Tag 3: Geiranger

Ihr Lieben,

nach einer diesmal ruhigen und durchgeschlafenen Nacht nahm ich ein leichtes Frühstück ohne Räucherfisch ein und begab mich an Deck, denn wir fuhren in die Vorfjorde zum Geiranger Fjord ein. Was für eine Landschaft! So etwas schönes sieht man selten! Wir hatten allerdings auch – wie niemand an diesem Tag müde wurde zu betonen – ein Kaiserwetter, das man wohl hier ebenfalls so nicht oft hat. Kühl und sonnig mit nur einem Hauch von Wölkchen.

Die schroffen, aber mit viel Grün bewachsenen Felsen umrahmen das Schiff, und wenn man an einem Seitenarm vorbeikommt, scheint es, als ob eine Geisterhand riesige Kulissen verschieben würde. Ab und zu konnte man ein versteinertes Trollgesicht erkennen und recht oft ergoss sich eine Kaskade Wasser in den Fjord. Und überall pittoresk eingestreut Spielzeugboote und -häuser. Während der Fahrt war es einigermaßen kalt, aber dadurch war die Luft klar und rein. Es war ein so faszinierendes Gesamtkunstwerk, dass sich viel Volk auf den Decks knubbelte. Ich blieb auch so lange wie möglich auf dem obersten Deck, um ja nix zu verpassen.

Bei der Einfahrt in den Geiranger Fjord spielte auf Höhe der „Sieben Schwestern“, einigen berühmten, aber zur Zeit nicht besonders viel Wasser führenden Wasserfällen, die Bordanlage Edvard Griegs „Morgenstimmung“ und die Crew servierte Sekt. Man lässt sich wirklich viel für ein Gänsehautfeeling einfallen bei Phönix. Also, ein Naturspektakel, bei dem man wieder an einen guten Schöpfer glauben möchte. Wenn man sich dann allerdings wieder umdreht und seine Mitreisenden beobachtet, ist dieser Spuk, diese Halluzination schnell wieder vorbei.

In Geiranger lagen wir auf Reede, da schon zwei Schiffe im Hafen lagen. Zu den Ausflügen wurde daher getendert, sprich: man fuhr uns mit den Rettungsbooten zur Mole. Da der Lotse sich stark verspätet hatte, ging es erst um 15 Uhr für mich los. Ich hatte „Höhepunkte von Geiranger“ gebucht. Mit so einer Art Ausflug kann man ja nichts falsch machen. Da insgesamt 6 Busladungen abgefertigt und getendert werden wollten, herrschte starker Andrang in der Showlounge, die als Treffpunkt vereinbart war. Wer mal gesittete deutsche Wohlstandstouristen kennenlernen wollte, war hier übrigens fehl am Platz. Nicht wegen deutsch und Wohlstand…

Wir fuhren mit Bus Nr. 6 und Mario vom Phönix-Team als Begleitung mit unserem Fahrer Sverge (?) und unserem örtlichen Guide Mykkel zuerst zum Geiranger Fjordsenter, wo wir uns einen kurzen Film über die Fjorde im Laufe der Jahreszeiten sowie eine mehr oder weniger interessante Ausstellung über das Leben in den Fjorden in vergangenen Zeiten ansahen.

Unser nächster Halt war der auf ca. 1500 Meter liegende Aussichtspunkt Dalsnibba, der spektakuläre Ausblicke auf den Fjord sowie die blauen Gletscher bot. Unser Mykkel, für den wir die erste Tour seit 18 Monaten waren, war etwas irritiert davon, dass kein Schnee lag und dass das Wetter so untypisch war. Hm, Klimawandelleugnung ist schon schwer angesichts weltweiter ähnlicher Beobachtungen. Immerhin aber gehört Geiranger zum UNESCO-Weltnaturerbe und es gibt immer strengere Regeln, um den Ort zu besuchen. Ab 2027 dürfen nur noch Schiffe mit alternativen Antrieben in den Fjord. Auch dieser Besuch hat sich gelohnt!

Auf dem Weg zurück zum Schiff ging es zunächst nach Flydalsjyvet, DEM klassischen Postkartenmotiv Norwegens. Hier auch schöne Ausblicke, wieder auf das Fjordbecken bei Geiranger.

Für unseren letzten Stopp, die Adlerkehre – wo zur Verwunderung unseres Guides keine Adler zu sehen waren -, fuhren wir am Hafen vorbei und die andere Seite der Fjordhänge hoch. Übrigens durch sehr viele Haarnadelkurven, so dass es dem ein oder anderen Passagier mulmig wurde. Aber meisterhaft gemeistert von unserem Fahrer! Von diesem Ausblickspunkt aus hätte man die sieben Schwestern noch einmal sehen können, aber sie waren ja – wie erwähnt – wasserarm und die Sonne stand auch falsch.

Und dann ging es auch schon wieder zurück zum Schiff mit unserem Tenderboot. Das war ein sehr schöner Ausflug. Ich bin umgehend zum Fjordfan mutiert und möchte nun hier meinen Lebensabend verbringen. Oder würde, wenn es nicht so kalt und abgelegen im Winter wäre. Und nicht so einsam. Und wenn ich norwegisch könnte. Und wenn Alkohol hier nicht so teuer wäre. Und….

Am Abend musste ich erst einmal – beim Schreiben dieses Eintrags – mein Wanderbier vertilgen (Hallo, Elke!) und bin dann entspannt essen gegangen. Als Showattraktion war ein Buddy-Holly-Abend geplant. Aber da ich bei Abba schon die Hände in die Luft schmeißen sollte, dies als so ziemlich einziger nicht getan und deswegen von allen (!) böse angeguckt wurde (isch schwör, ey!), hatte ich Angst, dass ich heute Rock’n’Roll tanzen müsse und ersparte mir das. Irgendwie werde ich nicht gerne animiert. Schade eigentlich.

Stattdessen werde ich mich wieder in die Panoramabar begeben und nachher noch einen Blick vom Oberdeck auf den Sternenhimmel werfen.

Morgen sind Åndelsnes und Molde angesagt, beide Häfen mit Ausflugsprogramm. Seid Ihr dabei?

Liebe Grüße,

Euer Gerry

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