Ihr Lieben,
zwei Wochen bin ich schon wieder im Land; das reicht, um alle Erholung abbröckeln zu lassen. Es geht ja schon los mit diesem Wetter. Während andere über Schnee jubeln, bekomme ich das kalte Grausen. Ich hasse Winter. Kalt, nass, grau, dreckig.
Nachdem ich jetzt wieder ausreichend davon habe, investiere ich die meiste Zeit natürlich in die Wohnungssuche. Man liest ja viel vom heißumkämpften Wohnungsmarkt, aber ich habe in meinem Größenwahn gedacht, ich sei nicht betroffen. Ich bin ja schließlich gesittet, habe einen Job, bei dem Vermieteraugen glänzen, eine astreine Schufa-Auskunft… ich bin quasi ein Schwiegermuttertraum der Haus- und Wohnungsbesitzer. Ach, Unsinn, weit gefehlt. Auch ich stehe dann in einem Pulk von 200 Menschen, die alle eine kleine Wohnung besichtigen wollen. Da habe ich keinen Nerv zu, tottrampeln lassen kann ich mich auch auf dem Oktoberfest oder beim Kölner Karnevalsauftakt; und da geht es wahrscheinlich lustiger zu.
Dazu kommt die ausschweifende Phantasie in manchen Inseraten. Ein herrlicher Ausblick? Ja, auf eine Müllkippe! Die zum Träumen einladende Dachterrasse? Ja, wenn man denn einen Austritt in der Größe eines Gästehandtuchs „Terrasse“ nennen mag. Und nein, liebe Vermieter: Nadelfilz ist keine „behagliche Auslegeware“!
Naja, zwei, drei ganz passable Wohnungen hatte ich auch dabei, eine allerdings direkt an der zweitmeistbefahrenen Straße Kölns (da hilft auch kein Schallschutzfenster), zwei andere mit winzigen Küchen, was für einen Hobbykoch schon ein No Go ist. Aber die Suche geht weiter, ich habe ja noch Zeit. In meinem Kündigungsschreiben wurde übrigens auch eine Umzugsbeihilfe in Aussicht gestellt, auf Rückfrage hieß es dann, jahaaa, wenn ich auf der Intensiv läge und nicht umzugsfähig wäre. Auch will man sich mit Mietzinsreduzierung in der Überbrückungsphase (z.B. Renovierung der anderen Wohnung) nicht anfreunden. Ehrlich? Der Rauswurf krempelt mein ganzes Leben um und dann null Entgegenkommen?! Ich bin versucht, aus lauter Frackigkeit doch mal meine Rechtschutzversicherung zu bemühen, immerhin hat der Sohn ja eine Bleibe und daher keine Not. Aber ich bin ja „leider“ nicht so gestrickt.

Die Arbeit hat mich natürlich auch wieder. Was soll ich sagen: Ich brauche sie nicht, um glücklich zu sein. Ich brauche nur das Gehalt. 🙂 Aber ich will fair sein, im Moment ist es ziemlich ruhig. Nur der Arbeitsweg ist die Pest! Die beiden linksradikalen Gören Schneeflöckchen und Weißröckchen besetzen die Schienen der Straßenbahn und schon geht nichts mehr. Ich bin zu einer Wohnungsbesichtigung, ich hatte Kulanz von 20 Minuten eingeplant, 20 Minuten zu spät gekommen. Die KVB sind die 11. biblische Plage!
Ich habe natürlich auch wieder ein paar Sachen gekocht, aber nichts so dramatisch schwieriges oder besonderes, dass es einen eigenen Eintrag in der Kochecke würdig gewesen wäre. Ich habe das Boeuf Bourgignon noch mal gemacht, ich habe Lachs auf Chicorée-Gemüse gebrutzelt und Huhn mit Knoblauch und Kartoffeln gebraten.



Was ich aber mal anders gemacht habe: Meine Orangenmarmelade. Diesmal wollte ich eine bittere und habe ein Rezept von Ines Bitsch auf Youtube befolgt. Ich sage Euch, das ist eine zwar zeitlich aufwändige, aber auch tolle Methode: 2 mal 2 Stunden kochen die Orangen und das Ergebnis schmeckt toll! Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=GWu7dxijonM



Verabredet war ich auch mehrmals, aber die meisten Treffen sind geplatzt. Schneeflöckchen und Weißröckchen lösen ja inzwischen immer sofort Katastrophenalarm aus, der sich dann nicht bewahrheitet. So blieben einige Besucher dann zuhause, obwohl es eigentlich unnötig war. Ich vermute, dass diese Panik ausgelöst wird, weil sich die entsprechenden Stellen denken, lieber zu laut geschrien, als zu leise gewarnt. Ist ja auch verständlich, wird aber über kurz oder lang so ausgehen, wie mit dem Kind und dem Wolf, der aus dem Wald kommt…
Heute dann habe ich mal wieder für Kultur gesorgt. Ich chatte seit einem Monat mit einem netten Mann in Düsseldorf und heute haben wir uns dann auch mal getroffen. In der Kunstsammlung Düsseldorf zur Ausstellung „Queere Moderne“. Das war schön und sehr interessant kuratiert. Auch haben wir dann noch die ständige Sammlung angeschaut. Da sind dann Dinge dabei, die ich nicht verstehe, aber auch wertvolle und bekannte Stücke von Kirchner, Grosz, Chagall, Picasso, Baselitz und und und. Ein Raub würde sich hier definitiv lohnen! Ich habe mir einen kleinen Léger mitgenommen, ich hoffe, das fällt nicht auf. Nein, Quatsch!!! Ja, und das Treffen war auch nett, wir haben dann noch ein Weinlokal besucht und sehen uns wohl auch wieder.







Ja, zu guter Letzt habe ich noch eine Reise gebucht, über Karneval. Ich habe so gar keine Lust, schon wieder mit dem in Köln gelassenen Dom oder dem gehenden Trömmelsche dauerberieselt zu werden. Das macht mich fast aggressiv. Daher fahre ich auf abenteuerlichen Wegen nach Slowenien und dann in die Slowakei. Meine Länder 73 und 74 nach konservativer Zählweise. Da werdet Ihr dann spätestens in dreieinhalb Wochen drüber lesen können. Vorher kommt aber bestimmt noch der ein oder andere Schnipsel ins Haus geflattert.
Liebe Grüße, Euer

P.S.: Meine kapverdischen Schmetterlingsbilder sind gerahmt und ich finde, sie sehen gut aus:
