Kapverden 2025/2026: Der Epilog

Ihr Lieben!

nach einem sehr frugalen Frühstück packte ich meine restlichen Sachen und sortierte noch so einiges aus. Sonnencreme, Mückenspray und Feuchttücher muss man ja nicht wieder mit nach Hause nehmen. Das kann ja vielleicht auch jemand vom Personal oder mein Zimmernachmieter gebrauchen. So hatte ich trotz Souvenirs einen leichteren Koffer als auf dem Hinflug. Wobei ich mich ausnahmsweise mal relativ zusammengerissen habe.

Diesmal hat man mir ein Taxi geschickt, das auch pünktlich erschien. Erinnert Ihr Euch an den busfahrenden Bruce Willis von Barcelona? Heute fuhr mich Laurence Fishburne (u.a. bekannt aus Matrix) und zwar ebenso halsbrecherisch. Als ich fragte, ob er es eilig habe, in den Himmel zu kommen, lachte er tief und satt und gab noch mehr Gas. 150 bei 30 erlaubten. Naja. No Stress.

No stress? Naja. Der Flughafen Amilcar Cabral war vollkommen überlaufen. Es gab 6 Schalter für etwa fünf oder sechs relativ zeitgleich abgehende Flüge. Das Anstehlabyrinth bestand aus etwa 15 Schleifen, nach einer Stunde hatte ich vier geschafft. Es kam zu örtlichen Handgemengen, als dann auch noch alle Gäste nach Lyon und Oslo sich vordrängeln durften. Die Frankfurter, Düsseldorfer, Brüsseler und Lissaboner hatten auch nur noch ein kleines Zeitfenster. Völlig überfordertes Bodenpersonal versuchte, die Menschenmassen sinnvoll zu kanalisieren, schufen damit aber noch mehr Chaos. Wir mussten ja auch alle noch durch die Passkontrolle und den Security Check. Meine Maschine hatte Verspätung, bei regulärem Abflug hätte ich sie verpasst. Stress! Stress!! Stress!!! Die Anzeige zeigte leider bei einigen Flügen weder Gate noch Status an und so irrten braungebrannte Völker gestresst durch die gottseidank übersichtliche Abflughalle.

Ich hatte noch ziemlich viele Escudos, die ich nicht mit nach Hause bringen wollte und erstand noch zwei Packungen Fogo-Kaffee und mangels Alternativen eine kitschige Tonfigur. Somit kam ich mit nur einer 200er-Banknote nach Hause.


Ja, irgendwann waren wir dann in der Luft, ich bekam aufgrund meiner Buchungsklasse ein trockenes Brötchen und ein Getränk für lau. Dabei krähte der Steward laut meinen Namen: „Gratissnack für Gerald Diiiiepolder!!!“. WHAT? Egal. Sechs Stunden Flug. Nicht so schlimm wie 19 Stunden Bus auf Kuba, aber ich hasse es trotzdem.

In Düsseldorf dann Schnee. Würg! Und der Flieger auf dem Rollfeld irgendwo 25 km vom Terminal entfernt. Dafür kamen Bus und Koffer wieder einigermaßen schnell. Dann große Freude: beim Eintreffen am Bahnhof direkt ein ICE, schnell online Karte gekauft. Eingestiegen. Dann die Ernüchterung. „Liebe Reisende, es sind Personen im Gleis, wir bleiben jetzt hier bis zum Sanktnimmerleinstag stehen.“ Ehrlich, fahrt doch drüber über diese Penner! Sorry. Mit 45 Minuten Verspätung fuhren wir dann los. Um kurz vor Mitternacht war ich dann zuhause und schmiss mir eine TK-Pizza in die Backröhre.

So, kurzes Resümee Kapverden. Schönste Insel ist Sant Antão, gefolgt von Santiago. Von São Vicente, insbesondere von Mindelo, hatte ich mir etwas mehr versprochen, Sal war nicht ganz so schrecklich, wie vermutet. Ich hatte fünf gute und zwei grauenvolle Hotels. Alle Transfers haben (bis auf die winzige Ausnahme bei der Ankunft in Praia) geklappt.
Sal ist in jeder Hinsicht wesentlich teurer als die anderen drei Inseln. Wer Languste essen will, sollte das nicht in Sal erledigen. Auch Souvenirs sind woanders preiswerter. Sal ist auch am offensivtouristischsten. „Massage, Massage“, „Welcome to my shop“ und „Looky-looky“ tönen einem unentwegt entgegen. Auch der Anteil an Bettlern ist hier am größten.

Was würde ich anders machen? Ich bin nach wie vor froh, ein Tour-Management gehabt zu haben, auch, wenn die Inlandsflüge und die Fähren deutlich zuverlässiger waren, als ihr Ruf. Aber allein, sich nicht um Transfers kümmern zu müssen, war Gold wert. Zur Hochsaison ist auch spontanes Buchen von Unterkünften keine Option, wie ich vor vier Tagen herausfand. Aber man könnte so eine Reise dennoch selbst zusammenstellen, und beispielsweise für die ein oder andere Insel einen Mietwagen nehmen. Wenn aber alles vorbereitet sein soll, dann ist Soul-Tours eine gute Wahl. Die Guides sind natürlich nicht preiswert (vor allem, wenn man alleine reist), aber man kann sich mehr auf das Drumherum konzentrieren, als alle zwei Minuten auf irgendeine (manchmal ja auch fehlerhafte) Street- oder Hiking-App glotzen zu müssen.

Zuviel gepackt hatte ich. Ich hatte mit deutlich schlechteren hygienischen Verhältnissen gerechnet und Desinfektionsmittel, Feuchttücher und Waschhandschuhe eingepackt. Völlig unnötig. Zu viel Bargeld hatte ich mit, was bei teilweise safelosen Unterkünften auch ein wenig stresst. Dabei funktionieren Kreditkarten an Geldautomaten und in Supermärkten/Restaurants in der Regel auf allen vier besuchten Inseln gut. Bisschen Bargeld, zwei verschiedene Karten sind ein guter Mix für das Reiseportemonnaie. Hinweis: Dass man 6 Ziffern als PIN eingeben muss, kann man getrost ignorieren, einfach nach 4 Zahlen „Enter“ drücken. Besser alles in Landeswährung zahlen (und auch die Abhebungen berechnen lassen), sonst zahlt man immer etwa 10 % drauf.

Mit Englisch kommt man nicht soo weit wie gedacht. Mein Grundkurs Portugiesisch hat mir hier und da ein Lächeln eingebracht. Auch, dass ich drei Ausdrücke auf Kreol gelernt habe, kam gut an. Französisch ist verbreiteter, deutsch wird fast gar nicht gesprochen, und wenn, dann hat der Euch Ansprechende einen Bruder in Hamburg und… siehe Kuba. Sorry für die leider durchaus zutreffende Verallgemeinerung.

Es war eine wirklich tolle Reise, ganz anders als erwartet und vor allem vielfältig und bunt. Die Kapverdianer sind ein lustiges, UNGETRESSTES!!! Volk, die Musik ist klasse, das Essen sowieso. Fahrt hin.

Allen, die mich begleitet haben, einen herzlichen Dank! Besonders habe ich mich über die vielen Kommentare hier und per Messenger „Signal“ gefreut. Meine nächste Reise wird die in eine neue Wohnung sein, aber wenn ich die bezogen habe, wird es auch wieder auf Achse gehen.

Alles Liebe und Gute für Euch, Ihr Lieben! Euer

Zuhause wird das Wetter durch Aufsetzen eines lustigen Hutes deutlich erträglicher. Ziehe ich in den kommenden Konferenzen auch an!

2 Gedanken zu „Kapverden 2025/2026: Der Epilog“

  1. Herzlich willkommen zurück! Freue mich, dich wiederzusehen, egal ob mit oder ohne Hut. Denn in Kölle ist ja bekanntlich das ganze Jahr lang Karneval! Liebe Grüße, Ruth

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