Tag 1: Ziemlich viele Buddhas

Sabaidee, Ihr Lieben!

Nach einer kurzen, aber ausreichend erholsamen Nacht brach ich viel zu früh zum Bahnhof Deutz auf, um viel zu früh in Frankfurt zu sein. Aber das es ja eben nicht um Berlin oder Paris ging, wollte ich auf Nummer Sicher gehen.

Am Check-in-Schalter bat ich um einen Sitz mit Beinfreiheit, notfalls gegen Mehrpreis, um belehrt zu werden, ich hätte mir selber einen Notausgangssitz schon kostenfrei gebucht. Das nahm ich verwundert, aber auch erfreut zur Kenntnis. Ich schlug ein paar Stunden am Flughafen tot, unter anderem mit Zeitungslektüre in einem Liegestuhl. Die Lektüre musste ich öfter unterbrechen, um einer sehr übergewichtigen Dame zu lauschen, die lauthals in ihr Handy schrie. Meistens ging es darum, wie schlecht die Welt zu ihr ist (z.B. hatte sie nicht genug Kleingeld für einen Kaffee und  kein Verkäufer gebe ihr einen billiger. Auch würde sie gegenüber nicht näher genannten immer benachteiligt.) Irgendwann schrie sie, ihr Gegenüber müsse deutlicher  sprechen, es sei so laut im Terminal. Da hatte sie dann die ganze Aufmerksamkeit des Frankfurter Flughafens. In Form sehr erstaunter Blicke und Gelächter.

Das Boarding startete pünktlich, war etwas unkoordiniert, aber jeder fand seinen Platz. Ich meinen mit Beinfreiheit, allerdings nicht am Notausgang, sondern vor einer Trennwand. Aber auch ok, zumal sich nach dem Boarden zeigte, dass sich zwischen mir und einem asiatischen Reisenden ein freier Platz befand. Wir breiteten uns schneller aus als Läuse im Kindergarten.

Dann kam auch schon das „Abendessen“. Danach ging das Kabinenlicht aus und die Sonnenschutzblenden wurden geschlossen. Es war eigentlich erst später Nachmittag, aber so simuliert man eine frühe Nacht, um 6 Stunden Zeitunterschied zwischen Start und Ziel auszugleichen. Ich versuchte, zu schlummern, aber der hinter mir sitzende Passagier litt sehr unter seiner Erkältung. Und zwar mit gefühlten 180 Dezibel beim Niesen, Husten und Tröten. Dann kam auch noch irgendwann eine Stewardess und forderte uns auf, den Mittelplatz zu räumen, sie hätte da eine Dame, der es sehr schlecht auf ihrem anderen Sitzplatz gehe.

Ich denke, ihr ahnt es schon. Ja, sie war es. Sie quoll leider über die Sitzlehnen in unsere Sitze über und wollte zu einer Jammertirade ansetzen. Wir, denn auch der Asiate merkte schnell, worauf es hinauslaufen sollte, simulierten plötzlichen Gehirntod. Trotzdem war an Schlaf nicht zu denken. Von hinten angerotzt, von der Seite in die Seite gehauen… Ich beneide Menschen, die in allen Lebenslagen wegdämmern können. Um vier Uhr gab es Frühstück und ich unterhielt mich dann doch mit der Frau, die vielleicht ob der Zuwendung dann ganz vernünftig reden konnte.

Um 6 Uhr früh kamen wir pünktlich in Bangkok an. Ein Ameisenhaufen. Völlig überfordertes Flughafenpersonal, das nur noch rumblaffte, genervte Passagiere und eine kilometerlange Schlange vor dem Transit-Checkpoint. Dann wieder Zeit totschlagen. In einer in die Jahre gekommenen Propellermaschine wurden wir dann weiter nach Luang Prabang spediert. Leider auch hier kein Schlaf, obwohl ich meinen Sitznachbarn erfolgreich vertreiben konnte, indem ich dreimal ihn wieder aufstehen lassen musste, weil ich etwas aus dem Gepäckfach brauchte. Denn ich lernte ein Ehepaar der Reisegruppe kennen, denen ich beim Ausfüllen der Visaanträge und Einreisekarten helfen sollte, meine eigenen musste ich dann ja auch noch fertigstellen. Schräg hinter mir turtelte ein Paar, wobei er wohl Witze erzählte, was sie dauernd zum Kreischen und Gackern brachte.

Die Einreise verlief dann unproblematisch und es stellte sich am Ausgang heraus, dass die Vorprogrammgruppe aus nur 4 Personen besteht. Ein Ärztepaar im Ruhestand und eine Dame, die seit 13 Jahren in Spanien lebt sowie meiner einer.

Wir wurden zum Hotel gebracht, das leider nicht das schöne aus dem Internet in der Innenstadt war, sondern das Schwesterhaus ein paar Kilometer außerhalb. Die Anlage schön, die Unterkunft mit deutlichem Verbesserungsbedarf (als erstes kam mir eine Schranktür entgegen). Das Ehepaar nebenan hatte keinen Strom, der Safe ging nicht, das Telefon nicht und das Wasser lief nicht ab.

Farbenfrohes Tuk Tuk

Nach kurzer Dusche ging es dann mit unserem Reiseführer Nan und dem Fahrer in die Innenstadt, die Unseco-Weltkulturerbe ist. Es ist schon sehr speziell hier und erinnert mich nicht an die asiatischen Länder, die ich bereits kenne. Sehr wuselig, sehr offen und vieles improvisiert, chaotischer Verkehr. Aber schon so, wie man es sich vorgestellt hat. Die Innenstadt ist dann sehr schön, mit viel Patina. Wir besuchten zwei Tempel, Vat Visoun Narath und Vat May, in denen wir viel über den laotischen Buddhismus erfuhren.

Der Mann des Ärztepaares ist Kambodschaner, der damals vor den roten Khmer geflohen war, und konnte zu dem dortigen Buddhismus Parallelen und Unterschiede beitragen. Wir haben gefühlte 230.582 Buddhas gesehen. Und Mönche in ihren roten Roben. Und haben viel über die laotische Geschichte gelernt.

Ein buddhistisches Horoskop habe ich mir auch erschüttelt. Das war so lala, aber seht selber:

Mittags und abends gab es Mehrgängemenüs, die ganz schmackhaft waren. Beim Essen muss ich aber auf die Fressbremse treten! Einigermaßen zeitig ging es dann zurück ins Hotel. Die Straßen, insbesondere am Mekong, sind abends sehr schön illuminert. Hier sitze ich nun, schreibe dies und trinke Beerlao. Fast nach dem Reinheitsgebot gebraut. Und ich bin todmüde.

Morgen kommt Nans Bruder, um die Gruppe zu übernehmen. Nan ist sehr nett, aber man muss sich arg konzentrieren, um ihn zu verstehen, besonders, wenn es um Religion oder Geschichte geht, wo einem die fremdländischen Namen nur so um die Ohren fliegen. Wir werden einen weiteren Wat sehen, den alten Königspalast, heute das Nationalmuseum, einen Wasserfall und den Nachtmarkt besuchen.

Und jetzt noch ein Beweis für die Richtigkeit der Überschrift :-):

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