Eselpark, die X-te

Ihr Lieben!

Mein letzter Eintrag über den Eselpark ist eine Weile her. Aber natürlich habe ich ihm nicht den Rücken gekehrt. Dazu gäbe es nämlich keinen Grund! Es ist ein Refugium nicht nur für die Tiere, sondern auch – zumindest tageweise – für mich. Ich versuche, jeden Monat mindestens einmal da zu sein, das gelingt auch fast und ist immer ein Highlight!

Ich habe inzwischen ein zweites Patenkind, nämlich Boris, und habe schon mehrere Eselwanderungen mitgemacht. Die sind ja wegen Corona eine Zeit lang ausgesetzt gewesen. Auch meine „Gattin“ Elke ist regelmäßig dort und wir lieben den Eselpark sehr, sowohl die Tiere, als auch die Menschen, die sich dort kümmern. Zudem habe ich auch schon zwei kleine Beiträge für den Eselpark-Newsletter verfasst, die könnt Ihr auf der Homepage nachlesen.

Boris hasst Paparazzi….

Heute war ich dann mal mit meinem Spanischkurs (ja, auch im hohen Alter kann man noch Unsinn treiben 🙂 !) dort, damit die Katalanen, Carlos und Karlotta sind das, mal ein paar heimatliche Töne hören können. Beide haben uns dann übrigens auch ständig korrigiert. Besonders mäkelten sie an meinen Fehlern bei den unregelmäßigen Verben herum. Abgesehen davon, dass ich auf der Hinfahrt geblitzt wurde (:-( ) war das ein toller Tag. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass wir wieder kurz wandern gehen, aber irgendwie war dann doch die Zeit so schnell rum, dass wir das heute auslassen mussten. Aber, und ich denke, ich spreche auch für meine „Spanier“: Es war wieder wunderbar.

Karlotta war heute extrem schmusebedürftig und suchte sich für ihre Liebesbekundungen ausgerechnet jemanden aus, der noch nicht recht damit umzugehen wusste. Es ist aber auch schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn dann eine Eselin in Pferdegröße sich dauernd an einen schmiegen möchte. Alwin dagegen zickte heute ein bisschen und hat meiner Spanischlehrerin aber dann doch nicht widerstehen können! Ein weiteres Mitglied des Kurses hat einen Namensvetter auf dem Hof und ja…. eine gewisse Ähnlichkeit zeichnet sie aus. Beide charmant und attraktiv 🙂

Wir haben ausgemistet, abgeäppelt, Tiere auf neue Grasweiden gebracht, gestriegelt, Hufe gereinigt und Ohren mit Kokosöl ausgewischt. Letzteres wegen der Fliegen und Kriebelmücken, die sich besonders gerne an Langohren gütlich tun. Es gab gruseligen Enten*** (liebe Kinder: nicht nachmachen, man drückt nie nie nie niemanden unter Wasser!) zu sehen, die Prachthühner stolzierten herum und die Rauchschwalben flogen fast wie in Formation um den Stall herum. Die Bienen wuselten, die Katzen beobachteten, die Schweine grunzten zufrieden. Von den Bienenstöcken im Park, die ein Imker dort aufgestellt hat, gab es übrigens heute erntefrischen Honig!

Was für ein toller Ort! Was für tolle Tiere! Was für tolle Menschen!

Geheimtipp: Auch mit dem 9-Euro-Ticket kann man da hin, aber bitte nur nach Voranmeldung (und vielleicht mit gefülltem Spendenportemonnaie?).

I-AH-ige Grüße, Euer Gerry

Von Schweinen und Menschen

Letztlich haben sich Flocke und mein Patenschwein Boris vor dem Sandkasten ein bisschen gezofft und Flocke hat Boris arg in den Rücken gezwickt. Um ihn ein wenig zu trösten, habe ich mich mit ihm ein paar Minuten in den Schatten gesetzt.

„Ich habe Deine Kolumne im Newsletter gelesen.“, grunzte Boris mich unvermittelt an. „Was soll denn mit meinen Tischmanieren nicht stimmen?“
„Nun ja“, erwiderte ich, „Du frisst wie ein Schwein.“
„ICH BIN EINS!“, echauffierte sich Boris und schnaufte: „Was weißt Du eigentlich über uns Schweine?“
„Ähhhh……“

Ob ich denn wisse, dass Schweine intelligent seien? Naja, erwiderte ich, immerhin sprächen wir ja miteinander, das sei mir Beweis genug. Ob mir denn bewusst sei, dass unsere genetische Verwandtschaft viel enger sei, als manche glaubten? Ja klar, witzelte ich, ich fräße auch manchmal wie ein Schwein. Boris strafte mich mit verächtlichen Blicken.

„Wenn Ihr missliebige Menschen ‚Schweine‘ nennt, wisst Ihr eigentlich, wie weh das tut?“, seufzte er. Ich musste schlucken und versicherte, dass es kein Tier auf der Erde gäbe, dessen Name für eine Beleidigung herhalten sollte. „Doch!“, gluckste er, „der Nacktmull!“ und grunzte sich die Seele aus dem Leib. Jetzt war es an mir, indigniert zu schauen. Es sei doch nur ein Scherz gewesen, beruhigte er mich.

„Vieles wisst Ihr über uns gar nicht. Zum Beispiel könnt Ihr Menschen gar nicht ‚schwitzen wie ein Schwein‘. Wir können nämlich nicht schwitzen, daher suhlen wir uns ja so gerne in Schlamm, damit unsere empfindliche Haut gekühlt und geschützt wird.“ Interessant, das wünscht man sich ja manchmal auch von dem ein oder anderen Zeitgenossen. Also, äh…, dass er seine Haut mehr kühlt. „Und im chinesischen Tierkreis sind wir eins der positivsten Zeichen, denn das Schwein steht für Glück und Freude.“, fuhr er fort. „Aha, deswegen sagt man ‚Schwein gehabt.‘“, sinnierte ich.

„Ja genau, aber jetzt muss ich baden,“, oinkte Boris, „ich fühle mich nun genug besucht. Aber schau gerne beizeiten mal wieder vorbei. Und vergiss dann nicht, etwas Leckeres zum Essen mitzubringen!“ Im Weggehen vermeinte ich, ihn leise „Manchmal wünsche ich mir einen Esel als Paten…“ schnauben zu hören, aber ich kann mich auch geirrt haben.

Auf dem Weg zurück zu den Ställen dachte ich über unser Gespräch nach. In unserem Sprachgebrauch sind einige Vergleiche mit der Tierwelt wirklich aus der Luft gegriffen. „Dummer Esel“ zum Beispiel ist quasi ein Widerspruch, denn es sind bekanntlicherweise sehr schlaue Tiere. „Blöde Ziege! Sturer Bock! Lahme Ente!“ – ehrlich, Ihr habt die Plitsch-Platsch-Bande noch nicht rennen sehen. Vielleicht sollten wir uns angewöhnen, hinter beleidigenden Attributen einfach immer „Mensch“ zu setzen.

Winston Churchill sagte mal über das Schwein: „I am fond of pigs. Dogs look up to us. Cats look down on us. Pigs treat us as equals. – Ich mag Schweine. Hunde sehen zu uns auf. Katzen blicken auf uns herab. Schweine behandeln uns wie ihresgleichen.“ Ein kluger Mann. Aber Hunde und Katzen mögen da auf Nachfrage vielleicht eine andere Meinung zu haben.

2 Gedanken zu „Eselpark, die X-te“

  1. Hey Gerry, einen schönen Beitrag hast du geschrieben.
    Ja der Eselpark ist immer wieder ein Erlebnis für sich. Und die Zeit geht meist auch viel zu schnell vorbei, man schaut auf die Uhr und denkt sich „ups, wo ist die Zeit denn hin?“
    Das Gespräch mit Boris fand ich besonders schön geschrieben und absolut auf den Punkt gebracht.
    Da sieht man mal, wie viel Weisheit in dieser kleinen Diva steckt 🙂

    Bis zum nächsten Mal im Stall.
    LG Sandra

    1. Liebe Sandra,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, das war ein schöner Tag gestern. Und Boris ist ein ganz besonderer. Wenn er so ab und zu auf mich zudackelt, glaube ich wirklich, er wolle sich mal so richtig unterhalten. Und dann machen wir das auch irgendwie. 🙂
      Auf den nächsten Besuch im Eselpark freue ich mich schon!

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