Tag 4: Zuhause bei Grafens

Moin moin, Ihr Lieben!

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.

Soweit Mörike. Man kann es aber auch so formulieren:

Boah Alda, echt littes weather, ey.

Endlich Sonne! Yippieh!! Wir nutzten dies für eine Fahrt zum Schloss Lütetsburg, wo wir eine Wanderroute ausfindig gemacht haben durch den Lütetsburger Forst. Wir wollten ja für künftige Wanderungen mal Amys Kondition austesten.

Zuerst ging es aber mal in den Lütetsburger Schlosspark, der bei diesem Wetter einfach nur wunderbar ist. Sehr malerisch und friedlich, mit Teichen und Pavillons und blühendem Rhododendron. Der Eintritt gestaltete sich etwas schwierig, da wir Münzen benötigten und der Geldwechselautomat zwar dankend unseren 5-Euro-Schein aufsaugte, dann aber den Betrieb einstellte. Aber die kompetente Dame im Souvenirverkauf konnte uns nach gründlicher Beurteilung der Sachlage dann weiterhelfen. Nach seeeehr gründlicher Beurteilung der Sachlage.

Lütetsburger Schlosspark

Es waren nicht so rasend viele Besucher da, so dass sich alles gut verlief und man oft meinte, man habe den Park für sich alleine. Es gibt dort auch einen Friedwald und eine nicht zugängliche Erdgrabstätte, wahrscheinlich der gräflichen Sippe. Also, ich meine, da liegt man äußerst idyllisch. Plane daher, in die Familie einzuheiraten.

Interessant sind auch über den Park verteilte Sinnsprüche. „Schönheit und Anmuth“ auf einer Vasensäule, „Freundschaft“ über der Tür eines Pavillons… Dass es eines Hinweises bedarf, die Parkbauten nicht zu bekritzeln, das ist schon… Wirklich eine absolute Sehenswürdigkeit auch das Schloss, das man aber nur von Außen sehen kann, da die von Inn- und Knypshausen – wie schon seit Jahrhunderten – dort noch wohnen.

Schloss Lütetsburg, benannt nach dem Friesenhäupling Lütet I. aus dem Geschlecht der Manninga.

Vor der nun geplanten Wanderung wollten wir auf der Terrasse des Schlosscafés eine kleine Stärkung zu uns nehmen. Es ist für Terrassengäste ein SB-Restaurant, daher stellte ich mich in die Schlange vor dem Tresen an. Leute, was man da für unentspannte Gestalten ausmachen konnte. Die Bedienungen dort haben meine Hochachtung, dass sie sich den Umgangston manch eines Besuchers regungslos gefallen lassen.

Dame 1: „Ich will bestellen!“
Thekendame: „Ich fürchte, Sie sind noch nicht an der Reihe.“
Dame 1: „Ich sitze an Tisch 14 und möchte Kräutertee und eine Quiche!“
Thekendame: „An den Tischen innen kommt eine Bedienung zu Ihnen.“
Dame 1: „Jaja, das kennt man ja. Nur WANN? Kräutertee und Quiche!“

Dame 2: „Ich nehme den Milchreis, aber OHNE Zimt. Und OHNE Zucker. OHNE Zimt und OHNE Zucker! Aber mit einer Kugel Mandeleis.“
Thekendame: „Wir haben Eis nur in Bechern, nicht als Kugel.“
Dame 2: „Dann eben eine Kugel Vanilleeis.“

Die Wanderung ist eher unspektakulär. Wir liefen ein bisschen Landstraße, dann durch einen Wald, dann querfeldein über Felder, auf mit Löwenzahn überwuchterten Wegen, durch eine kleine Ansiedlung, an Wasserläufen entlang und wieder durch Wald. Begleitet wurde unsere Wanderung durch ein Gezwitscher und Gezirpe sondergleichen, wir sahen Rehe im Dickicht, die uns alarmiert anglotzten (die erstarren ja regelrecht) und Amy hielt Ausschau nach Eichhörnchen, die sie ebenso sehr mag wie Katzen. Leider entdeckte sie dann eines kurz hinter einem anderthalb Meter tiefen und zwei Meter breiten Graben mit brackigem Wasser und vergaß im Überschwang der Gefühle, dass sie keine drei Jahre mehr ist. Platsch. Aua, das tat wahrscheinlich weh. Und dann lecker Schlamm überall im Fell.

Nach ca. 10 Kilometern waren wir wieder am Schlosscafé, wo wir uns mit zwei Halbliterradlern belohnten. Amy war am Ende erkennbar fertig, aber nun wissen wir in etwa, was wir uns mit ihr vornehmen können. Wir wollen ja über Pfingsten im Elsass wandern. Wobei, wer mich kennt weiß es ja, ich nenne das ja eher exzessives Spazierengehen.

Zuhause hat sich die erschöpfte Bagage dann erstmal langgemacht. Komoot hat mich dann übrigens für eine 500-Meter-Wanderung (vom Golfplatz, wo wir parkten bis zum Schlossparkeingang) genauso überschwänglich gelobt, wie für die 10-Kilometer-Wanderung. Was für eine motivierende App! ?

Am Abend besuchten wir dann die Friesenkate erneut (siehe Tag 2), diesmal ließen wir eine – ich glaube dankbare – Amy im Wagen. Wir hatten uns nämlich sehr auf Spargel eingeschossen, den man ja im Rheinland hinterhergeworfen bekommt, der hier aber scheinbar eine Rarität darstellt. Vor 5 Jahren hatten wir hier wunderbaren Spargel. Heute leider Fehlanzeige. Die Natur ist zeitlich zurück, Spargel wird hier noch nicht geerntet. Aber es war auch so gut. Ich hatte eine wunderbare Granatsuppe (Granat ist nichts anderes als Nordseekrabbe) und danach Kutterscholle (also fangfrisch) und Elke ein Wiener Schnitzel (vom Kalb) von der Größe Grönlands. Dazu einen schönen Blanc de Noir (ein Wein). (und jetzt hört es auch mit den Klammern auf!)

Ein schöner Abschluss eines schönen Frühlingstages, der nur am Abend ein ganz klein bisschen Regen hatte.

Tschüs, Euer Gerald
(das ü wird langgezogen, anders als beim Tschüss 🙂 )

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