Tag 4: Tafelberg und Robben

Ihr Lieben,

heute, so unser Plan, wollten wir uns in PS-starken Cabrios mit einem Chauffeur durch Kapstadt fahren lassen. Und ein BMW oder Porsche schien uns nicht edel genug. Wir nahmen den ganz großen Boliden: Den Hop-on-hop-off-Bus.

In der Long Street ist die Kapstädter Zentrale der überall auf der Welt herumkurvenden roten Doppeldeckerbusse. Dort erstanden wir sowohl Zweitagestickets der Premiumklasse, als auch direkt die Tickets für die Tafelberg-Seilbahn. Der Kauf der entsprechenden Tickets war eigentlich unproblematisch, außer, dass zuerst vor uns in der Schlange zwei recht begriffsstutzige Jungs standen, denen die hyperaktive Ticketverkäuferin alles zehnmal erklären musste. Und dann führte uns eine eher stoisch wirkende Mitarbeiterin zu einem geänderten Bushaltepunkt, mantraartig wiederholend, der Bus sei gleich da, was dann aber doch 20 Minuten dauerte. Das war insbesondere deswegen etwas unangenehm, da wir neben einem Müllabladeplatz warteten, der in der prallen Sonne seit wahrscheinlich Tagen vor sich hinfaulte.

Ich fahre zum wiederholten Male mit diesen Bussen, und es war bisher immer sehr schön. Leider hat sich die Tour wohl etwas geändert und die über Kopfhörer erhältlichen Informationen waren eher mau als interessant. Wir nahmen auf dem Oberdeck ganz hinten Platz. Das war zwar fürs Gucken perfekt, aber fürs Gefühl nicht so. Es wehte ein so starker Wind, dass ich binnen Minuten durchgefroren war. Und dann wurde mir auch noch mein Käppi aus dem Eselpark Zons weggeweht! Nun ja, irgendwer wird es vielleicht finden und mit Stolz tragen. Immerhin habe ich so Werbung dafür nach Südafrika gebracht.

Am Tafelberg angekommen wunderte ich mich darüber, dass relativ wenig los war. Kein Schlangestehen, kein nichts. Wahrscheinlich coronabedingte Nachwehen. Und dann: Seilbahn. Yippieh! Eine, die mit Affenzahn ohne Zwischenpylone an einem Bindfaden gen Berg hochgleitet. Und dann dreht sich auch noch der Boden. Yeah! „Wir werden alle sterben!“, ging mir durch den Kopf.

Natürlich kamen wir heil oben an und wir liefen ein bisschen in den Naturpark Tafelberg hinein. Wir trafen auf Agamen, die hatten wir schon am Cape Hope gesehen und sie scheinen gerne rhythmische Sportgymnastik zu betreiben. Sie bewegen sich so, als würden sie Liegestütze machen. Sehr ulkig sieht das aus. Wir trafen auf die schwarzen Vögel, deren orangefarbenen Flügelunterseiten nur sichtbar sind, wenn sie fliegen. Aber wir sahen leider keine Dassies. Wir machten eine kleine Miniwanderung, bestaunten auch mal die Flora, die spektakulären Aussichten und die spaktakulären anderen Touristen. Rolf hatte sich in der Gondel schon in ein sich völlig danebenbenehmendes russisches Pärchen verlie…. äh…. verhasst und oben auf dem Berg gab es weitere skurrile Zeitgenossen. Ich meine, wer mag es nicht, wenn ein Tourist seine Nationalhymne in Überlautstärke spielt und dabei Videos dreht? Auch ein Mann, der komplett in seine Landesfarben gekleidet ist und dem nur ein Gewehr in der Hand fehlte, um ihn als das zu identifizieren, was jedem schon klar war. Ein paar Instagrammer turnten verwegen auf Felsbrocken herum, was Rolf zu der Überlegung verleitete, ob es eine Todessturzstatistik darüber gäbe.

Aber es war grandios. Bei Sonnenschein unglaubliche Fernsichten. Die zwölf Apostel wolkenverhangen und wir darüber. Links der Devil’s Peak, rechts Lion’s Head und Signal Hill. Ozean von allen Seiten. Der Tafelberg wurde nicht umsonst in die Liste der neuen sieben Naturwunder aufgenommen. Wir aßen dann im Tafelberg-Restaurant einigermaßen annehmbares Essen und ließen uns mit der Gondel wieder nach unten spedieren. Und dann mit dem Bus in die V&A Waterfront, wo wir die im Ticketpreis enthaltene Hafenrundfahrt machen wollten.

Herrjeh. Wie einst die Israeliten in der Wüste irrten wir durch die Waterfront auf der Suche nach der Ablegestelle. Der Prophet Securityman schickte uns dorthin, die Prophetin Clocktowerbewacherin dahin, unsere delphische Pythia Google Maps wieder ganz woanders und …. nach 40 Jahren waren wir dann endlich da. Der Ableger liegt vor dem Aquarium, und es gibt dort einen künstlichen Seehundponton, wo wir ein paar Exemplare dieser Spezies beobachten konnte, während wir auf das Boarding warteten. Die Hafenrundfahrt ist jetzt nicht sooo spannend, aber man sieht doch einige Seals und ich fahre ja nun auch gerne Boot. Somit war ich zufrieden.

Wieder an Land, beschlossen wir, direkt unter Ausnutzung unserer Hoppihopp-Tickets wieder nach Camps Bay zu fahren, um dort unseren Sundowner zu nehmen. Beim Check-in wurde dem ersten noch Temperatur gemessen, dann wurde sich erinnert, „oh, it’s you!“ und wir wurden an unseren „Stammplatz“ geleitet. Man hat sich sichtlich gefreut, dass wir wieder da waren.

Es gibt eine gastronomische Besonderheit. Hier in Kapstadt lässt man sich gerne Zeit mit der Erledigung der Bestellung, oft wird auch etwas durcheinandergeworfen. Aber von der Freundlichkeit wirklich JEDEN Servicemitarbeiters kann sich das Personal in good old Europe mal eine Scheibe abschneiden. Insbesondere in meinem eigenen Land. Im Gegenzug sollten wir uns als Kunden mal etwas mehr Gelassenheit und Geduld aneignen.

Nach ausreichend Sundownerei fuhren wir mit einem Uber wieder zurück in unsere Gemächer, wo wir eine Maschine Wäsche anwarfen und uns sodann stadtfein machten. Wir wollten mal erproben, ob das Manhattan auch an einem Wochentag unbesuchbar wäre. Nicht wirklich erstaunt waren wir dann, als recht wenig los war. Es gab ein bisschen Verwirrung, welches Essen denn nun noch verfügbar sei, aber auch auf solche Vorkommnisse muss man sich hier einstellen. Wir hatten bisher wirklich jeden Tag mindestens einmal „sorry, we ran out of….“ Kartoffelpüree, Bier, Kalbsschnitzel Florida, Wein von Pallhuber & Söhne …

Aber man kümmerte sich nett und ich mochte die Kneipe. Auch wenn wir uns alle einig waren, dass auf unseren Tellern nur teilweise das bestellte Essen lag. Die Vorspeise, die wir umbestellen mussten, beinhaltete übrigens Jalapeños. Meine Mitreisenden überließen mir nach kurzer Kostprobe aus unerfindlichen Gründen den ganzen Teller.

Daheim wurde die vor dem Abendessen in die Waschmaschine gestopfte Wäsche aufgehängt und ein Absacker genommen. Es war ein wirklich schöner Tag. Gerne den dann als „Täglich grüßt das Murmeltier“. 🤗

Morgen wird übrigens noch mehr Bus gefahren. Fahrt Ihr mit?

Liebe Grüße, Euer Gerry

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