Mongolisches Rindfleisch

Ihr Lieben,

zuerst der Schock: Laut der englischsprachigen wikipedia hat Mongolisches Rindfleisch gar nichts mit der Mongolei zu tun. Es ist ein Standardgericht in der chino-amerikanischen Küche und wurde wahrscheinlich in Taiwans beliebten Mongolian-BBQ-Restaurants entwickelt.

Traditionell besteht das Gericht aus in Sesamöl, Ingwer und Knoblauch eingelegten Rindfleischstreifen, die mit Zwiebeln und Frühlingszwiebeln im Wok kurzgebraten und mit Reis serviert werden. Es kann aber durch allerlei andere Gemüse ergänzt werden, je nach Gusto. Sprossen, Bohnen, Paprika, Tomaten.

Ich schneide ein Stück Steakhüfte in kleine, dünne Scheiben und gebe es in eine Marinade aus je einem Esslöffel Sojasauce, Mirinsauce, Sesamöl, gepressten Knoblauch, Ingwerpaste sowie einen halben Esslöffel Chilis. Letzteres gehört eigentlich gar nicht zum Gericht, da es traditionellerweise nicht scharf serviert werden soll. Aber ich mag es halt.

Während das Fleisch zieht, schneide ich zwei süße Zwiebeln und je eine kleine gelbe und grüne Paprika in Streifen sowie zwei Knoblauchzehen in Miniwürfel. Auch brauchen wir zwei Handvoll Frühlingszwiebelringe.

In einem Wok oder einen tiefen Pfanne brate ich die Zwiebeln und die Paprika zusammen mit den Knoblauchwürfelchen in Rapsöl mit einem bisschen Sesamöl kurz an (salzen und pfeffern) und gebe alles dann beiseite. Sodann brate ich das marinierte Rindfleisch im gleichen Topf, bis es kurz vor gar ist; das geht schnell, da das Fleisch ja in kleine Stückchen geschnitten wurde. Etwas Speisestärke darüberstreuen (1 bis 2 Esslöffel) und mit etwas heißer Brühe (halbe bis ganze Schöpfkelle) angießen. Eine Handvoll Frühlingszwiebelringe rein, umrühren und aufkochen lassen. Das Gemüse dazugeben und fertig ist ein leckeres Gericht. Abschmecken nicht vergessen. Über den ganzen Teller gebe ich noch gerösteten Sesam sowie ein paar Fingerspitzen von den nicht mitgegarten Frühlingszwiebeln. Dazu passen außer Reis auch gut Glasnudeln.

Hang op – abgetropfter Joghurt mit beschwipsten Orangen

Ihr Lieben,

für unser verspätetes Doppelkopf-Weihnachtsessen, bei dem in der Planung einiges durcheinandergewirbelt wurde, hat Petra uns bekocht. Denn eigentlich wollten wir das zusammen machen, aber ich musste die ganze Woche durchgängig präsent im Büro sein und konnte somit nicht wirklich helfen. Aber der Nachtisch war dann meine Aufgabe. Ich suchte mir „aufgehängten Joghurt“ aus, da dieser niederländische Nachtisch am Vorabend zubereitet werden muss und eigentlich recht einfach, aber dennoch lecker ist.

Für 8 Personen werden ein Kilogramm Joghurt (10%iger) mit etwa 200 Gramm Zucker und dem Saft einer kleinen Zitrone verrührt. Zwei Becher Sahne werden mit zwei Päckchen Vanillezucker und einer Prise Salz steif geschlagen und untergehoben. Die Masse wird in ein mit einem sauberen Tuch ausgelegtes Sieb gegeben und tropft über Nacht im Kühlschrank ab, das Sieb stellt man natürlich in eine Schüssel. Die Masse kann theoretisch kurz vor dem Servieren einfach gestürzt werden. Bei mir ist durch die Fallhöhe bedingt dann aber ein kleines Malheur passiert und die geplante Kuppel lag wie eine Qualle schlapp auf dem Teller. Ich habe die Mousse dann in eine Schüssel spediert. Also: Das Sieb sollte so gewählt sein, dass die Masse am Rand abschließt. Dann lässt sich der Hangop auch ohne Katastrophe stürzen.

Dazu gibt es ein weihnachtliches Orangen“kompott“. Ich schäle dazu ein halbes Dutzend Orangen inklusive der weißen Haut und schneide sie in Scheiben. In einem Topf koche ich 100 Gramm Zucker mit drei bis zehn guten Schüssen Triple Sec und dem Saft zweier Orangen auf. Dazu eine Prise Salz und ein paar Umdrehungen mit der Pfeffermühle sowie eine Zimtstange. Die Orangenscheiben zusammen mit ein paar Orangenzesten hinein, aufkochen lassen, Zimtstange raus, etwa 5 Löffel Gelierzucker dazu, ein paar Minuten unter Rühren sprudelnd kochen lassen, damit es ein bisschen eindickt, und sodann in eine Dose geben und abkühlen lassen. Es wird ein bisschen wie englische Marmelade.

Die Orangen mit frischer Minze zum Joghurt reichen. Honig und Nüsse passen übrigens auch prima zum Joghurt.

Trotz der Malheurie kam der Nachtisch ganz gut an. Probiert es mal aus!

Petras Vorspeise (Ziegenkäse-Blätterteig auf Rucola) und ihr Hauptgericht (levantinische Aubergine) waren übrigens ein Gedicht!

Hirschbraten

Ihr Lieben,

zum zweiten Weihnachtstag gönne ich mir einen Hirschbraten, so richtig schön mit Rotkohl, Serviettenknödeln und der unverzichtbaren Preiselbeerbirne.

Der Braten wird zwei bis drei Tage vorher in Beize (aka Marinade) eingelegt. Hierzu stoße ich in einem Mörser einige weiße und schwarze Pfefferkörner, je 5 Pimentkörner, Wacholderbeeren und Kardamomkapseln an, gebe die Gewürze zusammen mit einem zerbrochenen Sternanis, einer Zimtstange, drei oder vier Gewürznelken und drei bis vier Lorbeerblättern auf den gesäuberten Braten (ich bekam leider nur zwei kleine Stücke à 500 Gramm – ein ganzer Braten wäre mir lieber gewesen). Darüber nun einen guten Schuss Cognac, einen Schuss Essig, einen guten Schuss Sojasauce, etwas Öl sowie eine Flasche guten Rotwein. Das kann nun im Kühlschrank vor sich herziehen. Ab und zu mal wenden.

Am Tag der Zubereitung den Braten aus der Beize nehmen, von Gewürzen befreien und die Beize durch ein Sieb geben und in einer Schüssel auffangen. In einem Topf werden zwei Handvoll Mirepoix (quasi gewürfeltes Suppengrün, aber französisch klingt das natürlich hochtrabender) angeschwitzt, bis es schön Farbe nimmt. Mit der Beize ablöschen, alles aufkochen lassen und den Braten dazugeben. Deckel drauf und ab in den vorgeheizten Ofen für 120 Minuten bei 160°C.

Den Braten aus dem Topf nehmen, warm stellen und die Soße mit dem Gemüse durchpürieren, dies sollte ausreichend Bindung geben. Ansonsten noch mit ein bisschen Butter montieren oder mit Stärke binden. Soße abschmecken (ich gebe für einen fruchtigen Touch gerne noch einen Esslöffel Beerengelee in die Sauce), Fleisch aufschneiden und mit den Beilagen anrichten.

Ja, und die Preiselbeerbirne MUSS sein. Das haben wir in den 70ern zum Wild gehabt und in den 80ern und in den 90ern. Sie gehört einfach dazu 🙂

Guten Appetit!

Serviettenknödel

Ihr Lieben!

Ich lieeeeeeebe Klöße und Knödel in (fast) allen Varianten. Leider sind die Fertigprodukte oft nicht nach meinem Gusto (ganz schlimm: Trockensubstanzen in Kochbeuteln, wesentlich besser schon Kloßteig oder Knödel aus der Frischetheke), aber um sie selber zu machen, fehlt mir manchmal der Antrieb. Dabei lohnt es sich immer!

Heute machen wir Serviettenknödel, die so heißen, weil sie früher in Stoffservietten gegart wurden. Heute nimmt man hitzebeständige Frischhaltefolie und/oder Alufolie. Das ist natürlich nicht besonders umweltfreundlich, aber mit Servietten ist es schon eine arge Sauerei, es sei denn, man schert sich nicht um Knödelreste in der Waschmaschine. Vorteil von Serviettenknödeln gegenüber Semmelknödeln: Die Gefahr des Auseinanderfallens beim Kochen ist wesentlich geringer.

Man nimmt altbackene Brötchen (pro Person rechnet man mit etwa anderthalb) und schneidet sie in kleine Würfel. Es empfiehlt sich, vorher den Trockenbauer anzurufen, um eine Staubschutzwand aufzustellen, denn sonst findet man noch Monate später Brötchenwürfel in den entlegensten Ecken der Wohnung. Auf die Brötchenwürfel gibt man massenweise Petersilie, kleingewürfelte Schalotten und salzt, pfeffert und muskatnusst das Ganze gut. Jetzt Mathe: Für je zwei Brötchen kommen jetzt ein Ei drauf und 50 bis 60 Milliliter warme Milch. Ich hatte vier Brötchen, also brauchte ich 2 Eier und 100 Milliliter Milch. Gut durchkneten. Scheint die Masse zu fest, noch etwas Milch dazu, ist sie zu lätschig, noch Brot dazu (entweder mehr Brötchenwürfel, es gehen aber auch Toast oder Semmelbrösel/Paniermehl). Kalt stellen und ziehen lassen. Irgendwann dann den Teig zu einer Rolle formen und fest mit Folie umwickeln, dabei die Enden verzwirbeln. Wieder kalt stellen. Bei größeren Portionen mehrere Rollen machen oder einen sehr, sehr großen Kochtopf ausleihen. 🙂

Kurz vor der Fertigstellung einen großen Topf mit Salzwasser aufstellen, zum Kochen bringen. Die Rolle ins Kochwasser legen, Herd runterschalten und ca. 30 Minuten simmern lassen. Auspacken und in Scheiben geschnitten anrichten, wie auf dem Foto mit Hirschbraten, Rotkohl und Preiselbeerbirne zu sehen.

Oan Guadn!

Causa rellena (pollana)

Ihr Lieben,

heute war Wichteln im Spanischkurs angesagt. Wir trafen uns bei H. und ich fragte im Vorfeld, ob ich eine peruanische Vorspeise mitbringen dürfe. Ich durfte. Ich habe noch gar nichts hier über unsere Spanischlerntruppe geschrieben? Oh. Wir sind mit unserem profesor zu fünft und treffen uns einmal in der Woche für zwei Stunden. Es ist eine unglaublich nette, herzliche und lustige Gruppe!

„Ich weiß nicht, ob Sie`s schon wussten…“, wie Rüdiger Hoffmann zu deklamieren pflegt, aber ich hatte ja 2018 für einige Zeit einen peruanischen Mitbewohner, der hat für den damaligen Spanischkurs (er war anders zusammengesetzt, und irgendwann blieben nur L. als Lehrer und ich zurück) ein Essen gezaubert und mir auch erklärt, wie alles geht. Seine Eltern hatten einen gastronomischen Betrieb in Peru und er konnte sehr gut kochen. Neben der Causa rellena, die ich für heute nachzumachen versuchte, gab es Ceviche (roher Fischsalat) und frittierte Maniok mit Huancaína-Sauce. Wir tranken Pisco Sour dazu, der sehr lecker schmeckt und den man erst richtig nach dem Nachhauseweg bemerkt.

Giancarlo machte die Causa rellena („gefüllte Sache“) mit Huhn, ich versuchte mich an einer mit Thunfisch. Und das machte ich so:

Anderthalb Kilogramm Kartoffeln schälen und weich kochen. In der Zwischenzeit zwei peruanische Chili (aji aus dem peruanischen Laden, da legte Giancarlo viel Wert drauf!) in Öl anbraten und nach Abkühlung mit etwas mehr Öl zu einer Paste pürieren. Eine Zitrone auspressen. Achtung, diese Chili sind hotteralshot! Sparsam verwenden, wenn die Runde nicht nur aus Peruanern oder Pakistanis (auch so eine Mitbewohnergeschichte) besteht.

Wenn die Kartoffeln abgekühlt sind, mit dem Zitronensaft und der Chilipaste sowie Salz, Pfeffer und Muskatnuss zu einem Püree stampfen. Ggf. noch etwas Olivenöl zugeben, es soll eine feste, aber dennoch geschmeidige Konsistenz erhalten. Fertig ist Teil 1 der Torte. Ja, es wird so etwas ähnliches wie eine Torte.

Thunfisch aus der Dose, davon zwei, 8 bis 10 kleingeschnittene schwarze Oliven (die mit Knofi von meinem Lieblingsolivenverkäufer!) und 200 Gramm Mayonnaise sowie etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer mit der Gabel zermantschen. Eine kleingewürfelte Zwiebel unterrühren. Fertig ist Teil 2 der Torte. Ich hatte Light-Mayonnaise, wahrscheinlich wurde dadurch die Masse zu flüssig. Ich habe sie erst in einem Sieb abtropfen lassen und dann noch in einem Leinentuch ausgewrungen, sonst wäre diese Schicht aus der Torte geflossen.

Sodann eine Avocado vierteln, schälen und in Streifen schneiden. Jetzt wird geschichtet: Ein Drittel Püree in die Form, andrücken. Die Avocadostreifen mit ein paar Zwiebelwürfelchen darüber, salzen, pfeffern, andrücken. Ein zweites Drittel Püree darüber, andrü…. ach so, Ihr hab es schon verstanden…. Darüber die Thunfischmasse, darüber wieder Püree. Schön glattstreichen nach dem Andrück…. jaja, ist ja gut. Kaltstellen über Nacht.

Verziert wird die Torte mit Kirschtomatenhälften, hartgekochten Eiern, ein paar Olivenhälften und Avocadofächern. Das aber erst, nachdem sie aus der Form gelöst wurde und zum Servieren bereit ist. Sonst suppen die Tomätchen und die Avocado wird braun.

Viel Spaß beim Nachbasteln. Es lohnt sich!

P.S.: „pollana“, weil es wahrscheinlich normalerweise gaaaaanz anders gemacht wird. So mache ich die Causa in meiner Küche in Köln-Poll 🙂

P.P.S.: Mit Huhn würde ich es fast genau so machen, nur dass eben gewürztes Hühnerfleisch mit der Mayonnaise und den Oliven verrührt würde. Auch eine meeresfruchtige oder vegetarische Variante ist möglich.

Südafrika: Das Finale

Ihr Lieben,

die erste Woche in Quarantäne ist heute Abend um, und trotz auferlegter Isolation bin ich noch nicht dazu gekommen, ein paar weitere Fotos einzustellen. Klar, tagsüber arbeite ich aus dem Homeoffice und abends nehme ich Lieferdienste in Empfang – coronakonform natürlich. Dann wird zuweilen gekocht und immer genetflixt. Außerdem gibt es hie und da eine Videokonferenz mit Freunden oder Telefonate mit Verwandtschaft. Gestern dann packte mich die Aufräumwut: Der Kleiderschrank wurde radikal ausgemistet, das Esszimmer umdekoriert, Papiere sortiert. Schwupps, war der Tag auch schon rum.

Heute warte ich auf den angekündigten Besuch durch eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes. Nun, das Gesundheitsamt Köln macht bis dato einen eher verwirrten Eindruck. Montagmittag der erste Anruf: „Wir kommen Sie dann PCR-testen.“ Auf den Einwand, dass dies ja schon die bayerischen Kollegen frühmorgens erledigt hätten, wurde der Besuch – „nach Rücksprache mit den Kollegen“ – auf Freitag vertagt. Dienstagfrüh ein zweiter Anruf, andere Dame. Sie käme jetzt vorbei. Ich fragte nach der Sinnhaftigkeit. „Ach so, da frage ich mal die Kollegen und melde mich gleich wieder.“ — „Ich komme dann Freitag.“ Ich wünschte mir dann noch, dass nicht zwei Mitarbeiterinnen kommen, diese Bemerkung wurde nicht verstanden.

Dann war einige Tage Ruhe, Freitag kam natürlich niemand. Gestern dann ein Anruf: „Hatten Sie heute einen Abstrich?“ – „Nein.“ – „Wieso nicht?“
Äh, woher soll ich das wissen? „Wo wohnen Sie denn?“ – „Ja, steht das denn nicht auf Ihrem kleinen Zettel?“ – „Jaja, das tut es natürlich. Waren Sie denn die ganze Zeit zuhause?“. Puh! Heute früh um 9 Uhr (an einem Sonntag !!!!): „Wir sind in einer Stunde bei Ihnen.“ Um 10 Uhr: „Wir haben die Route geändert, wir kommen am Nachmittag.“ Also, ich bin ja sowieso zuhause. Aber ich wüsste trotzdem gerne, wann ich mal ein Nickerchen machen oder mal in die Badewanne hüpfen kann.

Prinzipiell ist diese ganze Nachverfolgung ohnehin für die Tonne. Ich habe von Rückkehrern aus Südafrika erfahren, die über ein Drittland ohne PCR-Test oder Einreiseerklärung ins Land kamen. Gestern stand in der Zeitung, dass Frankfurt keine Einreisetests durchführt. Die linke Hand im Gesundheitsamt weiß nicht, was die rechte tut. Ich halte Nachverfolgung für ein sinnvolles Instrument der Pandemieeindämmung. Aber nicht mit so unabgestimmten und chaotischen Mechanismen.

Was ist denn nun noch vom Südafrika-Urlaub geblieben? Oho, eine ganze Menge. Die Erholung hat nach Arbeitsbeginn ja immer einen kleinen Kurveneinknick, aber sooo viele schöne Erinnerungen überwiegen: die Sonne, das Essen, die Erlebnisse, der Wein natürlich. Hier noch ein paar – vielleicht bisher auch unveröffentlichte – Fotos, die möglicherweise auch aus Rolfs oder Ottos Linse stammen könnten.

Mit Fotos lief das nämlich immer etwa so ab:
„Oh seht mal, ein/e Echse / Tempel / C-Promi!“
Alle machen durchschnittlich 17,33 Fotos.
„Ich schicke Euch das gleich!“
Wenn der erste seine Bilder geschickt hat, schickt der Zweite dann schon dessen und seine. Und der Dritte… Nr. 1 hat dann halt über 100 Fotos ein und derselben Echse, seine eigenen dann dreifach.

Aber genug Pseudomathematik, here we go:

Es gibt natürlich 29.401 weitere Fotos, die zeige ich aber nur ausgewählten Freunden bei einem mehrstündigen Diaabend. Es gibt eine Tüte Salzbrezeln!

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an meine real und surreal Mitreisenden, es hat Spaß gemacht mit Euch!

Bis zum nächsten Mal, alles Liebe und Gute, bleibt gesund! Euer

Ofenfrikadellen

Ihr Lieben,

Ihr ahntet es schon. Kaum ist der olle Mann wieder zuhause, dann geht diese Kocherei wieder los. Recht hattet Ihr.

Ich sitze ja gerade in behördlich angeordneter Quarantäne wegen der Rückkehr aus einem Virusvariantengebiet und halte mich auch daran. Das Problem ist das abstrakte Einkaufen über Lieferdienste. Was um Himmels willen hat mich bewogen, ein halbes Kilogramm Hack zu bestellen, wenn ich alles, was ich für einen Auflauf oder eine schöne Bolognese benötigt hätte, NICHT bestellt habe? Die Lieferdienste sind gut gebucht, ich konnte bis zum Ablaufdatum des Hacks keine neue Order absetzen. Ich entschied, Ofenfrikadellen – ohne Ei, da nicht vorhanden – zu machen.

Das Hack geht in eine Schüssel. Darauf reibe ich eine große Zwiebel. Das macht die Frikkies saftig und das Zwiebelmus bindet schon ein bisschen. Dann würze ich mit je einem Teelöffel Salz, Pfeffer, Koriandermehl, Kreuzkümmel, Rosenpaprika, Ras-el-hanout, Chilipaste und einem halben Teelöffel Zimt, gebe eine in kleinste Stücke geschnittene und in etwas Milch eingeweichte Toastscheibe hinzu und wirke alles durch. Man sollte das schon 5 Minuten machen, damit sich a) die Gewürze gut verteilen und b) das Fleisch auch ohne Ei bindet. Dann ab mit der Masse in den Kühlschrank, so lässt sie sich später besser formen.

Vor der Garung den Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen, aus dem Hack ca. 15 Frikadellen formen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Die Frikadellen schrumpfen beim Backen, also ruhig etwas größer als gewollt formen.

Nach 30 Minuten sind die Frikadellen fertig. Schön saftig und würzig.

Guten Hunger!

Tag 17 und Epilog: Die Heimreise

Ihr Lieben,

nun also die Heimreise. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es war alles wie in einem dystopischen Film. Ich frühstückte nicht mit den Jungs im Airport-Hotel, da ich mein Gepäck a) nach meinem Kofferschlüssel und b) nach meinem Wohnungsschlüssel durchforsten musste und dann, als alles kreuz und quer im Hotelzimmer verstreut war, die Gelegenheit nutzte, noch einmal alles neu zu arrangieren. Immerhin flogen wir quasi vom Sommer in den Winter, da muss das Handgepäck genau überdacht werden.

In der Nacht konnte ich dann auch noch das Einreiseformular ausfüllen, Südafrika war nun offiziell als Virusvariantengebiet deklariert. Um halb acht nahmen wir dann den Hotelshuttle zum Airport und dann begann der Horror. Vor dem Check-in stand schon eine ellenlange Schlange. Zwar war der Flug auf 11:40 Uhr verlegt worden, wir wurden aber per Lufthansa-App und Mail aufgefordert, dennoch um spätestens 8:30 Uhr eingecheckt zu sein. Na, bis dahin tat sich aber überhaupt nichts. Relativ gelangweilte Flughafenmitarbeiter saßen hinter den Schaltern und stierten in die Gegend oder auf ihre Handys. Und die Schlange wuchs und wuchs und wuchs. Wie ein Lindwurm zogen sich Business- und Economy- sowie die Ich-will-noch-mit-bitte-gebt-mir-einen-Platz-Schlange durch die gesamte Abflughalle. Irgendwann kam keiner mehr durch und die Schlangen vermengten sich. Eine Prozessoptimiererin musste her!

Die hat dann fast jeden einzelnen unter Androhung physischer Gewalt auf die ihm aus ihrer Sicht zustehende Position dirigiert. Der Erfolg war ähnlich überwältigend wie beim Einreiseprozessoptimierungsmann. Gegen 9:30 Uhr dann tat sich endlich etwas. Quälend langsam. Jede Abfertigung dauerte ewig. Die Leute hatten entweder keinen Test oder nicht alle erforderlichen Transit- und/oder Einreiseformulare. Anderthalb Stunden später waren wir dann endlich dran. Wir zu dritt an den Schalter. Die Dame hinter dem Tresen zu uns: Einer ist hier kein deutscher Staatsbürger. Das geht nicht. Ach Du Karaoke. Otto musste mit mehreren Mitarbeitern ausdiskutieren, dass Transit ja gestattet sei und hatte gottseidank ein Zugticket dafür vorzuweisen. Nach langem Hin und Her mit einer Gegenstimme durfte er dann doch mit. Puh!

Inzwischen war Boardingzeit und noch nicht mal ein Zehntel der Menschenmassen abgefertigt. Auf dem Weg zur Passkontrolle dann noch eine weitere Hürde: Die südafrikanische Gesundheitserklärung. Bei der AUSREISE! Ein ulkiger Spaß. Hatten wir nicht, wieder tausend handschriftliche Angaben machen. Wir sind nach der Passkontrolle dann erst einmal ein Bier trinken gegangen und haben unsere restlichen Rand in Flugzeugproviant investiert. Also, Ihr müsst mir das nachsehen, irgendwann habe ich nicht mehr auf Uhrzeiten und dergleichen geachtet, aber irgendwann wurden wir an Bord gebeten. Wir hatten unsere XL-Seats, die waren auch in Ordnung. Und dann saßen wir und saßen wir. Denn die Wartelistenpassagiere wurden abgefertigt. Stell Dir mal vor: Du darfst nicht mit, weil irgendein Dokument fehlt versus Du darfst mit, weil das jemandem passiert ist. Tragik des Lebens! 11 Stunden Flug dann bei spärlichem Service und einigermaßen unterhaltsamem Bordprogramm. Landung in München irgendwann in der Nacht. War es halb zwölf? Ich weiß es nicht mehr. „Bitte bleiben Sie sitzen, das geht jetzt folgendermaßen….“

Wir sollten uns alle online für einen PCR-Test registrieren. Ein bumsvoller Flieger greift gleichzeitig auf einen Miniserver für Terminblocker zu. Hm… Da kann ja gar nix schief gehen! Es ging nichts mehr. Inzwischen waren Businessclass und alte und gebrechliche Menschen in der Ankunftshalle, wo sich NICHTS tat. Server zusammengebrochen, anderthalb Stunden Reparatur. Wenigstens saßen wir im warmen Flieger. Um zwei Uhr früh durften wir dann raus, Schlange stehen bei Passkontrolle, Zoll, Dokumentenprüfbeauftragtem, Registrierung für Test, Testabnahme. Der Probenehmer stieß mir sein Wattestäbchen gefühlte 50 cm in den Schlund, ich hätte ihm problemlos am Ellenbogen knabbern können. Er war sichtlich, wie alle am Flughafen, erschöpft. Wobei, ich muss es erwähnen, Polizei- und Zollmitarbeiter wirklich gelassen und sogar humorig ihrer Arbeit nachgingen. Respekt.

Dann sollten wir zwei Stunden auf das Testergebnis warten und durften die Ankunftshalle nicht verlassen. Zwei Stunden? HAH! Ihr Lieben, es wurden vier! Wie Schwerstverbrecher von Hundertschaften Polizei bewacht. Wenigstens gab es lauwarmes Pipiwasser aus dem Tetrapack und leicht angeranzte Brötchen mit Käse. Wir wollten die Zeit nutzen, Otto nach Amsterdam umzubuchen und Rolf und mich nach Köln. Uns wurde ja im Flieger versprochen, es sei ausreichend Bodenpersonal vor Ort. Nun, wenn man zwei Personen als ausreichend für 350 Reisende befindet. Die dann auch keinen Laptop oder ähnliches hatten und nicht wirklich etwas für einen tun konnten. Die Stimmung war gereizt. Es wurden hauptsächlich Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben. Dann ein kleines Wunder. Rolf und Otto wurden in die Gepäckermittlung gebeten. Nanu. Wir hatten doch alles. Sie hatten wohl eine Dame so bezirzt, dass diese die erforderlichen Umbuchungen ohne großes Aufsehen vornehmen wollte. Sie war mitten im Prozess, als Ihr Vorgesetzter reinstürmte und sie anblaffte, sie solle das sein lassen. Da hat der Chef mal nicht begriffen, was der Kunde sich wünscht und die arme Frau, die GENAU richtig handelte, vor Kunden niedergemacht. Sie ließ sich davon nicht beeindrucken und wird von uns Dreien zur Heldin des Tages nominiert.

Ab und zu wurden Passagiere mit VOLLEM Namen ausgerufen, die sich zum Gesundheitspersonal an Gepäckband 6 begeben sollten. Es war völlig klar, was mit denen los war, denn sie kehrten nicht zurück. „Der lepröse Herr Gerald Diepolder möge sich bitte zur Entsorgung bei Band 6 melden und auf dem Weg dorthin seine Pestbeulen bedecken.“ So viel zum Datenschutz. Wenigstens war ein unangenehmer Zeitgenosse dabei, der in Kapstadt dadurch auffiel, dass seine Maske lose um seinen Hals baumelte, die ihm seine Holde, als ich ihn anblaffte, über das Gesicht zog, wo das Ding für drei Minuten hing, bevor… Ich gebe zu, dass ich Schadenfreude empfand, als er eingesammelt wurde. Ein koboldhafter Passagier fiel auf, weil er mit jedem, aber auch wirklich mit JEDEM seine Menschrechtsrechte diskutieren wollte. Er sähe dies nicht ein, er sähe das nicht ein. Ohjeh. Ich sagte ja, es herrschte gereizte Stimmung.

Endlich, gegen 6 Uhr Freigabe für uns drei. Otto fuhr ins Hotel, er hatte noch etwas Zeit für eine Dusche und ein Frühstück. Für Rolf und mich war das zu kurzfristig. Wir enterten – nach einer tränenreichen Verabschiedung – den Flughafen-Dallmayr und tranken denen erst einmal die Kaffeevorräte weg. Wir waren hundemüde und kaputt. Im Flieger nach Köln hatten wir dann ausreichend Platz, die S-Bahn kam pünktlich und… ja, ich glaube, ich war selten sooo froh, zuhause zu sein. Ich informierte meine Firma, dass ich noch einen Urlaubstag nachnehmen und 14 Tage Homeoffice machen müsse, aber das war für meinen Chef selbstverständlich. Man stelle sich mal Arbeitnehmer vor, die da nicht auf so ein Verständnis stoßen.

Zuhause dann erst mal drei Stunden auf das Sofa und umgehend eingenickt. Geweckt wurde ich durch einen Anruf des Gesundheitsamtes. Sie kämen dann von Zeit zu Zeit mehr oder weniger unangekündigt vorbei und ich müsse mich auf weitere Tests einstellen. Dann noch ein Schreck: Meine Kreditkartenfirma schrieb eine SMS, sie hätten ungewöhnliche Abbuchungen registriert, ich solle zurückrufen. Tatsächlich. Einfach mal ein gutes Dutzend Transaktionen, die ich nicht getätigt hatte. Später stellte sich raus: Bei Rolf auch. Alles am Flughafen in Kapstadt. Aber es geht für uns beide glimpflich aus, die Abbuchungen werden rückerstattet und die Karten gesperrt. Wir können nur die kommenden Tage nichts damit bezahlen und müssen mit der neuen Karte alles wieder neu einrichten.

So, das war eine sehr lange Dann-dies-dann-das-Geschichte. Ich hoffe, sie hat Euch nicht ermüdet. Ich möchte aber klarstellen, dass wir Jungs uns einig sind, dass die letzten drei Chaostage uns nicht den Urlaub vermiesen können. Es war bis Donnerstag ein traumhafter Urlaub, den ich in absolut guter Erinnerung behalten werde! Und das Chaos danach begreife ich einfach als Chance, zu skurrilen Reiseerlebnisgeschichtsabenden beitragen zu können. 🙂

Ganz zum Schluss gibt es jetzt noch Kunst. Das sind die Kleinigkeiten, die ich in Stellenbosch und Grande Provence erworben habe; sie finden bestimmt einen guten Platz in meiner Wohnung.

Bleibt gesund, Ihr Lieben, und alles Gute für Euch!
Euer

Tag 16: Und wieder in Kapstadt

Ihr Lieben,

auch heute bin ich eher geizig mit Bildern und lustigen Geschichten. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, war es auch heute noch unentspannt. Da wir damit rechneten, dass morgen bei Abflug ein kleines Chaos herrscht, buchten wir gestern Zimmer im Airport-Hotel bei Kapstadt. So sparten wir uns die Pack-, Auscheck- und Fahrzeit schon einmal und konnten entspannt den Mietwagen zurückbringen. James war gar nicht so traurig, er hatte wohl Gäste, die total scharf auf mein Zimmer waren und so räumte ich es auch frühzeitig. Wir versammelten uns wieder mal am Pool und guckten, wie der Stand der Dinge ist. Wir waren froh, dass Lufthansa immer noch plante, zu fliegen, aber die Einreisebedingungen für Otto hatten sich noch einmal verschärft.

Wenigstens kamen schon früh am Vormittag unsere PCR-Testergebnisse an, so dass wir dieses Problem von der Backe hatten. Wir bemühten uns dann nach Leibeskräften, unsere Zertifikate auf die Lufthansaseite hochzuladen. Impfnachweis, Testergebnis, Quarantäneerklärung. Da hat die Lufthansa-App leider auf voller Linie versagt. Da funktionierte nichts. Okay, James hat dann alles ausgedruckt, damit wir es wenigstens in Papierform haben. Dann die geforderte Einreiseerklärung. DIE MÜSSEN SIE AUSFÜLLEN!!! Problem: Für Südafrika war keine hinterlegt, da „wir“ ja erst ab Mitternacht gefährlich sind. Mal sehen, wie wir das regeln. Und mit derlei Plunder war dann unser Vormittag auch schon rum. Wir mussten ja auch Nachrichten gucken und uns links und rechts nach Änderungen erkundigen.

Ike stieß dann zu uns, erzählte uns Horrorgeschichten von Leuten, die gerade im Land sind und deren Flüge komplett gestrichen wurden. Wir empfanden daher eine gewisse Dankbarkeit für Lufthansa, zumindest bis sie uns schrieben, dass wir auch noch in München übernachten müssen, weil wir keinen Anschlussflieger mehr bekommen. Ja, das braucht der Mensch. Und dann die entsprechende Mail dazu: „Bitte bestätigen Sie bis zum 30. November, dass Sie die Änderungen an Ihrem Flug am 28. November so hinnehmen.“ Nee, doch, ooooh!

Wir beschlossen, in Bälde aufzubrechen. Da die Jungs noch nicht gepackt hatten, lief ich mit Ike noch kurz über den samstäglichen Feesmarkt. Der ist im Zentrum Franschhoeks und ist ganz nett. Kleine Leckereien, Kunsthandwerk oder das, was sich dafür hält, sowie sonstiger Schnickschnack. Und in der Mitte ein gar nicht untalentierter Alleinunterhalter. Ike erwarb ein paar nette Mitbringsel und bekam dann einen Haufen Zusatzgeschenke. Ich schwatzte Ihr dann einen Beutel ab, auf dem ein Rhinozeros abgebildet war, umringt von den Worten „Save the chubby unicorns“. Um 14 Uhr sind wir dann alle zusammen in eine Pizzeria eingefallen und haben abenteuerliche Kreationen (mit Blauschimmelkäse z.B.) zu uns genommen. Waren aber ganz genießbar. In James‘ Maison dann zuende gepackt, tränenreich von allen verabschiedet und dann ab nach Kapstadt.

Beim Einchecken kam mir die südafrikanische Freundlichkeit dann einmal nicht zupass. Ich musste soooo dringend auf das stille Örtchen. Aber der junge Mann wollte uns ja alles ganz genau erklären. Wann und wo Frühstück, wie der Shuttlebus funktioniert und was es im Hotel alles gibt… Endlich dann auf dem Zimmer angekommen, fast der Herzstillstand: Mein Zimmer hat keine Toilette!!! Wieso hat dieses Zimmer keine Toilette???? Die Auflösung war dann gottseidank unspektakulär, denn ich entdeckte eine Tür, die auf den ersten Blick als solche nicht zu erkennen war. Das wäre an der Rezeption ein bisschen peinlich geworden. Das Hotel ist ökologisch ausgerichtet und ganz nett. Wir beschlossen, keine Experimente zu wagen und einfach dort zu bleiben. Natürlich, nachdem wir den Mietwagen zurückgebracht hatten (völlig unkompliziert) und Otto noch einen Antigentest am Flughafen gemacht hatte, den er für die Weiterreise in die Niederlande zusätzlich zum PCR vorweisen muss. Ja, die sind strenger als wir.

Also, Aperitiv in der Bar, dann Essen im Hotel-Restaurant und dann früh auf die Zimmer, um 6 Uhr wird gefrühstückt. Es sind einige Touristen im Hotel, die von den gleichen Nöten hierhergetrieben wurden. Aber auch ein südafrikanisches älteres Ehepaar, das wir im Shuttlebus des Hotels kennenlernten. Sie hatten sich schlicht beim Abflugtermin nach Johannesburg vertan und waren einen Tag zu früh am Flughafen. Die sind jetzt auch hier gestrandet. Rolf witzelte beim Tschüss-Sagen dann noch „Aber morgen dann nicht verschlafen.“

Also, ich denke, es geht alles gut aus und wir werden auch alle irgendwie in München landen. Aber von Urlaub waren die letzten beiden Tage weit entfernt. Jetzt freuen wir uns auf daheim, was ja eigentlich Unsinn ist. Gerüchteweise soll es kalt und regnerisch sein. Naja, gestern Nacht gab es hier auch noch einmal Unwetter, aber die Temperaturen sind dennoch angenehm.

Ja, das war es – hoffentlich – mit unserer Reise. Wenn Ihr morgen früh „Tag 17: Wieder im Weinland“ lest, dann ist etwas schief gegangen. Ich freue mich sehr, dass uns so viele liebe Menschen live und virtuell begleitet haben. Die nächste Reise? Momentan nur noch Eifel! 🙂

Liebe Grüße

Euer Gerald

P.S.: Wahrscheinlich gibt es noch einen Epilog, da stelle ich auch noch einmal Bilder rein, aber das wird eher gegen Mitte der Woche passieren. Schaut einfach mal rein.

P.P.S.: Es erfolgte keine Rechtschreibkontrolle, bin etwas erschöpft.

Tag 15: Tag des Schreckens

Ihr Lieben,

die ersten Neuigkeiten beim Frühstück heute: Das vereinigte Königreich schränkt den Flugverkehr von und nach Südafrika ein. Es gibt eine neue Covid-Virusvariante, die als – na, sagen wir mal besorgniserregend eingestuft wird. Wir waren noch entspannt. Ein paar Minuten später erzählte uns James, dass er die ersten Stornierungen aus UK reinbekam. Sukzessive folgten andere Länder und andere Stornierungen, darunter auch Deutschland, auch mit eingeschränktem Flugverkehr. Lufthansa war natürlich nicht zu erreichen, die Nachrichtenlage war dünn und so begannen wir, unsere Tagesplanung (entspannt shoppen und essen in Stellenbosch) über den Haufen zu schmeißen und Evakuierungspläne zu schmieden. Wir schauten sogar nach sofort verfügbaren Flügen über die abenteuerlichsten Umwege. Kapstadt – Nairobi – Dubai – Dublin – Frankfurt. Oder Kapstadt – Windhuk – Kairo – Abu Dhabi – Brüssel. Ike, die sich natürlich um ihre Rückreise nächste Woche sorgt, stieß zu uns und telefonierte erst einmal alle ihre Lufthansakontakte ab. Ziemlich bald war klar, dass die beiden Frikadellen wahrscheinlich das Land mit ihrer gebuchten Maschine verlassen könnten, die Frikandel aber eventuell ein Mitflugverbot ereilt. Also, Mail an Lufthansa, dass der Umsteiger in München statt nach Düsseldorf für Otto auf Amsterdam umgebucht wird. Es gab auch später eine Antwort, dass der Wunsch an die zuständige Stelle weitergeleitet würde, momentan aber viel los sei. Ach was. Wir werden auf jeden Fall mit vollem Körpereinsatz für Ottos Transport kämpfen.

Dann die Notwendigkeit, einen PCR-Test vorzulegen. Woher nehmen und nicht stehlen? James vermittelte uns zu einer Praxis in Stellenbosch, zu der wir mit wehenden Frackschößen eilten, die uns aber wegen kompletter Terminüberbuchung dann doch nicht mehr drannehmen konnte. Man schickte uns in eine nahegelegene Klinik. Die quoll über vor verängstigten Touristen, die alle um einen Dringlichkeitsstufe 1-Test bettelten. Wie wir natürlich auch. Denn es war klar, dass die Labore vollkommen überlastet waren und wohl jetzt auch noch sind. Man konnte uns nicht versprechen, dass der Test rechtzeitig fertig wird. Aber die Damen von der Pathologie (ein skurriler Ort für Covid-Tests, wie ich finde) waren alle unglaublich charmant und halfen uns mit den Formularen und luden uns alle zu ihrem Weihnachtsfest ein, falls wir nicht aus dem Land kämen. Wir warteten natürlich im Vorraum alle aufeinander und als wir dann geschlossen gingen, winkte und cheerte uns die komplette Damenriege hinaus. Wir alten Männer waren sehr gerührt. Und die auf Einlass wartenden anderen Touristen irritiert. Ich glaube, wir drei haben zusammen irgendwie einen Schwarm-Charme. 🙂

Während wir uns auf den Heimweg nach Franschhoek begaben, rief Ike an, wir sollten vorerst bleiben, wo wir sind, es hagele und stürme wie am jüngsten Tag. Also, wenn es kommt, dann kommt es dicke. Kurze Zeit später gab sie Entwarnung und wir rotteten uns im Maison Chablis zu einer Vollversammlung zusammen, um weitere Maßnahmen zu diskutieren. Auf jeden Fall werden wir schon morgen nach Kapstadt aufbrechen, damit wir erstens wegen der Autorückgabe nicht in ein eventuelles Chaos kommen und zweitens, wir im Falle, dass der PCR-Test nicht rechtzeitig vorliegt, einen Antigen-Test machen lassen können. Der reicht für Geimpfte aus, den konnten wir nur heute hier nicht machen, da der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Also, heute nur Stress, keine Fotos und keine glücklichen Selfies. Aber wir sind guten Mutes, dass wir rauskommen und fühlen uns einigermaßen vorbereitet. Mal sehen. Zuhause sollen wir dann ja alle noch 14 Tage in Quarantäne. Na, die hätte ich ja lieber hier verbracht, unter Nutzung von Spahn-IV, dem Zuschuss für gestrandete Urlauber in südafrikanischen Luxusquarantänehotels.

Auf jeden Fall finde ich es bemerkenswert, wie viele Menschen uns über WhatsApp, Homepage-Kommentare und E-Mails ihre seelische Unterstützung haben zukommen lassen. Das finden wir sehr nett. Jetzt – es ist inzwischen Abend – gibt es erst einmal einen großen Schluck Wein und dann gehen wir noch irgendwo essen.

===WERBEPAUSE===

Wir hatten ja noch eine Reservierung für unseren nun ins Wasser fallenden morgigen Abschiedsabend im „French Connection“. Da musste ich ja auch noch vorbei und den Tisch stornieren. Und obwohl das Restaurant rappelsvoll war, hat man uns noch einen Tisch organisiert, um den Abend vorzuverlegen. So hatten wir wenigstens mit Ike zusammen noch einen schönen Abend bei gutem Essen, der uns ein bisschen mit dem Tag versöhnte. Otto traf dort überraschenderweise noch eine Kollegin (die Welt ist klein), die heute erst ankam und nach Landung von all den Horrornews überfallen wurde. Sie meinte aber, sie mache dann jetzt halt erst mal Urlaub und würde dann weitersehen. Etwas anderes kann man ja auch nicht tun.

Ike brachte uns, da es regnete, noch zur Ecke Berg Straat, wo sich Otto ins Hotel verabschiedete und Rolf und ich im Tuk Tuk noch einen Absacker nahmen. Der Kellner sagte beim Bezahlen, dass er sich freut, dass wir so oft da wären und das war dann natürlich wieder ein berührender Moment. Er würde sich wünschen, dass wir nächstes Jahr wiederkämen. Klar, es ist so, dass alle hier super freundlich sind oder sein müssen. Aber oft ist es eben auch nicht nur aufgesetzt. Wenn ich da an das in Deutschland üblich gewordene, lieblos hingeschleuderte „Gernäähh!“ denke, bei dem man weiß, dass davon kein einziger Buchstabe stimmt. Ach, es stimmt mich sentimental, dass die Abreise so nahe liegt.

Und weiter oben habe ich gelogen. Es gibt jetzt doch noch ein Unsie (gebt Euch keine Mühe, dieses Wort steht nicht im Duden):

Morgen dann het laatste nieuws aus Kapstadt.

Euer Gerry

P.S.: Warum eine Passionsblume? Naja, die war halt da…. 🙂