Tag 1: Nachtzug nach Ljubljana

Ihr Lieben!

Pascal Mercier schrieb sich ja mit seinem „Nachtzug nach Lissabon“ in den Bestsellerhimmel. Ich mochte das Buch sehr! Ob jetzt mein Nachtzugerlebnis auch so eine Reichweite erzielt? Ich bezweifle es.

Nach einem kurzen, letzten Tag im Büro machte ich mich auf nach Stuttgart. Um 20.30 Uhr wollte ich da den Nachtzug nach Ljubljana nehmen. Und da ich ein gebranntes Kind bzgl. DB bin, plante ich zweieinhalb Stunden Puffer ein. Und natürlich hatten wir auch Verspätung, wenn auch nicht so arg. Aber mit weniger Luft wäre ich in Panik ausgebrochen bei Durchsagen wie „Wir wissen zur Zeit nicht, wann es weitergeht.“

Der Zug von Köln nach Stuttgart hat mich als nicht stornierbarers Supersparpreisticket knapp 50 Euro gekostet, das Einzelschlafwagenabteil bei der ÖBB von Stuttgart nach Ljubljana dann etwa 95 Euro, inkl. Rücktrittsversicherung. Ganz schöne Differenzen, was Preis/Leistung angeht, findet ihr nicht?

Trotz der kleinen Verzögerung hatte ich jetzt mehr als 2 Stunden Aufenthalt in Stuttgart. Da habe ich übrigens zu Zeiten von Karl dem Großen mal mehrere Wochen gearbeitet und gehaust. Aber ich habe wenig Erinnerungen dran. Der Bahnhof Stuttgart ist auf jeden Fall furchtbar, so lief ich mit Sack und Pack in die Stadt. Ebenfalls furchtbar. Wobei es auch ziemlich nieselte, was ja immer Abzug in der B-Note gibt. Ich lief bis zum Schlossplatz, kaufte einen Kühlschrankmagneten und kehrte wieder um, um am Gleis eine Stunde in der Kälte auf den Zug zu warten, der gottseidank schon 20 Minuten vor Abfahrt einfuhr.

Es war ein schon sehr in die Jahre gekommener Zug. Die Abteilnummerierung war etwas kryptisch, so dass ich erschrak, als ein wildfremder (was sonst, alles andere wäre ja ein absurder Zufall!?) Mann mit mir in das gleiche Abteil stieg, in dem 3 Betten gemacht waren. Nönönö, junger Mann, empörte ich mich, das ist mein Abteil. Natürlich war es das nicht! Peinlich. Eins weiter war dann Nr. 54 und ich hatte es für mich alleine. 95 €, nur zur Erinnerung. Waschbecken im Abteil, WC auf dem Gang.
Für so ’ne alte, kroatische Bahn (Endstation ist Zagreb) fuhren wir ziemlich schnell durch die Pampa. Die bereitstehende Wasserflasche und meine Zahnbürste flogen in jeder Kurve durchs Compartiment. Wie man da wohl auf der 3. Etage schläft? Ich widerstand der Versuchung, hinaufzukraxeln. Der Schaffner kam, sammelte meine Fahrkarte ein und ich machte mir einen Wein auf, genoss die ganz neue Erfahrung und legte mich recht früh hin, denn wenn es draußen erst einmal dunkel ist, hat man in so einem Schlafwagen nicht mehr viel zu tun.

Also, das ist natürlich eine witzige Erfahrung gewesen, aber für öfter? Das Bett, ergo die umgeklappte Sitzbank, dermaßen hart, das war das Polster wahrscheinlich mit den Haaren widerborstiger weißer Widder so fest gestopft, da hätte keine Abrissbirne eine Delle reinbekommen. Dazu natürlich super schmal. Und so ein alter Zug macht Geräusche. Viele Geräusche. Laute Geräusche. Es knarzt, klappert und quietscht, rappelt, rumpelt und ächzt. Und andere Reisende machen auch Geräusche. So dämmerte ich mich durch die Nacht.

Superpünktlich kamen wir in Ljubljana an. Man spielt dort am Bahnhof übrigens Stuttgart21 nach, es ist eine riesige Baustelle! Zum Hotel waren es dann 10 Minuten Fußweg und verständlicherweise war mein Zimmer noch nicht fertig. Für das Frühstück empfahl man mir das „Café Wonderland“. Ein sehr buntes Bistro, laut Eigenwerbung „the most instagrammable place in town“. Viel Plüsch, viel Plastik und, ich erwähnte es bereits, seeeehr bunt. Ich nahm Eggs royal, pochierte Eier auf Lachs mit viel Gedöns. Ganz lecker.

Jetzt hieß es, einen ersten Eindruck der Stadt zu gewinnen. Es nieselte. Abzug in der B-Note halt. Ich wollte erst einmal ziellos herumlaufen, aber als ich über die „Drei Brücken“ kam, erspähte ich einen dieser E-Trecker-Züge, der sich gerade anschickte, abzufahren; den enterte ich stattdessen. Die Route war jetzt nicht rasend spannend und die Erklärbärcomicfigur namens Urban auf dem Erklärbärmonitor ein bisschen peinlich, aber es nieselte ohne Unterlass und so erhielt man doch zumindest einen trockenen ersten Eindruck von Ljubljana. Ein 10-Minutenstopp auf dem Schlossberg ermöglichte einen ersten Eindruck davon. Morgen soll es sonnige Abschnitte geben, dann will ich da nochmal hoch.

Ansonsten sahen wir, mehr oder weniger, man hat in diesen Lindwürmern nicht so gute Sicht, wie auf Hop-on/Hop-off-Bussen, römische Stadtmauern, Salatanbaugebiete, diverse Häuser mir unbekannter Personen und Flüsse und Kanäle.

Wieder am Abfahrtspunkt angekommen, lustwandelte ich noch durch die Altstadt, die wirklich schön ist. Viele Jugendstilfassaden, da stehe ich ja drauf. Nette Läden, ein paar Kirchen, der Zentralmarkt, schöne Buchhandlungen. Leider hatte es sich inzwischen so richtig, richtig eingeregnet. Nach einmal die Ufer der Ljubljanica hoch und wieder runter mit diversen Abstechern in die Seitenstraßen war ich trotz Schirm ziemlich durchfeuchtet. Daher nahm ich einen späten Mittagsimbiss auf einer beschirmten Uferterrasse. Überbackenen Toast und heimisches Bier. Ich blieb dort lange sitzen, in der Hoffnung, dass sich der Regen langsam mal wieder gäbe. Ha. Er wurde immer stärker. So fuhr ich dann ins Hotel, wo ich ein sehr schönes, aber extrem hellhöriges Zimmer bezog und mich erst einmal kurz hinlegte. Großer Fehler. Denn nix mit kurz!

In der Nähe des Hotels sind Geschäfte, da deckte ich mich dann fürs Abendessen ein. Unter anderem mit slowenischem Sekt, den kann man sehr gut trinken! Und setzte mich dann an den Schreibtisch, um alles vollzukrümeln.

Also, Ljubljana hat natürlich auch schauerliche Ecken, aber die Altstadt ist schon seeehr schön. Los ist hier nicht viel, das wird dem Regen geschuldet sein. Für Morgen plane ich mal nach Wetterlage. Der Tivoli-Park soll sehr schön sein, der Schlossberg scheint es auch. Aber für den Regenfall der Regenfälle gibt es auch Dutzende Museen. Was meint Ihr, wann sollen wir aufstehen?

Bis morgen, liebe Grüße von Eurem

Die einen sagen so, die anderen sagen so…

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