Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!!

Juten Tach ooch!

Nun ja, es müsste ja eigentlich heißen „ich fahre nach Berlin“. Noch richtiger wäre „ich fuhr nach Berlin“, denn ich bin ja nun schon da!

Ick liebe Bärlin!

Gestern hörte ich mal fast sofort nach Ende der Kernzeit auf zu arbeiten, um um 16 Uhr 48 den ICE nach Berlin zu nehmen, aber nicht ohne vorher noch Reiseproviant einzukaufen. Im Bahnhofs-REWE war es pickepackevoll, so dass mein großzügig bemessenes Zeitfenster mir ausreichend Zeit zum Schlangestehen ließ. Zwei überteuerte Wraps und eine Flasche Pinot Grigio zum – oho – Normalpreis wanderten in mein Reisegepäck.

Der Zug selber wurde in Köln bereitgestellt, so dass er auch pünktlich startete. Aber: er war ebenfalls pickepackevoll, und alle Plätze waren reserviert (schlaue Menschen tun das!), so dass es zu tumultartigen Szenen unter den Passagieren kam, weil sich Reisende und deren Gepäck auf den schmalen Gängen türmten. Jawohl, auch die Reisenden türmten sich! Die halbherzigen Durchsagen der Zugleitung, man möge doch sein Gepäck so verstauen, dass die Gänge passierbar blieben, sorgte immerhin für entspannende kollektive Erheiterung. Wir benötigten dann schon eine Stunde nach Wuppertal. Mein Sitznachbar hatte extra den Zug gewechselt, da seiner schon verspätet war und er sich erhoffte, auf Umwegen schneller zum Ziel (Hannover) zu kommen. Tscha…. Aber immerhin hatte er einen der reservierten Plätze ergattert, auf die keiner Anspruch erhob. Und er war sehr nett, so dass ich auch Glück hatte, denn manchmal hat man ja schlimme Sitznachbarn (siehe Flug nach Bangkok in 2018).

Irgendwie kamen wir dann aber in Berlin an – in Hannover bekam ich dann eine Sitznachbarin, die auch schon eine kleine Odyssee hinter sich hatte und mitten auf der Strecke in einem Kuhdorf aus ihrem bayerischen ICE aussteigen musste – und das nur mit 40 Minuten Verspätung. In Hannover hatten wir nämlich auch noch etwas ungeplanten Aufenthalt wegen eines randalierenden Fahrgastes, der durch die Bundespolizei aus dem Zug entfernt werden musste.

Woran man randalierende Fahrgäste erkennt? Skulptur aus dem Museum in der Kulturbrauerei.

Vom Hauptbahnhof aus war ich in fastnullkommanix im Hotel. Achtung, jetzt kommt Köln-Bashing! Liebe KVBler: Fahrt doch mal nach Berlin und guckt Euch da an, wie Nahverkehr funktioniert. Man steht nicht etwa 45 Minuten dumm in der Gegend, weil nix kommt. Nee, da schwuppt alles! Wie übrigens auch in Hamburg! Wie wahrscheinlich überall auf der Welt, außer in der Stadt, in der noch alles joot jejange hätt! KVB-Bashing beendet.

Das Hotel ist stylisch, aber die Zimmer sind sehr klein und haben keine Schränke. Zwischen Bett und Fernseher hat man geschätzte 3 cm Platz, um sich durchzuzwängen. Selbst Twiggy hätte hier Probleme gehabt.

Mein Zimmer ist über dem ersten „e“…

Nach einer trotzdem guten Nacht und einem der Prospektaussage („einmalig gut“) widersprechenden Frühstück (der Kaffee super, Obstsalat okay und Tetrapack-Rührei und steinharte Weizenbrötchen zum wegschmeißen) setzte ich mich in die S-Bahn nach Potsdam, um das Museum Barberini zu besuchen; es regnete nämlich. Die Austellung wurde neu aufgebaut, daher gab es nur eine kleine Ausstellung in der obersten Etage zum Thema Künstler der DDR. Die meisten Namen kannte ich gar nicht, aber es war eine sehr kleine, konzentrierte und gut gemachte Schau. Der wiederaufgebaute Palast Barberini sowie der Alte Markt mit Rathaus, Stadtschloss, Nikolaikirche, Obelisk etc. sind ein schöner Rahmen.

Das Bild von Bernhard Heisig heißt „Die schöne Jugendzeit“. Ich finde, da passe ich gut hin. So als Kontrapunkt.

Inzwischen kam die Sonne durch und ich stieg in der Nikolaikirche auf den Turm, wo ich grandiose Ausblicke hatte. Beim Betreten der Kirche kam ich rechtzeitig zu einer sehr spärlich besuchten Andacht, es wurde ein Psalm gesungen und gebetet, und nach dem Abstieg hatte ich ein kleines Orgelkonzert fast für mich alleine. Aus der Badinerie von Bach die Arie und der Hochzeitsmarsch aus Mendelssohn Bartholdys Sommernachtstraum, sehr gut interpretiert und schnell und wuchtig vorgetragen. Nicht so bräsig, wie bei vielen Interpreten.

Rechts die Nikolaikirche
Turmblick

Von der Nikolaikirche lief ich dann in den Schlosspark, guckte mich dort nur ein bisschen um (ich war ja schon mehrmals da) und besuchte dann die Innenstadt. Also, was hat die sich verändert, seit ich vor ca. 25 Jahren das erste Mal dort war. Ein Kleinod, trotz Karstadt und McDonalds. Mit vielen Restaurants dazwischen und alles sehr pittoresk.

Sankt Sorgenlos
Potsdam City

Von Potsdam aus fuhr ich, einem Ratschlag meiner Freundin Ruth folgend, in die Kulturbrauerei im Kiez Prenzlauer Berg. Dort befindet sich ein DDR-Museum, das wohl vom Haus der Geschichte betrieben wird und mit viel Interaktion das Leben in der DDR, nein, nicht erklärt oder erläutert, sondern zeigt. Mit Gegenständen, Ton- und Schriftdokumenten. Sehr lohnenswert und toll gemacht! Eine Fotografienschau von Daniel Biskup mit Aufnahmen von 1990 bis 1995 im Nachbargebäude ist auch sehenswert.

Caravan der Sonderklasse

Mit der S-Bahn ging es dann wieder zurück nach Friedrichshain, wo mein Hotel ist und ich gerade diese Zeilen schreibe. Inzwischen ist das Wetter wunderbar und ich werde versuchen, irgendwo auf irgendeiner Terrasse irgendetwas zu essen zu bekommen. Irgendwie. 🙂

Pläne für morgen habe ich noch nicht, aber es ist ja auch mal nett, einfach nur so in den Tag hineinzuleben. Wenn Ihr mögt, gibt es morgen dann Neues aus der Hauptstadt.

Euer Gerry

„Wie wohl das Wetter morgen wird…?“
„Weiß auch nicht, bin skeptisch.“

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