Tag 5: Norden liegt von uns aus im Süden

Moin moin von der Küste!

Heute war Stadtbummel in Norden angesagt. Wir fanden einen Parkplatz direkt am historischen Marktplatz, von dem aus die zahlenmäßig übersichtlichen Sehenswürdigkeiten Nordens alle gut erreichbar sind. Die Ludgerikirche und das Teemuseum sind schon direkt dort, nur ein paar Meter weiter stehen die „Dree Süsters“, ein Häuserensemble von 1617. In der Einkaufsstraße um die Ecke steht das Schöningh’sche Haus von 1576, in dem früher wohl zum Ärgernis einiger Nordener ein Schnellimbiss untergebracht war. Der ist verschwunden und das Erdgeschoss steht nunmehr leer. Wie übrigens auffallend viele Ladenlokale in Norden.

Das Schöningh’sche Haus

Während wir vom Marktplatz aus den Glockenturm der Kirche betrachteten, schlug es 12 Uhr und man spielte uns ein wunderbares Stück auf dem Glockenspiel vor, sehr melodisch. Und unglaublich gut gestimmt. Ein Genuss! Abends habe ich danach mal gegoogelt: Die spezielle Form der Glocken macht wohl den tonalen Vorsprung dieses Glockenspiels gegenüber anderen aus. Ich bin ja etwas vom Kölner 4711-Haus-Glockenspiel geschädigt, dass mich im Büro stündlich mit Scheppern und leichten Disharmonien mit anschließendem Trompetengeschmetter beglückt.

Blick über den Marktplatz auf die Ludgeri-Kirche mit freistehendem Glockenturm (links)

Wenn man die Einkaufsstraße, die im Verlauf einmal nach rechts abbiegt, weiter verfolgt, kommt man zu zwei wieder instand gesetzten Mühlen: der Deich- und der Frisia-Mühle. Dazwischen thront ein Einkaufszentrum, wie es belangloser und unschmucker nicht sein könnte. Norden leidet ohnehin unter diversen Bausünden. Wenn man neben mittelalterlichen Häusern 50er-Jahre-Kästen sehen muss, ist das ja eine Sache. Aber Norden wird auch von einem Sendemast aus Beton überragt, auf dem dann Funkantennen nisten. Wenn da mal nicht Geld gewandert ist. Denn so etwas zu genehmigen, erforderte ansonsten ein gewisses Maß an geballter Ignoranz.

Deichmühle in Norden

Auf dem Weg zu den Mühlen erlebten wir einige sehr unschöne Szenen, wo ältere Menschen aneinander gerieten. Ein Fußgänger beschwerte sich über zwei radelnde Rentner, die er mit Pack beschimpfte und auf deren unverständliche Erwiderung „Schnauze“ brüllte. Auf dem Rückweg schimpfte eine Dame mit Rollator über ein an Stöcken gehendes Paar, sie seien Schlafmützen und müssten zum Arzt. Mein „AchdulieberGott“ hörte sie wohl und schrie „Halt die Klappe, Du Arschloch!“. Ich versichere Euch aber, dass solche Gestalten Ausnahmen sind! Wir wurden sogar von der Dorfjugendgang mit „Moin“ begrüßt. Übrigens auch mal von einem vorbeiradelnden Punker. Das ist schon bemerkenswert. 🙂

In diesem Café waren wir vor 5 Jahren schon einmal mit meiner Schwägerin Martina! Heute war uns aber nicht nach Kuchen. Obwohl wir den in bester Erinnerung hatten!

Wir waren unter anderem in einem Laden für Holzdekoartikel. Der Verkaufsschlager dort sind Rahmen mit austauschbaren Steckfiguren. Also ein Rahmen mit Möwe, Eule oder Robbe drin, und das in verschiedenen Farben. Nett. Die Dame im Laden war sehr mitteilsam und wir sollten uns auf einer Karte mit einem Pin auf unserer Heimatstadt verewigen. „Was, aus Köln und Neuss? Nee, da ist kein Platz mehr.“ Das liege an den Karnevalsflüchtlingen. Wir wurden dann gefühlte 2 Stunden lang über alles, was mit dem Laden zu tun hat, aufgeklärt. Alles vorgetragen in einem netten niederländischen Singsang.

In einer Seitenstraße der zu den Mühlen führenden Einkaufsstraße, der Großen Neustraße, befindet sich eine kleine Ansammlung von Kunstgewerbegeschäften und auch das Nordener Künstlerhaus. In einem Haus in der Gasse teilen sich ein halbes Dutzend Künstler die Räume, um ihren Glasschmuck, ihre Papierarbeiten, Stoffarbeiten etc. auszustellen und an die Kundschaft zu bringen. Leider war auch hier die diensthabende Künstlerin von ausgesprochener Redseligkeit. Man bekam ein schlechtes Gewissen, weil man nicht so enthusiastisch sein wollte, wie es vielleicht erwartet wurde. Ganz ehrlich, da waren sehr nette und ausgefallene Werke dabei, aber leider nicht für unsere Behausungen.

Zugang zu Ateliers in der Großen Neustraße

Auf dem Weg zurück zum Wagen nahmen wir draußen vor einem Eiscafé Platz, und ich bestellte einen Pharisäer. Das ist ein Kaffee mit Rum und Sahne. So etwas habe ich seit bestimmt 30 Jahren nicht mehr getrunken. Eigentlich ganz lecker, aber eher was für kalte Wintertage.

Wir liefen noch ein geraumes Stück bis zur dritten restaurierten Nordener Mühle, der Westgaster Mühle, die eine Teestube und einen kleinen Bauernverkauf beherbergt. Fast hätte ich mir dort einen geschnitzten Schutzengel gekauft, den ich sehr ausgefallen fand. Aber ich habe daheim kaum noch Platz für Nippes.

Westgaster Mühle

Im Edeka in Norden kaufte ich dann noch ein paar Kleinigkeiten ein, während Elke mit Amy eine Runde durch einen kleinen Park drehte. Amy hat sich inzwischen so an mich gewöhnt, dass sie mir auch hinterherguckt und auf meine Wiederkehr wartet. Finde ich süß! Apropos Amy. Das Bad im Brackwasser gestern hat sie zu einem kleinen Stinker gemacht. Elke hat mehrere Waschungen vornehmen müssen, die dem Hund ausgesprochen gut gefallen haben. Amy hat nämlich seitdem den „Ich-werde-von-Euch-mißhandelt-Blick“ drauf.

Zuhause lieferten wir unsere Einkäufe ab und haben uns auf unserer Terrasse in die Sonne gesetzt, als mein Vater durchs Gartentörchen kam. Wir haben ein Weilchen geplaudert und uns nach seinem Abschied zu einem größeren Spaziergang über die Felder zum Bahlsen-Outlet aufgemacht. KEKSE! Den Laden mussten wir wegen Amy getrennt besuchen und Elke kam ohne Einkäufe wieder, während ich – wenn auch nur ein kleines bisschen – fündig wurde.

Nein, ich erhalte kein Geld für diese Werbung.

Für heute Abend ist alles für Krabbenrührei und Salat besorgt, dann wird wahrscheinlich gelesen und/oder Backgammon gespielt.

Unser Burger des Jahres: Krabbenrührei, Norderney-Schinken und Käse mit Salat. Hmmm! ?

Für den Rest unserer Zeit hier soll es zwar nicht besonders warm werden, aber es wird auch keinen Regen mehr geben. Wir hatten uns ja auf weit schlimmeres eingestellt und sind gerade sehr dankbar, dass es so ist, wie es ist.

So, ik sach nu man bis denne,

Euer Gerald



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