Tag 14: Der größte Wasserfall des Baltikums

Laipni lūdzam atpakaļ Rīgā!

Was für einen Unsinn habe ich da gestern geschrieben! Wettertechnisch schlechtester Tag! Ein Witz!!! Und was für Unsinn in den Reiseführern steht! Der größte Wasserfall des Baltikums, der ist nicht wahlweise 8 Meter hoch (Estland) oder 153 Meter breit (Litauen). Durch den größten Wasserfall des Baltikums bin ich heute stundenlang gefahren!

Während ich nach dem Aufstehen und beim Frühstück noch kurz überlegte, welche Schönheiten des Landes ich heute besuchen soll (das Schloss in Palanga oder das Schloss Rundale, den schönen Fischerort Ventspils oder den nordwestlichsten Zipfel der Rigaer Bucht bei Kolka), seufzte der Kellner etwas, das sich wie ein litauisches „ach du jeh“ anhörte, starrte aus dem Fenster, wir anderen dann auch und sahen…. den Wolkenbruch unseres Lebens. Naja, wird schon wieder vorbei gehen, wie immer an diesen Tagen. Hustepiepen! Es hatte sich eingeschüttet und hörte nicht auf. Ich hatte keine Lust auf Schlossparkbesuche, bei denen ich drohte, ins Meer gespült zu werden, und dachte, ich bringe besser den Wagen jetzt einfach zurück nach Riga, checke in meinem 4-Sterne-High-Level-Upper-Class-Palast ein, den ich mir extra für die letzte Nacht gegönnt habe. Und vielleicht ist es bis dahin schöner und ich kann einfach noch einmal gemütlich durch Riga gehen.

Die Fahrt war nicht wirklich entspannend. Schon in Klaipeda auf den Ausfallstraßen in vierspurigen Kreisverkehren, in denen man die Fahrbahnmarkierungen nicht mehr erkennen konnte, litt mein sensibles limbisches System unter den Belastungen sehr. Dazu die bereits angedeutete forsche Fahrweise der ansässigen Katholiken. Puh!

Und es hat 350 Kilometer und genauso viele Minuten lang mehr oder weniger wie aus Eimern gekübelt!

Wenigstens hat die Wagenrückgabe sehr gut geklappt. Schon heute morgen rief ich Hertz an, dass ich um 18 Uhr kein „meet and greet“ in einer obskuren Tiefgarage haben wolle, sondern den Wagen beim offiziellen Büro am Flughafen abgeben, damit ich zeitlich flexibler sei. Dies wurde sogar ausdrücklich begrüßt. Und als ich in Riga in strömendem Regen am Flughafen ankam, der Rent-a-Car-Parkplatz natürlich jwd, stand dort erfreulicherweise schon ein Mitarbeiter, der sofort den Wagen abnahm und mich dann mit seinem Auto auch noch zur Bushaltestelle brachte, von wo aus ich nach 30 Minuten in der Stadt war. Er bedankte sich vieltausendmal, dass er nicht wegen meines Autos extra in die Stadt musste.
Ich bin übrigens 2315 Kilometer gefahren. Ich werde dafür viele Ave Gretas beten müssen. Aber man kommt so schlecht mit der Yacht von Tallinn nach Vilnius.

Das Hotel? Doppeltes Hustepiepen! Mein High-Class-Zimmer, das ich für immerhin 100 € im Voraus gebucht hatte, entpuppte sich als absolut winzige Abstellkammer. Ich habe in meinen Buchungsunterlagen nachgesehen und dort steht „kleines Doppelzimmer“. Nun ja, es ist ein kleines Doppelzimmer; wenn man sich sehr, sehr, sehr lieb hat, dann bringt man sich dort auch nicht gegenseitig um. Auch der Zustand ist keine drei Sterne wert. Die Rixwell-Hotels werde ich in Zukunft sowas von weiträumig umfahren – wie das Kamener Kreuz bei Stau noch niemand so weiträumig umfahren hat. Eine so besch… Hotelkette – ich kann es nicht anders sagen…. Halt leider beide schon früh von Deutschland aus gebucht, ohne Stornomöglichkeit. Die positiven Bewertungen müssen gekauft worden sein. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Jetzt stellte sich die Frage, ob ich auf meinen drei Quadratmetern den ganzen restlichen Tag hier sitze und greine oder was ich sonst mit dem Tag anzustellen gedenke. Ich plünderte erst einmal die Minibar, um dann nach einer halben Stunde zum Schirm zu greifen, um durch die Stadt zu schwimmen. Ihr merkt, die Plünderung hielt sich in Grenzen.

Es war witzig, durch eine Stadt zu laufen und oft zu denken: „Hey, das kenne ich!“ Ich setzte mich sogar in die Kreisch-Bar, wo aber statt des Elvisimitators diesmal eine talentierte Frau gecoverte Soft-Pop- und R&B-Songs vortrug. Dann enterte ich diverse Souvenirgeschäfte. Es ist absolut unheimlich. Mir gefällt hier nichts, aber auch gar nichts. Ich werde morgen mal auf die Suche nach der berüchtigten Laima-Schokolade gehen. Vielleicht passt die gut zum Tallinn-Schnaps, den ich in Estland erwarb.

Und dann kam endlich die Sonne durch. Leider ein bisschen spät, Monsieur Soleil! Aber immerhin hatte ich meine 15 Minuten blauen Himmel.

Essen war ich dann in einem Self-Service-Pelmeni-Laden. Man schaufelt sich russische Suppen auf den einen Teller und auf einen anderen Salate und auf einen dritten Pelmeni, das sind die gefüllten Teigtaschen, die es in allen möglichen Variationen gibt. Und schwupps ist man für 4,32 Euro satt. Und es war auch noch ganz lecker. So eine Kette würde bei uns bestimmt auch gut laufen.

Pelmeni-Variationen, Salat und Apfelschorle.
Mehr Fotos? Wie, Ihr habt noch nie einen Wolkenbruch gesehen??

Dann schnell auf die Uhr geguckt. Wir erinnern uns. Kein Wein darf sein nach acht im Mondenschein. Glück gehabt. 19 Uhr 30. Schnell in den nächsten Shop und einen Rosé de Hagueboutte gekauft.

Morgen soll das Wetter auch nicht so wirklich… daher werde ich ausgiebig schlafen, spät frühstücken und die lange Zeit bis zum Abflug im Lettischen Nationalmuseum verbringen. Das wird sehr gelobt. Ich bin gespannt.

So, ich suche jetzt mal bei Google nach „Wie werde ich Schwimmhäute los in nur 10 Tagen“ und hagebutte dabei ein bisschen.

Bis morgen, wenn Ihr mögt.

? ? und ? , Euer Gerald

In Bäckereien gibt’s schöne Souvenirs. Das Brot ist hier wirklich lecker. Und auch die Erste-Hilfe-Kekse sind außergewöhnlich gut. Erste-Hilfe-Kekse? Elke fragen!

Wer findet den Fehler? (Leider verfälschen die Aufnahmen den Eindruck, denn nur ein Zimmer hat ganz aufs Foto gepasst)

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