Kapverden 2025 (18): Happy new sleepy year!

Ihr Lieben,

ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch allen! Seid Ihr gut reingeschlittert? Fein. Ich bin ja reingenickt. Alles verpennt. Heimisches Silvester, örtliches Silvester. Passt irgendwie zu mir. Aber nach dem schlaflosen Tag zuvor auch kein Wunder. Dafür habe ich dann halbwegs gut sehr lange geratzt. Einziges Manko war der Hund hinterm Gartenzaun, der die Nacht über öfters hysterisch kläffte, und den ich trotz Gehörschutz sehr gut verstehen konnte.

Ich warne übrigens vor. Bei der Durchsicht des Geschriebenen könnte der Eindruck entstehen, ich sei unentspannt. Ich bin es tatsächlich zuweilen. Nehmt es mit Humor.

Heute sollte Tag des Umzugs sein, ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Das Frühstück war prima, mit einem plain omelette, das plainer nicht hätte sein können. Aber es war schon früh morgens heftig warm. Man merkt deutlich, dass es keine Berge und keine Flora gibt. Nach dem Frühstück lief ich zum Strand, wo eine riesige Party tobte. Immer noch oder schon wieder? Schwer zu sagen, so um 9 Uhr 30. Die Anwohner taten mir sehr leid, es herrschten so um die 180 Dezibel. Das ist das Level „schweres Kriegsgerät“.

Zurück lief ich die Fußgängerzone, wo ich tatsächlich ein nettes Geschäft entdeckte. Leider noch geschlossen. Es vertreibt handgemachte Produkte der Inseln. Unter anderem handgemachte Handcremes, was ich, ich weiß zuweilen nicht, was in meinem Kopf passiert, ungemein erheiternd finde. Da kann man ja nur hoffen, dass die nicht zu schnell einzieht. Kicher.

Mitten in meinem Spaziergang bekam ich Befürchtungen, dass das Management meinen Umzug verpeilen würde, und beschloss, zurückzueilen, um meine gepackten Siebensachen als stumme Mahnung in die Lobby zu stellen. War gar nicht nötig, ich erhielt, als ich ankam, einen neuen Schlüssel, 2.Etage, das Zimmer sei aber noch nicht gereinigt. Von gestern hatte ich noch eine halbe Flasche Rosé, mit der stieß ich dann erst einmal mit mir selbst am Pool auf das neue Jahr an. Um 10 Uhr 30. Naja, Alkohol betreffende Vorsätze hatte ich ja ohnehin nicht gefasst. Das neue Zimmer ist super, eigener Balkon, seitlicher Meerblick, Kühlschrank, Schrank (hatte das 1. nämlich auch nicht)… eine deutliche Steigerung.

Ich lief wieder durch Santa Maria. Diesmal bis zum Rand der Bettenbunkerstrände. Schrecklicher Ort. Nienienieundnimmernich buchen!! Erinnert Euch an die Eule, äh, an das Geheule aus dem Flieger nach Lissabon… Heute waren wieder alle furchtbar aufdringlich. Bettler, Souvenirhändler, staatlich ungeprüfte Physiotherapeutinnen. Man möchte ja gerne höflich sein, aber es empfiehlt sich nicht. Einen, der nicht locker ließ, fragte ich direkt, ob er mir jetzt den halben Ort zeige und ich ihm dann 100 Euro schulde. „Okay, fuck you!“. Wenn man einer aufdringlichen Person nur freundlich zunickt, verfolgt sie einen 10 Minuten lang. Wenn man einen Laden betritt, wird man vom Besitzer umzingelt. Bildlich. Wenn man dann anmerkt, man würde sich gerne ungestört umsehen, erhält man die Antwort, man kenne wohl das Gesetz von Sal nicht, welches laute, der Gast sei so lange zu nerven, bis er fluchtartig die Lokalität verlässt. Preisschilder sind natürlich Teufelswerk und verboten. Ihr wisst, wie sehr ich das liebe.

Erster Januar. Neujahr. Feiertag. Schon wieder! Oben übrigens der Gottesdienst dazu. Ich blieb ein bisschen stehen, um mal zu hören, wie gut mein Portugiesisch inzwischen ist. Nicht so. Dann wollte ich den bestimmt supertollen Chor hören. Auch nicht so. Hm. Feiertag also. Nicht ganz so schlimm wie in Mindelo am 25.12., aber doch deutlich spürbar. Zwei Drittel der Restaurants, fast alle Supermärkte und viele Geschäfte geschlossen. Geöffnet hatten die deutlich erkennbaren Touriläden und die waren schwerst überlaufen. In einem stand eine dreiköpfige Familie, vom Dialekt her Schweizer, an einem freien Tisch und diskutierte, bevor sie weiterzogen. Hah! Sofort ließ ich mich fallen. Dann drehte die Familie nach 20 Metern um und die Frau krähte mich an „DA IST BESETZT!“. Ja, von mir. „DAS IST EINE UNVERSCHÄMTHEIT!“. Ich stand auf, sagte, da sie zu dritt seien, wäre ich mal höflich, was man von ihr ja nicht behaupten könne. „WAAAAS? THOMAS, TU WAS!“. Ist Ihre Frau immer so anstrengend? Ja, ist sie. In Ihrem Beisein sprach er es laut aus. Ich fürchte, der Urlaub ist für ihn gelaufen, jedenfalls ihrem Blick nach. Ich verließ fluchtartig den Ort des alsbald anstehenden Verbrechens.

Ich bekam einfach keinen Platz zum Essen, dabei lief ich mir den Wolf. Man muss wissen, dass der ganze Ort ausgebucht ist. Ich hatte gestern vorsichtshalber nach einem Alternativzimmer geguckt. Es gab genau zwei freie im Bettenburgenpark, für je etwa 350 Euro pro Nacht (zugegeben, de luxe und all inclusive). Wenn dann der halbe Ort schließt… tolle Wurst. Ulli schrieb mir gestern, als sie vor ein paar Wochen an der „Mangopirinhastrandbar“ waren, standen da drei Liegen. Jetzt stehen da mehrere Hundert.

Ich fand erneut einen Sitzplatz, diesmal in einer sehr schlecht bewerteten Bumsbude. Egal. Bier und Leberwurstschnittchen. Egal, ob mit oder ohne Gurke. Allein, es kam keine Bedienung. Ihr habt es bereits herausgelesen, aber ich komme hier nicht in den No-Stress-Modus, im Gegenteil. Runter zum Columbus. Voll. Kann ich warten? Ja klar, es sind aber noch 7 andere Gruppen vor ihnen. Ab Richtung Hafen. Porto Velha, die ganze Terrasse frei, das Restaurant berstend voll. Wie merkwürdig. Kann ich mich draußen hinsetzen? Ja, aber es gibt nur Buffet, das kostet einen Kleinwagen. Das Buffet sah grauslich aus. Da waren bestimmt fröhliche Kinderhände im Spiel. Darf ich nur kurz hier sitzen und um ein Bier bitten? Ja klar… Ich gebe den Hochzeitstermin mit diesem herzensguten Kellner dann morgen bekannt. Er weiß übrigens noch nichts von seinem Glück.

Dermaßen gestärkt kaufte ich erst einmal den örtlichen Artesanal-Shop leer. Ich hatte auf allen Flügen nur 23 kg Gepäck. Nach Hause habe ich 32 kg. Honig-Ponche, Fogo-Kaffee und Handarbeiten landeten in meiner Jane-Birkin-Bag. Die Sachen werden zuhause dann zu dem kretischen Honig, der griechischen Sirtaki-CD, dem kanarischen Rum und den mosambikanischen Palmblattschnitzereien gepackt. Liebe Erbys: viel Spaß damit. Über die Kühlschrankmagnetensammlung hatte ich Euch ja bereits ausführlich aufgeklärt.

Mein Hunger war erstaunlicherweise nicht kleiner geworden. Mar Adentro? Küche zu. Ich bekam langsam Hungerhalluzinationen*. Gegenüber eine Strandbar namens Vista Mar. Nur Strandfresszeug der billigen, aber teuren Art. Ihr versteht? War mir gerade egal. Tintenfischringe, bitte, und ein Sprudelwasser. Das Essen kam nach 30 Minuten, das Wasser nach 45. Man braucht Geduld in diesem Lan… ach, erwähnte ich das tatsächlich bereits? Jeder TK-Tintenfischring etwa 1,20 Euro. Aber das „Restaurant“ bietet perfekte Lehrbeispiele der Mentalitätenkonfrontation. Ich bin ja bekanntlich die Geduld in Pers… {weltweite Tumulte}… RUHE!!! Es gibt deutlich schlimmere! Ein Brite neben mir hat alle 2 Minuten gefragt, wo sein Bier bliebe. Auch Leute, die gar nicht dort arbeiten. Hat mal jemand ausgerechnet, was Touristen, die nach 45 Minuten Warterei aufs Essen den Laden ohne Bezahlung verlassen, den Laden kosten? Das wird dann ja wohl alles weggeschmissen. Oder kommt das in die Mikrowelle?

Auf mehreren Bildschirmen wurden mehrere Fußballspiele aus der ganzen Welt übertragen und ich bekam mit, dass deswegen extra Gäste eintrudelten. Ich machte mir einen kleinen Spaß daraus, schwierige Situationen für Liverpool zu beklatschen, bis ich ernsthaft bedroht wurde. Fußballfans verstehen keine Scherze.

Ich war inzwischen etwas angezwitschert, denn ich hatte nach den Tintenfischen auch noch zwei sehr leckere und bezahlbare Caipis (5 Euro) in der Strandbar. Das verführte mich dazu, unbedingt einen der lustigen Kapverdehüte haben zu wollen. Jaja, verdreht ruhig die Augen, fast hätte ich mir sogar einen bunten Anzug gekauft! Aber wo war ich… der Hut. Ich habe ja eine ziemlich dicke Hohlbirne, da passt nicht alles drauf. Ich krittelte also immer rum, das sei ja sowieso alles zu klein. Ein Hut passte einigermaßen, und als zwei wirklich junge Portugiesinnen den „legal“ (cool) fanden, beschloss ich, der soll es werden. 20 – 10 – 15 – 12 – gekauft. Jahaa, Ihr Lieben, so werden Geschäfte gemacht!

Kurz vor dem Hotel saß auf einer Bank ein älterer Herr, der mir schon früher aufgefallen war. Er läuft in einem schon recht abgetragenen Anzug mit einer Zeichenmappe durch den Ort, möchte die gerne (sehr unaufdringlich) zeigen und wird von allen geflissentlich ignoriert. Von mir heute früh ebenfalls. Jetzt setzte ich mich neben ihn und bat darum, mir zu erklären, was er da bei sich trage. Er sprach nur Französisch, aber ich verstand, dass er tote Schmetterlinge sammle und aus den getrockneten Flügeln Bilder zusammensetze. Die schaute ich mir dann an und wollte ihm – nicht nur aus Mitleid – eins abkaufen. Es wurden drei zum Preis von anderthalb. Er fiel mir dann noch in die Arme, ich denke, er war zufrieden. Ich muss jetzt nur diese sehr filigranen Stücke irgendwie nach Hause bringen. Und einen Platz finden. Und nein, ich habe deswegen keine Gunter-von-Hagens-Gefühle.

Ihr habt bemerkt, heute war nicht so der übliche „dann war ich da und dann da“-Tag. Dennoch hoffe ich, es hat Euch interessiert.

Zwei ganze Tage habe ich noch vor mir in diesem doch irgendwie undefinierbaren Nest. Aber ich finde mich ein. Zumindest gibt es viel zu lästern. Erika, unser Lieblingsspiel „Gib auf“ kann man hier bis zur Erschöpfung durchziehen! Vielleicht tut mir diese aufgezwungene Kommmalrunter-Pause ja auch ganz gut.

Was ich für morgen plane? Ey! No Stress! Lachkrampf! Liebe Grüße, Euer

* Normalerweise habe ich ja immer Notfall-Kekse dabei, besonders, wenn ich mit einer ganz bestimmten Person reise. Diesmal hatte ich keine im Rucksack. Ich verstehe diese Person, nennen wir sie mal, hm, ich weiß nicht, vielleicht Elke, inzwischen besser.

P.S.: Den Holznikolaus hätte ich soooo gerne erworben, aber der Ausgangspreis war 600!!!! Euro. Da konnte ich kein Gegenangebot machen. Was meint Ihr?

2 Gedanken zu „Kapverden 2025 (18): Happy new sleepy year!“

  1. Lieber Gerald
    Wir wünschen alles Gute fürs neue Jahr.
    Deine Berichte sind toll zu lesen aber…..
    für uns wär das nix. Viel zu anstrengend. Und Hungergefühl mag ich garnicht 😂
    Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß.

    1. Liebe Marlies, lieber Dieter,
      es gibt so Momente, da denke ich an Kreuzfahrt oder All-Iclusive-Ressort… 🤣
      Tatsächlich waren die beiden Feiertage aber bisher das anstrengendste.
      Liebe Grüße nach Porz, Euer Gerry

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