Das Universum versus Gerry 2,5:0,5

Ihr Lieben,

diese wunderbaren Geschichten über meine Erlebnisse mit dem 9-Euro-Ticket, die so aus mir heraussprudeln, sind sie nicht eine wahre Wonne? Was soll ich sagen? Auch dieses Wochenende wird da nix draus. Es gibt scheinbar eine weltumspannende Verschwörung gegen mein Vorhaben, denn nach nur einem Tag im Büro schlugen alle Covid-19-Tests positiv an. Ich habe gerade einen Lauf. Einen vorsichtigen natürlich, laboriere ich ja immer noch auch an meinem Faserriss.

Donnerstag beim Gesundheitsamt angerufen. Tja, als ich gesund aus Südafrika zurückkam, richteten sich mehrere Gesundheitsbehörden quasi häuslich bei mir ein, um mich auf Schritt und Tritt zu überwachen. Gestern nur: Ja, dann bleiben sie mal zuhause und lassen sich mal vernünftig testen. „Ja, wo denn an einem Feiertag?“ – „Weiß nich‘.“

Freitag Hausarzt angerufen, der in Urlaub. Vertretung angerufen. Das war wirklich effektiv: „Seien Sie um soundsoviel Uhr hier, stellen Sie sich im Treppenhaus daunddahin, wir kommen dann.“ Hat geklappt. Testergebnis kam dann abends, CT-Wert 14,8. What the Schnaps ist ein CT-Wert? Na, ich habe herausgefunden, dass es dazu reicht, andere prima anstecken zu können.

Statt also in überfüllten Regionalbahnen mein Dasein zu fristen (bzw. unbestellten Bussen nachzuweinen), sitze ich bis kommenden Freitag hier in Quarantäne. Leider ist der Verlauf auch nicht super simpel, es geht einher mit Fieber und rasenden Kopfschmerzen. Und der Schnupfen nervt. Aber ich schmecke noch, kann atmen und denke, dass die Impfung möglicherweise eine gute Idee war. Ob die neusten politischen Maßnahmen bzgl. Covid seitens der Regierung Halleluja-Gesänge und Corona-Laser-Shows verdient haben…. Ich weiß es nicht.

Zumindest tut sich etwas in meiner Wohnung. Den Fronleichnams- und den dazugehörigen Brückentag habe ich genutzt, um den Keller auszumisten, einen neuen Teppich liefern zu lassen und meine Onlinepräsenz in Ordnung zu bringen; ich habe Dutzende Accounts gelöscht!

So, die Lamentiererei hört hier jetzt mal auf, hilft ja nix. Wenigstens haben zwei Bekannte auch Corona und wir schreiben uns derbe Witze darüber, die in der woken Welt heute nicht mehr blogfähig wären.

Ernsthaft: Der Friedhof „Melaten“ in Köln hat eine spannende Geschichte!

Ich hoffe inständig, dass ich bald über das eigentliche Thema schreiben kann. Aber wer weiß, was das Universum für kommendes Wochenende im Schilde führt.

Liebe Grüße, Euer

Vanillepudding

Ihr Lieben,

vor einiger Zeit machte ich Käsekuchenmuffins mit Tütenpudding. Die haben mich geschmacklich ja nicht so überzeugt, die Tütenware schmeckte doch arg heraus. Und gestern musste ich etwas mit Blätterteig machen, denn der stand kurz vor dem Verfallsdatum. Also buk ich aus dem Teig kleine Schälchen und füllte sie mit am Abend vorher gezuckerten und daher gut durchgezogenen Erdbeeren. Hm. Ganz nett, dachte ich, aber mit Pudding wären sie noch besser geworden.

Tja, Puddingpulver aus der Fabrik ist eigentlich nichts anderes als eine Mischung aus Zucker, Stärke, mehr oder weniger künstlichen Aromen und allen möglichen E-Zusatzstoffen. Pudding wurde früher mit fast genau diesen Zutaten gemacht, nur musste man abwiegen (dafür war dann nix mit „E“ drin). Ein Dr. aus Bielefeld hat das Abwiegen übernommen und alles in Tütchen gepackt. Damit ist der Mann stinkreich geworden.

Eine Packung Stärke gibt es für etwa 60 ct. Zucker hat man daheim und Vanilleextrakt oder -stangen sowie Eier finden sich auch immer im Vorratsschrank. Also: Let’s make Pudding!

Eine Grammwaage ist ein gute Investition 🙂

Ich setze 400 ml Milch auf dem Herd auf. Während die erhitzt wird, rühre ich weitere 100 ml Milch mit 35 Gramm Speisestärke und 25 Gramm Zucker glatt. Ich gebe dann noch ein Eigelb hinein sowie anderthalb Teelöffel Vanilleextrakt. Noch einmal glattschlagen. Die Milch nach Erreichen der Kochtemperatur vom Herd ziehen und die Mischung mit dem Schneebesen darunter schlagen. Wieder auf den Herd und einmal ganz kurz aufkochen lassen. Herunter nehmen, in Schälchen oder eine Schüssel abfüllen und abkühlen lassen.

Dieser Pudding ist dann sturzfest. Wer ihn lieber etwas cremiger mag, nimmt nur 20 bis 25 Gramm Speisestärke und rührt am Schluss noch etwas Sahne unter die Puddingmischung. Statt Vanilleextrakt gehen auch ein gestrichener Esslöffel Kakaopulver oder eine Handvoll gemahlene Mandeln (dann aber auch wieder etwas weniger Stärke nehmen).

Willst Du immer weiter schweifen?

Sieh, das Gute liegt so nah. (J.W.G. 1827)

Liebe Leser,

vollmundig hatte ich letzte Woche einen tollen Kurztrip versprochen. Warum also zeigt das Vorschaubild Köln Poll? Nun, ich war in Köln Poll. Und ich benötigte noch nicht einmal das 9-Euro-Ticket. Und das Bild ist noch nicht einmal von diesem Wochenende.

Langen Blablas kurzer Sinn: Ich bin krank geschrieben und quasi an die Wohnung gefesselt, habe ich mir doch einen Muskelknacks im rechten Oberschenkel zugezogen, als ich Dienstag von der Arbeit nach Hause fuhr und im Sturzregen von der Straßenbahnhaltestelle in Poll Richtung Bushaltestelle sprintete. Der Sprint hörte dann leider nach einem Meter auf und ich saß im Wolkenbruch auf dem Bahnsteig. Danach begann zumindest den Durchgangsarzt betreffend eine Odyssee, insofern passt das ganze in einen Reiseblog. 🙂

Aber immerhin geht es aufwärts, es ist nicht so schlimm, wie ursprünglich angenommen. Dementsprechend hoffe ich auf einen etwas interessanteren Bericht am kommenden Wochenende.

Liebe Grüße, habt alle einen wundervollen Sonntag!
Euer Gerry

Tropf ja, aber keine steinhöhle…

Ihr Lieben!

Heute also war es soweit, meine erste 9-€-Fahrt. In der Presse konnte man ja schon lesen, dass das 9-Euro-Ticket wie eine Bombe einschlug. Punker enterten Sylt, Großfamilien brachen Richtung Küste auf, halb Deutschland interessierte sich plötzlich für das andere halbe Deutschland. Na ja, zumindest ein Punker war nicht auf Sylt, denn er saß mit mir in der Regionalbahn nach Meinerzhagen. Seine krebsrotverbrannte Haut vermählte sich mit seinen knatschgrünen Haaren übrigens zu einem stimmigen Gesamtbild .

Aber von vorne, ich machte mich natürlich schon letztes Wochenende schlau, wo ich hinfahren wollte. Meine Entscheidung fiel auf die Tropfsteinhöhlen von Attendorn. Mir war klar, dass es eine lange kombinierte Zug-/Busfahrt werden würde. Ich hatte noch im Kopf, dass es gegen 11:30 Uhr losgehen sollte. Daher trank ich erst einmal gemütlich Kaffee, schmierte mir einen Toast, schaltete den Rechner ein, las Nachrichten, checkte nochmal die Abfahrtszeiten… um dann erschrocken zu sehen, dass ich schon um 11 Uhr los musste. Da hast du aber mal jemanden flitzen sehen. Duschen, Zähneputzen, Rasieren, Anziehen und Packen in nur drei Minuten. Dann schnell mit dem Bus zur Trimbornstraße, dort startete meine Regionalbahnreise.

Ziemlich leer war er, der Zug. Wahrscheinlich ist Attendorn nicht so attraktiv wie die Küstenregion. Man passiert so spektakuläre Bahnhöfe wie Rösrath-Stümpen, aber auch Orte mit so verheißungsvollen Namen wie Hoffnungsthal und Engelskirchen. Ich fuhr zwar bei strahlendem Sonnenschein los, aber hinter Gummersbach zog es sich zu und es fing an, zu regnen.

Es fährt kein Bus nach Nirgendwo….

In Meinerzhagen stieg ich dann aus, im Nieselregen. An der Bushaltestelle wunderte ich mich ein wenig, dass mein Bus R61 nach Attendorn nicht auf der elektronischen Abfahrtstafel angezeigt wurde. Leider waren auch die Informationstafeln an der Haltestelle nicht bestückt. Ich wartete ein wenig im Nieselregen und wartete und wartete. Ich bemühte das Internet, genauer die Seiten der märkischen Verkehrsgesellschaft. Der Bus R61, so erfuhr ich dort, verkehrt nur nach vorheriger Buchungsanfrage. Ey sachma, echt jetzt? Wer denkt sich denn so einen Quatsch aus?

Den nächsten Bus hätte ich für frühestens zwei Stunden später buchen können, dazu noch eine Stunde Fahrt nach Attendorn, dann die Höhlen finden, letzter Einlass 16:30 Uhr. Puh! Mir war die Lust vergangen! Der nächste Zug nach Köln zurück von Meinerzhagen sollte aber auch erst in über einer Stunde fahren. Daher beschloss ich, zumindest Meinerzhagen ein bisschen zu erlaufen. Im Nieselregen. Einem ätzenden Nieselregen.

Meinerzhagen, es tut mir wirklich leid das sagen zu müssen, hat nicht besonders viel zu bieten. Eine sehr, sehr traurige Fußgängerzone, eine geschlossene Touristeninformation, einen hässlichen Bahnhof und Nieselregen. Erwähnte ich den Nieselregen schon? Immerhin gibt es einen Volkspark, mit einer Villa mittendrin. Sehr grün! Kein Wunder, es nieselt hier wahrscheinlich ständig.

Die flehentlichen Blicke der Bedienungen aus Eiscafé und Bäckerei ignorierend – kein Gast hatte sich hineinverirrt – , schlich ich zum Bahnhof zurück. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt – übrigens ab Gummersbach bei strahlendem Sonnenschein – war ich wieder zu Hause. Was für ein bescheidener Ausflug. Was lernen wir daraus? Also erstens, man nimmt immer einen Regenschirm mit! Zweitens, und das ist vielleicht sogar wichtiger, eine Reise kann nie detailliert genug geplant sein. Für mein nächstes 9-€-Wochenende werde ich mich auf allen verfügbaren Seiten nach Streiks, nicht fahrenden Bussen, eingestürzten Brücken, Demonstrationen, Alieninvasionen und dergleichen mehr erkundigen.

Aber es war trotzdem irgendwie nett, immerhin kam der Bub mal wieder raus. Zudem kann ich berichten, dass die Zugfahrt einige sehr schöne Ausblicke zu bieten hat.
Nächstes Wochenende geht es dann nach… Ach, ich möchte Euch die Vorfreude ja nicht verderben.

Liebe Grüße, bis bald, Euer

Die traditionelle Pfingstkirmes zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an.

Eselpark, die X-te

Ihr Lieben!

Mein letzter Eintrag über den Eselpark ist eine Weile her. Aber natürlich habe ich ihm nicht den Rücken gekehrt. Dazu gäbe es nämlich keinen Grund! Es ist ein Refugium nicht nur für die Tiere, sondern auch – zumindest tageweise – für mich. Ich versuche, jeden Monat mindestens einmal da zu sein, das gelingt auch fast und ist immer ein Highlight!

Ich habe inzwischen ein zweites Patenkind, nämlich Boris, und habe schon mehrere Eselwanderungen mitgemacht. Die sind ja wegen Corona eine Zeit lang ausgesetzt gewesen. Auch meine „Gattin“ Elke ist regelmäßig dort und wir lieben den Eselpark sehr, sowohl die Tiere, als auch die Menschen, die sich dort kümmern. Zudem habe ich auch schon zwei kleine Beiträge für den Eselpark-Newsletter verfasst, die könnt Ihr auf der Homepage nachlesen.

Boris hasst Paparazzi….

Heute war ich dann mal mit meinem Spanischkurs (ja, auch im hohen Alter kann man noch Unsinn treiben 🙂 !) dort, damit die Katalanen, Carlos und Karlotta sind das, mal ein paar heimatliche Töne hören können. Beide haben uns dann übrigens auch ständig korrigiert. Besonders mäkelten sie an meinen Fehlern bei den unregelmäßigen Verben herum. Abgesehen davon, dass ich auf der Hinfahrt geblitzt wurde (:-( ) war das ein toller Tag. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass wir wieder kurz wandern gehen, aber irgendwie war dann doch die Zeit so schnell rum, dass wir das heute auslassen mussten. Aber, und ich denke, ich spreche auch für meine „Spanier“: Es war wieder wunderbar.

Karlotta war heute extrem schmusebedürftig und suchte sich für ihre Liebesbekundungen ausgerechnet jemanden aus, der noch nicht recht damit umzugehen wusste. Es ist aber auch schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn dann eine Eselin in Pferdegröße sich dauernd an einen schmiegen möchte. Alwin dagegen zickte heute ein bisschen und hat meiner Spanischlehrerin aber dann doch nicht widerstehen können! Ein weiteres Mitglied des Kurses hat einen Namensvetter auf dem Hof und ja…. eine gewisse Ähnlichkeit zeichnet sie aus. Beide charmant und attraktiv 🙂

Wir haben ausgemistet, abgeäppelt, Tiere auf neue Grasweiden gebracht, gestriegelt, Hufe gereinigt und Ohren mit Kokosöl ausgewischt. Letzteres wegen der Fliegen und Kriebelmücken, die sich besonders gerne an Langohren gütlich tun. Es gab gruseligen Enten*** (liebe Kinder: nicht nachmachen, man drückt nie nie nie niemanden unter Wasser!) zu sehen, die Prachthühner stolzierten herum und die Rauchschwalben flogen fast wie in Formation um den Stall herum. Die Bienen wuselten, die Katzen beobachteten, die Schweine grunzten zufrieden. Von den Bienenstöcken im Park, die ein Imker dort aufgestellt hat, gab es übrigens heute erntefrischen Honig!

Was für ein toller Ort! Was für tolle Tiere! Was für tolle Menschen!

Geheimtipp: Auch mit dem 9-Euro-Ticket kann man da hin, aber bitte nur nach Voranmeldung (und vielleicht mit gefülltem Spendenportemonnaie?).

I-AH-ige Grüße, Euer Gerry

Von Schweinen und Menschen

Letztlich haben sich Flocke und mein Patenschwein Boris vor dem Sandkasten ein bisschen gezofft und Flocke hat Boris arg in den Rücken gezwickt. Um ihn ein wenig zu trösten, habe ich mich mit ihm ein paar Minuten in den Schatten gesetzt.

„Ich habe Deine Kolumne im Newsletter gelesen.“, grunzte Boris mich unvermittelt an. „Was soll denn mit meinen Tischmanieren nicht stimmen?“
„Nun ja“, erwiderte ich, „Du frisst wie ein Schwein.“
„ICH BIN EINS!“, echauffierte sich Boris und schnaufte: „Was weißt Du eigentlich über uns Schweine?“
„Ähhhh……“

Ob ich denn wisse, dass Schweine intelligent seien? Naja, erwiderte ich, immerhin sprächen wir ja miteinander, das sei mir Beweis genug. Ob mir denn bewusst sei, dass unsere genetische Verwandtschaft viel enger sei, als manche glaubten? Ja klar, witzelte ich, ich fräße auch manchmal wie ein Schwein. Boris strafte mich mit verächtlichen Blicken.

„Wenn Ihr missliebige Menschen ‚Schweine‘ nennt, wisst Ihr eigentlich, wie weh das tut?“, seufzte er. Ich musste schlucken und versicherte, dass es kein Tier auf der Erde gäbe, dessen Name für eine Beleidigung herhalten sollte. „Doch!“, gluckste er, „der Nacktmull!“ und grunzte sich die Seele aus dem Leib. Jetzt war es an mir, indigniert zu schauen. Es sei doch nur ein Scherz gewesen, beruhigte er mich.

„Vieles wisst Ihr über uns gar nicht. Zum Beispiel könnt Ihr Menschen gar nicht ‚schwitzen wie ein Schwein‘. Wir können nämlich nicht schwitzen, daher suhlen wir uns ja so gerne in Schlamm, damit unsere empfindliche Haut gekühlt und geschützt wird.“ Interessant, das wünscht man sich ja manchmal auch von dem ein oder anderen Zeitgenossen. Also, äh…, dass er seine Haut mehr kühlt. „Und im chinesischen Tierkreis sind wir eins der positivsten Zeichen, denn das Schwein steht für Glück und Freude.“, fuhr er fort. „Aha, deswegen sagt man ‚Schwein gehabt.‘“, sinnierte ich.

„Ja genau, aber jetzt muss ich baden,“, oinkte Boris, „ich fühle mich nun genug besucht. Aber schau gerne beizeiten mal wieder vorbei. Und vergiss dann nicht, etwas Leckeres zum Essen mitzubringen!“ Im Weggehen vermeinte ich, ihn leise „Manchmal wünsche ich mir einen Esel als Paten…“ schnauben zu hören, aber ich kann mich auch geirrt haben.

Auf dem Weg zurück zu den Ställen dachte ich über unser Gespräch nach. In unserem Sprachgebrauch sind einige Vergleiche mit der Tierwelt wirklich aus der Luft gegriffen. „Dummer Esel“ zum Beispiel ist quasi ein Widerspruch, denn es sind bekanntlicherweise sehr schlaue Tiere. „Blöde Ziege! Sturer Bock! Lahme Ente!“ – ehrlich, Ihr habt die Plitsch-Platsch-Bande noch nicht rennen sehen. Vielleicht sollten wir uns angewöhnen, hinter beleidigenden Attributen einfach immer „Mensch“ zu setzen.

Winston Churchill sagte mal über das Schwein: „I am fond of pigs. Dogs look up to us. Cats look down on us. Pigs treat us as equals. – Ich mag Schweine. Hunde sehen zu uns auf. Katzen blicken auf uns herab. Schweine behandeln uns wie ihresgleichen.“ Ein kluger Mann. Aber Hunde und Katzen mögen da auf Nachfrage vielleicht eine andere Meinung zu haben.

Mein 9-Euro-Deutschland

Ihr Lieben,

in den Monaten Juni bis August werde ich einiges über meine geplanten Erlebnisse mit dem 9-Euro-Ticket schreiben. Tatsächlich habe ich heute schon eins erworben, denn bei den Stadtwerken Wuppertal geht das bereits mit deren App.

Wohin soll es denn nun aber gehen? Ihr Lieben, KEINE Ahnung! Über WhatsApp habe ich meinen Freundes- und Bekanntenkreis dazu angeregt, mich zu begleiten. Vielleicht macht eine/r Vorschläge. Nur mache ich mir da nicht allzu viel Hoffnung. Aber im August bin ich z.B. schon mit lieben Freunden in Boppard. Das wird dann ein „9-Euro-Ziel“ werden. Ansonsten Quedlinburg, Trier, Bamberg, Leipzig, Goslar, die Lutherstädte….

Natürlich, eine Regionalfahrt nach Quedlinburg dauert 8 Stunden. Wer außer Bekloppten wie mir würde sich das antun? Wisst Ihr was, selbst ich bin nicht soooo bekloppt. Ich würde dann im Voraus planen und das ganze mit einer preiswerten Schnellverbindung kombinieren.

Also, wenn Ihr Lust habt…. ich würde mich wieder über virtuelle Begleitung freuen. Los ginge es übernächsten Sonntag mit einer Minitour, da ich Samstag schon bei „meinen“ Eseln bin. 🙂

Liebe Grüße, Euer

Bœuf à la Bourguignonne

Ihr Lieben,

mir war mal wieder nach einem Klassiker der französischen Küche, dem in Burgunderwein geschmorten Rindfleisch. Eigentlich heißt es ja Bœuf Bourguignon, aber da ich es etwas anders zubereite als normalerweise, nenne ich es à la bourguignonne, „nach Burgunder-Art“.

Man beginnt zwei oder drei Tage vorher mit den Vorbereitungen. Ein nur leicht marmoriertes Stück Rindfleisch (ich nahm in Ermangelung einer Alternative „falsches Filet“) wird pariert, also geputzt, und in einen ausreichend großen verschließbaren Behälter gegeben. Dazu gebe ich einen Esslöffel Pfefferkörner, einen Teelöffel Pimentkörner, vier grüne Kardamomkapseln, ein halbes Dutzend Wacholderbeeren, alle leicht im Mörser angequetscht. Weiterhin drei bis vier Gewürznelken, eine zerbrochene Zimtstange, ein Stück Sternanis und drei große Lorbeerblätter. Auf das Ganze gebe ich ein bisschen Brandy, das muss man nach Geschmack machen. Ich liebe Brandy und bin großzügig damit. Wer ihn nicht so dominant mag, gibt halt nur ein bisschen davon zu. Aufgefüllt habe ich mit einer Flasche Pinotage aus Südafrika. Diese Traube ist milder als ein roter Burgunder, aber ich mag diesen Wein sehr! Die Dose verschließen und das Fleisch zwei oder drei Tage darin marinieren lassen. Ab und zu umdrehen. Wenn die Zeit knapp ist, ist ein Tag besser als keiner.

Am großen Tag selbst wird das Fleisch aus der Marinade entnommen und mit Küchenpapier sauber getupft. Die Marinade wird durch ein Sieb geseiht und natürlich aufgehoben. In einem Bräter oder ofenfesten Topf wird sodann in dünne Streifen geschnittener Speck in Butterschmalz angebraten. Dann gibt man geputztes und kleinstgewürfeltes Suppengrün hinzu. Das inzwischen groß gewürfelte Fleisch kommt ebenfalls in den Topf und wird peu a peu angebraten. Im nächsten Schritt gießt man die Marinade sowie ein Glas Rinderfond an, legt ein paar Zweige Thymian und noch ein paar Lorbeerblätter in den Bräter und gibt diesen mit Deckel in einen auf 160 °C vorgeheizten Ofen, und das für etwa drei Stunden. Nachdem diese drei Stunden abgelaufen sind, fängt man damit an Schalotten zu karamellisieren. Dazu brät man sie in zwei Esslöffeln Butter und einem Esslöffel Zucker recht lange bei niedriger Hitze in einer Pfanne an, bis das Butter-Zuckergemisch die Schalotten überzogen (glaciert) hat.

Die Zwiebeln zum Fleisch geben und weiterschmoren lassen. In der Schalotten-Pfanne mit wieder einem Schnatz Butter die geputzten Champignons (große vierteln oder halbieren) anbraten. Diese ebenfalls in den Bräter geben und alles noch einmal für eine halbe Stunde schmoren lassen.

Den Bräter nun auf den Herd stellen und das Gericht leicht köcheln lassen. Ministückchenweise Mehlbutter (oder mit etwas Rotwein verrührte Speisestärke) hineingeben und umrühren, bis die Sauce die gewünschte Konsistenz hat. Ich persönlich mag die Sauce dann ja nicht ganz so dick. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Ja, und was soll ich sagen, schon fertig. 🙂 Petersilie drauf ist nie verkehrt! Ich esse dieses Gericht am liebsten mit (diesmal ungeplant sehr) knusprigem Baguette und trinke dann auch mal – eher gegen meine Gewohnheit – ein Glas Rotwein dazu.

Mediterranes Schnecken-Brot

Ihr Lieben,

auf Reisen sieht man ja immer die schönsten Kreationen, das gilt insbesondere für Backwerk. Ich erinnere nur an die schönen Glücksschweinchen im Forn del Teatro in Palma (die ich auch unbedingt mal nachmachen muss!!!).

Sind sie nicht entzückend? 🙂

In einer anderen Bäckerei im Palma erstand ich ein wie eine Schnecke geformtes, pikantes Gebäckstück, in dessen Teig Kräuter, getrocknete Tomaten und Oliven eingearbeitet waren. Das geht doch auch in groß, dachte ich so bei mir und legte heute mal los.

Ich knetete einen pikanten Hefeteig, den ich eine Stunde lang aufgehen ließ. Rezepte dafür gibt es ja zuhauf. Ersatzweise nimmt man Pizzateig aus der Kühlung (habe ich aber kaum Erfahrung mit). Der Teig wird rechteckig ausgerollt, eher breit als lang (da ich so faul bin und alles zackzack gehen muss, ist das bei mir eher multiformig), und mit einem Brei aus Oliven, getrockneten Tomaten, Jalapeños, gehacktem Knoblauch, Oregano und Thymian bestrichen.

Einrollen und dann etwas in die Länge ziehen. Eine Schnecke daraus formen und in eine eingefettete Back- oder Auflaufform geben. Noch einmal 30 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen.

Einritzen und ab mit dem Gebäck in den vorgeheizten Ofen, Ober-/Unterhitze 180°C für 30 bis 35 Minuten. Aus der Form stürzen und weitere 10 Minuten backen. Dazu kann auch eine Schale heißes Wasser in den Ofen gestellt werden, dann wird die Kruste knuspriger.

Guten Hunger!

Vichyssoise (kalte Kartoffel-Lauch-Suppe)

Liebe Schleckermäuler:innen.

Die Vichyssoise ist nun schon unbelegte 105 (aber mindestens 99) Jahre alt, das wollte ich dann doch mal gebührend feiern und sie für heute Abend zubereiten. Was weiß Wikipedia denn dazu zu berichten? Der französische Koch Dial habe sie erfunden, basierend auf einem warmen Suppen-Rezept seiner Mutter, hat dieses aber modifiziert und die Suppe (wahrscheinlich zu aller Entsetzen) dann auch noch kalt aufgetragen.

Dial kam aus Vichy und das Gericht wurde zu Ehren seines Herkunftsortes entsprechend benannt, wahrscheinlich aber nicht von ihm selbst. Im zweiten Weltkrieg (und auch noch danach) erschien der Name Vichyssoise dann einigen Köchen und/oder Gästen unangebracht und man versuchte, die kalte Suppe in Crème Gauloise umzubenennen. Hat nicht geklappt.

Und so habe ich es gemacht: Ich nahm drei Stangen Lauch, 5 mittelgroße Kartoffeln, 3 Knoblauchzehen, putze alles und schnitt es in kleine Würfel. In reichlich Olivenöl schwitzte ich das ganze Gemüse etwas an. Von meiner Gemüsebrühe goss ich dann einen guten halben Liter zu, gab einen Teelöffel meiner Chilipaste hinein und köchelte alles, bis das Gemüse weich war.

Nun pürierte ich alles zusammen mit 200ml Sahne sehr fein und schmeckte mit Salz und Pfeffer ab (und wonach Euch sonst der Sinn sein wird, ich rieb noch etwas Muskatnuss hinein). Die Suppe wurde kaltgestellt und kalt serviert. Ich briet mir ein paar in Knoblauch-Kräuter-Öl eingelegte Garnelen dazu, die passten wunderbar! Meine Vichyssoise sah recht grün aus. Wenn man sie „edel und weiß“ haben will, darf man nur die weißen Teile des Lauchs verwenden.

Bon appétit!

Tag 8: Bus und Schluss

Ihr Lieben,

die Nacht war eine Herausforderung. Ich bin relativ früh zu Bett gegangen, da ich nicht mehr sitzen oder gehen konnte. Ach, wie ich meine Matratze vermisse. Was aber kein Grund sein soll, künftig zu Hause zu bleiben. Eigentlich schlief ich auch recht schnell ein, bis um ca. 1 Uhr früh jemand beschloss, sein Zimmer im Gebäude umzudekorieren. Und das offensichtlich in Stepptanzschuhen. Wenn man genau hinhörte, hatte man auch noch sehr viel Spaß dabei. Um 3 Uhr gab ich entnervt die Hoffnung auf Besserung auf und stopfte mir Ohropax in meine Lauscher. Das mache ich nicht besonders gerne, weil ich dann am nächsten Morgen das Gefühl habe, meine Ohren fühlten sich wie Dumbos Flügel an.

Nach einem sehr ausgedehnten Frühstück packte ich, checkte aus, ließ meine um 5kg schwerere Tasche im Hotel und fuhr Richtung Portopí, um dort den roten Sightseeing-Bus zu stürmen.

Das war eine sehr gute Idee für einen Tag, an dem ich so ein bisschen Leerlauf hatte. Ich fuhr einmal die komplette Tour auf der linken Seite sitzend, einmal auf der rechten Seite sitzend durch. Bei der dritten Runde stieg ich an interessanten Plätzen, wie z.b. dem Castell Bellver oder eben noch einmal an der Kathedrale aus; an letzterer fand ein großer Markt statt, mit interessanten Ständen. Unter anderem ein Kebab, wo wirklich das gesamte Schwein auf dem Spieß über Holzkohlenfeuer gedreht wurde. Auch hätte ich dort noch tolle, wirklich tolle Mitbringsel erstehen können, dazu aber ganz zum Schluss noch mal mehr.

Ich erwähnte wohl schon öfter, dass ich die roten Busse sehr mag. Auch wenn man schon fast alles gesehen hat, bekommt man es noch einmal in einem anderen Kontext serviert. Unter anderem mit historischen Fakten unterlegt. So wusste ich z.b. bis heute nicht, dass Jürgen Drews gar nicht König von Mallorca ist. Angeblich hieß der letzte König hier Jaime, der Viertelvorzwölfte. Ist Drews etwa ein balearischer Reichsbürger?

Auch lernt man viel über Brüdermorde und wirklich prominente Gefangene der über Palma gelegenen Burg, von denen ich aber leider keinen kannte. Interessant sind natürlich auch die Perspektiven einfach aus dem zweiten Stockwerk, auf dem Oberdeck eines solchen Gefährt, da hat man ja noch einmal einen ganz anderen Blick auf Fassaden und dergleichen mehr. Zumal man nicht darauf achten muss, nicht in irgendetwas zu treten.

Dreimal eine solche Tour zu fahren, lässt auch tiefe Einblicke in die menschliche Psyche zu. Das alles weiter auszuführen, würde den Rahmen sprengen. Aber allein die Sitzplatzwahl in einem solchen Bus stellt schon eine große Herausforderung für manche Mitmenschen dar. Auch bekommt man anschaulich gezeigt, wie Darwins Gesetz möglicherweise funktionieren könnte. Durchsagen zu missachten, auf den man aufgefordert wird, auf dem Oberdeck nicht zu stehen, werden durch Olivenzweigklatschen bestraft. Leider lustig.

Es wurde Zeit für den Flughafen, ich holte mein Gepäck am Hotel ab, genoss noch einmal die Vorzüge einer sauberen Toilette und fuhr mit den Linien 4 und A1 los; hatte ich doch lange keine Busfahrten gemacht.

Gleich startet die Maschine, die Reise ist zu Ende. Es war eine sehr schöne Woche, mit sehr angenehmer Begleitung, mit nur anderthalb Tagen schlechtem Wetter, und selbst da konnte ich ja prima etwas unternehmen. Ich hoffe, den virtuell Mitreisenden hat es auch gefallen. Wir sehen uns bald wieder, wenn es mich mal wieder nicht zu Hause hält. Bis dahin allen alles Liebe und Gute und natürlich noch frohe Ostertage!

Euer Gerry

Davon wollte ich Euch eigentlich etwas mitbringen, aber ich hatte leider keine Peseten mehr…