙂

Hier mal ein paar Eindrücke von unserer Flaniererei:

Auf dem Rückweg fuhren wir bei Maren vorbei, die sich bereit erklärt hatte, auf Amy aufzupassen. Der wollten wir die Fahrt bei einem solchen Wetter nicht zumuten. Bei Elke angekommen orderten wir noch eine Pizza und tranken uns ein Weinchen auf diesen wunderschönen Tag.

Wenn unsere Bilder fertig sind (wir bekommen von Zeit zu Zeit Fotografien, um Änderungen vornehmen zu können), dann holen wir sie auch wieder in Oss ab und besuchen dann das nahegelegene ’s-Hertogenbosch. Wir hoffen sehr, dass wir bis dahin den Namen dieser Stadt aussprechen können.

Ihr Lieben, bleibt gesund und lasst es Euch gut gehen.
Euer Gerry

Und täglich grüßt der Covid-Test

Ihr Lieben,

es ist nicht zu fassen, das 9-Euro-Ticket-Tagebuch wird weiterhin von bösen Mächten torpediert. Der Test schlägt immer noch positiv aus. Und so langsam ist es nervtötend. Aber es ist, wie es ist: Auch dieses Wochenende keine Reise und das lange geplante Essen mit der Gartenparty-Runde (ja, die hat tatsächlich einen so schönen Namen) in der Südstadt morgen Mittag entfällt auch. Aber nicht nur wegen mir, auch andere liegen flach.

Tja, mal sehen, was die nächste Woche so bringt. Geplant ist eine Autofahrt, zusammen mit Elke, in das Atelier eines niederländischen Malers. Hat natürlich nix mit dem Ticket zu tun, aber ich würde mich freuen, wenn wenigstens das dann endlich mal klappt.

Bleibt’s gsund, Ihr Hoasn!

Euer Gerry

Das Universum versus Gerry 2,5:0,5

Ihr Lieben,

diese wunderbaren Geschichten über meine Erlebnisse mit dem 9-Euro-Ticket, die so aus mir heraussprudeln, sind sie nicht eine wahre Wonne? Was soll ich sagen? Auch dieses Wochenende wird da nix draus. Es gibt scheinbar eine weltumspannende Verschwörung gegen mein Vorhaben, denn nach nur einem Tag im Büro schlugen alle Covid-19-Tests positiv an. Ich habe gerade einen Lauf. Einen vorsichtigen natürlich, laboriere ich ja immer noch auch an meinem Faserriss.

Donnerstag beim Gesundheitsamt angerufen. Tja, als ich gesund aus Südafrika zurückkam, richteten sich mehrere Gesundheitsbehörden quasi häuslich bei mir ein, um mich auf Schritt und Tritt zu überwachen. Gestern nur: Ja, dann bleiben sie mal zuhause und lassen sich mal vernünftig testen. „Ja, wo denn an einem Feiertag?“ – „Weiß nich‘.“

Freitag Hausarzt angerufen, der in Urlaub. Vertretung angerufen. Das war wirklich effektiv: „Seien Sie um soundsoviel Uhr hier, stellen Sie sich im Treppenhaus daunddahin, wir kommen dann.“ Hat geklappt. Testergebnis kam dann abends, CT-Wert 14,8. What the Schnaps ist ein CT-Wert? Na, ich habe herausgefunden, dass es dazu reicht, andere prima anstecken zu können.

Statt also in überfüllten Regionalbahnen mein Dasein zu fristen (bzw. unbestellten Bussen nachzuweinen), sitze ich bis kommenden Freitag hier in Quarantäne. Leider ist der Verlauf auch nicht super simpel, es geht einher mit Fieber und rasenden Kopfschmerzen. Und der Schnupfen nervt. Aber ich schmecke noch, kann atmen und denke, dass die Impfung möglicherweise eine gute Idee war. Ob die neusten politischen Maßnahmen bzgl. Covid seitens der Regierung Halleluja-Gesänge und Corona-Laser-Shows verdient haben…. Ich weiß es nicht.

Zumindest tut sich etwas in meiner Wohnung. Den Fronleichnams- und den dazugehörigen Brückentag habe ich genutzt, um den Keller auszumisten, einen neuen Teppich liefern zu lassen und meine Onlinepräsenz in Ordnung zu bringen; ich habe Dutzende Accounts gelöscht!

So, die Lamentiererei hört hier jetzt mal auf, hilft ja nix. Wenigstens haben zwei Bekannte auch Corona und wir schreiben uns derbe Witze darüber, die in der woken Welt heute nicht mehr blogfähig wären.

Ernsthaft: Der Friedhof „Melaten“ in Köln hat eine spannende Geschichte!

Ich hoffe inständig, dass ich bald über das eigentliche Thema schreiben kann. Aber wer weiß, was das Universum für kommendes Wochenende im Schilde führt.

Liebe Grüße, Euer

Willst Du immer weiter schweifen?

Sieh, das Gute liegt so nah. (J.W.G. 1827)

Liebe Leser,

vollmundig hatte ich letzte Woche einen tollen Kurztrip versprochen. Warum also zeigt das Vorschaubild Köln Poll? Nun, ich war in Köln Poll. Und ich benötigte noch nicht einmal das 9-Euro-Ticket. Und das Bild ist noch nicht einmal von diesem Wochenende.

Langen Blablas kurzer Sinn: Ich bin krank geschrieben und quasi an die Wohnung gefesselt, habe ich mir doch einen Muskelknacks im rechten Oberschenkel zugezogen, als ich Dienstag von der Arbeit nach Hause fuhr und im Sturzregen von der Straßenbahnhaltestelle in Poll Richtung Bushaltestelle sprintete. Der Sprint hörte dann leider nach einem Meter auf und ich saß im Wolkenbruch auf dem Bahnsteig. Danach begann zumindest den Durchgangsarzt betreffend eine Odyssee, insofern passt das ganze in einen Reiseblog. 🙂

Aber immerhin geht es aufwärts, es ist nicht so schlimm, wie ursprünglich angenommen. Dementsprechend hoffe ich auf einen etwas interessanteren Bericht am kommenden Wochenende.

Liebe Grüße, habt alle einen wundervollen Sonntag!
Euer Gerry

Tropf ja, aber keine steinhöhle…

Ihr Lieben!

Heute also war es soweit, meine erste 9-€-Fahrt. In der Presse konnte man ja schon lesen, dass das 9-Euro-Ticket wie eine Bombe einschlug. Punker enterten Sylt, Großfamilien brachen Richtung Küste auf, halb Deutschland interessierte sich plötzlich für das andere halbe Deutschland. Na ja, zumindest ein Punker war nicht auf Sylt, denn er saß mit mir in der Regionalbahn nach Meinerzhagen. Seine krebsrotverbrannte Haut vermählte sich mit seinen knatschgrünen Haaren übrigens zu einem stimmigen Gesamtbild .

Aber von vorne, ich machte mich natürlich schon letztes Wochenende schlau, wo ich hinfahren wollte. Meine Entscheidung fiel auf die Tropfsteinhöhlen von Attendorn. Mir war klar, dass es eine lange kombinierte Zug-/Busfahrt werden würde. Ich hatte noch im Kopf, dass es gegen 11:30 Uhr losgehen sollte. Daher trank ich erst einmal gemütlich Kaffee, schmierte mir einen Toast, schaltete den Rechner ein, las Nachrichten, checkte nochmal die Abfahrtszeiten… um dann erschrocken zu sehen, dass ich schon um 11 Uhr los musste. Da hast du aber mal jemanden flitzen sehen. Duschen, Zähneputzen, Rasieren, Anziehen und Packen in nur drei Minuten. Dann schnell mit dem Bus zur Trimbornstraße, dort startete meine Regionalbahnreise.

Ziemlich leer war er, der Zug. Wahrscheinlich ist Attendorn nicht so attraktiv wie die Küstenregion. Man passiert so spektakuläre Bahnhöfe wie Rösrath-Stümpen, aber auch Orte mit so verheißungsvollen Namen wie Hoffnungsthal und Engelskirchen. Ich fuhr zwar bei strahlendem Sonnenschein los, aber hinter Gummersbach zog es sich zu und es fing an, zu regnen.

Es fährt kein Bus nach Nirgendwo….

In Meinerzhagen stieg ich dann aus, im Nieselregen. An der Bushaltestelle wunderte ich mich ein wenig, dass mein Bus R61 nach Attendorn nicht auf der elektronischen Abfahrtstafel angezeigt wurde. Leider waren auch die Informationstafeln an der Haltestelle nicht bestückt. Ich wartete ein wenig im Nieselregen und wartete und wartete. Ich bemühte das Internet, genauer die Seiten der märkischen Verkehrsgesellschaft. Der Bus R61, so erfuhr ich dort, verkehrt nur nach vorheriger Buchungsanfrage. Ey sachma, echt jetzt? Wer denkt sich denn so einen Quatsch aus?

Den nächsten Bus hätte ich für frühestens zwei Stunden später buchen können, dazu noch eine Stunde Fahrt nach Attendorn, dann die Höhlen finden, letzter Einlass 16:30 Uhr. Puh! Mir war die Lust vergangen! Der nächste Zug nach Köln zurück von Meinerzhagen sollte aber auch erst in über einer Stunde fahren. Daher beschloss ich, zumindest Meinerzhagen ein bisschen zu erlaufen. Im Nieselregen. Einem ätzenden Nieselregen.

Meinerzhagen, es tut mir wirklich leid das sagen zu müssen, hat nicht besonders viel zu bieten. Eine sehr, sehr traurige Fußgängerzone, eine geschlossene Touristeninformation, einen hässlichen Bahnhof und Nieselregen. Erwähnte ich den Nieselregen schon? Immerhin gibt es einen Volkspark, mit einer Villa mittendrin. Sehr grün! Kein Wunder, es nieselt hier wahrscheinlich ständig.

Die flehentlichen Blicke der Bedienungen aus Eiscafé und Bäckerei ignorierend – kein Gast hatte sich hineinverirrt – , schlich ich zum Bahnhof zurück. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt – übrigens ab Gummersbach bei strahlendem Sonnenschein – war ich wieder zu Hause. Was für ein bescheidener Ausflug. Was lernen wir daraus? Also erstens, man nimmt immer einen Regenschirm mit! Zweitens, und das ist vielleicht sogar wichtiger, eine Reise kann nie detailliert genug geplant sein. Für mein nächstes 9-€-Wochenende werde ich mich auf allen verfügbaren Seiten nach Streiks, nicht fahrenden Bussen, eingestürzten Brücken, Demonstrationen, Alieninvasionen und dergleichen mehr erkundigen.

Aber es war trotzdem irgendwie nett, immerhin kam der Bub mal wieder raus. Zudem kann ich berichten, dass die Zugfahrt einige sehr schöne Ausblicke zu bieten hat.
Nächstes Wochenende geht es dann nach… Ach, ich möchte Euch die Vorfreude ja nicht verderben.

Liebe Grüße, bis bald, Euer

Die traditionelle Pfingstkirmes zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an.