Tag 4: Åndelsnes und Molde

Ihr Lieben,

Sternennacht gab es gestern leider nicht so wie erhofft, wahrscheinlich war der Mond zu hell, der hier übrigens sehr mythisch am Himmel steht. Wahrscheinlich habe ich aber auch zu viel von Trollen und dergleichen gehört. Also besuchte ich noch kurz die 50er-Jahre-Party in Harry’s Bar. Leute, da ging die Luzie ab. Zwei Musiker imitierten – durchaus gelungen – eine ganze Band und das Publikum legte dazu eine kesse Sohle aufs Parkett. Bei „Rote Lippen soll man küssen…“ warf ich dann allerdings das Handtuch.

Um 8 Uhr 45 startete mein Tenderboot zur Bahnfahrt mit der Raumabahn. Am Hafen trafen wir Thorsten, der uns von Åndelsnes bis Bjorli mit eben dieser Bahn und zurück mit dem Bus begleiten sollte. Een Balina. Bisschen schnoddrig, aber nett. Alles an dieser Bahn wird irgendwie mit spektakulär attributiert. Die Soundso-Brücke, der Tralala-Tunnel, der Dingensgedöns-Berg. Alles spektakulär und einzigartig. Das Problem ist aber, dass man die Brücke so nicht sieht, über die man fährt. Den Berg, durch dessen Tunnel man fährt, ebensowenig. Erst recht nicht den Tunnel selbst, denn da ist finster drin.
Aber man fährt an einer schönen Landschaft mit vielen Bergen und Felswänden, pittoresken Häusern und einer Menge von Wasserfällen vorbei.
Mit dem Bus zurück gibt es dann ein paar Fotostops, so dass man zumindest dann ein paar Erinnerungen auf Zelluloid festhal… äh… mit dem Handy verewigen  kann.
Und wir erfuhren ein bisschen über Land, Leute, Geologie und außergewöhnliche Vorkommnisse, wie z.B. das virale Lachssterben im Rauma-Fluss oder die Resultate verbotener Fallschirmsprünge von der Trollwand. Übrigens, wenn man genau hinschaut, sieht man tatsächlich in jeder Ecke einen versteinerten Troll.

Trolle dann übrigens auch im Bus. Die Maske über dem Kehlkopf oder der Stirn. Renitente Rentner halt. Bekommen angeblich schlecht Luft, sitzen aber jeden Abend mit Fluppe im völlig zugequalmten Raucherzimmer bei Harry’s Bar. Am meisten regt mich auf, dass die nicht merken, wie lächerlich sie sind.

Mittags, nach der Rückkehr zum Schiff, das um 12 Uhr Anker lichtete, habe ich dann ein Restaurant besucht, da ich morgens auf Frühstück verzichtet hatte. Man fährt in den Fjorden an so schönen Landschaften vorbei, dass man versucht ist, alle paar Minuten aufzuspringen und an Deck zu rennen. Aber dann würde man verhungern. Naja, würde zugegebenermaßen bei mir etwas dauern.

Um 15 Uhr legten wir in Molde an. Es war nett, mal nicht auf Reede – also im Wasser -, sondern an eine Mole zu liegen, da hatte man mal Gelegenheit, ein Anlagemanöver mitzubekommen.

Um 15:45 Uhr brach ich zu einer Stadtrundfahrt mit anschließendem Aussichtspunkt- und Museumsbesuch auf. Was soll ich sagen? Die Stadtrundfahrt war extrem schnell abgehakt. Für Norwegen ist Molde eine Großstadt. Allerdings mit weniger Sehenswürdigkeiten als Holzheim bei Neuss. Wobei das – soweit ich weiß – keinen Flughafen und kein Stadion hat.

Aber die Weiterfahrt zum Moldener Hausberg Varden hat sich dann gelohnt. Ein wunderbares Panorama mit hunderten von Gipfeln und den Fjord.

Wir fuhren weiter zum Romsdal-Museum, wo es Nachbauten von regionalen Häusern aus den letzten paar Jahrhunderten zu bestaunen gab. Eine wirklich nette Anlage. Ich klinkte mich nach einer Besichtigung in eigenem Tempo aus der Gruppe aus und erlief Molde für mich noch einmal allein. Ein in positivem Sinne beschaulicher Ort.

Einige Mitglieder dieser Ausflugsgruppe haben sich von ihrer guten Erziehung (falls denn jemals genossen) endgültig verabschiedet. Lautes Geschwatze, während der Guide versuchte, etwas zu erklären. Ermahnungen und Gezische anderer Mitreisender wurden mit indigniertem Geschnaube zur Kenntnis genommen, blieben aber folgenlos. Es wurde munter weiter krakeelt. Wahrscheinlich Volk, das sich ständig über die Jugend echauffiert.

Aber damit ich nicht nur über Mitreisende mosere: Ich sitze immer woanders und lerne auf die Art viele andere kennen, die sehr sympathisch sind. Es fallen halt immer diese speziellen 5 Prozent so auf. Wie bei mir im Beruf. 🤗

Nach einem kurzen Aufenthalt auf der „Schönen Aussicht“ traf ich mich zum Abendessen durch Zufall mit schon bekannten Gesichtern. Und das sind ganz famose Personen. Eigentlich hätte eine feste Tischordnung, die es eben auf dieser Reise nicht gibt, was zwar zu vielen Begegnungen führt, dennoch Vorteile.

Den Abend ließ ich dann bei Pianomusik in der Panoramabar ausklingen. Inzwischen mein Lieblingsort für abends. Zwar verpasste ich deswegen die „James-Bond-Akrobatikshow“, aber wer weiß, wofür das wieder gut ist.

Morgen landen wir in Flåm an. Da fahre ich wieder Bahn. Gespenstisch, oder? Ich hoffe, Ihr seid dabei.

Liebe Grüße, Euer Gerald

2 Gedanken zu „Tag 4: Åndelsnes und Molde“

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