Tag 20: Weihnachtsferien!

Schulferien! Wie lange ich das in meinem Leben nicht mehr hatte! Aber der Reihe nach: Nur die Schweizerin hat die Prüfung abgelegt, die restlichen fünf haben sich den Film angesehen. Auf Spanisch mit spanischen Untertiteln. Es war zwar ganz hilfreich, dass ich „Pans Labyrinth“ schon zweimal gesehen hatte, aber trotzdem hätte ich, oh Wunder!, den Film auch so verstanden. Wir sprachen dann noch einige Zeit über die Symbolik des Films und über den spanischen Bürgerkrieg. Der Abschied heute war nicht ganz so sentimental, wie ich es befürchtet hatte, aber es wurde ein bisschen geherzt und gedrückt. Wir waren -natürlich !- der beste B1-Kurs ever! Kurz überlegte ich noch, ob ich Nummern tauschen sollte – besonders drei der Mitschüler fand ich extrem nett – beließ es dann aber bei Luftküssen und Schulterschlägen.

Wo sind all die Schüler hin…?

Nach der Schule suchte ich mir erst einmal eine Tapas-Bar und aß Tortillas. Die waren ganz anders als ich erwartet hatte, mehr so wie Reibekuchen und nicht wie die sehr festen Gebilde, die man sonst so kennt. Dazu noch Pâté de Perdiz, Pastete vom Rebhuhn. In Spanien enden die Märchen oft entweder mit „Colorín colorado, este cuento se ha acabado“ oder mit „vivieron felices y comieron perdices“ (in etwa: „Farbiges Bunt und das Märchen hat geendet“ bzw. „Sie lebten glücklich und aßen Rebhühner„). Da musste ich das doch mal probieren! Alles sehr lecker.

Dann besuchte ich das Museum der Kanaren, el Museo Canario. Hier gibt es Informationen zu Ausgrabungen, Ausstellungsstücke die dort gefunden wurden, Informationen über die Lebensweise und, und das ist die Hauptattraktion, massenweise Knochenfunde. Dazu noch ein Dutzend Mumien! Ein sehr morbider Saal ist voller Schädel und besagter Leichen. Jemand mokierte sich im Internet über eine Vitrine, in der haufenweise Knochen übereinander liegen, so könne man mit Toten doch nicht umgehen! Also, ich fände es ja ganz witzig, in Zukunft von Touristen begafft zu werden. Aber wenn das jemals eintreten sollte, wäre das ja erst in ein paar tausend Jahren. Ein sehenswertes Museum, mit Audioguide und einer Virtual-Reality-Brille, durch die man sich die Behausung einer Canario-Familie ansehen kann.

Sehr sehenswert finde ich die keramischen Götzenfigürchen, die von den Canarios hergestellt wurden. Ich habe für meine kleine Sammlung von Gottheiten im Museumsshop ein Replikat des „Idolo von Tara“ erstanden. Eine Rekonstruktion der Höhlenmalereien der Cueva Pintada aus Galdár ist ebenfalls zu sehen.

Mein Feierabendbierchen nahm ich dann am Canteras-Strand ein, bei überwältigend schönem Wetter und einem Blick bis nach Teneriffa, vom mächtigen Teide überthront. Im Gegensatz zu unserem Sturm-Tag ist die Promenade heute fast überlaufen. Hier gibt es massenhaft Lästerpotential, aber wie schon früher erwähnt, macht man das ja nicht. Auch nicht über die eigentlich furchtbar blasse blondhaarige Dame, deren Haut schon einen mittelschweren Rotton hatte, und deren falsche, tiefschwarze Wimpern mit mindestens 5 cm Länge in einem unglaublichen Kontrast zu ihrer Haut standen. Genausowenig wie über den unglaublich behaarten und sehr fetten Mann, der quasi splitternackt die Promenade entlang stolzierte wie ein Gockel. Denn ihr müsst mir das glauben, ich lästere ja nie!

Im Hintergrund schemenhaft Teneriffa; nicht der erste Gipfel links, der gehört noch zu uns.

Auf dem Rückweg nach Hause lief ich noch beim Einkaufszentrum vorbei. Kurz davor sehr viele Wellenreiter, die mit einer Geschicklichkeit sondergleichen die Wellen bezwangen. Ein faszinierendes Bild. Vielleicht sollte ich das auch mal versuchen… Oh. Huch! Die Midlifecrisis lässt grüßen! Im Carrefour habe ich dann noch Brot und Wein eingekauft. Auf den Kanaren gibt es eine unglaubliche Coupon- und Rabatttradition. Aus dem Kassenbondrucker rattert es dabei nur so. Manchmal sind die Bons so lang wie meinereiner selbst. Und was man alles sparen kann, wenn man ein bisschen aufpasst! Kaufe dies zweimal, dann kostet Nummer 2 nur ein Viertel. Kaufe diesen Schinken, morgen bekommst Du dafür Schokolade geschenkt. Aber nur, wenn Du den Bon für den Käse nicht benutzt, den Du für den Weinkauf erhalten hast.

Morgen werde ich erst einmal die Möglichkeit zum Ausschlafen nutzen. Und dann weiter die Insel erkunden. Nur noch eine Woche. Ist das zu fassen?

Vale, ¡hasta mañana, chicas y chicos!

Muchos abrazos von Eurem Gerald

Dr. Chil, der Erfinder der nach ihm benannten Entspannungsmethode, ist ebenfalls in Las Palmas geboren.

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