Tropf ja, aber keine steinhöhle…

Ihr Lieben!

Heute also war es soweit, meine erste 9-€-Fahrt. In der Presse konnte man ja schon lesen, dass das 9-Euro-Ticket wie eine Bombe einschlug. Punker enterten Sylt, Großfamilien brachen Richtung Küste auf, halb Deutschland interessierte sich plötzlich für das andere halbe Deutschland. Na ja, zumindest ein Punker war nicht auf Sylt, denn er saß mit mir in der Regionalbahn nach Meinerzhagen. Seine krebsrotverbrannte Haut vermählte sich mit seinen knatschgrünen Haaren übrigens zu einem stimmigen Gesamtbild .

Aber von vorne, ich machte mich natürlich schon letztes Wochenende schlau, wo ich hinfahren wollte. Meine Entscheidung fiel auf die Tropfsteinhöhlen von Attendorn. Mir war klar, dass es eine lange kombinierte Zug-/Busfahrt werden würde. Ich hatte noch im Kopf, dass es gegen 11:30 Uhr losgehen sollte. Daher trank ich erst einmal gemütlich Kaffee, schmierte mir einen Toast, schaltete den Rechner ein, las Nachrichten, checkte nochmal die Abfahrtszeiten… um dann erschrocken zu sehen, dass ich schon um 11 Uhr los musste. Da hast du aber mal jemanden flitzen sehen. Duschen, Zähneputzen, Rasieren, Anziehen und Packen in nur drei Minuten. Dann schnell mit dem Bus zur Trimbornstraße, dort startete meine Regionalbahnreise.

Ziemlich leer war er, der Zug. Wahrscheinlich ist Attendorn nicht so attraktiv wie die Küstenregion. Man passiert so spektakuläre Bahnhöfe wie Rösrath-Stümpen, aber auch Orte mit so verheißungsvollen Namen wie Hoffnungsthal und Engelskirchen. Ich fuhr zwar bei strahlendem Sonnenschein los, aber hinter Gummersbach zog es sich zu und es fing an, zu regnen.

Es fährt kein Bus nach Nirgendwo….

In Meinerzhagen stieg ich dann aus, im Nieselregen. An der Bushaltestelle wunderte ich mich ein wenig, dass mein Bus R61 nach Attendorn nicht auf der elektronischen Abfahrtstafel angezeigt wurde. Leider waren auch die Informationstafeln an der Haltestelle nicht bestückt. Ich wartete ein wenig im Nieselregen und wartete und wartete. Ich bemühte das Internet, genauer die Seiten der märkischen Verkehrsgesellschaft. Der Bus R61, so erfuhr ich dort, verkehrt nur nach vorheriger Buchungsanfrage. Ey sachma, echt jetzt? Wer denkt sich denn so einen Quatsch aus?

Den nächsten Bus hätte ich für frühestens zwei Stunden später buchen können, dazu noch eine Stunde Fahrt nach Attendorn, dann die Höhlen finden, letzter Einlass 16:30 Uhr. Puh! Mir war die Lust vergangen! Der nächste Zug nach Köln zurück von Meinerzhagen sollte aber auch erst in über einer Stunde fahren. Daher beschloss ich, zumindest Meinerzhagen ein bisschen zu erlaufen. Im Nieselregen. Einem ätzenden Nieselregen.

Meinerzhagen, es tut mir wirklich leid das sagen zu müssen, hat nicht besonders viel zu bieten. Eine sehr, sehr traurige Fußgängerzone, eine geschlossene Touristeninformation, einen hässlichen Bahnhof und Nieselregen. Erwähnte ich den Nieselregen schon? Immerhin gibt es einen Volkspark, mit einer Villa mittendrin. Sehr grün! Kein Wunder, es nieselt hier wahrscheinlich ständig.

Die flehentlichen Blicke der Bedienungen aus Eiscafé und Bäckerei ignorierend – kein Gast hatte sich hineinverirrt – , schlich ich zum Bahnhof zurück. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt – übrigens ab Gummersbach bei strahlendem Sonnenschein – war ich wieder zu Hause. Was für ein bescheidener Ausflug. Was lernen wir daraus? Also erstens, man nimmt immer einen Regenschirm mit! Zweitens, und das ist vielleicht sogar wichtiger, eine Reise kann nie detailliert genug geplant sein. Für mein nächstes 9-€-Wochenende werde ich mich auf allen verfügbaren Seiten nach Streiks, nicht fahrenden Bussen, eingestürzten Brücken, Demonstrationen, Alieninvasionen und dergleichen mehr erkundigen.

Aber es war trotzdem irgendwie nett, immerhin kam der Bub mal wieder raus. Zudem kann ich berichten, dass die Zugfahrt einige sehr schöne Ausblicke zu bieten hat.
Nächstes Wochenende geht es dann nach… Ach, ich möchte Euch die Vorfreude ja nicht verderben.

Liebe Grüße, bis bald, Euer

Die traditionelle Pfingstkirmes zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an.

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