Tag 2: Wenn der Regent St. Laurent den Bacchus runtergeht…

Ihr Lieben,

der heutige Tag stand im Zeichen der Leberertüchtigung (ich hoffe, mein Hausarzt liest nicht mit). Wie Ihr schon gestern erfahren konntet, haben wir unseren DOKO-Ausflug ja um den Besuch eines Weingutes herumgestrickt. Morgens kam die erste gute Nachricht. Monika war wieder so fit, dass sie und Jasmina kommen konnten. Sie fuhren entsprechend früh von zuhause los.

Versehen mit dieser guten Botschaft fand sich der Rest der Truppe morgens im Frühstücksraum ein. Das war dann ganz ordentlich. Wer meine Reistagebücher verfolgt, weiß ja, dass für mich alles gut ist, wenn Rührei und Obst auf dem Buffet zu finden sind. Da wir nun nicht wussten, wie lange die Nachzügler brauchen, einigten wir uns darauf, mit dem Bus nach Bechtolsheim zu fahren. Just in dem Moment, als wir aufbrachen, kamen Monika und Jasmina an. Sie wollten aber noch einchecken und dann mit dem Auto zum Weingut fahren. Denn irgendwo musste ja auch unsere eventuelle Bestellung zwischengelagert werden.

Wir anderen sechs kletterten den Achttausender zum Bahnhof hoch, und ich erspare Euch die Schilderung des Vorabends, wie die Busfahrpläne und -haltestellen ausdiskutiert wurden. Nur eines: Wir haben alle die Befähigung zum Speaker des Debattierklubs einer britischen Elitehochschule.

Während wir auf den Bus warteten, kramten wir alle unsere rudimentären Kenntnisse der Betriebswissenschaft und Mathematik hervor, um auszubaldowern, welche Ticketkombination für eine Gruppe von 6 Personen am preiswertesten sein könnte. Es gab verwirrend mannigfaltige Optionen. Die etwa halbstündige Debatte wurde erschwert, da der Verkehrsverbund hier eine Gruppe über 5 Personen nicht handeln (bitte englisch aussprechen: händeln) kann. Dann hielt der Bus und wir erläuterten dem Busfahrer unsere ausgeklügelte, nobelpreiswürdige Ticketstrategie… Die Replik: „Der Ticketdrucker ist kaputt, setzt Euch einfach hin.“

Die etwa 20-minütige Fahrt hatte etwas mystisches, denn das Alzeyer Land war in dichten Nebel gepackt. Das macht sich in einer hügeligen Landschaft mit Weinstöcken außerordentlich gut. Wir fuhren durch einige kleine Orte, die alle einen gewissen Charme durchblicken ließen. In einer der winzigen Ortschaften kamen wir z.B. an einer imposanten Kirche vorbei, die ich hier so nicht vermutet hätte.

In Bechtolsheim angekommen, warteten schon Monika, Jasmina und Nordmann auf uns. Nordmann? Nordmann möchte eigentlich auch gerne Doppelkopf mit uns spielen, versteht aber die Regeln nicht. Außerdem kann er mit seinen Hundepfoten die Karten nicht halten.

So, und jetzt wird es fast brutal: Es ist 11 Uhr früh. Und wir sind bei einer Weinprobe! „Sektchen?“ zwitscherte es uns als erstes entgegen. „Och jo“ zwitscherten wir zurück. Ich mache es fast kurz: Wir probierten uns durch mehrere Sekte, Schaumweine, Weißweine, Roséweine, Rotweine und Spirituosen und das jeweils in den Ausprägungen trocken, halbtrocken, fassausgebaut, neue und alte Rebe, öko und nachhaltig und und und. Man höre und staune: Die Weinprobe war „umme“. Sparfüchse kennen diesen Ausdruck. Und wir wurden mit literweise Wasser und tonnenweise Cräcker und Käsewürfeln versorgt. Aber unsere Bestellzettel wurden dann auch länger und länger. Vor Ort wurde dann alles in das Auto verladen. Wir hoffen, dass das morgen früh noch da steht 🙂 Denn wir sind natürlich alle mit dem Bus zurückgefahren. Diesmal leider nicht mit defektem Kartendrucker.

Nach der ganzen Sauferei hatten wir dann auch eine sprichwörtliche Schnapsleiche zu beklagen, der Rest hat sich tapfer durchgetrunken. Ich verrate jetzt aber nicht, wen es traf, möchte aber anmerken, dass ich dies gerade noch schreibe. Aber wer weiß, vielleicht habe ich mich auch nur schnell wieder erholt. All unsere Lippen sind ab jetzt auf ewig verschlossen!

Morgens hatten wir versucht, in der dem Hotel angeschlossenen Gastronomie einen Tisch zu ordern. Ach jeh. Für 8 Personen im fast besten Haus am Platze? Das war nix. Aber Markus rief mittags im gestrigen Restaurant an, und da wir uns offensichtlich nicht völlig danebenbenommen hatten, wollte man uns gerne (!) wieder empfangen. Da sind wir dann nach der Weinprobe hingegangen. Übrigens hier ein Tipp am Rande, ich weiß gar nicht, wie ich jetzt darauf komme: Keine neuen Schuhe, wenn man laufen muss!!!

Es war wieder sehr schön da, wir wurden gut umsorgt und ich hatte wieder eine Spezialität. Ochsenbäckchen in Dornfeldersauce. Ehrlich? Das war ein Gedicht. Sooo zart und die Sauce ein Traum! Mit der „Chefin“ sind wir jetzt per Du und wir werden uns gegenseitig mehrmals im Jahr besuchen. Nee, das war jetzt quatsch. Aber definitiv ein guter Ort, um zu essen.

Wenn man jetzt eine Zusammenfassung des Tages schreiben müsste: Frühstück, Saufen, Abendessen mit Saufen. Und Busfahrt. Aber es ist natürlich so viel mehr. Wir hatten tiefgehende philosophische Diskurse über Tag-, Party-, Nacht und Erlebnisweine, Ihr hättet Tränen in den Augen! Wir haben Trauben kennengelernt oder wiederentdeckt, die zumindest ich nicht kannte oder nicht mehr auf dem Schirm hatte. Siehe Überschrift. Bei mir könnt Ihr tatsächlich demnächst einen St. Laurent bekommen oder eine Scheurebe. Letztere übrigens benannt nach Georg Scheu aus Krefeld, der als Züchter in Alzey wirkte. Auch die Huxelrebe und der Regner gehen auf sein Konto.

Ein Teil der Gruppe saß dann noch ein bisschen auf der Hotelterrasse und ließ den Tag Revue passieren. Es war für mich ein wenig merkwürdig, dass es noch so früh war, als wir uns um 22 Uhr trennten. Aber immerhin haben wir 7 Stunden weingeprobt.

Es war ein toller Tag mit einer tollen Gruppe mit tollen Weinen, die von tollen Mitarbeiterinnen des Weinguts präsentiert wurden. Morgen setzt sich nach dem gemeinsamen Frühstück eine Fahrzeugkolonne in Gang, um die Weinkisten aus dem stehengelassenen Wagen umzuverteilen, ich werde zum Bahnhof dackeln und abends meinen Wein bei Rolf abholen. Wir lesen uns vielleicht morgen noch einmal hier, wenn ich abends bei einem Laurent oder Blanc de noir noch ein paar Zeilen verfasse.

Bis denne, Euer Gerry

Tag 1: Anreise und Ortserkundung

Ihr Lieben,

eigentlich hätte ich ja gestern schon prima packen können, aber ich war faul. Sooo faul. Daher hatte ich mir den Wecker auf drei Stunden vor Abfahrt des Zuges gestellt, um das dann nach dem morgendlichen Beautyprogramm zu erledigen. Was soll ich sagen? Ich habe 10 Minuten gebraucht. Naja, es sind auch nur zwei Nächte. Entsprechend hatte ich Zeit, noch rumzugammeln.

Es folgt ein seltenes Loblied auf die Deutsche Bahn. Ich hatte mir die Umstiege auf der Buchungsbestätigung natürlich angesehen und fand die Umsteigezeiten schon recht sportlich. Insbesondere, da mir für Bingen Hauptbahnhof ein Wechsel von Gleis 101 zu 201 und in Bingen Stadt ein weiterer von Gleis 1 auf Gleis 44 angezeigt wurde. Ähm…. Bingen? 44 Gleise? Oder sogar 201?

Tatsächlich lagen alle diese Umstiege am selben Bahnsteig, aber eben gegenüber. „Herr Bürgermeister:in, was zeichnet Ihren Bahnhof aus?“ – „Nun, wir haben 44 Gleise, nämlich 1, 2, 3 und 44!“ – „Fantastisch!“ Kann mir wer erklären, was uns Reisenden damit suggeriert werden soll?

Auf allen drei Teilstrecken war genug Platz, um allem Ungemach (müffelnden Sitznachbarn, Labertaschen, Maskenverweigerern etc.) aus dem Weg zu gehen. Ich hatte eine nette Begegnung mit einem Bundeswehrsoldaten, der mit 44 Koffern auf meinem reservierten Platz im IC saß (Koffer 1, 2, 3 und 44) und sich vor Dankbarkeit gar nicht mehr einbekam, als ich erklärte, ich setze mich dann halt woanders hin, und mit einem maximal 7 Jahre alten Bengel, der nach Einstieg in die Regionalbahn erst einmal ein Notebook vor sich auspackte, das bestimmt so groß war wie er selbst, und dann mit seinem Handy alle drei Minuten mit seiner Mutter sprach, wo er gerade sei. Als ich in Alzey ausstieg, winkte er und krähte „Tschüüüüüs“. Bemerkenswert.

Die Bahnfahrt lief einen großen Teil durch das Rheintal. Es ist eine Panoramafahrt erster Güte. Burgen, Schlösser, Villen, Fachwerkstädtchen. Und das alles am Rhein entlang, durch Weinberge und mit rheinischem Indian Summer. Ich nahm mir sofort vor, mal nach Andernach, Boppard, St. Goar, Oberwesel und Bingen zu fahren. Es ist erstaunlich, was für Perlen (möglicherweise) so nah vor der Haustür liegen.

Pünktlich landete ich in Alzey und war in Nullkommanix im Hotel, wo ich sehr nett empfangen wurde. Es ist ein hübsches Haus mit knarzenden Treppenstufen (I love it!) und liegt direkt neben dem Schloss. Natürlich ist mein Einzelzimmer recht klein, aber das ist bei EZ eben oft so. Dafür ist es scheinbar renoviert, sehr sauber und modern eingerichtet.

Alzey selbst. Nun ja. Es ist ein netter Ort. Sehr überschaubar. Die Sehenswürdigkeiten sind schnell erlaufen, es gibt einiges an Fachwerk zu bestaunen. Aber es war praktisch wie ausgestorben. Leere und augenscheinlich schon längere Zeit verrammelte Läden, kleine Bausünden, keine wirklich interessanten Shops oder Kneipen. Aber auch nicht wirklich gruselig. Für den Ententanz des Akkordeonisten, der mich minutenlang durch die Gassen verfolgte, kann der Ort ja nichts. Der Tanz, nicht der Akkordeonist verfolgte mich. Überrascht hat mich auch die Existenz zweier (!) bulgarischer Supermärkte. Und es gab vor dem wegen Renovierung geschlossenen Stadtmuseum einen französischen Markt. Mit pain, fromage, produits naturelles und Salami von allen erdenklichen Arten. Ich war fast versucht, bis ich die Fliegenschwärme in der Theke bemerkte. Puh!

Nach einem zweistündigen Rundgang, bei der ich keine Außengastronomie fand, in der ich mich wohlgefühlt hätte (fast alles hatte aber auch geschlossen), kehrte ich zum Hotel zurück, wo mir Rolf dann aus seinem Zimmerfenster winkte. Wir verabredeten uns spontan auf ein Getränk auf der Hotelterrasse, zusammen mit Otto und Uwe. Danach wollten die neu zugereisten die Stadt erkunden. Yippieh! Dank meiner ortskenntnisreichen Unterstützung war das dann in 30 Minuten abgehakt.

Erschöpft und ausgelaugt suchten wir eine Vinothek auf, in der wir eine römische Pizza „Pinsa“ aßen und uns durch verschiedene Weine probierten. Sehr nett, sehr lecker, sehr wiederbesuchenswert. Während wir dort saßen, kamen Ruth und Markus an. Sie wollten sich aber noch nicht zu uns setzen, sondern erst die Stadt erkunden. Später tranken sie dann dort noch ein Gläschen mit und nach ausgiebiger Diskussion, wann wie wo mit wem essen, beschlossen wir in ein Restaurant gegenüber einzufallen. Das war ein Glücksgriff. Wir haben sehr gut gegessen, sehr leckeren Wein bekommen und wurden gut bedient.

Und jetzt kommt es. Ich muss ja fast immer alles ausprobieren. Und man isst hier gerne Saumagen. Kanzler Kohl hat ja angeblich alle Staatsoberhäupter gezwungen, den zu essen. Ich hatte die furchtbarsten Phantasien, was da unter diesem Namen auf dem Teller landet. Aber die Chefin überredet mich, es zu probieren. Ja, was soll ich sagen. Es war sehr lecker! Gar nicht sülzig oder fett, wie in meinem Kopfkino.

Nach einem schönen Abendessen liefen wir noch einmal kurz zum Schloss und trennten uns dann, um ausreichend Kraft für die bevorstehende Weinprobe zu sammeln. Ich hatte mir noch einen Wein in der Vinothek gekauft, den ich jetzt gerade verkoste, während ich dies schreibe. Da ich ein paar Stunden Sonne hatte, zeigte sich Alzey in einem ordentlichen Licht. Aber für Begeisterung ist es hier ein klitzekleines bisschen zu dröge.

Morgen startet der Tag um 9 Uhr mit Frühstück. Um 11 Uhr soll die Weinprobe beginnen und einige Stunden dauern. Hm. Ich lasse mich überraschen. Ihr auch?

Vielleicht bis morgen! Euer Gerry

Prolog: Die DOKOs in Rheinhessen

Ihr Lieben,

nach seeeeehr langer Zeit wollten wir DOKOs mal wieder über ein verlängertes Wochenende gemeinsam weg. Unsere für 2020 geplante Fahrt nach Brügge musste ja storniert werden, da uns diese blöden Viren einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Ihr wisst nicht, was DOKOs sind? Naja, man darf sie nicht nach Mitternacht füttern oder irgendwie mit Wasser in Berührung…. ach nee, Moment, das sind Gremlins. DOKOs spielen Doppelkopf. Aber wir sind mehr als das und freundschaftlich sehr verbunden.

Bei einem Beisammensein im Frühsommer grillten wir bei Rolf und dazu brachte Monika einen schmackofatzleckeren Sekt mit, von einem Weingut bei Alzey. Sie und Jasmina seien dort mal auf einer Weinprobe gewesen und sie würden da auf jeden Fall noch einmal hinfahren. Rappzapp war beschlossen: Wir fahren alle!

Kalender durchgeforstet (findet mal zu acht einen Dreitagestermin!!!!) und obwohl ich eine Konferenz am Freitag hatte, hielten wir ein bestimmtes, nämlich kommendes Wochenende fest. Umgehend fragte ich am darauffolgenden Montag nach einer Vertretungsleitung für die Konferenz und ein lieber Kollege sagte zu, für mich einzuspringen. Supi! Hotel sehr früh gebucht, Bahn letztes Wochenende. Jetzt Montag dann der Schrecken. Ich wollte den Kollegen auf die Konferenz vorbereiten und er erklärte lapidar, er sei doch mit seiner Familie weg. Er habe es vergessen. Ohjeh! Es gelang mir aber, die Konferenz zu verschieben. Puh!

Dann gerade eben die nächste Schreckensnachricht: Frau M. ist so erkältet, dass eine Anreise für sie morgen nicht in Betracht kommt. Vielleicht am Samstag, je nach Grad der Besserung. Das ist natürlich traurig, aber nachvollziehbar! Und wir drücken alle die Daumen, dass es Samstag wesentlich besser ist!

Mal sehen, wie es wird. Das Wetter soll eher durchwachsen sein, aber zumindest soll es nicht schütten. Der Großteil der Gruppe reist mit Auto an, ich fauler Sack fahre mit der Bahn, da kann man so schön aus dem Fenster glotzen, mit dem Zugschaffner flirten und dabei einen Kaffee oder Tee oder vielleicht ein klitzekleines Sektchen…

Falls Ihr die drei Tage nichts von mir hört, wird es eher an der Technik liegen, als daran, dass ich – wie einst George Plantagenet – den Tod in einem Fass Malvasierwein fand. Oder aber es liegt an Kopfschmerzen, denn manchmal soll das Wetter in der Gegend ebensolche verursachen. 🙂

Wenn Ihr mögt, dann schaut doch mal rein. Ich freue mich auf jeden Fall auf meine realen Mitreisenden, aber auch ebenso auf virtuelle Begleitung.

Euer

Kölsch(e) Kohlhack-Gnottschies!

Ihr Lieben,

wir machen heute mal wieder ein „Wasmussweg-Rezept“. Ich hatte mich kürzlich verleiten lassen, einen kleinen, aber gutgewachsenen, knackigen und sexy Spitzkohl zu erstehen. Und da ich ab morgen auf Kurztrip bin, wird der heute zubereitet. Dann habe ich auch gleich etwas zu essen, wenn ich zurückkomme.

Also, Kohl. Ich liebe ja die Kohlrouladen meiner Tante, so kam ich auf Hackfleisch. Und ich hatte lange keine Gnocchi mehr gegessen. Und vom letzten Doppelkopfspiel war noch etwas Kölsch da. Legen wir los:

Das Hackfleisch (500 gr.) wird mit einer großen gehackten Zwiebel kräftig angebraten, gesalzen, gepfeffert, gerosenpaprikat und mit 250ml Kölsch, in dem ich etwas Gemüsebrühe aufgelöst habe, abgelöscht. Bisschen einkochen lassen.

Der Kohl wird gründlich geputzt und in kleine „Fleckerl“ geschnitten.

Die Gnocchi habe ich aus der Kühlung des Supermarktes.

In einer Schüssel werden der rohe Kohl, das gebratene Hackfleisch und die Gnocchi vermischt. Nochmal salzen und pfeffern und ein bisschen Kümmel dazu. Zu viel davon schmeckt fast keinem, man sollte nur einen Hauch herausschmecken. Ab in eine Auflaufform, etwas bis sehr viel Gouda darüber raspeln und ab in den Ofen, bei 200°C für 30-40 Minuten.

Wer es cremig mag, gibt noch einen Becher Schmand unter alles oder klackst es sich auf seine Portion drauf.

Ich fand es yummie!!

Hühnersteaks auf Kartoffelbett mit Paprika-Feta-Haube

Ihr Lieben,

heute mal etwas, das gut vorzubereiten und unaufwändig, aber dennoch auch bei nicht allzu festlichen Anlässen für Gäste gut geeignet ist.

Die Kartoffeln werden geputzt, geschält und in dünne Scheiben gehobelt. Mit etwas Olivenöl, grobem Meersalz und Rosmarin vermengen und auf dem Boden einer ofenfesten Auflaufform ausbreiten. Darauf legt man die Hühnersteaks, die mit Salz, Pfeffer und Rosenpaprika gewürzt werden. Rote Paprikawürfel und Fetawürfel werden mit Schmand und einem Schuss Olivenöl vermengt, mit etwas Salz, viel Pfeffer und Oregano gewürzt und als Haube auf das Huhn gegeben. Etwas Weißwein angießen.

Bei 200°C in den vorgeheizten Ofen geben und für 45 bis 50 Minuten backen. Nach 30 Minuten ein paar Frühlingszwiebeln über alles streuen. Sollte eine dicke Kartoffelschicht gewünscht sein, müsste man die Scheiben kurz in Salzwasser kochen, da sie sonst nicht gar werden.

Haut rein.

Yufkataschen mit Spinat, Feta und Hack

Ihr Lieben,

heute mache ich mal Hackfleischtaschen mit Spinat und Feta. Vorgestern hatte ich nämlich Spinat gekauft, der so knackig aussah, dass ich mich am liebsten zu ihm ins Gemüseregal geschmissen hätte. Aber ich wollte kein Aufsehen erregen. Den wollte ich gestern verputzen, und dann bin ich doch mit Freunden zum Italiener gegangen. In Folge liegt der Spinat jetzt schon etwas rum und sieht gar nicht mehr soooo appetitlich aus.

Also, aussortieren und putzen. Es blieben zwei Handvoll übrig. Eine Zwiebel schälen und klein würfeln, ebenso drei Knoblauchzehen. Die Würfel mit etwas Chili anbraten und dann den Spinat hinzugeben, der umgehend anfängt zu einem kleinen Häufchen zusammenzufallen. Mit Pfeffer und einer Prise Zucker würzen und kalt stellen. In der gleichen Pfanne dann eine große Handvoll Hack durchbraten, mit Salz, Pfeffer, Rosenpaprika, Oregano, Zimt und Kreuzkümmel würzen und zur Spinatmasse geben. Einen Block Feta in die Masse bröseln und alles gut vermengen. Ggf. noch abschmecken. Dann etwas abkühlen lassen. Darauf achten, dass die Masse nicht zu feucht ist, sonst reißen nachher die Blätter, also im Zweifelsfall noch mal abtropfen lassen bzw. auswringen.

Jetzt kommt der Bastelteil: Auf je ein Yufkablatt, das mit etwas Öl bestrichen ist, ein wenig der Masse geben, mittig etwas oberhalb der kurzen Unterkante. Die Unterkante und dann die Längsseiten einschlagen und alles nach oben hin aufrollen. So mit allen weiteren Yufkablättern verfahren. Da in einer Packung Yufka aus der Kühlung 10 Blätter enthalten sind, sollte man die Spinat-Hackfleisch-Masse entsprechend portionieren.

Die Päckchen mit Ei bestreichen und mit geröstetem schwarzen Sesam bestreuen. Ab in den vorgeheizten Ofen, 200°C Ober-/Unterhitze, ca. 20 Minuten, je nach gewünschtem Bräunungs- und Knuspergrad.

Guten Hunger!

Seelachsrouladen mit KKK-Brei

Ihr Lieben,

wahrscheinlich wird dieses Rezept überproportional häufig angeklickt werden. Wobei ich mit KKK natürlich keineswegs jene widerliche Organisation meine, sondern Kartoffeln, Karotten und Kokosmilch. Aber das war zu lang für eine Überschrift.

Ich setze zwei Töpfe mit Gemüsebrühe auf. In den einen gebe ich gewürfelte Karotten und 5 Minuten später gewürfelte Kartoffeln und gare sie, bis sie weich sind. Ich gieße alles ab (gut abtropfen lassen!) und gebe, während ich das Gemüse stampfe, so lange peu a peu Kokosmilch zu, bis die von mir gewünschte Konsistenz erreicht wird. Dabei kräftig mit Salz und Pfeffer sowie Muskatnussabrieb würzen. Warm stellen.

Die zweite Brühe ist für die Seelachsrouladen. Dort blanchiere ich erst längs gehobelte, sehr dünne Zucchinischeiben, um sie biegsamer zu machen. Die von Restgräten befreiten und dünn geschnittenen Filets werden mit Meerrettichsahne bestrichen und mit den Zucchinischeiben belegt. Salzen und pfeffern und vorsichtig einrollen. Die Fischrollen werden dann noch in Salatblätter gepackt und mit Küchengarn verschnürt; sie würden mit Zahnstochern und dergleichen nicht zusammenhalten. Dies alles kann man vorbereiten, während das Gemüse gart. Dann für maximal 10 Minuten (je nach Größe) in der simmernden Brühe köcheln lassen, herausnehmen. Aus einem Teil der Brühe mit Kokosmilch und Meerrettichsahne kann man noch eine Sauce rühren, das ist aber nicht wirklich erforderlich.

Alles anrichten und traurig sein, dass die Roulade beim Rüberheben zerfällt. Ich hätte sie nach 7 bis 8 Minuten rausholen müssen 🙂

Der Fischabschnitt, um die Filets dünn zu bekommen, und die Gräten lassen sich mit der Brühe zu einem schönen Fischfond einkochen. Der sollte dann aber zügig verbraucht werden und hat natürlich einen Meerrettich-Touch.

Bratkartoffeln aus rohen Kartoffeln

Ihr Lieben,

heute das simpelste und trotzdem unglaublich leckere Essen ever (abgesehen von einem Leberwurstbrot vielleicht): Bratkartoffeln.

Man hat ja nicht immer gekochte Kartoffeln übrig, daher mache ich sie aus rohen Kartoffeln. Gar nicht im Vertrauen… sie schmecken mir so auch viel besser!

Kartoffeln schälen und in dicke Scheiben schneiden, ungefähr so einen halben Zentimeter. In einer sehr großen Pfanne in sehr heißem Rapsöl anbraten, jede Scheibe muss einzeln liegen. Nach ein paar Minuten wenden. Wieder nach ein paar Minuten Zwiebelringe dazu, alles salzen und pfeffern, dann die Temperatur runter und so lange garen, bis der gewünschte Bräunungsgrad erreicht ist.

Petersilie drüber und heiß genießen. Auch als Beilage oder nur so mit einem Gewürzgürkchen 🙂

Salat mit Ziegenkäse und Feigen mit Honig-Senf-Dressing

Ihr Lieben,

heute war meine Doppelkopfrunde bei mir zu Gast. Der Gastgeber kocht immer eine Kleinigkeit und dann wird gezockt. Ich bin übrigens so bekloppt, Mitglied zweier DOKO-Runden zu sein. Ist einfach ein schönes Kartenspiel!

Es gab als Hauptgericht Schweinefilet mit Pilzen in Gorgonzola-Sauce, das habe ich schon einmal so ähnlich hier gepostet. Wobei ich es heute variiert hatte. So sah das dann vorm und nach dem Fertiggaren aus:

Aber heute geht es um den Salat.

Man verteilt Pflücksalat auf Tellern, gibt eine gewaschene, geviertelte Feige dazu und drapiert Scheiben von einer Ziegenkäserolle darum. Dazu gibt man in einer fettfreien Pfanne geröstete Pinienkerne (wie schon so oft erwähnt: das geht schneller, als man denkt!).

Dann serviert man dieses Arrangement ungedressingt auf dem Tisch, hat natürlich aber eins in einer kleinen Karaffe parat. Und dieses bereitet man so zu:

Zwei Eierbecher gutes Olivenöl. Einen Teelöffel Senf. Den Saft einer Zitrone. Salz. Viel Pfeffer. Und dann viel Waldhonig! Ungefähr die halbe Menge, die das Dressing bisher ausmacht. Shaken!!! Ich hoffe, Ihr habt alle einen Dressingshaker? Ich glaube ja nicht, dass dem so ist, aber auch ein Marmeladenglas tut es. Dann noch ca. 50 ml Wasser dazu und noch einmal mit Pfeffer und Honig abschmecken.

Eine meiner Mitspielerinnen hat das restliche Dressing ausgetrunken. Scheint also nicht schlecht gewesen zu sein. 🙂

Tag 17: NOK und Bremerhaven aka Großes Finale

Ihr Lieben,

NOK steht nicht etwa für irgendeine Krankenkasse oder eine außerparlamentarische Organisation. Nein, es ist die Abkürzung für den stockfinsteren Nord-Ostsee-Kanal, durch den wir nachts gefahren sind.

Immerhin wurde es nicht noch später, aber dieses von der Reederei selbst als Highlight angepriesene Juwel der Reise war nun ein Lowdark. Es war ein bisschen wie Lysekil. War ich nun da? Ja klar, aber ich habe den größten Teil verschlafen.

Aber von vorn. Es gab wieder ein Käpt’ns-Winkewinke mit anschließendem Galaessen. Das war sehr schön, da wir am Tisch von der Restaurant-Crew noch einmal Ständchen dargebracht bekamen und alle uns eine Dankeskarte gestaltet haben. Wir haben als Gruppe den Abend auch genossen und verabredeten uns zum kollektiven Abschiedstränenvergießen beim Frühstück. Was ich überhaupt nicht erquicklich fand: Trotz der Verspätung waren die Kabinen um 9 Uhr zu räumen. Drei oder mehr Stunden auf dem Gepäck sitzend mit zwei Toiletten pro Deck bei 800 Gästen? SUPI!

Immerhin schaffte es die Ausfahrt vom Pier, mir attraktivere Seiten von Kiel zu zeigen. Dutzende Heißluftballons fuhren über unser Schiff, näher an der NOK-Schleuse gab es Segelschiffe und am Ufer volksfestartigen Trubel zu sehen. Oben am Aussichtspunkt des Schiffes – schon im Kanal – bewunderte ich die Leuchtbojen und hatte wenigstens ein Paar neben mir stehen, die mir erläuterten, was ich sehen könnte, wenn ich denn etwas sehen könnte. Die kannten den Kanal in- und auswendig.

Ja, und dann ging es ans Packen, Trinkgeldumschläge befüllen und Fragebögen ausfüllen. Rückreise-Packerei ist ja erfreulicherweise einfach. Dann die letzte Nacht, letztes Frühstück, letzte Worte mit Service und Mitreisenden.

Draußen war es total trübe. Bedeckt und neblig. Wie am Abfahrtstag zu Beginn beider Reisen. Aber für Packesel ist das ja besser als sonnig und heiß. Und wir hatten 17 Tage lang grandioses Wetter! Um viertel vor eins war ich dann vom Schiff und war erfreulicherweise in der ersten Ausschiffungsgruppe. So bekam ich einen frühen Bus, in Bremerhaven einen frühen Zubringer und in Bremen… hatte mein Zug eine halbe Stunde Verspätung, die aber erst angekündigt wurde, als zwei Sekunden vorher ein verspäteter Alternativzug aus dem Gleis fuhr. „Grund sind Verzögerungen im Betriebsablauf“ ist übrigens ähnlich aussagekräftig wie „Ursache für die Verspätung ist eine Verspätung“.

Ihr Lieben, jetzt ein Wochenende zur Verarbeitung der tollen Erlebnisse und dann hat der Alltag mich wieder. Ich fand es wunderbar, dass und wie Ihr mich mit Kommentaren, WhatsApps, Mails und SMS begleitet habt. Danke fürs Mitreisen und vielleicht sehen wir uns im November wieder, da soll die nächste Reise stattfinden.

Bis dahin alles Liebe und Gute, Euer Gerald