Tag 13: Freitag der 13. auf spanisch

„Conforme voy conociendo mejor el idioma, padezco más“
B. Perez Galdós

¡Hola hola de la Costa Ayala!

Was für ein trübes Wetter heute früh. Das hatte ich nicht bestellt. Ich musste mal in die Sonne…

Aber erst einmal Exkursion. Mit der Guagua um 9 Uhr aufgebrochen. Guaguafahren ist ja immer ein höchst kakophonisches Erlebnis! Der Busfahrer hat seine Musik aufgelegt, der tätowierte Bushido-Klon nebenan hört Gangsta-Rap, die toupierte Dame drei Reihen hinter einem schreit in ihr Handy, dass sie eigentlich keins bräuchte, dazu munter durcheinander quasselnde Gruppen.

Das Geburtshaus des Meisters

Unsere heutige Exkursion seitens der Schule führte uns zum Museo Benito Perez Galdós, dem wohl berühmtesten Sohn der Insel, der uns auch schon hier im Tagebuch begegnet ist. Der bekanntermaßen nach Miguel Cervantes meistgelesene spanische Autor! Natürlich bekamen wir für diesen Besuch auch wieder Aufgaben auf, sonst wäre es ja kein Unterricht gewesen.

Es galt Erinnerungstafeln in in den Straßen Las Palmas bestimmten Werken zuzuordnen, Inhalte aus der Führung durch das Museum wiederzugeben, Dinge aus dem Haus zu beschreiben, Einschätzungen über die damalige Zeit zu geben und dergleichen mehr.

Galdós war ein unglaublich vielseitiger und unermüdlicher Autor. Sein Hauptwerk, die Episodios Nacionales, besteht aus 46 Bänden. Dazu kommen noch unzählige andere Novellen, Dramen, Artikel, Kurzgeschichten etc pp. Zudem zeichnete er ausgezeichnet und war ein einflussreicher Politiker. Eine beeindruckende Persönlichkeit.

Diese Skulptur sollte nach Willen des Schöpfers völlig verwittern. Die Inselregierung (oder wer auch immer) hat diesen Akt unterbrochen.

Um der Kultur einen Kontrapunkt zu setzen, beschloss ich, nach Maspalomas zu fahren. Sonne! Meine erste Haltestelle war der berühmte Playa del Inglés. Ach du jeh! Dass die meisten Menschen, die sich dort aufhalten, den ganzen Tag besoffen sind, wundert mich absolut nicht. Dieser Ort ist nüchtern nur schwer zu ertragen! Viele nackte Körperteile, die man nicht gesehen haben möchte, viel Gegröle, in fast jeder Kneipe eine mehr oder weniger talentierte Showgröße, die auf Playback rockige Weihnachtslieder, deutsche Countrysongs oder herzzerreißende Schmachtfetzen intoniert. Aufdringliche fliegende Händler, aufdringliche schleimige Kellner, billige vietnamesische Ramschläden vervollständigen das Bild.

Aber dann: Las Dunas, die Dünen. Toll! Ganz toll! Eine wunderbare Naturlandschaft, die unter besonderem Schutz steht. Man fühlt sich ein bisschen wie in der Sahara. Dieser Naturpark ist riesengroß und wird auf der einen Seite von Maspalomas, auf der anderen Seite von Meloneras begrenzt. Ich lief tief in die Dünen hinein, wo ich fast einsam war. Anschließend fuhr ich noch nach Meloneras, um die Dünen von der anderen Seite zu erobern.

Meloneras ist etwas schicker als Maspalomas, es geht hier wesentlich zivilisierter zu. Und es sieht auch alles ein bisschen netter aus. Aber auch hier riesige Shoppingcenter, die zu zwei Dritteln leerstehen und verzweifelte Tristesse ausstrahlen. Wer kennt nicht Loriots Sketch von der Familie, die durch das Gran Paraíso irrt? So fühlte ich mich dort. Nur ohne Esel.

Schau mal, Mutti: ein Esel!

Von Meloneras aus kann man Pasito Blanco sehen, von weitem sieht das ganz nett aus, es wird wohl ähnlich sein wie Puerto de Mogán. Richtig gute Laune hat natürlich die Sonne gemacht, denn ich bin in trübstem Wetter losgefahren und in wunderbarstem Urlaubswetter angekommen. Eigentlich wollte ich auch ein oder zwei Nächte bleiben und mir dafür ein Hotel suchen. Aber, habe ich mich gefragt, was willst Du morgen und Sonntag den ganzen Tag hier tun?

So ein Strandhase bin ich ja schon lange nicht mehr.

Durch allerschönsten Feierabendverkehr fuhr ich also wieder nach Costa Ayala. Hier ist der Himmel immer noch grau, aber der Ort wird zumindest nicht von Truck-Stop-Liedern überschallt. Man möchte eben nicht immer Dave Dudley hören, Hank Snow und Charlie Pride. Und ich habe eine wahrscheinlich viermal so große Unterkunft, wie in einem Hotel an der Südküste.

Das klang jetzt nach sehr viel Gemotze, glaube ich. Aber auch der Nachmittag war wunderschön, denn die Dünen alleine sind einen Besuch des Südens wert. Jetzt stehe ich vor dem Problem, dass ich morgen auch gerne wieder Sonne hätte, was für hier nicht vorhergesagt ist. Mal sehen wie ich den Wolken hier anders entkommen kann. Notfalls lege ich einen dringend erforderlichen Vokabel- und Grammatiktag ein.

Ich wünsche allen ein wunderbares Wochenende und sende viele liebe Grüße.

Hasta luego, Euer Gerald

Einen Brief an Santa muss ich ja auch noch schreiben!
Dieser Schlingel. Dauernd eine andere Frisur

P.S.: Freitag der 13. heißt übrigens auf spanisch „Viernes Trece“

P.P.S.: Dem Zitat am Anfang des Textes kann ich nur vollinhaltlich beipflichten! Je mehr ich die Sprache kenne, umso mehr leide ich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.