Tag 4: Ab in den Norden…

Liebe Mitreisenden,

„… der Sonne hinterher“ trifft dann leider nicht zu. Wir schätzen es sehr, dass so viele von Euch uns Sonne senden und sogar Tänze aufführen, um die Wettergötter milde zu stimmen. Aber Ihr müsst Euch etwas mehr Mühe geben. Nicht nur, dass es schwer bewölkt war, es wehte auch eine mehr als steife Brise, die uns die Haare auf der Kopfhaut hat anfrieren lassen. In Alcudia saßen wir auf einer Restaurantterrasse, da wurden wir fast aus den Rattansesseln geweht. Noch nie in meinem Leben habe ich mir so sehr ein MuFuTu gewünscht. Ein solches hatte ich vom Eselpark bekommen und leider nicht dabei. Ich bekomme bestimmt eine Kopfgrippe (aber keine Sorge, das ist nur ein running gag zwischen Elke und mir).

Aber von vorne: Heute war uns nach Autofahren und Sightseeing. Nach dem Frühstück sattelten wir also Luisa und brachen nach Capdepera auf, um die dortige Burgruine zu besichtigen. Wir verwirrten uns kurz, da wir den Turm von Canyamel für die Burg hielten, erkannten aber schnell unseren Irrtum.

Am geplanten Ziel angekommen, mussten wir durch einige enge Gassen fahren und an der Burg einen Parkplatz suchen. In so einer engen Gasse ist das eine Herausforderung. Wenn man das Glück hat, eine weiße Markierung zu finden (diese bedeutet die Erlaubnis zu parken), muss man sich etwa 2 Millimeter an die Seitenmauern herantasten und dann über die Beifahrerseite aussteigen. Ich habe es versucht, aber ich versagte. Ich stand nicht nah genug an der Wand, so dass andere Autos noch an mir hätten vorbeifahren können. Trotz Elkes Einweisung war ich zu besorgt, dass ich den nigelnagelneuen Wagen zerschramme. Ja, Luisa hat gerade mal nur ein paar Hundert Kilometer auf dem Buckel. Immerhin gibt es ein Foto meiner akrobatischen Einlage, wieder in den Fahrersitz zu gelangen. Ein paar Dutzend Meter weiter fand ich dann eine breitere Stelle, an der zwar Parkverbot (gelbe Linie) herrschte, aber das war mir dann irgendwie schnuppe.

Die Burg selbst ist schon ganz sehenswert, auch die Ausblicke sind ganz nett. Mit etwas Sonne wäre ich wahrscheinlich sehr angetan gewesen. Immerhin war nicht viel los und ich hatte die Anlage quasi für mich. Elke hatte nämlich beschlossen, nicht in die Burg zu klettern, aber außen drumherum zu wandern, und die anderen drei Besucher verloren sich auf dem Gelände.

Ganz in der Nähe von Capdepera liegt Cala Ratjada, die deutsche Touristenhochburg auf Mallorca. Da sind wir dann mal kurz durchgefahren. Etwas ursprünglicher als unser Cala Millor, aber auch nicht das Traumparadies für einen längeren Aufenthalt. Wir fuhren weiter nach Artà. Dort gibt es nicht nur nette Gässchen, sondern auch den Wallfahrtskirchenkomplex „Sant Salvador“. Ja, richtig gelesen. Da soll man nicht durcheinander kommen mit den ganzen gleichlautenden Heiligtümern. Sehr schön, sehr sehenswert, sehr groß. Aber auch hier wäre Sonne nicht verkehrt gewesen.

Die Küstenstraße entlang ging es nach Port de Alcúdia. Puh. Da reiht sich ein Touristenort an den anderen und keiner entlockt einem ein bewunderndes Zungenschnalzen. Wir haben dann überlegt, ob wir überhaupt schon einmal auf einer unserer tausend gemeinsamen Reisen einen ansprechenden Urlaubsort gesichtet haben. Naja, es gab schönere und schlimmere. Port de Alcúdia fanden wir dann besonders ungemütlich. Aber wir lechzten nach einem Kaffee und einem Waschraum, so ließen wir uns am Strand auf einer Terrasse nieder. Elke konnte ihren Kaffee nicht austrinken, so schrecklich fand sie ihn, ich ekelte mich auf den sanitären Anlagen. Sagen wir mal so: Eine Empfehlung unsererseits gibt es nicht.

Weiter ging es nach Alcúdia. Wir waren dort schon vor 6 Jahren einmal und es hat uns damals sehr gefallen und das tat es auch jetzt wieder. Wunderbare Gassen in den alten Stadtmauern, schöne Gebäude und alles sehr liebevoll gestaltet. Blumentöpfe vor der Tür, nette Lädchen und ansprechende Restaurants. Wir fanden sogar unseren guten Hotelwein in einem Laden. Wir hielten uns etwas länger dort auf, so dass wir unseren Plan, auch noch nach Pollença zu fahren, aufgaben. Wir kehrten zurück nach Cala Millor, wo es grau, windig und zu frisch war. Auf dem Balkon nahmen wir ein Bierchen zu uns und beobachteten die Promenadenszenerie. Großes Interesse nicht nur bei uns fand ein kleiner Polizeieinsatz am Strand. Wir wissen nichts genaues, aber wir vermuten ein Vorkommnis aus Leidenschaft, denn ein riesengroßes Herz war am möglichen Tatort in den Strand gemalt. Aber vielleicht ging auch nur unsere Phantasie mit uns durch.

Alcúdia

Eine Stunde Auszeit nahmen wir uns (schönmachen und schreiben und lesen und dergleichen), um uns dann in der Hotelbar auf einen Aperitiv zu treffen.

=== W E R B E P A U S E ===

Ihr Lieben, was soll ich sagen? Wir hatten eine Sangria in der Hotelbar und die kam unserer Vorstellung von spanischer Sonne schon sehr nah. Bisher die Beste. Elke hatte ja schon eine in Colònia de Sant Jordi und in Alcúdia. Beide nur so lala. Und es war ein ziemlich großes Glas und für Hotelbarpreise ziemlich günstig.

Wir brachen dann auf zu unserer Tischreservierung bei Rafael. Wir hätten Rindsrouladen mit Klößen dort bekommen können, entschieden uns aber für die hausgemachten Bruschette und getoastetes Brot mit Serrano-Schinken und Oliven als Vorspeise sowie Schnitzel bzw. die Rafael-Pfanne als Hauptgerichte. Dazu gab es einen sehr guten Grauburgunder. Man kann da wirklich hingehen. Es ist halt alles sehr deutsch. Deutsche Besitzer, deutscher Kellner, deutsche Gäste. Aber ich hab ja nix gegen Deutsche an sich. 🙂

Zurück im Hotel spinxten wir in die Lobby-Bar, um der international gefeierten …. also …. äh… der singenden Dame zu lauschen. Wir entschieden uns für den Balkon. Gestern war ja sogar ABBA hier. Haben wir auch verpasst.

Beim Backgammon steht es inzwischen 2 zu 1 und noch wurde niemand vom Balkon geschubst. Wir werden also vollzählig zu unserer für morgen geplanten Wanderung antreten können. Dafür werden wir tief in den Westen fahren müssen. Seid Ihr dabei? Wir freuen uns auf Euch!

Elke und Gerry

Ich mag die Spanier!

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