Kapverden 2025 (4): Mindelo Total!

Ihr Lieben,

„Mindelo Total“ ist eigentlich gar nicht so schwer, es ist doch alles recht überschaubar hier. Wobei… wenn man kein Netz hat und immer noch nicht von Google Maps weg ist (dabei nehme ich mir das seit Jahren vor!), kann auch das sich hinziehen.

Ich habe sehr gut geschlafen, es gibt sowohl Klimaanlage (nicht ganz so meins), als auch einen Deckenventilator (yeah!). Letzterer auf kleinster Stufe: eine Wohltat! Ich glaube, ich möchte auch einen für mein Schlafzimmer… naja, wird sich nicht mehr lohnen. Aber ggf. für das neue. Das Frühstück ist überschaubar (Kira’s hat 10 Zimmer), aber von gehobener Qualität. Der Frühstückssaft ist auf jeden Fall aus einem Fruchtcocktail püriert, sehr lecker! Das Omelett, der hausgemachte Yoghurt und der frische Obstsalat… Vielleser wissen, dass mich so etwas zu einem glücklichen Menschen macht. Zu erwähnen sind übrigens auch die hervorragenden Mitarbeiter von Kira’s. Wenn etwas nicht funktioniert oder fehlt, kommt SOFORT jemand und kümmert sich. Während ich das schreibe, habe ich Tränen der Rührung in den Augen, denn was habe ich da schon für andere Erfahrungen gemacht.

So, aber ich bin ja nicht hier, um über meine Sentimentationen zu schreiben (aber ja, natürlich gibt es dieses Wort!), sondern über Mindelo. Mein Reiseführer riet, bei schönem Wetter auf eine Erhebung zu fahren. Nun, heute lag die Stadt ganztägig unter einer dichten Wolkendecke. Daher lief ich zu einer nicht ganz so hohen, dafür aber fußläufigen Erhebung, dem „Fortim do Rei“. Dank Google Maps (Offline-Karte) brauchte ich für die 650 Meter eine Dreiviertelstunde. Dauernd stand ich in Sackgassen. Ich hasse diese App!! Irgendwann war ich aber angelangt. Tja, wirklich königlich wirkt das Fort nicht. Es ist total heruntergekommen, bietet dafür aber tatsächlich schöne Ausblicke.

Ich kullerte vom Berg zurück in die Stadt, wo ich mich von Attraktion zu Attraktion hangelte. Ein paar davon hatte ich schon gestern gesichtet, ohne zu wissen, worum es sich handelt. Ein paar Mal verlief ich mich auch wieder. Höhepunkte waren der Fischmarkt, die schönen Bauten rund um die Rua de Libertad d’Africa und ein paar wirklich scheußliche Betonkästen, viele davon wahrscheinlich seit Jahren im Rohbau. Ich fürchte, man ist oder war zumindest mal mehr auf Quantität als auf Qualität aus. Wenigstens mein kleiner Reiseveranstalter hat sich Nachhaltigkeit und Öko-Tourismus auf die Fahnen geschrieben. Aber sag das mal TUI. Es gibt aber so einige, meist private Projekte zu Umwelt und Naturschutz.

Wie man sieht, gibt es hier einen Walk of Fame. Berühmte Musikerinnen und Musiker werden mit einem Fußabdruck und einer Plakette geehrt. Im Gegensatz zu den bekannten Walk of Fame-Handabdrücken in Hollywood sind die Füße der hiesigen Künstler allerdings standardisiert und bedurften keines Betonbades. Die Statue des „Entdeckers“ Alfonso Diogo, der sehnsüchtig aufs Meer hinausschaut, scheint ein beliebter Pinkelplatz zu sein. Immerhin waren die Kapverden zur Zeit der Vereinnahmung unbesiedelt.

Am Ende meines exzessiven Spaziergangs landete ich in einer Art Künstlerhof, Ecke Cabral und Sena, der gar nicht im Reiseführer steht, der ist schon sehenswert. Am afrikanischen Markt vorbei Richtung Osten gibt es tolle Wandmalereien.

Wenn man so durch die Stadt schlendert, begegnen einem natürlich auch andere Touristen. Schon beim Frühstück, da gibt es neben dem Frühstücksraum auch einen hübschen Innenhof, plauderte ich mit anderen halbwegs individuell Reisenden. Aber der Durchschnittstourist hier ist etwa 10 Jahre älter als ich, bevorzugt exzentrische Kleidung und wirkt etwas unsortiert. Vor dem Polizeigebäude stand ein älteres Ehepaar, das verzweifelt wirkte. Was dem wohl wiederfahren war? Ich sah es später noch einmal in der Stadt, sie sahen so aus, als wäre der Urlaub gelaufen.

Man warnt davor, abends oder gar nachts alleine unterwegs zu sein und dann selbst kürzeste Strecken mit dem Taxi zurückzulegen. Man soll keinen auffälligen Schmuck tragen und nicht sein ganzes Geld mitschleppen. Ja, sachma, das sind doch alles keine allzu neuen Erkenntnisse, oder?

Ich lief die ganze Küste entlang, am Hafen vorbei bis zum Laginha-Strand, wo ich in einer Strandbude zum Bier geröstetes Brot mit Kräutern bekam. So sparte ich mir das Mittagessen. Ich nahm ein Glas des besten Grogues (das ist der Nationalschnaps), der ätzte mir fast die Speiseröhre weg. Aber für Liebhaber… wer weiß. Bin ja mehr die Wein- und nicht so die Schnapsdrossel.

Auf dem Weg ins Hotel spinxte ich noch in das Centro Nacional de Artesanato e Design, das liegt quasi gegenüber. Für 500 Escudos durfte ich mich umschauen. Sehr schöne Skulpturen, der kunsthandwerkliche Teil ganz nett. Danach erledigte ich mein anderthalbstündiges 10-Minuten-Nickerchen. Seit wann ist das eigentlich bei mir eingerissen?

Das Hotelchen hat eine gemütliche Dachterrasse. Dort schrieb ich ein bisschen Tagebuch, als es plötzlich zu regnen begann. Pfui! Ich zog mich aufs Zimmer zurück und beschimpfte Airalo und Yesim per In-App-Messenger für die fehlenden Internetverbindungen. Binnen 10 Minuten funktionierten beide. Hätte ich auch mal gestern erledigen können, aber man kommt ja vor lauter Nickerchen zu nix. Ja, ich habe zwei Telefone mit. Auf einem alten musste ich auf Wunsch meines Tour-Betreuers WhatsApp installieren, da dort alle Transfers und Ausflüge gemanagt würden. Schweren Herzens tat ich das dann, allerdings auf einer neu erworbenen pre-paid Lidl-SIM-Card.

Es wurde Zeit für ein Abendessen. Nach 10 Minuten des Studiums widersprüchlicher Google-Bewertungen von Restaurants machte ich es mir einfach. Ich ging einfach ins nächstgelegene, schon wegen erneuter Regengefahr. Das hieß zwar Metalo, aber es wurde traditionelle, ruhige Musik geboten. Die Fischsuppe hätte etwas heißer sein können und ein wenig Einlage hätte ihr auch nicht geschadet. Der Burger war prima, die Fritten total lätschig. Aber eine schöne Location.

So, das war es schon wieder für heute. Morgen werde ich zu einer E-Bike-Tour abgeholt. Puh. Mal sehen, wie viele Kilometer ich schaffe.

Radelt Ihr mit? Das würde mich sehr freuen. Liebe Grüße, Euer

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