Tag 2: Ein Dith-Marsch nach Tönning

Naaaabend!

Ihr wisst doch, wie so ein Teig sich verändert, wenn er mittels Nudelholz zu einem Fladen flachgewalkt wird. Nun, so sehen heute Abend unsere Füße aus. Denn wir sind ziemlich viel gelaufen. Stellt Euch mal die Strecke von Köln nach Neuss vor. Das hat jetzt zwar nix mit unserer Wanderung zu tun. Wir liefen aber von Zennhusen nach Tönning und zurück, das ist immerhin mehr als ein Drittel dieser Strecke.

Es wehte ein kräftiger Wind und wir waren froh, keine Toupets zu tragen. Das hätte kein Kleber mitgemacht. Aber wir hatten – wie Elke gerade sagte – danach sehr aparte Frisuren.

Die Strecke führte leider erst einen großen Teil über Asphalt, aber da wenig Verkehr herrschte, war das auch mit Amy kein Problem. Nach einer Weile bogen wir Richtung Deich ab, da kamen wir an riesigen Kartoffelhöfen vorbei, vor denen Tonnen verschiedenster Sorten in XXXXL-Kisten ihrer Weiterverarbeitung harrten. Irgendwann kamen wir an den Eiderdeich und da wurde es für Amy spannend. Schafe und Kühe. Faszinierende Wesen. Wuff. Leider durch Zäune nicht erreichbar. Wir fanden das natürlich besser so.

Die Eider führte viel Wasser, es war wohl Flut, dahinter lag malerisch der Ort Tönning. Die Brücke ans andere Ufer ist ziemlich lang und von der hat es uns fast in die See geweht. Jungejungejunge.

In Tönning wollten wir dann erst einmal einen schönen Tee zu uns nehmen, der sich aber beim Servieren wie durch ein Wunder in Alsterwasser verwandelte. Na, das hatten wir uns auch verdient! Ich zog mir ein großes Tuch gegen den Wind über, was später einen anderen Gast seiner Begleitung zuraunen ließ: „Ich glaub‘, das ist ein Rabbi…“. Ich habe das nicht aufgeklärt.

Der Rabbi guckt ernst in die Runde…

Dann erkundeten wir Tönning, das gar nicht so überlaufen war, wie wir vermuteten. Der Hafen, ein paar hübsche Giebelhäuser, das große Packhaus und die schon von weitem zu sehende Kirche St. Laurentius. Der Schlosspark ohne Schloss (naja, en miniature). Alles nicht unähnlich den ostfriesischen Küstenorten, die wir in den letzten Jahren besucht haben, aber etwas weniger touristisch. Die Kirche ist ein Prachtstück, Teile von ihr sind 800 Jahre alt. Wir enterten dann einen Strandkorb gegenüber einem Hotel, um das erste Bier loszuwerden, füllten aber die so entstandene Lücke umgehend wieder auf. Das ist Urlaub: Am frühen Nachmittag schon ein Bierchen, wenn auch als Mixgetränk.

Auf dem Rückweg wollten wir für abends Krabben und Fisch besorgen. Im Fischladen wurde ich verwundert angesehen und man teilte mir mit, die Krabben seien doch ausverkauft; dies in einem Tonfall, als wäre das die Sensationsnachricht des Tages, von der ich als am internationalen Zeitgeschehen interessierter Mensch eigentlich längst Kenntnis hätte haben müssen. Immerhin bekam ich Matjes und Bismarckhering.

Vor dem Laden hing ein nicht zu übersehendes Schild: Nur 2 Personen gleichzeitig, bitte Maske tragen. Diese simplen Hinweise überforderten allerdings einen kleinen Club sehr auffälliger älterer Damen, die ob ihres Benehmens im Umkreis von 250 Metern für Kopfschütteln sorgten. „Claudia, es gibt keinen Cappuccino.“ kreischte Silberlocke – „Ne, dann will ich gar nix!“ schrie Claudia zurück. – „Guckt mal, da wird ein besserer Tisch frei!“ sirente Grauer Wolf – Rempel, quetsch, schubs. Und dann alle rein in die gute Stube, natürlich maskenlos.

Ansonsten fiel uns wieder einmal auf, wie freundlich die Menschen im Norden sind. Man wird zugemoint, man macht Klönsnack, die Kellner hofieren einen. „Dann lasst Euch das man bannich gut schmecken, Ihr Beiden!“ Nett.

Außerdem wissen wir jetzt alles über Schafe. ALLES! Fragt uns! Es gibt einen Schaflernwanderweg. Da wird vom hornlosen Holsteiner über das buntgescheckte Blaublut bis zum zahnlosen Ziegenbock alles erläutert, was man über Schafe wissen kann. Hinter diesem lehrreichen Pfad prunkt ein monströses Wattforum, eine Bausünde sondergleichen. Aber wohl mit sehr lehrreichen Ausstellungen.

Am Nachmittag zuhause angekommen, flätzten wir uns erst einmal auf dem Riesensofa, wo ich allerdings sofort einschlief. Das nennt sich Powernapping und war natürlich von mir exakt so im Rahmen meines Programms „Entschleunigen, aber zackig!“ geplant.

Nachdem ich ausreichend entschleunigt war, aßen wir noch zu Abend und ließen danach die Seele baumeln, spielten Backgammon und glotzten in den sehr schönen Sternenhimmel.

Wenn Ihr mögt, könnt Ihr uns morgen nach Klein-Amsterdam begleiten. Wir würden uns freuen.

Liebe Grüße von den drei Plattfüßen!

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