Dresden, die Ankunft

Ihr Lieben,

das war ja mal eine superschlaue Idee, ausgerechnet heute nach Dresden zu fahren. Zwar wusste ich bei der Planung, dass es Verkehrsaufkommen geben würde – wegen des Tags der deutschen Einheit -, was ich aber völlig ignoriert hatte, war der Beginn der Herbstferien in mehreren Bundesländern. Und so quälten Cora und ich uns Richtung Osten, wieder einmal, denn letztes Jahr hatten wir ja zusammen unsere kleine Lutherreise unternommen. Insgesamt haben wir fast 8 Stunden gebraucht. Interessant zu wissen wäre jetzt ja, ob meine Freunde von der Deutschen Bahn heute doch entgegen meiner gestrigen Unkerei ihre Fahrgäste pünktlich ans Ziel gebracht haben. Zumindest musste ich, wie sonst im Ruhebereich des Zuges, keine geblökten Telefonate ala „Wir müssen die release tasks neu rethinken“ ertragen. Auch hin und her rennende, völlig außer Kontrolle geratene, kleine kreischende Kinder blieben mir erspart. Dafür dann eben Staus, notorische Linksfahrer, Reißverschlussverfahren-Verweigerer und dergleichen mehr…

Direkt vor dem Hotel habe ich einen Parkplatz bekommen, der am Tag 25 € kostet. Aber für heute Nacht will ich es gut sein lassen, denn ich habe keine Lust mehr, durch halb Dresden zu kurven, um einen freien der preiswerteren Automatenparkplätze zu finden (6 € am Tag – Das nimmt Frau Oberbürgermeisterin Reker in Köln pro Stunde!).
Das Hotel ist bombastisch groß, mein Zimmer ist ganz okay, aber doch nicht so luxuriös, wie ich es mir vorgestellt habe. Vor allem wurde der offene Kleiderschrank seit Wochen nicht entstaubt. Lebe ich halt aus dem Koffer. Am Empfang wollte man von mir einen Voucher haben, den ich nicht besaß. Das hat für ein wenig Aufregung gesorgt, ich hatte nur eine Rechnung dabei. Ein netter junger Mann half mir dabei, meine E-Mails zu durchforsten, um die entsprechende Nachricht zu finden.

Nachdem ich mich kurz frisch gemacht hatte, lief ich sofort in die Innenstadt. Der erste Eindruck ist, das Dresden sehr, sehr laut ist: am Canaletto-Ufer läuft Hip-Hop, es wird gegröhlt und gesoffen, auf der gegenüberliegenden Seite, neben dem Zwinger, findet offensichtlich eine Techno-Party statt. Krakeelende Touristen wanken durch die Straßen und vervollständigen so das akustische Gesamtbild. Der erste visuelle Eindruck von Dresden ist allerdings phänomenal. Die wunderbar beleuchteten barocken Bauten, die Elbe, die flanierenden Menschen… einfach wunderbar. Ich ließ mich gegenüber der Frauenkirche nieder, um erst einmal meinen Bierdurst zu löschen. Es stellte sich heraus, dass es ein Alpenrestaurant ist, so aß ich Raclette, das ja, wie wir alle wissen, von August dem Starken in Dresden erfunden wurde. Man muss sich einfach nur alles schön reden. Geschmeckt hat es dennoch.

Während ich dort speiste, kam ein Zug von bunt beleuchteten, sehr eigenwilligen Fahrrädern über den Platz vor der Frauenkirche geradelt, offensichtlich eins der nächtlichen Events, die man hier buchen kann. Es wurde geklingelt, gehupt und gejohlt. Eine lustige Prozession. Hoffe ich. Nicht dass es eine Demo von den Bekloppten war…

Ein weiteres interessantes Erlebnis bot eine Gruppe von jungen Menschen, von denen gut die Hälfte mit einer Flasche Bier bewaffnet war, sie schickten ihre restlichen Mitstreiter/innen vor, um nachzufragen, ob man das mit ins Restaurant nehmen dürfe. Also, manche Menschen haben doch wirklich einen Schatten, oder? Sie durften übrigens wohl nicht.

Nach dem Essen lief ich noch zu einem Supermarkt, um mich mit Keksen zu versorgen, dann fuhr ich mit der Straßenbahn zum Hotel zurück. Ich hatte in der Nacht nicht so gut geschlafen und war inzwischen todmüde! Morgen starte ich dann nach dem Frühstück mit einer Hop-On-Hop-Off-Tour, ich hoffe ihr seid dabei und hoppt alle mit!

Viele liebe Grüße aus Dresden von Eurem Gerry


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