Tag 5: Haarnadelscharf

¡Buenas noches de Gran Canaria a todos!

Es hat die ganze Nacht wieder geplästert und gestürmt. und das hat sich am Tag irgendwie auch fortgesetzt. Der Sturm ließ zwar etwas nach, aber es hat sich richtig schön eingenieselt und der Wind war auch nicht ohne. In der Schule hat uns das natürlich nichts ausgemacht. Dort haben wir heute zuerst über unsere Fernsehgewohnheiten gesprochen. Anschließend wiederholten wir die drei Vergangenheitsformen, die man aus dem Niveau A2 schon beherrschen sollte. Für mich immer noch ein rotes Tuch!

Am Ende des Unterrichts wurde uns mitgeteilt, dass die Schule morgen geschlossen bleibt, denn es ist ein spanischer Feiertag: nicht etwa Nikolaus, das ist hier nicht so bekannt, sondern Tag der Verfassung! Wir treffen uns mit unserem profe Adrian trotzdem um 9:30 Uhr früh vor der Kathedrale Santa Ana, um das Viertel Vegueta unsicher zu machen. Nachmittags ist dann ja, wie schon bereits erwähnt, die Exkursion zur Kaffeeplantage und in die Kellerei.

Mein Schulbus guagua…

Nach der Schule achtete ich beim Bus nur auf die Zielangabe, nicht auf die Nummer. Fataler Fehler! Ich las auf dem Handy meine E-Mails und meine Whatsapps, schaute aus dem Fenster und bemerkte „Huch, das kenne ich gar nicht…“ Man war dabei, mich in die Berge zu entführen. Flugs stieg ich aus und erkundete andere Möglichkeiten, um nach Hause zu kommen. Ein Bus wurde mir angezeigt, der eine Dreiviertelstunde brauchen und an jeder Milchkanne halten würde. Ich beschloss, ihn zu nehmen. Wir fuhren durch Vororte von Las Palmas, später durch engste Dörfer, steile Pisten hinauf, steile Pisten hinunter, durch Haarnadelkurven, dass einem ganz blümerant werden konnte. Ehrlich, kanarische Busfahrer sind für mich Helden des Alltags. Ich könnte das nicht!

Zu Hause angekommen, es regnete wieder stark, legte ich mich erstmal für eine Siesta hin. Sie dauerte nicht lange, denn der Postmann klingelte zweimal. Er quasselte auf mich ein, ich wusste aber nicht, was er wollte. Er zuckte die Schultern und verließ mich wieder, mit einem Brief in der Hand, der garantiert nicht für mich bestimmt war.

Da die Stühle im Apartment zwar ganz modern, aber sehr unbequem sind, beschloss ich, in das Einkaufszentrum zu fahren, um mir ein paar Kissen zu besorgen. Die Gelegenheit wollte ich auch nutzen, um mir an der Theaterkasse Eintrittskarten für verschiedene Veranstaltungen zu besorgen.

Warum ich immer der einzige bin, der auf dem Plateau parkt, statt in der engen Straße, wurde mir jetzt klar. Durch den Regen war die ganze Erde so aufgeweicht, dass ich ungefähr 5 cm tief mit meinen Schuhen im Matsch versank. Also erst einmal wieder zurück zur Wohnung, Schuhe waschen und zum Trocknen aufhängen. Andere Schuhe anziehen. Wieder zum Auto. Wie nun aber dahin gelangen, ohne wieder ein Schlammbad zu nehmen? Ich tippelte von Kieselstein zu Kieselstein, stieg über die Beifahrerseite ein und konnte so einigermaßen sauber den Wagen entern.

Am Einkaufszentrum angekommen habe ich erstmal in dem riesigen Parkhaus geparkt, lief zum Auditorio Alfredo Kraus, kaufte mir Karten für eine Ballettaufführung im Teatro Galdós und für ein Silvesterkonzert im Auditorio selbst. Dieses Konzert findet schon am 27. Dezember statt, so dass ich meinen Flug nicht verschieben muss. Das finde ich sehr rücksichtsvoll!

Im Einkaufszentrum dann die notwendigen Einkäufe, um den Feiertag zu überstehen. Ab zur Kasse, bezahlt, ab ins Parkhaus, Ticket in die Maschine. Ich hatte mir gemerkt, ich stehe auf Platz G3 – wie Gerald und die drei Silben meines Nachnamens. Große Überraschung: hier stand der lange von mir ersehnte Kleinwagen. Den wollte ich jetzt aber nicht mehr. War es etwa doch nicht G3? Ich war mir eigentlich völlig sicher! Und mir brach der Schweiß aus! Ich stand vor grünen Säulen und sah im Hintergrund rote Säulen schimmern. Große Erleichterung! Ich hastete in den roten Bereich, nur um festzustellen, dass es dort keine Reihe mit dem Buchstaben G gibt. Erneuter Schweißausbruch! Stärker als der erste!! Ich irrte mit meiner seeeehr schweren Einkaufstasche durch das Parkhaus und wusste nicht mehr, mit welcher schlauen Eselsbrücke ich mir meinen Stellplatz gemerkt hatte. Ich zurück ins Einkaufszentrum, zur Information. Erläutert, ich habe mir doch die Nummer gemerkt und ich sei doch nicht soooo vergesslich. Man erklärte mir, dass es weitere Parkebenen in den Farben blau, rot, orange, gelb, flieder, weiß, schwarz purpur, mauve, apricot etc pp gebe und darunter gebe es auch einige mit dem Stellplatz G3, ich müsse nur alle Ebenen nach der Nummer G3 absuchen. Auf Parkebene -2 im blauen Bereich wurde ich dann fündig, dort stand mein Schlachtross! Große Freude, ich konnte mich der Tränen kaum erwehren. Die Filmrechte an diesem Drama hat sich übrigens Steven Spielberg gesichert, Bruce Willis wird die Hauptrolle spielen. Arbeitstitel: Park langsam.

Keine Sekunde zu früh kam ich dann in der Wohnung an, denn kaum dass ich die Haustür hinter mir geschlossen habe, setzte ein Platzregen sondergleichen ein. Es wurde finster, man sah die Hand vor Augen nicht und der vermeintlich große Parkplatz auf der Klippe verwandelte sich in ein Brackwasserschwimmbad. Ich sitze jetzt aber mit genügend Vorräten hier schön im Trockenen, werde gleich die restliche Empanada von gestern vertilgen und es mir gut gehen lassen. Ich freue mich morgen schon auf eine halbe Stunde mehr Schlaf und bin gespannt, wie es bei Platzregen so in der Altstadt ist. (hätte ich übrigens heute schon bei der fiesta de tapas testen können, aber irgendwie…)

Bis morgen, alles Liebe und Gute von der Insel.

Muchos saludos, muchos besos
Gerald

Zur kontemplativen Betrachtung dieses Fotos empfehlen wir Howard Carpendales „Deine Spuren im Sand…“
„Que rico“ heißt „wie lecker!“ Ich finde, das könnte das Männlein etwas besser rüberbringen… Für mich sieht das eher nach Eimeralarm aus.

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