Ihr Lieben!
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, es ist eigentlich gar nicht so viel passiert, aber ich altes Plappermaul habe wieder einiges zu erzählen…
Fangen wir vorne an: Das Frühstück heute fiel, ich weiß, ich bin da ein wenig obsessiv, ein wenig mager aus, die Servicekraft war heute alleine; so mangelte es an Eiern, Croissants, dunklen Brötchen etc. Ich konnte einigermaßen damit leben, aber die reduzierte Auswahl erzürnte insbesondere ein schwäbisches Paar, das in breitestem Dialekt rummaulte. „WoischdäGagaao, herrgottsnocheens?“, oder wie immer man das rausknödelt. Dafür war heute kinderfrei. Ist doch auch was. Das check-out gestaltete sich dann auch ganz easy. Ich mmusste ja bei Ankunft in bar bezahlen, darauf hatte man mich in drei getrennten Mails sehr ausdrücklich hingewiesen. Für ganz renitente Mailignorierer steht dann auch prominent ein Geldautomat vor der Rezeption. Und schon ging es auf Richtung Bratislava.
„Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt, die ist schön!“, wie uns weiland schon die Maultrommel, jenes berühmt-berüchtigte Liederheftchen unserer Jugend, weismachen wollte. Wie? Ach, ist doch egal, See, Zug, Bus… ist doch alles dasselbe! Wo war ich? Ach ja. Also, natürlich war die Fahrt nach Bratislava nicht so eine Tortur, wie die legendäre Fahrt von Santiago nach Havanna. Aber da der Bus keine zu öffnenden Fenster hatte, hing da natürlich der Mief von Myriaden von Reisenden in der Luft (wenn man die denn dann so bezeichnen mag). Auch deswegen lohnte sich der Platz in der ersten Reihe, da der Fahrer ab und zu mal sein Fenster etwas öffnete und ein Schwällchen frischer Luft reinkam. Ansonsten war alles prima. Pünktliche Ab- und Ankunft, Doppelsitz für 50 Euro, sogar ziemlich bequem, durch das Panorama-Frontfenster tolle Sicht auf die Landschaften. Die sind sowohl in Slowenien als auch in Österreich nett anzusehen, auch wenn es natürlich keine Sightseeing-Halts an Burgen, Naturdenkmälern oder verwunschenen Brunnen gab. Dafür aber unspektakuläre Eindrücke von Maribor, Graz Webling und Wien Erdberg, den Zwischenstopps des Busses. Übrigens hatte ich nochmal nachgeschaut, die Zugfahrt von Köln nach Stuttgart kostete doch über 60 Euro. ÖPNV in Ljubljana übrigens 1,50 € pro Fahrt, egal wohin. Tja. Ich fürchte, manch europäischen Touristen trifft ob der Nahverkehrspreise in Köln der Schlag (und dann mit dieser miserablen Qualität!!!)!





Die sechs Stunden gingen ziemlich gut rum, war es zwar eisekalt (teils auch im Bus), jedoch sonnig. Und wenn man fliegt, ist man ja irgendwie fast auch so lange unterwegs; Fahrt zum Ausgangsflughafen, 2 Stunden vorher da sein, Warten aufs Gepäck, vom Zielflughafen wieder in die Stadt und natürlich die Flugzeit selbst. Und man erfährt beim Fliegen ja auch nicht, welch wundersame Ortsnamen es gibt: Wundschuh (wahrscheinlich der Geburtsort von Aschenputtel [für die Jüngeren: die ist identisch mit Cinderella], Potzneusiedl (Potzblitz!), Krieglach (was daran komisch sein soll!?)… Und dann auch noch die Einfälle der Media-Abteilung der Autobahnen Österreichs: „Baustellen vergehen, Fortschritt bleibt.“, „Liebe kennt kein Limit, Tempo schon!“, „Jemand wartet auf Dich, komm sicher an!“. Ich fahre ja kein Auto in Deutschland, sind die da auch so kreativ? Ersteres erinnert mich dann doch an Kuba, zu Nummer 2 möchte ich dem Schreiby mitteilen, es soll erst einmal in mein Alter kommen und zu 3. WHAT? Im Hotel in Bratislava? Das ist spooky, das möchte ich nicht!!!
Ich habe übrigens Flixbus-Gutscheine bei Aldi gekauft, einen wollte ich für die Fahrt nutzen. „Nä, du, ehrlich, das geht doch hier nicht. Echt. Sorry.“. Erinnert mich an Lufthansa-Deutsch: „Dieser Flug ist nicht meilenberechtigt, weil er nicht meilenberechtigt ist.“ Oder die Bahn: „Ihre Punkte, die wir Ihnen großherzig geschenkt haben, verfallen in dieser Sekunde!“. Ja sachma! Geschenkt ist geschenkt! Ach, geschenkt!
Ich kränkele heute seit nachts ein bisschen, bin mit Hals aufgewacht (diesen Witz fand schon Nicolas Jacques Pelletier ganz mies) und hatte eine zuene Nase (dochdoch, das Wort gibt es!), ich schiebe das auf meine Schlammwasserfüße von vorgestern. Und ja, jetzt kommen wieder von allen Seiten die Einwände, dass das ein Ammenmärchen ist, dass man von nassen Füßen oder Haaren eine Erkältung bekommt. Ich hingegen behaupte, dass ich immer latent dauerinfiziert bin. Ja, und wenn ich dann in so eine Pfütze trete, gehen die Antikörper bei den Füßen nachsehen, was da los ist. Währenddessen schreien die Viren oben „Juchu, freie Bahn!“.




So, ich muss mich mal konzentrieren, ist ja ein Reise- und kein Plauderblog. Wir kamen bei Minusgraden in Bratislava Einsteinova an. Von dort aus nahm ich Bus und Bahn zur Safarikovo namestie und lief 3 Minuten bis zu meiner Unterkunft. Unterkunft? Ohjeh, wo bin ich hier gelandet? Schon im Foyer wurde mir mein Gepäck entrissen, ein Concierge führte mich zur Rezeption, wo ich inquisitorisch nach meinem Befinden und bisherigen Tagesverlauf befragt wurde. Ich war in einem Luxushotel gelandet. Kleines, aber edles Zimmer, Holzverkleidungen, Blümchentapeten, Originalgrafiken an den Wänden. „Die Getränke auf den Zimmern sind im Preis enthalten.“ flötete der Empfangschef. „Yeah, ein Bier!“ trompetete mein inneres Ich zurück. Leider gab es dann nur Wasser und verdächtig aussehende Limonaden. Übrigens, was hat es damit auf sich, dass an jeder Hotelrezeption bei Frage nach einer Umgebungskarte das Hotel eingekreist wird; was glauben die, wie man es bis dahin gefunden hat?






Ich brach zu einer ersten Erkundung auf. Ich brauchte Knabberzeug, Wein und wollte auch noch einen ersten Eindruck gewinnen. Oh, ein Lidl. Brechend voll und geplündert, ich bekam aber noch einen Chiaretto und einen Beutel Nüsse. Dann lief ich einmal um drei oder vier Blöcke. Super erster Eindruck. Aber ich war hinüber, ich nahm ein kaltes Bier in einer Spelunke und zog mich aufs Zimmer zurück, wo ich erst einmal eine Stadtführung für morgen buchte.
Um 10:30 Uhr geht es los, Ihr Lieben. Packt Fäustlinge und Häkelmützen ein, es ist wirklich, wirklich seeehr kalt hier! Ich freue mich auf unseren gemeinsamen Rundgang, Euer

P.S.: Sprecht mich zuhause mal auf den Busfahrer an 🙂
P.P.S.: Nach 32-jähriger Planungs- und Umsetzungsphase durch ein Kölner Expertenbüro erstrahlt Stonehenge wieder in neuem Glanz:
