Die Nacht vor der Abreise

Liebe Mitreisende (naja, noch sitze ich zu Hause),

Packerei finde ich stressig. Besonders, wenn man 20 Tage unterwegs ist, man nur 20 kg Freigepäck hat und von diesen 20 kg schon zehn für Kulturbeutel und Ladegeräte draufgehen.

Ladegeräte! Man muss die Akkus der Kamera laden, den des Tablets, das Handy nicht zu vergessen. Nehme ich den Kindle mit? Dann müsste ich noch Bücher runterladen. Hat die Taschenlampe noch ausreichend kraftvolle Batterien? Wo ist das Kartenlesegerät? Apropos! Haben alle Geräte noch ausreichend Speicherplatz?

Gestern habe ich doch Sonnenschutz gekauft! Wo ist der hin? Wieso ist mein Lieblings-T-Shirt nicht gewaschen? Reichen die Blutdrucktabletten?

Packen ist Stress! Aber meine geniale Reisetasche wiegt jetzt gut gefüllt unter 17 kg (der Rucksack dafür acht) und ich habe wohl mehr als alles Lebensnotwendige dabei.

Erzählen muss ich noch von einem anderen Stress. Wobei das womöglich kein gutes Licht auf meine Verfassung wirft 🙂

Mein Haushaltsbetreuer fliegt für drei Wochen in seine Heimat. Ich wollte nicht, dass meine Schlüssel mit dorthin fliegen, außerdem brauchte ich sie zum Hinterlegen. Leider kam ich nicht rechtzeitig aus der Firma weg, um die Schlüssel persönlich in Empfang zu nehmen. Ich schrieb eine WhatsApp, dass ich es nicht schaffe, und er die Schlüssel auf den Tisch legen und die Tür zuziehen solle.  Er schrieb zurück „Alles OK Schlüssel stecken.“ Ich bekam umgehend einen Infarkt. Von der Arbeit bis nach Hause hatte ich nur diesen einen Film laufen: Ich komme nicht in meine Wohnung, weil der Schlüssel von innen steckt, und ich werde 4729 Euro an eine erpresserische Türöffnungsmafia zahlen müssen und den Frankfurter Flughafen nieeee rechtzeitig erreichen. Nun ja, was soll ich sagen? Der Schlüssel lag auf dem Sideboard. Freunde, ich muss dringend an meiner Contenance arbeiten!

Auf jeden Fall sitze ich jetzt auf gepackten Utensilien und meine größte Sorge ist, dass ich kein Jackett dabei habe und ich es möglicherweise brauchen würde. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es auf einem 40-Personen-Boot in einer schwül-heißen Region kein Captain’s Dinner mit Anzug und Fliege geben wird. Und selbst wenn! Ich habe meine italienische Strickweste dabei, die ich einst in Rom auf der Via Nazionale für 10 Euro kaufte. Die macht auch ein Heavy-Metal-T-Shirt (schreibt man das so?) gesellschaftsfähig.

Ich freue mich auf rege Begleitung und Eure Kommentare. 🙂

Bis bald, Euer Gerald

P.S.: Ich habe Tagträume von netten Check-In-Mitarbeiter/innen, die mir zuraunen, dass sie noch einen zuschlagsfreien Sitz in der First Class für mich hätten…..

2 Gedanken zu „Die Nacht vor der Abreise“

  1. Dann hast Du es ja doch noch auf einen Elefanten geschafft. Als wir vor etwa 46 Jahren Dir einen Besuch von Hagenbeck, verbunden mit dem Ritt auf einem Elefanten, in Aussicht stellten, hast Du erklärt, doch lieber bei der lieben Oma Olfen zu bleiben!!

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