Ihr Lieben!
Die Viren haben gesiegt, aber ich ging in den Guerilla-Kampf und ließ mich nicht von Sightseeing und Unternehmungen abhalten, jedenfalls nicht komplett. Immerhin war der C19-Test negativ. Pft. Wäre ja auch ein merkwürdiger Urlaub, in dem ich mal nicht krank bin.
Zu meiner Obsession, dem Frühstück: alles da! Pro Gast 3 Servicekräfte. Nein, quatsch, aber alles sehr etepetete. Zwei Mankos gibt es allerdings, es existiert nur ein Kaffeeautomat für 50 Menschen, der zudem auf provozierend meditative Art und Weise die gewählte Brühe ausspuckt, und als Hintergrundgeräusch Lionel Ritchie in Easy-Listening-Version; wie ich finde, geradezu eine verfolgungswürdige Straftat. Dafür gibt es aber Sekt, extra-famose Kirschtaschen und filetierte Orangen. Yeah!
Um Viertel nach 10 fand ich mich am Sammelplatz für die Stadtführung ein. Unser Guide Janos wartete mit einem unübersehbaren Megaschild auf seine Klienten. Im Gegensatz zur Chinesischen Mauer, die man eben nicht vom Mond aus sehen kann, würde ich es hier fast vermuten. Die Gruppe bestand vielleicht aus zehn Menschen, eine angenehme Größe für eine Stadtführung per pedes. Es ist ohnehin nicht viel los hier in Sachen Tourismus, was aber auch dem einsetzenden Schneetreiben geschuldet sein könnte.






Ich habe ihn nun schon einige dieser sogenannten „free walking tours“ mitgemacht, diese stach heraus, weil eigentlich mehr geredet als gesehen wurde. Dennoch war es ganz interessant, wir liefen von der Altstadt hoch bis zur Burg und ließen uns die Geschichte der Slowakei von den Römern bis zur Neuzeit näherbringen. Auf dem Weg bekam wir zudem einige Tipps für Essen und Trinken, kauften in einer Bäckerei Pressburger Kipferl ein (mit Walnuss, Mohn oder Mandel gefüllte Hörnchen), besuchten eine alte Apotheke (deren Möblierung angeblich mehrere Millionen Euro wert sein soll). Die Apothekerinnen wirkten etwas genervt, wahrscheinlich sind sie Ziel jeder Stadtführung. Wir schauten, wo die Synagoge stand, die die Nazi-Zeit überstand, aber den Kommunismus nicht, lernten zwei oder drei unanständige Wörter und versuchten, von einer Anhöhe aus Nachbarländer zu orten, was wegen der Wetterlage nicht gelang.









Nach dem Ende des Rundgangs am Parlament besuchte ich noch die gegenüberliegende Burg, die leider nicht so viel zu bieten hat, wie die in Ljubljana. Ich hätte eine Ausstellung über Maria Theresia besuchen können oder das slowakische Geschichtsmuseum, da war mir aber nicht nach, auch wegen der ziemlich überzogenen Eintrittspreise. Auch sollte eine Präsentation über das Werk des Josip Plečnik zu sehen sein, aber über den wusste ich ja bereits alles. 😉 Und ja, hier heißt er nicht Joze.









Ich stapfte durch die Winterlandschaft wieder gen Altstadt, um in der „Bar 17“ die vielgepriesene Knoblauchsuppe in Brot zu bestellen. Die war auch lecker und Bratislava umgehend für längere Zeit vampirfrei. Heute war allerdings der erste Tag in diesem Urlaub, an dem das Bier keinen richtigen Spaß machte. Es war ja auch eher Glühwein-Wetter. Übrigens dachte ich eine Zeit lang, mit meiner Frisur stimme etwas nicht, oder ich hätte etwas merkwürdiges im Gesicht, weil ich mich von so vielen Menschen beobachtet fühlte. Erst nach 10 Minuten realisierte ich, dass ich vor dem Sport-Fernseher saß. Es hat also nicht an meiner hypnotischen Anziehungskraft gelegen. Das war schon irritierend.
Einen kleinen Spaziergang legte ich dann noch zur blauen Kirche ein, die zwar geschlossen war, aber deren Highlight auch eher das Äußere ist. Es hatte inzwischen aufgehört zu schneien. Bis dahin konnte man sich einigermaßen durch die vielleicht 3 Zentimeter hohe Schneemasse fortbewegen. Nun begann es, zu tauen, und der glattgetretene Matsch entwickelte sich zur Eisbahn. Zudem merkte ich, wie mein selbsterklärter Guerilla-Krieg ein bisschen an mir zehrte. Ich beschloss, nach einem Abstecher in einen Souvenir-Shop, zum Hotel zurückzukehren, die Heizung voll aufzudrehen, eine extraheiße Dusche zu nehmen und ein paar Pillen einzuwerfen. Zudem leerte ich die Teestation. U.a. „Rote Früchte“. Kann ich auch wirklich nur trinken, wenn ich kränkele. Zum Abend aß ich dann Teile der Kipferl (seeeehr mächtig!) und verbrachte bis dahin viel Zeit im Bett. Das übrigens sehr bequem ist und ganz wunderbare Plumeaus und Kissen hat. 5 Sterne will gelernt sein.






Ich versuche, mich bis morgen zu bessern, denn ich habe mein 72-Stunden-ÖPNV-Ticket noch gar nicht weiter genutzt. Na, ist natürlich nicht der einzige Grund. Falls es wieder rumusselt (denn Schnee ist ja nix anderes, als verkleideter Regen!), gibt es Museen und Ausstellungen, falls es trocken bleibt, gibt es in den Straßen noch einiges zu entdecken.
Gute Nacht, Ihr Lieben, bis hoffentlich morgen mit erneuerter Kondition. Euer

P.S.: Was hat es mit der Sandale auf sich? Nun, Janos nahm sein Schild nicht mit auf die Tour und ein Tourist fragte, wie wir ihn denn dann identifizieren könnten (in der wohlgemerkt menschenleeren Stadt!). Mir rutschte raus „Follow the shoe!“, aber außer mir selbst und einem Briten lachte niemand. In der deutschen Synchronisation heißt die Filmstelle glaube ich „Folgt der Sandale!“.
