Tag 13: Kopenhagen

Ihr Lieben,

nach dem Ablegen gab es gestern seitens der Brücke noch ein Schmankerl. Da ausreichend Zeit zur Fahrt nach Kopenhagen war, kreuzten wir noch ein bisschen durch den Schärengarten. Das war sehr schön, ganz anders als die Fjorde, aber genau wie diese landschaftlich ein Traum!

Gestern beim Abendessen gesellte sich ein deutsch-kanadisches Pärchen zu uns, die auch schon die Norwegenreise mitgemacht hatten. Ich musste an meine kanadischen Mitreisenden auf der Indochina-Reise denken, die unverhofft als einzige Ausländer auf einem Boot voller Deutscher landeten. Das war bestimmt damals ein Kulturschock für die. Aber die kanadische Dame gestern lebt schon lange in Deutschland. Sehr angenehmes Paar.

Heute dann Kopenhagen, was soviel wie Kaufmannshafen heißt. Zuerst machte ich eine Busrundfahrt mit, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Diese Panoramfahrten sind für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, eine prima Erfindung, aber für Leute, die wirklich was sehen wollen, eher ungeeignet. Wir hatten nur einen Stopp am Schloß Amalienborg und einen an dem wohl unausweichlichen Höhepunkt einer Skandinavienreise, „den lille Havfrue“, der kleinen Meerjungfrau. Zu der kommen wir später noch mal zurück. Also schriftlich, denn sehen muss man sie nur einmal, so viel sei schon verraten.

Unsere Fremdenführerin sprach exzellentes Deutsch und war erfreulicherweise mal nicht so trocken, wie die bisherigen Exemplare. Sie hat sehr lustig und erfrischend vorgetragen. „Die Dänen sind vor Weihnachten nicht zu gebrauchen, alle immer besoffen vom Julbier“ oder „Warum dieses Motiv auf den dänischen Geldscheinen gelandet ist…. ich weiß und ich verstehe es nicht.“

Also, wir sahen Königs vier Häuschen, fuhren an der Oper, dem Hafen, diversen anderen Schlössern, dem Tivoli, dem Nyhavn, Museen, Parks, der Bibliothek, Brücken, Hotels etc. pp. vorbei. Alles, wie gesagt, nett erläutert. Dann hielten wir an dem Mädchen auf dem Felsbrocken. Ja, also, ich weiß ja nicht. Das ist eine kleine Skulptur einer Frau mit Flossenfüßen, die vor dem Panorama eines Industriehafen versonnen in die Gegend blickt. Künstlerisch eher nichtssagend, historisch unbedeutend und die Umgebung völlig überlaufen. Aber die Masse ist aus dem Häuschen. Das ist wie mit dem Ännchen-von-Tharau-Brunnen in Klaipeda. Hunderte Touristenbusse speien tausende von Touristen aus, die vor einem eher kitschigen Brunnen in Ehrfurcht erstarren.

Von dem Frauenfisch sollte der Bus wieder zum Schiff fahren. Ein Herr merkte dann auch lautstark an, man wolle schon pünktlich zum Mittagessen wieder da sein. Ich seilte mich von der Gruppe ab und erkundete Kopenhagen dann noch einmal per pedes. Ich merke an, dass mir danach die Füße qualmten. Ich habe das alles nur für Euch getan. 🙂

Am Kastell und der englischen Kirche vorbei lief ich durch den Churchillpark erst noch einmal zum königlichen Schloss, wo gerade Wachablösung war. Nett, aber unspektakulär. Wahrscheinlich waren Königs nicht zuhause, denn sonst wird das Ganze angeblich mit mehr Pomp vollzogen. Weiter dann zum Nyhavn, wo es bunte Häuser, alte Schiffe und eine Menge Touristen zu bestaunen gibt. Ich finde diese Ecke besonders schön (wahrscheinlich schrieb schon mal ein anderer „Ich verstehe nicht, warum…..“). Weiter ging es zum Schloss Christiansborg, wo das dänische Parlament, der Folketing, seinen Sitz hat. Gegenüber die Börse aus dem 17. Jahrhundert, die besonders durch ihren Drachenturm auffällt.

Ich lief weiter zum Tivoli, wo ich mit jeder Attraktion einmal fuhr. Nein, quatsch, ich hatte ja keine dänischen Kronen für den Eintritt. Aber da war gut was los für einen Montag. Ich habe gelesen, dass sehr viele Kopenhagener Jahreskarten für diesen Vergnügungspark haben. Vielleicht ist daher immer so viel los. Vom Tivoli ist es ein Steinwurf zum Rathaus, das sich einer schon sehr frühen Öffnung für die Trauung homosexueller Paare rühmt. Neben dem Rathaus eine Statue des wohl bekanntesten Autors Dänemarks, Hans-Christian Andersen. Jaja, ich weiß, Kierkegaard, Blixen, Jensen…

Apropos Trauung: Ich wurde heute durch eine WhatsApp-Nachricht von guten Freunden überrascht. Sie haben ganz heimlich, still und leise geheiratet. Ich wünsche Euch Beiden alles, alles Liebe und Gute!!!!!! Ich freue mich sehr für Euch! Und wann ist die After-Wedding-Party?

Nicht weit ist es dann zum Strøget, der Fußgängerzone. Die längste in Dänemark. Äh. Moment, war die nicht in Esbjerg? Hm, ist wohl so wie das Venedig des Nordens, jede Stadt hat irgendwie eine bestattributierte Einkaufsstraße. Strøget heißt übrigens auf deutsch „Strich“. Ich habe aber keine leichtbekleideten Damen und Herren gesehen. Also, zumindest keine, die sich andienern wollten. Ist aber auch zwischendurch recht kalt gewesen heute.

So langsam ging mein Energielevel auf Reserve und ich musste überlegen, was für Höhepunkte ich noch mitnehmen wollte. Ich entschied mich für einen Besuch des Freistaats Christiania. Hm, das ist mal was anderes. Eine Anfang der 70er Jahre gegründete alternative Siedlung, die irgendwie von den Behörden geduldet wird. Alles sehr hippie, alles sehr bunt, alles voller Kunst. Aber auch ein bisschen abgewrackt. In bestimmten Teilen darf man nicht fotografieren, weil dort ein reger Haschischhandel stattfindet. Ich hätte gerne für Euch alle ein Tütchen mitgebracht, aber, wie gesagt, ich hatte ja keine Kronen. Nun, ich bin ein bisschen unsicher, wie ich zu Christiania stehen soll, ich empfinde eine zu große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Ich lief noch ein bisschen durch den Stadtteil Christianshavn und erklomm auf dem Rückweg zum Schiff trotz inzwischen kreischender Beinmuskulatur auch noch die Wallanlagen der Zitadelle. Ja, und jetzt das Fazit: Ein Tag reicht für Kopenhagen nicht wirklich aus. Es gibt eine Menge zu sehen und das auch abseits ausgetrampelter Touristenpfade. Schöne Fassaden, nette Parkanlagen, viele Kirchen, hübsche Lädchen. Kann man definitiv mal hinfahren.

Heute Abend bei der Abfahrt aus Kopenhagen haben uns unsere Tischkellner und Tischkellnerinnen mitsamt ihrem Chef ein philippinisches Ständchen gebracht. Das fand die ganze Restaurantecke toll. Die Mitarbeiter in der Gastronomie hier sind ohnehin der Hit.

Morgen Bornholm, ich bin sehr gespannt, weil Teile der Familie da oft hinfahren und immer absolut begeistert sind.

Ich freue mich auf eventuelle Begleitung. Liebe Grüße, Gerald

Wer dieses schwere dänische Wort übersetzen kann, gewinnt einen Preis.

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