Tag 6: Jebootsdaach!

Liebe Lesenden und Lesendinnen!

Heute geht der erste Gruß an meine Tante Ute, die – wie ich übrigens auch 🙂 – heute Geburtstag hat. Alle guten Wünsche für das kommende Lebensjahr, liebe Ute!

Geschenke für mich müssten dann übrigens per Eilpost hierher geschickt werden, damit sie noch rechtzeitig ankommen. Ach, am besten direkt einfach nur etwas überweisen! 😉

Heute sind wir in die Touristenhochburgausflugszielstädte Deià und Valdemossa gefahren. Das war für Stephan ein bisschen stressig. Mehrere tausend Radrennfahrer hatten nämlich, neben anderen Auto- und Motorradfahrern, die selben Ziele. Wie schon letztlich beschrieben, herrschen bei diesen ganz eigene Regeln. Am Abend habe ich mal versucht, Unfallstatistiken zu finden. Einige Zeitungsberichte, z.B. in der mallorcazeitung.es, führen da Zahlen über Unfälle mit Radfahrern auf, die einen zwar zuerst erschrecken, aber dann, nachdem man das ganze quasi live miterlebt hat, auch wieder wundern lassen, dass es nicht noch viel höhere sind. Im April 2018 über 100 Vorfälle, und das sind nur die gemeldeten! Man kommt eben nur sehr langsam voran und muss höllisch aufpassen!

Kirche von Deià

Kurz vor Deià, unserem ersten Ziel, kam es zum quasi Ganzstillstand, als mehrere Busse und LKWs, jeweils mit Massen anderer Verkehrsteilnehmer hinter sich, an einer Haarnadelkurve aufeinander trafen. Da konnte man mal spanisches Temperament beobachten, denn zwei oder drei Autos vor uns fluchte und schimpfte der Fahrer eines Wagens wie ein Rohrspatz, mit fast dem ganzen Oberkörper aus dem Fenster hängend und wild mit den Armen rudernd. Ein paar andere begnügten sich mit Hupen, was ja in solchen Momenten bekanntlich Wunder wirkt. Der einzige Dorfpolizist stand verloren in dem ganzen Chaos.

Deiàs Unterstadt

Naja, wir fanden – nachdem sich das Gewirr entknäuelt hatte – durch glückliche Fügung einen freien Parkplatz und schlenderten durch das Dorf. In der Kirche zündete ich ein paar Kerzen an, wir besichtigten den Friedhof, auf dem es ziemlich turbulent zuging („Bitte respektieren Sie die Würde des Ortes!“ HAH!) und kehrten auf einer Terrasse mit Aussicht ein, wo wir Kaffee orderten, aber stattdessen eine scheinbar nur dort erhältliche Spezialität kredenzt bekamen, von der wir bis jetzt nicht wissen, worum es sich handelte. Das Gebräu war braun, kalt und bitter. Aber es muss etwas besonderes gewesen sein, denn es war recht teuer.

Sa Foradada

Nachdem wir mit unseren Erkundigungen, ich erwähnte es noch nicht, aber es ist ein wirklich schöner Ort!, fertig waren, wollten wir zur Sa Foradada, wo man, wenn man oberhalb der Küste den Wagen abstellt, theoretisch ein paar Kilometer schön laufen kann, um zu einer Landzunge zu kommen, die ein meterhohes Loch aufweist. Leider war aber der Weg dorthin schon bald abgesperrt und Schilder warnten vor Unfallgefahr nach Regen. Naja, wir konnten von oben einen Blick erhaschen und statt zu wandern fuhren wir halt nach Valdemossa, der wunderschönen Stadt, in der Frédéric Chopin und George Sand eine gewisse Zeit zusammen verbrachten. Auch hier Menschenmassen, aber ebenfalls Parkplatzglück. Und ebenso ein wunderschöner Ort, den wir uns aber im (Alb-)Traum nicht im August vorstellen mögen. Da muss Valdemossa ja aus allen Nähten platzen!

Valdemossa bei Geburtstagswetter

Hier wollten wir dann eigentlich einen Geburtstagskuchen essen, aber die Preise haben uns zuerst abgeschreckt und als ich dann nachher die Kuchentheke sah… es war schon eine richtige Entscheidung, das sah alles schwer nach aufgetaut aus. Immerhin erinnerte der Kaffee zumindest entfernt an Kaffee.

Beide Städtchen liegen ganz bezaubernd in den Berghängen und bieten auch wunderbare Ausblicke. Ein Besuch lohnt sich, auch wenn mit etwas Anreisestress verbunden. Nur essen und trinken sollte man dann in einem der unbekannten kleinen Orte auf dem Weg, wo es in den Bars keine Speisekarten gibt.

Was ich übrigens erst heute realisiert habe: Nur 50 Meter von meiner Unterkunft entfernt fährt die alte Bahn nach Sollér vorbei. Das war vor drei Jahren eine sehr schöne Tour, die wir unternommen hatten, zumal man in Sollér ja dann auch noch eine historische Straßenbahn nach Port de Sollér nehmen kann. Und dann: keine 500 Meter von hier befindet sich die balearische Stierkampfarena, in Deutschland hauptsächlich durch die Sommersendungen von „Wetten, dass…?“ bekannt. Man streitet aktuell darum, ob das erst kürzlich ausgesprochene Verbot des blutigen Stierkampfs wieder gekippt werden soll.

Morgen ist letzter Urlaubstag und Palma-Day. Es ist schon irre, wie die Zeit verfliegt. Diese Woche, aber auch die Zeit zwischen meinen Urlauben auf Mallorca… Schon drei Jahre her???? Ja, in der Tat. Puh!

Allen einen schönen Abend und hasta pronto!

Euer Gerald

P.S.: Hörte gerade beim Durchlesen das Regentropfen-Prélude von Chopin, das er hier komponiert hat. Zu diesem Stück gibt es einen interessanten Wikepedia-Artikel.

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