Tag 5: Flåm

Ihr Lieben,

heute kreuzten wir durch Sogne- und Aurlandsfjord bis Flån, wo wir wieder auf Reede lagen. Ich verbrachte diese 4 Stunden zumeist auf Deck und genoss die wunderbare Natur. Angesichts sich ständig in Bewegung befindlicher Kieferknochen um mich herum wurde mir dann klar, dass man sich hier rund um die Uhr vollstopfen könnte. Kaum sind die Early-Bird-, regulären und Langschläfer-Frühstücke vorbei, bei denen man ellenlange Menükarten in die Hand gedrückt bekommt, geht es nahtlos über zur Zwischenmahlzeit auf dem Lidodeck. Heute Grillhähnchen. Mit den abgenagten Knochen in der Hand kann man sich dann umgehend in eines der gefühlten 10 Restaurants zum Mittagessen niederlassen. Von dort aus eilt man dann mit flatternder Serviette im Ausschnitt zur Kuchentheke, dann zum Nachmittagssnack, gefolgt von Abendessen und Mitternachtssnack. Um dem etwas entgegenzusetzen, gibt es für 15 Minuten Dehnübungen mit Susi am Tag. Die mache ich natürlich mit Begeisterung mit, wohingegen ich kaum etwas esse. 🤥

Am Mittag sammelte ich mich zu meinem Ausflug mit der Flåm-Bahn. Flåm ist unter anderem wegen dieser Bahn ein Touristenmagnet. Flå heißt laut Ausflugsprogramm übrigens „kleine Ebene zwischen steilen Bergen“. Ich mag diese knappen Namen, die trotzdem so viel Bedeutung haben. Gerald heißt ja, aber das wusstet Ihr bestimmt schon, „der, der nie isst, immer Dehnübungen macht und dessen Kleidung dennoch immer kleiner wird“.

Unglaublich viele Mitreisende wollten diesen Ausflug machen und so knubbelte es sich mal wieder. Die Fahrt ist nett und hält einiges an Besonderheiten parat, die aber eher für Zugfans interessant sind. Tunnelkehren, Steigungsverhältnis, Antriebstechnik etc. Ansonsten bietet die Strecke Ausblicke auf Täler, Berge, Natur und… ja, kaum mehr vorhandene Wasserfälle. Ein Extrastop der Flåm-Bahn ist der berühmte Kjosfossen. Man hat sich ein kleines Spektakel einfallen lassen: Unterhalb der tosenden Wassermassen tanzt eine Huldra und lockt unschuldige Männer mit ihrem sphärischen Gesang in ihren Berg und den sicheren Tod.

Nun. Die Hejaholalü-Gesänge kommen vom Band und die rotgewandete Huldra (es sind mehrere, um den Eindruck zu erwecken, sie könne sich quasi teleportieren) erscheint vor einem trockengefallenen Sturzbach ein wenig hilflos. Hejaholalü.

Am Ende der Strecke kann man sich auf ca. 865 Metern Höhe ein paar Minuten am Bahnhof Myrdal die Beine vertreten und fährt dann die gleiche Strecke wieder zurück. Wieder mit dem vollen Sagengestaltprogramm. Nach der Bahnfahrt wurden 5 Passagiere vermisst, Huldra hatte also sagenhaften Erfolg.

Den Tipps zu Flåm konnte man entnehmen, dass hier eine Brauerei ansässig ist, die preisgekrönte Biere herstellt. Ægir Bier. Das gönnte ich mir nach einer kurzen Ortsbesichtigung. Also, ich weiß, warum Bier in Norwegen Öl heißt. Es ist nicht nur preisgekrönt, sondern auch preisintensiv. Aber das war mir ja bekannt. Und es war wirklich lecker!

Preisintensiv ist hier übrigens auch Porto für Postkarten. Ich dachte zuerst, ich hätte mich massiv verhört. Ich hatte nicht und ertrug eine kurze Litanei des Ladenbesitzers über das schlimme norwegische Postwesen.

Zurückgetendert, noch ein bisschen geölt und dann ab zum Abendessen. Da ich weder Grillhähnchen noch Kuchen hatte, war ich hungrig. Ausklingen ließ ich den Tag wieder in der Panoramabar ohne Programm.

Abends tollten noch ein paar Jugendliche mit Jetskis ums Schiff und boten riskant aussehende Stunts dar. Zuhause am Rhein hätte ich an Rabauken gedacht, hier im Fjord im Urlaub dachte ich an unbeschwerte Jugend. Hm. Standpunkte sollten von Zeit zu Zeit überdacht werden.

Ich weiß, manchmal motze ich ein bisschen, aber es ist eine tolle Reise, unter anderem auch, weil Ihr mitfahrt. Morgen, wenn Ihr möchtet, laufen wir zusammen durch Norwegens zweitgrößte Stadt Bergen. Seid Ihr dabei?

Liebe Grüße aus der Panoramabar, Euer Gerald

Wer hier keinen versteinerten Affentroll sieht….

4 Gedanken zu „Tag 5: Flåm“

  1. Du schreibst so schön 😆
    Wir fahren gerne weiter mit.
    Dankeschön und weiterhin wünschen wir „uns“ viel Spaß auf der wunderschönen Reise.
    Udo und Micky

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