Tag 7: Mandal

Ihr Lieben,

gestern waren wir zu weit weg von der Küste für eine Internetverbindung, so buchte ich Datenvolumen via Satellit. Zu meinem Erstaunen wurde mir nach ein paar Minuten mitgeteilt, ich möge ein weiteres Datenpaket buchen. Da hatte ich noch keinen Buchstaben getippt. Und ich möchte andeuten, dass das nicht eben preiswert ist. Ich ab zur Rezeption, der Mitarbeiter versuchte, mir zu helfen, und schwupps hatte ich wieder ein nicht funktionierendes Datenpaket gebucht. Meine innere Kreditkarte glühte. Aber heute morgen waren alle diese Buchungen von meinem Bordkonto verschwunden. Ein Hoch auf diesen Rezeptionisten. Ansonsten glänzen die eher matt hinter ihrem Tresen.

Mandal ist die südlichste Stadt Norwegens und ist bekannt für den schönsten Strand des Landes sowie die hübschen Häuser. Nach Anlandung mit dem Tenderboot kraxelte ich zuerst auf den Utsiktspunkt (bitte u als ü aussprechen*) Uranienborg, wo ich nach einer erforderlichen, aber schnellen Reanimation einen wunderbaren Fernblick genießen konnte.

Mein nächster Besuch galt der evangelischen Kirche, die mit 1800 Sitzplätzen als größte Holzkirche Norwegens gilt. Leider waren Christo und Jeanne-Claude vor mir da, und sie war vollkommen plastikverhüllt. Das Betreten der Kirche war verboten, aber da ich kein Norwegisch kann, wusste ich das ja nicht. Jeg visste virkelig ikke! Auch dieser kurze Blick ins Innere hat sich nicht wirklich gelohnt.

Ich streifte durch die sehr hübsche Innenstadt und erstand ein für meine Verhältnisse farbenfrohes Hemd, das ich zuhause wahrscheinlich kopfschüttelnd unter Verwirrungen in die hinterste Schrankecke verbannen werde.

Wir hatten nicht viel Zeit, da wir nur knapp 3 Stunden auf Reede lagen. Aber die Stippvisite hat sich gelohnt, es ist ein sehr netter Ort! Um 11:30 Uhr gab es dann die Biergarten-Party auf dem Lidodeck. Das Pendant zum gestern angesprochenen Oktoberfest. Mit Freibier bis 12 Uhr. Leute, da boxte werauchimmer im Kettenhemd, animiert durch einen DJ am Mischpult. Mir war nach „An der Nordseeküste“ und „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ ganz anders und ich beschloss, für mein Bier auf Deck 7 zu zahlen. Wenn die Hunnen die Gemütlichkeit hochleben lassen, klingt das für mich zumeist eher nach Blitzkrieg.

Der Rest des Tages stand dann wieder voll im Zeichen der Völlerei und des Entertainments. Den gedeckten Apfelkuchen mit Eis und Sahne sowie die nächtliche Gulaschsuppe verkniff ich mir. Den Abschiedscocktail für die Norwegenreise nahm ich hingegen gerne an, obwohl ich gezwungen wurde, dazu herzzerreißende Arien und Duette aus den beliebtesten Musicals der letzten 500 Jahre über mich ergehen zu lassen. Aber ehrlich, besser als humbahumbatäterä ist das allemal. Garniert wurde die Veranstaltung mit einem Good-Bye-Defilee der Crew vom Käpt’n bis zum Kellner. So etwas hat ja immer ein bisschen was Ergreifendes.

Man informierte mich mit der Bootspost, dass man mich morgen in meine neue Kabine umziehen würde. Ich könne alles so lassen, das Housekeeping würde sich darum kümmern. Da mir aber leicht konolialistisch zumute ist, wenn jemand meine Wäsche über die Gänge tragen soll, packe ich dann doch lieber alles zusammen.

Morgen Bremerhaven, Ein- und Ausschiffung neuer und alter Passagiere. Mein Plan ist, zu faulenzen und vielleicht auch einen Urlaubstag in meinem Tagebuch einzulegen, bevor es Donnerstag weiter nach Esbjerg in Dänemark geht.

Liebe Grüße, Euer Gerry

*) das ist besonders wichtig, wenn man Hurra ruft, wie mir erzählt wurde… falls das nicht unter Reiseleitergarn fällt…

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