Tag 3: Fräärstää

Leeve Lüü.

Was wie ein Schrei nach was weiß ich klingt, ist tatsächlich der nordfriesische Name für Friedrichstadt, dem Klein-Amsterdam in Schleswig-Holstein. Das sollte nach einem ausgiebigen Frühstück – wo wieder ich alles alleine machen musste!!!! – unser erstes Ziel des Tages sein. Um 10 Uhr ging es dann auch los.

Friedrichstadt ist von Kanälen durchzogen, hat eine wunderschöne Bebauung im Stil der niederländischen Backsteinrenaissance und überall wachsen… nein, nicht Tulpen, aber Rosenstöcke. Viele Häuser aus alter Zeit sind erhalten, besonders um den schönen Marktplatz herum. Wir strollten ein wenig durch den nicht allzu großen Ort, bewunderten den Souvenir-Kitsch, der in fast jedem Laden wohlfeilgeboten wurde und waren ganz entzückt von diesem pittoresken Ort, zumal auch die Sonne schien und der Wind sich verweht hatte.

Ich brauchte dringend ein Kissen, denn das im Ferienhaus war erstens ein bisschen unförmig und zweitens müffelte es ziemlich. Kissen gab es zwar reichlich zu erstehen, aber zu astronomischen Preisen und mit… äh, nun ja… sehr individuellen Motiven. Ich wurde aber trotzdem fündig und wir konnten entspannt auf dem Marktplatz in der Sonne einen Kaffee zu uns nehmen.

Der Kellner dort war ein bisschen verschlafen, aber sehr freundlich. Nach zwei Minuten setzte sich ein älteres Ehepaar an den Nachbartisch, sie mit einem völlig verkniffenen Gesicht und blökte erst einmal über den Marktplatz: „Wieso sind die Schirme zu?“. Der Kellner schaute verdutzt, eilte dennoch herbei, um einen Schirm zu öffnen, der aber seinen Schatten ganz woanders hinwarf. Die Dame merkte das noch nicht einmal. Sie hatte geblafft und war zufrieden, dass jemand gesprungen war. Dann krakeelte sie: „Ich will einen Erdbeershake!“. Keinen Gruß, kein Bitte, kein Danke. Elke und ich imitierten dann hörbar ihre lebensbejahende Art. Wir kommen deswegen wahrscheinlich nicht in den Himmel. Das Paar sprach übrigens miteinander kein Wort.

Der Platz füllte sich zusehends und als wir gingen, hatten wir genug Publikum für Amys „Spezialauftritt Aufbruch“. Immer, wenn Elke sie fragt: „Gehste mit?“, dann singt sie ein sehr markantes Lied, das an Heulen erinnert. Man kann sich sicher sein, dass man die volle Aufmerksamkeit aller Umstehenden hat.

Wir liefen noch durch unerkundete Teile des Orts und brachen dann auf nach Koldenbüttel, das als malerisches Reetdachdorf angepriesen wurde. Tatsächlich ist es sehr hübsch dort, insbesondere die Kirche hatte es mir angetan. Traumhochzeitslocation. Überhaupt ist alles so sauber und nett und gepflegt hier in der Gegend. Wahrscheinlich stehen auf ungemähten Rasen und welke Blüten im Gebüsch hohe Gefängnisstrafen.

Dann wollten wir zum Haubarg nach Witzwort. Ich spare mir jetzt Wortwitze über den Ortsnamen. Das ist ein historischer Bauernhof, der vom Teufel gebaut worden sein soll und nun u.a. ein Café beherbergt. Zwischenstop war die Kirche in Witzwort, auch wieder seeeehr hübsch, wo wir nach Eingabe der Route dann feststellten, dass das Café montags geschlossen ist. Daher änderten wir unsere Pläne und fuhren nach Lunden, wo es einen historischen Friedhof gibt.

Der Friedhof ist um eine, wer hätte es gedacht, wunderschöne Kirche angelegt und ist ein gut erhaltener sogenannter Geschlechterfriedhof, wo sich die Reichen und Schönen begraben ließen. Streng nach Familien – eben Geschlechtern – getrennt. Sehr interessant.

Auf dem Heimweg überfielen wir noch einen Rewe, um uns mit Kleinigkeiten einzudecken. Zuhause ließen wir auf der Terrasse zuerst das Flensburger ploppen, dann pflegten wir uns ein bisschen und machten uns stadtfein. Während ich so rumgammelte, überfiel mich auf dem Rücken stärker werdenden Juckreiz. Schwester Elke diagnostizierte nach Inaugenscheinnahme ein halbes Dutzend stichinduzierte Flatschen. Nach einer Dusche breitete es sich wenigstens nicht weiter aus.

Heute wollten wir dann auswärts essen gehen und suchten uns – montags hat Schleswig-Holstein quasi geschlossen – eins der wenigen geöffneten Restaurants mit Eider-Blick aus. Auf dem Weg dorthin hielten wir am Eider-Sperrwerk, einer beeindruckenden Konstruktion gegen Sturmflut und dergleichen Ungemach.

Wir saßen dann einigermaßen nett, aßen dafür aber nur leidlich gut. Ich hatte eine Touristen-Fischplatte, wo man die eine Sorte nicht von der anderen unterscheiden konnte (Panade!) und Elkes Steak war auch nichts für Zahnlose. Immerhin sind wir satt geworden und das Bier war schön kalt.

Ihr Lieben, wie Ihr seht, hatten wir volles Programm und deswegen werden wir es uns jetzt gemütlich machen. Weiter geht es dann morgen mit – wahrscheinlich – St. Peter-Ording. Wenn Ihr mögt, kommt doch mit!

Liebe Grüße von Amy, Elke und Gerry

2 Gedanken zu „Tag 3: Fräärstää“

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