Partymaus ist schon lange vorbei

Ihr Lieben!

In letzter Zeit war es etwas trubelig, insbesondere in der Firma, da wir dort massive Ausfälle in der Abteilung hatten, daher hatte ich die ganze Zeit eigentlich absolutes Faulenzenbedürfnis. Mit Faulenzen war aber insbesondere gegen Ende der Woche und am Wochenende nix. Donnerstag hatten wir Treffen der Bürgerinitiative beim Italiener (hach, ist das schön, wenn man Völlerei als politische Arbeit verbrämen kann 😉) und Freitag habe ich Kuchen und vegane Muffins gebacken sowie eine Joghurt-Torte mit Orangen und Pfirsichen kreiert. Alles für den Geburtstag von Luis, der am Samstag groß gefeiert werden sollte. Die Küche sah übrigens aus wie ein Schlachtfeld, weil ich alle drei fast gleichzeitig gemacht habe. Der erste Pudding war dann auch angebrannt.

Der Geburtstag konnte dann bei schönstem Wetter und Barbecue auf einer Terrasse in Lövenich stattfinden. Es waren sehr viele Menschen da, die Musik war bis zum Anschlag aufgedreht. Eigentlich war es sehr nett, ich hätte viel Spanisch üben können, aber Ihr wisst ja, der Gerry hat es nicht mehr so mit Menschenmengen und Lautstärke. Naja, hatte ich noch nie so wirklich. Aber ich habe drei Stunden ausgehalten und mich gut unterhalten.

Ludwig und Geraldo – da war es noch beschaulich… 🙂

Am Sonntag dann war Familientreffen angesagt, diesmal wieder bei den älteren Neffen in Grevenbroich. Samstag erinnerte mich einer davon, dass ich ja für den Kuchen verantwortlich zeichnete. Ach herrjeh, das hatte ich vollkommen vergessen. Und wieder einen Abend in der Backstube, nachdem ich selbst aus dem Kühlschrank Mehlreste rausgeputzt hatte??? Ich lief schnell zum Supermarkt und kaufte Törtchen und Schaumküsse. Ich werde es beim nächsten Treffen wieder gut machen! Und wir hatten auch so Spaß, zumal es von den Jungs noch einen selbstgemachten Kirschstreusel gab. Die Nichten waren diesmal dann auch dabei.

Das traditionelle Familienselfie haben wir leider verpennt. 😞

Die erweiterte Doppelkopfrunde (d.h. mit Partnern) hat es am Wochenende geschafft, sich auf einen Termin für einen Kurztrip nach Brügge zu einigen. Da wollten wir schon seit Jahren hin, dann kam Corona dazwischen, dann sind wir zwischenzeitlich in Ägypten gelandet… Langer Rede kurzer Sinn: Ein Wochenende im Oktober wird’s. Hotel ist schon gebucht.

Das Bild von Brügge ist wohl aus der Steinzeit. Weiß Gott, wann ich das aufgenommen habe…

Morgen geht es mal wieder nach Braunschweig, da begrüße ich Dienstag einen neuen Mitarbeiter und gucke mich auch so mal wieder um. Und darauf die Woche geht es ab zum Ballermann! Yeah! Naja, fast.

Liebe Grüße, Euer

Den Haag – Tag 3: So ein Käse

Ihr Lieben,

was ich gestern völlig vergessen habe zu erzählen: der Koch in der offenen Showküche war ein Supermodel und die Dame, die uns abkassierte, offenbarte uns, wir hätten einen Promotionsgutschein, der uns 30% einbrachte. Ich hatte den Tisch über eine App gebucht, die wohl den Rest übernahm. Wir haben uns natürlich gefreut, aber wie finanzieren sich solche Aktionen eigentlich? Naja, vielleicht so: Ich kann das Restaurant Botanica absolut empfehlen! (kostenlose Werbung)

Elke ging gestern vor mir schlafen und ich räumte noch ein bisschen auf. Unter anderem schmiss ich die Spülmaschine an. Ich bin vielleicht von zuhause etwas verwöhnt, denn meine ist flüsterleise. Diese hier hörte man garantiert bis Amsterdam. Aber immerhin übertönten die Besoffenen und Bekifften vor der Tür das asthmatische Gerassel der Sprüharme ein bisschen. Außerdem entdeckte ich endlich, wie aus dem Designerhahn in der Küche Warmwasser gewonnen werden kann. Bisschen spät vielleicht, aber immerhin…

Wir nahmen erneut ein Minimalfrühstück zu uns (vor allem viel Kaffee), verabschiedeten uns von unserer Unterkunft und brachen bei leider mehr als mäßigem Wetter auf in Richtung Gouda. Den Zwischenstopp hatte ich mir gewünscht, weil ich gerne so einen Quatsch erzähle wie „Richtigen Gouda kann man nur in Gouda kaufen!“, um dabei völlig ernst aus der Wäsche zu gucken. Wir verbrachten dort jetzt nur wenig Zeit, da es a) alles Sehenswerte auch sehr nah beieinander gab und b) Elke zuhause ja auch noch Amy abholen musste und die Pensionswirtin meiner Lieblingshündin nicht allzu lange warten lassen wollte.

Gouda ist eine liebreizende, kleine Stadt, die nur eine halbe Stunde von Den Haag entfernt liegt. Alles wichtige ist um den Marktplatz mit seinem Stadhuis herum zu finden. Es war auch Markttag (wenn auch nicht der berühmte Käsemarkt, der geht erst im April los) und wir kauften Käse, vieeeel Käse, Tonnen von Käse; einen Teil habe ich vakuumieren lassen. Zudem ließ ich ein kleines Vermögen bei einem Chocolatier, aber da waren auch Ostersachen für andere dabei. Die Sehenswürdigkeiten um den Markt herum nahmen wir natürlich auch mit, wie die prächtige Kirche, das schöne Altstadtensemble, kleine Grachten, bezaubernde Lädchen. Mir gefällt, dass es hier in der Gegend noch viele Fachgeschäfte gibt, oft inhabergeführt. Wir gönnten uns noch einen Kaffee und ein Sektchen und brachen dann endgültig nach Hause auf.

Das war eine sehr schöne, kleine Reise, die mir sehr gut gefallen hat. Ich behaupte ja immer gerne, dass man sich auf Reisen erst nach mehreren Tagen in einem tiefen Erholungsstatus befinden kann, aber auch ein Kurztrip hilft beim Abschalten. Und ich hoffe, dass ich mit meinen Ausflügen Impulse für Eure Auszeiten geben kann.

Jetzt steht als nächstes meine Geburtstagsreise nach Mallorca an. Und nein, keine Angst, es geht nicht zum Ballermann (obwohl es in der Nähe eine fantastische Kirche gibt!). Ich hoffe, Ihr seid dann auch mit dabei (wer vor Ort ist, wird zum Essen eingeladen!). In der Zwischenzeit gibt’s den ein oder anderen „Schnipsel“ oder vielleicht auch mal wieder ein neues Rezept. Elke und ich haben uns sehr über Eure Begleitung gefreut! Bis bald, Euer

Den Haag – Tag 2: Geburtstag am Strand

Ihr Lieben,

die Nacht verbrachte ich eher unruhig. Die Matratzen des Doppelbettes sind dergestalt, dass man in die Mitte des Bettes zum Zwischenmatratzencanyon rollt, da ist es dann weniger bequem. Zudem brauchte ich die Oropax dringend, und ich kann zwar damit leben, aber ich empfinde sie auch als leicht störend.

Elke hatte heute Bestimmertag, sie durfte alles entscheiden. Ich hatte ein geschmackvolles Geburtstagsarrangement auf der Anrichte aufgebaut (die singende Kerze funktionierte leider nicht), wir tranken unseren ersten Kaffee, machten uns frisch und dann ging es auch schon los. Eigentlich hatten wir gestern noch beschlossen, heute ein üppiges Frühstück in einem der vielen Restaurants hier zu uns zu nehmen; da ist auch, soweit wir sehen konnten, für jeden Geschmack etwas dabei. Allerdings sind wir beide gar nicht die großen Frühstücker und so entschieden wir uns um für eine spätere „Bemme auffe Hand“.

Unsere ersten Ziele waren der Aussichtspunkt am Binnenhof und die „Passage“, ein kathedralenartiges Einkaufszentrum. Der Binnenhof selbst ist leider wegen Renovierung nicht zugänglich, aber wir kletterten den gelben Stahlturm daneben hinauf, um einen schönen Rundumblick auf Den Haag zu bekommen. Oben schaukelte der Turm ein bisschen im Wind, das ist ja genau das Richtige für uns! Aber der Blick ist super.

Die Passage ist schick, es gibt nette Läden, ich kaufte Souvenirs und Küchenbedarf (was stimmt mit mir nicht?). Die Einkaufsstraße entlang schlenderten wir dann zum Großen Markt, wo wir einen ziemlich mächtigen Toast und einen Kaffee in der Sonne (!) genossen. Von da aus ging es zur Grote Kerk und durch einige Gassen zurück – mit einem Abstecher in die Chinatown – zum Binnenhof. Was mir ganz gut gefällt, ist die Menge an Kunst im öffentlichen Raum. Trifft jetzt nicht alles meinen Geschmack, aber allein die schiere Menge begeistert mich. Einige Bauten sind auch sehr bemerkenswert. Das „Bienenkorb-Haus“, z.B., oder einige der anderen Häuser aus den Endzwanzigern/Anfangdreißigern. Man ist mindestens fasziniert. Den Haag ist auf jeden Fall eine Wundertüte für Architekturinteressierte.

Es drängte uns zum Strand. Scheveningen wurde sowohl vom Reiseführer, als auch von Bekannten empfohlen. Also, ab in die Straßenbahn. Ich nehme es vorweg… man muss das schon mögen… Mitten in einer baulich nicht zuordenbaren Stilistik steht ein prunkvolles Kurhaus. Es gibt Meer, es gibt Strand. Das Drumherum wird von Scheusslichkeit regiert. Selbst, wenn man davon absieht, dass alles eingezäunt und mit Planen verhüllt ist, gibt es wenig Schönes. Typische Wohnblocks mit Blick aufs Meer, ein verranzter Pier, langweilige Spaßbuden und dazu ein Hauch von Tristesse. Kaum Menschen, aber aus den Läden schallte Tanzmusik. Eine Giraffe aus Legosteinen zählt hier zu den Highlights.

Wir liefen vom Pier bis zum Leuchtturm, unterwegs nahmen wir auf einer Terrasse ein Bier zur Stärkung ein, wobei von den 50 Tischen zwei Tische besetzt waren. Von dort aus gelangten wir in das historische Zentrum, das aus ziemlich genau einer Straße besteht. Die verbirgt neben Souvenirshops und Dutzenden von Barbershops wenigstens ein paar nette Häuser aus dem vorletzten Jahrhundert. Ein schönes Café, das wir uns bei Einsetzen des Regens gewünscht hätten, suchten wir hingegen vergebens. Wir verließen Scheveningen mit der Tram Richtung Stadt und machten kurz Pause in der Ferienwohnung, um Kuchen zu essen und Sekt zu trinken.

Dermaßen gestärkt liefen wir wieder los und erkundeten weitere Straßen und Gassen, verlustierten uns im königlichen Garten, der so königlich jetzt gar nicht war, schauten uns in Tinnef- und Delikatessenläden um, kauften ungesundes Zeug, u.a. im Albert Heijn, und kehrten zum Schluss erschöpft in einer kunterbunten Plastik-Bar für einen Aperitiv ein. Wir waren die einzigen Gäste und dem Personal gegenüber deutlich in der Unterzahl.

Die schon zuhause getätigte Reservierung rückte näher, wir machten uns auf in das Restaurant Botanica, das hatten wir gestern schon durch Zufall auf einem der Spaziergänge gesehen. Umso überraschter waren wir, als wir heute von Google Maps an einen ganz anderen Ort geleitet wurden. Wir standen vor einem Hotel der gehobenen Kategorie. Nanu? Wir schauten noch einmal nach. Wir waren richtig. Gestern waren wir nur am Hintereingang. Wir wurden nett empfangen; es war zwar fast wie ausgestorben, aber daher auch schön ruhig. Uns hat es gefallen, es gab Muscheln, Krabbenkroketten und Senfcracker mit Selleriesauce. Dazu einen schönen Wein und alles Bio.

Pappsatt schleppten wir uns in die Wohnung zurück, wo Elke drei Stunden damit verbrachte, auf die vielen Glückwünsche zu reagieren, die so ein 🍀. Geburtstag mit sich bringt, während ich Tagebuch schrieb. Wir tranken dazu noch ein Weinchen und planten ein wenig die morgige Abreise. Jaja, es ist leider schon wieder Zeit für den Abschied. Aber wir haben morgen noch einen sehr schönen Programmpunkt, den Ihr sicherlich nicht verpassen wollt. Programmpunktet Ihr mit? Liebe Grüße, Elke und

Seltenes Foto einer öwe.

Den Haag – Anfahrt, Delft und erste Eindrücke

Ihr Lieben,

Elke feiert morgen Ihren 🥰. Geburtstag und fragte mich vor einiger Zeit, ob ich nicht Lust hätte, den mit ihr à la Antwerpen zu begehen, also mit einem kleinen Städtetrip. Natürlich hatte ich und unsere Wahl fiel auf Den Haag. Küste in der Nähe, falls das Wetter schön werden würde, eine interessante Stadt, falls es nicht so schön werden sollte.

Wir suchten uns eine Ferienwohnung im Zentrum (zuerst hatte ich über Zimmer im grotesk prächtigen Grand-Hotel in Scheveningen nachgedacht) und einen Parkplatz in der Nähe. Um halb 10 Uhr wollte ich nach Neuss aufbrechen, von wo wir um 11 Uhr losfahren wollten. Und dann: Streik der KVB. Yeah. Am Vorabend schon schmiedete ich Pläne, wie ich zum Bahnhof Deutz kommen könnte. Uber, Taxi, Leihfahrrad, Mietwagen? Gott sei Dank erfordert so ein Kurztrip ja nur leichtes Gepäck. Ich stand zeitig auf, guckte in den verschiedenen Apps nach Leihfahrzeugen, es gab natürlich keins, machte meine Morgenroutine und sah dann plötzlich, während ich mein langes goldenes Haar bürstete, durch das Badezimmerfenster hindurch, wie jemand ein KVB-Rad beim Physiotherapeuten an der Ecke abstellte. Wie lange dauert so ein Physiotherapeuten-Termin? Ich hatte nicht viel Zeit, ich musste mich sputen! 20 Minuten später saß ich auf dem Fahrrad Richtung Bahnhof und kam natürlich viel zu früh bei Elke an.

Wir tranken noch ein Käffchen, packten unsere Plünnen in Elkes Ford und fuhren bei tristem, kaltem Wetter los. Die Fahrt durch die Niederlande zog sich ein bisschen, denn die Strecke bot wenig Abwechslung. Viel traurige Industrie, Hotels mitten im Nirgendwo (wer übernachtet da?) und dazu das trübe Wetter… Wir wären viel zu früh an der Unterkunft angekommen, daher gönnten wir uns einen Abstecher nach Delft. Und kurz bevor wir dort ankamen, brach die Sonne durch. Zaghaft.

Wir fuhren in ein city-nahes Parkhaus und erkundeten das Zentrum. Delft ist wirklich sehr hübsch, einige Grachten durchziehen die Stadt, es gibt reichlich schöne Bausubstanz. Der Marktplatz ist bemerkenswert, die Gassen drumherum sehenswert. Wir besuchten das Vermeer-Zentrum (wo ich Kühlschrankmagnete erstand), einen sehr ansprechenden Käseladen, tranken ein Pils im plötzlich einsetzenden Nieselregen (gottseidank beschirmt) und liefen dann im Sonnenschein zum Osttor mit der schönen Klappbrücke. Was für ein Aprilwetter! Einzige Konstante war die Kälte, die sich fast nach Frost anfühlte.

Wir blieben länger als geplant in Delft und der Verkehr in Den Haag war ein bisschen gestauter, unsere Vermieter schrieben schon fast im Minutentakt, wo wir denn blieben. Dabei haben die unter der Wohnung einen Laden. Gegen 16 Uhr waren wir dann vor Ort. Fast vor Ort. Und zwar vor einem Absperrpoller, wo wir nicht weiterkamen. Immerhin waren es nur noch 50 Meter zu laufen. So wartete Elke im Auto, während ich die Schlüssel organisierte. Ich bekam eine kleine Einweisung und hastete zurück zu Elke, die solange eine Einfahrt blockierte. Das Navi wollte uns dann auch noch zu einem ganz anderen Parkhaus leiten, als dem gebuchten, aber das haben wir schnell spitz gekriegt. Vom richtigen Parkhaus zur Wohnung liefen wir dann nur 5 Minuten.

Die Unterkunft ist sehr groß und hat viel Charme – es gibt einen Kamin und ein Deckenfresko im Wohnzimmer! -, aber die steilen Treppen sind nichts für schwache Nerven. Insbesondere die Stiege auf unsere Dachterrasse kann bei empfindlichen Menschen schwere Nervosität auslösen. Wir losten die Zimmerbelegung aus, weihten unsere Bleibe mit einem Gläschen Sekt ein und machten uns dann auf, die Umgebung zu erkunden.

Unsere Wohnung liegt mitten in der Fußgängerzone und ist einen Steinwurf vom Binnenhof entfernt, den wir uns als erstes von Außen ansahen. Wir liefen dann bei Königs (Paleis Noordeinde) vorbei Richtung Vredepaleis, von wo aus wir einen Bogen zurück in die Altstadt schlugen. Sehr schöne Häuser, u.a. auch im Jugendstil, viele nette Plätze und immer wieder eine Gracht. Unzählige Kirchen, süße Lädchen, viel Gastronomie. Leider war schon viel geschlossen, um 18 Uhr macht man hier die Läden runter. Immerhin fanden wir noch einen anderen Käseladen, wo wir dann auch etwas für die Abende zu knabbern erstanden. Mir gefällt die Stadt auf Anhieb recht gut.

Irgendwann trieb uns der Hunger in ein Restaurant. Davon gibt es hier wie gesagt reichlich, aber viele nicht geöffnet oder eher auf Kurzsitzpublikum ausgerichtet, wie Imbisse. Wir wurden aber fündig im Jamey Bennett, wo wir Burger und Ribs bekamen. Wir hatten dort übrigens eine sehr nette Kellnerin, die uns die Eigenarten der Deutschen beim Essen erklärte: „Sie teilen nicht gerne.“.

Wir kehrten in die Wohnung zurück, spielten ein paar Runden Backgammon und süppelten ein Weinchen. Schräg gegenüber ist ein Irish Pub, die dort versprühte Lebensfreude kommt eins zu eins in der Wohnung an. Auch laute Touristenströme ziehen natürlich an dem Haus vorbei. Aber wir haben Ohrstöpsel dabei. Elke mochte dann auf die Reinfeierei verzichten, also wird erst morgen gesungen, was das Zeug hält. Ihr stimmt dann ja hoffentlich alle mit ein!

Also, bis morgen, wenn Ihr mögt. Liebe Grüße von Elke und

P.S.: Eindrücke von unserem kleinen Paleische:

Poller Geschichten

Ihr Herzepüffchen,

das war eine sehr schöne Woche. Die Chefs waren außer Haus!; sie sind natürlich die besten Chefs der Welt, aber es tut auch mal gut, einfach so seinen Aufgaben ohne lästige Störungen nachkommen zu können. Dann hatte ich ein paar freie Abende, da konnte ich mal wieder ein bisschen aufräumen, gedanklich, wie auch in realiter.

Ein Highlight der Woche sollte am Donnerstag der Besuch unserer kleinen Kulturtruppe in einem neuen Restaurant werden. Das bei uns beliebte vietnamesische Restaurant Cyclo hatte seine Pforten geschlossen und die Räume einem thailändischen Nudelhaus übergeben. Unsere Erwartungen waren hoch, sie wurden leider dementsprechend überdurchschnittlich enttäuscht. Wenn auf der Karte steht, dass man auf Wunsch alles ohne Koriander zubereitet und es dann dennoch in der Suppe schwimmt, das ist schon schade. Dann gibt es weder Wein, noch Cocktails. Und preiswert ist es auch nicht. Und die Einrichtung soll vielleicht Minimalismus vortäuschen, aber sie schafft es nur in die Kategorie Tristesse. Hervorzuheben ist alleine die Freundlichkeit im Service.

Nach dem Essen wollten wir in einer der in der Nähe befindlichen Bars noch einen Absacker nehmen. Leider waren alle im Karnevalskoma und geschlossen. Wir gingen in eine Cocktailbar am Heumarkt. „Nur trinken? Dann nur diesen Tisch!“. Der Laden war fast leer, muss man dazu sagen. Wir quetschten uns in eine Ecke. Die Karten klebten, der Tisch klebte. Wir brauchten keine Worte; wie ein einzelliger Organismus erhoben wir uns und strebten die Weltherrsch…. äh…. und gingen weiter. Wir fanden eine sehr nette Bar, mit Sesseln und ebenfalls leer. Leider waren die Cocktails eher Fruchtsäfte und der Sekt hatte keine Kohlensäure. Das junge Ding von der Bar beschied mir, das müsse so sein und presste mir die Flasche ins Gesicht. „Sehen Sie: Sekt!“. Puh! Aber am Wichtigsten war, dass ich einen schönen Abend mit Monika und Ruth hatte.

Samstag besuchte mich dann Elke. Ich habe Entenbrüste gemacht, dazu gab es Gratin und Salat. Die Sauce hatte ich von einer früheren Gelegenheit aufgetaut und ein bisschen mit Thymian und Rotwein aufgepeppt. Alles war superlecker, nur die Entenbrüste waren leider fast furztrocken. Sie waren soooo riesig, da habe ich die Ofengarzeit aber dann doch zu lange angesetzt. Geschmeckt hat’s dennoch. Das Gratin war nicht wirklich ein Gratin, aber ich habe was neues ausprobiert und die Milch-Sahne-Mischung vorher mit Knoblauch, Rosmarin, Muskatnuss und Lorbeerblättern aufgekocht. Das ist der Bringer!

Meine Vermieterin heißt Ute, sie ist aber inzwischen auch liebe Nachbarin, die Raserinitiative unterstützende und gute Freundin geworden. Neben der Initiative verabreden wir uns auch mal so lose und diesmal war ich Sonntag bei ihr und ihrem Mann zu einem Nachmittagsschwatz. Es gab seeehr leckeres Essen, guten Wein, edle Brände und wir haben uns gerade völlig verquatscht. Die beiden sind ein ganz tolles Paar und – auch Petra, Andreas, Uwe, Dirk samt Partner*innen seien genannt – eines der wenigen guten Ergebnisse des Ärgers mit Rasern hier in Köln Poll ist ihre Bekanntschaft. Ich habe mich aus der Initiative übrigens ein bisschen zurückgezogen und das tut auch gut.

Das ist jetzt natürlich für Euch kein so spannender Bericht. Aber ich hoffe, Ihr habt auch gute Freunde, Nachbarn, Bekannte. Ich bin sehr dankbar dafür. Und das sollte man ab und zu auch einfach mal sein.

Mit Elke fahre ich am Dienstag nach Den Haag, wir bleiben bis Donnerstag dort, um ihren 39. Geburtstag zu feiern und wir freuen uns schon sehr. Und wir uns über Eure Begleitung! Euer

P.S.: Ich hatte ja mal eine Rubrik „Snacks“. Ich habe eigentlich einen neuen Kandidaten: Den Mikrowellen-Tassenkuchen. Was für ein Reinfall, was für eine eklige Pampe. Das war das Lowlight der Woche!

Mailand – Tag 2: Busse und Bahnen und Abreise

Ihr Lieben,

das Rührei war erneut eiskalt! Ich vermute mal wieder eine weltweite Verschwörung! Ich bestellte mir für 6 € ein Spiegelei, das war dann tatsächlich frisch aus der Pfanne. Beim Checkout wollte ich es bezahlen, aber es ging aufs Haus. Man hatte wohl bemerkt, dass ich meine Rühreier immer zurückgehen lassen hatte. Finde ich persönlich jetzt ganz nett. Beim Frühstück buchte ich mir noch eine Tagesfahrkarte für alle Verkehrsmittel in Mailand, ich wollte dumme Hin- und Herrennerei vermeiden. Alles 100% digital, schrie mir die Internetseite entgegen. HAH! Ich bezahlte, es passierte nichts. Nach ein paar Minuten erhielt ich eine Mail, ich müsse meine Daten vervollständigen. Woher ich käme, wie ich gekommen wäre, wie ich zu übernachten gedenke, ob ich an das fliegende Spaghettimonster glaube und so weiter und so fort. Ich füllte alles aus, und nein, es wurden keine sensiblen Daten abgefragt. Es erschien ein Fenster, ich möge mit folgendem Code mein Ticket an einer der dafür vorgesehenen Maschinen in den Metrostationen abholen. Tolle Wurst! Ich lief zur Metro Centrale, dort gab es keinen geeigneten Automaten, wie man mir erklärte (am Hauptbahnhof!), ich müsse zur Piazza Republica fahren. Dafür brauchte ich dann ein Metro-Ticket. An der Piazza Republica musste ich dann jemanden finden, der mich zu einer solchen Maschine lotste. Irgendwann hielt ich mein Ticket in der Hand. Ich habe mit der ganzen Aktion fast eine Stunde verschwendet. 100% digital! Dann war es auch noch viel billiger, obwohl ich es online bei Mailand Transport geordert hatte. Verarsche ist noch ein harmloses Wort, dass mir dazu einfällt.

Dann ging es auf zur blauen Linie. Auf die wartete ich dann 20 Minuten. Der Bus kam, ich stieg ein, der Fahrer schaltete den Motor aus. Weiter 10 Minuten vergingen. Ehrlich, Bus und Bahn sind hier eine nervenzerfetzende Angelegenheit. Gut, wenigstens fühle ich mich dadurch etwas heimisch. Zumal auch oft Rolltreppen und Aufzüge defekt sind und alles im Untergrund etwas heruntergekommen wirkt. Eigentlich sollte Köln Mailands Partnerstadt sein. Das Oberdeck des blauen Busses war leider nicht offen, so sah man nicht besonders viel. Dafür fror man andererseits auch nicht. Ein paar sehr schöne Häuser säumen die Strecke. Es gab wieder und wieder die gleichen fünf klassischen Musikstücke, die Ansagen liefen asynchron (welcher rote Wolkenkratzer?) und es wurde dauernd für längere Zeit angehalten. Immerhin erfuhr ich durch die Ansagen, dass die Panettone vor Hunderten von Jahren in Mailand erfunden wurden. Dem Mundgefühl nach stammten alle von mir bisher verzehrten aus genau dieser Zeit.

Wieder am Zentralbahnhof angekommen, sprang ich raus, um in die Tram der Linie 5 einzusteigen. Die Strecke ist unspektakulär, aber die Züge sind die Wucht. Sie heißen Ventotto, da die erste Reihe dieser Art 1928 gebaut wurde, die antiken Triebwagen sind immer noch im Einsatz. Sie sind natürlich ein bisschen saniert und modernisiert, aber nur ganz dezent. Ich nahm die gleiche Strecke zurück, um an der Via Vitruvio in eine Tram der Linie 1 umzusteigen. Die war in Regenbogenfarben lackiert, das fand ich ganz entzückend. Diese Linie hat auch die interessantere Strecke, sie fährt durch das alte Mailand.

Am Kastell stieg ich aus, lief ein bisschen in der Gegend herum, dann ging es über die Via Dante zurück Richtung Domviertel. Mein Plan war, in der Sonne, von der es heute ausreichend gab, dort irgendwo ein Getränk und einen kleinen Happen zu mir zu nehmen. Das war aussichtslos, es war zu voll. Überall, wo Sonne hinschien, standen lange Schlangen an und warteten auf eine Tischplatzierung. Ich googelte nach Sehenswürdigkeiten und fand den Torre Branca. Ein 108 m hoher, schlanker Turm aus Stahl mit einer Aussichtsplattform, zu der man mit einem Glasaufzug gebracht wird. Na, das ist doch genau das Richtige für mich!

Der Turm befindet sich im sehr großen Sempione-Park, hat eine Mittagspause und öffnet am Nachmittag um 14:30 Uhr. Ich war 10 Minuten zu früh da, da ich davon nichts wusste, das brachte mir aber den Vorteil, mit nur drei anderen Personen am Eingang warten zu müssen. Als das Tor aufgeschlossen wurde, hatte sich die Menge schon auf etwa 30 Personen vergrößert. Das Schöne an der Besuchsregelung dort ist, dass immer eine kleine Gruppe hochfährt, eine gewisse Zeit dort verbringt, runter fährt, dann die nächste Gruppe dran ist. Ich empfehle also, auch etwas zu früh zu kommen, denn als ich wieder unten war, saßen bestimmt 60 Personen verteilt auf dem Gelände und warteten auf den nächsten Aufzug. Die Aussicht lohnt auf jeden Fall!

In der Nähe des Torre Branca (der übrigens nach dem Schnapsfabrikanten benannt ist) befindet sich der Arco della Pace, eine Art Triumphbogen für Napoleon (für wen auch sonst?), nur dass Napoleon während der Bauzeit gestürzt wurde und man ihn dann nicht mehr so richtig ehren wollte. Man entschied kurze Zeit später, den Bogen dem Frieden von Europa von 1815 zu widmen. In der Mitte des Platzes performte ein sehr guter Sänger, der von vielen Zuschauern bewundert wurde. Mir kam in den Sinn, ich könnte in der Nähe der grünen Linie sein, und dem war auch so. Allerdings hätte der nächste Bus noch ziemlich lange auf sich warten lassen müssen. Ich nahm dies zum Anlass, in einem Bistro in der Nähe des Friedensbogens einen Campari Spritz und eine Art Brioche zu mir zu nehmen.

Ich hatte, wenn ich das richtig im Kopf habe, und manchmal bin ich nicht richtig im Kopf, bisher nur wenig über die Stadt der Mode geschrieben. Ich habe ja für Mode nicht mehr so viel übrig, wie es früher einmal war. Im Alter wird man bekanntermaßen praktisch-beige. Hier allerdings laufen erstaunlich viele Menschen sehr elegant herum, allerdings treibt der Versuch, noch mehr aus der Menge herauszustechen, manchmal sehr merkwürdige Blüten. Z.B scheint zwar die Sonne, aber nur mit einem Fähnchen bekleidet durch die Stadt zu laufen, erscheint mir dann doch ein wenig zu pneumonisch. Und wenn fünf Anna Wintour-Klone in der Tram nebeneinander sitzen, ist das auch einigermaßen komisch. Aber, es gibt wirklich sehr viele gut aussehende, elegante Menschen hier. Einige Modezaren betreiben übrigens eigene Hotels in Mailand, Armani und Bvlgari, z.B. am Armani kam ich zweimal vorbei, da war der Eingang von Presse und Schaulustigen belagert. Man wartete wohl auf Prominenz.

Als die App anzeigte, der Bus sei gleich da, zahlte ich und stellte mich an die Haltestelle. Allein, der grüne Bus kam und kam nicht! Auch laut Fahrplan hätte er schon längst da sein müssen, irgendwann wurde er in der App nicht mehr angezeigt. 45 Minuten stand ich dumm herum. „Sightseeing Milano“ ist eine absolute Katastrophe. Die grüne Route ist zudem furchtbar langweilig und nur etwas für absolute Sportenthusiasten. Na gut, die Verdistatue an dem von ihm gestifteten Altenheim für Musiker war dann ganz okay…

Es wurde Zeit, meine Plünnen im Hotel einzusammeln. Da fuhr ich mit der Tram No. 1 hin. Am Bahnhof dann wieder keine Code-Erkennung möglich, aber man winkte mich durch die Sperre durch. Ich glaube, ich hätte dem Bahnpersonal sowohl hin als zurück auch ein Bild von Mondrian auf meinem Handy vorzeigen können.

Jetzt sitze ich am Flughafen und warte auf das Boarding. Wenn alles klappt, werde ich so gegen 23.30 Uhr daheim sein. Mailand finde ich ganz schön, da reichen zwei Tage aber nicht wirklich aus. Aber vielleicht würde ich kommendes Mal zu einer wetterstabileren Zeit dorthin. Verzichten kann man m.E. auf den Hoppelbus. Dann lieber ein ÖPNV-Tagesticket kaufen (am Automaten, keinesfalls online) und auf eigene Faust los.

Also, alles in allem ein toller Kurztrip, der mir gut gefallen hat. Danke fürs Mitreisen und Mitlesen und die lieben Kommentare hier und auf Signal und Bluesky. Und auf meinem Einkontakt-Messenger Threema 😁. Im März geht es dann nach Den Haag. Bis dahin alles Liebe und Gute, Euer

Der Autor ist mal wieder ziemlich albern…

P.S.: Natüüüürlich habe ich Kühlschrankmagneten gekauft!

Mailand – Tag 1: Tag der Kathedralen

Ihr Lieben,

vom Frühstückstisch aus eilte ich zum Mailänder Dom. Ich erwähnte schon, dass ich dort einen Eintrittstermin hatte, gelle? Aber beginnen wir mit dem Frühstück. Der Frühstücksbereich war überfüllt, ich wurde an ein Gartentischchen an der Bar platziert. Die beiden Servicekräfte waren völlig überfordert, so kamen sie leider kaum mit Nachlegen am Buffett nach. Das klägliche Restchen Rührei, das sich bei meinem Eintreffen noch im Topf befand, war hart und kalt. Das nach 30 Minuten nachgefüllte „frische“ dann aber leider auch. Die Wurstplatte war leergefegt. Es gab zwei Stückchen Käse. Aber für ein Kaffeekränzchen wäre es ein Paradies gewesen. Ein gutes Dutzend Kuchen und Torten (Sachertorte!!!) standen bereit. Ein Fest für jeden Diabetiker. Ich hielt mich an Kaffee, Croissant und Obst.

Der Duomo ist eine Dreiviertelstunde Fußmarsch vom Hotel entfernt; wegen des schlechten Wetters, es nieselte, nahm ich die Metro. Zumal ich direkt vor dem Hotel in eine 10 Zentimeter tiefe Pfütze trat und mir Schuh und Strumpf komplett durchnässte. Zuerst war ich wegen der Menschenmassen vor den Ticketautomaten ein wenig entsetzt, aber dann sah ich, dass man auch einfach mit Kreditkarte durch die Schranken laufen kann. Sehr fortschrittlich! Ansonsten ist die Metro voll und die Laufwege sind verwirrend. Erinnerte mich an Madrid. Wie sagte weiland Andi Möller so schön? „Mailand oder Madrid, hauptsache Italien!“. Aber ich schweife ab. An Köln erinnert mich hier die Nahverkehrsminute, eine nahe Verwandte der Waschmaschinenminute. Auch bei den Mailänder Verkehrsbetrieben sind das dann etwa drei bis fünf.

Am Dom angekommen, pflügte ich mir einen Weg durch Menschenmengen und Taubenpopulationen gigantischen Ausmaßes. Links am Dom vorbei geht es dann zu den Treppen, die auf die Dachterrasse des Domes führen. Eine kleine Schlange gab es auch da, denn man musste sich quasi leibesvisitieren und die Taschen durchsuchen lassen. Ob ich Messer bei mir führte? Die Treppen rauf war dann doch etwas beschwerlicher, als ich dachte, aber nach einer kurzen Reanimation konnte ich den Ausblick auf Kirche und Umgebung genießen. Viel ist eingerüstet und mit Planen verhangen. Dennoch sind Pracht und Schönheit des Domes unschwer erkennbar. Die vielen Farbschattierungen des Marmors, weiß, grau und rosa, verleihen dem Bauwerk einen ganz besonderen Charme. Auch die Ausarbeitungen der gotischen Steinmetzarbeiten – hier insbesondere die Säulen und Bögen – suchen ihresgleichen. Wirklich wunderschön.

Wenn man das Dach verlässt, gelangt man automatisch in das Innere der Kathedrale. Auch das ist bombastisch! Eine offene Säulenhalle lässt alles größer erscheinen als z.B. im Kölner Dom. Die Auskleidung im Innenraum geht dann mehr ins Barock. Der Boden ist ein Wunderwerk! Über allem tönten erbauliche, geistliche Gesänge. Vom Band, aber wer will sich beschweren? Alles in allem war das schon den Besuch Mailands wert. Bei schönem Wetter hätte ich mich gar nicht mehr eingekriegt. Ich zündete ein paar Kerzchen an.

Gegenüber des Duomo befindet sich eine zweite Kathedrale, nämlich die der Mode, des Luxus und des Pr^et-a-Porter. Prada, Gucci, Fendi, Dior, Vuitton, sie sind alle vertreten. Die Galleria Vittorio Emanuele II wurde 1867 eröffnet. Der prunkvolle Bau bildet einen passenden Rahmen für die von zierlichen Kinderhänden getackerten Stofffetzen der Haute-Couture-Giganten. Oooops, da ist gerade was mit mir durchgegangen. Wir kehren übrigens später noch einmla hierher zurück.

Ich lief zur Haltestelle des Sightseeing-Busses und drehte die „gelbe Runde“. Wir sahen vom Oberdeck aus das Kastell der Sforzas, die Abendmahl-Kirche Santa Maria delle Grazie, die Kanäle, Einkaufsstraßen, Fressgassen, das Teatro alla Scala und und und. Es war nur eisekalt im Fahrtwind. Aber drinnen sieht man ja nix, also ließ ich die Eiszapfen im Gesicht zu. Ich stieg wieder am Duomo aus und fuhr mit der Metro ins Hotel, zum Aufwärmen. Und um für weitere Busfahrten einen zweiten Pullover überzuziehen. Um die Ecke gibt es ein kleines Café, da aß ich ein Tramezzino und trank ein kleines Bierchen. Ein bisschen kam die Sonne raus.

Am Hauptbahnhof vorbei fährt die „blaue Route“ des Busses. Die wollte ich dann als nächstes erkunden. Leider fuhr mir einer direkt vor der Nase weg und ich hätte 70 Minuten auf den nächsten warten müssen. Ich lief gute 2 oder 3 Kilometer bis zur nächsten „roten“ Haltestelle, wo ich auch 20 Minuten wartete. Wir fuhren zwei oder drei Etappen und standen dann am Büro der Buslinie wieder eine halbe Stunde. Ehrlich, normalerweise preise ich ja Hoppi-Busse, aber hier ist die Frequenz eindeutig zu niedrig, die Wartezeiten sind zu lang und die Linien überschneiden sich stark, so dass streckenweise Langeweile aufkommt. Die Ansagen sind auch unspannend gestaltet. Und wenn ich dieses Jahr noch einmal das Boccherini-Menuett hören muss, werde ich zum Tier.

Ich stieg am Dom aus und erkundete zu Fuß ein wenig die Gegend. Im Bus hatte ich von dem armen Stier erfahren, dem man auf den Hoden herumtanzen muss, um Glück zu haben. Den fand ich dann in der Galleria VEII, wo ein Pulk von Menschen darauf wartete, auf dem schönen Mosaik Kreisel zu spielen. In den Boden hatte sich schon eine richtig tiefe Kuhle gebohrt. In der Umgebung gibt es schöne Häuser, interessante Museen, alles ist sehr trubelig. Zwar ist auch Mailand nicht von Bausünden verschont, es sind aber gottseidank nur recht wenige. Ich lief an der Scala (die ich mir übrigens wesentlich imposanter vorgestellt hatte, mehr so wie die Dresdner Staatsoper) vorbei in Richtung Brera-Viertel. Auf dem Weg reihen sich Palazzo an Palazzo, einige sehr schöne Höfe gibt es zu entdecken; leider einige nicht begehbar (wofür ich als Bewohner mehr Verständnis hätte, als als Tourist). Das Brera-Viertel ist richtig nett. Schöne Straßennamen (Straße der hellen Blumen, Straße der dunklen Blumen), nette Lädchen, viel Gastronomie, sehr viel Trubel. Aber verkehrsarm. Auf jeden Fall sehenswert und offensichtlich voll im Trend. Vor einigen Restaurants, aber auch vor Modegeschäften haben sich teilweise sehr lange Schlangen gebildet, um eingelassen zu werden.

Ich lief dann am Finanzviertel (grauslich!) vorbei wieder Richtung Hotel, wo ich jetzt meine Tagebuch-Ergüsse bei einem Peroni zu sortieren versuche. Mailand ist übrigens Partnerstadt von Frankfurt. Ich bin nach doch einiger Lauferei zu erschöpft, um noch einmal groß in der Stadt herumzulaufen und nach einem Restaurant zu suchen, daher werde ich mir einen Kebap beim Imbiss um die Ecke holen oder mir eine Lasagne aufs Zimmer kommen lassen. Danach werde ich mir überlegen, was ich morgen veranstalte. Es gibt noch zwei Buslinien, für die mein Ticket gilt und es gibt besagte, interessante Museen. Bin noch unschlüssig. Seid Ihr auch so gespannt, was es letztendlich wird? Dann guckt doch morgen wieder rein, das würde mich sehr freuen. Alles Liebe, Euer

P.S.: Ich liebe die ganzen alten und kleinen Straßenbahnen hier. Vielleicht fahre ich da morgen auch mal eine Runde mit.

Mailand: die Anreise

Ihr Lieben,

klar war ich heute noch im Büro, der Abflug war ja erst um 18:50 Uhr geplant. Und wider Erwarten war es auch etwas hektisch, man tendiert hier gerne (und das seit mindestens 1992) zu Erledigungen in letzter Sekunde; auch wenn man seit Monaten weiß, dass es einen Erledigungstermin gibt. Naja.

Am Flughafen Köln-Bonn dann nahm ich erstmal ein Weinchen zu mir. Das Piccolöchen, das traditionellerweise dran glauben muss, war mir dann doch zu happich. Ich musste weder zum Check-in noch zur Gepäckaufgabe, da ich nur ein Miniköfferchen mitnehmen durfte. In so ein Minigepäck passt ja nicht viel rein, da muss man schon strategisch planen. Insbesondere wegen der Flüssigkeitsregelung an der Sicherheitsschleuse. Minizahnpasta, Mini-Deo, Mini-Duschgel, Mini-dies und Mini-das… Aber da war ich auch in 0,nix durch.

Abflug C in Köln hat ja den Charme der Wartehalle des Einwohnermeldeamtes. Wirklich schöne Restauration, wie an Flughäfen von Großstädten, gibt es hier nicht. Also pichelt man seinen Wein auf einer Bank im Wartebereich, stilvoll aber stiellos im Plastikbecher, misstrauisch (oder missgünstig?) beäugt von den Mitpassagieren.

Am Schalter von Eurowings für den Flug nach Hamburg, der vor unserem boardete, gab es dann ein kleines Drama. Eine Dame hatte wohl auch Minigepäck gebucht, aber einen immens großen Kabinentrolley dabei. Sie musste ihrem Gezeter nach ganz schön nachblechen. Für eine Dame (zumindest erweckte sie den Anschein) kannte sie recht viele ungewöhnliche Schimpfwörter.

Für den Flug hatte man mich übrigens auf einen Mittelplatz gebucht, was ich aber bei der Kürze des Fluges einigermaßen überstanden hätte. Aber die zierliche Dame am Fenster bot mir an, die Plätze zu tauschen. Ist das nicht goldig? Ich lehnte mehrmals ab, aber sie bestand darauf. Bin ich jetzt offiziell ein Tattergreis, für den man im Bus aufsteht? Ist das der Anfang vom Ende? Ich bekam wieder keinen Prosecco, der war ausverkauft, dafür landeten wir aber pünktlich.

Sie sehen nicht die Wartehalle C des Kölner Flughafens.

In Mailand angekommen, nahm ich den Flughafenexpress zum Zentralbahnhof. Die Fahrkarten hatte ich mir schon vorab in Deutschland gekauft. Vor Betreten des Bahnsteiges sollte man sich dann per Code als Ticketbesitzer outen. Das funktionierte nun leider mal gar nicht. 20 Minuten kämpfte ich mit dem Lesegerät, dessen Meldungen immer skurriler wurden, dann kam der Zug Richtung Milano Centrale. Ich stieg scheinbar illegal ein, interessierte aber keinen, das Vorzeigen des unverifizierten Codes reichte aus.

Spät kam ich im Hotel Colombia an, der Zug, der irreführenderweise Malpensa-Express heißt, brauchte fast eine Stunde bis in die Stadt; er hält wirklich an jeder Milchkanne. Das Hotel ist aber quasi direkt am Bahnhof gelegen. Das Zimmer ist klein, aber fein. Es ist ein Viersternehaus mit einem kleinen Hauch Eleganz, was so gar nicht zu der Bahnhofsgegend passt.

Ich hätte jetzt gerne damit gestrunzt, dass ich im Finstern schon einmal zum Dom lief. Aber ganz profan suchte ich den nächsten Minimarkt auf, besorgte ein paar Getränke, zahlte einen irrwitzigen Phantasiepreis und begab mich wieder aufs Zimmer. Wie war das mit dem alten Mann? Hier genieße ich gerade ein leckeres Peroni, während ich Euch hier auf den aktuellen Stand bringe.

Morgen geht es dann aber wirklich los. Um 10 Uhr 30 muss ich am Dom sein, da ist mein Eintrittszeitfenster. Und dann werde ich wohl Bushopping machen, eine der effizientesten Arten, einen ersten Eindruck von einer neuen Stadt zu bekommen.

Hoppt Ihr mit? Bis morgen, liebe Grüße aus Milano, Euer

P.S.: Das Beitragsbild zeigt den Mailänder Zentralbahnhof. Da wollte aber mal jemand so richtig angeben.

Mailand: Das Prolögchen

Ihr Lieben,

muss man einer Zweitagesreise wirklich einen eigenen Menüpunkt gönnen? Ja, machen wir mal ausnahmsweise :-).

Wie früher schon erwähnt, spielte ich bei der Eurowingslotterie namens „Blind Booking“ mit. Man gibt wenige Parameter ein und bekommt dann einen Preis angezeigt, den man annehmen muss. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß man aber noch nicht, wohin es geht. Wenn man verbindlich akzeptiert, bekommt man sein Ziel genannt und kann sich mehr oder weniger freuen. Das habe ich mit einer Reise nach Zürich 2020 schon einmal gemacht. Da wurde dann eine kleine Rundreise draus. Diesmal halt Mailand. Ich vertat mich allerdings im Flugdatum (hab’s gedanklich mit einer anderen Reise vermischt), buchte aber munter für das richtige Wochenende Domeintritt, nicht stornierbares Hotel und 2 Tage Hop-on-hop-off-Bus. Bis ich es merkte, hatte ich schon so viel Geld ausgegeben, da buchte ich dann für teuerst Geld den richtigen Flug nach. Immerhin gab es eine teilweise Erstattung von Eurowings für den falschen Flug.

Karten für die Scala wollte ich auch vorbuchen, aber da war ich zu spät, um einen vernünftigen Sitzplatz zu bekommen. Und es gab an dem Wochenende nur Ballett, da ist ein sichtloser Platz eher unsinnig. Wenigstens habe ich den Fehler vermieden, nicht schon rechtzeitig für den Dom eine Dachbesteigungskarte zu lösen. In Sevilla konnte ich ja fast nichts besichtigen, da alles Wochen im Voraus ausgebucht war.

Ja, und morgen geht es los. Leider sehr spät, dafür aber am Sonntag auch spät wieder zurück. Eigentlich wollte ich ja auch bis Montag bleiben, aber ich habe auch bei den Parametern nicht richtig hingeguckt, da muss man dann auch die richtige Anzahl der gewünschten Übernachtungen einstellen. So, jetzt da ich mich als dumm geoutet habe: Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich auf meiner sehr kleinen Reise wieder begleiten würdet.

Wenn Ihr nichts von mir lesen solltet, wird es eher an technischen Problemen liegen, als dass ich im Kloster Sta. Maria delle Grazie so vom Anblick des Abendmahl-Wandbildes verzückt war, dass ich dort mitsamt Schweigegelübde in den Orden eintrat. Hierfür gab es übrigens keine Karten mehr, daher wäre diese Gefahr nahezu ausgeschlossen. Bis Ende April sind, Stand heute, nur noch zwei Eintrittsslots am 13. März zu haben.

Also, bis morgen vielleicht! Alles Liebe, Euer

P.S.: Nächstes Jahr plane ich die Karnevalsflucht etwas besser! An Weiberfastnacht im Büro zu sitzen, ist eine Tortur! Die Kneipe von gegenüber beschallte mich heute die ganze Zeit mit „kölsche Tön“… PUH!

P.P.S.: Da ich kein Bild von Mailand habe, sehr Ihr eins vom Gardasee, wo ich 2004 mal via Flughafen Mailand Urlaub gemachte habe 🙂