Kapverden 2025: Zwischenstopp in Lissabon (1)

Ihr Lieben!

In Lissabon war ich bestimmt seit der Patentierung der Eiswaffelmaschine nicht mehr. Mit meiner Freundin Ike bin ich früher oft in Portugal gewesen, auch mit Elke oder Erika oder Tita sowie Peter… das waren immer sehr aufregende und spannende Urlaube. Meistens waren wir an der Algarve, wo Ike u.a. beruflich Hotels, Restaurants und auch Golfplätze testete. Von da aus waren wir häufig im Alentejo, in Evora, in Lissabon. Mit Erika habe ich mal eine wilde Zweitagestour in die Hauptstadt gemacht. Unvergessen die Pensao Londres mit Klo auf dem Gang. Und der brennende Apfelkuchen mit dem 30 Jahre alten Brandy… Weißte noch, Eri? Nun sind wir selbst 30 Jahre älter. Und unglaublich kostbar natürlich 🙂

Ich habe sehr positive Erinnerungen an diese schönen Urlaube und Reisen. Wir waren in Porto, Beja, Aveiro, Carvoeiro, Portimao. Es ist einfach ein sehr schönes Land mit tausend tollen Flecken. Jetzt, 25 Jahre später, weiß ich noch viele Erlebnisse von damals, aber würde mich in Lissabon nicht auf Anhieb zurechtfinden. Zumal ich noch nie mit dem Flieger dort war.

Die Anreise verlief erfreulich unkompliziert. Wenn man vom Security Check am Kölner Flughafen mal absieht, der total überlaufen war, und wo ich mich natürlich in der Schlange wiederfand, in der alle irgendwie Drogen, Waffen und Bomben im Handgepäck hatten. Es hat sich wohl noch nicht herumgesprochen, dass Molotow-Cocktails und Morgensterne nicht ins Handgepäck gehören.

Im Flieger war ich nur ein bisschen genervt von einer älteren Dame, die allen, die es nicht wissen wollten, erzählte, wo sie schon überall war. Als mein Sitznachbar, der bevorzugtes Opfer ihrer Tiraden war, verkündete, dass er plane, im Februar auf die Kapverden zu fliegen, kommentierte sie dramatisch, wie furchtbar es dort ist, fuuuuurchtbaaaar! GANZ FURCHTBAR! Ihr 2.600-Betten-Hotel hatte so schlechtes Essen, dass die gaaanze Reisegruppe taaagelang krank war. Fuuurchtbar! Naja.

Auch am Flughafen Lissabon lief alles glatt, außer, dass das Gepäck ein wenig spät kam. Schon vor einer Woche hatte ich mir die Lissabon-Card gekauft, die konnte ich dann in der Empfangshalle abholen. Für 48 Stunden kostet die 51,- Euro. Man kann damit fast alle Verkehrsmittel nutzen und die meisten Attraktionen Lissabons verbilligt besuchen. Ihr findet das teuer? Naja, bei Eintrittspreisen von bis zu 30 Euro pro Burg, Kloster oder Turm hat man das sehr schnell wieder raus.

Mit der Metro war ich in kurzer Zeit an meinem Hotel. Nett und sauber, aber das Zimmer ist winzig. Der Kühlschrank, das finde ich ja eigentlich toll, dass es überhaupt einen gibt, war leider vom Nachttisch zugebaut, da musste ich erst einmal umdekorieren. Ich machte mich katzenfrisch und stürmte in das nasskalte Wetter, um die Stadt wiederzuentdecken. Leute. Am Flughafen sagte die Wetter-App noch, es wäre bald alles überstanden, aber hustepiepen! Der Regen wurde immer schlimmer. Ich fuhr mit der Straßenbahn zum Torre de Belem, dort war dann endgültig Wolkenbruch. Ich fotografierte den eingerüsteten Turm aus der Ferne, da Montag ist, war der ohnehin geschlossen. Ich fuhr in die Gegenrichtung zurück, am teil-eingerüsteten und – weil Montag – geschlossenen Hieronymus-Kloster vorbei. Museum für moderne Kunst? Montag! Ich bekam eine leichte Krise. Was nützt einem die Lissabon-Karte, wenn alles geschlossen ist?

Die Bahn schlich die Trasse lang, der Verkehr ist bei so einem Wetter ganz schön chaotisch hier, so hatte ich Zeit, Google zu bemühen. Ein anderes Museum für moderne Kunst, das Museo de Arte Contemporánea Armando Martins hatte geöffnet. Es ist wahrschinlich das einzige Museum auf der Welt, das dienstags Ruhetag hat. Ein Segen! Ich bekam 10% Lissabonkarten-Diskont für 3 Ausstellungen in 4 Gebäudeteilen. Die Galerias 3 und 4 erreicht man über einen Hof, da startete ich. Das war sehr schön, sehr leer, sehr lehrreich und vielfältig. Viele Ausstellungsstücke haben mir ausgesprochen gut gefallen. Dann wollte ich zurück ins Hauptgebäude, allein, die Sintflut war über uns hereingebrochen. Ich hätte den zuvor erwähnten Hof paddelnd überqueren müssen. Wie gut, dass es noch ein Museumscafé gab, da bestellte ich mir eine Pastel de Nata, einen dicken Keks und ein Glas Wein, und wartete, bis der Sturzbach von oben ein Ende fand. Das tat er irgendwann und ich besuchte den Rest des Museums. Vor einem Raum warnte ein Schild vor expliziten Darstellungen, die verstörend wirken könnten. Siehste mal, das katholische Portugal.

Vom Museum aus, es war zwar immer noch usselig, aber nieselte nur noch fein, begab ich mich zum Praça do Comércio, wo ein gigantomanischer Weihnachtsbaum steht. Direkt gegenüber der Triumphbogen, dessen Portal auf die Rua Augusta einlädt, Lissabons Touristenprachtmeile. Die lief ich lang, wimmelte 263 Restaurantwinker ab, schlug 91 Geschäfte mit Drogendealern aus und erstand stattdessen lieber Kühlschrankmagnete, die ich erstaunlich preiswert für einen solchen Hotspot fand. Am Praça Rossio dann fand ich mich auf einem nicht besonders gut besuchten Weihnachtsmarkt wieder.

Natürlich kam ich am Elevador de Santa Justa vorbei, aber seit dem schlimmen Unglück mit dem Ascensor da Glória im September sind alle historischen Anlagen zwecks genauer Überprüfung außer Betrieb. Und das halte ich auch unbedingt für sinnvoll.

Inzwischen war es schon 20 Uhr und ich hatte einen Bärenhunger, war aber auch ein wenig erschöpft. So erstand ich in einer Padaría 4 herzhafte Pasteten zu je einem Euro, kaufte mir zwei Dosen Sagres-Bier und eine Flasche Wein im Supermarkt und begab mich auf Heimreise. Die trat ich am Rossio in einer vollkommen leeren Linie 28 an, die fast genau vor meinem Hotel hält. Die historischen Bahnen auf dieser Linie stammen aus den 30er-Jahren und sind eine Touristenattraktion sondergleichen. Ach, und die Pasteten waren superlecker!

Ihr Lieben, den Tag hatte ich mir wärmer, trockener, geöffneter und weniger nervig vorgestellt. Aber es war trotzdem nett, ein paar der Sachen habe ich wiedererkannt und he, wer kommt schon ins MACAM? Nur Gerry bei Sturzregen, es waren sonst wirklich keine anderen Besucher da.

Was ich morgen so treibe, steht in den Sternen. Wird Poseidon wieder Unwetter über uns hereinbrechen lassen oder wird uns Ra geneigt sein? Man weiß es nicht. Burg wäre ja schön, aber nicht, wenn mir beim Aufstieg Schlammlawinen entgegenkommen.

Also, seid gespannt, morgen erfahrt Ihr hier dann mehr. Boa noite, Euer

Ihr wollt verstörende Kunst? Da habt Ihr!

Kapverden 2025: Der Prolog

Ihr Lieben,

wenn man an die Kapverdischen Inseln denkt, denkt man vielleicht nicht an eine fast dreiwöchige Reise, sondern eher an eine Woche All-inclusive in einem der Bettenbunker auf Sal oder Boa Vista, den touristischsten Inseln des Archipels. Wie ich überhaupt darauf kam, dorthin zu reisen, erschließt sich mir auch nicht mehr. Aber irgendwann diskutierte ich mit einem entfernten Bekannten auf Bluesky darüber und der wollte dann sogar mitreisen. Wir einigten uns auf Inselhopping mit mindestens drei Inseln. Ich nehme es vorweg, er sprang wieder ab.

Eigentlich wollte ich wieder alles auf eigene Faust buchen, aber bei näherer Beschäftigung mit dem Reiseziel stolperte ich immer wieder darüber (selbst auf den Seiten des Auswärtigen Amtes!), dass man sich nicht wirklich auf Fähren und Inlandsflüge verlassen könne. Zudem wollte ich eben nicht in irgendwelche Bettenbunker. Ich suchte also eine Agentur, die mir schöne Pensionen und Öko-Lodges (jaja, ich weiß, öko ist, wenn man gar nicht erst fliegt) vorschlägt, und die auch die Inlandsverbindungen bucht. So muss ich nicht schauen, wie es weitergeht, wenn einmal etwas nicht so klappt, zudem habe ich so bestätigte Transfers zu Unterkünften, Fähr- und Flughäfen.

Ich erhielt einen Basisvorschlag mit zusätzlichen Ausflugsangeboten, der ein wenig modifiziert werden musste (ich und Gebirgswanderung, bewahre!) und buchte dann folgendes Paket:

Mindelo – Porto Novo (Val do Paul) – Ponta do Sol – Mindelo – Praia – Tarrafal – Santa Maria. Inkludiert sind eine geführte Wanderung, eine E-Bike-Tour, ein Ausflug mit dem Fischerboot, eine Inselfahrt über eine Passstraße und ein begleiteter Marktbesuch.

Basis: © Google Maps

Insgesamt ist das jetzt keine Schnäppchenreise, daher verspreche ich mir doch einiges davon. Der Veranstalter „Soul-Tours Cabo Verde“ hat eine Niederlassung auf den Inseln und ich hatte bei der Planung und dem Vorgespräch ausschließlich mit Kapverdianern zu tun, der Firmensitz ist aber in der Schweiz. Vor drei Wochen hatte ich einen Videocall mit meinem Reisebetreuer Elber vor Ort, den ich kontaktieren kann, wenn etwas nicht klappt.

An- und Abreisen war nicht enthalten, die musste ich mir selbst organisieren. Hin wurde mir eine Verbindung vorgeschlagen, die fast mitten in der Nacht startete und mir 30 Minuten für den Umstieg in Lissabon gönnte. Da beschloss ich, schon Montag, also zwei Tage früher nach Lissabon zu fliegen (war dann auch noch billiger), um mich dort auf meinen Urlaub einzustimmen und am Mittwoch mit TAP nach Sao Vicente weiterzureisen. Zurück fliege ich von Sal aus mit TUI direkt nach Düsseldorf.

Ich bin seeeehr gespannt, Ihr Lieben, die Inseln sind recht vielseitig. Gesprochen wird lt. Elber neben Kreol auch eine Art Portañol, damit müsste ich einigermaßen zurechtkommen. Ich studiere ja gerade Portugiesisch und lerne so wichtige Sätze wie „Der Bär isst mit seiner Tante ein Sandwich im Wald“. Viele Menschen, denen ich erzählt habe, dass es auf die Kapverden geht, haben mir Tipps für die Reise gegeben, aber auch Schauermärchen z.B. über Geldwechselei und -abhebung erzählt. Vorsichthalber habe ich mal meine Bank informiert, dass es dahin geht. Apropos Vorbereitungen: Es sei schon einmal verraten, dass man sich bei Einreise auf die Kapverden einige Tage vorher bei der Nationalpolizei gegen eine Gebühr registrieren muss. Das ist aber ziemlich unkompliziert.

Tja, die Koffer sind gepackt und wie immer würde ich mich natürlich rasend über Eure virtuelle Begleitung freuen, morgen Abend gäbe es den ersten Bericht aus Lissabon. Und wenn Ihr mal nichts von mir hört, liegt es eher an technischen Problemen, als dass ich in ein Fass Grogue gefallen bin und fürderhin dauerangezwitschert über die Strände torkele.

Liebe Grüße, bis denne, Euer

P.S.: Das Vorschaubild ist KIs Idee einer Zusammenfassung von Cabo Verde.