Ihr Lieben,
das klingt doch wie ein schöner Romantitel, oder? Also, wenn man („Sag nicht man, wenn Du ich meinst!“) mal weniger überheblich wäre. Natürlich kann man an einem Tag nur einen Bruchteil einer Stadt erfassen. Ich deutete es an, dass z.B. auf jeden Einwohner hier fünf Museen kommen. In eins verschlug es mich dann sofort nach dem Frühstück, bei dem übrigens wieder gefühlt 200 Kleinkinder die anderen Gäste terrorisierten. Gesehen habe ich aber nur zwei. Äußerst merkwürdig. Oder irgendwie auch nicht. Ich bin – nebenbei bemerkt – eher ein Eltern-, als ein Kinderhasser.
Das Museum für zeitgenössische Kunst, eine Schwester des Museums für moderne Kunst, das ich gestern besuchte, befindet sich im Metelkova-Viertel. Ebenso ist dort die autonome Szene zuhause, die eine ehemalige Kaserne besetzte, und die viele Künstler anzieht. Das Avtonomni Kulturni Center Metelkova ist mit Christiania oder Užupis nicht zu vergleichen. Dennoch ist es sehr sehenswert. Viele Graffiti, viel Kunst, wenig los. Das Zentrum richtet auch Konzerte aus, hat alternative und LGBTQIA+-Bars und ist deswegen auch häufiger Ziel von Attacken durch Neonazis, diesem widerlichen Pack! Hier ein paar Eindrücke des AKC:









Das Muzej sodobne umetnosti Metelkova (MSUM) liegt an einem großen Platz, dort befinden sich auch weitere Museen, z.B. das ethnografische sowie ein Teil des Narodni Muzej. Die Damen am Servicepoint boten mir ein Kombiticket an und waren regelrecht empört, als sie hörten, dass ich bereits im Schwestermuseum war und man mich dort nicht über dieses Ticket informiert hatte. Ich bekam einen entsprechenden Rabatt. Heißa!
Das Museum war überschaubar, zudem eine der drei Etagen nicht zugänglich war, hat aber tolle Ausstellungsstücke. Dazu kam eine Sonderausstellung der Künstlergruppe OM. Alles einen Tacken moderner als gestern, u.a. deutlich mehr Videoinstallationen. Besonders angetan hat es mir das Doppelplakat „Bereitschaft“ der Künstler Ganslmeier und Zibelnik sowie der dazugehörigen Installationen. Das ausliegende Buch der beiden war leider im Museum ausverkauft, aber ich bestellte es mir sofort online.








Fußmüde? Neeeee, deswegen ging es sofort weiter zum Plečnik-Haus. Aber mit dem Bus, denn ich hatte nur noch 25 Minuten Zeit, um zu einer Führung zu gelangen; anders kann das Haus nicht besichtigt werden. Was dem Katalanen sein Gaudí, dem Brasilia-ner sein Niemeyer oder dem Karlsruher sein Weinbrenner, ist dem Ljubljaner sein Jože Plečnik. Ohne ihn sähe Ljubljana wohl wirklich nicht aus, wie es aussieht. Teile der Stadt sind unter dem sperrigen Namen „The works of Jože Plečnik in Ljubljana – Human Centred Urban Design“ in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen worden.
Das Hausensemble sowie der Garten stehen meiner Meinung nach in starker Diskrepanz zum sonstigen Wirken Plečniks. Es ist alles sehr intim, fast „gehäusehaft“, gemütlich und doch mönchisch. Die Führung war sehr informativ und im Anschluss konnte man Ausstellung und Garten auf eigene Faust besichtigen.










Es wurden einige nicht so bekannte Beispiele von Plečniks Architektur in der Umgebung zum Besuch empfohlen, die Kirchen Michael im Moor (die hätte mich schwer interessiert!) sowie Franz von Assisi in Šiška als auch der Lesesaal der Universitätsbibliothek. Die Moorkirche kann nur sonntags besichtigt werden, für den Lesesaal wäre nicht mehr ausreichend Zeit bis zur Schließung geblieben, also fuhr ich mit dem Bus nach Šiška. Einen kleinen Fußmarsch im Regen später stand ich vor der Kirche. Drei Türen, alle geschlossen. Kurz bevor ich einen Affen bekam („…den gaaanzen Tag geöffnet, HAH!! Kreisch!“), lugte ich noch um eine Ecke und siehe da, da war ein Eingang. In der Kirche war ich dann alleine. Wirklich schön gemacht! Fast jeder Leuchter individuell (ich mag besonders den Taucherhelm!), die ganze architektonische Komposition wunderbar harmonisch. Angeblich war der damalige Bischof nicht sehr angetan, aber Plečnik war schon zu bekannt, um das Projekt zu stoppen. Ich zündete ein paar Kerzen an und der Regen stoppte. Langsam wird mir diese Gabe unheimlich!







Inzwischen war wieder Bierzeit. Ich entschloss mich, mich dazu auf die oberste Etage des zur Zeit der Erbauung höchsten Hauses des Königreichs Jugoslawien zu begeben, dem Nebotičnik von 1931/33. Man hat da eine schöne Aussicht, wenn auch auf eine trübe und graue Stadt. Das Café war sehr voll, aber ich ergatterte einen Tisch in einer Ecke, an dem nur ein Stuhl stand. Ansonsten spielten die Gäste eine Art „Reise nach Jerusalem“. Immer wenn ein Tisch frei wurde, der einen besseren Ausblick bot, wie z.B. auf die Laibach-Burg, wurde eilig aller Krempel zusammengerafft und umgezogen. Mein Tisch war auch begehrt; als ich aufbrach, eilte windschnell ein Pärchen mit einem der Stühle ihres Tisches herbei. Lustig.




Meine Kerzchen hatten nicht lange vorgehalten. Es regnete stärker als je zuvor. Mein geplanter Schaufensterbummel die Hauptverkehrsstraße Ljubljanas entlang wurde nicht nur durch den Regen, sondern auch durch die Tatsache erschwert, dass viele Läden schon geschlossen hatten. Aber ich war dann auch ein bisschen hinüber, zu viele Schritte, zu viele Eindrücke. Ich kam an einem McDonalds vorbei, der damit warb, zu jedem Menü eine „Pixeltasse“ als Geschenk hinzuzugeben. Die sahen gar nicht mal so schlecht aus, so gönnte ich mir ein Menü. Man muss dazu wissen, dass das hier wahrscheinlich deutlich preiswerter als bei uns ist. Kartoffelnetze, Cola, Big Mac, Saucen UND eine Tasse für 8,50 Euro. Die Kartoffeldinger bekam ich allerdings kaum runter, die waren lätschig und fettig.
Ich schwamm durch den Regen zum Hotel, wo ich mir als Abschluss des ersten Teils der Reise jetzt noch eine Flasche Sekt gönne. Morgen geht es dann nach Bratislava, sechs Stunden in einem Flixbus. Aber da hatte ich ja auch schon ganz andere Busfahrten! Zudem habe ich die Sitzplätze 1 und 2 gebucht, da sitze ich dann ohne Nebenperson vorne direkt am Panoramafenster. Kekse habe ich auch schon besorgt, um standesgemäß alles vollzukrümeln. Preis etwa 50,-€. Die Fahrt, nicht die Kekse, mönsch, seid doch nicht so albern immer! Die Bushaltestelle ist übrigens 7 bis 8 Minuten vom Hotel entfernt, das hatte ich dann heute auch noch ausbaldowert.
Ankunft wird angeblich um 18 Uhr 10 sein, da habe ich vielleicht noch ein bisschen Zeit, einen ersten Eindruck von Bratislava (und wenn wir schon Laibach erwähnen, ich glaube Bratislava hieß früher Pressburg) zu gewinnen. Ich habe auf jeden Fall für nur 12 Euro mehr pro Nacht ein 5-Sterne-Haus. Na gut, muss auch nichts heißen, lassen wir uns überraschen.
Ihr Lieben, bis morgen, wenn Ihr mögt, ich würde mich freuen. Euer

P.S.: Heute morgen dachte ich, ich spinne. Liefen doch einigermaßen viele Menschen in Karnevalskostümen herum. So viel zur Karnevalsflucht. Aber natürlich ist das hier keinesfalls so ausufernd, wie bei uns. Zumindest wurde mir nicht, wie sonst, vor die Füße gegöbelt, und ich musste auch nicht über Schnapsleichen steigen. Auch volkstümliche Musik vernimmt man hier nicht.
P.P.S.: Keiner hat mir einen Valentinsgruß geschickt, alles muss man selbst machen, also wirklich!

P.P.P.S.: Ljubljana ist wirklich eine Reise wert! Auch, wenn hier viel zu viele Menschen rauchen. Sucht Euch nur ein Hotel mit Zimmern, die nicht auf eine große Eingangshalle hinausgehen.