Tag 12: Unsichtbare Delphine

Heute mussten wir ganz früh raus aus den Federn, da war es bei Euch gerade Mitternacht, Ihr Lieben!
Nach dem Frühstück ging es mit drei Minibussen zum Kampi Pool, wo sich ein paar Dutzend der noch wenigen Irrawaddy-Delphine im Mekong aufhalten. Die Busse waren sehr eng, daher platzierte mich der Fahrer neben sich auf den Beifahrersitz, da ich die längsten Beine hatte. Das war ganz spannend. Zum einen, da wir mal eine Inlandssicht auf Kambodscha bekamen, zum anderen, weil man den Verkehr mal hautnah mitbekam.

Die Fahrt dauerte über zwei Stunden und wir haben vor allem völlig überladene Mopeds gesehen. Ohne Anhänger passen übrigens problemlos 5 oder 6 Leute hier auf so ein Ding. Aber auch eine komplette Wohnungseinrichtung oder 10.000 Wasserflaschen auf Paletten lassen sich so transportieren. Abenteuerlich. Es wird viel gehupt. Im Falle des Minibusses bedeutete dies für die Mopeds „Achtung, ich bin stärker“. Bei LKWs hatten wir dann das Nachsehen. Verkehrsregeln, ich erwähnte es wohl schon an anderer Stelle… nunja… bestenfalls eine Empfehlung.

Wohlgemerkt: EIN Mofa!

Wir kamen an vielen Hochzeiten vorbei. Diese werden auch hier groß gefeiert, aber man mietet dann halt kein Schloss oder ein Edelrestaurant, sondern man stellt einen Pavillon hin, gerne auch mal einfach mitten auf die Straße. Zur Standardausrüstung gehören pro Pavillon Dutzende von riesigen Lautsprechern. Dazu Gartenmöbel, die aber nett eingedeckt. Auch an einer Beerdigungsfeier kamen wir wieder vorbei, auch sehr öffentlich und quasi auf der Straße.

Die Straßen selber sind in einem interessanten Zustand. Eher einspurig, aber mit befahrbaren Banketten. Die Brücken sind auch einspurig, hier mahlt zuerst, wer zuerst kommt. Sie machen stellenweise einen recht klapprigen Eindruck.

Leider gibt es auch viele Tiere, die die Straße kreuzen. Hühner, Katzen, Hunde aber auch Ziegen und Kühe. Unser Fahrer nahm einem Hund das Leben. Er hupte und versuchte auch, zu bremsen. Aber zu spät.

Am Delphinbecken angekommen bestiegen wir zu jeweils 4 bis 6 Personen ein Langboot, das uns an verschiedene Stellen des dort stark verbreiterten Mekongs brachte. Die Irrawaddy-Delphine unterscheiden sich sehr von der uns allgemein bekannten Spezies. Sie haben z.B. eine ganz andere Schnauze, und sie springen auch nicht so. Man bekommt sie zu sehen, wenn sie zum Atmen auftauchen, aber dann sieht man ein bisschen Rücken und die Flosse. Fotos zu machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil sie immer nur für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen sind. Und sie tauchen natürlich dann an ganz anderer Stelle wieder auf. Lidy hat einen Preis (eine Flasche Angkor-Bier) für ein Foto ausgelobt, wo nicht nur ein verschwommener Punkt die Anwesenheit eines Delphin erahnen ließe. Ist keinem der Mitreisenden gelungen. 🙂

Aber es war ein schöner Ausflug. So auf dem Mekong in Langbooten zu treiben und die anmutigen Schwimmübungen der Delphine zu beobachten, hatte etwas sehr meditatives. Es gibt halt keine vernünftigen Fotos von diesen Tieren, aber sie waren schon da. Isch schwör, ey!

Auf dem Rückweg kehrten wir in Kratie in einem Restaurant ein, wo es ein vorbestelltes Menü gab; sprich: alles zu gleicher Zeit auf den Tisch. Das war ganz okay, aber auf der Lan Diep wird besser gekocht. Nach weiteren zweieinhalb Stunden Fahrt mit spannenden Beobachtungen waren wir wieder an Bord.

Am Nachmittag hielt Dawinn einen Vortrag über die roten Khmer. Es ist definitiv ein für ihn sehr emotionales Thema. Und das Thema ist sehr komplex. Wie bei anderen Gräueltaten ist unverständlich, wie es dazu kommen konnte. Auch ist die Aufarbeitung noch lange nicht am Ende. Wir werden morgen das berüchtigte Lager S21 besichtigen, ein Foltergefängnis der roten Khmer. Dawinn verlässt heute das Boot in Phnom Penh und wir werden für die Hauptstadt andere Guides zugeteilt bekommen.

Zum Abendessen gab es heute mal ein bisschen europäisch angehauchtes Essen, aber auch sehr gut, und jetzt sitze ich auf dem Oberdeck, ringsum ist dunkel und wir werden in zwei Stunden Phnom Penh erreichen. Der Hafen wird dann schon geschlossen sein, so dass wir an Bord bleiben müssen. Aber wir haben dann ja zwei Tage Zeit, die Hauptstadt zu erkunden. Und wie sie so ist, das erfährt Ihr dann, wenn Ihr mögt, morgen.

Bis bald, Euer Gerald

P.S.: Auf dem folgenden Bild gibt es einen Delphin. Wer findet den entsprechenden Pixel?

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