das Hotel in Rüdesheim war ganz schön, nämlich ganz schön grenzwertig. Laut, vergilbt, unkomfortabel, muffig. Die Bewertung „gerade noch so hinnehmbar“ (wegen des dann doch günstigen Preises) konnte nur durch das gute Frühstück im Nachbarhotel der gleichen Kette abgewendet werden. Aber noch einmal? In diesem Leben eher nicht. So schlecht geschlafen habe ich lange nicht mehr.
Nach dem Auschecken galt mein erster Besuch DER Destillerie am Ort. Hier wird nämlich aus dem Geist des Weines Schnappes gebrannt, aus dem auch DIE Spezialität des Ortes hergestellt wird: Rüdesheimer Kaffee. Jetzt ist es so, dass ich abends keinen Kaffee trinken mag und morgens keinen Weinbrand. Für mich ist diese Erfindung also eher nix. Ich erstand ein paar flüssige Souvenirs – nicht wissend, ob ich sie überhaupt mag – und nahm wieder einmal eine Fähre ans andere Ufer. Diesmal natürlich eine ungleich größere als in Boppard, da die Strecke Rüdesheim-Bingen stark frequentiert ist.
Mein Plan war, auf dem Heimweg noch ein paar Perlen des Mittelrheintals mitzunehmen. Die gesamte Gegend von Bingen bis Koblenz ist seit 2002 Weltkulturerbe. Alles an einem Tag wäre unmöglich zu bewältigen gewesen, daher pickte ich mir ein paar Rosinen heraus. Hinter Bingen hielt ich das erste Mal und versuchte, Blicke auf den Mäuseturm und die „dahinterüberliegende“ Burgruine Ehrenfels zu erheischen. Leider lagen die Bahnstrecke und – ungeheuerlich!! – Grünzeug dazwischen. Aber ich erspähte genug.
Stopp Nummer 2 war dann Bacharach. Dieses reizende Örtchen ist nicht etwa nach dem Kompositionstitan Burt Bacharach benannt, es verhält sich eher umgekehrt. Es ist wirklich hübsch dort und ich könnte mir auch mal einen Übernachtungsstopp dort vorstellen.
Von Bacharach ging es weiter nach Oberwesel. Das war dann eher uninteressant im Gegensatz. Immerhin gibt es einen Hufeisenabdruck des Teufels auf dem Marktplatz und eine begehbare Stadtmauer, die ich ein bisschen entlang dackelte.
Der TeufelDer Urnarr
Es folgte St. Goar, mit Blick auf St. Goarshausen. Auch sehr schön! Man blickt auf die eigentlich eher unspektakuläre Loreley (alles im Ort wirbt auch irgendwie damit), auf den Schwesterort, kann durch Gassen lustwandeln… Rheinromantik pur. Auch hier ist ein längerer Aufenthalt denkbar. Ich kaufte ein, wie sollte es anders sein, Loreleybrot nach Rezept aus dem Mittelalter. Und ein St. Goar-Brot nach Rezept des gleichnamigen Mönchs. Letzteres ist natürlich Unsinn! Ganz in der Nähe thront die Burg Rheinfels über der Szenerie, da fuhr ich dann auch noch kurz vorbei, um Fürstens Tach zu sagen. Aber die Hohenzollern bekamen die Burg bei Gericht nicht wieder zugesprochen, so dass sie nicht anwesend waren.
Und dann hatte ich einen Rheinromantik-Zuckerschock. Und Blasen an den Füßen. Daher ritt ich mit Cora in einem Rutsch zu meiner Feste zurück. Cora überschritt dabei die 160.000er-Grenze. Glückwunsch, alte Lady!
Fazit? War alles sehr schön, die Tour kann man eigentlich genau so nachreisen. Nur mit einem anderen Hotel in Rüdesheim und an nicht ganz so heißen Tagen. Coras Klimaanlage war machtlos gegen die Temperaturen. War schön, dass mich wieder einige von Euch begleitet haben. Bis zur Lutherreise, gelle?
Alles Liebe, Euer
Der Autor auf dem Weg nach BingenHaben Sie Schiss vor Ihrer Verantwortung als Eltern? Change your Baby! Sie können auswählen zwischen einer Kiste Wein oder aber einem Familienticket für eine Loreley-Fahrt.
das Frühstück war ganz okay und nach einem tränenreichen Abschied… ach, das hatten wir ja schon! Ich hatte den bopparder Sessellift auf der Agenda. Und das, obwohl ich unter Höhenangst leide. Aber wat mutt, dat mutt, sacht der Hamburger. Ich war fast der Erste vor Ort und fragte – ich wusste ja nicht, ob ich die Bergfahrt ohne psychische Störungen überstehen würde – nach einem Fußweg ins Tal. Ja, gäbe es, sehr steil und mühsam bzw. leicht und mehrere hundert Kilometer lang. Ich entschied mich für das Rückfahrticket.
Seilbahn, das muss man sich mal vorstellen. Mehrere tausend, meist übergewichtige Menschen hängen mit Tonnen von Stahl in Form von aufgehängten Sitzgelegenheiten an EINEM Seil. Und das seit 1954. Da muss das Seil doch mal müde werden. Also, ich wäre schon erschöpft. Da wäre es doch gar nicht unwahrscheinlich, dass es heute … Augen zu und durch. Manchmal die Augen aber auch wieder auf. Man hat ja für den Ausblick mitbezahlt. Und der ist spektakulär. Und gerade, wenn man denkt, oh, da ist die Bergstation, entpuppt sich das als Schwindel und es ist nur eine Kuppe vor weiteren tiefen Schluchten. Nun, wie durch ein Wunder habe ich es überstanden.
Oben gibt es dann wunderbare Aussichten. Den Gedeonseckblick über die größte Rheinschleife und den Vierseenblick, wo der Rhein durch die Hügel und Kuppen quasi in Stücke gehackt wird, so dass es wie eine Seenlandschaft anmutet. Spektakulär! Spektakulär auch das 12-jährige Kind im Sessellift vor mir, das das ganze Rheintal mit seinem hysterischen Gekreische unterhielt. Auch auf den Wanderwegen. Die Mutter so: „Lucas-Blue-Rainchild, ich habe Dir doch erklärt, dass das gerade nicht umsetzbar ist….“ Noch Fragen?
Die Talfahrt war um einiges schrecklicher als die Bergfahrt, da die Tiefen noch tiefer aussahen als tief. Ich wurde aber immerhin ein paar Minuten vom Schrecken durch ein Telefonat mit Hubsi abgelenkt, der freundlicherweise für mich verderbliche Ware aus der Packstation abholen sollte und nun den Code benötigte. Aber es lohnt sich trotz der tausend Tode.
Wieder im Tal angekommen, navigierte ich mich zum berühmten Römerkastell, einer der Topattraktionen Boppards. Was soll ich sagen? Unspektakulär, aber vielleicht habe ich da nicht den Kennerblick für. Da ich aber eine Parkbucht ergattert hatte, die zentrumsnah lag, lief ich nochmal zum Kirchplatz, wo es einen Weinladen gibt. Der dem Schwiegersohn vom Mann im Souvenirladen gehört, der aber im Fahradverleih des Bruders zu tun hatte, der sich um die Apartments der Frau kümmerte. Oder so ähnlich. Aber irgendwann wurde der Laden für mich aufgeschlossen und ich erstand ein paar örtliche Edeltropfen, zumindest der Schlussrechnung zufolge.
Das ist natürlich nicht die Fähre, das ist unser gestriges Ausflugsboot, gut besucht, wie ich meine…
Ab ging es dann zur Fähre. Das ist unter anderem deswegen abenteuerlich, weil wegen des Niedrigwassers der Steg-zum-Boot-Winkel absurd „steil“ ist. Man muss außergewöhnlich vorsichtig auf und wieder abfahren. Mir gelang es natürlich dennoch, dass Cora hinten aufsetzte. Die Strecke den Rhein lang ist wunderschön! Man wird richtig heimatbesoffen. Zwischendurch hielt ich auch mal an, um einfach nur zu staunen. Burgen, Schlösser, Kirchen, Klöster. Und die Landschaft. Ein Träumchen. Spektakulär passt auch hier.
In Rüdesheim angekommen kurvte ich erst einmal für einen freien Parkplatz herum. Hier ist doch so einiges los! Ich wurde fündig, musste aber ein Jahresgehalt an Münzen in den Parkautomaten werfen, um bis morgen dort stehen bleiben zu dürfen. Das Hotel ist weniger charmant als das in Boppard und das Zimmer ist ein… Einzelzimmer… Ich hatte kurzfristig gebucht und die Auswahl war nicht so groß. Aber ich werde auch das überleben, da es jetzt nicht winzig ist und trotz angestaubten Charmes sauber.
Ich machte mich auf zu einer Kurzbesichtigung des Örtchens. Es ist nett hier. Im positivsten Sinn des Wortes. Bisschen kitschig, bisschen touristisch, bisschen voll, bisschen altbacken. Die Schnitzereien über „Wein, Weib und Gesang“ und „die schönen Rüdesheimer Mädchen“ stammen aus einer anderen Welt in einer anderen Zeit. Ich suchte die Seilbahnstation und wurde schnell fündig. Rüdesheim ist nicht soooo groß.
Seilbahn? Hat der sie noch alle? Ist der Maso? Los, holt den Mückenstichbrenner! Zur Erklärung, diese hier ist viel harmloser als der Sessellift. Man sitzt in offenen Kabinen und sieht den Abgrund nicht so gut. Leider hat mir Erika erzählt, dass dort kürzlich viele Menschen viele Stunden festsaßen und durch Bergretter abgeseilt werden mussten. Heißa! Aber dennoch war mir weniger mulmig. Oben am Berg lief ich dann zur Monumentalskulptur „Niederwalddenkmal“, das an die Reichsgründung 1871 erinnert. Man hat dort spekta…. was? Wieso denn inflationär? Ich darf so oft spekta…. Nicht? Na dann: Man hat echt tolle Fernsicht den Rhein rauf und runter.
Wieder mit der Seilbahn über die wunderschönen Weinberge ins Tal. Dort suchte ich mir dann mal ein schattiges Eckchen und erlaubte mir ein Bier (waren es gar zwei?), schrieb mein Tagebuch für gestern und gab mich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Extremglotzing, hin. Das Publikum hier ist international. Pakistaner, Amerikaner, Franzosen, Chinesen, Japaner, Araber, Russen, Engländer und sehr viele Niederländer. Rüdesheim scheint ein touristischer Hot-Spot in vielen Reiseführern zu sein. Ich lief dann noch durch die berühmte Drosselgasse, eine Gasse weiter wieder hoch und gedachte, die Winzerbahn, eine Bimmelbahn zu nehmen. In glühender Hitze stand ich an der Haltstelle und die verspätete Bimmelbahn…. fuhr an mir vorbei. Ja, hätte ich mich auf die Straße werfen sollen? Hm. Sie war aber auch brechend voll.
Die gewonnene Zeit verbrachte ich mit einer Weinverkostung auf dem Marktplatz. Riesling ist ja hier die vorherrschende Traube. Nicht immer so meine. Hat sich bestätigt. „Der 2018er ist absolut säurearm!“; „Ja, ist der denn noch nicht um?“; „Nee, auf keinen Fall!“. Naja, de gustibus non est disputandum. Ich fand das Tröpfchen plörrig. Da es Zeit für die Abendplanung wurde, eilte ich in mein schnuckeliges Zimmerchen zurück und machte mich tischfein.
Meine Wahl fiel auf einen Italiener… Moment, schon wieder?… Jaja, der ist mir auf meinen Ortsrundgang aufgefallen, da er gegrillte Dorade anbot. Da hatte ich Lust drauf. War auch lecker. Statt Kartoffeln und Rahmspinat (wer lässt sich so etwas einfallen bei dieser Hitze?) aber mit Salat. Zwei Abende jetzt im heimischen Weingebiet italienische Weine. Grmpft. Gestern übrigens gegen Myriaden von Wespen gekämpft, heute Fliegen.
Jetzt sitze ich mit einem leichten roten Italiener aus dem Netto auf dem Hotelzimmer (herrjeh!), da passt lauwarm besser zu als zu weißem, und schreibe diese Ergüsse. Es ist stickig, es ist laut (oben übt jemand wandern in Holzschuhen, von der Burg schallt die Musik eines Benefizkonzerts einer Coverband herüber, auf der Straße laufen ausreichend Beschwippste mit der einhergehenden akustischen Präsenz vorbei) und ich vermisse meine Veranda. Wenigstens gibt es hier auch ausreichend Bahnverkehr. Der übertönt ein bisschen was.
Morgen geht es zurück in die Heimat, ich werde auf dem Weg aber womöglich noch ein oder zwei Stops einlegen. Bingen sieht von hier aus wenig interessant aus, aber Bacharach oder Oberwesel könnten einen Abstecher wert sein.
Vielleicht also bis morgen. Bleibt lustig. Euer Gerry
Der Autor versucht angestrengt, klug dreinzublicken. Mit Erfolg?Rheinhessischer Frohsinn
P.S.: Gerade wird „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen…“ gekrei… äh, intoniert. Das Publikum tobt. Sach ja, ist irgendwie ein Zeitensprung.
was mache ich in Boppard? Was soll das bedeuten? Die Auflösung ist einfach: Erika ahnte in ihrem Kommentar zu meinen Bifteki, wohin meine nächste Reise geht, weil sie selbst mich dorthin eingeladen hatte. Sie wollte dort mit ein paar Freunden ihren (Zahl unleserlich) Geburtstag mit einer Schifffahrt zur Loreley und zwei Restaurantbesuchen feiern. Ich sagte natürlich sofort zu. Essen für umme und Bootsfahrt? Klar doch!
Eigentlich wollte ich mit dem 9-Euro-Ticket nach Boppard, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Da am Abend zuvor Stammtisch war, kam ich morgens nicht aus den Federn und in die Puschen. Da es aber schon mittags den ersten Termin mit Erika, Udo und Ike gab, fuhr ich kurzerhand doch mit Cora. Das erwies sich später als gute Idee, konnte ich so doch auch ein paar Flaschen Wein aus der Gegend mitbringen. Mit dem Zug wäre das sehr umständlich geworden.
Fast zeitgleich kamen wir alle im Hotel zur Fähre an. Parken quasi vor der Haustür für 4 Euro am Tag (!!!). Wo gibt es noch solche Preise? Ich hatte schon vor Wochen ein Deluxe-Zimmer gebucht, ich hasse winzige Einzelzimmer. Ich wurde zwar in ein Doppelzimmer geführt, aber das war jetzt nicht wirklich groß. Ob das denn das Zimmer mit Veranda sei, wollte ich wissen. Oooops, da müssen wir tauschen, bekam ich zur Antwort. Leider stellte sich heraus, dass das Geburtstagskind und ich vertauschte Zimmer hatten. Daher tat es mir um so weher, sie rauszukomplimentieren. Geburtstag hin oder her. 12 gegen 29 Quadratmeter ist mir keine Freundschaft wert. Aber im Ernst, Erika trug es mit Fassung, hatte sie doch ein Schnäppchen-Zimmer ergattert.
Nach einer kleinen Erfrischung auf der Hotelveranda erkundeten wir im Schnelldurchgang den Stadtkern, um dann im Restaurant Schnuggel-Elsje, einem Fachwerkhausitaliener mit typisch-italienischem Restaurant-Namen, einzukehren. Das war ganz nett, wir saßen an der St.-Severus-Basilika, guckten uns das Treiben auf der Straße an und tranken auf Erikas und unsere Gesundheit. Und da wir ja alle in einem gewissen Alter sind und hier und da Malaisen haben, mussten wir viel trinken. Also, auf die Gesundheit. Mich plagten zudem vier fette Mückenstiche am Ellenbogen, die Erika sofort mit einem elektrischen Heißstift, der speziell dagegen resp. dafür entwickelt wurde, behandeln wollte. Sie tat das mit einer gewissen Begeisterung, obwohl es eher unangenehm und schmerzhaft war. Die anderen glucksten ob meiner kleinen spitzen Schreie auch vor Vergnügen. Habe ich Sadisten als Freunde? Ich fürchte, ja…
Um 15:30 Uhr enterten wir unser leicht verspätetes Ausflugsboot Richtung Loreley. „Erst aussteigen lassen!“ befahl uns ein Schild am Anleger. Und dann schwappte uns eine schier endlose Schlange geriatrischer Fälle entgegen. Wir haben den Altersdurchschnitt in Boppard definitiv gesenkt. Wahrscheinlich gibt es zu wenige Instagramm-Storys und Tiktok-Videos von Boppard. Was wir aber schön fanden, wir fühlten uns auf einmal so jung. Eingestiegen sind dann nur wenige, so dass wir einen schönen Halbschattenplatz ergatterten, wo wir liebevoll mit Getränken umsorgt wurde. Nur wegen der Gesundheit natürlich, nur wegen der Gesundheit.
Die Fahrt ist toll! Der glitzernde Fluss, die grünen Hügel, die Weinberge, die Burgen, die malerischen Orte mit viel Fachwerk. Und das vom Boot aus. Ich nehme an, inzwischen ist bekannt, dass es für mich keine schönere Fortbewegungsart gibt, als Boote und Schiffe? S’ist so. Wir waren alle durch die Bank weg begeistert. Zweieinhalb Stunden hat die Fahrt gedauert und wir haben jede Minute genossen. Eine prima Idee von Erika.
Wir liefen nach der Rückkehr noch einmal durch den Ort, unser Ziel war vor allem die Kirche, aber auch eine Drogerie. Jeder hatte etwas zu Hause vergessen, ich meine Lesebrille. Ohne bin ich des Lesens nicht mehr mächtig. Die Kirche ist innen sehr sehenswert, wir landeten auch mitten in einer liturgischen Handlung, einem schrägen Wechselgesang zwischen Priester und Gemeinde. Gibt es bestimmt einen Ausdruck für. Die Kirche ist spätromanisch, das ist m.E. ein wirklich schöner Baustil.
Nach einer gegenseitigen Zimmerbeschau (ich weiß, warum ich keine Einzelzimmer mehr buche, soweit es geht) und Frischmachrunde im Hotel eilten wir zum nächsten Event: Dem Italiener mit Weinlaubveranda und Rheinblick. Das Restaurant heißt sinnigerweise Corona. Hieß es auch zuvor schon. Wir hatten einen tollen albanischen Kellner. Es könnte jetzt wieder eine Tirade über die Kundenorientierung kölnischer Bedienungen folgen, aber wofür wäre das gut? Zumal es in der Stadt einfach an gastronomischem Personal mangelt, da muss man nehmen, was man kriegen kann.
Ausklingen ließen wir den Abend dann auf meiner Veranda, ich hatte in der Drogerie noch einen schönen Syrah-Rosé gekauft, und Ike hatte auch noch einen Weißwein mit. So haben wir in bester 80-Jahre-Manier (sprich unsere Jugend) warmen Wein aus Zahnputzbechern gepichelt.
Alles in allem ein wunderbarer Tag.
Das Frühstück war dann auch okay und nach tränenreichem Abschied setzte ich meine Reise Richtung Rüdesheim fort und die anderen fuhren wieder nach Hause. Was dann geschah? Gruseliges, Ihr Lieben. Gruseliges! Aber lest selbst im nächsten Beitrag.
nein, es handelt sich weder um eine neuentdeckte Hummelart noch um ein Schimpfwort für beleibte Menschen wie mich. Es ist Pflaumenkuchen auf Rheinländisch. Es gibt ja wirklich nette Namen für Pflaumenkuchen in den verschiedenen Regionen. Quetschichplötzn, Zwäschgndaatschi, Quetschekoche. Letzteren isst man in der Pfalz gerne mit Grumbeersupp, also Kartoffelsuppe. Ich bin ja sehr für solche Experimente zu haben, hier gibt es aber heute nur einen einfachen Rührkuchen mit Pflaumen.
150 gr. Backmargarine schlage ich mit 150 gr. Zucker und einem Tütchen Vanillezucker schaumig auf. Nach und nach gebe ich zwei Eier dazu. 250 gr. Mehl verrühre ich mit einem halben Tütchen Backpulver und einer Prise Salz und gebe diese Mischung wieder nach und nach zum Rührteig. Zum Schluss hebe ich einen kleinen Becher Crème fraîche unter und gieße den Teig in eine große Springform. Die gewaschenen und entkernten Pflaumen stecke ich dann in diesen Teig rein.
Ab in den vorgeheizten Ofen für 50 bis 60 Minuten bei 180°C Ober-/Unterhitze. Stäbchenprobe machen, um den Garzustand zu prüfen. Den fertigen Kuchen aus dem Ofen nehmen, sofort mit einer Zimt-Zuckermischung bestreuen und auskühlen lassen. Ich liiiiebe eine Menge Schlagsahne (aka Obers) dazu!
Geht auch als Kastenkuchen, sieht dann aber nicht so gut aus
heute gibt es mal wieder etwas griechisch angehauchtes. Mit Feta gefüllte Bifteki.
Das Hackfleisch bereiten wir wie folgt zu: Eine kleine Zwiebel in Würfelchen schneiden, drei Zehen Knoblauch darauf pressen. Würzen mit einem EL Oregano, je einem TL Zimt, Zucker, Kreuzkümmel, Salz, Pfeffer und Chili. 4 EL Semmelbrösel drauf, zwei Eier hineinschlagen und alles schön vermengen. Jetzt mit dem Hackfleisch (bei mir 600 gr.) gut durchmischen. Zur besseren Formbarkeit kommt das Fleisch wieder für eine halbe Stunde in den Kühlschrank.
Die Ursuppe
Jetzt folgt die Bastelstunde: Wir teilen einen Fetablock in 12 Teile und essen vier davon, um sicher zu gehen, dass es sich um gute Qualität handelt. Jetzt wiegen wir die Hackmasse und teilen sie in acht etwa gleiche Portionen auf. Je einen Hackballen formen wir um ein Fetarechteck. Die Frikadellos ellenikos braten wir dann von jeder Seite in gut erhitztem Olivenöl (NICHT zu hoch, sonst kommt wegen der Rauchentwicklung womöglich die Tatütata) für jeweils 2 Minuten an und spedieren die Bifteki dann in eine Auflaufform, die wir für 20 bis 25 Minuten in den auf 180°C vorgeheizten Ofen schieben.
Die Zwiebelwürfel sind heuer etwas grob ausgefallen…. 🙂
Schon fertig. Und soooo lecker. Dazu passen kalorienarme Pommes mit fettfreier Mayonnaise und ein Choriatiki. Das ist neunmalklug für griechischen Salat.
Kali orexi!
P.S.: Das 9-Euro-Ticket muss sich mal von mir erholen. Aber die nächste Reise kommt eher als vielleicht gedacht….
wie immer habe ich viel zu viel Blätterteig im Kühlschrank, der muss doch auch mal für was Neues gebraucht werden. Daher gibt es heute Blätterteig mit Kakao-Frischkäse-Creme und gehackten Mandeln.
Die Schokocreme rühre ich aus 100 gr. Frischkäse, 2 EL Kakao und Puderzucker nach Gusto (bei mir 3 EL) an, 1 halber TL Vanilleessenz und eine Messerspitze Zimt kommen auch noch in die Masse. Den fertigen Blätterteig teile ich in zwei Hälften, bestreiche eine mit der Creme und lege die andere Hälfte darüber. Von diesem Viereck teile ich acht Streifen ab, die ich in sich verdrehe und dann zu einer Schnecke rolle. Die Schnecken kommen auf ein Backblech, werden mit einem verquirlten Eigelb bestrichen und mit gehackten Mandeln bestreut.
Für 20-25 Minuten in den auf 200°C vorgeheizten Ofen. Fertig. Nach dem völligen Auskühlen kann eine kleine Prise über das Gebäck gesiebter Puderzucker nicht schaden.
das Hotelzimmer ist zwar ein wenig altbacken eingerichtet, aber sehr sauber und gemütlich. Ich habe sehr gut geschlafen. Vom Frühstück war ich anfangs etwas enttäuscht, bis ich merkte, dass ich gar nicht gezwungen war, das Rührei in Bauschaumkonsistenz oder die hartgekochten Eier, bei denen das Eigelb schon grün, war zu essen. Man konnte prima gesondert Eierspeisen bestellen und Kaffeespezialitäten hätte es auch noch gegeben. Alles in allem ist alles für einen guten Start in den Tag vorhanden.
Nach dem Auschecken machte ich mich zu einer kleinen Wanderung auf. Dabei begegnete ich dem Burgesel, sowie einigen Pferden. Ich kann Eseln scheinbar gar nicht mehr entkommen. Die Wanderung führte an Ententeichen vorbei, durch einen schönen Wald, wo man zwischen den Bäumen ab und zu einen Blick auf die Burg erhaschen konnte, über die Bigge bis nach Attendorn, wo ich die Atta-Höhle besuchte, so benannt nach der Fürstin Atta, die auch Namensgeberin von Attendorn ist. Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich war in der ersten Gruppe!
In der Atta-Höhle selbst sind Fotografieren und Filmen verboten. Aber es gibt genug Bildmaterial im Internet, so dass ihr euch dort einen Eindruck verschaffen könnt. Sie ist schon extrem sehenswert! Bei kühlen 9 Grad liefen wir die zehn Hauptkammern entlang und wurden durch einen ortskundigen Führer begleitet, der alles lehrreich und unterhaltsam erläutert hat. Beinahe hätte ich den Souvenirladen leergekauft, aber mir fiel rechtzeitig ein, dass ich keinen Hasen aus Onyx und auch keine Käsespezialitäten aus der Höhle benötigte.
Im Anschluss schaute ich mir das Zentrum von Attendorn an. Unspektakulär nett. Der Höhepunkt ist der Sauerländer Dom, der Mittelpunkt des recht geschäftigen Zentrums. Ohne jemanden auf den Schlips treten zu wollen: gäbe es nur dieses Zentrum, müsste man nicht nach Attendorn fahren. Aber: Neben Burg und Höhlen gibt es als dritte Attraktion die Biggetalsperre. Dort führte mein nächster Weg hin.
Ja, was soll ich sagen, ein Stausee. Finde ich immer sehr hübsch. Auf jeden Fall könnte man länger mal hier in der Gegend bleiben, auf dem Stausee Bötchen fahren, ein paar Wanderungen unternehmen, Museen gibt es auch noch.
Dann wurde es Zeit, Richtung Heimat zu fahren! Es folgt ein weiterer Traktat über die Deutsche Bahn. „Herrjeh!“, stöhnt da der sonst geneigte Leser, aber es muss sein. Liebe Bahn, GEHT DOCH! Ich durfte sogar einen Teil der Strecke mit einem IC fahren, bis die Zugleiterin durchsagte, die 9-€-Ticketler müssten in Letmathe jetzt den Zug verlassen. Es stieg eine bemerkenswerte Gruppe an Personen aus. Bemerkenswert nicht wegen der Zahl, sondern wegen des enorm hohen Partypegels. Ich sprach zwei – wie sich später herausstellte – Norweger an, die begeistert seit Wochen durch Deutschland pesen. 9 Euro für Transport und der Alkohol für ihre Verhältnisse extrem billig. Norwegische Zeitungen haben in vielen Artikeln anscheinend diese Art „Schnäppchenurlaub“ angepriesen. Ich googelte später mal, das hat man in vielen Ländern getan. Mich deucht, die Aktion bringt eine Menge ausländischer Touristen hierher, die sonst kein Interesse an unserem Land gehabt hätten. Finde ich gar nicht mal so schlecht.
Also, dieser kleine Ausflug war sehr schön. Und ich habe heute noch einen schönen Abend daheim vor mir, sowie einen völlig entspannten Sonntag. Natürlich macht eine Übernachtung es teurer, aber man muss ja nicht immer in einer Burg nächtigen und dort das ganze Menü einmal rauf und wieder runter fressen.
Bis zur nächsten Tour grüßt euch euer
Sogar einen Milchwanderweg gibt esDas wäre eine Hotelalternative direkt an den Höhlen. Ach, ich hab alles richtig gemacht.
„Da hat der Gerry sich aber mal was vertippt, hehe!“ kichert jetzt der geneigte Leser. Ich schmettere ihm entgegen: „Keineswegs, denn ich habe auch noch die Übernachtungskosten eingerechnet.“, nicht wirklich erkennend, dass dies bar jeder Logik ist. Vielleicht habe ich ja doch das Potenzial zum Politiker.
Wer den kleinen Ausführungen auf dieser Seite folgt, wird sich vielleicht an meinen misslungenen Besuch der Attahöhlen erinnern. Der ja nicht stattgefunden hat. Weil der Nahverkehr beliebte, sich bestellen zu lassen, was ich versäumt hatte. Da ich so etwas ja nicht ahnen konnte. Also nun, zweiter Versuch.
Was, wenn ich einfach anders führe? Was, wenn ich freitags nach der Arbeit aufbräche? Und wenn ich dann übernachtete in Attendorn, um am frühen Morgen der erste Besucher der Höhlen sein zu können. WAS FÜR EINE DÄMLICHE IDEE. Du und früh aufstehen. Gerry, nimm mal wieder Deine Medikamente, Du bist so merkwürdig! Kurz mal Hotels checken. Ohhhh, Burg Schnellenberg hat noch ein Zimmer frei. NEIN! Mit Frühstück. Und Ausblick! NEIN! Ist ne Burg! Immer noch NEIN! Boah ey, ne Burg! Meine Güte, aber nur dieses eine Mal.
In der Mittelstufe hatte ich mal einen Mitschüler, der von allen ein bisschen gehänselt wurde, weil er aus dem Sauerland kam. „Sauerland“, das fanden rheinländische Präpubertierende komisch. Und er sprach seinen Heimatort so gar nicht wie wir aus. Attendoahrn. Atten-do-aan. Man kann es gar nicht schriftlich wiedergeben. Und er sagte Sachen wie Kiarsche oder Biarne! (wer weiß es?) Aber seitdem denke ich, wenn ich Attendorn höre oder lese, immer an diesen sehr lieben Klassenkameraden. Sagt man das heute eigentlich noch? Klingt so ein bisschen antik. C., wie geht es Dir?
Kurz nach der Buchung meines hochherrschaftlichen Gemachs auf der Burg bekam ich eine Nachricht des Hotels. Ob ich denn abends im Restaurant zu speisen wünsche? Ich schaute mir das online an. Hui. Edel. Und Puh. Ich wollte ja jetzt nicht meinen Konfirmationsanzug einpacken. In den ich zugegebenermaßen auch gar nicht mehr passen würde. Womöglich wäre der viel zu schlabbrig! Ich antwortete, ich käme gerne in Jeans und Pullover, ob das angemessen sei. Die Replik bekam einen mentalen Pluspunkt: Mein Outfit sei willkommen, man freue sich auf mich und man halte mir einen Tisch frei.
Gesagt, getan, geplant, gepackt. Am Freitag nach der Arbeit machte ich mich auf den Weg. Und da ich weiß, dass etwas schiefgehen wird, wenn etwas schiefgehen kann, brach ich eine Stunde vor meiner eigentlich ausgeguckten Zeit auf. Sorry für das Eigenlob, aber das war weise!
Man sieht es auf dem Foto vielleicht nicht genau: Aber der Waggon ist schon voll!
Es folgt ein kleiner Exkurs über die Deutsche Bahn. Ey, schon wieder???? Ja, es gibt einen kleinen unbeugsamen Gerry… äh… Also: Mit Coraflix, der tapferen Galli…. oops… Japanerin, wäre der kleine Wegwienix in knapp über einer Stunde am Ziel gewesen. Mit dem früher von mit hochgelobten Bahnbetrieb hätte ich – Attendorn ist für Köln scheinbar von nicht besonders anbindungswürdigem Interesse – zweieinhalb Stunden benötigt. Mit dem neuen Häuptling der Bahn, Daswirdnix, wurde das nix. Allein mit dem ersten RE brauchten wir von Köln bis nach Hagen 2 Stunden. Viermal blieben wir lange mitten im Nirgendwo stehen und wurden mit so sinnigen Bandansagen aufgeheitert wie „Es geht nicht weiter, weil es nicht weitergeht“ oder „Wir müssen gerade noch schnell mehrere Züge durchlassen, inklusive Weihnachtsexpress.“.
Beim Umstieg in Hagen Richtung Lennestadt-Grevenbrück ging dann auch erstmal nix. Man schickte für 382.038 Passagiere (ich hatte wegen der Verspätung ausreichend Zeit, sie zu zählen) einen (!) Waggon mit 4 Sitz- und 8 Stehplätzen. Die Lokführerin Gutemine machte ebensolche zum makabren Spiel, ließ sich die Beschimpfungen gefallen (Leute, als könne die was dafür!) und verwies auf Gleis 1, da gäbe es einen anderen Zug. Der war dann zwar auch voll, aber fast alle hatten einen Sitzplatz. Und dieser Zug fuhr dann pünktlich. Und ohne unbeabsichtigten Halt. Dafür hatten wir dann Posaunix an Bord, der allen seine Verschwörungstheorien näher bringen musste. Dass die Regierung mich töten will…. ja, ganz ehrlich? Da passieren schon so ein paar unglaubliche Dinge… Die Sache mit der geplatzten Semmelbröseltüte neulich z.B. Aber dennoch ging er (nicht nur) mir mächtig auf den Zeiger.
Ich war inzwischen so verspätet, dass ich keinen Regelbus mehr bekommen hätte. Wir erinnern uns an meinen ersten Attendornversuch? Bestellter Nahverkehr. Ich bestellte Nahverkehr, einen sogenannten Taxibus. Schon in Hagen. Man muss ahnen, wie eine Zugreise ausgeht. Der kam dann auch und nahm mich und einen seeeehr redseligen Einheimischen mit. Der Einheimische stieg schnell aus und ich musste mit meinem Navi den Taxibusler zur gewählten Haltestelle lotsen. Kannte er nicht, da wollte noch nie jemand hin. „Da soll ein Hotel sein?“ Als wir dann – bei guten Gesprächen – ankamen, brachte er mich, weil er noch Zeit hatte, bis zur Burg. Es wären sonst noch ca. 1 bis 2 km Fußweg gewesen. Ein Trinkgeld als Dank lehnte er ab. Also, das war ein total netter Zeitgenosse! Fast scheue ich mich, es zu sagen: Es war kein Biodeutscher. Es ist schon merkwürdig, dass man das Bedürfnis hat, es zu erwähnen.
Ich habe übrigens eine Theorie zur Entstehung des Namens Sauerland: Die ersten Siedler, die hier ankamen, waren schlecht gelaunt. Und so nahmen sie ihren Gemütszustand zum Anlass, das von ihnen gefundene Land entsprechend zu benennen. Jüngste Forschungen ergaben, dass alle diese Siedler mit der Deutschen Bahn angereist waren.
Burg Schnellenberg
Auf der Burg wurde ich wie Burggräfin Thusnelda persönlich empfangen. Es ist eine prächtige Unterkunft! TripAdvisor listet sie als Sehenswürdigkeit Nr. 3 in Attendorn. Nach dem „Biggeblick“ und den Atta-Tropfsteinhöhlen, die übrigens nichts mit Meister Proper zu tun haben. Das Zimmer ist groß und hat einen in die Jahre gekommenen Charme. Aber schön. Ich war überdies froh, dass ich den Platz im Restaurant gebucht hatte, denn nach der Tortur wegen Mitbahnnixalsverdrus hatte ich keine Lust mehr, noch nach einem Restaurant in Attendorn zu suchen.
So schlich ich einmal den Wanderwege A4 um die Burg herum, sage und schreibe 1,4 Kilometer, und kam früh auf der Restaurantterrasse an, um erst einmal ein Bierchen zu zwitschern. Und dann noch eins. Und dann konnte ich mich auf das nicht gerade niedrigpreisige Essen einlassen. Ich sach mal so, ich hab‘ es krachen lassen. Pannacotta von der Erbse mit allerlei Drumherum, Essenz von roter Bete mit Meerrettichschaum, Stör auf Kohlrabistampf und Vanilleeis mit Whiskeyschokoladensauce und Burgpflaumen. Die Erbse war okay, die Essenz eher nee, dafür waren aber der Fisch super und das Dessert prima. Alles begleitet von einer Burgedition eines interessanten Grauburgunders.
Der Editor zerschießt seit geraumer Zeit meine Bilder und Galerien. Inzwischen steht das Problem in ca. 382.038 Foren zur Diskussion. 🙁
Lästig waren auf der Terrasse nur die Myriaden von Wespen und die unglaublich vielen Kettenraucher. Ja, ich mache mir gerade wieder Freunde, aber die Wespen waren mir lieber. 🙂 (nur, als mal kurz eine mein Hemdeninneres erkunden wollte, war ich ein wenig hektisch. Zur Reha muss aber sie. Wespe! Ich rede von einer Wespe!)
Alles in allem bin ich froh, jetzt hier zu sein, ich wohne nett, hatte ein gutes Essen und kann ein bisschen ausschlafen und trotzdem früh in den Tropfsteinhöhlen sein, wo morgen bestimmt 382.038 Besucher mit dem 9-Euro-Ticket eintreffen werden. Aber eben erst mittags, so der Bahngott Tut-ench-wandan es zulässt.
Morgen berichte ich dann über die Hotspots Nr. 1 und 2 in Attendorn und meine vergnügliche, störungsfreie Rückreise mit einem gechartertem Helikopter.
es war so weit, Cora musste zur Prüfung, die zwei Jahre waren schon wieder einmal um. Ich befragte meinen Haus- und Hofmechaniker, Prof. Dr. G., ob er Cora durch die Prüfung begleiten würde. Er sagte zu meiner großen Freude zu. Ich solle sie für zwei Tage vorbeibringen, dann würde er vorher mit Ihr die Prüfungsthemen noch einmal durchgehen.
Schon zwei Stunden, nachdem ich sie vorbeibrachte, kam der erschütternde Anruf. Cora hatte sich offenbar überhaupt nicht vorbereitet. Ihre Kenntnisse in Bremsscheibenjustage, Kühlerzustand, Handbremsenzug und dergleichen fielen vernichtend aus. Herrjeh! Was tun? Ich bat um ein Repetitorium. „Ui, das wird nicht billig!“, war die Replik. Prof. Dr. G. nannte eine Zahl. Ich rief ihn zurück, als ich aus der Ohnmacht wieder erwacht war und hauchte ein Okay in den Hörer. Er beschied mir, es würde leider auch einen Tag länger dauern.
Der Unterrichtsstoff
Cora sei ein bisschen vernachlässigt worden. Aber er würde von einem Hinweis an die Autoschutzbehörde absehen. „Ich hab sie doch erst zwei Jahre!“ schluchzte ich, „Das kann doch jetzt nicht alles ich schuld sein.“ Aber ehrlich? Reifendruck einmal gemessen. Vor ein paar Wochen. Und da musste ich zwanzigmal mit dem Luftdings hin- und herrennen. Ölstand? Ja, habe ich schon mal gehört. Aber was ist das? Kühlmittel? Ja, gibt es in Kernkraftwerken! Ach, in Autos auch? Inspektion? Ja, kenne ich, da arbeitet doch Jacques Clouseau.
Naja, so bekam ich Gelegenheit, mal wieder KVB zu fahren. Die hatte ich ja, so gut es ging, seit Beginn der Pandemie gemieden. Leute. Was für eine Strafe Gottes! Okay, ist ja nix Neues, ich habe ja so meine ErFAHRungen. Aber es wird ja immer schlimmer! Abgesehen davon, dass die Mitpassagiere immer pöbeliger werden (dafür kann jetzt ausnahmsweise die KVB nichts), ist Zuverlässigkeit nicht nur kein Fremdwort mehr, sondern existiert aktuell überhaupt nicht in der Kölner Verkehrsbetriebeenzyklopädie.
Der große Höhepunkt war die Rückfahrt am Dienstagabend, die mir 45 Minuten mehr von meiner Lebenszeit geraubt hat, als erforderlich gewesen wäre. Pünktlich kam die Linie 7 am Neumarkt an. Der Fahrer warf aber alle Passagiere raus, dabei munter „Fott, Ihr Asis“ brüllend (einige Ausländer/Touristen haben wohl die Aufforderung, den Zug zu verlassen, nicht verstanden, da muss man doch mal Tacheles reden!), um dann die Kehre zu fahren und die Gegenrichtung zu bedienen.
Dabei fiel die Bahn hinter dieser aus, das war schon angezeigt. 22 Minuten später drängten sich von der Zahl her gefühlt alle Besucher eines Stadionkonzertes in die Bahn, was dazu führte, dass ich mich innerlich bedankte und noch eine Bahn abwartete. Gut, es gäbe jetzt ja die Mobilitätsgarantie, die besagt, dass man angeblich seine Taxikosten ersetzt bekäme, wenn die Verspätung größer 20 Minuten und der Betrag kleiner 30 Euro sei. So weit die Theorie, ich habe das zweimal versucht und es kam nie eine Reaktion. Man muss es hinnehmen: KVB steht einfach für „Kölner Verkehrsbehinderer“, wat willste maaache? „Liebe Deine Stadt“. HAH! Da sollte mal jemand eine Oper draus machen. Die Uraufführung fände dann allerdings in Düsseldorf statt!
Das Zeugnis
Als ich Cora am Donnerstag abholte, hatten wir beide Tränen in den Augen. Zum einen, weil wir uns wiedersahen, zum anderen, weil sie die Prüfung bestanden hatte. Und ich darüber hinaus, aber das habe ich Cora verschwiegen, weil ich einen Scheck von 3 Meter Länge ausfüllen musste. „Fahren wir am Wochenende wohin, Gerry?“ säuselte Cora. „Nee, Du warst schlecht auf die Prüfung vorbereitet und hast erst einmal Stellplatzarrest.“ Naja, und zudem muss ich ja das 9-Euro-Ticket nutzen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich glaube, ich bin Masochist.
P.S.: Lieber Prof. Dr. G., Sie verzeihen mir hoffentlich, dass ich Sie in diese Geschichte eingebaut habe. Cora und ich sind Ihnen dankbar für Ihren Sachverstand und Ihre fairen Preise! Wir möchten mit Ihnen zusammen das H-Kennzeichen erreichen! Danke.
heute aus der Rubrik „9-Euro-Ticket“: einmal nach Zons und zurück sowie einmal Frechen-Königsdorf und zurück. Klar, das ist jetzt nicht wirklich einmal um die Welt, aber es fühlte sich ein bisschen so an. Es war sehr tagesfüllend!
Letztlich dachte ich, ich müsse dringend mal wieder nach Zons, da ich a) schon lange nicht mehr da war und b) auch noch Sachen für den Eselpark bestellt hatte, die ich endlich mal loswerden wollte. Ich verabredete mich mit Micky und gab Darinka Bescheid, dass ich mal reinspinxen würde. Weil ich wegen der Covid-19-Erkrankung immer noch schnell aus der Puste bin, kündigte ich an, dass es mit meiner Arbeitskraft eher mau bestellt sei und ich nur so vorbei käme (übrigens werde ich diese Entschuldigung den Rest meines Lebens ausreizen 🙂 ).
Als Entschädigung machte ich am Abend vorher schon einen asiatisch angehauchten Wassermelonensalat, vielleicht mal ein nettes Alternativprogramm zu den ganzen (leckeren!) Kuchen und Gebäcken, die sonst immer herangekarrt werden. Zumal meine Blutzuckermessmaschine seit einiger Zeit etwas zickt. Jaja, man wird alt.
Micky gab mir den Tipp, dass ich auch für die Esel eine Wassermelone mitbringen könne, da führen einige von denen ziemlich drauf ab. Sie hat sich übrigens den Wassermelonensalat quasi gewünscht, aber ich habe da ein bisschen manipuliert, wie ich zugeben muss.
Ganz ehrlich? Solche Menschen muss man doch lieben!
Nach einer ausreichend langen Nacht machte ich mich gegen dreiviertel 11 Uhr auf den Weg. Wenn man bedenkt, dass ich mit dem Auto mindestens eine Dreiviertelstunde brauche, schienen mir die 70 veranschlagten Minuten mit Bus und Bahn eigentlich völlig okay.
Hah! Es war eine Odyssee, das 9-Euro-Ticket ließ wieder halb Deutschland die Züge entern. Insgesamt war ich dann doch fast zwei Stunden unterwegs. Quetschen lassen musste ich mich aber nur eine Station von Deutz aus, da in Köln Hauptbahnhof alle ausstiegen und ich ab da den ganzen Zug quasi für mich alleine hatte.
Während meiner Warterei in Deutz konnte ich natürlich andere Züge beobachten. Was genau bewegt Menschen dazu, einen Zug besteigen zu wollen, der schon beim Öffnen der Türen nur eine Mauer aus Menschenleibern offenbart?
Darinka informierte mich schon per WhatsApp, dass eine Gruppe Jugendlicher vor Ort sein würde. Naturschutzjugendscouts. Meinen leicht alkoholisierten Salat räumte ich daher bei Ankunft erst einmal aus Sichtweite.
Ich nutzte die Zeit und besuchte den Neuzugang, Milan. Was für ein wunderbarer Esel! Obwohl später klar wurde, dass der auch ganz schön rumzicken kann – bei unserer Wassermelonenschlacht haben Christel und er sich ziemlich in den Haaren gehabt, der ultimative Tritt traf dann aber Micky.
Diese Verkleidung dient übrigens nicht dazu, die Tiere bei dieser Hitze zu quälen. Sie leiden sehr unter beisswütigen Fliegen. Auch die Zebrabeine bei den Katalanen sind kein modisches Statement, die Beine sind einfach blutig gefressen.
Wusstet Ihr, dass das Haustier des Jahres 2022 der Esel ist? Das ist eigentlich eine befremdliche Nachricht, stellt sich doch heraus, dass viele Menschen sich Haustiere aneignen, mit denen sie später nicht umgehen können. Und jetzt wird das auch noch gehypt? Aber es ist kein Wunder. So ein junger, puscheliger Esel ist ja etwas ganz wunderbares. Eines der Jugendkinder wollte, das Milan mit in die elterliche Behausung zieht. Darinka, Chapeau, hat kindgerecht erklärt, warum das kein besonders kluger Wunsch ist.
Wir haben, als die Jugend wieder nach Hause spediert worden war, ein bisschen geplaudert, Salat gegessen und Apfelkuchen, deren Streusel angeblich von Peter nächtens stundenlang von Hand geknetet wurden (er glaubt, durch solche Geschichten bekommt er mehr vom Kuchen ab! Weit gefehlt!), um dann die Wassermelonenschlacht vorzubereiten.
Leute. Ich war noch NIEEEE in meinem ganzen Leben SOOOO beliebt. Und ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so mit Melonensaft vollgesabbert worden. Hier mal völlig zusammenhanglos ein hingehauchter Ratschlag: Eselpark und weißes T-Shirt? Nö! Wir haben eine (gefühlt 30 kg-schwere) Melone in der Stallküche zerkleinert, auf mehrere Schüsseln verteilt, sind raus zu den Tieren und waren ab da …. ja … Superstars. Das war toll.
Die Rückfahrt verlief einfacher, bis zu dem Zeitpunkt, als wir in Köln Hbf ankamen. „Bitte räumen Sie die Bahnsteige 2 und 3!“ Äh? Ich bin ja ein Mensch, der sich in Massen unglaublich wohl fühlt. NICHT!!!! Es war wirklich grenzwertig.
Am Abend war ich zu Ruths Sommerfest eingeladen. Prima, nach Königsdorf kann man wunderbar mit der …. äh…. was? Die Bahn streicht ALLE???? S-Bahnen der Linien 11, 12, 13 und 19 wegen coronabedingten Personalmangels? Ach Du jeh. (trauriger Smiley) Wer denkt sich denn so einen Mist aus??????
Das verursachte mit jetzt ein wenig Stress, wollte ich ja nicht vollgesabbert durch ein Melonen-Eselspeichel-Cuvée bei Ihrem Fest erscheinen. Aber als gewiefter Reisender fand ich heraus, dass ich es schaffen könnte, zu duschen und dennoch pünktlich zur Party zu erscheinen. Mit Straßenbahnen und Bus. Und…. Rolf habe ich dann beim Buseinsteigepunkt getroffen. Isso. Du kannst Vielreisenden nix vormachen!
Die Party war super, Ruth kann das. Man muss das nicht erläutern, sie lebt und ist als Gastgeberin 5*****!
Ja, und das war auch die 9-Euro-Geschichte für heute. Denn der Rückweg war so gar nicht 9 Euro. Keine S-Bahn, kein Beam-me-over-Scotty, keine Alienentführung mit Abwurf über der Wohnstatt. Da musste dann doch ein Mietwagen her.
Erchgetz? Das war ein reisetechnisch anstrengender Tag. Aber vor Ort jeweils war alles perfekt. Ein wunderbarer Tag. Ich hab das jetzt sehr spät geschrieben. Ich verlose unter allen Rechtschreibfehlerfindern einen Tag mit mir bei den Eseln. 🙂 Guads Nächtle, der Gerry
P.S.: Dieser Beitrag erscheint in zwei Kategorien, da er natürlich auch im Zusammenhang mit meinen anderen Zons-Besuchen gefunden werden soll 🙂