Tag 0: Der Tag vor Tag 1

Isch bin ja soooo uffajereeeescht, Ihr Lieben!

Nach 3.963,5 Planungsschritten und To-Dos bin ich fast schon in Kapstadt. Ich erwähnte ja bereits, dass Reisen in Zeiten von Covid einiges an Vorbereitung erfordert. Und ich hatte ja auch zügig alle erdenklich erforderlichen Unterlagen beisammen. Es fehlte noch der PCR-Test, für den ich für Mittwoch vormittags – also heute – einen Termin ausgemacht hatte.

Seit meinem Prolog war ich sehr viel im Büro, ich traf mich Samstag mit Elke und Amy, hatte Spanischstunden, war shoppen. Dann am Sonntagmorgen der Schock. Temperatur, Schnupfen, Husten. Ich kriegte die Krise!!! Ich machte zwei unterschiedliche Schnelltests, beide negativ. Ich sagte eine Lesung meiner Freundin Ruth am Sonntag, den Spanischkurs am Montag und einen Kneipenbesuch mit einem Freund am Dienstag ab. Ich ging nur noch ins Büro, wenn es sich nicht vermeiden ließ und arbeitete ansonsten in einer vollkommen überheizten Wohnung im Homeoffice und vermied jedweden Kontakt. Dann der Tag der Wahrheit. PCR-Test. In einer Zeltbaracke auf der Bonner Straße. Um 8 Uhr früh war ich dort und wartete dann bis 19 Uhr auf das Ergebnis. Natürlich nicht in der Baracke. Wie der Spanier sagt: ¡Estaba extremadamente nervioso! Als ich drohte, vor Spannung zu platzen, kam die Mail: negativ. Ich darf reisen. Aber mir stand die Pumpe bis kurz unterm Doppelkinn. Wahrscheinliche Ursache der Symptome: Am Donnerstag zuvor hatte ich mir die Grippeschutzimpfung verabreichen lassen, aber das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Meine geplante Booster-Impfung für Mittwochmittag sagte ich übrigens vorsichtshalber ab und verschob den Termin in den Dezember. Man stelle sich vor, dass ich mit der eventuellen Nebenwirkung Fieber in Kapstadt um Einlass flehen müsste. „Ich bin nicht krank, MENNO!!!!“ Muss ja nicht sein.

Was auch zu meiner heutigen Unentspanntheit beitrug: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bin ich früh zu Bett gegangen, da ich wegen des Berufsverkehrs ein bisschen eher aus dem Haus wollte, um pünktlich beim Testcenter zu sein. Gegen ein Uhr klingelte es dann in regelmäßigen Abständen, wovon ich natürlich wach wurde. Ich glaubte nicht mehr an einen Klingelstreich, schmiss eine Strickjacke über meinen Pyjama und lief – mit Schuhlöffel bewaffnet (der ist sehr lang und schwer!, ist ein Produkt für alte Männer, die sich nicht mehr bücken können) – zur Haustür. Die neuen Nachbarn von unten (waren sie es wirklich? Ich hatte sie noch nicht kennengelernt) hatten sich ausgesperrt, als sie mit dem Hund Gassi gingen. Zuerst war ich ziemlich zickig. Aber dann hat mich erst der total süße Hund erweicht, der mir nicht mehr von der Seite wich, als dann auch die verzweifelte Niedergeschlagenheit der Ausgeschlossenen. Ich rief mit meinem Handy (der Hund lief mir bis in die Wohnung nach, als ich es holte) den erstbesten Schlüsseldienst der Liste an, unter dessen Rezensionen nicht „Betrüger“ stand an.

  • „häh? gähn. was?“
  • „Sind Sie der Schlüsselkarl? Wir haben einen Notfall in Poll.“
  • „Was? Ja, Schüsselklllll….“
  • „Hallo????“
  • „schnarch“

Ich weiß, Ihr glaubt mir nicht, hat sich aber so zugetragen. Nummer zwei der Liste wurde kontaktiert.

  • „Hallo! Notfall in Poll.“
  • (INTERMEZZO): circa 20 Mal die Telefonnummer wiederholt, ganz wach war der auch nicht…..
  • „170! Inklusive Anfahrt! Komme in 30 Minuten“

So geschah es dann auch. Die Nachbarn waren sichtlich entsetzt ob des Preises, aber ehrlich, da hat man ja schon andere Dinge gehört.

Insgesamt war ich dann erst nach zwei Uhr wieder im Bett und entsprechend den ganzen Tag gerädert. Nach dem Test fuhr ich ins Büro, machte Übergabe und mittags saß ich wieder im Homeoffice.

Um 17 Uhr klappte ich den Dienstrechner zu und fing an zu packen. Wer hier öfter mal reinschaut weiß: Ich LIEBE Reisen. Aber ich HASSE Packen! Da ich letztlich mit großer Freude Downton Abbey am Stück sah…. nee, wat wäre das schön, wenn das jemand für einen erledigte. Naja, im Alter wird man ja weniger eitel und ich trage ja ohnehin fast nur noch schwarz. Ist pflegeleichter.

Gerade dann noch alle Buchungsbestätigungen, Mietwagenvouchers und dergleichen ausgedruckt und dann online eingecheckt. Puh, das war auch nicht ohne. Erstmal seitenweise Regeln und Richtlinien zu Covid lesen und das Verständnis bestätigen. Was mich übrigens zu unserer ersten Vermieterin bringt. Mit der schrieb ich drei Tage am Stück, stellte Kaution, erklärte die Hausregeln für verbindlich für unsere Gruppe, übersendete Passkopien, musste Betten aussuchen!, usw. usf. Otto whatsappte „schreib nicht so viel, nachher ist sie von uns genervt“. Witzig!

Ja, und jetzt sitze ich auf den Koffern und freue mich. Und bin nervös. Und aufgeregt. Und habe bestimmt was vergessen. Und zuviel eingepackt. Und was vergessen. Und bin hibbelig. Habe ich etwa vergessen zu erwähnen, dass ich womöglich etwas verg…. ähm.

Um 12 Uhr fahren wir in Deutz los, um 15 Uhr fliegen wir in Düsseldorf und gegen 18 Uhr dann in München ab. Um 6 Uhr sind wir in Kapstadt.

Sehen wir uns Freitagabend? Ich hoffe es sehr.

Liebe Grüße von Eurem Gerry

P.S.: Während des Eincheckvorgangs bei Lufthansa wurde ich gefragt, ob ich nicht für nur 109,- Euro mehr in der Businessclass fliegen wolle. Ich hätte mir vor Freude fast selbst ein Ohr abgebissen, bis ich bemerkte, dass dies nur für die Strecke Düsseldorf München gegolten hätte. Alaaf! Helau!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.