Kuba – die Anreise

Ihr Lieben,

in letzter Zeit gab es ja viele Bahn- und Flughafenstreiks, dazu kommt die Unzuverlässigkeit der Bahn in den letzten Jahren, was mich veranlasste, wieder am Vorabend nach Frankfurt zu reisen, um auch wirklich meinen Flieger zu bekommen.

Da es zudem einen Vorabend-Check-in gab, fuhr ich erst einmal zum Frankfurter Flughafen. Vom Bahnhof bis zum Check-in-Schalter sind es gefühlt 17 km. Dafür stand ich aber in der Business-Schlange an zweiter Stelle. Zum Hotel waren es dann 30 Minuten mit der S-Bahn.

Vielleicht habt Ihr hier gelesen, dass ich bei meinem letzten Frankfurt-Aufenthalt in einer grauslich-greulichen Bruchbude nächtigte. Diesmal habe ich mir ein 4-Sterne-Haus mit Frühstück etwas außerhalb, aber mit guter Anbindung zum Flughafen gegönnt. Naja, gegönnt ist gut, zahlte ich doch insgesamt nur 51,- Euro. Gegenüber liegt ein Lidl, in dem ich mich mit Abendbrot versorgte. Gegen halb 10 nickte ich bei furchtbarem Fernsehprogramm ein. Ich weiß schon, warum ich zuhause keinen Anschluss mehr habe.

Das Frühstück war leider nicht so meins. Rührei aus dem Tetrapack und kein Obstsalat. Dafür aber richtig guter Filterkaffee (nachdem ich den Cappuccino aus dem Spezialitätenautomat als untrinkbar einstufte).

Tiefenentspannt fuhr ich zum Flughafen, irrte dort wieder kilometerlang herum (ich bin kein wirklich großer Fan des FRA, Ihr merkt es…) und kam dann aber dank Fast Lane in 0,nix durch die Sicherheitskontrolle, vom Fliegerproletariat neidisch bis hasserfüllt beäugt. Wie? Ach, jetzt nehmt doch nicht alles so ernst…

Der Flug war sehr angenehm, aber in der Holzklasse hätte ich wahrscheinlich eine Krise bekommen, bei immerhin 11 Stunden Flug. So hatte ich zweieinhalb mal Fine Dining, zwei Stunden Mittagsschlaf (fast ausgestreckt!), nette Filme auf sehr großen Monitoren (Barbie war sehr unterhaltsam und der aktuelle Eberhoferkrimi ganz lustig). Dazu bevorzugte Behandlung auch nach der Landung, was aber insofern nicht geholfen hat, als dass das Gepäckband am Ende des Tages nicht mitspielte…
Als es endlich losging, gab es Verwirrung, da unsere Gepäckstücke aus dem Flieger auf zwei verschiedene Gepäckbänder verteilt wurden. Da haste aber mal Menschen hin- und herirren sehen.

Draussen vor dem Flughafengebäude standen ausreichend Taxifahrer die mir ihre Dienste anboten. Ich sollte meinem Vermieter Bescheid geben, aber weder das W-LAN am Flughafen noch meine vor Abreise für Kuba konfigurierte eSIM funktionierten. Das Büro des kubanischen Telefonanbieters war auch geschlossen. Yeah. Ich rief über meine deutsche Nummer die Mutter des Vermieters in Havanna an. Bin gespannt auf die Rechnung.

Die ersten Oldtimer

Ich handelte den Taxista um 5 Dollar runter, die ich ihm dann als Trinkgeld gab. Am Haus wartete dann Elena, die mit mir die 59 engen Stufen eines heruntergekommenen Treppenhauses hochschnaufte. Ich wegen des ganzen Gepäcks, sie, weil sie auch einiges *hüstel* zu tragen hatte. Die Wohnung stellte sich aber dann als sehr ordentlich heraus, umlaufender Minibalkon, Klimaanlagen, hübsch eingerichtet und meeeeterhohe Decken. Das Meer und der berühmte Malecón sind keine 100 Meter entfernt.

Mama warnte mich vor Überfällen, erklärte, sie wisse jetzt nicht, wo noch Supermärkte geöffnet wären, die Kreditkarten akzeptierten, ermahnte mich, Wasser und Strom zu sparen und entschwand. Ich inspizierte meine neue Bude und packte dann aus.

Blick vom Balkon

Gottseidank gibt es einen kleinen Safe. Denn jetzt kommt ein schwieriges Thema. La moneda, los dineros, pinkepinke, Kröten, Mäuse, Kohle. Es gibt einen festgelegten offiziellen Wechselkurs von ca. 1:25 für US$. Ich schreibe dies bei einem Bier für 400 Pesos. Das würde demzufolge 16 Dollar kosten. Schwarz gewechselt ist der beste Kurs zur Zeit 1:330. Jetzt kostet das Bier plötzlich 1,20 US$. Die Geldautomaten und Banken wechseln nahezu zum offiziellen Kurs. Was muss man also tun? Massenweise Bargeld mit sich rumschleppen! Für 3 Wochen! Ohne zu wissen, wieviel man braucht. Unangenehm.

Ich verstaute meine Taler und Kreuzer im Safe und ging mit nur ein bisschen Geld auf die Straße. Kurz runter zum Malecón, am prachtvollen Hotel Nacional vorbei. Durstig und hungrig.
Ich wollte Pesos, für den ersten Abend notfalls auch zum Wucherpreis. Aber vor allen Geldautomaten tummelten sich Männergruppen, was mich – weiß gar nicht warum, danke Mamacita! – abhielt, die Kreditkarten zum Glühen zu bringen.

Hotel Nacional

Ein Mann quasselte mich an, ob ich ein Taxi brauche. Nö. Ob ich den Geld tauschen wolle. Hmmmm…. jooo…. äh…. , zögerte ich. Ich solle ihm folgen. Bei ihm zuhause wäre es sicherer, als auf der Straße. Ich lief ihm durch schlecht ausgeleuchtete Straßen hinterher. Kurz dachte ich darüber nach, was Mama Elena wohl mit dem ganzen Geld aus dem Safe machen würde, sollte man mich tot im Gebüsch finden. Er fragte, wie viel ich denn tauschen wolle. Ich flüsterte schweißgebadet „100 Dollar“. Ach, dann ginge das auch hier, zog er mich in einen kleinen Laden mit mehreren Menschen drin. Da ging dann alles ganz schnell, wenn auch nur zu einem Kurs von 1:310. Abzüglich 500 Pesos Provision für Pedro (Name von der Redaktion geändert).
Jetzt ging das Bangen los, ob es wohl Falschgeld ist.

Ich setzte mich in einen Burgerladen um die Ecke und aß einen Chickenburger und trank ein paar Bier.
Ich lernte Chiara, Sam und ihren etwas quengeligen Sohn Jim kennen. Aus Raleigh, North-Carolina. Sie zahlten gerade. Ich ließ mich auf ein Gespräch ein. Sie orderten trotz bereits beglichener Rechnung nach und jetzt weiß ich ALLES über sie. Naja, irgendwann musste der Kleine mal ins Bett und ich konnte mich meinem Burger und meinem Tagebuch widmen. Das Ihr jetzt erst weißgottwann zu lesen bekommt.

Wem die Stunde schlägt, da sang Hemingway schon ein Lied von; die Rechnung kam, die Penunze, die Asche, das Geld wurde akzeptiert. Yeah!
Glücklich taumelte ich in meine Unterkunft zurück. 3 Uhr 44 ist es jetzt bei Euch. Hier schlägt es in einer Viertelstunde 23 Uhr.
Morgen gibt es einiges zu tun. Mehr Pesos, Telefonkarte und Orientierung, was wann wie mit wem am besten zu tun ist.

Liebe Grüße aus dem Off, Euer Gerry (der sich ohne Internet nur wie ein halber Autor fühlt)

P. P. S Es geht jetzt! Yeah. Habe noch eine Stunde an den Telefon-Einstellungen rumgemurkst. Ohne Anleitung! 🤩

Aus dem Burgerladen als Take-away

7 Gedanken zu „Kuba – die Anreise“

  1. Heidewitzka, du bist angekommen! Als du mit Pedro mitgegangen bist, bin ich schon tausend Tode gestorben..! Pass gut auf dich auf und hab eine traumhafte Reise!

  2. Lieber Gerry, das klingt ja schon sehr abenteuerlich. Pass bloß gut auf dich auf und fordere dein glück nicht zu sehr heraus.
    Wünsche dir viele wunderschöne Begegnungen und Abenteuer
    Herzlichst Manuela

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