Tag 2: Berlin – Keine Erfahrung, sondern eine Erlatschung

Eenen wundascheenen juten Abend, die Schaften!

Gestern Abend war ich im „Il mondo“ essen, da es in der Nähe des Hotels liegt und laut Google ein gutes Restaurant ist. Ich bekam auch einen Tisch auf der Terrasse, obwohl die gut besucht war und ich alleine einen Vierertisch belegte. Leider, aber dafür kann das Restaurant nix, guckt man auf Baustellen und Dixie-Klos. Dafür war das Essen ganz lecker.

Mit dem Hotel bin ich auch ein bisschen versöhnt, weil die Mitarbeiter fast alle sehr nett sind. Zwar war beim Frühstück das Brötchen heute besser als das von gestern, aber dafür erhielt ich heute den Beweis, dass die gekochten Eier hier die Diamanten als härtesten Stoff der Welt abgelöst haben. Eine 11 auf der Mohs-Skala!

Das Wetter war heute wieder als durchwachsen angegeben, aber ich traute mich im Frühlingsfummel und ohne Jacke raus. Das war auch gut so, denn trotz teilweiser Bewölkung war es sehr schwül.

Hackescher Markt

Mit der Bahn wollte ich dann erst einmal so lange in die Stadt reinfahren, bis mir die Haltestellenansage etwas entlockte. Das war dann beim Hackeschen Markt der Fall. Prima, so dachte ich, dann kannst Du da vor den S-Bahn-Bögen einen schönen Kaffee schlürfen. Aber da hat mir Presslufthammer-Bernhard einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und zwar der, der dazu auf einer Art Bagger sitzt. Echte Berliner Touristen stört das nicht wirklich, viele haben dort ihr Frühstück eingenommen. Aber mir war das zu ungemütlich. Also beschloss ich per pedes einfach loszulaufen.

Über die Friedrichsbrücke, an den Museen der Museumsinsel vorbei, über „Unter den Linden“ zum Gendarmenmarkt, wo ich das erste Mal auch in einen der Dome reinschaute (unspektakulär), durch einige Passagen (Quartier 205 ist ganz nett) über die Galeries Lafayettes, wo ich eine zumindest preislich höchst exklusive Limonade konsumierte, dann mit Umwegen zum Brandenburger Tor, wo ich in eine Demonstration geriet, von der ich aber nicht verstand, wogegen die war, da etwaige Forderungen dort in einer mir unbekannten Sprache skandiert wurden.

Alte Nationalgalerie
Quartier 205
Ein Tor in Berlin

Da ich gerade so in Fahrt war, lief ich auch direkt noch durch den Tiergarten, auch das eine Premiere. Der ist ganz hübsch, hier und da Statuen und Inselchen und Flüsschen. Viel Volk unterwegs, gerne im Fahrradpulk, da Sightseeing per pedales jetzt wohl gerade schwer angesagt ist. Es gibt im Tiergarten neben in Stein gehauener adliger oder künstlerischer Prominenz auch einen Steinkreis mit Steinen aus 5 Kontinenten. Eine Tafel erklärte, was es damit auf sich haben soll. Leider so verschwurbelt, dass man es kaum versteht. Irgendwas mit universellem Frieden.

Wilde Tiere im Tiergarten

Ich bog ab Richtung Landwehrkanal und geriet in das Botschaftsviertel. Leute, Leute. Da sind ja Bauten dabei. Die arabischen Emirate z.B. haben versucht, einen orientalischen Palast nachzubauen. Ob das wirklich schön ist, müssen Ästheten unter sich ausmachen. Auch Vertretungen der Bundesländer haben dort ihre Bleibe. Hinter diesem Viertel gelangte ich zum Lützowplatz. Selten habe ich eine so hässliche Parkanlage gesehen. Die Beete mit Metallzäunen eingezäunt, ein paar sehr traurige Skulpturen, alles zubeschildert. Schade.

Kunst kann durchaus auch deprimieren…

Über den Wittenbergplatz, wo ein kleiner Markt stattfand, lief ich zum Breitscheidplatz. Hinter der gerade teilweise eingezäunten Gedächtniskirche gibt es eine Erinnerungsinstallation an den Terroranschlag vom 19. Dezember 2016. Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Ich besuchte übrigens auf dem Weg hierher auch die Neue Wache, die ja auch ein Mahnmal ist. Auch dort bekam ich Gänsehaut, als ich die Tafel links des Eingangs las. Nun, diesmal war auf dem Breitscheidplatz ein Spargelfest. Alles umbaut mit LKW-Stopp-Anlagen. Sehr traurig.

Ich kaufte mir an einer der Buden ein Bier und setzte mich in eine Loungeecke. Von dort aus hatte ich einen prima Blick auf den Wächter der Pachtoilettenanlage, der nicht eine Sekunde still sein konnte. Wenn er nicht mit seinen 50ct-Kunden sprach, schwadronierte er mit sich selber. Alles mit „Berliner Schnauze“. Ich würde mal sagen, das ist wohl so eine Art Berliner Original.

Alex

Vom Bahnhof Zoo nahm ich dann die Linie 200 zum Alexanderplatz. Die 200 gilt neben ihrer Schwesterlinie 100 ja als Sightseeingbusalternative, weil beide viele Sehenwürdigkeiten auf der Strecke haben. Aber irgendwie war das dann doch kein sooo toller Plan, da der Bus a) sehr voll war und b) auch viel Verkehr herrschte und wir ewig brauchten. Vom Alex aus war ich dann aber mit der U5 wieder ruck-zuck in meinem Hotel.

Nach einer kurzen Verschnaufpause, in der ich u.a. meinen Gratiswein zu mir nahm (wenn man aufs Zimmerputzen verzichtet, bekommt man ein Getränk aufs Haus) und ein bisschen vor mich hin geglotzt habe, wollte ich zum Abendessen zu einem anderen Italiener in der Nähe. Vorher brauchte ich aber noch Wein aus dem im Gebäude befindlichen Supermarkt. Und dort verkaufte ein junger Mann mit Schweinebraten und Kassler belegte Brötchen. Das duftete so gut, dass ich von jeder Sorte eins nahm und dies als Abendbrot verzehrte. Saftig und lecker, eine gute und recht preiswerte Entscheidung! Gleich gucke ich mir noch einen netten Film an (man hat hier im Hotel ein paar kostenfreie Filme zur Auswahl. Nee, nicht, was Ihr wieder denkt!!!) und dann war auch dies ein gelungener Tag für mich.

Morgen will ich mal nach Kunstmärkten gucken, abends ist dann Kleinkunst angesagt.

Tschökes mit ökes, wa!?

Euer Gerald

Auch noch morgen: EIn Termin für eine Spange
Wenn man nachts mal eine Fressattacke bekommt… oder tagsüber… oder irgendwann…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.