Ihr Lieben,
bsss bs bsssssss. bbbbbssssst bsssssss bss bsssssss. klatsch.
Es gibt eine sehr stabile Fliegengittertür. Ich hatte sie wohl während meiner Quarantäne nicht immer ausreichend geschlossen. Die ersten zwei Stunden der Nacht habe ich Mücken gejagt. Eine davon war so vollgesogen, da musste ich anschließend noch richtig die Wand schrubben. Und alle habe ich auch nicht erwischt, habe mehrere Stiche abbekommen. Trotz Megadosis Tropenmückenabwehrspray.
Also, was auch immer das gestern war, es ist halbwegs überstanden. Das Frühstück habe ich auf ein Spiegelei und eine Tasse Kaffee beschränkt, danach ging es ab zum Fahrradverleih. Da boxte der Papst im Kettenhemd! Ich bekam das letzte verfügbare E-Rad. Ein Trumm sondergleichen. Aber mit Akku bis zum Schluss und einer enormen Antriebsleistung (schon auf kleiner Stufe). 25 Euro kostet das für einen Tag. Man bekommt eine lächerlich unnütze Inselkarte, auf der aber immerhin die Nummer für Notfälle steht.




Zuerst ging es an Salinen von Santa Maria vorbei, da wachsen in der völlig versalzenen, sandigen Erde (der Inselname Sal bedeutet ja Salz) tatsächlich blühende Pflanzen!, zum Pachamama Eco Parc. Hier werden zum Teil ausgesetzte oder beschlagnahmte Tiere beherbergt. Es gibt viele Esel, Ziegen, Schildkröten, aber vor allem Federvieh! Aras, Pfauen, Enten, Gänse, Hühner… Viele kleine und sehr bunte Vogelarten sind vertreten. Der Eintritt beträgt 5 Euro und wird als Spende verstanden. Es gibt Erklärtafeln zu Flora und Fauna. Ein nettes Café gibt es außerdem. Seeehr, sehr schön gemacht alles. Klar, man kann sich bei manchen Vögeln fragen, wieso die hier in Käfigen sitzen müssen, aber alle Tiere schienen in guter Verfassung. Da habe ich in diversen touristisch vermarkten Tierrettungsparks schon ganz anderes gesehen.












Weiter ging es nach Murdeira, da befinden sich Buchten, in denen Schildkröten ihre Eier ablegen. Nicht zu dieser Jahreszeit, man merkt davon also nichts. Aber die Buchten sind traumhaft schön. Fast menschenleer, schöne Felsen wechseln sich mit sauberen Stränden ab. Auch der Ort scheint ganz nett, etwas gehobener als Santa Maria vielleicht, es gibt auf jeden Fall eingezäunte Villen. Ab Murdeira wird die Straße für Radfahrer fast ein bisschen gefährlich. Aber ich fand keine Feld- und Wiesenwege, um anders zu meinen Bestimmungsorten zu gelangen, den großen Salinen und der Bucht der Haie. Ich beschloss, auf der Baustelle für die neue Straße entlangzufahren, was bestimmt nicht so gedacht war, aber who cares? No Stress!!






Die Hauptstadt Espargos, an der man vorbei muss und vor deren Toren der Flughafen liegt, scheint uninspiriert in die Gegend geklatscht. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mal kurz durchzuradeln, aber schon die Verpackung schrie: Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen! Zudem konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen, welch grandioses Durchhaltevermögen der Akku hatte.

Am Kreisverkehr, an dem man zu den Salinen abbiegen muss, formierte sich ein militärischer Beerdigungszug. PM stand auf den Binden, das übersetze ich mal mit Militärpolizei. Eine ganze Menge Menschen war versammelt. Auf dem Weg zur Ostküste liegt dann auch ein großer Friedhof, wo ich die Gesellschaft wiedertraf, als ich meinen Besuch des Friedhofs beendete. Natürlich habe ich dann nur ein Foto aus ganz weiter Ferne gemacht.




Der alte Hafen, der zu den Salinen gehört, ist inzwischen quasi verfallen. Eine wunderschöne kleine Kapelle steht dort noch, von 1853. Man kann einen kleinen Berg erklimmen und zum Leuchtturm wandern. Nur das kleine Hafenbecken ist noch in Gebrauch und schützt bunte Fischerboote vor zu starker Brandung. Das Salzabbauareal ist inzwischen wohl geflutet. Man kann dort im angeblich zweitsalzgesättigsten See nach dem toten Meer baden. War zu faul, das zu überprüfen. Ich hätte gerne mal auf das Gelände gespinxt, aber der Eintritt in das „Schwimmbad“ war mir mit 6 Euro für einmal reinschauen zu übertrieben. Und ob ich ohne Badehose hätte schwimmen dürfen? Hm.







Wie kommt man nun zur Haibucht? Ganz simpel: einfach den tausenden TUI-Bussen und Privattour-Jeeps hinterher. Ich war der einzige Radler vor Ort. Wenn man ankommt, wird man informiert, dass man nur mit bestimmten Schuhen und mit einem zertifizierten Guide zu den Haibecken darf. Und was man alles berücksichtigen muss! Sofort quasselte mich dann auch ein halbes Dutzend Menschen an; einer mit einem Affen auf der Schulter, von dem ein identischer als Touristen-Nepp beschlagnahmt im Eco-Park haust.

Jetzt schaut Euch mal diesen Pilgerzug oben an. Alle strampeln zwischen winzigen Zitronenhaien umher, alle mit Fußpilz, Stufe 3. Die Besucher, nicht die Haie. Ich verzichtete dann doch auf dieses unvergessliche Erlebnis.
Jetzt musste ich den ganzen Weg wieder zurück. Ich habe es schon bei der Fahrradtour auf São Vicente erwähnt, sinngemäß: Watte hin fährst, musste auch wieder zurückfahren. Auch wenn Sal fast so flach ist wie mein Waschbrettbauch und das Fahrrad mal über einen drei Ligen höher spielenden Akku verfügt, nach 40 Kilometern verlor ich ein ganz kleines bisschen die Lust. Ich war dankbar, als ich in Santa Maria am Fahrradverleih ankam. Und ich war dankbar, dass dieser schräg gegenüber vom Gasthaus liegt, wo ein kaltes Bier im Kühlschrank auf mich wartete.

Ich machte mich ein bisschen frisch, Sal besteht nämlich zu 90 Prozent aus Staub, den man als Radler dann schlucken muss, und begab mich wiegenden Schrittes zur Strandbar, wo ich fast zwanzig Minuten auf die falschen Getränke wartete. Mango oder Maracuja, stilles oder sprudelndes Wasser? Im Moment war es ziemlich egal. Ich sagte nix. Inzwischen hatte sich eine kleine Musiker- und Tänzertruppe eingefunden, die alles gab. Gegen einen kleinen Obulus filmte ich sie kurz. Es gibt ein lustigeres Video mit einer interessanteren Aufführung, da lief ein kleiner Junge ins Bild und griff nach der Spendenbox. Aber: keine Bilder von Kindern ins Netz, wenn es sich vermeiden lässt!
Mein Abendessen nahm ich auf einer auch von Einheimischen besuchten Terrasse ein, Restaurant Bia. Der daneben liegende und mir empfohlene „Simple Grill“ war überfüllt. Im Bia wird aber auch am offenen gebrutzelt. Eigentlich wollte ich mir am letzten Tag Languste gönnen, so als kulinarische Krönung. Gab’s nicht. Ich nahm Knoblauchgarnelen (das sichert mir, dass morgen im Flieger keiner mit mir quasseln will) und Frango Piri-Piri, das war dann auch die bessere Wahl, denn da kamen schöne Erinnerungen an gemeinsame Urlaube an der Algarve hoch. Köstlichkeiten müssen nicht teuer sein.


Also, der Tag war ein super Abschluss für Sal. Ich bin immer noch nicht verliebt, habe aber schöne Ecken gesehen und bin deutlich gnädiger gestimmt. Und ich habe mich mehr als drei Minuten am Stück bewegt, das erfüllt mich meistens mit immenser Freude.
Gestern noch hatte ich gedacht, ist jetzt auch langsam mal gut mit den Kapverden, aber heute dauert es mich doch ein bisschen, dass es morgen wieder nach Hause geht. Könnte mir gut vorstellen, noch Zeit auf São Nicolau oder Fogo zu verbringen. Jaja, ich weiß, ich hab einen Dachschaden.
Natürlich wird es noch einen Epilog geben, mit Heimreiseerlebnissen und einer Zusammenfassung. Und ein paar Tipps, denn man kann so einiges richtiger machen, als ich. Und ich verabschiede mich natürlich auch noch vernünftig. Aber ich bitte Euch, Euch mal grob an meine Schilderungen zu erinnern, auf Youtube „Sodade“ (auch Saudade) zu hören und an mich zu denken. Ich verstehe Cesária Évoras „Sehnsucht“, die nach ihren Erfolgen selten zuhause war (sie lebte viel in Europa). Man muss diese Inseln doch irgendwie mögen. Ja, trotz einiger nervtötender Kleinigkeiten ist das große Ganze sehr schön und liebenswert.
Gute Nacht für heute und bis spätestens Montag, ich lande erst spät in Düsseldorf. Euer



Schade das die Berichte nun nicht weiter zu lesen sind. Es war soooo schön mit dir mitzureisen.
Aber deine nächste Reise ist ja sicher schon in Planung. Ich bin dabei.
Wir wünschen dir einen guten Rückflug. Hier ist es sehr kalt und deshalb fliegen wir ab 10.01. bis 27.01. in die Sonne.
Hab viel Spaß wenn du wieder die GRS besuchst😂😂 liebe Grüße 👫
Euch vielen Dank fürs Mitreisen! Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass ich für eine kurze Zeit Frühstückslektüre bin.
In Planung ist für dieses Jahr noch nichts, ich muss ja erst einmal eine neue Bleibe finden. Aber definitiv gibt es Kurzreisen.
Habt viel Spaß auf der Insel!