Tag 2: Im Tivoli

Ihr Lieben!

Häh!? Tivoli? Wieso denn jetzt auf einmal Kopenhagen? Jahaa, des Rätsels Lösung folgt in Kürze.

Das Hotel ist wirklich hellhörig, was aber auch daran liegt, dass man sich hier gerne im Foyer, auf das alle der vielleicht 15 bis 20 Zimmer gehen, lautstark unterhält. Schade, dass man bei der eigentlich sehr gelungenen Sanierung am Lärmschutz gespart hat. Geschlafen habe ich dann dank Ohrstöpseln ganz gut. Das Frühstück war ziemlich üppig, für den ziemlich kleinen Frühstücksraum hat man ordentlich aufgefahren. Nur im Sitzbereich war es dann teilweise entsprechend eng. Unter anderem wurde ich von Kindersitzen eingekesselt, das war für die Nachschlagsorganisation etwas unpraktisch. Ich habe dann den Platz gewechselt.

Da war ich noch alleine, 15 Minuten später war hier Kirmes.

Heute sollte ja auch mal die Sonne durchscheinen. Am Morgen sah allerdings nichts danach aus. Ich machte mich dennoch auf zum Tivoli. Allerdings dem in Ljubljana. Des Rätsels Lösung: alle Tivolis, selbst der berühmte in Kopenhagen, sind nach der Stadt Tivoli in der Nähe Roms benannt, die schon zu Hadrians Zeiten für ihre Parks und Prachtbauten sowie viele spätrömisch-dekadente Lustbarkeiten bekannt war.

Hier ist es ein eher ruhiger Park mit einer zentralen Villa (jetzt Museum), Skulpturen, einem Gewächshaus und einem chaletartigen, ehemaligen Hotel, dass nun ebenfalls ein Museum beherbergt. Joseph Radetzky war erheblich an der Gestaltung dieses Tivoli beteiligt. Ja, der berühmte aus dem gleichnamigen Marsch von Strauss. Bei trübem Wetter erkundete ich einen kleinen Teil und wollte gerade zu einer kleinen Wanderung zum Rožnik-Hügel ansetzen, als ich, einem Parkaufsichtswagen ausweichend, auf die Wiese trat und sofort 5 cm tief im Schlamm versank. Mit meinem einzigen Paar Schuhe. Yeah! Also, auf ins Hotel, waschen und föhnen. Die Schuhe. Der Föhn schaltete sich aber alle 30 Sekunden aus, so war mir das etwas zu mühsam.

Danach besuchte ich daher in halbnassen Sneakern das Museum für zeitgenössische Kunst. Quitsch quatsch. Das liegt direkt neben der „alten Galerie“ und der orthodoxen Kirche St. Kyrill und Method, in die ich auch noch schnell hineinspinxte. Sehr hübsch, ich mag die Wandmalereien und Ikonostasen in diesen Kirchen sehr. Nur der heilige Ignatius müsste vielleicht mal zur Stilberatung, sein Gewand ist doch sehr irritierend.

Das Museum für neue Kunst hat in der ständigen Sammlung ein paar sehr schöne Exponate, aber das Highlight war definitiv die Sonderausstellung von Walid Raad, einem 1967 geborenen libanesischen Künstler, der auch Kriegserfahrungen in seiner Kunst verarbeitet. Sehr sehenswert! Schön auch, dass eine Museumsangestellte meine Hotelzugangskarte fand und jeden fragte, wer sie wohl verloren hat. Gottseidank auch mich. Ansonsten gibt es ein total schönes Museumscafé, das voller junger Menschen war, ich nehme an, es zählt zu den studentischen Hotspots der Stadt.

Hier einmal Eindrücke aus der Sammlung:

Und hier aus der Ausstellung von Walid Raad (die teils vermischt war mit Exponaten zum Museum selbst):

Dann geschah das Wunder. Als ich die Moderna Galerija verließ, schien die Sonne. Leute, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie das eine Stadt positiv verändert. Könnt Ihr doch? Ach so, na gut. Also, Ljubljana in der Sonne ist einfach nur wunderschön. Gleichzeitig mit meinem Herz füllten sich die Straßen, Restaurantterrassen und die touristischen Attraktionen. So auch das Schloss, das als nächstes auf meinem Programm stand. Gestern noch wie ausgestorben, heute ziemlich gut besucht. Ich vermute mal, dass im Sommer hier und an den Ufern der Ljubljanica die Hölle los ist.

Gestern „erkraxelte“ ich mir das Schloss bekanntlichermaßen mit der Bimmelbahn. Heute nahm ich die Standseilbahn und begehrte am Ticketschalter ein All-inklusiv-Ticket für das gesamte Schloss. Stolze 19 Euro kostet das dann. Es ist Nebensaison, daher fährt die Bahn nicht dauernd, man muss ein paar Minuten warten, ist dafür aber ruck-zuck oben. Möglicher Nachteil: Man fährt mit einer hysterischen Reisegruppe zusammen hoch. Angekommen, begibt man sich erst einmal zur Aussichtsterrasse und hat einen echt tollen Blick über die Stadt. Man muss ggf. etwas Geduld mitbringen, um eine Lücke zwischen all den auf der niedrigen Mauer, auf der man nicht sitzen darf, sitzenden Personen zu finden. Die Sicht reicht dann über die Stadt bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Julischen Alpen. Der Wahnsinn!

Dann klappert man die Attraktionen ab: Das Puppenmuseum (hauptsächlich Marionetten, sehr schön kuratiert, man kann an ein paar Installationen aktiv sein [nur von Adolf und seinen Erben sollte man die Finger sein lassen]), die Kasematten mit insbesondere für Kinder ganz toll gemachten, animierten Projektionen, die Aussichtsplattform des Uhrenturms (noch mehr tolle Ausblicke!!), die 4D-Vorführung über die Geschichte der Burg, bei der es sogar leicht regnete und die Stühle bei z.B. Erdbeben wackelten, die Gefängniszellen, die St. Georg-Kapelle und und und. Es ist wirklich eine überragende (hah! Wortspiel!) Sehenswürdigkeit. Der Aufstieg auf den Turm erfolgt übrigens über eine gegenläufige, zweiteilige Wendeltreppe, so daß Auf- und Absteigende sich nicht in die Quere kommen.

Inzwischen war es schon 16 Uhr. Huch! So schnell war die Zeit vergangen. Ich fuhr wieder mit der Standseilbahn herunter und lief zum Fluss, um mir ein Bier zu gönnen. Ich traute meinen Augen kaum, es war noch voller geworden und ich hatte Probleme, einen freien Tisch auf den Terrassen zu finden. Ich lauerte auf zahlende Gäste und machte mich sprungbereit. So kam ich dann zu einem Platz an der Sonne. Leider zwischen etwa 3.000 Kettenrauchern. Ein Bier lang hielt ich das aus, aber als dann auch noch ein „Dampfer“ neben mir seine Patchouli-Apfel-Katzenkot-Shisha anschmiss, war es genug. Ich strollte noch ein bisschen durch die Stadt (es gibt natürlich einen Drachenladen, ich kam an der Oper, dem Platz der Revolution sowie dem Parlament vorbei) kletterte in den Bus, kaufte im Supermarkt beim Hotel ein und fing bei Dosenbier und Käsebrötchen mein Tagebuch an.

Fazit des Tages: Wirklich eine Reise wert. Aber, man hat in einem Tag fast schon alles gesehen. Gut, ich könnte noch eine Bootsfahrt machen, Kirchen besichtigen, Souvenirs kaufen und viele weitere Museen besuchen (unter anderem eins mit dem ältesten Musikinstrument der Welt und dem ältesten einachsigen Rad der Welt). Wahrscheinlich mache ich dann genau all das. 🙂

Also, bis morgen, Ihr Lieben! Euer

Diese Dame scheint zu rufen: „Komm zurück, Du dreckige Taube, das zahle ich Dir heim!!!“
Natürlich gibt es auch Drachenpralinen, Stück 2 Euro.

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