Tag 6: Bergen

Ihr Lieben,

heute also Bergen. Mit etwa 270.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Norwegens. Zum Vergleich: das wäre bei uns Hamburg mit ca. 1,8 Millionen. Ich überlasse jedem, die Verhältnisse auf die Gesamteinwohnerzahl umzurechnen, da ich seeeehr schlecht in Mathe war. 😵

Schon ab halb sieben in der Früh hörte man die Durchsagen bzgl. Bergen und unserem Liegeplatz von der Brücke auf den Fluren. Denn sobald ein Kreuzfahrtschiff einen bestimmten Punkt in Bergen passiert hat, soll es gemäß lokaler Bestimmungen gefälligst nicht so auffallen. Eine Regelung, die ich mir vor einigen Jahren bei der Einfahrt der Artania in die Lagune von Venedig gewünscht hätte. Da grölten die meisten beim traditionellen Oktoberfest (das es auf fast jedem Schiff irgendwie gibt und das auch gerne im Mai oder Februar stattfinden kann) auf Deck „Rupfdizupf, die Lederhosen runter“ (oder etwas ähnlich Geistreiches), der Venezianer stand am Ufer und befürchtete das Schlimmste (die Hunnen sind wieder da) und eine Minderheit an Bord wäre vor Scham gerne in der Lagune versunken. Aber ich schweife ab.

Gebucht hatte ich einen Stadtrundgang. Sinnigerweise fand der dann erst am späten Nachmittag statt. Hm. Ich beschloss, trotz starker Bewölkung und dichten Nebels, mit der Fløibahn auf den Hausberg Bergens, den Fløyen, zu fahren, dort zu wandern und per pedes wieder ins Tal zu laufen. Ich entwickele mich noch zum Bahn-Nerd. Aber eher unfreiwillig.

Oben angekommen… Ist es ein Zitat aus der „Feuerzangenbowle“? „Sehen Sie, Sie sehen nichts!“. Ich lief durch den Trollwald, um den See herum, klönschnatterte mit den Enten dort und machte mich dann an den Abstieg. Das war alles trotz mangelnder Aussicht sehr nett. Aber unten angekommen war ich trotz der Kälte völlig fix und fertig. Ich testete daher, ob eine Stunde in der Horizontalen die Beine entlastet. Die Ergebnisse dieser Forschung werden demnächst im Journal of modern medical research veröffentlicht, aber ich kann jetzt schon verraten, ja, tut es.

Der Stadtrundgang begann erst einmal damit, dass die Hälfte der Teilnehmer ihre Empfangsgeräte aka Ohrstöpsel für die Erläuterungen des Guides vergaß. Dann funktionierten diese nicht so, wie die Träger es sich wünschten. Das lag aber, so viel sei verraten, ausnahmslos nicht an den Geräten. Eine Mitreisende neben mir seufzte „Schon die halbe Zeit rum…“ und ich ergänzte „… „und schon so viel gelernt!“. Das fanden aber nur wir beide komisch.

Die Führung war sehr interessant, aber leider verzettelte sich unser Guide manchmal in Details, die sich niemand hätte merken können. „Elisabeth Margarethe Johanna Gulbrandsdottar, die Königinmutter von Hakle, dem Viertelvorzwölftem, spuckte am 13. Dezember 1242 auf diesen Stein, was zu den Smörebrodkriegen führte.“. Diese Detailversessenheit führte dazu, dass wir den Besuch der Fischhalle verpassten und zum Schiff zurück galoppieren mussten.

Da aber wenigstens der Nebel sich verzogen und seine Geschwister, die Wolken, mitgenommen hatte, kamen wir in den Genuss eines tollen Stadtspazierganges mit dennoch sehr interessanten Fakten. Unbestritten war unser Führer ein sehr belesener und gebildeter Mann. Die Hanseviertel mit strikten Regeln, das Leben in Bergen zwischen 1200 und heute, architektonische Besonderheiten, all das war schon spannend. Dazu norwegische Geschichte eingesprengselt. Sehenswert sind die Festung mit der Håkonhalle, Bryggen mit den Hansekontoren, die „deutsche Kirche“ und natürlich der Hafen.

Vor dem Schiff war bei der Rückkehr ein Stand aufgebaut, an dem man norwegische Spezialitäten hätte erstehen können, aber wir kamen ja ohnehin schon fast zu spät zur Einschiffung. Gerne hätte ich den oft erwähnten braunen Käse erstanden. Aber nächste Woche in Schweden möchte ich unbedingt Surströmming kaufen. Sehr zur Freude meiner nächsten Gäste. 🤗

Auf dem weiteren Weg nach Mandal, unserem nächsten Ziel, passierten wir noch eine Miniaturausgabe der Golden Gate-Brücke. Norwegen hat echt viel zu bieten. Ich glaube, während ich dies bei einem Seabreeze-Cocktail in der Panoramabar schreibe, fahren wir durch Schärengebiet. Lauter kleine Inseln statt der Fjorde. Auch ein sehr schöner Anblick.

Den Ausklang fand der Abend in der Showlounge, wo ein Pianist Stücke von Edvard Grieg vortrug, dem wohl größten Sohn Bergens, zumindest auf dem Gebiet der Komposition. Ich hätte gerne sein Haus in Troldhaugen, jetzt ein Museum, besichtigt. Leider keine Zeit, ein Nachteil an Kreuzfahrten. Das Schiff bleibt wegen Sonderwünschen nicht mal eben eine Nacht länger. Schade eigentlich. Warum eigentlich?

Morgen sind wir in Mandal, der südlichsten Stadt Norwegens. Gehen wir zusammen auf Tour dort?

Liebe Grüße, Euer Gerald

Das Ungeheuer vom Fløyen-See, erste Sichtung seit hunderten von Jahren. Man beachte die furchteinflößenden Rückenflossen.

2 Gedanken zu „Tag 6: Bergen“

  1. Gerald, ich bin gespannt wie es weitergeht…
    Übrigens habe ich jetzt Hunger, da ich eben deinen Bericht über die niemals endenden Versorgungsmöglichkeiten an Board gelesen habe 😉😋.
    Du hast Wetterglück, das bisschen Nebel gehört im Norden einfach dazu…Mystisch und so!
    Hab es weiterhin gut, ich reise lesend mit!

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