der geneigte Leser fasst sich wieder an den Kopf. Was hat der Gerry denn nun schon wieder? Was will er uns mitteilen? Ist er Promi bei Let’s Dance und tanzt den Slow Fox ganz slow? Im Ernst, liebes Produktionsteam, ich wäre dabei!
Aber wie immer geht es um etwas ganz anderes. Die Karnevalstage nahen (eigentlich sind wir schon mittendrin!) und wenn ich noch einmal „das Trömmelsche, dat beim Dom in Kölle bliev“ höre, laufe ich Amok. Ich fliehe daher seit langer Zeit mal wieder, selbstlos wie ich bin, zum Schutze der Kölner Närrinnen und Narren. Und es geht morgen vom Büro aus los; mit dem Zug nach Stuttgart, von da aus mit dem Schlafwagen nach Ljubljana in Slowenien, wo ich drei Nächte bleibe, dann weiter mit dem Bus nach Bratislava in der Slowakei, ebenfalls für drei Nächte, dann mit dem Zug nach Wien-Schwechat, um zurück nach Hause zu fliegen.
Was mich erwartet? Schlechtes Wetter auf jeden Fall. Ansonsten bin ich mal wieder erschreckend unvorbereitet, was sich mit meinen doch umfangreichen Aktivitäten erklären lässt, die mir die Zeit raubten*. Aber ich denke, ich habe schöne Hotels, im Schlafwagen war ich noch nie unterwegs und ich werde ausreichend Zeit für Erkundungen haben. Beide Städte sind überschaubar, mit etwa 300.000 und 400.000 Einwohnern. Ich plane, es ruhig angehen zu lassen.
Übrigens, in beiden Städten, in beiden Ländern war ich noch nicht. Ich bin sehr gespannt, ich habe über beide nur Gutes gehört.
Ob ich morgen Abend schon aus dem Nachtzug berichte? Ich glaube nicht, aber am Mittwochabend gibt es dann die ersten Eindrücke aus der slowenischen Hauptstadt. Wenn Ihr nichts von mir lesen solltet, wird es eher an technischen Problemen liegen, als daran, dass ich in Donau oder der Ljubljanica nach gold’nem Wein geforscht hätte und jetzt Richtung schwarzem Meer treibe, wo beide Gewässer letztendlich münden.
Auch wenn Ihr von Sitzung zu Sitzung torkeln solltet, hoffe ich wieder auf rege Begleitung. Also, bis spätestens Mittwochabend, Euer
P.P.P.S.: Die KI stellt sich einen geeigneten Header für einen Reiseblog in die Hauptstädte Sloweniens und der Slowakei vor, wie im Vorschaubild angezeigt.
vor ein paar Jahren habe ich schon einmal das Rezept für ein Masur Dal eingestellt, für das ich rote Linsen benutzt hatte. Heute gibt es geschälte und halbierte Bengal-Kichererbsen als Dal, ich bereite es heute auch etwas anders zu.
Zuerst wasche ich gründlich 250 Gramm getrocknete Chana Dal (noch ein Name: Bengalgramm), die gibt es in indischen Supermärkten, danach röste ich die nicht pulverisierten Gewürzbestandteile Pfeffer, Kreuzkümmel, Koriandersaat und Kardamom kurz (2 bis 3 Minuten) in einer beschichteten Pfanne an, lasse sie abkühlen und mahle sie einigermaßen fein. Die Schalen der Kardamomkapseln brechen schon nach einmal mörsern auf, die picke ich als nicht so verdaulich noch raus.
Dann mische ich das mit den sonstigen Gewürzen (Garam Masala, Rosenpaprika und Kurkuma). Ingwer und Knoblauch werden sehr fein gehackt, die Zwiebeln fein und die Tomaten grob gewürfelt. Die Chili in ganz feine Stücke schneiden und je nach Tapferkeitsgrad die Kerne mit verwenden oder vorher rausnehmen. Bei zwei Chilis kann man das machen! Eine Handvoll Petersilie hacke ich grob.
Jetzt in zwei Esslöffeln Ghee (wahlweise Butterschmalz oder hocherhitzbares Speiseöl) Ingwer, Knoblauch und Zwiebeln anbraten, nach ein paar Minuten einen gehäuften Esslöffel der Gewürzmischung sowie die Kichererbsen dazugeben und darüber eine Dose pürierte Tomaten. Mit vorbereiteter Brühe ablöschen (ich mache das immer peu à peu, aber insgesamt sind das etwa 750 ml) und so lange köcheln lassen, bis das Dal fast die für Euch richtige Konsistenz hat (Manche mögen es eher breiiger, manche knackiger – ich bin die neutrale Mitte, es hat etwa 2 Stunden gedauert. Wenn man die Kichererbsen über Nacht einweicht oder einen SKT benutzt, ginge es womöglich schneller.). Schnell die frischen Tomaten dazu und noch ein bisschen mitkochen lassen. Mit ein paar Spritzern Limette und einem Teelöffel Zucker nachwürzen, weißen Sesam (auch angeröstet, aber Vorsicht, nach 30 Sekunden schon ist er fertig!!) beifügen und ein bisschen Joghurt oder Crème fraîche für die Optik und ein wenig Cremigkeit unterrühren.
Ich servierte das Dal heute mit nicht zu hart gekochtem Ei und aufgebackenem Fladenbrot. Und der Petersilie! Ihr wisst ja… Koriandersamen gehen, Koriandergrün nicht. Es ist superlecker geworden!
Einige wissen ja, dass ich mal einen pakistanischen Mitbewohner und Schüler (Deutschkurs B1) hatte, der hatte das so ähnlich gekocht, aber etwa 10 Chilis reingeschnibbelt.
ich bin dann nicht – wie Hannes Wader – kaum da und muss schon wieder fort: Denn ich habe eine seeeehr schöne, neue Bleibe. Gottseidank! Aber der Reihe nach, wie immer:
Oliver zieht jetzt zu meinen Eltern, er ist wirklich eine Seele von einem Mensch! Zu wissen, dass sie eine so tolle Unterstützung haben, ist sehr beruhigend. Er fragte mich, ob ich denn an seiner Wohnung Interesse hätte, die er nun aufgäbe. Aber er hat immer so über den Vermieter geschimpft und über die benachbarte Kneipe… Och… nöööö. Ein Pflegedienst ist auf Anraten von Elke auch hinzugezogen und schon aktiv.
Am Dienstag gab es ein veganes Menü in Sürth. Jasmina hat wieder super gekocht! Monika feierte (übrigens zeitgleich mit Oliver, sie sind am selben Tag geboren) ihren §?“!* (immer dieses atmosphärische Rauschen!!) Geburtstag am Abend in kleinem Rahmen. Das war eine sehr schöne Zusammenkunft mit vielen Storys und entsprechend viel Gelächter und das Essen war ausgezeichnet. Pilz Wellington! Da muss man erst mal drauf kommen! Und die Blumenkohl-Apfel-Suppe. Vor lauter Gier habe ich dann vergessen, die Rote Grütze mit Skyr-Erbsprotein-Schaum zu fotografieren. Fragt mich mal bei Gelegenheit zur Roten Grütze von Oma Hamburg. Da gibt es eine Geschichte zu.
Ansonsten war meine knapp bemessene Freizeit natürlich einer Wohnungsbesichtigung nach der anderen gewidmet. Ich erwähnte es bereits, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wieder hätte ich zwei Wohnungen aus dem Stand haben können (alte Männer sind wenigstens auf dem Wohnungsmarkt begehrt!), aber es passte nicht. Donnerstag wurde es surreal, als ich eine Wohnung in Kalk (unweit meiner früheren Wohnung in der Remscheider Straße) besichtigen wollte; die Frau von der Vermietungsgesellschaft und ich waren vor Ort, aber der aktuelle Mieter nicht. Sie war – verständlicherweise – auf 180. „Ich gucke mir jeden Knubbel auf der Raufasertapete an! Der kann was erleben!!!“. Ich fürchte, die Wohnungsübergabe wird ein Debakel für ihn. Wusstet Ihr übrigens, dass die Rauhfaser (so die Schreibweise vor der Rechtschreibreform) um 1900 herum von einem Apotheker namens Erfurt erfunden wurde? Aber wo war ich? Ach ja, die Dame zeigte mir dann eine ganz andere Wohnung, die mich aber nicht ansprach. Blick auf eine nackte Beton-Mauer.
Jetzt aber, Tusch bitte!, TaDaaaa!, das Ereignis der Woche: Am Mittwoch schaute ich mir eine Wohnung an, für die ich mich schon knapp eine Woche vorher beworben hatte. Herr B. rief mich übrigens zur Terminvereinbarung an, als ich von der Besichtigung einer Wohnung in Dormagen zurückfuhr, die auf den Bildern super aussah, aber in live leider völlig verwohnt war. Die Bilder waren schlicht mehrere Jahre alt*. In Dormagen hatte ich ja einige Zeit im Krankenhaus Hackenbroich gearbeitet. Bezeichnenderweise ist das in der Dr.-Geldmacher-Straße. Ich wohnte aber in den Schwesternwohnheimen in der Elsa-Brändström-Straße, die nach der aufopferungswürdigen schwedischen Philanthropin benannt wurde. ICH SCHWEIFE JA SCHON WIEDER UNGLAUBLICH AB! Menno! Also, ich saß im Zug und war am Telefon verwirrt. Welche Wohnung in Holweide??? Aber ja, ich komme Mittwoch! Zuhause musste ich dann erst einmal ermitteln, um welches Objekt es ging. Oh! Diese! Ja! Die sieht super aus! Die will ich!!!
Und die Wohnung war sogar besser als auf den Bildern und wegen denen hatte ich mich ja schon verguckt. Und die Vermieter sehr sympathisch! Und die Vormieter entzückend! Das Haus gepflegt, die Anbindung zum Büro sehr gut (35 Minuten), die Umgebung mit allem, was man so benötigt. Ich war schockverliebt! Und rechnete mir kaum Chancen aus, da die Konkurrenz groß war. „Wir melden uns“. Samstagmittag klingelte das Telefon. „B. hier“. Ich bekam fast einen Infarkt! Ruft der wegen einer Absage an? Wie mutig und gleichzeitig bewundernswert! „Na, noch Interesse?“ und „Gab zwar Hübschere, aber Sie brauchen ja zeitnah was.“. Muss man mehr über so einen Vermieter sagen? Genau mein Humor. Mittwoch unterzeichnen wir unter großem Presseaufgebot und mit dem Segen des örtlichen Kirchenvertreters und des Bezirksvertretungsvorsitzenden den Vertrag und die Vereinbarung zu Ablöse mit dem Vormieter, der für die Küche absolut faire Preise aufgerufen hat. Übrigens: die Vormieter haben Nachwuchs bekommen und beziehen deshalb ein Haus. Sie haben da wohl sehr gerne gewohnt.
Bedanken muss ich mich mal bei den vielen Menschen, die sich so eingesetzt haben. Ein paar meiner jetzigen Nachbarn haben mich mit Vorschlägen bombardiert (hmmm, wollten die mich loswerden?), Andrea M. hat fast mehr Inserate studiert als ich selbst, Kollegen haben mir Tipps gegeben. Es ist schön, solche Menschen zu kennen. Und jetzt freue ich mir ein Loch in den Bauch! Leider gibt es keine Bilder; das Exposé ist deaktiviert und ich habe versäumt, Screenshots zu machen und konnte natürlich auch keine Bilder während der Besichtigung aufnehmen, da die Wohnung ja noch bewohnt ist.
Und sonst? Habe ich auch wieder was gekocht? Ja, klar, ein Zucchini-Hack-Auflauf hat den Weg ins Rezeptmenü gefunden. Kohlehydratfrei und trotzdem sättigend und lecker. Und letztes Wochenende waren Elke und Nora bei mir. Da gab es Chili con Carne-Nudeln. Bisserl ähnlich alles, aber Winterzeit ist Auflaufzeit. Nora scheint im Freien etwas zickig zu sein, aber hier hat sie sich wieder vorzeigbar und vorzüglich benommen.
Auf der Arbeit nehmen die Pläne für die Umbauarbeiten am Standort Braunschweig Gestalt an. Da muss ich jetzt wohl öfter hin, auch wenn die Geschäftsführung da eher meinen Chef in der Pflicht sieht. Es wird aber auf jeden Fall halb so wild, wie hier in Köln.
Was für eine Achterbahnwoche! Mit einem fulminant schönen Ende!!! Ich freue mich so sehr auf die neue Bleibe, das könnt Ihr gar nicht ermessen. Und ich kann jetzt entspannt in den Kurzurlaub fahren!
Ihr Lieben! Wir lesen und spätestens zum Prolog meiner Fahrt nach Ljubljana wieder. Bis dahin allen eine gute Zeit! Euer
Der Autor ist in Feierlaune! Aber wieso hat er einen Truthahnhals? Und rasiert hat er sich auch nicht!
*) In Brühl haben Vermieter den „sagenhaften Weitblick auf der Dachterrasse“ mit KI verändert. Statt in grüne Auen zu schauen… blickte man auf das Oberdeck des Parkhauses eine geschäftigen Einkaufszentrums. SACHMA!
man könnte das Rezept auch Zucchini-Lasagne nennen, aber das gäbe ja wieder einen Aufstand der Küchengöttergattinnen und -gatten. Lasagne sind Nudeln! Pasta! Äh, basta!
Hier machen wir die kohlenhydratreduzierte Variante. Wir kochen eine Hackfleischsauce aus:
und fügen noch Knoblauch und allerhand Gewürze zu. Das Gemüse wird kleingewürfelt, angebraten, dann kommt das Hack dazu. Die geschälte Zucchini (ich mag die Schale irgendwie nicht, die ist ja manchmal so ein bisschen glitschig) wird in dünne Scheiben geraspelt und bildet die Zwischenschichten zum Hack-/Gemüse-Mischmasch.
Zucchinischeiben, Hack, Zucchinischeiben, Mozzarella, Zucchinischeiben, Hack, Zucchinischeiben, Hack, Gouda-Scheiben. Gouda-Scheiben? Yep, der Gerry hatte vergessen, Raspelkäse zu kaufen. Mist! Dafür erstand er aber zwei Tuben Zahncreme, die er in die Schublade mit den anderen 27 Tuben legte. Mist! Ab in den Ofen damit. Was? Natürlich mit dem Auflauf, mein Gott, denkt doch mal mit!!! Was soll denn die Zahncreme…. Wie? Deutlicher ausdrücken??? Raus!!!
Wo war ich? Ach ja, schmeckt gut!
P.S.: Ja, ich weiß, irgendwie sehen sich alle Auflaufrezepte nicht unähnlich. Liegt daran, dass sie alle den gleichen Vater haben 🙂
der Rezeptname klingt zwar, als ob es für eine sofortige Gefäßverstopfung geeignet wäre, aber wahrscheinlich ist das sogar zutreffend. Die Basissauce für diesen Auflauf ist mein Chili con Carne, wobei ich diesmal noch Paprikawürfel hineingegeben habe, sowie frische Tomaten.
Hier mal der „Mist am Platz“:
Statt der roten Chili habe ich das Chili-Öl von den Kapverden und Harissa aus dem Glas genommen. Weitere Scharfmacher sind Rosenpaprika und Chiliflocken. Außerdem an Gewürzen: Zimt, Kreuzkümmel, Salz, Pfeffer, Oregano. Im großen Glas meine Gemüsebrüh-Paste. Nudeln habe ich noch ein halbes Paket mehr genommen.
An Brühe habe ich einen halben Liter zugegeben, dafür das Chili aber lange einkochen lassen, damit die Sauce nicht zu dünnflüssig wird. Die Nudeln habe ich ganz kleines bisschen mehr als ‚al dente‘ vorgekocht.
Geschichtet habe ich dann folgendermaßen: Nudeln, Sauce, Feta, Nudeln, Sauce, Mozzarella, Nudeln, Sauce, Gratinkäse.
FetaMozzarellaGratinkäse
Als der Besuch da war, den Ofen auf 190°C vorgeheizt und den Auflauf (da können ein paar Butterflocken auf den Käse) für etwa 25-30 Minuten aufgeheizt.
Tja, wie immer reicht es bei mir für einen ganzen Wohnblock.
zwei Wochen bin ich schon wieder im Land; das reicht, um alle Erholung abbröckeln zu lassen. Es geht ja schon los mit diesem Wetter. Während andere über Schnee jubeln, bekomme ich das kalte Grausen. Ich hasse Winter. Kalt, nass, grau, dreckig.
Nachdem ich jetzt wieder ausreichend davon habe, investiere ich die meiste Zeit natürlich in die Wohnungssuche. Man liest ja viel vom heißumkämpften Wohnungsmarkt, aber ich habe in meinem Größenwahn gedacht, ich sei nicht betroffen. Ich bin ja schließlich gesittet, habe einen Job, bei dem Vermieteraugen glänzen, eine astreine Schufa-Auskunft… ich bin quasi ein Schwiegermuttertraum der Haus- und Wohnungsbesitzer. Ach, Unsinn, weit gefehlt. Auch ich stehe dann in einem Pulk von 200 Menschen, die alle eine kleine Wohnung besichtigen wollen. Da habe ich keinen Nerv zu, tottrampeln lassen kann ich mich auch auf dem Oktoberfest oder beim Kölner Karnevalsauftakt; und da geht es wahrscheinlich lustiger zu.
Dazu kommt die ausschweifende Phantasie in manchen Inseraten. Ein herrlicher Ausblick? Ja, auf eine Müllkippe! Die zum Träumen einladende Dachterrasse? Ja, wenn man denn einen Austritt in der Größe eines Gästehandtuchs „Terrasse“ nennen mag. Und nein, liebe Vermieter: Nadelfilz ist keine „behagliche Auslegeware“!
Naja, zwei, drei ganz passable Wohnungen hatte ich auch dabei, eine allerdings direkt an der zweitmeistbefahrenen Straße Kölns (da hilft auch kein Schallschutzfenster), zwei andere mit winzigen Küchen, was für einen Hobbykoch schon ein No Go ist. Aber die Suche geht weiter, ich habe ja noch Zeit. In meinem Kündigungsschreiben wurde übrigens auch eine Umzugsbeihilfe in Aussicht gestellt, auf Rückfrage hieß es dann, jahaaa, wenn ich auf der Intensiv läge und nicht umzugsfähig wäre. Auch will man sich mit Mietzinsreduzierung in der Überbrückungsphase (z.B. Renovierung der anderen Wohnung) nicht anfreunden. Ehrlich? Der Rauswurf krempelt mein ganzes Leben um und dann null Entgegenkommen?! Ich bin versucht, aus lauter Frackigkeit doch mal meine Rechtschutzversicherung zu bemühen, immerhin hat der Sohn ja eine Bleibe und daher keine Not. Aber ich bin ja „leider“ nicht so gestrickt.
Die Arbeit hat mich natürlich auch wieder. Was soll ich sagen: Ich brauche sie nicht, um glücklich zu sein. Ich brauche nur das Gehalt. 🙂 Aber ich will fair sein, im Moment ist es ziemlich ruhig. Nur der Arbeitsweg ist die Pest! Die beiden linksradikalen Gören Schneeflöckchen und Weißröckchen besetzen die Schienen der Straßenbahn und schon geht nichts mehr. Ich bin zu einer Wohnungsbesichtigung, ich hatte Kulanz von 20 Minuten eingeplant, 20 Minuten zu spät gekommen. Die KVB sind die 11. biblische Plage!
Ich habe natürlich auch wieder ein paar Sachen gekocht, aber nichts so dramatisch schwieriges oder besonderes, dass es einen eigenen Eintrag in der Kochecke würdig gewesen wäre. Ich habe das Boeuf Bourgignon noch mal gemacht, ich habe Lachs auf Chicorée-Gemüse gebrutzelt und Huhn mit Knoblauch und Kartoffeln gebraten.
Was ich aber mal anders gemacht habe: Meine Orangenmarmelade. Diesmal wollte ich eine bittere und habe ein Rezept von Ines Bitsch auf Youtube befolgt. Ich sage Euch, das ist eine zwar zeitlich aufwändige, aber auch tolle Methode: 2 mal 2 Stunden kochen die Orangen und das Ergebnis schmeckt toll! Hier der Link: https://www.youtube.com/watch?v=GWu7dxijonM
Verabredet war ich auch mehrmals, aber die meisten Treffen sind geplatzt. Schneeflöckchen und Weißröckchen lösen ja inzwischen immer sofort Katastrophenalarm aus, der sich dann nicht bewahrheitet. So blieben einige Besucher dann zuhause, obwohl es eigentlich unnötig war. Ich vermute, dass diese Panik ausgelöst wird, weil sich die entsprechenden Stellen denken, lieber zu laut geschrien, als zu leise gewarnt. Ist ja auch verständlich, wird aber über kurz oder lang so ausgehen, wie mit dem Kind und dem Wolf, der aus dem Wald kommt…
Heute dann habe ich mal wieder für Kultur gesorgt. Ich chatte seit einem Monat mit einem netten Mann in Düsseldorf und heute haben wir uns dann auch mal getroffen. In der Kunstsammlung Düsseldorf zur Ausstellung „Queere Moderne“. Das war schön und sehr interessant kuratiert. Auch haben wir dann noch die ständige Sammlung angeschaut. Da sind dann Dinge dabei, die ich nicht verstehe, aber auch wertvolle und bekannte Stücke von Kirchner, Grosz, Chagall, Picasso, Baselitz und und und. Ein Raub würde sich hier definitiv lohnen! Ich habe mir einen kleinen Léger mitgenommen, ich hoffe, das fällt nicht auf. Nein, Quatsch!!! Ja, und das Treffen war auch nett, wir haben dann noch ein Weinlokal besucht und sehen uns wohl auch wieder.
Ja, zu guter Letzt habe ich noch eine Reise gebucht, über Karneval. Ich habe so gar keine Lust, schon wieder mit dem in Köln gelassenen Dom oder dem gehenden Trömmelsche dauerberieselt zu werden. Das macht mich fast aggressiv. Daher fahre ich auf abenteuerlichen Wegen nach Slowenien und dann in die Slowakei. Meine Länder 73 und 74 nach konservativer Zählweise. Da werdet Ihr dann spätestens in dreieinhalb Wochen drüber lesen können. Vorher kommt aber bestimmt noch der ein oder andere Schnipsel ins Haus geflattert.
Liebe Grüße, Euer
P.S.: Meine kapverdischen Schmetterlingsbilder sind gerahmt und ich finde, sie sehen gut aus:
nach einem sehr frugalen Frühstück packte ich meine restlichen Sachen und sortierte noch so einiges aus. Sonnencreme, Mückenspray und Feuchttücher muss man ja nicht wieder mit nach Hause nehmen. Das kann ja vielleicht auch jemand vom Personal oder mein Zimmernachmieter gebrauchen. So hatte ich trotz Souvenirs einen leichteren Koffer als auf dem Hinflug. Wobei ich mich ausnahmsweise mal relativ zusammengerissen habe.
Diesmal hat man mir ein Taxi geschickt, das auch pünktlich erschien. Erinnert Ihr Euch an den busfahrenden Bruce Willis von Barcelona? Heute fuhr mich Laurence Fishburne (u.a. bekannt aus Matrix) und zwar ebenso halsbrecherisch. Als ich fragte, ob er es eilig habe, in den Himmel zu kommen, lachte er tief und satt und gab noch mehr Gas. 150 bei 30 erlaubten. Naja. No Stress.
No stress? Naja. Der Flughafen Amilcar Cabral war vollkommen überlaufen. Es gab 6 Schalter für etwa fünf oder sechs relativ zeitgleich abgehende Flüge. Das Anstehlabyrinth bestand aus etwa 15 Schleifen, nach einer Stunde hatte ich vier geschafft. Es kam zu örtlichen Handgemengen, als dann auch noch alle Gäste nach Lyon und Oslo sich vordrängeln durften. Die Frankfurter, Düsseldorfer, Brüsseler und Lissaboner hatten auch nur noch ein kleines Zeitfenster. Völlig überfordertes Bodenpersonal versuchte, die Menschenmassen sinnvoll zu kanalisieren, schufen damit aber noch mehr Chaos. Wir mussten ja auch alle noch durch die Passkontrolle und den Security Check. Meine Maschine hatte Verspätung, bei regulärem Abflug hätte ich sie verpasst. Stress! Stress!! Stress!!! Die Anzeige zeigte leider bei einigen Flügen weder Gate noch Status an und so irrten braungebrannte Völker gestresst durch die gottseidank übersichtliche Abflughalle.
Ich hatte noch ziemlich viele Escudos, die ich nicht mit nach Hause bringen wollte und erstand noch zwei Packungen Fogo-Kaffee und mangels Alternativen eine kitschige Tonfigur. Somit kam ich mit nur einer 200er-Banknote nach Hause.
Ja, irgendwann waren wir dann in der Luft, ich bekam aufgrund meiner Buchungsklasse ein trockenes Brötchen und ein Getränk für lau. Dabei krähte der Steward laut meinen Namen: „Gratissnack für Gerald Diiiiepolder!!!“. WHAT? Egal. Sechs Stunden Flug. Nicht so schlimm wie 19 Stunden Bus auf Kuba, aber ich hasse es trotzdem.
In Düsseldorf dann Schnee. Würg! Und der Flieger auf dem Rollfeld irgendwo 25 km vom Terminal entfernt. Dafür kamen Bus und Koffer wieder einigermaßen schnell. Dann große Freude: beim Eintreffen am Bahnhof direkt ein ICE, schnell online Karte gekauft. Eingestiegen. Dann die Ernüchterung. „Liebe Reisende, es sind Personen im Gleis, wir bleiben jetzt hier bis zum Sanktnimmerleinstag stehen.“ Ehrlich, fahrt doch drüber über diese Penner! Sorry. Mit 45 Minuten Verspätung fuhren wir dann los. Um kurz vor Mitternacht war ich dann zuhause und schmiss mir eine TK-Pizza in die Backröhre.
So, kurzes Resümee Kapverden. Schönste Insel ist Sant Antão, gefolgt von Santiago. Von São Vicente, insbesondere von Mindelo, hatte ich mir etwas mehr versprochen, Sal war nicht ganz so schrecklich, wie vermutet. Ich hatte fünf gute und zwei grauenvolle Hotels. Alle Transfers haben (bis auf die winzige Ausnahme bei der Ankunft in Praia) geklappt. Sal ist in jeder Hinsicht wesentlich teurer als die anderen drei Inseln. Wer Languste essen will, sollte das nicht in Sal erledigen. Auch Souvenirs sind woanders preiswerter. Sal ist auch am offensivtouristischsten. „Massage, Massage“, „Welcome to my shop“ und „Looky-looky“ tönen einem unentwegt entgegen. Auch der Anteil an Bettlern ist hier am größten.
Was würde ich anders machen? Ich bin nach wie vor froh, ein Tour-Management gehabt zu haben, auch, wenn die Inlandsflüge und die Fähren deutlich zuverlässiger waren, als ihr Ruf. Aber allein, sich nicht um Transfers kümmern zu müssen, war Gold wert. Zur Hochsaison ist auch spontanes Buchen von Unterkünften keine Option, wie ich vor vier Tagen herausfand. Aber man könnte so eine Reise dennoch selbst zusammenstellen, und beispielsweise für die ein oder andere Insel einen Mietwagen nehmen. Wenn aber alles vorbereitet sein soll, dann ist Soul-Tours eine gute Wahl. Die Guides sind natürlich nicht preiswert (vor allem, wenn man alleine reist), aber man kann sich mehr auf das Drumherum konzentrieren, als alle zwei Minuten auf irgendeine (manchmal ja auch fehlerhafte) Street- oder Hiking-App glotzen zu müssen.
Zuviel gepackt hatte ich. Ich hatte mit deutlich schlechteren hygienischen Verhältnissen gerechnet und Desinfektionsmittel, Feuchttücher und Waschhandschuhe eingepackt. Völlig unnötig. Zu viel Bargeld hatte ich mit, was bei teilweise safelosen Unterkünften auch ein wenig stresst. Dabei funktionieren Kreditkarten an Geldautomaten und in Supermärkten/Restaurants in der Regel auf allen vier besuchten Inseln gut. Bisschen Bargeld, zwei verschiedene Karten sind ein guter Mix für das Reiseportemonnaie. Hinweis: Dass man 6 Ziffern als PIN eingeben muss, kann man getrost ignorieren, einfach nach 4 Zahlen „Enter“ drücken. Besser alles in Landeswährung zahlen (und auch die Abhebungen berechnen lassen), sonst zahlt man immer etwa 10 % drauf.
Mit Englisch kommt man nicht soo weit wie gedacht. Mein Grundkurs Portugiesisch hat mir hier und da ein Lächeln eingebracht. Auch, dass ich drei Ausdrücke auf Kreol gelernt habe, kam gut an. Französisch ist verbreiteter, deutsch wird fast gar nicht gesprochen, und wenn, dann hat der Euch Ansprechende einen Bruder in Hamburg und… siehe Kuba. Sorry für die leider durchaus zutreffende Verallgemeinerung.
Es war eine wirklich tolle Reise, ganz anders als erwartet und vor allem vielfältig und bunt. Die Kapverdianer sind ein lustiges, UNGETRESSTES!!! Volk, die Musik ist klasse, das Essen sowieso. Fahrt hin.
Allen, die mich begleitet haben, einen herzlichen Dank! Besonders habe ich mich über die vielen Kommentare hier und per Messenger „Signal“ gefreut. Meine nächste Reise wird die in eine neue Wohnung sein, aber wenn ich die bezogen habe, wird es auch wieder auf Achse gehen.
Alles Liebe und Gute für Euch, Ihr Lieben! Euer
Zuhause wird das Wetter durch Aufsetzen eines lustigen Hutes deutlich erträglicher. Ziehe ich in den kommenden Konferenzen auch an!
Es gibt eine sehr stabile Fliegengittertür. Ich hatte sie wohl während meiner Quarantäne nicht immer ausreichend geschlossen. Die ersten zwei Stunden der Nacht habe ich Mücken gejagt. Eine davon war so vollgesogen, da musste ich anschließend noch richtig die Wand schrubben. Und alle habe ich auch nicht erwischt, habe mehrere Stiche abbekommen. Trotz Megadosis Tropenmückenabwehrspray.
Also, was auch immer das gestern war, es ist halbwegs überstanden. Das Frühstück habe ich auf ein Spiegelei und eine Tasse Kaffee beschränkt, danach ging es ab zum Fahrradverleih. Da boxte der Papst im Kettenhemd! Ich bekam das letzte verfügbare E-Rad. Ein Trumm sondergleichen. Aber mit Akku bis zum Schluss und einer enormen Antriebsleistung (schon auf kleiner Stufe). 25 Euro kostet das für einen Tag. Man bekommt eine lächerlich unnütze Inselkarte, auf der aber immerhin die Nummer für Notfälle steht.
Zuerst ging es an Salinen von Santa Maria vorbei, da wachsen in der völlig versalzenen, sandigen Erde (der Inselname Sal bedeutet ja Salz) tatsächlich blühende Pflanzen!, zum Pachamama Eco Parc. Hier werden zum Teil ausgesetzte oder beschlagnahmte Tiere beherbergt. Es gibt viele Esel, Ziegen, Schildkröten, aber vor allem Federvieh! Aras, Pfauen, Enten, Gänse, Hühner… Viele kleine und sehr bunte Vogelarten sind vertreten. Der Eintritt beträgt 5 Euro und wird als Spende verstanden. Es gibt Erklärtafeln zu Flora und Fauna. Ein nettes Café gibt es außerdem. Seeehr, sehr schön gemacht alles. Klar, man kann sich bei manchen Vögeln fragen, wieso die hier in Käfigen sitzen müssen, aber alle Tiere schienen in guter Verfassung. Da habe ich in diversen touristisch vermarkten Tierrettungsparks schon ganz anderes gesehen.
Weiter ging es nach Murdeira, da befinden sich Buchten, in denen Schildkröten ihre Eier ablegen. Nicht zu dieser Jahreszeit, man merkt davon also nichts. Aber die Buchten sind traumhaft schön. Fast menschenleer, schöne Felsen wechseln sich mit sauberen Stränden ab. Auch der Ort scheint ganz nett, etwas gehobener als Santa Maria vielleicht, es gibt auf jeden Fall eingezäunte Villen. Ab Murdeira wird die Straße für Radfahrer fast ein bisschen gefährlich. Aber ich fand keine Feld- und Wiesenwege, um anders zu meinen Bestimmungsorten zu gelangen, den großen Salinen und der Bucht der Haie. Ich beschloss, auf der Baustelle für die neue Straße entlangzufahren, was bestimmt nicht so gedacht war, aber who cares? No Stress!!
Die Hauptstadt Espargos, an der man vorbei muss und vor deren Toren der Flughafen liegt, scheint uninspiriert in die Gegend geklatscht. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mal kurz durchzuradeln, aber schon die Verpackung schrie: Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen! Zudem konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen, welch grandioses Durchhaltevermögen der Akku hatte.
Am Kreisverkehr, an dem man zu den Salinen abbiegen muss, formierte sich ein militärischer Beerdigungszug. PM stand auf den Binden, das übersetze ich mal mit Militärpolizei. Eine ganze Menge Menschen war versammelt. Auf dem Weg zur Ostküste liegt dann auch ein großer Friedhof, wo ich die Gesellschaft wiedertraf, als ich meinen Besuch des Friedhofs beendete. Natürlich habe ich dann nur ein Foto aus ganz weiter Ferne gemacht.
Der alte Hafen, der zu den Salinen gehört, ist inzwischen quasi verfallen. Eine wunderschöne kleine Kapelle steht dort noch, von 1853. Man kann einen kleinen Berg erklimmen und zum Leuchtturm wandern. Nur das kleine Hafenbecken ist noch in Gebrauch und schützt bunte Fischerboote vor zu starker Brandung. Das Salzabbauareal ist inzwischen wohl geflutet. Man kann dort im angeblich zweitsalzgesättigsten See nach dem toten Meer baden. War zu faul, das zu überprüfen. Ich hätte gerne mal auf das Gelände gespinxt, aber der Eintritt in das „Schwimmbad“ war mir mit 6 Euro für einmal reinschauen zu übertrieben. Und ob ich ohne Badehose hätte schwimmen dürfen? Hm.
Wie kommt man nun zur Haibucht? Ganz simpel: einfach den tausenden TUI-Bussen und Privattour-Jeeps hinterher. Ich war der einzige Radler vor Ort. Wenn man ankommt, wird man informiert, dass man nur mit bestimmten Schuhen und mit einem zertifizierten Guide zu den Haibecken darf. Und was man alles berücksichtigen muss! Sofort quasselte mich dann auch ein halbes Dutzend Menschen an; einer mit einem Affen auf der Schulter, von dem ein identischer als Touristen-Nepp beschlagnahmt im Eco-Park haust.
Jetzt schaut Euch mal diesen Pilgerzug oben an. Alle strampeln zwischen winzigen Zitronenhaien umher, alle mit Fußpilz, Stufe 3. Die Besucher, nicht die Haie. Ich verzichtete dann doch auf dieses unvergessliche Erlebnis.
Jetzt musste ich den ganzen Weg wieder zurück. Ich habe es schon bei der Fahrradtour auf São Vicente erwähnt, sinngemäß: Watte hin fährst, musste auch wieder zurückfahren. Auch wenn Sal fast so flach ist wie mein Waschbrettbauch und das Fahrrad mal über einen drei Ligen höher spielenden Akku verfügt, nach 40 Kilometern verlor ich ein ganz kleines bisschen die Lust. Ich war dankbar, als ich in Santa Maria am Fahrradverleih ankam. Und ich war dankbar, dass dieser schräg gegenüber vom Gasthaus liegt, wo ein kaltes Bier im Kühlschrank auf mich wartete.
Immer dran denken: (kleinen) Finger weg vom Alkohol!
Ich machte mich ein bisschen frisch, Sal besteht nämlich zu 90 Prozent aus Staub, den man als Radler dann schlucken muss, und begab mich wiegenden Schrittes zur Strandbar, wo ich fast zwanzig Minuten auf die falschen Getränke wartete. Mango oder Maracuja, stilles oder sprudelndes Wasser? Im Moment war es ziemlich egal. Ich sagte nix. Inzwischen hatte sich eine kleine Musiker- und Tänzertruppe eingefunden, die alles gab. Gegen einen kleinen Obulus filmte ich sie kurz. Es gibt ein lustigeres Video mit einer interessanteren Aufführung, da lief ein kleiner Junge ins Bild und griff nach der Spendenbox. Aber: keine Bilder von Kindern ins Netz, wenn es sich vermeiden lässt!
Mein Abendessen nahm ich auf einer auch von Einheimischen besuchten Terrasse ein, Restaurant Bia. Der daneben liegende und mir empfohlene „Simple Grill“ war überfüllt. Im Bia wird aber auch am offenen gebrutzelt. Eigentlich wollte ich mir am letzten Tag Languste gönnen, so als kulinarische Krönung. Gab’s nicht. Ich nahm Knoblauchgarnelen (das sichert mir, dass morgen im Flieger keiner mit mir quasseln will) und Frango Piri-Piri, das war dann auch die bessere Wahl, denn da kamen schöne Erinnerungen an gemeinsame Urlaube an der Algarve hoch. Köstlichkeiten müssen nicht teuer sein.
Also, der Tag war ein super Abschluss für Sal. Ich bin immer noch nicht verliebt, habe aber schöne Ecken gesehen und bin deutlich gnädiger gestimmt. Und ich habe mich mehr als drei Minuten am Stück bewegt, das erfüllt mich meistens mit immenser Freude.
Gestern noch hatte ich gedacht, ist jetzt auch langsam mal gut mit den Kapverden, aber heute dauert es mich doch ein bisschen, dass es morgen wieder nach Hause geht. Könnte mir gut vorstellen, noch Zeit auf São Nicolau oder Fogo zu verbringen. Jaja, ich weiß, ich hab einen Dachschaden.
Natürlich wird es noch einen Epilog geben, mit Heimreiseerlebnissen und einer Zusammenfassung. Und ein paar Tipps, denn man kann so einiges richtiger machen, als ich. Und ich verabschiede mich natürlich auch noch vernünftig. Aber ich bitte Euch, Euch mal grob an meine Schilderungen zu erinnern, auf Youtube „Sodade“ (auch Saudade) zu hören und an mich zu denken. Ich verstehe Cesária Évoras „Sehnsucht“, die nach ihren Erfolgen selten zuhause war (sie lebte viel in Europa). Man muss diese Inseln doch irgendwie mögen. Ja, trotz einiger nervtötender Kleinigkeiten ist das große Ganze sehr schön und liebenswert.
Gute Nacht für heute und bis spätestens Montag, ich lande erst spät in Düsseldorf. Euer
Seit Wochen nehme ich ungewöhnliche und ungewohnte Dinge zu mir: Muräne, Schnecken, Bohneneintöpfe aus vier Sorten Hülsenfrüchten… Einmal dann esse ich etwas eigentlich harmloses, sofort schlägt gnadenlos der Herr Montezuma zu. Zumindest schiebe ich meine Malaise auf die Calamari-Ringe von gestern. Einzig anderer Auslöser hätten nur ein paar türkische Trockenkekse sein können, aber das bezweifele ich. Ich konnte das Zimmer erst mittags nach sukzessivem Einwurf von fünf (!) Pillen für einen kurzen Spaziergang verlassen. Dann musste ich wieder zurück und verbrachte mit Krämpfen den Rest des Tages in der Butze.
Auf meinen Bericht von gestern kam noch „bloß nicht in diese Strandbar!“. Tja, das erreichte mich zu spät. Wahrscheinlich waren es auch nicht die Ringe, sondern die Cocktailsauce. (Eigentlich weiß ich, dass man so etwas in der Hitze stehenlassen sollte…)
Jetzt, um kurz nach 17 Uhr, geht es langsam wieder aufwärts, aber großartig rausgehen werde ich heute dennoch nicht mehr.
Ich hoffe, ich kann dann morgen, immerhin letzter Tag der Reise, noch etwas spannendes unternehmen.
Liebe Grüße von Eurem angeschlagenen
P.S.: Das Beitragsfoto trägt den Titel „Die Stuhl-Gang“
ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch allen! Seid Ihr gut reingeschlittert? Fein. Ich bin ja reingenickt. Alles verpennt. Heimisches Silvester, örtliches Silvester. Passt irgendwie zu mir. Aber nach dem schlaflosen Tag zuvor auch kein Wunder. Dafür habe ich dann halbwegs gut sehr lange geratzt. Einziges Manko war der Hund hinterm Gartenzaun, der die Nacht über öfters hysterisch kläffte, und den ich trotz Gehörschutz sehr gut verstehen konnte.
Ich warne übrigens vor. Bei der Durchsicht des Geschriebenen könnte der Eindruck entstehen, ich sei unentspannt. Ich bin es tatsächlich zuweilen. Nehmt es mit Humor.
Heute sollte Tag des Umzugs sein, ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Das Frühstück war prima, mit einem plain omelette, das plainer nicht hätte sein können. Aber es war schon früh morgens heftig warm. Man merkt deutlich, dass es keine Berge und keine Flora gibt. Nach dem Frühstück lief ich zum Strand, wo eine riesige Party tobte. Immer noch oder schon wieder? Schwer zu sagen, so um 9 Uhr 30. Die Anwohner taten mir sehr leid, es herrschten so um die 180 Dezibel. Das ist das Level „schweres Kriegsgerät“.
Zurück lief ich die Fußgängerzone, wo ich tatsächlich ein nettes Geschäft entdeckte. Leider noch geschlossen. Es vertreibt handgemachte Produkte der Inseln. Unter anderem handgemachte Handcremes, was ich, ich weiß zuweilen nicht, was in meinem Kopf passiert, ungemein erheiternd finde. Da kann man ja nur hoffen, dass die nicht zu schnell einzieht. Kicher.
Mitten in meinem Spaziergang bekam ich Befürchtungen, dass das Management meinen Umzug verpeilen würde, und beschloss, zurückzueilen, um meine gepackten Siebensachen als stumme Mahnung in die Lobby zu stellen. War gar nicht nötig, ich erhielt, als ich ankam, einen neuen Schlüssel, 2.Etage, das Zimmer sei aber noch nicht gereinigt. Von gestern hatte ich noch eine halbe Flasche Rosé, mit der stieß ich dann erst einmal mit mir selbst am Pool auf das neue Jahr an. Um 10 Uhr 30. Naja, Alkohol betreffende Vorsätze hatte ich ja ohnehin nicht gefasst. Das neue Zimmer ist super, eigener Balkon, seitlicher Meerblick, Kühlschrank, Schrank (hatte das 1. nämlich auch nicht)… eine deutliche Steigerung.
Ich lief wieder durch Santa Maria. Diesmal bis zum Rand der Bettenbunkerstrände. Schrecklicher Ort. Nienienieundnimmernich buchen!! Erinnert Euch an die Eule, äh, an das Geheule aus dem Flieger nach Lissabon… Heute waren wieder alle furchtbar aufdringlich. Bettler, Souvenirhändler, staatlich ungeprüfte Physiotherapeutinnen. Man möchte ja gerne höflich sein, aber es empfiehlt sich nicht. Einen, der nicht locker ließ, fragte ich direkt, ob er mir jetzt den halben Ort zeige und ich ihm dann 100 Euro schulde. „Okay, fuck you!“. Wenn man einer aufdringlichen Person nur freundlich zunickt, verfolgt sie einen 10 Minuten lang. Wenn man einen Laden betritt, wird man vom Besitzer umzingelt. Bildlich. Wenn man dann anmerkt, man würde sich gerne ungestört umsehen, erhält man die Antwort, man kenne wohl das Gesetz von Sal nicht, welches laute, der Gast sei so lange zu nerven, bis er fluchtartig die Lokalität verlässt. Preisschilder sind natürlich Teufelswerk und verboten. Ihr wisst, wie sehr ich das liebe.
Erster Januar. Neujahr. Feiertag. Schon wieder! Oben übrigens der Gottesdienst dazu. Ich blieb ein bisschen stehen, um mal zu hören, wie gut mein Portugiesisch inzwischen ist. Nicht so. Dann wollte ich den bestimmt supertollen Chor hören. Auch nicht so. Hm. Feiertag also. Nicht ganz so schlimm wie in Mindelo am 25.12., aber doch deutlich spürbar. Zwei Drittel der Restaurants, fast alle Supermärkte und viele Geschäfte geschlossen. Geöffnet hatten die deutlich erkennbaren Touriläden und die waren schwerst überlaufen. In einem stand eine dreiköpfige Familie, vom Dialekt her Schweizer, an einem freien Tisch und diskutierte, bevor sie weiterzogen. Hah! Sofort ließ ich mich fallen. Dann drehte die Familie nach 20 Metern um und die Frau krähte mich an „DA IST BESETZT!“. Ja, von mir. „DAS IST EINE UNVERSCHÄMTHEIT!“. Ich stand auf, sagte, da sie zu dritt seien, wäre ich mal höflich, was man von ihr ja nicht behaupten könne. „WAAAAS? THOMAS, TU WAS!“. Ist Ihre Frau immer so anstrengend? Ja, ist sie. In Ihrem Beisein sprach er es laut aus. Ich fürchte, der Urlaub ist für ihn gelaufen, jedenfalls ihrem Blick nach. Ich verließ fluchtartig den Ort des alsbald anstehenden Verbrechens.
Ich bekam einfach keinen Platz zum Essen, dabei lief ich mir den Wolf. Man muss wissen, dass der ganze Ort ausgebucht ist. Ich hatte gestern vorsichtshalber nach einem Alternativzimmer geguckt. Es gab genau zwei freie im Bettenburgenpark, für je etwa 350 Euro pro Nacht (zugegeben, de luxe und all inclusive). Wenn dann der halbe Ort schließt… tolle Wurst. Ulli schrieb mir gestern, als sie vor ein paar Wochen an der „Mangopirinhastrandbar“ waren, standen da drei Liegen. Jetzt stehen da mehrere Hundert.
Ich fand erneut einen Sitzplatz, diesmal in einer sehr schlecht bewerteten Bumsbude. Egal. Bier und Leberwurstschnittchen. Egal, ob mit oder ohne Gurke. Allein, es kam keine Bedienung. Ihr habt es bereits herausgelesen, aber ich komme hier nicht in den No-Stress-Modus, im Gegenteil. Runter zum Columbus. Voll. Kann ich warten? Ja klar, es sind aber noch 7 andere Gruppen vor ihnen. Ab Richtung Hafen. Porto Velha, die ganze Terrasse frei, das Restaurant berstend voll. Wie merkwürdig. Kann ich mich draußen hinsetzen? Ja, aber es gibt nur Buffet, das kostet einen Kleinwagen. Das Buffet sah grauslich aus. Da waren bestimmt fröhliche Kinderhände im Spiel. Darf ich nur kurz hier sitzen und um ein Bier bitten? Ja klar… Ich gebe den Hochzeitstermin mit diesem herzensguten Kellner dann morgen bekannt. Er weiß übrigens noch nichts von seinem Glück.
Dermaßen gestärkt kaufte ich erst einmal den örtlichen Artesanal-Shop leer. Ich hatte auf allen Flügen nur 23 kg Gepäck. Nach Hause habe ich 32 kg. Honig-Ponche, Fogo-Kaffee und Handarbeiten landeten in meiner Jane-Birkin-Bag. Die Sachen werden zuhause dann zu dem kretischen Honig, der griechischen Sirtaki-CD, dem kanarischen Rum und den mosambikanischen Palmblattschnitzereien gepackt. Liebe Erbys: viel Spaß damit. Über die Kühlschrankmagnetensammlung hatte ich Euch ja bereits ausführlich aufgeklärt.
Mein Hunger war erstaunlicherweise nicht kleiner geworden. Mar Adentro? Küche zu. Ich bekam langsam Hungerhalluzinationen*. Gegenüber eine Strandbar namens Vista Mar. Nur Strandfresszeug der billigen, aber teuren Art. Ihr versteht? War mir gerade egal. Tintenfischringe, bitte, und ein Sprudelwasser. Das Essen kam nach 30 Minuten, das Wasser nach 45. Man braucht Geduld in diesem Lan… ach, erwähnte ich das tatsächlich bereits? Jeder TK-Tintenfischring etwa 1,20 Euro. Aber das „Restaurant“ bietet perfekte Lehrbeispiele der Mentalitätenkonfrontation. Ich bin ja bekanntlich die Geduld in Pers… {weltweite Tumulte}… RUHE!!! Es gibt deutlich schlimmere! Ein Brite neben mir hat alle 2 Minuten gefragt, wo sein Bier bliebe. Auch Leute, die gar nicht dort arbeiten. Hat mal jemand ausgerechnet, was Touristen, die nach 45 Minuten Warterei aufs Essen den Laden ohne Bezahlung verlassen, den Laden kosten? Das wird dann ja wohl alles weggeschmissen. Oder kommt das in die Mikrowelle?
Auf mehreren Bildschirmen wurden mehrere Fußballspiele aus der ganzen Welt übertragen und ich bekam mit, dass deswegen extra Gäste eintrudelten. Ich machte mir einen kleinen Spaß daraus, schwierige Situationen für Liverpool zu beklatschen, bis ich ernsthaft bedroht wurde. Fußballfans verstehen keine Scherze.
Ich war inzwischen etwas angezwitschert, denn ich hatte nach den Tintenfischen auch noch zwei sehr leckere und bezahlbare Caipis (5 Euro) in der Strandbar. Das verführte mich dazu, unbedingt einen der lustigen Kapverdehüte haben zu wollen. Jaja, verdreht ruhig die Augen, fast hätte ich mir sogar einen bunten Anzug gekauft! Aber wo war ich… der Hut. Ich habe ja eine ziemlich dicke Hohlbirne, da passt nicht alles drauf. Ich krittelte also immer rum, das sei ja sowieso alles zu klein. Ein Hut passte einigermaßen, und als zwei wirklich junge Portugiesinnen den „legal“ (cool) fanden, beschloss ich, der soll es werden. 20 – 10 – 15 – 12 – gekauft. Jahaa, Ihr Lieben, so werden Geschäfte gemacht!
Kurz vor dem Hotel saß auf einer Bank ein älterer Herr, der mir schon früher aufgefallen war. Er läuft in einem schon recht abgetragenen Anzug mit einer Zeichenmappe durch den Ort, möchte die gerne (sehr unaufdringlich) zeigen und wird von allen geflissentlich ignoriert. Von mir heute früh ebenfalls. Jetzt setzte ich mich neben ihn und bat darum, mir zu erklären, was er da bei sich trage. Er sprach nur Französisch, aber ich verstand, dass er tote Schmetterlinge sammle und aus den getrockneten Flügeln Bilder zusammensetze. Die schaute ich mir dann an und wollte ihm – nicht nur aus Mitleid – eins abkaufen. Es wurden drei zum Preis von anderthalb. Er fiel mir dann noch in die Arme, ich denke, er war zufrieden. Ich muss jetzt nur diese sehr filigranen Stücke irgendwie nach Hause bringen. Und einen Platz finden. Und nein, ich habe deswegen keine Gunter-von-Hagens-Gefühle.
Ihr habt bemerkt, heute war nicht so der übliche „dann war ich da und dann da“-Tag. Dennoch hoffe ich, es hat Euch interessiert.
Zwei ganze Tage habe ich noch vor mir in diesem doch irgendwie undefinierbaren Nest. Aber ich finde mich ein. Zumindest gibt es viel zu lästern. Erika, unser Lieblingsspiel „Gib auf“ kann man hier bis zur Erschöpfung durchziehen! Vielleicht tut mir diese aufgezwungene Kommmalrunter-Pause ja auch ganz gut.
Was ich für morgen plane? Ey! No Stress! Lachkrampf! Liebe Grüße, Euer
* Normalerweise habe ich ja immer Notfall-Kekse dabei, besonders, wenn ich mit einer ganz bestimmten Person reise. Diesmal hatte ich keine im Rucksack. Ich verstehe diese Person, nennen wir sie mal, hm, ich weiß nicht, vielleicht Elke, inzwischen besser.
P.S.: Den Holznikolaus hätte ich soooo gerne erworben, aber der Ausgangspreis war 600!!!! Euro. Da konnte ich kein Gegenangebot machen. Was meint Ihr?